Ein Habitatmodell für den Luchs
(Lynx lynx L.)
in der 3-Länder-Region Böhmerwald

veranschaulicht mittels Geographischer Informationssysteme sowie
einer ergänzenden Akzeptanzsondierung (Meinungsbild) in der Region

von
Thomas Engleder, Mag. rer. nat.
Auberg/Haslach, 2001


GIS

Exkurs: Geomorphologie Böhmerwald

EINLEITUNG

Problemstellung

Der Luchs ist ein faszinierendes Tier! Schon alleine seine Schönheit und sein Anspruch auf ein riesiges, naturnahes Gebiet wecken das Interesse.

Sowohl in Bayern als auch in Tschechien beschäftigen sich seit Jahren namhafte Wissenschafter mit dem Luchs im Böhmerwald. Dagegen passierte in Österreich wenig.

Durch sein Wiederauftreten ist der Luchs zu einem Thema geworden, das von den einzelnen Interessensgruppen unterschiedlich bewertet und behandelt wird und hier auch Konfliktpunkte entstehen. Gerade in Bayern gibt es seit vielen Jahren eine breite öffentliche Diskussion. Im nördlichen Österreich ist der Luchs in der Öffentlichkeit erst seit kurzem ein Thema – nicht zuletzt durch intensive Medienberichterstattung.

So ist/war das nördliche Österreich, was den Luchs betrifft, in wissenschaflicher Sicht - als auch betreffend die breite öffentliche Diskussion – ein mehr oder weniger weißer Fleck auf der Landkarte.

Vielleicht kann meine Arbeit ein wenig dazu beitragen einzelne weiße Flecken zu füllen.

 

Fragestellung

Im Vordergrund meiner Bearbeitung sollen immer der Raumanspruch bzw. die räumlichen Verhaltensmuster des Luchses einerseits und seine Akzeptanz anderseits stehen. Die Physiologie und die biologischen Merkmale und Eigenschaften des Luchses werden daher in meiner Arbeit nur insoweit behandelt, als sie für die geographische Sichtweise absolut nötig sind.

Um es dezitiert auszudrücken; dies ist keine biologische Arbeit, die ich als Geograph auch gar nicht leisten kann und will.

Ziel meiner Arbeit soll es sein, einerseits innerhalb der unten definierten Region Böhmerwald zu versuchen ein Gebiet auszuweisen (mittels Geographischer Informationssysteme) in dem der Luchs einen potentiellen Lebensraum haben könnte bzw. wo die Grenzen eines solchen Lebensraumes sein könnten.

Andererseits soll versucht werden, an Hand von einigen wenigen qualitativen Interviews ein Schlaglicht auf das Meinungsbild über den Luchs in der Teilregion Mühlviertel darzustellen. Dies soll in Art und Weise einer Akzeptanzsondierung passieren. Es sollen dabei Vertreter verschiedener Interessensgruppen interviewt werden und anschließend versucht werden die verbindenden als auch die möglichen Konflikt-Punkte herauszuarbeiten, und mögliche Lösungsansätze zu finden.

Die beiden wesentlichen Voraussetzungen für das Überleben des Luchses in Mitteleuropa sind:

  • das Vorhandensein eines geeigneten Lebensraumes und
  • die Akzeptanz durch den Menschen

Diese beiden wesentlichen Punkte versuche ich in meiner Arbeit zu beleuchten. Sie stellt somit eine ureigens geographische Arbeit dar, da die Untersuchungen zum Lebensraum der Physischen Geographie zugeordnet werden können, die Untersuchungen zur Akzeptanz der Humangeographie.

Erst durch die Verbindung dieser beiden – eigenartigerweise oft konkurrierenden – Teildisziplinen entsteht das oft so schwer zu fassende, eigentlich geographische.

Die gesamte Arbeit ist als Versuch zu bewerten. Es sollen hier keinesfalls unumstößliche Paradigmen aufgestellt werden, die zu einer Frontenverhärtung zwischen Vertretern einzelner Interessensgruppen führen könnten.

Vielmehr soll es gelingen eine Diskussionsgrundlage zu finden die einer gemeinsamen Sache dient.

Ich bitte die vorliegende Arbeit in diesem verbindenden Sinne zu verstehen!

 

DAS UNTERSUCHUNGSGEBIET

Allgemein

Der massive Waldrücken, der sich zwischen Böhmen, Bayern und Österreich erhebt heißt seit dem frühen Mittelalter Böhmerwald. Politisch gesehen war der Böhmerwald nie eine Einheit. So brachte es die Zeit mit sich, dass sich für den bayrischen Böhmerwald-Teil die Bezeichnung "Bayerischer Wald" durchsetzte, für den tschechischen Teil "Šumava" – von "rauschen, das sich sowohl auf die Wälder als auch das Wasser beziehen kann. Lediglich der kleinere österreichische Teil behielt seinen Namen – Böhmerwald. Trotz alledem wird dieses gemeinsame Bayerisch-Böhmisch-Österreichische Grenzgebirge auf den meisten Landkarten als Böhmerwald geführt.

Entsprechend der babylonischen Sprachverwirrung bei der Nomenklatur ist es auch schwierig eine einheitliche Abgrenzung für diese Region zu finden. Nach umfangreichen Literaturstudien kristallisierte sich aber eine Längs-Ausdehnung von der Further Senke im Nordwesten bis zum Hohenfurther Sattel im Südosten heraus. Eine Breiten-Erstreckung ist noch schwieriger zu geben, im wesentlichen kann man hier als Abgrenzung aber die Linie zwischen dichter bewaldeten und meist auch höher gelegenen Gebieten einerseits und den tiefer liegenden waldärmeren Gebieten andererseits hernehmen. An dieser Stelle sei an die Karten "Wald- und Waldrand" sowie "Höhenstufen" im unteren Teil dieser Arbeit verwiesen.

Für meine Arbeit habe ich ein Untersuchungsgebiet gewählt, das diesen "Böhmerwald-Kern" beinhaltet, aber auch die daran anschließenden Gebiete umfaßt – weil es aus Sicht des Luchshabitates Sinn macht. So findet sich beispielsweise das gesamte Mühlviertel in meinem Untersuchungsgebiet, obwohl geographisch gesehen nur der nordwestliche Teil zum eigentlichen Böhmerwald zählt. Bei meinem Untersuchungsgebiet als ganzes spreche ich dann von "Region Böhmerwald".

Die höchste Erhebung des Untersuchungsgebietes findet sich im Großen Arber mit 1.457 m über NN, auf bayerischem Boden. An der Donau östlich von Grein findet sich der tiefste Punkt des untersuchten Raumes mit etwa 220 m. Es ergibt sich somit eine Reliefenergie von 1.237 m.

Politisch teilt sich das Untersuchungsgebiet auf 3 Staaten auf – Deutschland, Tschechien und Österreich – eine Karte zeigt die politische Einteilung des Untersuchungsgebietes, wobei anzumerken ist, dass nicht jeder einzelne politische Bezirk als ganzes im Untersuchungsgebiet zu liegen kommt.

 

Fläche

Flächenaufteilung des Untersuchungsgebietes auf die drei Länder

Bayern, D

ca. 5.200 km2

Südböhmen, CZ

ca. 5.800 km2

Mühlviertel, A

ca. 3.800 km2

gesamtes Untersuchungsgebiet

ca. 14.800 km2

 

 

 

 


PHYSIOGEOGRAPHISCHE AUSSTATTUNG

Überblick

Der untersuchte Raum ist Teil des Granit- und Gneishochlandes der Böhmischen Masse. Die Gesteine dieser geologischen Einheit sind während der variszischen Gebirgsbildung entstanden oder haben damals ihre letzte Metamorphose erfahren. Es bilden heute die einst in mehreren Schüben als Schmelze eingedrungenen und in der Tiefe erstarrten Granite mit ihren damals umgewandelten Hüllengesteinen die Oberfläche. (vgl. Kohl, 1988 und Dunzendorfer, 1992)

Eng verbunden mit diesen geologisch –tektonischen Faktoren präsentiert sich die Landschaftsgliederung des Untersuchungsgebietes. Der herzynisch (NW-SE) streichende Böhmerwaldrücken erhebt sich als markante zentraleuropäische Wasserscheide aus der großen geologischen Störung des Pfahles empor. Dabei ist eine Abdachung gegen SE festzustellen; d. h. die Gipfel verlieren gegen SE hin an Höhe. Die innere Reliefenergie des Böhmerwaldes ist relativ gering. Im Bereich des Hauptkammes finden sich ausgedehnte plateauhafte Verebnungsflächen. (vgl. Dunzendorfer, 1992)

Anmerkung:
Das räumlich eng begrenzte Gebiet der Donauniederung im Süden weist bezüglich der folgenden Geofaktoren eine zum Teil sehr konträre Charakteristik auf. Dies kann hier leider nicht weiter berücksichtigt werden.

 

Klima

Das Untersuchungsgebiet liegt im Übergangsbereich von atlantischen zu kontinentalen Klimabedingungen. Dies äußert sich unter anderem in abnehmenden Niederschlagsmengen von Nordwesten nach Südosten hin. Dieses Mischklima ist jedoch kleinklimatisch oft stark abgewandelt. Tal- und Kessellagen sind kontinentaler getönt, Höhenrücken, Kämme und Hochflächen ozeanischer. Eine Gebirgsstufung des Klimas kommt zum tragen.

Das Klima ist eher kühl und feucht, besonders in den höheren Lagen. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge liegt zwischen 800 und 1500 mm – auf dem Grenzkamm sind sogar Niederschlagsmengen bis 2000 mm/Jahr möglich. Die Hälfte des Niederschlages fällt als Schnee. Die mittlere Jahrestemperatur reicht von 6,5°C (Tallagen) bis 3,5°C (Hochlagen). Die Hochlagen über 1000 m sind schneereich, die niedrigeren Hang- und Tallagen liegen oft im Regenschatten. Die Dauer der Schneedecke reicht von 100 Tagen im Jahr in tieferen Lagen bis über 150 Tage in höheren Lagen. Der Jänner zählt als der kälteste, der Juli als der wärmste, jedoch auch niederschlagreichste Monat.

Die stabilsten Wetterverhältnisse sind im September und Oktober – der Herbst ist die schönste Jahreszeit im Böhmerwald. Typisch sind auch langanhaltende, durch Temperaturinversion bedingte, Schönwetterperioden in den Hochlagen. Demgegenüber haben die Talmulden der Hochebenen des Böhmerwaldes oft extrem niedrige Wintertemperaturen (bis -40° C). (vgl. Valenta & Kadoch, 1996)

 

Boden

Die Böden des Untersuchungsgebietes sind zum größten Teil dem Bodentyp der kalkfreien Felsbraunerden zuzuordnen und sind sehr sauer. Die unterschiedliche Körnigkeit der Ausgangsgesteine (grob bis fein) entscheidet über die Wasserwegsamkeit und somit über die Trockenheit der Standorte. Ebenso die Gründigkeit der Böden, die fast immer gering ist. Eine solifluidale Verlagerung erfaßte die Böden während der Eiszeit. Die vorherrschende Bodenart ist lehmiger Sand bzw. sandiger Lehm und die landwirtschaftliche Bewertung ist niedrig.

In den höheren Lagen (ab 750 m NN) finden sich podsolige Felsbraunerden bis hin zu echten Waldpodsolen. Diese sehr nährstoffarmen Böden stellen Extremstandorte für die Vegetation dar. (vgl. Engleder, 1997)

 

Vegetation

Die Vegetation des Untersuchungsgebietes ist natürlich den Bedingungen von Klima, Boden, Exposition und Höhenlage angepaßt. Gegenüber alpinen Gebieten ist eine Depression der Vegetationsstufen feststellbar. Die höchsten Erhebungen (Gr. Arber, etc.) reichen über die Waldgrenze hinaus. Es schließen nach unten an: Hochlagenfichtenwälder, Buchenfichtenwälder und Fichtenbuchenwälder. Typisch für die Flora des Böhmerwaldes ist ein natürlich niedrigerer Artenreichtum (wegen der kristallinen kalkarmen Gesteinsunterlage), eine Bereicherung mit "alpinen" Arten (Böhmischer Enzian,...) und "glazialen Relikten" sowie bedeutende Vorkommen verschiedener Typen azonaler Pflanzengesellschaften (in Mooren, Talauen, Blockmeeren, Karen,...)

Richtige Urwaldbestände sind im Böhmerwald nur mehr ganz wenige zu finden, der größte Teil der Wälder wird seit Jahrhunderten teils intensiv genutzt (Stichwort: Schwarzenberg‘scher Schwemmkanal – Holzgewinnung für Wien!). Naturnahe Wälder sind heute oft die Regel. Aufforstungen mit allochthonen Fichten-Setzlingen in früherer Zeit und Luftschadstoffe der letzten 50 Jahre führten zu flächenhaftem Waldsterben in mehreren Gebieten (Stichwort: Borkenkäfer-Kalamität).

Die Wiesen des Untersuchungsgebietes sind durch die Rodungstätigkeit früherer Jahrhunderte entstanden. Durch die leichten und sauren Böden des Untersuchungsgebietes und die Entnahme von Heu verarmten die Wiesen über die Jahrhunderte an Nährstoffen und es entwickelte sich eine überaus artenreiche Wiesenvegetation. Bürstlingswiesen, saure Wiesen und Magerwiesen waren bis vor 40 Jahren der bestimmende Wiesentypus. Heute sind sie durch Düngung und Meleorisierung auf Randlagen beschränkt. Eine Besonderheit sind die Waldblößen entlang der Grenze. Das sind alte, früher extensiv bewirtschaftete Wiesen, die nach dem 2. Weltkrieg auf Grund der politischen Situation sich selbst überlassen wurden und eine 50jährige - vom Menschen unbeeinflußte - Entwicklung hinter sich haben. (vgl. Dunzendorfer, 1992 sowie Pils, 1988)



Höhenstufen

Es liegen mehr als 4/5 des Untersuchungsgebietes zwischen 400 und 1.000 m hoch. Jeweils kleinere Anteile liegen tiefer als 400 m (an den Randbereichen) oder höher als 1000 m (in den zentralen Bereichen des Mittelgebirges).

 

 

Waldanteil

Die Waldverteilung innerhalb des Untersuchungsgebietes ist keineswegs homogen. Die zentralen Höhenlagen des Böhmerwald sind fast vollständig mit Wald bedeckt. Hingegen sind die Randbereiche des Untersuchungsgebietes teilweise sehr dürftig mit Wald bestückt.

Karte 8 auf der folgenden Seite soll einen Überblick über die Waldverteilung im Untersuchungsgebiet geben.

Der Waldanteil – gerechnet auf das gesamte Untersuchungsgebiet – liegt bei etwa 40 %. Da aber für den Luchs vor allem auch der Waldrand interessant ist, muß dieser berücksichtigt werden. Auf die Waldrandproblematik wird weiter unten noch ausführlicher eingegangen. Es ergeben sich dann 25 % an Waldrandlagen – womit schließlich ein Wald-/Waldrandgefüge von 65 % des Untersuchungsgebietes auszuweisen ist.

Flächenverhältnisse von Wald und Waldrand im Untersuchungsgebiet

Waldanteil des gesamten
Untersuchungsgebietes

 

ca. 5.900 km²

 

ca. 40 %

Buffer-Fläche
(Buffer-Distanz: 200 m)

 

ca. 3.700 km²

 

ca. 25 %

Wald- und Waldrand

ca. 9.500 km²

ca. 65 %

Wegen seinen ausgedehnten Wäldern, seiner Lage im dicht besiedelten Mitteleuropa, seiner Naturnähe sowie seiner bedeutenden Wasserreserven wird der Böhmerwald oft "Grünes Dach Europas" oder "Grünes Herz Europas" genannt.

Schutz

Weite Teile des Untersuchunggebietes sind Schutzgebiete. Die bedeutendsten Schutzgebiete werden im folgenden vorgestellt.

 

2.4.1. Nationalpark und Landschaftsschutzgebiet Šumava/Böhmerwald

vgl. Web-Seiten vom Nationalpark Böhmerwald/ Šumava

Logo des Nationalpark und Landschaftsschutzgebietes Šumava/Böhmerwald

Der Národní park Šumava/Nationalpark Böhmerwald - auf tschechischem Staatsgebiet - umfaßt eine Größe von 69.030 ha. Das Landschaftsschutzgebiet Böhmerwald/Chránéná krajinná oblast Šumava - daß den Nationalpark auf südböhmischen Gebiet als Schutzzone umgibt - ist 97.970 ha groß.

Gemeinsam bilden sie das UNESCO-Biosphärenreservat Šumava/Böhmerwald mit 167.000 ha oder 1.670 km².

Erste Bemühungen für einen "Landschaftspark Böhmerwald" gab es bereits im Jahre 1911. Nach dem zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 unternahm man weitere Schritte zur Etablierung eine Nationalparkes. 1963 wurde das Landschaftsschutzgebiet Šumava auf einer Fläche von 163.000 ha errichtet. 1990 wurde das Gebiet zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt – was die Qualität und internationale Bedeutung des Gebietes unterstreicht. 1991 schließlich wurde der Národní park Šumava/Nationalpark Böhmerwald eingerichtet.

Der Nationalpark Šumava/Böhmerwald teilt sich in drei Zonen ein, die ein notwendiges Mittel zum Erhalt der ökologischen Stabilität der Natur und Landschaft darstellen.

 

Die Gesamtfläche des Nationalparks Šumava/Böhmerwald unterteilt sich in:

Waldboden

im Ausmaß von 55.600 ha

bildet 81% der Fläche des Parks

Wiesen und Weiden

im Ausmaß von 5.169 ha

bilden 7% der Fläche des Parks

Ackerboden

im Ausmaß von 756 ha

bildet 1% der Fläche des Parks

Wasserläufe

im Ausmaß von 583 ha

bilden 1% der Fläche des Parks

übriger Boden

im Ausmaß von 6.922 ha

bildet 10% der Fläche des Parks

Quelle Národní park Šumava

2.492 ständige Einwohner leben auf dem Gebiet des Nationalparks Šumava/Böhmerwald zum Stichtag 3. März 1991.

Bedeutende internationale Schutz-Abkommen sind:

  • Nationalpark der IUCN-Kategorie II – d.h. international anerkannt
  • UNESCO-Biospärenreservat (Nationalpark und Landschaftsschutzgebiet) seit 1990
  • Die Moor des Böhmerwaldes/Šumava sind seit 1990 in die Liste der international

bedeutsamen Sumpfgebiete (RAMSAR-Konvention) eingetragen.

  • Der Böhmerwald/Šumava wird in der von der IUCN zusammengestellten "Roten
    Liste der Ökosysteme" geführt.
  • Der "Ökologische Baustein Europas" Nr.15 - Bayerischer Wald-Šumava als Beispiel
    grenzüberschreitenden Naturschutzes.
  • Erklärung des Böhmerwaldes/Šumava zur "Europäischen Landschaft des Jahres
    1999/2000 durch die Naturfreunde Internationale (NFI).

 

Leider kämpft der Nationalpark Šumava/Böhmerwald bereits seit längerer Zeit mit massiven Problemen. Die Gründe dafür sind vor allem in der politischen und wirtschaflichen Situation Tschechiens sowie beim Management des Nationalparks zu suchen.

 

Nationalpark und Naturpark Bayerischer Wald
vgl. Web-Seiten von Nationalpark Bayerischer Wald, Naturpark Bayerischer Wald und Nationalpark Böhmerwald/Šumava


Logo: Nationalpark Bayerischer Wald

Logo: Naturpark Bayerischer Wald

In Bayern schließt direkt an den tschechischen Nationalpark der Nationalpark Bayerischer Wald an. Mit einer Fläche von 24.250 ha (Staatswaldbesitz) ist er zwar deutlich kleiner als sein böhmischer Nachbar, aber er wurde schon 1970 gegründet (1997 erweitert) und ist somit der erste Nationalpark Deutschlands.

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Nationalpark der IUCN-Kategorie II, d.h. er ist international anerkannt. Wie sein tschechischer Nachbar ist er UNESCO-Biosphärenreservat – bereits seit 1981.

Umschlossen wird der Nationalpark Bayerischer Wald vom Naturpark Bayerischer Wald mit einer Fläche von über 300.000 ha. Der Naturpark erstreckt sich von der Donau bis zur tschechischen und österreichischen Grenze. Mit über 3% Flächenanteil am Freistaat Bayern gehört er zu den größten Naturparken Bayerns, ja sogar ganz Deutschlands

Ziel des Naturparkes ist es, die Landschaft in ihrer Eigenart, Vielfalt und Schönheit zu erhalten und zu bewahren, nicht zuletzt auch wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung des Menschen.

Die Aufgaben des Naturparkes sind in erster Linie Naturschutz und Landschaftspflege, Schaffung von Erholungs- und Erlebnismöglichkeiten sowie Information der Bevölkerung.

In der Naturpark-Verordnung sind Schutzzone (entspricht in etwa einem Landschaftsschutzgebiet) und Nichtschutzzone - die sogenannte Erschließungszone - festgelegt.

Der Startschuß für den Naturpark Bayerischer Wald fiel bereits 1967. In der Folge wurde der Naturpark immer wieder vergrößert - bis zuletzt im Jahre 1999.

Im NW des Naturparks Bayerischer Wald schließt direkt der Naturpark Oberer Bayerischer Wald an und das Untersuchungsgebiet hat auch noch Anteil an diesem Schutzgebiet.

Im österreichischen Teil des Untersuchungsgebietes (= Mühlviertel) bestehen keine derartig großflächigen Schutzgebiete wie in Südböhmen oder Bayern. Vereinzelte sehr kleinräumige Naturschutzgebiete sind hier anzuführen – spielen aber für den Luchs praktisch keine Rolle.


DER LUCHS

Kurzcharakteristik (vgl. Neumeier)

Klasse:
Säugetiere (Mammalia)
Ordnung:
Raubtiere (Carnivora)
Familie:
Katzen (Felidae)
Gattung und Art:
Lynx lynx (Linnaeus, 1758)

Kennzeichen:

Der etwa schäferhundgroße Luchs weist als größte europäische Katzenart unverwechselbare Merkmale auf. Typisch für alle Luchse sind ihre Hochbeinigkeit, der Stummelschwanz, der Backenbart und die spitzen Ohren mit den langen Haarpinseln. Der Balg ist gelblich-grau bis rötlich mit schwarzbrauner Fleckung.

Mittleres Gewicht: ca. 17 -25 kg

Kopf-Rumpf-Länge: 86 - 110 cm

Schulterhöhe: 54 - 68 cm

Schwanzlänge: 17 - 21 cm

Trittsiegelmerkmale: Form rund, Durchmesser 7 - 9 cm, Schrittlänge 80 - 120 cm, Zehenzahl 4, keine Krallenabdrücke


Nahrung:

Der Luchs ist ein ausgesprochener Ansitz- und Überraschungsjäger. Neben Hasen, Vögeln, Mäusen, Mardern, Füchsen, auch Gams, Rot- und Schwarzwild erbeutet er in Mitteleuropa hauptsächlich Rehe. Er tötet seine Beute durch einen gezielten Biß in die Kehle, seltener ins Genick. Dort hinterläßt er typische Bißspuren mit wenigen tiefen Löchern, die nicht ausgefranst sind. Zu größeren Beutetieren, die er in Deckung schleppt und wenn möglich zudeckt, kehrt er mehrere Tage hintereinander zurück. Meistens werden die Keulen zuerst angeschnitten. Dann frißt er das Beutetier bis auf die großen Knochen, den Verdauungstrakt, den Kopf und die Decke vollständig auf. Da der Luchs keine einzelnen Körperteile abtrennt, hängen auch bei vollständig genutzten Rissen alle Skeletteile aneinander.

Lebensraum:

Der Luchs bewohnt als Einzelgänger große störungsarme Waldgebiete und strukturreiche Kulturlandschaften, da seine Jagdweise einen deckungsreichen Lebensraum voraussetzt. Die sich überlappenden Reviere umfassen im Durchschnitt 100 km².

Fortpflanzung:

Nach der Ranzzeit im Februar/März wirft die Luchsin nach ca. 70 Tagen Tragzeit 2 - 3 Junge, die blind und taub sind. Sie sind erst mit 20 Monaten voll entwickelt und werden mit 2 (Luchsinnen) bzw. 3 Jahren (Kuder) geschlechtsreif.

Jagdrecht:

Der Luchs unterliegt sowohl in Österreich als auch in Deutschland dem Jagdrecht und ist im Bereich des jeweiligen gesamten Bundesgebietes ganzjährig geschont – in Tschechien gelten ähnliche Bestimmungen.

Im Washingtoner Artenschutzabkommen ist der Luchs in Anhang II und in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen in Anhang IV als streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse aufgeführt.

In der Roten Liste gefährdeter Tiere in Bayern von 1996 gilt der Luchs als vom Aussterben bedrohte Art, für die Schutzmaßnahmen dringend notwendig sind.

In Österreich steht der Luchs (Lynx lynx) in der Artenliste der in Österreich vom Aussterben bedrohten Wirbeltiere (Gefährdungskategorie 1 = vom Aussterben bedroht) als eines von 6 in Österreich vom Aussterben bedrohten Säugetiere. (vgl. UBA, 1996)

 

Nahrungsgrundlage im Böhmerwald

Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen eindeutig, daß die Nahrung des Luchses in den einzelnen Teilen seines Verbreitungsgebietes auf der Erde ziemlich unterschiedlich und gewissermaßen von der lokalen Faunenzusammensetzung abhängig ist (vgl. Hemmer, 1993, Jedrzejewski et al., 1993 in  ervený et al., 1997)

Eine Studie von  ervený et al., 1997 stellt für den tschechischen Böhmerwald folgenden Speiseplan des Luchses (in den Jahren 1993 – 1996) zusammen.

 

"Speiseplan" des Luchses im tschechischen Böhmerwald

Reh (Capreolus capreolus)

77,23 %

Muffelwild (Ovis musimon)

4,27 %

Rothirsch (Cervus elaphus)

9,44 %

(Haus-)Schaf

1,68 %

Wildschwein (Sus scrofa)

5,95 %

sonstige

1,43 %

aus  ervený et al, 1997 (verändert)

Die tschechischen Wissenschafter führen an, daß seit 1993 der Anteil des erbeuteten Rehwildes sinkt (von 84,32 % - 1993 auf 62,36 % - 1996). Dagegen wächst der Anteil des Rotwildes in der Nahrung (von 3,25 % - 1993 auf 17,42 % - 1996). Ein Grund dafür könnten sein, daß sich die Rehe bereits an den Luchs "gewöhnt" haben, d.h. sie sind vorsichtiger geworden und nicht mehr so leicht zu erbeuten – der Luchs sucht daher andere, leichter erjagbare Nahrung.

Hauptbeutetier des Luchses ist im Böhmerwald aber nach wie vor das Reh. Der Rehbestand in Mitteleuropa und auch in der Region Böhmerwald ist ausreichend. Somit stellt die Nahrungsgrundlage für den Luchs im Böhmerwald keinen limitierenden Faktor dar.

