Dr. Ljiljana Radonić
ljiljana.radonic@univie.ac.at

Lehrveranstaltungen

SS 2014

SE M9b: Wandel der Erinnerungspolitik nach 1989

Montags 16.45-18.15 im Hörsaal 23 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 5

Inhalte

Die Lehrveranstaltung geht der Frage nach, wie der Zweite Weltkrieg und der Staatssozialismus in postsozialistischen Gedenkmuseen und Denkmälern repräsentiert werden, die nach 1989 neu errichtet oder in einen neuen Kontext gestellt wurden. Diesen Kontext bilden die „Europäisierung der Erinnerung“ und die Bemühungen, Geschichte nach dem Fall der sozialistischen Regime neu zu erzählen. Über einen bloßen Überblick über die Museen und Denkmäler, ihre Entstehungsgeschichte und die Frage, was sie repräsentieren, hinausgehend, wird in der Lehrveranstaltung diskutiert, wie „doppelte“ bzw. „dreifache“ Okkupation und der Holocaust, Opfernarrative und Kollaboration in den jeweiligen Ländern verhandelt werden, aber auch, welche Auswirkungen die EU-Beitrittsbemühungen auf dieses Aushandeln hatten und haben. Dass einige Ausstellungen nach 1989 mehr als einmal verändert wurden, erlaubt uns, die Dynamik der Opfernarrative, der Externalisierung und des „negativen Gedächtnisses“ zu untersuchen. Dies geschieht besonders im Hinblick darauf, wie die Museen auf „Europäische Standards“ rekurrieren und inwieweit auch den kommunistischen Verbrechen gewidmete Museen den von Holocaust-Museen ausgehenden archetypischen Trend übernehmen, das individuelle Opfer in den Mittelpunkt zu rücken.

Methoden

Nach der Einführung in Gedächtnis- und Museumstheorie durch die Lehrveranstaltungsleiterin werden Primärquellen, allen voran Kataloge von Gedenkmuseen und Fotos von Denk-/Mahnmälern analysiert und durch Sekundärliteratur kontextualisiert. Materialien und Texte werden von den Studierenden so aufbereitet, dass das angeeignete Wissen ohne Vorlesen vorformulierter Referate in die Diskussion eingebracht werden kann, die durch Filme und Fotos veranschaulicht wird. Zahlreiche Materialien werden vor der Kursleiterin zur Auswahl angeboten, aber eigene Vorschläge sind darüber hinaus willkommen. Die Kenntnis einer ostmittel- oder südosteuropäischen Sprache ist von Vorteil, aber keine Voraussetzung.


Art der Leistungskontrolle

Lesen eines Pflichttextes für jede Seminareinheit, Aufbereitung von Texten für die Diskussion in der Lehrveranstaltung + Handout, Rege Beteiligung an der Diskussion der Materialien und Länderbeispiele, Seminararbeit.


Literatur

  • Wolfram Kaiser/Stefan Krankenhagen/Kerstin Poehls: Europa ausstellen. Das Museum als Praxisfeld der Europäisierung, Köln 2012
  • Knigge, Volkhard/Mählert, Ulrich (Hg.): Der Kommunismus im Museum. Formen der Auseinandersetzung in Deutschland und Ostmitteleuropa, Köln 2005
  • Regina Fritz: Nach Krieg und Judenmord. Ungarns Geschichtspolitik seit 1944, Göttingen 2012