Nicht-territoriale Autonomie

Nicht-territoriale Autonomie ist ein Konzept, um mit nationaler Vielfalt innerhalb eines Staates umzugehen. Dabei ist weder das Individuum noch ein bestimmtes Gebiet Träger der Selbstverwaltung, sondern die als Kollektivkörperschaft verstandene Nation an sich. Alle Angehörigen einer Volksgruppe genießen nationale Rechte unabhängig davon wo sie im Staatsgebiet leben.

Das ERC Starting Grant Projekt „Non-Territorial Autonomy as Minority Protection in Europe: An Intellectual and Political History of a Travelling Idea, 1850–2000“ untersucht dieses Konzept sowohl  als politisch-theoretische Idee als auch als in der Praxis umgesetztes Modell. Wir interessieren uns insbesondere für die Wechselwirkungen, Kontinuitäten, Aushandlungs- und Transferprozesse, die dieses Konzept im 20. Jahrhundert erfahren hat.

Dieses Projekt spürt den Anfängen dieser, in der Habsburgermonarchie in Theorie und Praxis entstandenen Idee nach. Die erste Hypothese ist, dass die zeitgenössischen Theoretiker und Politiker durch den öffentlichen Raum in enger Verbindung miteinander standen. Österreich-Ungarn ließe sich daher als eine Art Labor darstellen, in dem man neue Wege im Umgang mit Nationalitätenkonflikten andachte und ausprobierte.

Eine zweite zentrale These dieses Projekts versteht nicht-territoriale Autonomie als ein flexibles und anpassungsfähiges Konzept, das sich sowohl aus einem liberalen als auch rechten genauso wie linken ideologischen Denkschema argumentieren. Minderheitenvertreter der 1920er und 1930er Jahre – seien es deutschbaltische Aristokraten, jüdische Bundisten in der Ukraine, Bolschewiki oder radikale sudetendeutsche Nationalisten – bezogen sich direkt oder indirekt auf praktische und theoretische Erfahrungen aus der Habsburgermonarchie.

Das dritte Forschungsziel untersucht den Zugang internationaler Minderheitenschutzorganisation zu nicht-territorialen Autonomiekonzepten von der Zwischenkriegszeit bis heute. Dabei lassen sich deutliche Unterschiede zwischen NGOs wie dem Europäischen Nationalitätenkongress und internationalen Organisationen wie dem Völkerbund oder dem Europarat ausmachen.

Für mehr Information laden Sie bitte die ERC-Projektbeschreibung herunter: NTAutonomy

Stellenausschreibungen für das ERC-Projekt NTAutonomy:

  1. Doktorandenstelle “Interpreting Non-territorial Autonomy in Late Habsburg and Interwar Hungary
  2. Postdoc-Stelle “Non-territorial Autonomy in Revolutionary Russia and the Early Soviet Union
  3. Doktorandenstelle “The Baltic States and the Transnational Approach of Minority Activists to Non-territorial Autonomy, 1918–1940
  4. Doktorandenstelle “The Sudeten Germans and Non-Territorial Autonomy for Interwar Czechoslovakia