Untermauert kann das werden durch Wild-Abschußzahlen der vergangenen Jahre aus dem Mühlviertel sowie Angaben zum Fallwild.

Beispiel: Jagdstatistik des pol. Bezirkes Rohrbach, OÖ in den Jahren 1989/90 - 1999/2000

Vereinfacht ausgedrückt läßt sich die Luchssituation im Mühlviertel so umreißen:

Derzeit bewegt sich der Luchs im Mühlviertel vor allem dort, wo die Wälder geschlossen aber die Rehdichte geringer ist. Außerhalb der geschlossenen Waldungen weiter südlich (in den kleinräumig strukturierten Gebieten mit vielen und langen Waldrandlagen) ist die Rehwild-/Beutetierdichte höher – genügend Deckung und die Akzeptanz durch den Menschen vorausgesetzt findet der Luchs dort eine gute Lebensgrundlage.

Angesichts der oben angeführten Zahlen und Darstellungen erscheint es mir zum jetzigen Zeitpunkt unfair den Luchs im Mühlviertel als maßgeblich bestimmenden Faktor bezüglich Wildbestand anzuführen.

In einzelnen Revieren können aber durchaus massive temporäre Einflüsse des Luchses auf den Rehbestand vorkommen. Dies gilt vor allem für Gebiete, wo der Luchs wieder neu auftritt und die Rehe noch nicht auf den Luchs eingestellt sind. Auf längere Sicht normalisiert sich dieser Zustand aber wieder, wie mehrere langjährige wissenschaftliche Untersuchungen untermauern.

Für einzelne Menschen muß der Luchs aber ganz sicher auch als Sündenbock herhalten, für allerlei Unzufriedenheiten mit der eigenen Situation.

Folgende Abbildung veranschaulicht den Einfluß des Luchses auf den Bestand seines Hauptbeutetieres in einem Revier, wo sich der Luchs etabliert hat.


 

Luchs als Wilddieb?
aus: Der Luchs und wir, 1996

Am Beispiel des Niedersimmentals in der Schweiz (hier ist der Luchs etabliert) läßt sich der Einfluß des Luchses auf den Wildbestand illustrieren. Von insgesamt 1400 Rehen und Gemsen im Revier eines Luchspaares überleben 557 das Jahr. Der kleinste Teil - 7 % - fällt den Luchsen zum Opfer. Im gleichen Gebiet werden rund 35 % der Bestände auf der menschlichen Jagd erlegt und ein großer Anteil ist Fallwild! Ähnliche Größenordnungen sind aus Bayern bekannt.


Sollte sich der Luchsbestand und somit die Risse in den nächsten Jahren vermehren, ist selbstverständlich eine Berücksichtigung des Luchses in den Abschußplänen zu diskutieren. Dafür muß jedoch bekannt sein, wieviele Luchse vorkommen und wieviel Wild eindeutig vom Luchs gerissen wurde. Eine genaue Dokumentation ist daher unerläßlich.

Wie sehr der Luchs von seinem Hauptbeutetier abhängig ist zeigt Abbildung 23. Unabhängig von anthropogenen Einflüssen betrachtet läßt sich ableiten, daß hohe (Haupt)Beutetierbestände hohe Luchsbestände bedingen – ebenso wenig Beutetiere wenig Luchse.

In Mitteleuropa sind seit Jahren die Rehwildbestände hoch!


Abhängigkeit des Luchses von seinem Hauptbeutetier

(in diesem Beispiel aus Nordamerika, der Schneeschuhhase)

 

Die zyklischen Bestandsschwankungen des Kanadischen Luchses und des Schneeschuhhasen stehen in enger Korrelation zueinander. Die etwa alle 10 Jahre erfolgenden Zusammenbrüche der Beutetierbestände sind von der Nachstellung durch Luchse weitgehend unabhängig, wohl aber hängen die Fluktuationen der Luchs-Population vom Beutetier-Angebot ab. (vgl. Tschumi, 1973 in Festetics, 1980)

Bei Wotschikowsky, ohne Jahr werden als Gründe für diese 10 jährigen Zyklen angeführt:

    Ein Nahrungsengpaß auf dem Höhepunkt der Entwicklung bei den Hasen führe zum Zusammenbruch der Hasenpopulation

    Der Räuberdruck durch zahlreiche Luchse reduziere die Hasen zusätzlich auf sehr geringe Dichten.

    Nach mathematischen Analysen dürfte auch ein externer Zeitgeber für den Rhythmus von 10 Jahren verantwortlich sein, dabei wird die Sonnenfleckentätigkeit dafür verantwortlich gemacht.

Natürlich tritt der Luchs – durch seine Nahrungsgewohnheiten – als direkter Konkurrent zum menschlichen Jäger auf bzw. der Mensch als Konkurrent zum Luchs. Dies birgt großes Konflikpotential in sich. Sowohl Jäger als auch Naturschützer müssen in dieser Frage großes Einfühlungsvermögen, objektives argumentieren und Verständnis für die Gegenseite beweisen. Eine zu große Emotionalisierung dieses Themas führt in der Regel zu Frontverhärtungen wie Anja Jobin aus der Schweiz ausführlich mitteilt. Ein konstruktives Fortkommen in der Luchs-Frage ist dann blockiert und reicht – wie in der Schweiz - bis zu persönlichen Attacken! (mündliche Mitteilung vom März 2000);

Im österreichischen Böhmerwald/Mühlviertel ist die Jägerschaft, das Stift Schlägl und die Österreichische Naturschutzjugend Haslach (önj) um einen objektiven Umgang mit dem Thema Luchs bemüht. Die Luchs-Riss-Begutachter-Ausbildung und die Entschädigungszahlungen nach Luchs-Rissen des OÖ Landesjagdverbandes an die betroffenen Revierjäger und die objektive Öffentlichkeitsarbeit, das wissenschaftliche Engagement und die Dokumentation von Luchs-Hinweisen durch die önj Haslach ist daher sehr zu begrüßen. Die gute Zusammenarbeit aller am Luchs Interessierten ist hier zu unterstreichen!

 

Verbreitung in Europa und im besonderen im Böhmerwald

Der Luchs, Lynx lynx (Linnaeus, 1758) war in historischer Zeit über fast ganz Europa verbreitet (vgl. Karte 9). Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfuhr sein Verbreitungsgebiet in Europa starke Veränderungen. Er wurde durch den Menschen immer mehr auf die größeren Waldgebiete zurückgedrängt und in Mitteleuropa schließlich auch dort dezimiert und ausgerottet. Nur in den rumänischen, ukrainischen und slowakischen Karparten konnte sich eine isolierte aber sehr starke Luchspopulation halten. (Außerhalb Rußlands und Skandinaviens ist dies das größte und stabilste Teilareal Europas.) Der Luchs kann sich von hier aus weit nach Westen ausbreiten. So sind in den Nachkriegsjahren (des 2. Weltkrieges) Tiere aus der Slowakei nach Zentral- und Südmähren und in die an die ehemalige Tschechoslowakei angrenzenden Länder vorgestoßen. (vgl. Matjuschkin, 1978)

Historische Luchs-Verbreitung in Europa
(aus BUWAL, 1999)

 

Luchs-Verbreitung in Europa 1995
(aus BUWAL, 1999)

Europäische Luchspopulationen und ihre geschätzte Größe
Die Buchstabenkombinationen in der Karte beziehen sich auf die Populationsbezeichnungen in der Tabelle.

 

Population (Abkürzung)

Länder

Populationsgröße

 

Nordische Population (Nord)

Norwegen, Schweden, Finnland

2.500

Baltische Population (Balt)

Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ukraine, Weißrußland

2.000

 

Karpartenpopulation (Ca)

Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Ungarn, Ukraine, Rumänien, Jugoslawien

2.200

 

 

Böhmisch-Bayerische Population (BB)

Tschechische Republik, Deutschland, Österreich

100

 

Balkanpopulation (Balk)

Jugoslawien, Albanien, Mazedonien, Griechenland

50

 

Dinarische Population (Din)

Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina

200

 

Alpenpopulation (AlpE, AlpW)

Frankreich, Schweiz, Italien, Österreich, Slowenien

150

 

Jurapopulation (Ju)

Frankreich, Schweiz

100

Vogesenpopulation (Vos, Pfo)

Frankreich

?


aus BUWAL, 1999


Grenzüberschreitende Luchsverbreitung im Böhmerwald – 1997

Die folgende Karte zeigt Luchshinweise im Böhmerwald aus bayerischer Sicht. Als eine von wenigen Darstellungen zeigt sie das Verbreitungsgebiet grenzüberschreitend.


aus Wölfl, 1999



Der Luchs in der Tschechischen Republik (aus Cervený, Koubek, Bufka, 1998)


Der Luchs in CZ, 1945 – 1969 (aus Cervený, Koubek, Bufka, 1998)


Der Luchs in CZ, 1970 – 1989 (aus Cervený, Koubek, Bufka, 1998)


Der Luchs in CZ, 1990 - 1998 (aus Cervený, Koubek, Bufka, 1998)


Kleine Punkte symbolisieren sporadische Vorkommen, große Punkte symbolisieren ständige Vorkommen.

Anmerkung: Der Böhmerwald/Šumava liegt im SW der Tschechischen Republik.

Auch im Böhmerwald wurde der Luchs im Laufe des 19. Jahrhunderts durch direkte menschliche Verfolgung ausgerottet (nicht durch Lebensraumverlust!), wobei sich bei  ervený und Bufka,1996 die Jahreszahl 1890 als jene findet, als der "letzte" Luchs in der Region erlegt worden sein dürfte – mündliche Mitteilungen von Wölfl, 2000 nennen das Jahr 1905.

Es bleibt offen, ob die Spezies dabei wirklich gänzlich ausgerottet wurde, oder ob einige Exemplare überlebten.

Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts werden wieder Luchse im Böhmerwald beobachtet. Dabei ist bemerkenswert, daß die "ersten" Luchse am Beginn der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts dort gesichtet wurden, wo Ende des 18. Jahrhunderts die letzten erlegt wurden; im Bereich von Železná Ruda/Eisenstein und Primda (vgl.  ervený und Bufka, 1996).

Ein Zusammenhang des Wiederauftretens des Luchses im Böhmerwald mit der oben erwähnten Expansion der Karparten-Luchse nach Westen scheint gegeben. Wobei hier zwei mögliche Korridore in Frage kommen: die Verbindung über die böhmischen Grenzgebirge bzw. die Verbindung über die Böhmisch-Mährische Höhe.


mögliche Fernwanderwege mitteleuropäischer Luchse


Basiskarte: Ed. Hölzl

Die Karte zeigt mögliche Fernwanderwege mitteleuropäischer Luchse. Es ist anzunehmen, daß Luchse aus den Karparten über diese Wege abwandern/abgewandert sind, wenn der Populationsdruck groß ist/war. Die Wanderung ist natürlich in beide Richtungen möglich. Um in der Region Böhmerwald eine nachhaltig lebensfähige Population zu haben ist eine Verbindung der Lebensräume in den Karparten, in den Böhmischen Grenzgebirgen und in den Alpen absolut notwendig. Der Luchspopulation in der Region Böhmerwald kommt somit eine wichtige Verbindungsaufgabe zu – dies sollte immer berücksichtigt werden.


Ab den 70er Jahren kommt es schließlich zu Wiedereinbürgerungen von Luchsen, die die natürliche Zuwanderer-Gruppe stärken sollen. Von 1970 bis 1972 kommt es zur Freisetzung von 5 bis 9 Individuen im Bayrischen Wald. (vgl. Cervený und Bufka, 1996)

Diese Aktionen auf bayrischer Seite fanden illegal statt und geben den Luchs-Skeptikern bis heute Anlaß zu Kritik. Dagegen sprechen andere wiederum von illegalen Abschüssen aus dieser Zeit. Weil diese bayerischen Aussetzungen der frühen 70er Jahre nicht abgestimmt waren, sind auch genauere Daten über Zeitpunkt, Ort und Anzahl der ausgesetzten Tiere unbekannt.

Lediglich die erste Freilassung eines Luchses ist mit 18. November 1970 in der Nähe des Großen Rachels im Bayrischen Wald bekannt (vgl. Cervený und Bufka, 1996).

Den ersten Hinweis auf Reproduktion gibt es 1973 (vgl. Vodák, 1974 in Cervený und Bufka, 1996).

In den 70er Jahren dieses Jahrhunderts zerstreut sich die Luchspopulation im Böhmerwald in mehrere isolierte Gebiete (vgl. Cervený und Bufka, 1996).

Von 1982 bis 1989 finden auf der tschechischen Seite des Böhmerwaldes Aussetzungen statt. In diesem Zeitraum werden insgesamt 18 Tiere (Wildfänge aus den Slowakischen Karparten) freigelassen. (vgl. Cervený und Bufka, 1996)

Zu Beginn dieses tschechischen Aussetzungsprojektes wird die Populationsgröße des Luchses im Böhmerwald auf 20 Tiere geschätzt (vgl. Nováková et al, 1980 in Cervený und Bufka, 1996).

Diese Aktion auf der tschechischen Seite ist ein legales wissenschaftliches Projekt.

 

Die Einwanderer aus den Karparten und die Freisetzungen in den 70er und 80er Jahren dürften der Grundstock für die heutige Luchspopulation im Böhmerwald sein.

Nach Matjuskin, 1978 können solche Aussetzungen als künstliche Beschleunigung der teilweisen Wiederherstellung des ehemaligen Verbreitungsgebietes aufgefaßt werden.

Seit Beginn der 90er Jahre ist eine zügigere Expansion der Luchspopulation im Böhmerwald festzustellen. Diese Etablierung führte schließlich auch zu einer Rückeroberung von Lebensraum gegen Süden hin (abwandernde Jungtiere, die neue Territorien suchen).

Scherzinger schätzt den “bayrischen” Bestand an Luchsen in Cervený und Bufka, 1996 auf 12 Tiere – wobei es sich hier teilweise um die gleichen Individuen handeln kann die bereits auf tschechischer Seite beobachtet wurden. Strunz berichtet in Cervený und Bufka, 1996 auch von beobachteten Tieren weiter im Süden, so zum Beispiel bei Passau an der Donau.

Bestandsschätzungen oder genaue Angaben über den Luchsbestand im nördlichen Österreich fehlen in Cervený und Bufka, 1996.

Aufzeichnungen des Stiftes Schlägl, der Österreichischen Naturschutzjugend Haslach sowie in weiterer Folge auch der Mühlviertler Jägerschaft und somit des OÖ Landesjagdverbandes können hier Hinweise liefern.

Die mir vorliegenden Aufzeichnungen über Luchsbeobachtungen in den Revieren des Stiftes Schlägl beginnen mit einer Beobachtung 1988.

Die mir bekannten, am weitest südlich gelegenen Hinweise auf einen Luchs, findet sich im Untersuchungsgebiet nördlich der Bezirkshauptstadt Perg im Revier Windhaag bzw. Windegg. (vgl. OÖ Jäger, März 2000) und im Bereich Mitterkirchen, nahe der Donau (OÖ Landesjagdverband, 2001)

An dieser Stelle sei auf die Luchs-Hinweiskarte im österreichischer Böhmerwald/Mühlviertel verwiesen

Gebiet ständiger Luchs-Verbreitung im tschech. Böhmerwald in den Jahren 1989 bis 1992


aus Bufka, Cervený, Koubek, 1997


Luchs-Verbreitung im tschech. Böhmerwald in den Jahren 1996/97


aus Bufka, Cervený, Koubek, 1997

dunkle Fläche...Gebiet mit ständigem Luchsvorkommen,
schraffierte Fläche...unregelmäßiges oder sporadisches Vorkommen,
schwarze Pfeile...Migrationstendenz innerhalb Böhmens


Die tschechische Kartierung beschränkt sich auf tschechisches Staatsgebiet. Es fällt aber auf, daß die kartierte Luchs-Verbreitung bis direkt an die bayrische und österreichische Staatsgrenze reicht. Beachtet man im besonderen den südlichen Bereich des Kärtchens - in Bezug auf Luchsvorkommen in Österreich - so sind auch auf österreichischer Seite Luchsvorkommen wahrscheinlich bis auf eine Höhe von Bad Leonfelden und dann erst wieder weiter östlich – und werden auch beobachtet. Wie weit ins Landesinnere Österreichs diese Vorkommen reichen ist bei Cervený und Bufka, 1996 nicht bekannt. Nachweise von getöteten Jungtieren bei Schenkenfelden und bei Zwettl/Rodl geben einen Hinweis auf mögliche südliche Verbreitungsgrenzen. Es könnte auch sein, daß lediglich Teile von Luchs-Territorien in Österreich liegen. Das würde heißen, die im grenznahen Österreich beobachteten Luchse streifen sowohl durch österreichisches als auch tschechisches Staatsgebiet als ein Territorium, und weiter südlich schließen keine neuen Luchs-Territorien an. Weit südliche Hinweise im Mühl- und Waldviertel in letzter Zeit lassen aber auch Luchsterritorien nur auf österreichischem Gebiet möglich erscheinen.

Interessant ist schließlich wieder das kartierte tschechische Luchsvorkommen weiter östlich im Bereich Pohorí/Buchers an der mühl-/waldviertler Grenze. Bedeutsam ist dies besonders im Hinblick auf eine mögliche Ausbreitung des Luchses gegen Süden, wo doch mit dem Frei- und dem Weinsbergerwald hier sehr waldreiche Gebiete an das tschechische Luchsvorkommen direkt angrenzen und diese Wälder bis an die Donau reichen. Wie wahrscheinlich eine Vernetzung mit Habitaten im Alpenraum ist bleibt offen (ausgeschlossen ist sie nicht).

In den Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) vom 30. Oktober 1999 ist zu lesen, daß im Nationalpark Kalkalpen – im Süden Oberösterreichs – ein Luchs gesichtet wurde. Der Nationalpark-Direktor spricht in diesem Artikel von einer Dokumention von Luchshinweisen seit Mai 1999 und äußert die Vermutung, daß der Luchs aus der Steiermark zugewandert sein könnte. Hinweise gibt es bis Aschach/Steyr - nahe der Stadt Steyr (mündliche Mitteilung E. Mayrhofer, 2001) Im Sommer 2000 gelingt Jens Laass schließlich ein Luchs-Nachweis im Nationalpark Kalkalpen mittels Fotofalle (mündliche Mitteilung von C. Deschka, 2000).

 ervený und Bufka, 1996 schätzen den gesamten Luchs-Bestand in der Region Böhmerwald auf 70 bis 100 territoriale Tiere (d. h. ohne Junge). Das permanente Verbreitungsgebiet schätzen sie auf eine Fläche von 3.500 km², wobei die Gebiete, die von subadulten Luchsen durchstreift werden nicht miteingerechnet sind.

Die mittlere Populationsdichte wurde mit einem unabhängigen Individuum pro 89 km² festgestellt. In einzelnen Teilen des Nationalparks Böhmerwald (Narodní Park Šumava) kann die Luchs-Dichte auch höher sein, das beanspruchte Areal eines Luchses kann hier bei nur 33 km² liegen. (vgl. Cervený und Bufka, 1996)

Dies setzt aber besonders günstige Lebensbedingungen (Nahrungsangebot, Deckung, ....) voraus.

Die durchschnittliche Anzahl von Jungen pro Weibchen wurde mit 2,42 festgestellt. (vgl. Cervený und Bufka, 1996)

Am höchsten ist die Sterblichkeit unter den Jungtieren, die sich gerade erst von der Mutter getrennt haben. (vgl. Matjuskin, 1978)

Entlang der tschechisch/österreichischen Grenze im NW des Mühlviertels dürfte der Luchs heimisch sein. Hinweise im Inneren des Mühlviertels sind weniger regelmäßig. Ein überfahrener Jung-Luchs bei Schenkenfelden im November 1999, ein gefangener und erschlagener Jung-Luchs in Berdetschlag, Ulrichsberg im Oktober 1999 und ein erschossener Jung-Luchs in Zwettl/Rodl im Oktober 2000 geben aber eindeutige Hinweise auf eine Präsenz des Luchses. Laut Auskunft von Bezirksjägermeister Gerhard M. Pömer aus dem Bezirk Freistadt, Martin Forstner aus dem westl. Waldviertel und Bezirksjägermeister G. Reumann aus dem Bezirk Perg gibt es auch in diesen Gebieten immer wieder Luchshinweise.

M. Wölfl – Luchsexperte im Bayerischen Wald – ist der Meinung, daß der Luchs etwa in einer reich strukturierten Kulturlandschaft des Mühlviertels ohne weiters leben kann. Da es hier genügend Rehe und Deckung gibt. Der Knackpunkt dürfte vielmehr die menschliche Akzeptanz gegenüber dieser Großkatze sein.

Schließlich ist festzuhalten, daß es sich bei den Luchsen im nördlichen Österreich um natürliche Zuwanderer aus dem Norden handelt.

 

Österreichische Orts- und Riedbezeichnungen mit Hinweise auf den Luchs

Eine sehr geographische Methode um historische Luchshinweise zu bekommen ist die Analyse des Namensgutes der Österreichischen Karte 1:50.000 (ÖK50).

Das Geographische Namenverzeichnis, GEONAM des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen (BEV) ist eine Datenbank welche mehr als 100.000 geographische Namen mit einem koordinativen Lagebezug beinhaltet. Diese Datenbank ist in der AustrianMap, einer digitalen Version der amtlichen österreichischen Kartenwerke, integriert. Eine Abfrage nach den Worten "Luchs" und "Lux" hat nun folgendes Ergebnis geliefert:

 

Orts- und Riedbezeichnungen in der Österreichischen Karte 1:50.000, die die Wortteile "Luchs" und "Lux" enthalten.


Quelle: AustrianMap, BEV


Sicherlich kann dieses Ergebnis nicht eins zu eins für eine historische Luchsverbreitung in Österreich übernommen werden, weil ganz einfach zu viele externe Variablen in die Namensgebung von Örtlichkeiten und deren Aufnahme in die ÖK50 hineinspielen. Es ist auch keineswegs gesagt, dass sich die gefundenen Bezeichnungen ausschließlich vom Luchs herleiten.

Trotzdem kann diese Methode einzelne Hinweise liefern, wo in historischer Zeit der Luchs eine so prägende Rolle gespielt haben kann, dass er die Namensgebung von Örtlichkeiten beeinflußt hat.

Das bemerkenswerte Ergebnis liefert Hinweise für nahezu den gesamten österreichischen Alpenraum (mit Ausnahme der höchsten Erhebungen wie Hohe Tauern, Ötztaler Alpen ,...) sowie die Böhmische Masse.

Die drei Örtlichkeiten im Mühl- und Waldviertel sind:

Luxau, Gemeinde Julbach, pol. Bezirk Rohrbach, OÖ

Luchsberg, Gemeinde Kefermarkt, pol. Bezirk Freistadt, OÖ

Luchsmauer, Gemeinde Bärnkopf, pol. Bezirk Zwettl, NÖ;

Alle drei Standorte sind durchaus Plätze, wo sich der Luchs gerne aufgehalten haben kann. So handelt es sich bei der Luxau um ein 700 bis 780 m hoch gelegenes waldreiches Gebiet, beim Luchsberg um eine 516 m hohe Erhebung und bei der Luchsmauer um einen 923 m hoch gelegene Felsen. Alle drei Orte liegen wiederum durchaus auch im heutigen Streifgebiet von Luchsen.

 

Diskussion der Grundlagen – Das Untersuchungsgebiet als Luchslebensraum

Die Ansprüche des Luchses an seinen Lebensraum lassen sich vor allem konzentrieren auf Nahrung und Deckung.

Das Vorhandensein von Nahrung und Deckung hat wieder einen engen Zusammenhang mit der heutigen Natur- und Kulturlandschaft.

Große Beutetierdichten (viele Rehe) gibt es vor allem in den Gebieten, wo der Wald stärker fragmentiert ist. Das heißt wo die Waldrandlängen hoch sind (vgl. Karte 8: Wald und Waldrand). Viel Waldrand bedeutet viele Beutetiere – hier gibt es einen eindeutigen Zusammenhang. Dieser Umstand der kulturlandschaftlich bedingten Waldfragmentierung ist für das Beutetierangebot für den Luchs sicherlich positiv. In vielen Bereichen des Bayerischen Waldes und des Mühlviertels ist auf Grund der historischen Landnutzung und einer über Jahrhunderte geprägten und genutzten Kulturlandschaft der Wald weitgehend sehr fragmentiert, d. h. es existieren lange Waldränder.

In den höher gelegenen Gebieten ist der Wald hingegen weitgehend geschlossen. Dies hängt hier sehr mit der physiogeographischen Ausstattung zusammen. Vor allem Klima-, Witterungs- und Bodenverhältnisse sind hier soviel ungünstiger für eine landwirtschaftliche oder siedlungsgeographische Nutzung als in geschützteren, günstiger, milderen Lagen niedrigerer Höhen. Darum wurden diese Gebiet in historischer Zeit auch nie großflächig gerodet für Landwirtschaft oder Siedlungen.

Daraus resultierend gibt es in der Regel unterschiedliche Besitzstrukturen. Die vor allem landwirtschaftlich genutzten offenen Flächen des Bayerischen Waldes und des Mühlviertels sind praktisch vollständig in kleinbäuerlichem Privatbesitz (ähnliche Verhältnisse waren auch für den tschechischen Anteil bis 1950 gegeben). Dagegen sind die geschlossenen Waldungen weitgehend im Großgrundbesitz (Staatsforste in Bayern und Tschechien, Kirche, Adelige,...)

Nicht außer acht gelassen werden sollte auch die oft sehr unterschiedliche Wildbewirtschaftung. Die Schalenwildhege außerhalb der großen geschlossenen Waldungen wird von mehreren Jägern intensiver betrieben als in den Waldungen der großen Forstbetriebe. Beziehungsweise wird hier seit je her auch mehr Bedacht auf Wildverbiß gelegt und daher der Schalenwildbestand niedrigerer gehalten.

Vergleicht man Karte Wald mit Karte 7 Höhenstufen erkennt man auf einen Blick den großen Zusammenhang von Höhenlage und geschlossenen Waldungen. Dies bestätigt die oben erläuterten Thesen der unterschiedlichen physiogeographischen Ausstattung der unterschiedlichen Höhenlagen.

Wenn auch die Beutetierdichte für den Luchs in den großen geschlossenen Waldungen geringer ist als in den anderen Gebieten, so ist sie für den Luchs ausreichend und stellt keinen limitierenden Faktor dar. Der große Vorteil dieser geschlossenen Waldungen für den Luchs dürften die größere Störungsarmut (weniger anthropogene Einflüsse) und die bessere Deckung sein. Klima und Witterung setzen dem Luchs im Böhmerwald keine Limitationen, da er in dieser Hinsicht sehr robust ist – wie auch das historische Verbreitungsgebiet des Luchses in Europa in Karte 9 unterstreicht. Wohl aber hat er Präferenzen. So liebt der Luchs in der Regel felsiges Gelände wie etwa Blockburgen. Dies liegt vor allem in seiner Eigenschaft als Katze. Im Böhmerwald bieten felsige Passagen Überblick, Deckung und nicht zuletzt sind sie oft sonnig, was dem Verlangen des Luchses nach einem angenehmen Platz tagsüber zum schlafen und zur Fellpflege entgegenkommt. Zur Jungenaufzucht werden ebenfalls solche Plätze aufgesucht. Überhaupt ist festzustellen, daß der Luchs in südexponierten Gebieten gerne anzutreffen ist.

