Zum Artikel springen

Lehre WS 2004/05 : Politischer Islam

Handout mit Informationen zu den Zielen und Inhalten der Lehrveranstaltungen sowie Methoden und Benotung

Auswahlbibliographie


Ziel der Lehrveranstaltung ist es sich mit den theoretischen Grundlagen und der Ideengeschichte islamistischer Bewegungen zu beschäftigen und dabei anhand konkreter Beispiele einzelner Bewegungen und Staaten ihre Entwicklung nachzuvollziehen. Dabei soll es weniger um Methoden politischer und/oder militärischer Aktivitäten einzelner Gruppierungen gehen, sondern um die zugrundeliegenden politischen Positionen und die Quellen derselben. Islamistische Bewegungen sollen dabei als moderne politische Bewegungen mit ihren islamischen aber auch europäischen Wurzeln analysiert werden. Die Ideengeschichte des politischen Islam wird sowohl im Kontext europäischer politischer Ideologien des 20. Jahrhunderts (Faschismus, Nationalismus, Antiimperialismus) als auch der sich auf Ibn Taimiyya, Mohammed Ibn Abd al-Wahhab und andere islamische Denker berufenden Strömungen des Islam analysiert.

Als Beispiele politischer Bewegungen des sunnitischen Islamismus soll auf die Muslim-Bruderschaft Ägyptens und ihren palästinensischen Ableger Hamas und den sudanesischen Ableger NIF, auf den auf Mawdudi und die Deobandi-Bewegung zurückgehenden islamistischen Gruppen Indiens, Pakistans und Afghanistans, sowie die Wahabiten Saudi-Arabiens näher eingegangen werden. Von Bedeutung sind dabei auch die Schriften Sayyed Qutbs, die für das Konzept der Jahiliya, aus der die Legitimation eines Gihad gegen Regierungen islamischer Staaten abgeleitet wurde, eine ebenso wichtige Rolle spielten wie für die systematische Islamisierung europäischer antisemitischer Projektionen.

Die islamischen Parteien der Türkei sollen als Beispiel für die (partielle) Integration des politischen Islam in ein laizistisches System behandelt werden. Daneben wird, wenn auch nur kurz, der schiitische Islamismus mit der islamischen Revolution im Iran und den schiitischen politischen Bewegungen im Irak (SCIRI, Da´wa) behandelt. In diesem Zusammenhang werde ich mich bemühen Dhia al-Dabass, den Vertreter von SCIRI in Österreich und Mitglied des Politbüros von SCIRI, als Gesprächspartner für eine der Einheiten zu gewinnen.

Ziel der Lehrveranstaltung ist es den Studierenden einen kritischen Einstieg in das politische Denken islamistischer Strömungen zu ermöglichen und eine weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema zu erleichtern. Dabei soll in der Lektüre nicht nur auf politikwissenschaftliche und islamwissenschaftliche Schriften über den politischen Islam zurückgegriffen werden, sondern auch auf Übersetzungen von Originaltexten von Sayyed Qutb, Hasan al-Banna, Abu l-A´la al-Mawdudi und anderen islamistischen Vordenkern, sowie Gruppierungen wie der Hamas oder der Hizb al-Tahrir. Neben den Aspekten des Autoritarismus und des Antisemitismus sollen die Rollenbilder von Frauen in islamistischen Bewegungen analysiert werden (Antifeminismus, „islamischer Feminismus“).

 



Lehrveranstaltungsmitschrift eines Studenten incl. vieler Handouts