Grundzüge der Finanzwissenschaft

Angaben zu den Zeiten und Hörsälen finden Sie bitte auf Ufind.

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Folien und weitere Materialen werden auf Moodle bereitgestellt.​​​​​

Inhalt

Diese Vorlesung führt in die Finanzwissenschaft in einem breit verstandenen Sinne ein.

Finanzwissenschaft wird in dieser Vorlesung verstanden als Analyse der Interaktionen von Wirtschaft, Gesellschaft und Staat. Im Vordergrund stehen dabei die Ursachen und Wirkungen staatlichen Handelns in demokratischen Gesellschaften. 

Finanzwissenschaft untersucht, wie der Staat auf die in ihm lebenden Menschen durch sein Handeln («Politiken») einwirkt. Die Wirkungen von Politiken betreffen sowohl Märkte und wirtschaftliche Entscheidungen (z.B. das Konsumverhalten durch die Steuerpolitik), als auch andere Lebensbereiche (z.B. Fertilität). Die Finanzwissenschaft befasst sich mit der Messung bzw. Identifikation der Effizienz- und Verteilungswirkungen staatlichen Handelns. Politiken können allen Menschen nützen (z.B. durch Sicherstellen der öffentlichen Ordnung oder Umweltschutz), bringen in der Regel aber Gewinner und Verlierer hervor. 

Die Vorlesung versteht die Ursachen von Politiken als Ergebnis des Zusammenspiels von politischen und gesellschaftlichen Kräften («politics») in einem institutionellen Rahmen («polity»). Beispielsweise können wirtschaftliche Interessengruppen (z.B. Gewerkschaften) eine protektionistische Politik fordern, BürgerInnen-Gruppen aber eine sich der Welt öffnende Politik nachfragen. In demokratischen Staaten bieten konkurrierende politische Parteien entsprechende Politikplattformen an, um Wahlen zu gewinnen und so Gestaltungsmacht zu erringen. Die Vorlesung behandelt daher Aspekte von «public economics» (z.B. Finanzierung staatlicher Aktivität), eingebettet in eine Betrachtung der Treiber staatlicdher Aktivität («political economy»). 

Die Vorlesung präsentiert drei analytische Sichtweisen von Finanzwissenschaft. Die traditionelle (neoklassische) Perspektive fragt u.a.: Wie lassen sich staatliche Eingriffe aus einer Effizienzperspektive rechtfertigen? Welche Arten von «Marktversagen» lassen sich durch staatliche Eingriffe korrigieren? Der Staat ist in dieser Perspektive wohlwollend und effektiv, er tritt als Lösung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen in Erscheinung. Die Sichtweise des «public choice» geht (wie die traditionelle Perspektive) davon aus, dass alle Akteure rational sind, unterstellt aber, dass alle Akteure, inklusive den staatlichen Akteuren, strikt auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Der Staat wird in dieser Perspektive von Interessengruppen instrumentalisert, um einigen Vorteile («Renten») zu verschaffen, wenn nötig auch auf Kosten grosser, aber schlecht organisierter Bevölkerungsgruppen. Der Staat erscheint daher nicht als Lösung, sondern als Ursache von wirtschaftlichen Problemen. Die Sichtweise von «behavioral public economics and political economy» betrachtet die Motive aller Akteure als heterogen, d.h. als nicht strikt eingennützig (z.B. altruistische WählerInnen, ideologische PolitikerInnen, «principled agents»). Politische Akteure sind demnach eingeschränkt rational, eventuell einseitig informiert und mit verzerrten Erwartungen ausgestattet. Kontraproduktive Politiken können demnach auch implementiert werden, ohne dass die Akteure dies vorausgesehen oder beabsichtigt hätten.

Thematisch behandelt die Vorlesung Politiken der Umverteilung, der Bereitstellung öffentlicher Güter, sowie der Internalisierung externer Effekte. Sie bietet auch einen Einstieg in die Steuerlehre und illustriert empirische Zugänge zu Fragen der Finanzwissenschaft anhand ausgewählter Beispiele. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Verhalten politischer und staatlicher Akteure (Rent-seeking durch Interessengruppen, Korruption in der öffentlichen Verwaltung, populistische Parteien und Regierungen) und dem demokratischen Prozess (u.a. Informationsaggregation, «fake news», Wählermanipulation).

Die Vorlesung wird auf Deutsch gehalten und richtet sich an Studierende der Volkswirtschaftslehre (Bachelor). Studierende anderer Curricula sind willkommen, müssen aber selbst für die Anrechenbarkeit besorgt sein. 

Voraussetzung:

Grundkenntnisse der Mikroökonomik. Teilnahmeberechtigt an den Klausuren sind Studierende, die auf Moodle „angemeldet“ sind.  

Der erfolgreiche Abschluss des Kurses erbringt 8 ECTS.