Der Luchs ist eine Waldkatze und das Untersuchungsgebiet ist über weite Teile ein Waldland. Wald ist somit die allerwichtigste Inputvariable für mein Modell. Des weiteren sind aus naturräumlicher Sicht die großen anthropogenen Einflüsse für den Luchs von großer Bedeutung. Im folgenden empirischen Teil sollen diese Zusammenhänge näher beleuchtet werden.


 

EMPIRISCHER TEIL – GIS

Geographische Informationssysteme (GIS)

vgl. Riedl, 1995

Ein Geo-Informationssystem ist ein rechnergestütztes System, das aus Hardware, Software, Daten und den Anwendungen besteht. Mit ihm können raumbezogene Daten digital erfaßt und redigiert, gespeichert und reorganisiert, modelliert und analysiert sowie alphanumerisch und graphisch präsentiert werden. (Bill & Fritsch in Riedl, 1995)

GIS nach ESRI


aus ESRI, 1996

Der Begriff Geographische Informationssysteme wurde in den 60er Jahren geprägt und kam in Projekten wie digitale Kartierung und Entwicklung digitaler Geländemodelle zur Anwendung. In den 90er Jahren kommt es zu einem weltweiten Aufschwung der Geographischen Informationssysteme, speziell hervorgerufen durch den Einsatz von hybriden Systemen – das sind Systeme wo sowohl Vektordaten (Liniendaten) als auch Rasterdaten (Punktdaten) kombiniert verarbeitet werden können (z. B. Verarbeitung von in Vektorformat vorhandenen Daten wie etwa Straßen mit Rasterdaten wie etwa LANDSAT-Daten oder gescannten Luftbildern). Die Daten können einzeln und auch in Kombination verarbeitet werden. Dies bedingt Transformationsmöglichkeiten sowohl von Vektor- in Rasterformat als auch umgekehrt.

Geographische Informationssysteme lassen sich grob, wie der Name schon sagt, in zwei Bereiche teilen:

Informationskomponente = Datenbank (Abfrage + Analyse)

Geographie = Verortung und Visualisierung

Die Datenbank- und Analysefunktionen des Systems spielen eine zentrale Rolle. Im Gegensatz dazu werden die Visualisierungsansprüche auf die Fragestellung oft unterbewertet, was jedoch ebenso viel Aufmerksamkeit verlangen würde.

 

Die 4 Hauptkomponenten eines GIS


nach Riedl, 1995

Heute kann man von einem GIS-Markt mit einem Angebot von zahlreichen kommerziellen Programmsystemen und einer großen Nachfrage – in nahezu allen Bereichen wo räumliche Daten eine Rolle spielen – sprechen.

Geographische Informationssysteme sind daher heute zur Realität geworden und unentbehrlich für ein effektives, problemorientiertes Arbeiten. Ein GIS erlaubt einen interaktiven Zugriff auf das Datenmaterial, d. h. es lassen sich anhand eines Modelles unterschiedliche Lösungsvarianten simulieren und dadurch eventuell auftretende Komplikationen bzw. Auswirkungen im Vorhinein aufzeigen. Ein großer Vorteil der GIS-Technologie liegt in einer raschen und gut belegbaren Informationswiedergabe, die für die Unterstützung von fachspezifischen und politischen Entscheidungsträgern, Bürgern usw. herangezogen werden kann.

Daß Geoinformationssysteme zur Zeit extreme Zuwachsraten haben, liegt sicher nicht nur daran, daß es heute mehr raumbezogene Daten gibt als früher, sondern auch daran, daß der Anwender erkannt hat, daß seine Daten einen Raumbezug haben und ihre Auswertung mit einem GIS sehr große Vorteile für seine Arbeit bringt.

Durch ein Geographisches Informationssystem können Informationen in kürzerer Zeit zur Verfügung gestellt werden, als mit herkömmlichen Mitteln. Dadurch ergibt sich ein nicht unwesentlicher Informationsvorsprung.

Geoinformationssysteme haben ein breites Anwendungsspektrum und werden unter anderem in folgenden Bereichen eingesetzt: Geo-Wissenschaften, Kartographie, Vermessungswesen, Photogrammetrie, Fernerkundung, Informatik, Bio-Wissenschaften, Wirtschaftswissenschaften (Marketing, Logistik, ...), Raumplanung, Naturschutz, Archäologie, Architektur, ...

Unter Einsatz eines GIS lassen sich eine Reihe von raumbezogenen Problemstellungen effizient verarbeiten. Ausgangspunkt der Verarbeitung ist in der Regel eine Karte (analog oder digital) und die damit in Bezug stehenden räumlichen Informationen (abgespeichert in Datenbanken). Das heißt, es werden im wesentlichen aus digitalen Informationen unter Anwendung verschiedener Auswerte- und Analysefunktionen, neue Erkenntnisse gewonnen. Diese neuen Erkenntnisse werden im Anschluß daran in Form von Karten dargestellt.

 

Bedeutung der Karte in einem Informationssystem


aus Riedl, 1995

Es ließe sich der Rückschluß ziehen, daß ein GIS ein Kartengenerierungssystem ist. Dem ist entschieden zu wiedersprechen! Zwar steht zu Beginn und am Ende eines Analyseprozesses häufig eine Karte, jedoch stehen im Mittelpunkt eines GIS die Auswerte- und Analysefunktionen.

Für meine Untersuchungen habe ich mich hauptsächlich für das Programm ArcView 3.1 von der Firma ESRI (Environmental Systems Research Institute) entschieden. Dieses Programm zählt als sogenanntes Desktop-GIS; das heißt es ist eine Art kleineres GIS mit einem weniger umfassenden Funktionalitätsangebot.

Der "große Bruder" von ArcView ist ArcInfo. Dieses Programm beinhaltet im wesentlichen alle Funktionen, die für GIS-technische Fragestellungen notwendig sind und es ist deshalb auch überaus komplex und schwierig zu bedienen bzw. nur mit extrem großen Zeitaufwand zu erlernen. Leistungsfähige Großrechenanlagen sind für den Betrieb notwendig. Darüber hinaus verfügen in der Regel nur größere Institutionen (Universitäten, Landesregierungen, ... ) über die nötigen finanziellen Resourcen, um sich ein derartig umfassendes GIS anschaffen zu können. Der Einsatz von solchen "vollwertigen" GIS-Systemen wie ArcInfo bleibt daher in der Regel auf solch große öffentliche Institutionen beschränkt.

Demgegenüber steht ArcView als handliches Desktop-GIS. Es läuft ohne weiteres auf jedem gängigen PC und die Handhabung gestaltet sich einfacher – nicht zuletzt deshalb, weil nicht alle GIS-Funktionalitäten integriert sind. Es kann je nach Bedarf durch Zusatzmodule erweitert und damit individuell auf die Bedürfnisse des Anwenders zugeschnitten werden.

ArcView ist wesentlich kostengünstiger in der Anschaffung und daher für einen größeren Anwenderkreis interessant (auch außerhalb des öffentlichen Bereiches!).

In den letzten Jahren hat ArcView in vielen Planungsbüros, Gemeinden, .... Einzug gehalten. Nicht zuletzt im Naturschutzbereich.

Folgende Abbildung zeigt die Entwicklung von Geographischen Informationssystemen von den Anfängen bis heute und ihre zukünftige Entwicklung.

Angefangen bei sehr spezialisierten Systemen entwickelten sie sich immer mehr Richtung Desktop-GIS und in naher Zukunft (teilweise bereits jetzt bzw. in Aufbau) findet sich GIS im WorldWideWeb wieder.

 

The evolution of GIS


aus http://www.geog.uni-heidelberg.de


Für mich stellt die Entscheidung für ArcView letztendlich auch ein Experiment dar. Ich will ausloten, was mit ArcView möglich ist und wo die Grenzen dieses GIS-Systems liegen. Außerdem erschließt sich für mich ein größerer Anwenderkreis mit ArcView als mit ArcInfo.

Ich kann an dieser Stelle schon sagen, daß ich erstaunt bin, was mit ArcView und seinen Zusatzmodulen und Erweiterungen alles möglich ist, was landläufig nur als ArcInfo-tauglich galt. Gerade in den USA finden sich zahlreiche Institutionen und Büros, die mit ArcView arbeiten, dementprechend viele Beispiele, Hinweise, Anleitungen und Hilfestellungen finden sich im Internet.

Es sind ganz wenige Problemstellungen, wo ArcView keinen Problemlösungsmodus leisten kann. In diesen Bereichen muß man eben auf ArcInfo zurückgreifen.

 

Habitatmodelle

Was kann eine explizit räumliche Modellierung von Tierlebensräumen leisten? Ziel ist meist, aus verschiedenen Punkt-, Linien- und Flächendaten flächendeckende Aussagen abzuleiten. Da Tierlebensräume bei Betrachtung verschiedener Arten und unter dem Aspekt der Mobilität hochkomplex sein können, ist dies keine triviale Aufgabe und die Ergebnisse können bei vertretbaren Aufwand auch nur näherungsweise die Lebensräume beschreiben. (T. Blaschke, 1999)

"Lieber 10 realistische Habitatmodelle [...] als ein einziges perfektes"

(T. Blaschke, 1999)

Ziel der meisten Ansätze in der Praxis [...] ist nicht "das" perfekte Habitatmodell für eine bestimmte Tierart aufzustellen, sondern mit möglichst einfachen Mitteln relativ schnell Gebiete auszuweisen, die geeignet sind, essentiell oder nicht geeignet für eine bestimmte Tierart [...] sind. Darüber hinaus sollen auch geeignete Gebiete identifiziert werden, die mit vertretbaren Aufwand als Lebensraum aufgewertet werden können, indem bestimmte Pflegemaßnahmen stattfinden oder Verbindungen zwischen Teillebensräumen geschaffen werden.

Mit den notwendigen Vereinfachungen und indem man sich mit Modellen mit 80 – 90 % Erklärungsgehalt begnügt, wird immer wieder die Diskussion mit Fachwissenschaflern angestoßen, die meist (aus ihrer Sicht zu Recht) fordern, daß verschiedene, zusätzliche Faktoren in den Modellen berücksichtigt werden. Doch genau hier treten die Unterschiede zwischen reinen, wertfreien Naturwissenschaften bzw. Teildisziplinen (Ökologie, Populationsbiologie, Biogeographie usw.) und dem Naturschutz als einer angewandten Handlungsdisziplin zu Tage: Im letzteren Fall muß unter Abwägung gesellschaftlicher Interessen nach praktikablen Wegen gesucht werden, die vielfach Kompromisse beinhalten. (T. Blaschke, 1999)



Datengrundlage

Um mit einem Geographischen Informationssystem (GIS) arbeiten zu können bzw. räumliche Analysen durchführen zu können sind digitale Daten als Grundlage notwendig.

Sie sind der Dreh- und Angelpunkt in einem GIS und bestimmen weitgehend die Qualität bzw. Aussagekraft der Ergebnisse.

Der Aufbau einer solchen notwendigen Datengrundlage ist kein triviales Unterfangen, da in der Regel unterschiedliche Datenqualität, Datenniveau, Datengeometrie, Datenverfügbarkeit, etc. vorliegen.

Für meine Untersuchungen werden im wesentlichen Daten aus den Bereichen Landnutzung, Siedlungen, Gewässer, Verkehr und Höhe/Topographie verwendet, auf die anschließend näher eingegangen wird.

 

Landnutzung

Als Grundlagedaten für die Landnutzung stehen CORINE Landcover-Daten zur Verfügung. Im folgenden eine kurze Erläuterung zu dieser Datengrundlage am Beispiel der Corine96-Daten (CORINE Landcover-Daten, 1996) für Österreich, die das Umweltbundesamt (UBA) aufbereitet hat.

Als ein Teil des CORINE Programmes (Coordination of Information on the Environment) der Europäischen Union wurde im Rahmen des CORINE Landcover Projektes eine europaweite Erhebung der Bodenbedeckung bzw. Bodennutzung durchgeführt.

Eine koordinierte Erfassung von Informationen über die Umwelt für den europäischen Raum garantiert sowohl eine Vergleichbarkeit der Daten zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten als auch die Möglichkeit umweltrelevante Fragestellungen und Aussagen im gesamteuropäischen Zusammenhang zu treffen. Voraussetzung dafür ist eine einheitliche Erhebungsmethode und gleiche Basisdaten für alle teilnehmenden Staaten. Die Methode wurde von der "Gemeinsamen Forschungsstelle" (GFS) in Ispra, Italien entwickelt.

Als Basisdaten wurden hauptsächlich Daten des Erdbeobachtungssatelliten Landsat verwendet. Unter Verwendung der digitalen Satellitendaten wurden großformatige Farbphotos hergestellt, welche als Grundlage für die Erhebung der Bodenbedeckung bzw. Bodennutzung dienten. Die Daten wurden mittels einer computerunterstützten visuellen Photointerpretation und unter Verwendung der CORINE Landcover Nomenklatur (44 Klassen) – siehe weiter unten - im Maßstab 1:100.000 erhoben. Entsprechend den Richtlinien wurde nicht kleiner als 25 Hektar und nicht schmäler als 100 Meter kartiert. Anschließend wurden die Ergebnisse gescannt und in ein geographisches Informationssystem integriert.

Um den Wahrheitsgehalt der Daten zu überprüfen, werden diese mit österreichischen amtlichen Statistiken, welche Informationen über Bodenbedeckungen bzw. Bodennutzungen liefern, verglichen. Des weiteren werden die Daten mit der potentiellen Bodenbedeckung, welche aus der digitalen Bodenkarte von FINK generiert wurde, gegenübergestellt. Ein Feldvergleich liefert Aussagen zur Übereinstimmung zwischen Natur und dem Datensatz.

Weiters wird ein Vergleich zwischen visueller Photointerpretation und digitaler Bildverarbeitung angestellt und die Ergebnisse in dieser Publikation im Detail diskutiert. Die zu verwendenden Landsat TM Daten werden unter Zuhilfenahme der amtlichen topographischen Karten 1:50.000 und einem digitalen Höhenmodell geometrisch entzerrt. (vgl. Aubrecht, P., 1998)

Die CORINE Landcover Nomenklatur folgt einem Schema von 44 Landnutzungskategorien, das wie folgt aussieht.

 

CORINE Landcover Nomenklatur

1. Bebaute Fläche

1.1. Städtisch geprägte
Flächen

1.1.1. durchgängig städtische Prägung
1.1.2. nicht durchgängig städtische
Prägung

 

1.2. Industrie-, Gewerbe-
und Verkehrsflächen

1.2.1. Industrie/Gewerbeflächen
1.2.2. Straßen/Eisenbahnnetze, funktio
nell zugeordnete Flächen
1.2.3. Hafengebiete
1.2.4. Flughäfen

 

1.3. Abbauflächen, Deponi
en, Baustellen

1.3.1. Abbauflächen
1.3.2. Deponien, Abraumhalden
1.3.3. Baustellen

 

1.4. Künstlich angelegte
nicht landwirtschaflich
genutzte Flächen

1.4.1. Städtische Grünflächen
1.4.2. Sport/Freizeitanlagen

2.Landwirtschaft

2.1. Ackerflächen

2.1.1. Nicht bewässertes Ackerland
2.1.2. Regelmäßig bewässertes Acker
land
2.1.3. Reisfelder

 

2.2. Dauerkulturen

2.2.1. Weinbauflächen
2.2.2. Obst/Beerenobstbestände
2.2.3. Olivenhaine

 

2.3. Grünland

2.3.1. Wiesen und Weiden

 

2.4. Heterogene landwirt
schaftliche Flächen

2.4.1. Einjähr. Kulturen in Verbindung
mit Dauerkulturen
2.4.2. Komplexe Parzellenstruktur
2.4.3. Landwirtschaftlich genutztes
Land mit Flächen natürlicher
Vegetation von signifikanter
Größe
2.4.4. Land/Forstwirtschaftliche Flä
chen

3. Wälder und na
turnahe Flächen

3.1. Wälder

3.1.1. Laubwälder
3.1.2. Nadelwälder
3.1.3. Mischwälder

 

3.2. Kraut-, Strauch-
vegetation

3.2.1. Natürliches Grünland
3.2.2. Heiden und Moorheiden (Lat
schen)
3.2.3. Hartlaubbewuchs
3.2.4. Wald/Strauch Übergangsstadien

 

3.3. Offene Flächen ohne
oder mit geringer Ve-
getation

3.3.1. Strände, Dünen, Sandflächen
3.3.2. Felsflächen ohne Vegetation
3.3.3. Flächen mit spärlicher Vegetation
3.3.4. Brandflächen
3.3.5. Gletscher/Dauerschneegebiet

4. Feuchtflächen

4.1. Feuchtflächen im Lan
desinneren

4.1.1. Sümpfe
4.1.2. Torfmoore

 

4.2. Feuchtflächen an der
Küste

4.2.1. Salzwiesen
4.2.2. Salinen
4.2.3. In der Gezeitenzone liegende
Flächen

5. Wasserflächen

5.1. Wasserflächen im Lan
desinneren

5.1.1. Gewässerläufe
5.1.2. Wasserflächen

 

5.2. Meeresgewässer

5.2.1. Lagunen
5.2.2. Mündungsgebiete
5.2.3. Meer und Ozean

Quelle: Aubrecht, P.; 1996


Diese 44 Landnutzungskategorien wurden – als Grundlage für meine Untersuchung - in der Folge zu 6 Landnutzungsklassen zusammengefaßt.

 

verwendete Landnutzungsklassen

 

Landnutzungsklasse

darin enthaltene Nutzungen

1.

Wald

311, 312, 313

2.

naturnahe Flächen

321, 322, 323, 324, 331, 332, 333, 334, 335, 411, 412, (421, 422, 423)

3.

Grünland, heterogene landwirtschaftliche Flächen

231, 241, 242, 243, 244

4.

Ackerflächen, Dauerkulturen

211, 212, 213, 221, 222, 223

5.

Wasserflächen

511, 512, (521, 522, 523)

6.

bebaute Flächen

111, 112, 121, 122, 123, 124, 131, 132, 133, 141, 142

 

Folgende Karte gibt einen Überblick über die Landnutzung in der 3-Länder-Region Böhmerwald nach Corine96. Es handelt sich dabei bereits um die reklassifizierten Ergebnisse.

 

Landnutzung in der Region Böhmerwald nach Corine96 - reklassifiziert

 

Siedlungen

Für die tschechischen und bayrischen Teile des Untersuchungsgebietes wurden für die bebauten Flächen die Corine96-Daten verwendet.

Beim Mühlviertel war das nicht möglich, da die österreichischen Corine96-Daten so gut wie keine solchen Flächen vorsahen – der Grund dürfte bei einer unterschiedlichen Generalisierung der Corine96-Daten durch die einzelnen Länder liegen.

Für das Mühlviertel stand ein Punkt-shapefile mit den Gemeindehauptorten zur Verfügung. Diesen Gemeindehauptorten wurde nun die entsprechende Gemeindebevölkerung (laut Volkszählung 1991) zugeordnet. Diese Zuordnung erfolgte in 4 Klassen und die Orte wurden nach folgendem Schlüssel unterschiedlich stark gebuffert.


Bufferdistanz der Gemeindehauptorte des Mühlviertels

Einwohnerklasse

buffer-Distanz

bis 1000

250 m

1001 bis 3000

500 m

3001 bis 5000

750 m

mehr als 5000

1000 m

Die buffer-Distanz wurde abgeleitet aus durchschnittlichen Flächenausmaßen einzeln untersuchter Orte der ÖK50 (AustrianMap).

 

Gewässer, Verkehr

ad Gewässer

Flächenhafte Gewässer wurden den CORINE Landcover-Daten entnommen. Linienhafte Gewässer, dem Datenpool des Projekts Kulturlandschaftsforschung der Universität Wien

ad Verkehr

Für Bayern und auch für einen östlich daran angrenzenden Streifen des Untersuchungsgebietes wurden die amtlichen bayrischen Daten verwendet - Amtliches Topographisch-kartographisch-es Informationssystem 500 (ATKIS 500). "ATKIS 500 Bayern" beinhaltet im wesentlichen die digitalisierte Übersichtskarte von Bayern 1:500.000 im Vektorformat. Nach Berücksichtigung des Maßstabs erhält man eine Koordinatengenauigkeit von 300 m oder besser. Der Datenstand ist der 01.01.1995.

Wo dieses Datengrundlage nicht mehr vorhanden war, d. h. im Mühlviertel und in den östlichen Bereichen des tschechischen Teilgebietes wurden im wesentlichen Verkehrs-Daten aus dem trilateralen Konzept "Entwicklungskonzept Bayerischer Wald/Böhmerwald/Mühlviertel" verwendet. Einzelne Teile wurden auch aus der Freytag&Berndt-Karte "Tschechische Republik, Slowakei 1:600.000" und der AustrianMap digitalisiert.

 

Topographie, Höhe

Für Höheninformation steht ein Digitales Geländehöhenmodell (DEM – Digital Elevation Model) zur Verfügung.

Der bayerische Teil des Untersuchungsgebietes weist dabei die größte Genauigkeit auf, gefolgt vom südböhmischen Teil. Beim österreichischen Teil (=Mühlviertel) ist die Auflösung mit 250 m am gröbsten und somit am wenigsten genau.

In der Karte "Höhenstufen" sind diese Unterschiede leicht erkennbar. Beispielsweise an Hand des Verlaufes von Tälern.

Für eine Höhen-Übersichtsdarstellung in einem kleinen Maßstab reicht diese Genauigkeit aber völlig aus.

 

weitere digitale Daten und Datenverfügbarkeit

Fast sämtliche digitale Daten konnten dankenswerterweise dem Datenpool des Projekts Kulturlandschaftsforschung, Modul Böhmerwald an der Abteilung für Vegetationsökologie des Instituts für Ökologie und Naturschutz der Universtität Wien entnommen werden.

Einzelne Straßen, Orte, Siedlungen, Grenzen, Gewässer, Verkehrswege und die Topographie - deren Herkunft oben nicht angeführt ist - stammen ebenfalls aus diesem Datenpool.

 

GIS-technischer Ablauf

Als erste sehr umfangreiche Arbeit stellte sich die Sichtung und die Auswahl der notwendigen digitalen Rohdaten dar. Aus einem sehr umfangreichen Datenpool wurden als erstes die oben erwähnten digitalen Grundlagen herausgefiltert.

Es folgen die hier angeführten weiteren Schritte, die immer wieder ein umfangreiches Einlesen in GIS-Literatur und Recherchen bedingten:

 

Erstellung einer Wald/Waldrand-Grundkarte

a) Digitale Abgrenzung des Untersuchungsgebietes und Erstellen eines poly-shapefiles des Untersuchungsgebietes. Dabei wird die ArcView-Extension "poly-builder" aus dem www geladen und verwendet.

b) Ausschneiden der Corine96-Daten; Mit dem generierten poly-shapefile des Untersuchungsgebietes werden die notwendigen Corine96-Daten ausgeschnitten (Befehl: "clip").

c) Die Corine96-Daten des Untersuchungsgebietes werden nun nach oben angeführtem Schema von 44 auf 6 Landnutzungsklassen zusammengefasst und reklassifiziert (Befehle: "select" und "convert to shapefile").

d) Der Wald-layer der Corine96 Daten beinhaltet nach der Reklassifizierung unterschiedliche Waldarten. Da für ein Luchshabitat die botanische Zusammensetzung des Waldes weniger erheblich ist, werden diese verschiedenen Waldarten zu einem Wald-polygon zusammengefaßt

Es muß zuerst ein neue dbf-Liste erstellt werden in der ein gemeinsames "join-item" und das neue "Wald-item" definiert werden, anschließend kann die neue Liste an die Tabelle des Wald-layers angehängt werden (Befehle: "join").

Jetzt können die unterschiedlichen Waldarten zu einem homogenen Wald-layer zusammengefaßt werden (Befehl: "dissolve").

Wegen der überaus großen Datenmenge muß das Untersuchungsgebiet in mehrere kleine Teile zerschnitten werden (Befehl: "clip") und der Befehl "dissolve" muß für jedes dieser Teilgebiete einzeln gerechnet werden. Die Ergebnisse werden anschließend wieder zu einem layer zusammengefügt (Befehl: "merge").

e) Da in ArcView keine Topologie-Bildung (Aufbau von Nachbarschaftsbeziehungen in einem GIS) möglich ist, muß hier auf die Funktionalität von ArcInfo7 zurückgegriffen werden. Es wird also der eben generierte homogene Wald-layer in ArcInfo geöffnet (Befehl: "shapearc") mit dem Befehl "clean" die Topologie generiert und anschließend wieder exportiert mit dem Befehl "arcshape" um mit diesem layer in ArcView weiterarbeiten zu können.

f) Durch die Topologie-Bildung mit dem Befehl "clean" wurden, trotz eingestellter kleinstmöglicher Toleranzwerte, auch kleine Waldlichtungen zu Wald. Diese Fehler werden in der Folge "händisch" ausgebessert (Befehl: "select" und "delete").

g) Slotta-Bachmayer, 1999 führt in seiner Arbeit an, dass Luchse einen etwa 200 m breiten Streifen außerhalb des Waldes nutzen. Der Wald-layer wird also mit einer Distanz von 200 m "ge-buffer-t" (Befehl: "buffer"). Es entsteht ein layer der weit größere Flächen aufweist. Durch dieses "buffern" werden einander sehr nahe gelegene Wald-polygone verbunden. Dies entspricht auch der Natur des Luchses, der solche kürzeren waldlosen Flächen überwinden kann, vorausgesetzt es befinden sich hier keine anderen massiven (anthropogenen) Barrieren.

Sehr wohl besteht hier jedoch die Gefahr, dass sehr schmale und langgezogene bzw. viele sehr kleine Waldstücke durch das "buffern" plötzlich zu "größeren Waldgebieten" werden. Da aber das Ziel dieser Arbeit die Ausweisung eines möglichen Luchshabitates auf einer eher kleinen Maßstabsebene ist, wird der oben erwähnten Gefahr weniger Gewicht zugemessen und es wird dieser Umstand als Kompromiss eingegangen.

Außerdem gingen in den Corine96-Landnutzungsgrundlagen kleinere Waldflächen, Hecken, Feldgehölze, etc. durch den Erhebungsmaßstab 1:100.000 und die Minimaldimension bei Flächen von 25 Hecktar und bei Breiten von 100 Metern ohnehin verloren.

Solche kleinere Waldflächen, Hecken, Feldgehölze, Baumgruppen machen aber einen wesentlichen Bestandteil der reich strukturierten Landschaft in Teilen des Bayerischen Waldes und des Mühlviertels aus und der Luchs kann solche Strukturen als Deckung nutzen.

Das "buffern" kompensiert dieses Manko der Datengrundlage ein wenig.

Zur Veranschaulichung des eben erörterten siehe Karte 8, Wald/Waldrand, wo der tatsächliche Wald (nach Corine96) und der "ge-buffer-te" Waldrand farblich unterschiedlich dargestellt sind.

Das "buffern" des Wald-layers erfolgt auf Grund der großen Datenmenge wiederum in mehreren kleinen Teilgebieten (Befehle: "clip", "buffer" und "merge").

h) Die Unterscheidung Wald und Waldrand (buffer-Streifen von 200 m) wird mit dem Befehl "union features" aufgehoben und es entsteht der layer Wald/Waldrand.

i) Dieser layer wird schließlich in ein grid (Raster-file) umgewandelt mit einer Zellgröße von 100 m um weitere grid-basierte Analysen durchführen zu können.

 

Verkehrswege, Siedlungen

Die digitale Grundlage des westlichen Teils des Untersuchungsgebietes bezüglich der Verkehrswege stellt wie oben erwähnt ATKIS500 dar. Die Daten liegen im dxf-Format (CAD) vor und können im ArcView mit Hilfe der Extension "CAD-reader" geöffnet werden.

In einem ersten Schritt werden die Haupverkehrswege (Autobahnen, Bundesstraßen, Hauptstraßen) selektiert und als eigene shape-files abgespeichert. Mehrgleisige Eisenbahnen berühren das Untersuchungsgebiet so gut wie nicht, eingleisige Eisenbahnen durchziehen das Untersuchungsgebiet, stellen für ein Luchshabitat aber keine größeren Probleme dar. Daher fallen Eisenbahnen für meine Untersuchung unter den Tisch.

Im östlichen Bereich des Untersuchungsgebietes stehen dieses ATKIS500-Daten leider nicht mehr zur Verfügung und ich greife auf Verkehrsdaten laut obigen Quellen zurück. Leider haben diese Verkehrswege keine Klassifikation. Sie müssen mit den ATKIS500-Daten zusammengeführt und gemeinsam klassifiziert werden.

Mit den Befehlen (select, clip und merge) werden die einzelnen Straßenkategorien selektiert, exportiert, ausgeschnitten und zusammengefügt. Zur Klassifikation orientiere ich mich an der Freytag&Berndt-Straßenkarte 1:600.000 und nach den Angaben in OÖ Landesregierung, et al., 1994. Die Straßenkategorien in den 3 Staaten sind nämlich sehr unterschiedlich und eine einheitliche Kategorisierung schwierig. Ich teile schließlich ein in

  • Autobahnen und Schnellstraßen (1000 m – buffer)
  • Fernverkehrsstraßen (500 m – buffer) und
  • Hauptstraßen (250 m – buffer).

 

In OÖ Landesregierung et al., 1994 gibt es Angaben zur Verkehrsintensität auf Basis von 1990. Dabei ist auffällig, daß Bayern mit Abstand die höchste Verkehrsintensität aufweist. Im bayerischen Teilraum sind nicht nur die vielen Fernverkehrsstraßen massiv ausgelastet auch die übrigen Hauptstraßen und ebenso teilweise Nebenstraßen im Einzugsgebiet größerer Städte sind massiv ausgelastet.

Im Teilraum Bayerischer Wald werden somit auch die besonders verkehrsreichen Straßen (die nach der Klassifizierung nicht in obiges Schema fallen) als Hauptstraßen behandelt.

Dagegen kristallisiert sich im österreichischen und tschechischen Teilraum lediglich die Verbindung Linz – Budweis als besonders verkehrsintensiv heraus.

 

Projektionen

Eine kartographische Herausforderung stellt das Umprojezieren der unterschiedlichen Datengrundlagen dar. Das ist notwendig, um die verschiedenen Themen-layer lagetreu überlagern zu können.

Die vorhandenen Corine96-Daten sind auf UTM 33 (Universale Transverse Mercatorprojektion, Streifen 33) projeziert. Das UTM-System ist die gebräuchliche Projektion um internationale Daten verbinden zu können. Auch die Amtlichen Österreichischen Karten werden in den nächsten Jahren auf UTM umprojeziert. Daher wird als Grund-Projektion für mein Untersuchungsgebiet die Projektion UTM 33 gewählt.

Nach sehr umfangreichen Recherchen stellte sich heraus, dass für ArcView 3.1 eine "extension" (Programmerweiterung) mit dem Namen "projector" existiert, mit der es möglich ist shape-files in ArcView umzuprojezieren.

Besagte "extension" wird aus dem Internet geladen, installiert und die vorhandenen ATKIS500-Daten werden vom Bayerischen Gauß-Krüger-System, 12° Streifen nach UTM 33 umprojeziert, unter Verwendung folgender Parameter:


Parameter für die Umprojektion von GK12 nach UTM33

input-projection

Transverse Mercator

spheroid

Bessel

central meridian

12

reference latitude

0

scale factor

1

false easting

4.500.000

false northing

0

output-projection

UTM 1983

zone

33


Auch einzelne tschechische Daten sind nicht nach UTM 33 projeziert und müssen ebenfalls umprojeziert werden. Die Parameter hierfür sind (zu beachten: das unterschiedliche Rotations-Ellypsoid nach KRASOVKY!):


Parameter für die Umprojektion der tschech. Daten nach UTM33

input-projection

Transverse Mercator

spheroid

Krasovsky

central meridian

15

reference latitude

0

scale factor

1

false easting

3.500.000

false northing

0

output-projection

UTM 1983

zone

33


Es entstehen neue shape-files und es können nun die unterschiedlichen Themen-layer lagetreu übereinandergelegt werden.

Das oben erwähnte shape-file Wald/Waldrand, das in ein Rasterfile (grid) umgewandelt wurde, wird als Grundlage für die weitere Lebensraummodellierung hergenommen. Dabei wird ein mathematische Prinzip verwendet, das im folgenden kurz dargestellt wird.


Prinzip der verwendeten Raster-Analyse

vgl. Riedl et al., 1997

Neben einfachen Funktionen, die der Datenabfrage oder der Datenauswahl dienen, sind die meisten Funktionen des Spatial Analysts (Zusatzmodul zu ArcView zur Bearbeitung und Analyse von Punktdaten – Rasterdaten, Grid) Analysefunktionen, die nach dem Prinzip der Map Algebra aufgebaut sind. Diese hat sich als Standard für die Analyse von Rasterdaten durchgesetzt.

In der Map Algebra werden die analytischen Funktionen nach Ebenen unterschiedlicher Anzahl von an der Analyse beteiligten Zellen unterschieden.


Übersicht über die GIS-Analysefunktionen für Rasterdaten nach Ebenen und Komplexizität

Funktion

Analyse

Anwendungen

Befehle im Spatial Analyst

Lokal

vertikal;

je 1 Zeile

Rasterverschneidung,

Rasterabfrage

Map Query, Map Calculation, Reclassify

Fokal

horizontal;

je eine definierte Umgebung von Zellen

Nachbarschaftsfunktionen, Dichtewerte, Interpolation, DHM-Analyse und –Schummerung

Neighborhood Statistics, Compute Density, Interpolate Surface, Derive Slope, Aspect

Zonal

vertikal;

je eine Zone des Bezugsrasters

Aggregation eines Werterasters auf diskrete räumliche Bezugseinheiten

Summarize by Zone,

Histogram by Zone

Global

horizontal;

je Zelle (potentiell) alle Zellen eines Rasters

Distanzoberflächen, Hydrologische Modellierung

Proximity, Find Distance

nach Riedl et al., 1997

Für die Modellierung eines möglichen Luchslebensraumes verwende ich das Prinzip der Fokalen Funktion (Nachbarschaftsfunktion). Wo zunächst eine Art Walddichte-Karte generiert wird.

Fokale Funktionen können in ArcView auf zwei unterschiedliche Arten definiert werden. Einerseits – wie der Name schon sagt – fokal, also auf überlappende, jeweils auf eine Zelle zentrierte Zellumgebung. Andererseits aber gibt es auch die Möglichkeit, blockweise Nachbarschaften zu definieren. Diese Blockumgebungen umfassen Zellenumgebungen, die jeweils über benachbarte Blocks definiert sind (und nicht über sich überlappende Blocks). Das Ergebnis der blockweisen Berechnung wird jeweils allen Zellen eines Blocks zugeordnet.

Ich verwende die Methode der überlappenden (auf eine Zelle zentrierte) Zellumgebung.

 

Folgende Abbildung zeigt die Methode der fokalen Funktion (überlappende Zellumgebung) dargestellt an Hand eines 3x3-Rasters. Die in der Mitte dieses Rasters liegende Zelle hat jenen Zellwert, der sich aus der Summe der sie umgebenden Zellwerte ergibt.

 

Fokale Funktion – dargestellt an Hand einer 3x3-Matrix



aus ArcInfo 7, Online-Hilfe

 

erste Ergebnisse

Als geometrische Form für die Modellierung der Nachbarschaftsfunktion wähle ich einen Kreis. Zunächst spiele ich hier mehrere Varianten durch. Ich wähle Kreise mit jeweiligen Radien von 2, 3, 4 und 5 Kilometern. Die Kleinräumigkeit der Ergebnisse löst sich immer mehr auf, je größer der gewählte Radius ist. Nach zahlreichen Tests stellt sich eine Bildung von 6 Klassen als am zweckmäßigsten und übersichtlichsten heraus. Die erhaltenen (etwas "ausgefransten") Zonen werden anschließend geglättet – dies geschieht ebenfalls mit der Funktion "neighbourhood-statistik".

Die folgenden Karten sind das Ergebnis dieser Analysen. Sie sind als Walddichte-Karten 2000, 3000, 4000 und 5000 bezeichnet – je nach Art des gewählten Analyse-Radius (Walddichte2000 entspricht einem Analyseradius von 2000 m, etc.).

Walddichte, gerechnet mit einem Radius von 2000 m


Walddichte, gerechnet mit einem Radius von 3000 m


Walddichte, gerechnet mit einem Radius von 4000 m


Walddichte, gerechnet mit einem Radius von 5000 m

 

Das beste Ergebnis liefert die Analyse mit einem Radius von drei Kilometer (Walddichte3000). Es wird dadurch eine weiträumige Berücksichtigung von Waldflächen für jede einzelne Rasterzelle und gleichzeitig eine möglichst hohe Genauigkeit gewährleistet.

Bei einer vorhanden Auflösung von 100 m (Rasterzellgröße) ergibt das eine Anzahl von 2867 Rasterpunkten, die für die Berechnung der fokalen Funktion einer Rasterzelle Berücksichtigung finden.

Die weiträumige Nutzung seines Lebensraumes durch den Luchs und eigene Erfahrungen und Kenntnisse über den untersuchten Raum sprechen ebenfalls für diese Variante.

Es wird nun mit dieser Karte weitergearbeitet.

Anschließend werden die - wie oben erläutert – gebufferten Verkehrswege und Siedlungen als anthropogene Störflächen in das Modell integriert und scheinen auf der Karte als weiße Flächen auf.

Ein mögliches Habitatmodell für den Luchs in der 3-Länder-Region Böhmerwald ist fertig.

 

mögliches Luchshabitat Böhmerwald

 

Diskussion der Ergebnisse

Grundsätzlich sei erklärt, daß die auf der Karte grün bezeichneten Gebiet als für den Luchs gut geeignet ausgewiesen sind. Die auf der Karte gelb gekennzeichneten Bereiche weniger gut sind als Lebensraum für den Luchs. Soweit vorweg.

Das vorliegende Habitatmodell für den Luchs in der 3-Länder-Region Böhmerwald zeigt sehr wesentliche Dinge auf. Zum einen kristallisiert sich – wie vermutet – die große zusammenhängende Waldfläche des Böhmerwaldhauptkammes heraus. Glücklicherweise ist dieses Gebiet über weite Teile frei von massiven anthropogenen Störungen. Solche Flächen (in der Karte dunkelgrün) können dem Luchs ein/e Heimat/Rückzugsgebiet bieten. Die größten dieser Flächen liegen auf tschechischem Staatsgebiet.

Zwei verkehrsreiche Fernverkehrsverbindungen durchschneiden jedoch diesen großen Waldkomplex. Die Straßen über die Grenzübergänge Bayerisch Eisenstein/Železná Ruda und Philippsreuth/Strážny. Beides sind Verkehrswege aus dem dichter besiedelten bayerischen Donauraum über das Grenzgebirge zu den Zentren Böhmens und nach Prag (und umgekehrt). Diese Straßen zerschneiden den größten zusammenhängenden Wald Mitteleuropas. Ohne Zweifel sind Verkehrswege wichtig, es sollten aber unbedingt begleitende Maßnahmen gesetzt werden, um den negativen Einfluß auf Natur, Landschaft und Wildtiere so gering wie möglich zu halten. Ein Weg hierfür wären Grünbrücken (siehe weiter unten!). Das bayerische Teilgebiet ist überhaupt übersäht von größeren Straßen. Die an und für sich sehr gute Eignung des Bayerischen Waldes für den Luchs als Lebensraum wird beeinträchtigt durch viele und vor allem verkehrsreiche Straßen durch dieses Gebiet. Der Bayerische Wald wird nicht nur von Richtung Donau her zerschnitten sondern auch quer dazu – eine verkehrsreiche Straße trennt den Vorderen vom Hinteren Bayerischen Wald. Der Verkehr dürfte im bayerischen Teilgebiet auch auf Grund des ausgedehnten Tourismus stark sein. Das größte störungsarme, dichte Waldgebiet findet sich im Untersuchungsgebiet in dem Gebiet, wo die beiden Nationalparks (Bayerischer Wald und Šumava/Böhmerwald) aneinandergrenzen – beiderseits der Staatsgrenze, zwischen den beiden oben erwähnten Fernverkehrswegen. Der Vordere Bayerische Wald wäre an und für sich auch recht gut als Lebensraum für den Luchs geeignet, wird aber auch von vielen verkehrsreichen Straßen zerschnitten. Gegen Süden hin stellt die Donau und parallel dazu die Autobahn eine Barriere dar – aber hier ist ohnhin das stark genutzte bayerische Alpenvorland so breit, daß eine Überwindung durch Luchse unwahrscheinlich ist.

Das tschechische Teilgebiet weist eine sehr gute Eignung auf. Abgesehen von den oben erwähnten Fernverkehrsstraßen durchziehen kaum nennenswerte Straßen das Gebiet. Es ist jedoch zu befürchten, daß in den kommenden Jahren der Verkehrs- und Straßenbaudruck in Tschechien zunehmen wird. Gegen Norden, hin zu den größeren südböhmischen Städten scheint kein Luchslebensraum mehr gegeben,

Des weiteren kommt auf tschechischer Seite zum tragen, daß entlang der Grenze (im ehemaligen Niemandsland des Kalten Krieges) auch heute noch wenig menschliche Einflüsse zu finden sind – das heißt das Gebiet ist störungsarm.

Schaut man weiter Richtung Osten, erkennt man größere dichte Waldflächen rund um das Dreiländereck sowie südlich und östlich des Moldaustausees. Auch das nördlich des Sees gelegene Gebiet des Fürstensitzes/Knížecí stolec ist erwähnenswert – zudem ist dieses Gebiet Truppenübungsplatz, also militärisches Sperrgebiet und somit frei von anderen anthropogenen Störungen wie Straßen und Siedlungen. Solche Gebiete stellen oft Rückzugsgebiet für Wildtiere dar.

Im Bereich des Mühlviertels gibt es in meinem Modell im wesentlichen entlang der Grenze zu Bayern, aber vor allem zu Südböhmen und dem Waldviertel Luchslebensräume. Auffallend ist das große Waldgebiet im östlichen Mühlviertel, das grenzüberschreitend zu Tschechien ist und das sich in ähnlicher Form weiter Richtung Osten - ins niederösterreichische Waldviertel - erstreckt (leider waren hier die Daten nicht mehr verfügbar!). Dieses große Gebiet ergibt sich vor allem (wie auch im Bayerischen Wald) durch die Aggregation vieler kleiner Waldflächen durch die Waldbufferung mit 200 m. Dieses Gebiet wird in Österreich von einigen wenig verkehrsintensiven Bundesstraßen durchzogen.

Hervorzuheben ist, daß hier das dichte Waldgebiet bis an die Donau reicht und es hier auch Luchshinweise gibt. Der südlichst gelegene Luchshinweis des Mühlviertels ist hier nur etwa 30 km Luftlinie entfernt vom nördlichsten Luchshinweis der Alpen (das Alpenvorland erreicht in diesem Bereich die engste Stelle!). Dieser Umstand ist für eine Vernetzung der Luchslebensräume der Region Böhmerwald mit denen der Alpen besonders wichtig.

Siedlungen spielen im Mühlviertel für den Luchs weniger eine Rolle. Größere Städte fehlen gänzlich und die vielen kleinen Siedlungen sind zwar auf das ganze Gebiet der Teilregion verstreut aber in ihrer Ausdehnung unwesentlich.

Einen negativen Einfluß auf die Vernetzung von Tierlebensräumen hat sicherlich die Fernverkehrverbindung Linz-Budweis (Grenzübergang Wullowitz). Diese Straße zerschneidet die zusammenhängenden Wälder des Untersuchungsgebietes genau an den Stellen, wo der Waldbestand ohnehin schon am schüttersten ist – das heißt das Weiterkommen für Wildtiere gefährlich ist. Dies ist sowohl auf österreichischem als auch auf tschechischem Staatsgebiet der Fall. Der geplante vierspurige (Autobahn-ähnliche!) Ausbau dieser Verbindung wird sich in dieser Hinsicht weiter negativ auswirken. Gerade an dieser Stelle sei nochmals auf die Verbindende Funktion von Grünbrücken hingewiesen.

 

Modelltestung

Auf keinen Fall darf bei einem Lebensraummodell die Testung fehlen. Meine Modelltestung erfolgt nur für den Teilraum Mühlviertel, da hier für mich genaue Luchshinweise verfügbar waren. Die übrigen Gebiete lassen sich aber an Hand der oben gezeigten Luchsverbreitungskarten aus Bayern und Tschechien rein optisch auch vergleichen.

Untenstehende Abbildung zeigt die Überlagerung von Luchshinweisen der letzen 10 Jahre mit der Habitatkarte. Es zeigt sich, daß über 90 % der Hinweise in den grünen Bereichen der Habitatkarte zu liegen kommen (von 161 Luchshinweisen liegen 150 innerhalb der grünen Bereiche).

Die darauf folgende Karte zeigt die Luchshinweise von 1990 bis 2000 für den Bereich des Mühlviertels alleine.

 

Modelltestung; bekannte Luchshinweise versus Habitatmodell



bekannte Luchshinweise im Teilgebiet Mühlviertel, 1990-2000


Auf einen wesentlichen Unterschied zwischen den Nicht-Wald-Gebieten des Bayerischen Waldes und Mühlviertels einerseits und Südböhmens andererseits soll hier noch näher eingegangen werden.

Die Nicht-Wald-Gebiete des Bayerischen Waldes und des Mühlviertels stellen im wesentlichen ausgedehnte Kulturlandschaften dar. Hier wird keine intensive Landwirtschaft betrieben und die Landschaft ist im wesentlichen stark gegliedert - kleinstrukturiert (Hecken, Raine, kl. Waldflächen,...).

Im Gegensatz dazu wird in den Nicht-Wald-Gebieten der Tschechischen Republik intensivere Landwirtschaft betrieben, auch mehr Ackerbau. (vgl. Karte 17: Landnutzung in der Region Böhmerwald).

Dies kann für den Luchs von Bedeutung sein. Nach Meinung maßgeblicher Experten kann der Luchs auch in den reich strukturierten Kulturlandschaften des Untersuchungsgebietes einen Lebensraum vorfinden. (Vorausgesetzt genügend Deckung & Nahrung und die Akzeptanz durch den Menschen). Die Stammzellen werden aber im wesentlichen die großen und dichten Wälder bleiben; auch deshalb, weil hier ganz einfach die Störungseinflüsse durch den Menschen geringer sind.

Als ein maßgeblicher Faktor für das Beuteangebot (Rehe) für den Luchs kann die Waldrandlänge hergenommen werden. (vgl. Wölfl, mündl. Mitteilung, 2000)

Je mehr Waldrand desto dichter der Rehwildbestand – so die These.

Die folgende Aufstellung zeigt die Waldfläche und die Waldrandlänge der Verschiedenen Zonen des Habitatmodelles in Beziehung gesetzt zu Gesamt- und Waldfläche.


Waldrandlängen in Beziehung zu Wald- und Gesamtfläche

Zone

Waldrand in km

Waldfläche in km²

Gesamtfläche in km²

km Waldrand/ km² Waldfläche

km Waldrand / km² Gesamtfläche

Bewaldung in %

6

6.400

2.650

3.560

2,4

1,8

74

5

8.500

1.740

3.770

4,9

2,3

46

4

6.500

1.030

3.350

6,3

1,9

31

3

2.800

370

1.980

7,6

1,4

17

2

700

90

960

7,8

0,7

9

1

100

10

330

10

0,3

3

             

Summe

25.000

5.890

13.950

4,2

1,8

42

Folgt man obiger These zeigt sich, daß in den gänzlich geschlossenen Wäldern des Untersuchungsgebietes (dunkelgrüne Gebiete – Zone 6) die Waldrandlänge natürlich geringer ist als in den aufgelockerteren Gebieten (grün und hellgrüne Gebiete). Demzufolge müßte auch der Rehwildbestand in den Zonen 5 und 4 höher sein als etwa in Zone 1. Was aber aufschlußreich dazu kommt ist, daß die Waldrandlänge und somit die Rehwilddichte auch in der Zone 3 (hellgelbe Gebiete) für den Luchs durchaus annehmbar sein kann. Der menschliche Störungseinfluß wird hier aber bereits wesentlich höher sein.

Es ist somit zusammenzufassen, daß das vorliegende Habitatmodell eine gute Diskussionsgrundlage darstellt – ob sich jedoch der Luchs an diese Vorgaben hält bleibt abzuwarten.



geschlossenes Waldgebiet des inneren Böhmerwaldes

 

offene Landschaft des Mühlviertels mit Böhmerwaldhauptkamm im Hintergrund

 

Grünbrücken, Grenzen

vgl. Righetti & Knöpfel, 1999

Wildübergänge, Grünbrücken, Biotopvernetzung, Wildkorridore: lauter Begriffe, die dem Laien oft wenig vertraut sind. Worum geht es?
Die Zersiedelung der Landschaft, der Bau von Strassen und Bahnlinien haben die früher zusammenhängenden Wildlebenssräume in kleinräumige Abschnitte zerteilt. Vor allem der Bau von Hauptverkehrsstraßen (Autobahnen, Schnellstraßen, Fernverkehrsstraßen, ...) zerschnitt und zerschneidet die Landschaft wie mit dem Messer.
Die für die menschliche Mobilität aus Sicherheitsgründen notwendigen Autobahnschutzzäune aus dichtem Maschendraht verhindern die Mobilität der Tiere mit bisher nie gekannter Wirksamkeit.
Der Lebensraum des Wildes zerfällt in einzelne Abschnitte, deren künstliche Begrenzungen sich für die größeren Arten als unüberwindbar erweisen. Für die kleineren Arten, die da und dort durch die Maschen schlüpfen, sind mit den breiten Fahrbahnen tödliche Fallen entstanden.
Verkehrswege sind keineswegs eine Erfindung der menschlichen Zivilisation. Auch Tiere sind auf ihre z.T. uralten Wildwechsel (Wildwege) angewiesen. So gibt es nachgewiesenermaßen duch Mittel-Europa führende Fernwechsel von Wildschweinen, Wölfen, Bären, Luchsen, udgl. Die großen Säugetierarten wandern oft über weite Strecken und eine Rotte von Wildschweinen kann in einer Nacht durchaus 40 oder 50 km zurücklegen. Diese Wanderbewegungen sind von existentieller Bedeutung für die einzelnen Arten. Sie dienen direkt und indirekt ihrer weiteren Verbreitung. Jungtiere wandern aus, um sich neue Einstandsgebiete zu erschliessen. Die Wanderungen ermöglichen aber in der Fortpflanzungszeit auch den wichtigen Austausch von Erbgut. Isolierte Wildbestände degenerieren, d.h. ihr Genpool ist nicht ausreichend vielfältig zur Arterhaltung. Inzuchterscheinungen, Erbschäden sind die Folge.
Die wichtige Funktion der Wildwechsel, durch zivilisatorische Eingriffe ohnehin schon stark eingeschränkt, wird deshalb durch die Autobahnen völlig zertört. Die vielen kleinen Autobahnbrücken oder Passagen ersetzen sie nicht. Sie werden nur von einzelnen wenigen Arten, wie etwa Fuchs und Marder genutzt. Schon allein ihr Bodenbelag hält andere Arten von der Begehung ab.

Die Anforderungen an geeignete Wildbrücken sind hoch. Die Tiere benötigen Deckung, d.h. die Wildpassage sollte möglichst keinen Störungen (Einsicht, Lärm, Licht) ausgesetzt sein. Sie muss darüberhinaus über eine natürliche Bodenbeschaffenheit verfügen und sollte von Planzen und Sträuchern bewachsen sein. Von Bedeutung ist auch eine genügende Dimensionierung vorallem in der Breite, damit der Übergang von den Wildtieren auch angenommen wird. Eine Wildbrücke muß zudem an der richtigen Stelle angelegt werden und bei der Standortwahl die vorhandenen Wildwechsel und vernetzbaren Lebensräume berücksichtigen.
Sie sollte auf keinen Falle Sackgassen schaffen, d.h. Übergänge, die ins Nirgendwo führen oder noch schlimmer auf befahrene Landstraßen.


Beispiel einer Grünbrücke über eine Autobahn


Graphik: H. v. Gunten in Righetti & Knöpfel, 1999


Alle diese Anforderungen machen den Bau von Wildübergängen zu einer komplexen und nicht ganz billigen Angelegenheit. Was heißt aber "billig"? Die menschliche Gesellschaft, die das Recht auf freie Mobilität als Selbstverständlichkeit wahrnimmt, darf dieses Recht umgekehrt ihren schwächeren Partnern, den Wildtieren, nicht vorenthalten, es ihnen gar aus Eigennutz verweigern. Gesunde Wildbestände und natürliche Lebensräume zählen zu unseren wertvollsten Gütern überhaupt. Wir tun mit ihrer Erhaltung und Verbesserung letztlich nicht nur den Tieren einen Gefallen, sondern uns selber.

Die mit den entsprechenden Bauwerken verbundenen Kosten entsprechen nur einem Bruchteil der für den Bau und Unterhalt des gesamten Straßennetzes aufgewendeten Beträge. Wer sich die angerichteten Schäden an der Natur und die verzweifelte Lage einzelner Wildarten vor Augen hält, wird sich einem raschen und effizienten Handeln nicht verschließen können.

Eindringliche Apelle kommen von Seiten der Wildbiologen an die Straßenbaubehörden, dem Beispiel der Niederlande (oder beginnend auch in der Schweiz) zu folgen und sich stärker dem Belang der "Entschneidung" zu widmen. Durchlässigkeitskonzepte für Straßen mittels Grünbrücken oder Unterführungen für Tiere, sind ein wichtiger Schritt in die Zukunft.

Ausgewachsene kräftige Luchse mögen zwar in der Lage sein einzelne Hindernisse zu überwinden, Autobahnen und Fernstraßen stellen aber auf alle Fälle eine Barriere dar, besonders auch für Jungluchse auf der Suche nach neuen Revieren.

So konnte sich in der Schweiz bisweilen die Luchspopulation auch nicht bis in die Ost-Schweiz ausbreiten, obwohl die Luchs-Dichte in anderen Teilen der Schweiz hoch ist. Grund dafür sind eben Störungen wie Autobahnen, Siedlungen, intensive Landwirtschaft, uam.

Wenngleich Anja Jobin aus der Schweiz von Luchsen berichtet, die weite offene Flächen, Autostraßen mit Zaun und breite Flüsse überwinden, wird das nicht der Regelfall sein.

Die Schweizer Wissenschafterin berichtet dabei von einem Luchs, der dabei gefilmt wurde, wie er die Rhon durchschwimmt. Dies ist ein Hinweis dafür, daß die Donau im Süden des Untersuchungsgebietes für die Luchse lediglich eine relative Grenze darstellt. Als Katze meidet er zwar in der Regel das Wasser, wenn es sein muß schwimmt er aber auch durch. Der Luchs überquert die Donau sicher nicht "schnurstracks", aber sie ist kein absolutes Hindernis. In der Schweiz gibt es auch Hinweise darauf, daß Brücken angenommen werden. Natürlich spielt die nähere Uferbeschaffenheit (Wald, störungsfrei, ...) bei solchen "Überquerungsmanövern" und das Motiv (Dringlichkeit der Suche nach neuem Lebensraum, Beutetieren, ...) eine entscheidende Rolle.

Was ich aber erläutern möchte ist, daß eine Vernetzung von Luchslebensräumen nördlich der Donau mit Lebensräumen in den Alpen im Bereich des Möglichen ist. Vor allem bei Amstetten, wo das österreichische Alpenvorland am schmalsten ist. Autobahnen, Siedlungen und wenige Waldflächen wirken hier aber sicher negativ.

Im Gespräch mit M. Wölfl wurde die Frage aufgeworfen, wie weit ein Luchs geht auf der Suche nach neuem Lebensraum – wo ist der Punkt, an dem er umkehrt? Die Frage bleibt leider unbeantwortet.


 

EMPIRISCHER TEIL - AKZEPTANZ

Laut Duden ist Akzeptanz die Bereitschaft etwas anzunehmen, zu billigen, hinzunehmen.

Wie bereits oben erwähnt sind die beiden wesentlichen Voraussetzungen für das Überleben des Luchses in Mitteleuropa:

  • das Vorhandensein eines geeigneten Lebensraumes und
  • die Akzeptanz durch den Menschen

 

Grundsätzliches sowie Erfahrungen aus der Schweiz

vgl. Hunziker, 1999/2000

Hunziker, 1999-2000 analysiert in einer Fallstudie* im Rahmen des Projekts "Die gesellschaftliche Akzeptanz der Ausbreitung wildlebender Großraubtiere in der Schweiz" die Akzeptanz-Situation des Luchses im Simmental, Schweiz.

* Ein Teil der Fallstudie wurde als Diplomarbeit durchgeführt (Egli 1998)

Im Simmental herrscht eine alpenweit überdurchschnittlich hohe Luchsdichte. Diese Situation verursacht, trotz der Öffentlichkeitsarbeit im Projekt "Luchs und Schafe in den Nordwestalpen", seitens der lokalen Bevölkerung erheblichen Widerstand gegen die Präsenz des Luchses. Welches sind die Gründe für die vorherrschende Ablehnung? Diese Frage ist im Zusammenhang mit der Suche nach akzeptanzfördernden Maßnahmen sehr wichtig.

Mittels einer Analyse von Interviews mit verschiedenen Bewohnern des Simmentals wurde nach Antworten gesucht.

Im folgenden, eine Zusammenfassung seiner Erkenntnisse.

Die Akzeptanz des Luchses durch den Menschen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die wichtigsten sind:

  • der Grad der persönlichen Betroffenheit,
  • das Verhältnis der Betroffenen zur Natur sowie
  • die Kommunikation zwischen den Beteiligten.

ad persönliche Betroffenheit

Je stärker sich jemand persönlich betroffen fühlt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung des Luchses.

Dabei kann zwischen einer direkten und einer indirekten Betroffenheit unterschieden werden.

Direkte Betroffenheit wird in erster Linie durch emotionale und finanzielle Verluste hervorgerufen. Es hat sich gezeigt, daß sich Schafhalter emotional weniger stark betroffen fühlen als Jäger. Letztere befürchten, daß die Jagd ihre Berechtigung verlieren wird, da der Luchs den Schalenwildbestand auf natürliche Weise reguliert. Auch finanziell fühlen sich die Schafhalter weniger betroffen als die Jäger. Den Schafhaltern ist denn auch die Höhe der Abgeltungen weniger wichtig, als eine gewisse Großzügigkeit, wenn es darum geht, nachzuweisen, daß es sich um einen Luchsriß handelt.

Eine direkte Betroffenheit kann auch durch die Angst vor Übergriffen auf Personen bedingt sein. Diese Angst ist zwar bei den Befragten vorhanden, jedoch von untergeordneter Bedeutung.

Indirekte Betroffenheit entsteht durch die soziale Integration einer Person. Verwandte und Bekannte von Jägern und Schafhaltern fühlen sich dazu verpflichtet, die Anliegen der direkt Betroffenen zu vertreten. Für gewisse Gruppierungen wie Politiker und Tourismusfachleute bietet dieses Thema zudem eine willkommene Profilierungsmöglichkeit.

ad Verhältnis zur Natur

Das Verhältnis der Betroffenen zur Natur hat einen großen Einfluß auf die Akzeptanz des Luchses. Dabei unterscheidet Hunziker, 1999-2000 zwei grundsätzlich verschiedene Haltungen:

a) Die Natur als Gegner

Die Natur wird als etwas statisches betrachtet. Es gibt einen gültigen Referenzzustand, der meist in der Vergangenheit liegt (fixe Vorstellung von der Natur!). Diese Haltung, von der sich zwei Untertypen unterscheiden lassen, wirkt sich akzeptanzhemmend aus.

Wird der Mensch als der Natur übergeordnet angesehen, dient die Natur ausschließlich der Nutzung durch den Menschen. Weil der Luchs diese Nutzung stört, indem er Schafe reißt, hat er keinen Platz.

Wenn der Mensch sich als der Natur untergeordnet auffaßt, d.h., wenn er die Natur als übermächtig wahrnimmt, wird der Luchs zwar akzeptiert, aber als Übel, welches nicht zu überwinden ist.

b) Die Natur als Partner

Dieses Verhältnis zur Natur wirkt sich akzeptanzfördernd aus. Die Natur selber und auch das Verhältnis des Menschen zu ihr wird als etwas dynamisches empfunden. Das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur muß immer wieder neu definiert werden. Dem Luchs wird das Recht zugesprochen, dort zu sein, wo er ist. Aber auch der Mensch hat dieses Recht. Wenn der Luchs zuviel Schaden anrichtet und damit die menschliche Existenz gefährdet, darf eingegriffen werden.

ad Kommunikationsprozeß

Großes ökologisches Grundwissen und großes Interesse an der Problematik um den Luchs wirken sich akzeptanzfördernd aus. Der Einfluß ist jedoch nicht so einfach, wie man es sich wünschen könnte, denn die Wissensübermittlung wird durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt:

a) Die Beziehung zwischen den Betroffenen, den Forschenden und den Behörden beeinflußt die Akzeptanz maßgeblich. Vornehmlich die mißtrauische Haltung, welche die Schafhalter und Jäger den Forschenden und Behörden entgegenbringen, stört die akzeptanzfördernde Wirkung der Informationsübermittlung. Aus den Schweizer Interviews ging deutlich hervor, wie das Mißtrauen entstand. Einerseits fühlen sich die Betroffenen in ihrem Problem nicht ernst genommen, ja teilweise fühlen sie sich sogar im Stich gelassen oder von oben herab behandelt. Andererseits entsteht Mißtrauen dadurch, daß die Forschenden auf ihren Aussagen behaftet werden. Die Prognosen der Forschung werden nicht als solche wahrgenommen, sondern als Tatsachen. Wenn sich die Prognosen später relativieren, steigt das Mißtrauen (beispielsweise wurde früher ein Luchs pro 100 km2 prognostiziert, heute ist aber im Simmental einer pro 65 km2 vorhanden). In der Folge wird der Forschung kein Glauben mehr geschenkt.

b) Der Zeitpunkt der Information ist ebenfalls wichtig! Es hat sich gezeigt, daß Informationen die betroffene Bevölkerung frühzeitig erreichen müssen, möglichst bevor die Betroffenen ihre Meinung schon gebildet haben. Allerdings muß die Bevölkerung bereits ein gewisses Interesse am Thema haben, damit die Information überhaupt beachtet wird. Als man im Schweizer Projekt "Luchs und Schafe in den Nordwestalpen" mit der Öffentlichkeitsarbeit begann, hatte sich die Jägerschaft ihre Meinung bereits gebildet.

c) Ein weiterer Aspekt der Information ist das benutzte Medium. Mit einem in der Schweiz bisher eingesetzten Informationsblatt werden nicht alle Betroffenen erreicht. Einige würden ein anderes Medium (Fernsehen, Vorträge usw.) bevorzugen, andere wissen vermutlich nichts von der Existenz dieses Informationsblatts. Was unter Schafhaltern und Jägern an der Arbeit der schweizer Luchs-Projektmitarbeitenden hingegen sehr geschätzt wurde, waren die persönlichen Gespräche vor Ort und die Bildung einer Kontaktgruppe mit Vertretern aus der Bevölkerung, dem Forschungsprojekt und den Behörden.

 

Akzeptanz und ihr Umfeld


nach Hunziker 1999-2000, verändert

 

 

Akzeptanzförderung - mit Grenzen!

vgl. Hunziker, 1999/2000

Hunziker, 1999-2000 schlägt aufgrund der oben erläuterten Untersuchungsergebnisse für die Schweiz vor, den Einsatz folgender Maßnahmen der Akzeptanzförderung zu prüfen:

a) bezüglich Schadensabgeltung durch Luchsrisse sollten die Prioritäten dahingehend geändert werden, daß geringere Abgeltungen dafür aber größere Kulanz in der Bewertung von Luchsrissen zum tragen kommt;

b) Vermittlung der Natur als "Partner": Diesem Aspekt ist vor allem in der langfristig angelegten Umweltbildung größtes Gewicht beizumessen. Kurzfristig gesehen, muß das vorhandene Verhältnis zur Natur akzeptiert und nach Lösungen gesucht werden, wie der Luchs in das Bild der "Natur als Gegner" integriert werden kann.

c) Überarbeitung des Konzepts der Öffentlichkeitsarbeit im Projekt "Luchs und Schafe in den Nordwestalpen": Dabei wäre insbesondere eine Vermittlungsstrategie vorzusehen, die sich noch stärker an den Zielgruppen orientiert. Zudem sollte dem bereits verfolgten Ansatz der persönlichen Kontakte und Diskussionsforen größeres Gewicht beigemessen werden.

Läßt sich die Akzeptanz grenzenlos fördern?

Die Schweizer Studienautoren denken, nein. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zeigen, daß eine Grenze der akzeptierten Luchsdichte existiert; die momentan vorhandene Anzahl Luchse im Simmental wurde von den Befragten meist als zu hoch bezeichnet. Zitat aus einem Schweizer Interview: "... mit dem Luchs kann ich absolut leben, wenn in einem vernünftigen Rahmen". Wie dieser "vernünftige Rahmen" aussehen soll, wo die Akzeptanzgrenze also liegt, kann auf Grund der Schweizer Interviews nicht definiert werden. Sie ist - nicht nur heute, sondern auch in Zukunft - immer wieder neu auszuhandeln.

Im Jänner 2001 führte ich in der Teilregion Mühlviertel 9 Interviews zur Akzeptanz des Luchses durch. Dies geschieht in Form von Qualitativen Interviews. Wobei im folgenden das Qualitative Interview kurz dargestellt wird.

 

Qualitatives Interview

vgl. Winter, 2000

Beim qualitativen Interview wird der Teilnehmer von einem über den Gesprächsgegenstand gut informierten Interviewer befragt. Im Vergleich zu quantitativen Methoden der Befragung, wie beispielsweise dem Fragebogen oder dem standardisierten quantitativen Interview, zeichnet sich der Ansatz des qualitativen Interviews durch wesentlich größere Offenheit und Flexibilität aus. Dem Interview liegt ein grober thematischer Leitfaden zugrunde, wobei auf einengende Vorgaben soweit als möglich verzichtet wird. Die Reihenfolge und Gestaltung der Fragen ist flexibel, und die Antwortmöglichkeiten der Gesprächspartner sind unbeschränkt. Der Befragte kann selbst Themenschwerpunkte wählen und wie in einem Alltagsgespräch mit eigenen Worten sprechen. Dadurch werden eine hohe Inhaltsvalidität und ein sehr tiefer Informationsgehalt erreicht.

Das qualitative Interview zeichnet sich aus durch eine Herangehensweise an den Untersuchungsgegenstand, die unverzerrt und nicht vorbestimmt ist und sehr umfassende Informationen liefert. Dadurch ist es überall dort geeignet, wo man eine differenzierte und ausführliche Beschreibung individueller Meinungen und Eindrücke benötigt. Ideal sind qualitative Methoden vor allem zur Sammlung von detaillierten Verbesserungsvorschlägen, zur Erkundung von Ursachen und zur Erstellung von Typologisierungen (Gruppenzuordnung aufgrund einer umfassenden Ganzheit von Merkmalen). Aus den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich die relevanten Beurteilungskriterien für den fraglichen Sachverhalt und intervenierende Folgemaßnahmen ableiten.

 

Voraussetzungen

Die benötigte Zeitdauer für ein qualitatives Interview ist abhängig von der Komplexität der Thematik. Sie liegt aber vorwiegend im Bereich zwischen 30 min und einer Stunde.

Über die Anzahl der Gesprächspartner gibt es in der Literatur keine einheitliche Meinung. Es tritt in Abhängigkeit von der untersuchten Fragestellung ab einer gewissen Anzahl interviewter Personen eine theoretische Sättigung ein, d.h., daß durch Hinzunahme weiterer Interviewpartner kein bedeutender zusätzlicher Erkenntnisgewinn erreicht wird. Die erforderliche Stichprobengröße ist im allgemeinen geringer als bei quantitativen Verfahren.

Bei der Stichprobenzusammensetzung gelten die Grundsätze des theoretical sampling, d.h. die Stichprobe sollte den theoretischen Überlegungen und der Fragestellung angepaßt werden, heterogen zusammengesetzt sein und möglichst typische Vertreter enthalten.

Die Anforderungen an den Interviewer sind im qualitativen Interview sehr viel größer als im quantitativen, er muß einerseits sich selbst zurücknehmen, um sich ganz auf den Gesprächspartner zu konzentrieren, und dabei eine angenehme und anregende Gesprächssituation erzeugen, andererseits sollte er die Fragestellung nicht aus den Augen verlieren. Es ist wichtig, daß der Interviewer keine Suggestivfragen stellt und die Technik der offenen Fragen beherrscht, er sollte auch einen guten Überblick über den Leitfaden haben, so daß er gegebenenfalls die Reihenfolge oder die Formulierung der Fragen flexibel ändern kann.

Das Interview sollte auf Tonband oder idealerweise auf Video aufgezeichnet werden, um den Interviewer zu entlasten. Die Aufzeichnung kann dann anschließend für die Auswertung in schriftliche Form überführt werden

Vorteile

  • Durch die offene Gestaltung der Interviewsituation, die sich an eine alltägliche Unterhaltung annähert, wird die Motivation der Teilnehmer erhöht.
  • Der Fokus des Gesprächs wird vom Teilnehmer selbst bestimmt, dadurch liegt er vor allem auf den für den Teilnehmer relevanten Sachverhalten.
  • Da die Teilnehmer keinerlei Vorgaben bezüglich ihrer Antworten haben, erhält man eher wahre und vollständige Informationen über die subjektive Sicht des Gesprächspartners.
  • Der Interviewer hat durch die persönliche Interaktion die Möglichkeit, Hintergründe zu erfragen und Unklarheiten zu beseitigen.
  • Die Offenheit des Vorgehens ermöglicht es, neue, bisher unbekannte Sachverhalte zu entdecken.

Nachteile

  • Qualitative Interviews sind relativ zeit- und kostenintensiv, da sich der Interviewer persönlich und ausführlich mit jeder Gesprächsperson auseinandersetzen muß.
  • Die Anforderungen an die Qualifikation des Interviewers sind recht hoch, die Qualität der Daten ist zu einem gewissen Teil auch vom Interviewer abhängig.
  • Die Auswertung ist vor allem im Vergleich zu den quantitativen Methoden relativ aufwendig.
  • Aus qualitativen Interviews kann man keine zahlenmäßigen Mengenangaben ableiten.

 

 

Interviews

Gesprächsleitfaden (vgl. Wölfl, 1999) und Methodisches

 

Gesprächsleitfaden

Akzeptanz und Toleranz gegenüber dem Luchs (Lynx lynx) im Mühlviertel/OÖ

Vorstellung meiner Person, Vorstellung meiner Diplomarbeit

  1. Wer wird aller interviewt?
  2. Abgrenzung des Untersuchungsgebietes der Diplomarbeit, Abgrenzung des Befragungsgebietes (Teilregion Mühlviertel)
  3. Mühlviertel
  • Landschaft als Thema im eigenen Leben
  • Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels?
  • Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur- und Kulturlandschaft
  • Ziele für die Region – was ist wichtig und warum?
  1. Der Luchs im Mühlviertel
  • Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel
  • Grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)
  • Berührungspunkte mit eigenen Interessen; Konflikte (direkt – indirekt)?
  • Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?
  • Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern?
    Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?
  • Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution
  • Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht
  • Zukunft des Luchses im Mühlviertel/im Böhmerwald

 

Befragte:

Vertreter des Forstamtes Stift Schlägl

Vertreter der Bezirksjägerschaft Freistadt

Vertreter der Österreichischen Naturschutzjugend Haslach

Vertreter der Bezirksbauernkammer Rohrbach

Vertreter der Jägerschaft des Bezirkes Urfahr-Umgebung

Vertreter der Tourismusverbändegemeinschaft Böhmerwald

Vertreter der Naturschutzbehörde der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach

Ein Unternehmer im Bezirk Rohrbach



Methodisches

Im Jänner 2001 wurden für diese Arbeit 9 Interviews geführt (ein Interview war wegen technischer Probleme leider unbrauchbar). Dabei wurden Vertreter verschiedener Interessensgruppen aus dem Teilraum Mühlviertel befragt. Das Schwergewicht der Befragung liegt dabei naturgemäß am Bezirk Rohrbach, da hier der Luchs am längsten und intensivsten ein Thema war und ist.

Durch die Interviews soll ein Schlaglicht auf die Einstellung maßgeblicher Interessensvertreter der Region gegenüber den Luchs geworfen werden.

Die Befragung wurde nach "weichen Methoden" durchgeführt in Form des oben erläuterten qualitativen oder narrativen Interviews – das sich an gewohnte Kommunikationsweisen und alltägliche Gesprächsformen annähert.

Die Forschung wurde als beidseitiger Lernprozeß verstanden. Die Subjektivität hat bei dieser Methode einen wichtigen Platz und soll nicht geleugnet, vielmehr in die Darstellung miteinbezogen werden.

Es wurde ein grob strukturierter Gesprächsleitfaden erstellt (siehe oben). Von den Vorgaben wurde aber je nach Gesprächssituation abgewichen, sodaß sich mit der Zeit ein zwangloses Gespräch ergeben konnte.

Die Gespräche wurden auf Tonbandkassette aufgenommen. Das Aufnahmegerät erzeugte bei einigen Befragten eine gewisse Befangenheit (auch wenn sie darauf vorbereitet waren) und einiges wurde nach dem Abschalten des Aufnahmegerätes erzählt.

Die Geprächsatmosphäre war in jedem Fall überraschend locker und entgegenkommend.

Zunächst wurden die Aufnahmen (wenn möglich wortgetreu – bis auf die umgangssprachliche Umformung) transkribiert. Der Sinn mußte auf jeden Fall erhalten bleiben. Die Aussagen der Interviewpartner sollen nicht interpretiert werden, eher zusammengefaßt.

Dann wurden die Aussagen dem Gesprächsleitfaden folgend (so gut als möglich) nach Themenbereichen geordnet, die Kernaussagen herausgefiltert und im Folgenden dargestellt. Die vollständigen Interviews finden sich im Anhang (vor allem auch deshalb – um möglichen Mißverständnissen entgegenzuwirken).

Zu betonen ist auch, daß nur engagierte bzw. motivierte Personen befragt wurden - da ich glaube, daß es für ein qualitatives Interview wenig Sinn macht "Irgendjemanden" zu befragen.

Verallgemeinerungen lassen sich auf Grund der Methode und der geringen Zahl der Befragten nicht machen. Diese Untersuchung kann nur eine Einstellungs- bzw. Akzeptanzsondierung darstellen.

 

Interview mit einem Vertreter der Jägerschaft des Bezirkes Urfahr-Umgebung

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Die mühlviertler Landschaft beschäftigt uns natürlich schon. Wir betreuen hier auch Wanderwege über den Alpenverein und wir wirtschaften auch in dieser Landschaft - wir betreiben Bio-Landwirtschaft.

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Was mir überhaupt nicht gefällt ist, daß die Landschaft in den letzten 30 Jahren irrsinnig zersiedelt worden ist.

Was mir gut gefällt, ist der etwas herbe Charme, den das Mühlviertel hat – der Gesamteindruck der Landschaft.

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

Mit der landwirtschaflichen Nutzung an sich leisten wir einen Beitrag zur Kulturlandschaft. Wir haben auch als Jäger versucht Richtung Naturlandschaft etwas zu tun. Wir bemühen uns gemeinsam mit anderen... Hecken, Waldrandgestaltung... wir bemühen uns, daß wir in diese Richtung wieder etwas einbringen.

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Vor etwa 40 Jahren haben bei jedem dieser Höfe, wie wir einen haben, viele Leute gelebt – auf diesem Hof gearbeitet und von diesem Hof gelebt. Jetzt haben wir eine Situation, wo wir hier in Zwettl/Rodl rund 100 landwirtschaftliche Betriebe haben, wovon 95 im Nebenerwerb sind. [...]

Wir sind hier im Mühlviertel sehr stark von der Landwirtschaft geprägt, von früher her. Jetzt weniger, weil fast jeder einem anderen Beruf nachgeht. [...] Aus dem ganzen Mühlviertel pendeln wahnsinnig viele nach Linz.

Es ist eine Frage der Politik und der Zeit wie lange die Politik diese Strukturen künstlich am Leben erhält – diese landwirtschaftliche Betriebsstruktur. [...]

Die regionalen Wirtschaftsräume im Mühlviertel wie Rohrbach (Bad Leonfelden, Freistadt ,... Anmerkung) entwickeln sich ganz gut, die werden wirtschaftlich noch etwas wachsen. [...]

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

[...] weiß ich, daß es im Bezirk Perg Nachweise gegeben hat – Risse. Es wird dort und da einmal einer durchstreifen. [...]

Ich glaube nicht, daß wir hier in Zwettl/Rodl absolut schon zum Verbreitungsgebiet gehören. Aber ich bin überzeugt davon, daß es innerhalb der nächsten paar Jahre sein wird. Daß der Luchs da sein wird. Wir werden auch leben können damit – glaube ich schon. Es kommt drauf an in welcher Dichte. Größenvorstellung... sie lassen sich schwer zählen... so zwischen 10 und 15 Luchse im ganzen Mühlviertel.

 

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

Die grundsätzliche Einstellung ist so, wie zu anderen Tieren auch. Einerseits ist es eine absolute Bereicherung der Fauna, wenn der Luchs da ist.

Er ist natürlich für mich ein Beutekonkurrent (lacht). Aber, bei uns werden so viele Rehe von Autos angefahren, die irgendwo "verludern", wenn der Luchs auch dort und da noch eins nimmt... mit dem werden wir leben können. Aber das kommt drauf an... wenn er in einer Dichte wäre, wo das alle paar Tage wäre, wäre das kritisch (lacht).

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Berührungspunkte und Konflikte sehe ich in der Landwirtschaft kaum. Vielleicht schon da und dort, daß er von der Landwirtschaft auch was wegnimmt, daß er Lämmer nimmt, das kann schon sein, aber bei uns selber glaube ich nicht.

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

Er kann sicher mitleben mit uns – ich glaube schon.

Das wichtigste wäre allerdings, daß er von den Jägern akzeptiert wird – von der Allgemeinheit, da ist noch viel zu tun (lacht).

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

Das muß eine relativ unabhängige Organisation sein. Einerseits gibt es Leute – ich schätze die Arbeit der önj Haslach – die interessiert sind, daß er wieder kommt. Andererseits gibt’s natürlich absolute Gegner. Es müßte einfach eine Institution geben, die die Leute dann zusammenbringt. Wo man gemeinsame Gespräche findet, und wo man auch nach Möglichkeit einen gemeinsamen Weg findet – der wird nie konflikftrei sein, das ist klar, aber mit dem alle leben können. Es ist einfach so, dort wo geredet wird, kann man sich auch zusammenreden – nur dort wo nicht geredet wird, kann man sich nicht zusammenreden (lacht).

Ähnlich wie bei den Bären, da haben sie so Organisationen ins Leben gerufen, die sich mit dem beschäftigen. (Anmerkung: Bärenanwalt) [...]

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution?

Der Bezirksjägermeister hat gesprochen davon, daß der Luchs absolut tabu ist – ist klar! Die einzige Veranstaltung, die ich sehr positiv gefunden habe, war die in Aigen, vor einigen Jahren, von der Umweltakademie. (Anmerkung: Symposium - Haben wir Platz für Luchs & Co?) [...]

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

Die meisten mit denen ich bis jetzt so geredet hab‘, die mich angeredet haben, die haben gesagt, daß er eh nicht hergehören würde (lacht). Gerade bei den Bauern ist mir aufgefallen, die haben gesagt: "Räumt sie weg!" (lacht). Da habe ich noch keine andere Meinung gehört.

Und so bei den Leuten... den sonstigen Leuten ist das absolut egal. Solange er sie nicht beim schwammerlsuchen stört ...

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Ich glaub schon, daß es ihn gibt – in 30 Jahren. Ich hoffe auch, daß es ihn gibt! In einer Populationsdichte, die nicht allzu hoch ist. Das ist natürlich sehr schwer – wie ich das jetzt gesagt habe – was ist das?[...]

 

5.4.3. Interview mit einem Unternehmer des Bezirkes Rohrbach

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Landschaft ist wichtig, weil Landschaft einfach Lebensraum ist, weil das Heimat ist, weil das Grundlage für unsere Existenz, unsere Arbeit ist.

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Grundsätzlich was mir gefällt ist einfach generell die Klimazone da, die Jahreszeiten – das einmal grundsätzlich. Ich glaub einfach, die Vielfalt von der Landschaft macht‘s interessant. Das heißt du hast einfach Wald, Wiesen, Hügel,... du hast alles. Und das ist das interessante im Gegensatz zu anderen Regionen. [...]

Was mir nicht gefällt ist grundsätzlich das, wo der Mensch mit einem sehr kleinkarierten Denken eingegriffen hat. Bei der Besiedelung und Sachen die gebaut worden sind – teilweise. [...] Wo jeder immer nur auf sein Haus, seine 4 Wände schaut.

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

[...] Es muß einfach einmal eine Veränderung in den Leuten stattfinden – nach dem Motto, daß die Landschaft einfach Lebensraum ist und Grundlage für Existenz ist... und man schaut, wie kann sich das langfristig verändern, was für Konzepte sollen da verfolgt werden.

Das ganze was passiert ist einfach extrem kurzfristig. Die schauen, wie kann ich die nächsten paar Jahre da aus dem Lebensraum vielleicht ein Maximum herausholen. Aber es fehlen irgendwie langfristige Konzepte. [...]

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Idealbild ist vielleicht ein Lebensraum zum arbeiten - in der Region und mit der Region. [...] Es soll eine Wertschöpfung in der Region erfolgen, die im Einklang zu Leuten und Natur steht.

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

Pah, kann ich überhaupt nicht sagen. Er soll vorkommen, aber in welcher Häufigkeit weiß ich nicht. Er soll halt angeblich wieder kommen – aber wieviel Stück da unterwegs sind, weiß ich nicht... im Gebiet des Böhmerwaldes – dem Grenzgebiet von Österreich und Tschechien.

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

Der Luchs ist mir sympathisch, er gefällt mir, er ist ein liebes Tier. Mir gefallen alle wilden Tiere, die vorkommen, generell. Weil ich mir denke, daß jede Vielfalt in jeder Hinsicht positiv ist – in der Tierwelt, in der Natur und beim Menschen.

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Ja, vielleicht im weitesten Sinn, was unsere Arbeit anbelangt – Tourismusbereich. [...] Es hat doch irgendwas mit einer Naturbelassenheit zu tun, wenn solche Tiere wieder zurückkommen, die einfach durch den Menschen vertrieben worden sind. Und das finde ich touristisch einfach auch sehr wichtig. [...] Konflikte gibt es keine. [...]

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

Auf jeden Fall – ganz klar!

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

Kann ich nicht genau sagen... vielleicht die önj Haslach... aber ob die das machen sollen? Ich finde es super, wenn jemand da ist, der sich verantwortlich fühlt dafür und die Aufgabe auf sich nimmt, das finde ich positiv. Aber wer das sein soll – da habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht.

Konflikte gehören grundsätzlich einmal zwischen den zwei Parteien ausgetragen, die den Konflikt haben. Gut ist es dann vielleicht noch, wenn ein kompetenter Neutraler in der Mitte steht. Das ist die Frage wer das sein könnte. Das kann man sicher nicht der Jägerschaft aufbrummen. Oder es wäre vielleicht falsch, wenn man das machen würde – das wäre vielleicht so, wie wenn man den eigenen Hund auf die Wurst aufpassen lassen würde! (lacht)

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution?

wurde nicht befragt

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

Ich glaube, daß man es grundsätzlich nicht verallgemeinern kann. Aber so die Sicht... es wird ein Großteil der Jäger wahrscheinlich dagegen sein, weil er einfach "ihren Tieren" vielleicht etwas antut [...] weil halt der Luchs auch was will davon. Und bei den Bauern trau‘ ich mir es nicht zu sagen, wird wahrscheinlich auch so sein, daß einige auf die Panikmache der anderen Interessentengruppen hineinfallen und auch eher dagegen sein werden. Weil sie sich keinen direkten Nutzen sehen, und alles was nichts bringt ist nichts! [...]

Die normale Bevölkerung? Wer ist normal? Jeder gehört eher zu dem einen oder dem anderen Lager. Da kommt es wahrscheinlich darauf an, wie die Medien auf das ganze reagieren. Wer die Medien dementsprechend beeinflußt, so wird auch der allgemeine Ruf vom Luchs in der Region sein. [...]

 

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Naja, daß er halt dann dort lebt, wo er leben kann und wo er einfach ein Basis findet – ohne daß der Mensch zu sehr eingreift. Das heißt weder im positiven noch im negativen Sinne. Also ich will nicht, daß der Böhmerwald ein Luchsgehege wird bzw. auch nicht, daß man ihn ständig jagd und daß man ihn wieder zurücktreibt – ich denke mir, daß da schon ein Mittelding möglich sein muß.

Wenn man es schafft, daß man die Bevölkerung davon überzeugt, daß er nichts tut, daß ein Zusammenleben zwischen Mensch und Tier problemlos funktionieren kann, daß man ihn nicht jagd oder vertreibt, dann wird man es schaffen, daß er wieder ein Teil des Böhmerwaldes wird.

 

Interview mit einem Vertreter einer regionalen Naturschutz-NGO

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Also Landschaft ist ein ganz ein wichtiges Thema. Weil es dazu beiträgt Identifikation zu schaffen. [...] der Wald, dieses Mosaik an Wiesen und Feldern, die Hecken dazwischen, die Sanftheit, die Tiefenlinien mit den Flüssen und Bächen – das alles zusammen ergibt einen Blick, der auch für ein normal geschultes Auge eine sehr positive Stimmung gibt. [...]

Es muß ein Fluß dort sein, es müssen Bäume dort sein, es muß kleinräumig sein, man muß sich in einer gewissen Weise selber ein bißchen geschützt vorkommen in dieser Landschaft, dann entsteht eine sehr starke Identifizierung damit. [...]

Landschaft betrifft mich jeden Tag. Ich denke nur an den Blick von der Schule hinaus... [...] da sieht man bis nach Tschechien. [...] "Mein Gott dort oben ist es schön!", und schon ist ein positives Lebensgefühl wieder da. [...] Alleine diese Botschaften, die von solchen Landschaften ausgehen – dort ist es schön – wenn du dann dort hinkommst ist das justament auch mit wohlfühlen verbunden. [...]– ich will wo hingehen, wo ich mich absolut nicht ärgern muß!

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Schön sind diese kleinräumigen Bereiche, die mit Hecken durchwachsen sind. Schön sind Uferbereiche von Bächen und Flüssen. Schön ist auch die Sanftheit der Berge, der Hügel. [...] Bei uns habe ich alle Möglichkeiten in einen angenehmen Landschaftsteil zu kommen.

Was mich stört sind natürlich dann ausgeräumte Landschaften. [...] Also wenn eine Landschaft mich lockt und reizt aus dem Auto zu steigen, dann ist das eine sehr hohe Qualität, die eine Landschaft hat. Wenn ich versuche möglichst rasch durchzufahren und niemals das Gefühl oder die Verlockung habe - da müßte ich jetzt stehen bleiben und aussteigen, dann ist das für mich ein Zeichen, daß die Landschaft so stark verändert ist, daß sie eben keine Qualitäten mehr besitzt.

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

Unser Beitrag ist ein sehr aktiver, weil es nicht nur darum geht hinzugehen und zu sagen: "Mein Gott da ist es schön!" – sondern hinzugehen und sagen: "Und da soll es in 10 Jahren noch schön sein – und da soll es in 100 Jahren, wenn ich nicht mehr auf der Welt bin, dann soll es da auch noch schön sein". [...] warum gehe ich denn auf die südböhmische Seite, da in St. Oswald/H., weil ich weiß, vorerst wird dort nichts passieren – d.h. die Bäume stehen nächstes Jahr auch noch dort, mit höchster Wahrscheinlichkeit. [...]

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Die Landschaft soll in 30 Jahren immer noch eine offene Landschaft sein. Ich täte mir wünschen, daß es keinen Zuwachs an Wäldern gibt. Weil mehr Wälder heißt auch weniger Bewirtschaftung und heißt also auch Rückzug des Menschen. Zum anderen täte ich mir wünschen, daß all das was die Landwirtschaft bei uns zu produzieren im Stande ist, daß das auch die Wertschätzung findet und auch die Verwendung findet. Nahrungsmittel die von weit her gekarrt werden, tun der Landschaft nicht gut und nutzen eigentlich niemanden.

[...] es ist auch notwendig Touristen im Mühlviertel zu haben, die auch den Einheimischen gegenüber ihre Wertschätzung bringen. [...]

Es ist auch das Holz da... es gibt neue Ideen was die Textilbranche betrifft... aber recht viel mehr sehe ich in der weiteren Folge nicht. Die Frage ist, wie in 30 Jahren die Sache mit dem Verkehr in der Region geregelt sein wird. Wie weit es noch mehr Kontakte nach Südböhmen geben wird. [...]

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

Es gibt zwei Kriterien die notwendig sind. Zum einen ist es das Vorkommen des Rehbestandes. Also ein entsprechender Rehbestand muß da sein. Zum anderen müssen Ruhegebiete da sein – und die gibt es im Mühlviertel. Ich glaube aber nicht, daß das Mühlviertel ein Land sein wird, das mit Luchsen übersäht sein wird – sondern es wird ein lockerer Bestand da sein. Das Mühlviertel hat vermutlich auch diese Brückenfunktion – zum einen hinüber Richtung Waldviertel und dann Richtung Karparten – zum anderen eventuell auch diese Brückenkopffunktion Richtung Süden – über die Donau Richtung Alpen hinüber. Also einen lockeren Bestand und eine Brückenfunktion.

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

Es ist natürlich immer faszinierend was passiert, wenn in eine Landschaft ein Tier zurückkommt, das früher da war. Wir kennen das Verschwinden des Luchses sehr genau – d.h. es lag in den Händen der Menschen. Und jetzt liegt es wieder in den Händen der Menschen, wie das Tier aufgenommen wird. Ich denke insgesamt ist es einfach eine Bereicherung. Wenn ich das Gefühl habe, ich gehe irgendwo in den Böhmerwald und hab‘ dauernd so im Hinterkopf den Gedanken: "Dort könnte ein Luchs sein oder da ist ein Felsen und wenn man da jetzt vorbei geht, könnte es eventuell sein, daß man doch einmal einen Luchs sieht". Ich gehöre leider nicht zu den Leuten, da im Böhmerwald, die das Glück gehabt haben, einen Luchs direkt zu sehen. Ich hoffe, daß der Zeitpunkt einmal kommen wird! Ich glaube, dann wird das Empfinden noch verstärkt werden. In dem Augenblick, wo ich wirklich dieses Tier von einem Waldrand zum anderen wechseln sehe oder über die Straße laufen sehe... das wären an und für sich sehr starke Schlüsselerlebnisse. Ich glaube auch, das ist der Zugang, den man jenen Menschen verschaffen müßte – sogut es halt geht - die noch dem Tier irgendwie neutral gegenüber stehen.

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Da gibt es natürlich ganz massive Berührungspunkte. Erstens einmal haben wir selbst Grundbesitz und dort natürlich einen Luchs zu sehen... [...]

Ich könnte es mir auch vorstellen, in der Rolle des Jägers. [...] "Bei mir ist der Luchs da, in meinem Revier" – das ist eine Aufwertung. [...]

Ich sehe keine Konflikte zwischen meiner Person und dem Luchs. Der Luchs würde mich [...] sehr stark bereichern.

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

Auf jeden Fall! Nur, meine Hoffnung ist nicht allzu hoch geschraubt. Dadurch, daß wir eben jetzt sehr genau aufzeichnen und draufgekommen sind, daß das zu einer Erkenntnis geführt hat, daß der Luchsbestand vermutlich in einem sehr hohen Ausmaß dezimiert wurde – vom Menschen. Und das läßt für die Zukunft natürlich nicht allzu Gutes erwarten. Daß die Meinung bzw. Einstellung aller Mühlviertler in Zukunft ansteigen wird – also die Luchskurve nach oben gehen wird, davon bin ich überzeugt. Das scheint mir ein sehr wesentlicher Punkt der Hoffnung zu sein.

Insgesamt sehe ich das ganze positiv ausgehen. [...] es wird besser sein, [...] weil mehr Zeit, mehr Diskussion, mehr Information über das Land gegangen ist und daher auch die Erwartungshaltung und die Einstellung der Menschen verbessert sein wird.

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

Diejenigen, die mit dem Luchs direkt beschäftigt sind, konfrontiert sind. Das sind die Jäger zum einen, die Waldbesitzer und die sogenannten Naturschützer. Und in diesem Dreieck drinnen sehe ich das Verantwortungsgefühl am stärksten verankert. Jeder hat natürlich ein Umfeld. Der Jäger hat ein Umfeld, das er in gewisser Weise beeinflußt. [...]

Mit einer Broschüre, die du jemanden in die Hand drückst und wenn sich dann noch jemand die Mühe nimmt, das durchzulesen... die ist so positiv geschrieben [...]

Bei den Waldbesitzern denke ich in erster Linie einmal an die Leute, die eine Eigenjagd haben. Das heißt Waldbesitzer und Jäger gleichzeitig sind. Das ist in erster Linie natürlich einmal das Stift Schlägl. [...] Das ist der Korridor, den der Luchs aus Südböhmen herüber in erster Linie gehen wird. Dort kennen wir die Einstellung ja sehr genau, [...] sie ist nicht negativ, das ist schon entscheidend. Es schwankt halt immer hin und her – und wenn wir dort die positive Seite verstärken... [...]

Wenn ich an den Proksch denke, der als Förster da oben sitzt und sagt: "Mein Gott ist das ein vergnüglicher Abend, wenn ich da dem Luchs zuschaue, wenn er auf einem Scheiterhaufen oben sitzt und sich da mit der Zunge die Fellpflege macht – und dann aufsteht mühsam und heruntergeht und unter dem Hochstand durchgeht", und er sich dann noch den Spaß erlaubt, mit einem Mauspfeiferl ihn ein bißchen zu sekkieren. [...] In dem Augenblick, wo ich da oben im Hirn das so umgestellt habe... [...] Das ist unendlich wertvoll, wenn ich das da oben locker bekomme und dieses Neiddenken und Wegnehmen wegkriege. [...]

 

ad öffentliche Entscheidungträger/Stellen

[...] z. B., wenn‘s heißt, es ist ein Abschuß gewünscht oder gefordert. Sie sitzen an und für sich im Amt und sind sehr neutral. Sie sagen: "Das Gesetz schaut so aus, derzeit ist es unmöglich weder einen Elch noch einen Luchs noch einen Fischotter in irgendeiner Weise zu dezimieren."

ad Konflikte

Konfliktlösung ist natürlich immer am besten in der Form, daß man sich zusammensetzt und sich das anhorcht, was die einzelnen Seiten vorzubringen haben, und zu versuchen einen gemeinsamen Weg zu finden. Es hat in der Diskussion, die wir bis jetzt geführt haben, noch niemanden gegeben, der also absolut unbeweglich gewesen wäre. Solange man sich Botschaften über andere Personen oder über die Medien zuschickt, wird’s immer kritisch. [...] Am runden Tisch [...] entstehen in der Form keine Mißverständnisse. Ich kann so lange reden bis... gibt’s jetzt noch Mißverständnisse? In welchen Punkten sind wir uns einig, in welchen Punkten sind wir uns nicht einig? Und dort wo man sich nicht einig ist muß man sich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal treffen.

Die Initiative zu so einem Gespräch geht von einer dieser 3 Interessentengruppen aus. [...]

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution?

...einfach die Lebensweise des Tieres den Menschen nahe zu bringen. Es ist immerhin eine Katze, und die Verbindung über die Hauskatze... Natürlich ist beim Jäger die Katze nicht unbedingt das geliebte Wesen, irgendwo im Revier drinnen, aber für sehr viele Menschen ist die Katze doch irgend etwas besonderes. Es gibt sicher auch viele Jäger, die haben daheim eine eigene Katze und die wissen sie sehr wohl zu pflegen und zu hegen. Aber wenn sie drausen sind wird sie plötzlich (die Katze) zum Hasenschänder und zum Rebhendlfresser und weiß Gott alles. Aber die Lebensweise eines Tieres dem Menschen nahe zu bringen... und ein besonders schönes Mittel ist natürlich, das was den Bayern jetzt gelungen ist. Einen Luchs zu fangen, zu besendern.[...]Es entsteht eine andere Form von Jagd. Ich will wissen, wo ist der Luchs. Und ich gehe ihm nach [...] und ich brauche in nicht zu schießen. Oder ich animiere jemanden hinauszufahren in den Nationalpark und dort den Luchs zu fotografieren... und schon habe ich die agressive Form weg. Ich komme dann auch mit einer Trophäe heim. [...]

Wir sind nichts anderes als Jäger und Sammler – wir sind immer noch aus der Steinzeit und das bricht ununterbrochen hervor. Das muß nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

[...] Es wird sicher eine ganz große Gruppe von neutralen Leuten geben. [...] Das wird in erster Linie unsere Aufgabe sein – an den richtigen Stellen, möglichst viele Menschen mit dem Luchs zu konfrontieren. So, daß der das Gefühl hat, wenn er weggeht – so jetzt weiß ich wesentlich mehr über dieses Tier, zweitens ist mir das Tier einigermaßen sympathisch geworden und dann ist er vielleicht auch derjenige, der sich dann auch engagierter in die Diskussion einschaltet, wenns wieder einmal darum geht...

Ganz am schlimmsten sind diese Pressemeldungen, die dann sagen – Luchse fressen die Wälder leer. [...] Wenn ich in der Lage bin die Rolle des Luchses in der freien Wildbahn draußen zu erkennen und seine Lebensweise kenne [...] und wenn das in diese Verbindung gesetzt wird - das ist eine Katze, das ist eine größere Katze... Ich weiß das auch von der Schule. Der Luchs ist immer äußerst positiv besetzt, wenn man sich im Projektunterricht damit thematisch beschäftigt.

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Ich hab‘s schon vorher angedeutet – ich denke, daß es gelingen wird [...], daß die Akzeptanz nach oben geht, daß das Wissen nach oben geht und damit auch der Bestand noch oben gehen wird. Natürlich sehen wir das immer ohne Grenzen, das heißt es ist auch ganz wichtig, daß die Situation auf der tschechischen Seite... Die kennen wir leider am allerwenigsten. [...] Ein bißchen können wir die Situation auf der bayerischen Seite abschätzen, die ja nicht gut ist. Vielleicht sind wir ein kleines Stück voraus, aber recht viel weit voraus sind wir sicher nicht. Ich kann mir vorstellen, daß durch den Fang, der jetzt geglückt ist, daß das den Luchs wieder ganz stark hineinbringt. [...] Ich würde auch denken, daß das ein Zukunftspunkt sein wird. Daß wir aus den Erfahrungen der Bayern auch einmal in – ich sag‘ jetzt einmal - 4 bis 5 Jahren soweit sind einen Senderluchs zu haben und den dann entsprechend der Öffentlichkeit präsentieren.

Ja, ich sehe eine stabile Population im Großraum Böhmerwald – und zwar deswegen... Wir können uns ein zweites mal nicht leisten... und es wird sehr rasch und sehr schnell nach Schuldigen gesucht, wenn‘s nicht gelingt eine stabile Population im Mühlviertel zu positionieren. Dann wird die Öffentlichkeit die Frage nach den Schuldigen stellen – und diese Frage wird sich natürlich genau dorthin wenden... zu den Jägern. [...]

Es setzt auch voraus, daß es immer jemanden gibt, der sich für den Luchs engagiert, ununterbrochen. Der Zeitpunkt des Rückzuges ist dann erst gegeben, wenn man mit einiger Sicherheit feststellen kann – die Jäger haben gelernt mit dem Luchs zu leben. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo man sagen kann: "Das Thema ist erledigt, die Population ist stabil und die Akzeptanz ist gegeben".

Auf welchen Ebenen soll Öffentlichkeitsarbeit passieren? [...] Die Schule insgesamt, als wichtiger Informationsträger, wäre sehr entscheidend. Gerade wenn man von außen her in die Schule kommt, wird das, was man dort verkündet [...] auch sehr stark und sehr gerne nach außen getragen. [...]

 

Interview mit einem Vertreter der Tourismusverbändegemeinschaft Böhmerwald

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Ja, alleine vom Tourismus her, bei der Gästeberatung. Wenn Gäste hereinkommen und von mir etwas wissen wollen, da ist für mich einfach die Landschaft vom Mühlviertel ganz wichtig. Zum erklären; die ganzen Bergerl, und Flüsse und der Wald, das alles... und die schönen Aussichtspunkte. Die Natur ist einfach ganz wichtig für mich – gepflegte Natur. Auch privat, weil ich sehr viel wandern gehe und radfahren im Böhmerwald. Ich muß aber sagen, mir gefällt eine gepflegte Natur und mir gefällt auch eine die total brach liegt – sagen wir so. Weil die Blumenvielfalt, die gefällt mir schon auch. Aber alles halt, wie soll ich sagen... in einem Ort z. B. würde mir das nicht gefallen, ganz nahe bei Häuser. Aber im Wald oder so Wiesen – so Gebiete gefallen mir ganz gut.

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Das sind die Wiesen, wo wirklich Natur pur ist, in der Landschaft. Wo’s gepflegt sein soll, soll es gepflegt sein.

Was mir nicht gefällt, wenn die Leute ab und zu [...] die verrosteten Autos so irgendwo abstellen. [...]

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

Ist eine sehr gute.

Beitrag z. B. – wir haben ja da den neuen Wanderweg gemacht, zwischen Haslach und Helfenberg. Wir haben jede Woche einen Mann durchgeschickt, der den Müll gesammelt hat. [...]

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Die Stadtkinder, die kennen heutzutage in der Natur schon sehr wenig, daß man ihnen das nahe bringt. Daß man einfach Wanderungen macht, und sagt: "Leutln machts die Augen auf!" Oder daß man – wie in der Waldschule – das Baum-ertasten... das haben wir schon vor Jahren mit Kindern gemacht. [...] So Dinge finde ich, müssen wir einfach noch viel mehr machen. Weil sonst wissen ja die Kinder gar nicht mehr wie und was was ausschaut. Die gehen ganz ziellos oder mit Scheuklappen teilweise, durch die Natur, und das gehört einfach anders. Daß man mit offenen Augen, Ohren und Sinnen durch die Natur geht. Dem Entgegenwirken dieser Naturentfremdung, das könnte so ein Punkt sein.

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

Da bin ich jetzt schon überfragt. Es tut mir auch leid, ich habe auch noch keinen gesehen. Ich habe das Glück noch nicht gehabt. Mich täte das wirklich einmal... im Fernsehen schon. Ich glaube nicht, daß sich die sooo stark ausbreiten. Ich kann da aber wirklich nicht recht viel sagen dazu – ich sag’s wie’s ist.

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

Naja, sehen möchte ich ihn einmal! Ich kenne ihn vom Fernsehen, aber ich möchte ihn in freier Natur einmal sehen! Das würde mich schon interessieren. Ich habe überhaupt keine schlechte Einstellung. [...] Daß dadurch der Tourismus weniger werden würde, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Weil ich glaube, die was wirklich Naturliebhaber sind, die sind auch daran interessiert, die möchten den auch einmal sehen. Ich könnte mir vorstellen, wenn man weiß – dort sind Luchse, daß man so Führungen auch macht. Aber das wird natürlich schwierig, weil die Leute nicht ruhig sein können!

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Nein, außer daß wir es in ein Buch hineingeschrieben haben, daß der Luchs wieder da ist. Also wir werben ja damit – das ist zum Beispiel was...

Konflikte? – Nein, da ist mir überhaupt nichts bekannt!

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

Freilich! Warum nicht?

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

[...] Bezirkshauptmannschaft und Naturschutzjugend denk‘ ich mir – naja und die Jäger halt, zum Teil vielleicht.

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution?

nicht gefragt

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

Ich denke, daß die normale Bevölkerung sicher ganz gut gegenüber dem Luchs eingestellt ist. Bei den Jägern vielleicht teilweise – teilweise möchten sie ihn gerne schießen. Seitens der Wanderer gibt’s sicher nur positive Meldungen. Da hat überhaupt niemand... wie oft geschrieben wird, daß man Angst haben muß – das ist ein voller Blödsinn, weil das kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich habe auch noch nie etwas gehört diesbezüglich. Das wird nur von den Medien ein bißchen – denk ich mir – aufgeputscht. Das wird dann so reißerisch geschrieben.

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Ah, ich denke schon, daß es ihn gibt in Zukunft. Weil der Böhmerwald ist Naturschutzgebiet der Grenze entlang. Der Tourismus hat sich ja ausgesprochen dafür, daß wir nicht mehr Grenzübergänge wollen – zumindestens nicht mehr Autogrenzübergänge. [...] Ich denke mir einmal, wir brauchen nicht unbedingt einen Grenzübergang da. Es reicht eh, wenn wir Fußgängerübergänge, Radübergänge da haben, das würde genügen. Auch die Attraktivität des Radfahrens würde ja dann d‘runter leiden. Aber es gibt halt ein paar, die unbedingt einen Grenzübergang wollen. Es hat einmal Pläne gegeben in Passau, daß sie von Passau dann praktisch auch den Schwerverkehr durchlassen wollen. Ich weiß nicht wie weit das schon gediehen ist oder ob sie das fallen lassen [...].

 

5.4.6. Interview mit einem Vertreter des Forstamtes Stift Schlägl

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Ja, natürlich ist Landschaft für mich ein Thema. Erstens ist mein Beruf Förster im Stift Schlägl und habe natürlich da zu tun mit dem Wald - und zum Wald gehört natürlich auch das Wild. Und so bin ich natürlich jeden Tag konfrontiert mit den Zusammenhängen von Wald und Wild.

Natürlich, ich gehe selber sehr gerne in den Wald hinaus, auch in meiner Freizeit, weil mir der Wald - überhaupt die Natur - sehr viel gibt an Erholung, aber auch vom Interesse her.

 

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Was mir an und für sich speziell im Oberen Mühlviertel sehr gut gefällt ist diese harmonische Gliederung Wald, Wiese, Feld – diese offene Landschaft, diese langgezogenen Waldrücken.

Was micht stört ist an und für sich die beginnende Zerstörung dieser Landschaft sei es durch Straßenbau aber speziell durch die fortschreitende Zersiedelung. Und mir fehlen da einfach entsprechende Pläne seitens der Gemeinden. Aber auch eine dem entsprechende Durchführung dieser vorhandenen Pläne. Denn es werden immer wieder Ausnahmen gemacht. Und, wie gesagt, so wird der Lebensraum aber auch die Landschaft im Ganzen eingeengt und negativ beeinträchtigt.

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

Natürlich als Forstmann, wo man ja draußen vor Ort ist, kann man sehr wohl einen Beitrag leisten. Wir denken da speziell auch an die Freizeitgesellschaft. Ich versuche mit meinem Betrieb, dem Betrieb des Stiftes Schlägl, die Freizeitaktivitäten – sei es langlaufen, sei es radfahren - in Bahnen zu lenken. Damit man gewisse Gebiete dem Freizeitsport frei gibt, aber andere dafür soweit als möglich in Ruhe läßt, damit die Lebensräume nicht noch mehr eingeengt werden.

Indirekt trägt natürlich auch diese naturnahe Waldwirtschaft – speziell für den Lebensraum der Tiere - wesentlich dazu bei. So betreiben wir einen Waldbau mit sehr ökologischem Hintergrund.

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Naja, die Zielvorstellungen wären, wenn man es von der Landschaft vom Naturschutz her betrachtet: die vorhandenen Lebensräume auf keinen Fall weiter einengen und versuchen durch entsprechende Maßnahmen (Waldbau, Pflege der vorhandenen Waldwiesen, Anlage von Tümpeln, Belassen von Totholz im Wald) eben einen Beitrag zu leisten, damit die Tiere wieder ihren natürlichen Lebensraum vorfinden.

Von der Freizeitgesellschaft erwarte ich mir, daß alle Gruppen zusammenarbeiten – sprich Tourismus, Grundbesitzer, Jägerschaft, Naturschützer. Um hier zu einem Programm zu kommen, das dann auch umzusetzen ist.

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

[...] Um 1988 ist bei uns im Böhmerwald - im österreichischen Teil – bei einem Abendansitz überhaupt der erste Luchs beobachtet worden [...]. Dann hat sich die Population relativ rasch entwickelt und hat dann zwischen 1992 und 1999 einen Höhepunkt erreicht. Wieviel Tiere natürlich dann im Mühlviertel vorhanden waren ist natürlich sehr schwierig zu sagen. Man kann nur Schätzungen heranziehen. Man muß natürlich bedenken, daß der Lebensraum sich natürlich über drei Länder erstreckt – also Bayern, Tschechien und im kleineren Teil Österreich. Damals war sicherlich eine größere Anzahl von Luchsen vorhanden. Man kann‘s vielleicht nur annähernd schätzen - im ganzen Mühlviertel vielleicht zwischen 8 und 10 Luchse. Inzwischen ist aber die Population relativ stark zurückgegangen, was einwandfrei aus unseren Aufzeichnungen im Stift Schlägl hervorgeht. [...] Sodaß man momentan – aber auch nur eine Schätzung – annehmen kann, daß etwa 4 Stück Luchse im ganzen Mühlviertel ihren Lebensraum vorfinden. Die wechseln aber auch zum Teil wieder hinüber nach Bayern und Tschechien. [...] Wir werden auch weiterhin – speziell von meiner Seite her - genaue Daten sammeln, [...] um dann einen Überblick über einen größeren Zeitraum zu bekommen.

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

[...] Zu Beginn, wie der Luchs aufgetaucht ist, so gegen 1990, war die Skepsis bestimmt vorhanden, weil man ja an und für sich über diese neue Wildart, die ja 170 Jahre nicht im Böhmerwald vorhanden war, relativ wenig wußte. Inzwischen hat man sich natürlich mit dem Luchs intensiv – hab ich mich - auseinandergesetzt. Heute kann man sagen – der Luchs findet nach meiner Ansicht im Böhmerwald bzw. im nördlichen Teil des Mühlviertels einen Lebensraum vor.

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Die Berührungspunkte sind sicherlich der Einfluß auf das Schalenwild, sprich Rehwild. Aber auch hier muß man wieder ein bißchen auf die letzten Jahre schauen. Wie sich diese Luchspopulation relativ schnell entwickelt hat, hat natürlich der Luchs beim Beute machen ein relativ leichtes Spiel gehabt. Das Rehwild hat in dieser langen Abwesenheit vom Luchs verlernt mit seinem natürlichen Feind umzugehen. Daher war für den Luchs ein Reh ein leichtes Fressen. Nach meiner Meinung hat inzwischen das Rehwild gelernt... bzw. es kann besser mit dem Luchs umgehen. Und so glaube ich, daß sich das Rehwild jetzt allmählich auf seinen natürlichen Feind Luchs besser eingestellt hat. Aber wie gesagt, der Einfluß auf das Rehwild war in diesen 90er Jahren ganz enorm. [...] Sicherlich war nicht der Luchs alleine der Faktor. Es war auch die Schwarzwildpopulation relativ hoch, es war die Fuchspopulation hoch. [...] Wir haben praktisch den (Reh)Abschuß um 100 % zurück nehmen müssen gegenüber um 1985 herum. [...] Aber inzwischen hat sich auch diese Lage etwas entspannt. Und, daß es zu einer gewissen Normalisierung gekommen ist.

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

Es wäre eine Aufgabe der Wildbiologen eine Lebensraumkartierung zu machen. Wo sind Lebensräume für den Luchs vorhanden? Ich glaube, das wäre einmal eine ganz vordringliche Aufgabe. Aber ich persönlich sehe auf jeden Fall im nördlichen Teil vom Mühlviertel – speziell sprich Böhmerwald - sicherlich einen Lebensraum für den Luchs.

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

Naja, das ist eine schwierige Frage. [...] Ich würde es von meinen Augen so sehen, daß der Luchs das Interesse an und für sich aller haben müßte – ganz gleich welche Einstellung. Sprich vom Grundbesitzer, Landwirt, Forstwirt, Jägerschaft und vom Naturschutz her. Eine Zukunft kann an und für sich nur darin liegen, wenn diese betroffenen Partner sich zusammensetzen und nach Lösungen suchen. Aber für mich ist der Luchs auch ein Thema für die allgemeine Bevölkerung. Wenn der Bevölkerung der Luchs etwas wert sein soll, dann muß auch die Bevölkerung einen Beitrag leisten. [...]

 

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution?

Die Spannungsfelder waren sehr groß, eben wie ich erwähnt habe, durch die Reduzierung der Rehwildbestände. [...] Und um dieses Spannungsfeld abzubauen, hat der Landesjagdverband – auch unter meinen Bestrebungen – eine Entschädigung eingeführt, von ÖS 1.000,-- für ein gerissenes Stück Rehwild. Meiner Meinung nach ist das immerhin ein Beitrag, den der Landesjagdverband geleistet hat, um dieses Spannungsfeld Luchs-Jäger etwas herabzusetzen.

 

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

Aus der Bevölkerung kann man die unterschiedlichsten Stellungnahmen hören. [...]

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Ganz einfach gesagt, diese Frage ist nicht zu beantworten. Denn, man muß sich einem klar sein. Das Mühlviertel ist ja nur ein sehr beschränkter Teil vom großen Luchsvorkommen in der ganzen Böhmerwald-Region – bis hinauf ins Fichtelgebirge. Es wird nach meiner Meinung sehr darauf ankommen... vor allem wie Tschechien mit dem Luchs umgeht, das ist für mich die Kernfrage. Denn ich hab’s schon erwähnt, wir sind nur ein Randgebiet des Luchsvorkommens – und das Kerngebiet liegt sicherlich in Tschechien und zum Teil im Bayerischen Wald. Daher, wie wird’s in 30 Jahren ausschauen? Das wird für mich selber interessant sein. Aber eine Prognose zu geben ist in der momentanen Situation unmöglich.

ad Rehwildsituation in einzelnen Revieren bei regelmäßiger Luchsanwesenheit um 1997

Die ganze Verhaltensweise hat sich beim Rehwild während der Anwesenheit des Luchses ganz stark verändert. Es hat seine fixen Territorien nicht mehr so eingehalten, es ist sehr stark herumgewechselt. Es ist zum Teil ausgewechselt, man hat es in der Dämmerung praktisch überhaupt nicht mehr gesehen – eher tagaktiv. Wir führen das darauf zurück, weil eben der Luchs dämmerungs- und nachtaktiv war... es hat das Rehwild zum Teil seinen Äsungsrythmus komplett umgestellt und zum Teil in den Tag hinein verlegt. Also ein komplett anderes Verhalten vom Rehwild. Jetzt, wo wir ein Jahr haben, wo der Luchs relativ wenig vorhanden ist – siehe da, auf einmal ist das Rehwild schon wieder anders in seiner Verhaltensweise, eher wieder wie vorher. Also, so schnell reagiert das Wild auf den Luchs.

 

5.4.7. Interview mit einem Vertreter der Bezirksbauernkammer Rohrbach

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Ja sicher, das ist praktisch das Umfeld. So wie bei einem anderen das Büro das Umfeld ist, so ist es bei mir die Landschaft. Da gibt es gar keine Diskussion darüber. Auch als Mensch, wenn ich da daheim bin. Wenn ich jetzt nicht aus der Sicht eines Bauern rede, sondern aus der Sicht eines, der sich hier sein Häusl gebaut hat, ist mir die Landschaft sicherlich ein Anliegen – als Bauer auch.

 

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Was mir gefällt ist, daß es ein äußerst zusammengeräumtes Ländchen (noch) ist. [...] Und es werden auch noch die Restflächen gepflegt – also Großteils noch gepflegt. Man kann sagen – einmal im Jahr wird fast jeder Rain noch gemäht. [...] Was mir noch gefällt? Es ist noch relativ klein strukturiert – die ganze Geschichte.

Was mir nicht gefällt [...] das ist zum Teil... daß sich da in den Waldecken... daß sie da ein Häusl hinpicken haben dürfen. [...] In sogenannten Z-Gebieten (also Grundzusammenlegungsgebieten erster Epoche, also aus den 50er Jahren) hat man trotzdem großflächig die Landschaft ausgeräumt – es ist keine Staude mehr dort. [...] Es ist zwar in sich abgeteilt, aber es ist einfach nicht mehr untergliedert. Aber das ist abgestellt. [...] Ich würde nur anmerken, daß man da in der Vergangenheit auf gewisse Dinge weniger Wert gelegt hat. [...]

Eines was mir Sorge macht, das muß man auch sagen, ist die verstärkte Aufgabe von Betrieben. [...] und es nimmt der Wald sukzessive zu. Das ist an sich beunruhigend, weil mit dem Wald verliere ich auch Wohnfläche, also Fläche wo Leute daheim sein können. Weil mitten in den Wald baut sich niemand ein Häusl hinein. [...]

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

Das ist ganz was wichtiges – und ist ein äußerst sensibler Bereich. Und man darf da nicht glauben in der hohen Politik, daß man da mit großen Schachzügen [...] das ins Lot bringt. Das ist ein Gefüge, das über Jahrhunderte gewachsen ist. Wenn der Inhalt dann nicht mehr drinnen ist, weil ich von dieser Landschaft nicht mehr leben kann, dann verändert sich das Landschaftsbild sehr schnell. Und ich glaube, es kann sich nur zum Nachteil von allen Leuten, die da heraußen wohnen, sich entwickeln.

 

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Ein Ziel wäre einmal, daß man sich die kleine Struktur erhält! Die kleine Struktur hat den Vorteil, daß sie für jeden überschaubar ist. [...] Es muß aber gelingen, [...] daß sich auch die Region als solches vermarkten kann. Das heißt in Form von Produkten, daß ich dort auch wirklich einen Inhalt drinnen habe, damit ich nicht austauschbar bin. Daß zum Beispiel unsere Produkte, wie unsere Rinder oder unsere Schafe, die da wachsen, daß die auch als – aus der Ökoregion [...] Mühlviertel erkennbar sind, als Produkt dann. Nicht, daß das dann irgendwo druntergemischt wird und es dann weg ist – in einem großen Sammelsurium findet es man dann, oder auch nicht! Das wäre sicherlich zum Nachteil der Region. Es müssen aber auch die Bewohner selbst in dieser Region etwas tun und zu diesem Lebensraum stehen – nicht nur verbal sondern auch wirklich. Also, wenn es heißt Kaufentscheidungen zu treffen, daß ich auch den Produkten aus der Region den Vorzug gebe. Auch wenn‘s vielleicht ein bißchen teurer ist. [...]

Und man soll in der Landwirtschaft diese Konzentrationstendenzen einmal genauer durchfragen. [...] Die Agrarpolitik glaube ich, ist gut beraten, mehrere Personen vor sich zu haben, die das gleiche wollen. Habe ich nur mehr einen, der sagt dir ins Gesicht: "Wenn du es besser kannst, dann mach es selbst!" [...]

Wir haben jetzt einmal eine Marke in Österreich, [...] von der Milch her[...] Über 60 % der Produkte der Marke Landfrisch [...] kommen [...] aus dem Oberen Mühlviertel. Das ist schon einmal ein ganz gewaltiges Stück.[...] Einstweilen ist es ohne weiteres möglich, daß sich so eine Molkerei wie Rohrbach erhält. Die Eckdaten, also die Produktionsdaten - was kostet die Herstellung von einem Kilo Butter - sind in Rohrbach nicht teurer, als wie heute in diesen großen Molkerein. Die produzieren um einen Schmarrn billiger, als wir hier heroben! [...] Nur ich muß immer auch schauen, daß ich den Betrieb auf modernstem Stand habe... und schauen, daß mir die Eckdaten nicht davonbrechen, gegenüber den anderen, damit ich nicht in einen Kostennachteil hineinkomme. Dann haben diese Marken ohne weiteres eine Chance.

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

Ich war einmal auf einer Versammlung [...] im Bayerischen Wald. [...] Da war bei einer Schafveranstaltung ein Experte da [...] der hat da über den Luchs geredet. Weil der Luchs auch Schafe anfallen kann... also vor allem Jungtiere... [...] Es ist so, als Landwirt selbst ist man maximal nur dann betroffen, wenn man solche Haustiere hat, wie Schafe, Ziegen. Bei den Rindern macht es überhaupt nichts aus. Gelegentlich kann er vielleicht eine Henne anfallen. Da ist man nicht allzu sehr betroffen – sagen wir einmal so. Sollte er ein Schadbild verursachen, sprich daß er ein Lamm anfällt oder sowas, dann sollen halt die Regeln gelten, wie es sie jetzt auch gibt, wenn ein Habicht eine Henne nimmt. Das man das halt seitens der öffentlichen Hand dann ersetzt kriegt. Da ist allerdings der Nachweis zu erbringen, da braucht man wieder den Jäger... "Jawohl, das war der Luchs" – auf Grund des Fraßbildes oder der Bisses... daß man wirklich eindeutig sieht ob das der Luchs gewesen ist. [...]

Man muß aber auch dazu sagen, man soll seitens der Landwirtschaft auch dafür den Blick offen halten, daß in der Natur möglichst eine Artenvielfalt erhalten bleibt. Es dient der gesamten Gesundheit. Wir sehen es jetzt bei BSE. [...]

Ich weiß, daß es ihn im Böhmerwald gibt. Es sagen auch die unseren Jäger hier, daß man ihn manchesmal spürt. Die Jägerschaft ist sicherlich mehr betroffen, weil er ja den Rehwildbestand oder einen Hasen... [...] Was man hört [...] braucht er halt in der Woche ein Reh, daß er überleben kann. Und es wird halt jetzt dann eine Sache des natürlichen Gleichgewichts sein, wie weit läßt man ihn hochkommen. [...] Den einheimischen Jägern sollte man den Boden ihrer Motivation nicht entziehen. Zu dieser Jägerschaft halte ich! Zur Sonntagsjägerei, weil sie jemand sind, weil sie grün angezogen sind, das ist mir egal.

Jede Organistation, die sich mit Naturschutz und diesen Dingen ernsthaft abgibt - ein Jäger, der die Hege nach bestem Wissen und Gewissen macht, denen müßte man irgendwann einmal ein Diplom verleihen. Weil die machen wirklich Arbeit und Sachen, die auch wesentlich dazu beitragen, daß wir diese Kulturlandschaft erhalten. [...] Extreme werden uns nicht weiterbringen. Eine Vermischung dieser Dinge und in einem Maßstab, der mit Augenmaß betrieben wird... so gehört das miteinander verbunden. Und da ist mir der Luchs.... Es muß sich auch die Behörde einmal darüber Gedanken machen, wenn es einmal zu viel wird... weil der greift ja dann wesentlich ein in den Rehwildbestand. Es kommen auch viele Hirschen herüber, und wenn dann da Kälber da sind... die Jungen, die schnappt er halt. Da schlägt er dann zu der Luchs. Denn wenn er einmal genügend da ist, dann ist auch ein gewisser Druck da... auf Nahrungssuche, dann schlägt er halt da zu.

Daraufhin wurde die Graphik "Der Luchs als Wilddieb" aus der Schweiz vorgelegt.

Wenn sich das in diesem Rahmen bewegt und der Luchs ja dann sicherlich die schwächeren Rehe heraussucht... – Nein, tut er nicht! – macht der überhaupt keine Auslese? [...]

Also, wie gesagt, ich bin möglichst für die Erhaltung der Artenvielfalt. Aber wie gesagt, wir haben eine Kulturlandschaft... da muß es für die Leute, die sich wirklich damit noch beschäftigen, die die Landschaft offen erhalten, für die muß es in einem erträglichen Maß möglich sein. Also dann sehe ich da wenig Konfliktfläche.

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

Naja, ich will nicht sagen... Ich habe gegen... Das ist eine Sache die aus der Evolution entstanden ist, was die Schöpfung hervorgebracht hat und zu dem muß man stehen – so sehe ich das.

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Haben wir schon erwähnt... Bei den Schafen und bei den Ziegen kann das... und eventuell, daß er auch hie und da eine Henne schnappt... Wenn das so gehandhabt wird, wie es jetzt beim Habicht ist, da ist ein Behördenweg (dem muß man halt Rechnung tragen, ein bißchen was muß man halt in Kauf nehmen)... zumindest daß man dann halt im Behördenweg den Schaden ersetzt bekommt.

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

siehe oben

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

Wer kompetent ist, da kann ich nur die Jägerschaft hernehmen. Der örtliche Ausgeher ist für mich auch der Ansprechpartner: "Schau her, das ist jetzt passiert, ich glaube das dürfte der Luchs sein, schau dir das an, und du gibst mir dann (von mir aus in Form eines Schriftstückes) eine Bestätigung, daß das ein Luchsriß gewesen ist". ...und daß ich dann meinen Schaden hier bei der Behörde geltend machen kann. Da ist der Jäger... Ich kann nicht jemanden anderen dafür herschleppen - das ist für mich der Jäger.

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution?

In dem Sinne sind ja keine Maßnahmen angesetzt gegen ihn. Schießen dürfen sie ihn ja nicht. Es kann nur... Das glaube ich nicht, daß es ein Fallwild gibt beim Luchs, da ist er viel zu... Doch es gibt auch beim Luchs Fallwild – Verweis auf die 3 zu Tode gekommenen Jungluchse in der Region im letzten Jahr – beim Luchs auch?

 

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

Die Bauern selbst nehmen das noch nicht wahr, weil es für sie noch keine Relevanz hat. Hauptsächlich betroffen ist ja die Jägerschaft. Andere Bevölkerungsgruppen? Ich persönlich habe nichts – weder positives noch negatives – gehört. Das wäre, wenn es irgendwo einmal Probleme ergeben würde. [...] Dann könnte es einmal in der anderen Bevölkerung aktuell werden. Aber einstweilen sehe ich hier weder... Ich sage, da ist es noch egal.

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Naja, wir haben da – ich hab‘s eh schon gesagt - eine bißchen schizophrene Entwicklung. (lange Pause)

Wenn die Voraussetzung gegeben ist, daß sich ein anderes Wild entwickeln und halten kann, dann hat auch der Luchs... verliert er nicht seine Daseinsgrundlage. Sagen wir es so.

[...] Wichtig ist, daß sein Nahrungsangebot einigermaßen vorhanden ist, dann sehe ich für den Luchs keine beängstigende Zukunft.

 

Interview mit einem Vertreter der Jägerschaft des Bezirkes Freistadt

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Ich glaub‘ schon, nicht nur die Landschaft sondern – ich sag jetzt einmal der Lebensraum. Der Lebensraum Mühlviertel, der nicht nur bei den Jägern, sondern auch bei der nichtjagenden Bevölkerung sehr stark eingebunden ist in die Meinungsbildung der letzten Jahre. Es hat [...] immer wieder die Aussage gegeben: "Mühlviertel – Lebensraum für Wildtier und Menschen". Und das zeigt eigentlich schon die positive Einstellung - auch gegenüber den neuen Zuwanderern, die Rückwanderer. Das spielt sicher eine starke Rolle im Mühlviertel heroben, das ist ganz klar.

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Grundsätzlich einmal gefällt mir das Mühlviertel. Ganz besonders gefällt mir die strukturreiche Landschaft, das Hochland des Mühlviertels – das ist ja an und für sich einzigartig, muß man sagen. Und die zum Großteil noch – ganz besonders entlang der Grenzbezirke und entlang der Täler - erhaltene Naturlandschaft. Mir gefällt auch, daß es viele Schon- und Schutzgebiete gibt und die immer mehr werden... was auch Wasser betrifft zum Beispiel – mit Wasserschongebieten usw. Daß man sich jetzt auch mit der Schaffung der infrastrukturellen Maßnahmen immer mehr Gedanken über Naturschutz macht – über Landschaftsschutz oder die örtliche Raumordnung. Das ist also im Mühlviertel sehr stark.

Was mir nicht gefällt (Pause) – naja, da muß ich jetzt sehr subjektiv von der Jägerseite her reden, das ist ganz klar, das ist die starke Nutzung durch die nichtjagende Bevölkerung – vom Wald und der freien Landschaft. [...] Oder ein riesen Problem im Freistädter Raum – sage ich einmal – und auch im Raum zwischen Freistadt und Bad Leonfelden, ist der zunehmende Flugverkehr am Flugplatz Hirschbach. Das ist nicht nur diese Lärmbelästigung... sondern durch diese Ultraleichtflieger, diese starke Beeinträchtigung des Niederwildes. Das geht so weit, daß ich zum Beispiel eine Rehgeiß beobachtet habe – und auch dokumentiert mit Datum und Uhrzeit - die durch einen Ultraleichtflieger beim Setzen (gebären) so stark beunruhigt worden ist, daß sie mit dem Tragesack den Wald aufgesucht hat. Die ist herausgestiegen aus dem Getreidefeld und ist mit dem hängenden Tragesack wieder zurück... Wir haben dann das Kitz zwei Tage später gefunden. Das ist ein Extrembeispiel, aber auch die Vogelwelt - Fasane, Rebhühner,... also das Nutzwild und die anderen Singvögel sind sehr stark beeinträchtigt. Gerade durch diese Niedrigflieger und durch die Fallschirmspringer. Das glaubt man gar nicht, wie stark diese Beeinträchtigung ist, das muß man sich anschauen. [...] Das sind die Sachen, die mir weniger gefallen.

Was aus jagdlicher Sicht sehr stört ist zum Beispiel: joggen jetzt während der Winterzeit und in der Brutzeit – abseits der Wege. [...]

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

Meine Einstellung dazu ist eine sehr positive. Unser Beitrag dazu... [...] Zum Beispiel haben wir voriges Jahr den Tag der Hecke oberösterreichweit hier in Waldburg gehabt – als Vorzeigegemeinde – wo halt auch die Bauern und die Jäger gemeinsam wahnsinnig viele Heckenzüge gemacht haben. Wir zeigen das sehr gerne her. Und wo wir tatsächlich wieder – neben dem zunehmenden Niederwild wie Hase, Fasan, Rebhuhn und Wachtel zum Beispiel... aber auch diese Singvogelwelt... da nenne ich nur den Würger zum Beispiel. Wo das die Leute selber wieder anschauen. [...] Und man sieht zunehmend... heuer zum Beispiel können wir gar nicht allen Wünschen nachkommen, die die Bauern an uns herangetragen haben, mit der Heckenpflanzung. [...] Mir kommt’s zu gute, tatsächlich vom Jagderfolg her (nicht nur vom schießen) vom jagdlichen Erfolg... Wenn man dieses "Pirschen mit dem Bezirksjägermeister" macht, wie es das in Waldburg gibt, mit Jungjägern oder nicht jagenden jungen Leuten, da gehen wir den ganzen Tag herum und da sehen sie Wild, da sehen sie Vögel. Wenn ich dann sage:" Schaut, da ist jetzt der Buchfink wieder da, weil jetzt wieder Bucheckern da sind". Oder: "Da ist der und der Vogel wieder da! Es gibt den Zaunkönig wieder, die werden wieder mehr!" Oder: "Da ist eine Eidechse, da ist eine Blindschleiche!" So kann ich den Jäger nicht als den schießwütigen Menschen hinstellen, sondern auch als Naturliebhaber, der auch mit Hirn durch die Natur geht. Das ist dabei mein Anliegen.

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Ich glaube, daß man die Zusiedelung und die Landschaftsverbauung nicht mehr forcieren darf. Man muß mit dem bestehenden Wegenetz das Auslangen finden. Da bin ich überzeugt davon. Und man soll diese positive Auswirkung der EU auf die Landwirtschaft nützen was geht. Ich meine damit diese beginnende Brachenlandschaft, die beginnende Förderung von Feuchtbiotopen usw. [...] Ich glaube, daß man diesen Weg in Zukunft gehen muß. Da kann man nicht sagen: "Das soll nicht mehr..." – sondern, das darf nicht mehr! Diese zunehmende Verbauung... oder wenn man gar glaubt, eine Industrialisierung ins Mühlviertel bringen zu müssen. Das muß man ablehnen, man muß das ablehnen! Da muß man sagen: "So geht das nicht!" Weil das wirklich noch ein Kleinod ist, neben dem Bayerischen Wald, Mühlviertel, Waldviertel usw. gemeinsam mit dem nördlichen Grenzsaum des Böhmerwaldes, was man unbedingt erhalten muß! Ohne, daß man unbedingt auch sagt: "Das mache ich mit Gesetzen oder Naturschutz" – weil Indianer sind wir ja nicht – weil wir wollen ja leben in dieser Landschaft!

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

Aus meiner Erfahrung der letzten Jahre glaube ich, daß 5 bis 6 Pärchen in diesem Raum sind. Ich kann mich da nur immer wieder auf Berichte von Jägern und aus den Medien berufen. Weil ich selbst habe erste einmal einen Luchs gefährtet, aber gesehen habe ich im Mühlviertel noch keinen. Sehr wohl – und da kann ich vielleicht auch was beitragen dazu, bei einer Jagd in der Nähe von Rosenberg (CZ). Da habe ich einmal an einer Jagd teilgenommen, wo also von dem dortigen Jagdleiter ausdrücklich (!)... da war ich dabei... nicht nur wegen mir, das glaube ich nicht... ausdrücklich verboten hat auf einen Luchs zu schießen. Ist an sich klar... der Luchs ist auch im Trieb vorgekommen! Interessanterweise ist der nicht hetzend weggelaufen oder abgesprungen, sondern eher vertraut hat er die Dickung aufgesucht. Ich habe ihn da gesehen! Ein erwachsener starker Luchs. [...] Er hat sich leise davongedrückt in das Dickicht und ward nicht mehr gesehen. [...] Das war ein schlauer Bursche! Das hat mir gefallen! Das war eine super Sache.! [...] Das war ein authentischer Bericht. Die anderen Aussagen beruhen ja vor allem auf Gesprächen und Zeitungsartikeln. [...]

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

Die ist bei mir positiv – das ist keine Frage! Wiewohl ich natürlich die jagdwirtschaflichen Aspekte auf jeden Fall ins Treffen führen möchte. Wir haben mit den Bedenken und der Angst der Jägerschaft nicht taktiert –sondern wir haben die Jäger eingeladen zu einem Vortrag mit Thomas Huber (Luchsexperte Österreich) nach Wartberg/Aist. Es sind 300 Leute gekommen – unwahrscheinlich großes Interesse. Bei uns gibt es keine Hysterie in Freistadt. Sehr wohl habe ich aber auch dort wieder die Aussage gemacht, es steht uns frei... wenn der Luchs... (wohlwissend das es schwierig ist!) ...wenn der Luchs also zu einer jagdwirtschaflichen Geisel wird, daß man dann den gesetzlichen Weg gehen kann. Ich habe aber schon dazu gesagt: "Was ich da sehe, wird das nie sein". Wenn wir dabei gleich bleiben, weil es da auch immer wieder andere Meinungen gibt, die ich akzeptiere – mit der Entschädigung. Die hat der Landesjägermeister Hans Reisetbauer durchgesetzt. Und zwar aus folgender Überlegung; er sagt: "Wir klären die Jäger auf und zudem, warum sollten wir es nicht tun, so ähnlich wie beim Habicht, das hat sich bewährt – geben wir einen Schadenersatz". Beim Habicht zahlt das die Behörde, beim Luchs zahlt das eben der Jagdverband. Es ändert sich für den Jäger nichts. Beim Habicht hat ja eher der Geflügelbesitzer die Bedenken gegen ihn und weniger der Jäger. Und der Jäger wird dort auch tätig, wo die Behörde sagt: "Da brauch‘ ich dich - als Hilfsorgan". So ähnlich kann ich es mir auch einmal beim Luchs vorstellen. Wiewohl ich korrekterweise nicht glaube, daß es so weit kommen kann. Weil ja der Lebensraum Mühlviertel ein so großes Vorkommen des Luchses gar nicht zuläßt - das ist ja gar nicht möglich. Ich muß auch dazusagen, daß zum Beispiel die Herrschaftsjagden, die die großen Wälder haben, dem Luchs selbst auch positiv gegenüber stehen. Ich kenne keinen einzigen Förster und auch keinen Grafen der da was.... Zum Beispiel Cernin-Kinsky und Greinburg... das ist überhaupt keine Frage. Man muß natürlich auch dazu sagen, daß man die Bedenken und die Angst des Jägers verstehen muß, wenn er sagt; "Sappara, jetzt habe ich eh schon Motorradfahrer, Mountainbiker, Schwammerlsucher, Reiter, ... und jetzt kommt der Luchs auch noch!". Und daher hilft da nur Aufklärung. Man hat das auch gesehen – um wieder auf den Vortrag zu verweisen – wo der Gerhard Reumann (Bezirksjägermeister von Perg) und ich gar nicht geglaubt haben, daß wir auf so großes Interesse stoßen... [...] Ich setzte da vor allem auf Aufklärung und Weiterbildung der Jägerschaft. Ich will einfach – als Bezirksjägermeister wäre ich am falschen Platz, wenn ich das nicht ansprechen würde – daß man Respekt haben muß vor wem, der sagt: "Du ich habe auch öfters Bedenken, daß wir da einen zusätzlichen Beunruhiger kriegen". Da kann man nicht anders, da muß man aufklären. [...]

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Berührungspunkte mit dem Luchs gibt es nicht nur aus jagdlicher Sicht, sondern auch aus der Sicht des Naturliebhabers – schon von Jugend auf. Das ist der Jäger ja sowiso. Ich bin halt von meinem Herkommen her ein Mensch, der viel in der Natur ist. [...]

Wir wollen mit unserem Verhalten, das wir da an den Tag legen dokumentieren, daß der Luchs Wild ist und daß der Jäger sehr wohl im Stande ist... daß für ihn die Büchse alleine nicht die Jagd ist. Wir wollen eine Vielfalt in der Natur!

Bei mir im Bezirk gibt es keine Konflikte mit dem Luchs. Es gibt nur diese angesprochenen Bedenken. Das ist ganz klar. Und man hat das auch im Vortrag mit Thomas Huber gesehen, wo 3 oder 4 Wortmeldungen waren, die in die Kerbe geschlagen haben: "Maria, jetzt kriegen wir neben den anderen noch einen". Und interessanterweise ist das genau der Kern. Man sagt nicht: "Bei uns paßt eh alles 100 %ig und jetzt ist er auf einmal da". Das stimmt nach meine Beobachtungen nicht, die Leute reagieren anders. Die sind sehr sensibel, die sagen: " Jetzt müssen wir eh schon mit soviel fertig werden, mit der Lebensraumverkleinerung" - wo wir der Natur über Umwegen wieder helfen diese zu vergrößern und vielfältiger gestalten – "jetzt kommt der Luchs zu den vielen Beunruhiger noch dazu". [...] Immer wieder reden! Mir gefällt das auch sehr gut mit der Luchsbroschüre (der önj Haslach). Ich werde die auch, sobald sie gedruckt ist, bei der nächsten Jagdleitertagung selbst verteilen. Weil ich sage immer wieder: "wenn ich jemanden kenne, dann fürchte ich ihn nicht!"

Der Luchs findet heute eine komplett andere Landschaft (oder Lebensraum) vor als die, die er verlassen hat. Wenn der Instinkt jetzt wirklich so weit geht, daß er diese 60, 70, 80 oder auch 100 Jahre, die er jetzt tatsächlich vertrieben ist, daß er mit dem fertig wird – dann muß man akzeptieren, daß er ein anderes Verhalten an den Tag legt, als in den alten Lehrbüchern drinnen steht. Zu einem gewissen Teil. Er wird sicher anders auf die Jagd gehen als früher... er wird vielleicht vorsichtiger sein. Er wird möglicherweise – auf Grund seiner Vorsicht – eher in der Lage sein, daß er sich an die Menschen gewöhnt. Weil wenn er vorsichtig ist, wird es sich auch weiter hinzuwagen in seiner Vorsicht und an die Menschen gewöhnen. Es ist schon möglich, daß er mehr wird. Es ist nicht ausgeschlossen... Er wird lernen... so ähnlich wie der Fuchs auch, der ja nicht auf der Straße rennt, sondern mit seiner Vorsicht gelernt hat mit den Menschen zu leben... es ist also möglich, daß er schon mehr wird, der Luchs. Ich glaube nicht, daß er nochmals verschwindet, der Luchs, das glaube ich nicht. Ich kann vielleicht noch ein anderes Argument dazu anführen. Die Landschaft, die der Luchs braucht, den Lebensraum, den der Luchs braucht, wird zwar durch die ständige Verbauung kleiner, aber die Einstände werden größer. Man braucht nur an die Gemeinden aus meiner Nachbarschaft denken, [...] wo soviel zugeforstet wird. Das heißt also diese großen Waldungen, die ihm eine gewisse Heimat bieten. [...] Ich habe mich schon öfters gefragt, wie er mit den großen eingezäunten Flächen zurechtkommen mag. Ob er das überwindet, oder ob er das selbst auch als Barriere sieht.

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

Ein uneingeschränktes - Ja.

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

Da bin ich der Meinung, daß der Jäger selbst – weil es Wild ist – diese Verantwortung übernimmt. Weil er dann auch im Falle einer Überpopulation sicherlich regulierend eingreifen kann. Und zwar – wie soll man sagen – behördlich gedeckt! Auf der anderen Seite, wenn jetzt der Jäger selbst diese Beobachtung in erster Linie... man darf ja die nichtjagende Bevölkerung nicht ausschließen, das wäre ja ungeschickt, die schauen sich ja auch die Rehe, die Füchse und die Hasen an und leben mit uns mit, das ist ja ganz klar. [...] Ich glaube, daß der Jäger hier eine sehr große Verantwortung zu übernehmen hat - er soll sie auch übernehmen. Davon bin ich überzeugt. Natürlich uneingeschränkt der Tatensetzung zum Beispiel des Naturschutzbundes und der Naturschutzjugend. Die müssen da alle miteinander. Dieses Miteinander ist für mich nicht in Frage gestellt. Aber ich will den Jäger nicht aus der Verantwortung nehmen. Das will ich nicht. Das haben wir seinerseit ja aus beiderlei Sicht erlebt... wenn man so Wiedereinbürgerungen versucht und man macht so eine Nacht- und Nebelaktion, dann haben ein paar Vernünftige jahrelang zu tun, daß sie den Schaden begrenzen, der gar nicht notwendig gewesen wäre. [...]

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution?

Zum Schutz des Luchses gibt es Aufklärungsmaßnahmen. Das ist zum Beispiel auch, daß wir die Broschüre der önj Haslach unterstützen. Das wir – was ganz besonders Herrn Landesjägermeister Hans Reisetbauer anzurechnen ist – den OÖ Jäger geöffnet haben und zwar zensurlos geöffnet haben. Wir haben gesagt: "Dort lassen wir sie schreiben" - und es kommt sehr gut an, muß ich sagen. [...] Und das wollen wir auch weiterhin so lassen. Zum Schutz des Luchses – was will man machen, als das man aufklärt.

Und natürlich die Entschädigungszahlungen seitens des Landesjagdverbandes. Wenn auch andere glauben, man soll es nicht machen, weil man der Meinung ist, daß man dann diesen Feindbildbegriff nicht wegbringt – das stimmt nicht. Da bin ich völlig anderer Meinung. Der meldet das, dokumentiert das ordentlich und dann sollen sie auch die 1000 Schilling bekommen für das Reh. Weil für uns ist es ja auch gut, wenn wir die Dokumentation haben. Und wenn er da 1000 Schilling kriegt für‘s Reh, paßt das. Und das wird auch der Jagdverband – was ich so weit sehe – weiterhin machen.

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

Grundsätzlich eigentlich eher Unwissenheit. Ich würde das auch unter diesem Terminus aufhängen. Unwissenheit – nicht Interessenlosigkeit. Es ist vielleicht auch zu wenig Öffentlichkeitsarbeit in dieser Beziehung gemacht worden. Das man sagt, man geht in die Schule – mit dieser Broschüre.

Bei den Bauern glaube ich, daß die Interessenlosigkeit auf der Tatsache beruht, daß es kein aktuelles Thema ist. Der Bauer im Mühlviertel (der Rinderbauer) hat an und für sich nie ein großes Problem gehabt. Denn wie wir wissen, sind es vielleicht die Schafbauern, die vielleicht davon bedroht sind. [...] Wir haben alles Rinderbauern und gemischt genutzte Grundstücke. Ich kenne keinen Bauern der sagt: "Der Luchs darf nicht sein!"

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Ein dem Lebensraum angepaßtes Vorkommen. Wobei man auf jedenfall die jagdlichen Interessen berücksichtigen muß – das muß sein. Aber sonst....

Ich sage, wenn es so bleibt im Mühlviertel, respektive Bezirk Freistadt und Perg, daß man das eine oder andere mal Risse findet....

Auf jeden Fall glaube ich, daß er Zukunft hat. Er wird da bleiben. Und ich glaube auch nicht, daß die Population so steigt, daß irgendwer großen Schaden erleidet. Ich wüßte nicht, mit was ich das begründen könnte.

 

ad Ausbau Verbindung Linz-Wullowitz-Budweis

Es ist so, die Leute die so vehement diese Verbindung fordern (die Pendler brauchen sie, ich sehe das selbst) wissen noch gar nicht, daß eine Autobahn durch ein Land ein Grenzwall wird. Die wissen das nicht und das macht mich oft stutzig in den Gesprächen. Weil dort werden sie zu wenig aufgeklärt. Daß man sagt: "Denk einmal daran, wir bekommen mitten durchs Mühlviertel einen Grenzwall. Wir kriegen also dann das untere Mühlviertel, das abgeschnitten ist, in einer bestimmten Art und Weise. [...]

Grünbrückendiskussionen gibt es – ähnlich wie es sie auf der Pyhrnautobahn gibt – in kleinerem Maße – so gibt es diese Grünbrückendiskussion auf jeden Fall.

 

Interview mit einem Vertreter der Naturschutzbehörde des Bezirkes Rohrbach

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Ja, Landschaft ist ein Thema. Erstens ist das ein Thema aus beruflicher Sicht. Weil ich im Bezirk Rohrbach zuständig bin für die Bewilligung von wasserrechtlichen Sachen, Naturschutz-, Forst-, Bausachen, usw. – da betrifft mich die Landschaft.

Und privat – weil ich Pächter eines Teiles einer Eigenjagd bin, weil ich selbst Grundeigentümer bin und weil ich meine Freizeit hier verbringe.

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Was mir sehr gut gefällt, ist einfach diese Kleinstrukturiertheit des Mühlviertels. Und vor allem auch die Entwicklung des Mühlviertels hin zu einer Region, die weg von einer landwirtschaftlichen Massenproduktion hin zu einer qualitätsbezogenen LEBENSmittelproduktion (wobei "Leben" im Vordergrund steht) geht. Wir haben die meisten Ökobauern im Bezirk. Das zweite, was mir auch noch wichtig erscheint ist; zum Beispiel haben wir allein im Jahr 2000 143 Pflegeausgleichsanträge für ökologisch wertvolle Flächen, und damit haben wir derzeit rund 600 ha Pflegeausgleichsflächen. Und daher ist das relativ... das gefällt mir eigentlich im Bezirk.

Was mir weniger gefällt ist die Zersiedelung des Bezirkes. Da sind große Fehler gemacht worden in der Vergangenheit. Das ist jetzt auf Grund des neuen Raumordnungsgesetzes zurückgedrängt. Das heißt es geht ungleich schwerer Erweiterungen durchzuführen, weil eben die ganzen Dinge wie Abwasserbeseitigung etc. geprüft werden. Wenn es da keine entsprechende Entsorgung gibt, die außer in Verbindung mit einem hohen Aufwand nicht zu machen ist, dann wird dort keine neue Siedlung genehmigt. Das nächste was da auch sehr hereinspielt ist, daß die Gemeinden gezwungen sind örtliche Entwicklungskonzepte zu erstellen. Und in diesem örtlichen Entwicklungskonzept müssen sie sich deklarieren. Sie müssen sagen, das sind Räume, hier will ich Entwicklung haben (baulicher Art zum Beispiel) – hier sind Räume, da will ich eher naturschutzmäßig was machen, die sind ökologisch wertvoll. ... und in den Räumen wollen wir Landwirtschaft betreiben. Jede Gemeinde muß das selbst machen.

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

Ich bin ein Befürworter von einer intakten Kultur- und Naturlandschaft. Wobei es mir völlig klar ist, daß das Strukturen sind, die in Jahrhunderten gewachsenen sind, die sich aber auch verändern. Was die Leute eher weniger sehen ist, daß der jetzige Zustand das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung ist. Wenn man zum Beispiel das Natura-2000-Gebiet Donautal nimmt. Die Hangschluchtwälder, die da geschützt werden... und was der Schutzzweck dieses Gebietes ist... das war nicht immer so. Im 17. Jahrhundert hat man dort Wein gebaut. Da hat es dort überhaupt keinen Wald gegeben. Dann, was will man dort? Will man dort eine Verwaldung haben oder will man dort andere Strukturen? Will man dort unter Umständen die Fichten herausbekommen und Laubholz hineinbringen? Es gibt da drinnen auch Fichtenforste usw. Da bräuchte man eigentlich Managementpläne usw. wo man seine Ziele festlegt... was will man eigentlich haben? Das heißt es muß unbedingt auch eine Entwicklung möglich sein. Es gibt ein gutes Beispiel – ich bin jetzt schon 20 Jahre hier tätig... wie wir angefangt haben ein Biosphärenreservat zu schaffen für den oberen Teil des Bezirkes Rohrbach... Reservat heißt: Indianer, die Letzten, es darf nichts mehr gemacht werden!

Ich glaube, wenn man den Menschen erklärt, daß eine Entwicklung möglich ist, daß die Entwicklung wir selbst bestimmen können... wie wollen wir es haben? Was wollen wir machen? Dann sind die Leute auch bereit etwas zu machen. Darum glaube ich auch, daß dann der umgekehrte Weg eingeschlagen wird, daß dann die Leute sagen: "Wir möchten – zum Beispiel – den Böhmerwald als Natura-2000-Gebiet haben". Denn wenn ich denen erkläre: "Wir machen ein Natura-2000-Gebiet, und ihr dürfts nichts mehr tun, ihr werdet zwangsenteignet usw." - dann habe ich natürlich große Widerstände. Wenn ich denen erkläre: "Ihr dürfts Holz nutzen, so wie bisher... die Entwicklung soll in einem bestimmten Rahmen sein... könnt‘ ihr euch vorstellen, daß wir das machen?" Dann geht das durchaus, glaube ich. Und es kann dann durchaus soweit gehen, daß dann... das Stift Schlägl zum Beispiel bietet ja auch... die haben irrsinnig viele Pflegeausgleichsflächen. Die sagen ja auch: "Wir bieten euch das an, wir wollen da nichts machen, nehmt es und schützt es!"

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Die Zielformulierung muß von den Leuten kommen! Das ist etwas, wo ich mir denke, da müßten einfach die verantwortlichen Stellen im Bezirk (oder überhaupt im Mühlviertel) sich klar sein darüber, daß die Zielerreichung nur dann möglich ist, wenn alle sozusagen großflächig an einem Strang ziehen.

Es kann mir zum Beispiel keiner erklären, daß es ein Ziel sein kann im Bezirk Rohrbach zum Beispiel eine völlige Industrialisierung durchzuführen. Das geht auf Grund der Infrastruktur nicht, auf Grund der Verkehrsmöglichkeiten nicht und und und. Da gibt’s also viele andere Sachen, die da nicht passen. Aber ich kann mir vorstellen, daß auf Grund der derzeitigen Möglichkeiten (zum Beispiel Telearbeit) Auslagerungen möglich sind, die in die Landschaft passen. Und hier auch die Leute zufrieden stellen. Weil ein Problem haben wir schon immer noch. Wir haben das Problem das pro Tag 11.000 Pendler aus dem Bezirk Rohrbach in den Linzer Raum pendeln. Das ist zum Beispiel ein Problem, das gehört angegangen, und das gehört gelöst. Und damit ich das lösen kann, muß ich eben andere Strukturen schaffen.

Es muß das Ziel sein, die Region lebenswert zu erhalten. Das heißt die Leute müssen gerne hier wohnen, sie müssen sich bewußt sein, welchen Wert die Region darstellt. Das heißt, daß sie es auch schätzen, in welcher Region daß sie leben. Und – es müssen einfach Entwicklungen möglich sein, die diese Ziele auch verwirklichen lassen – sozusagen wachsen lassen.

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

Ich bin Jagdpächter und ich kann auf Grund meiner Erfahrungen sagen... Ich habe jetzt den Luchs drei mal gesehen... Einmal habe ich ihn ungefähr eine Stunde lang beobachtet, an einem Reisighaufen, wo er Mäuse gejagt hat. Einmal habe ich ihn auf einem Forstweg sitzen gesehen. Und einmal ist er vor mir über die Straße.

Man kann sagen, er ist manchmal da und dann ist er wieder einmal ein halbes Jahr nicht da. Das heißt also – für den Bereich des Böhmerwaldes (österr. Teil) würde ich sagen, daß 2 bis 4 Luchse so das Maximum sind. Natürlich wenn sie Junge haben... daß die Jungen dann auswandern, in südlichere Gefilde des Bezirkes wandern, ist auch klar. Aber insgesamt glaube ich, daß im gesamten Mühlviertel keine 15 Luchse sind. Also ich würde sagen 10 insgesamt. Wenn man den Freiwald hernimmt, das ist ein großes Waldgebiet... Revertera da unten – da kommt er ja fast überhaupt nicht vor...

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

Ich habe gegenüber dem Luchs eine sehr positive Einstellung. Er ist eine Bereicherung der Artenvielfalt im Böhmerwald. Er hat halt das Problem, das tatsächliche Problem, daß er genau das selbe Jagdverhalten hat wie der Jäger. Das heißt also, er ist kein Selektierer. Wäre er ein Selektierer, hätte er viel mehr Akzeptanz! Hätte er ein besseres Image. Ich habe das selbst gesehen, der Luchs sitzt bei mir in den Fütterungen drinnen und wartet auf ein Reh. Da ist es egal ob ein starker Bock oder ein schwaches Kitz kommt. Ich glaube auch, daß der Luchs... sagen wir so.... das Problem ist die Jägerschaft. Die Bevölkerung selbst ist überhaupt kein Problem. Also ich stelle nicht fest, daß die Bevölkerung deswegen Angst hätte in den Wald zu gehen, weil es den Luchs gibt. Also das kann man nicht feststellen. Da ist der Wolf was ganz was anderes! Bei uns ist ja einmal ein Wolf erlegt worden, und da hat es Anrufe gegeben, ob man jetzt die Kinder überhaupt noch rauslassen kann etc. - das war da ganz massiv. Aber beim Luchs hören wir überhaupt nichts in der Beziehung. Das "Problem Luchs" ist daher nur ein Problem der Jägerschaft. Dieses Problem der Jägerschaft hat man gelöst, in dem man einfach den Jägern Prämien zahlt für gefundene Luchsrisse. Seither hört man überhaupt nichts mehr – absolut nichts mehr. ...bei den ganzen Jagdleitertagungen die stattfinden – es gibt das Thema Luchs nicht. Zum Beispiel der Fernsehbericht, der vor einiger Zeit wieder einmal war über den Luchs, wo man gesagt hat: "Man sieht keine Rehe mehr" usw. – das stimmt absolut nicht mit der Realität überein! Alleine wenn ich denke, daß im vergangenen Jahr mehr Rehe geschossen worden sind als vorvergangenes Jahr. Weil die Rehkurve einfach schwankend ist. Es geht einmal rauf und nach 5 Jahren ist wieder einmal ein Höchststand erreicht, dann müssen wir wieder einschreiten, dann müssen wir wieder mehr schießen, dann geht’s wieder runter... Der Luchs ist bezüglich der Erlegung des Rehwildes überhaupt kein Thema. Es geht nur um das wirtschaftliche. Weil er sozusagen den Jägern nicht die Rehe wegfressen soll.

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Als Jäger habe ich keine Probleme mit dem Luchs. Wenn mir ein Luchs ein Reh reißt, habe ich überhaupt kein Problem damit.

Aus der behördlichen Sicht: Wir haben Anträge auf Zwangsabschuß gehabt, auch für den Luchs, das ist schon einige Zeit aus. In letzter Zeit hört man überhaupt nichts mehr. Der Luchs ist derzeit kein Thema. Jetzt ist der Fischotter ein Thema. Der Elch ist momentan auch kein Thema.

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

Ja, sicher!

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

Der Luchs ist ein jagdbares Tier. Daher ist meines Erachtens die Jägerschaft aufgerufen sich auch um den Luchs zu kümmern. Das ist schon geschehen in der Form, daß eben Experten ausgebildet worden sind, die erkennen können, ob was ein Luchsriß ist oder nicht. Es werden jetzt Meldungen gesammelt über Fährten vom Luchs, Sichtbeobachtungen und und und.

Das heißt es ist offensichtlich ein Problembewustsein da - damit man überhaupt einmal feststellen kann, was sich abspielt. Weil das Problem ist die Furcht und Angst der Jäger... man sagt der Luchs frißt unsere Rehe, aber was und wieviel weiß man nicht!

Die Hinweise laufen bei der Bezirksgruppe des Landesjagdverbandes zusammen... und es läuft auch über uns. Wenn jetzt ein Luchsriß ist, dann wird der hereingemeldet und wir geben es zum Beispiel dann auch dem Karl Zimmerhackl (önj Haslach) weiter und dem Landesjagdverband.

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Institution?

siehe oben

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

Neutral bis positiv.

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Ich glaube, daß einfach die Jägerschaft durchaus akzeptiert, daß er eine Daseinsberechtigung hat. Man wird in nicht intensiv hegen oder so, aber er wird halt da sein. Und er wird genauso, wie jedes andere Wildtier behandelt werden. Ich glaube nicht, daß er irgend eine hervorstechende Eigenschaft hat oder kriegen wird. Daß er ein Kulttier wird glaube ich nicht. Daß er irgendein Feindbild sein wird, glaube ich auch nicht. Es ist genauso der Fuchs... ist auch kein Feinbild, obwohl er wesentlich mehr Rehe frißt, als der Luchs - und in einer weit größeren Dichte vorkommt. Wenn die Jäger wissen würden, was sich auf diesem Gebiet abspielt, würden sie ganz anders reagieren. Aber das wissen sie nicht – nein, sie wissen es schon! (lacht)

 

 

Zusammenfassung der plakativsten Aussagen

Zur leichteren Überschaubarkeit werden aus den Interviews die plakativsten Aussagen herausgesucht und nach Themen geordnet gegenübergestellt. (Die Auswahl kann natürlich nur subjektiv getroffen werden.) Gemeinsamkeiten und Gegensätzlichkeiten lassen sich so schnell erfassen.

ad Landschaft als Thema im eigenen Leben

Landschaft ist wichtig, weil Landschaft einfach Lebensraum ist, weil das Heimat ist, weil das Grundlage für unsere Existenz, unsere Arbeit ist.

Also Landschaft ist ein ganz ein wichtiges Thema. Weil es dazu beiträgt Identifikation zu schaffen.

Natürlich ist Landschaft für mich ein Thema. Als Förster bin ich natürlich jeden Tag konfrontiert mit den Zusammenhängen von Wald und Wild.

So wie bei einem anderen das Büro das Umfeld ist, so ist es bei mir die Landschaft.

Mühlviertel – Lebensraum für Wildtier und Mensch.

ad Was gefällt/gefällt nicht in der Natur/Landschaft des Mühlviertels

Die Vielfalt von der Landschaft macht’s interessant.

Was mir nicht gefällt ist das, wo der Mensch mit einem kleinkarierten Denken eingegriffen hat.

Schön sind diese kleinräumigen Bereiche, die mit Hecken durchwachsen sind. Schön sind Uferbereiche von Bächen und Flüssen. Schön ist auch die Sanftheit der Berge, der Hügel bei uns.

Also wenn eine Landschaft mich lockt aus dem Auto auszusteigen, dann ist das eine sehr hohe Qualität, die eine Landschaft hat.

Was mir gefällt – diese harmonische Gliederung Wald, Wiese, Feld – diese offene Landschaft, diese langgezogenen Waldrücken.

Was mich stört ist die beginnende Zerstörung dieser Landschaft durch Straßenbau und speziell durch die fortschreitende Zersiedelung.

Was mir gefällt ist, daß es ein äußerst zusammengeräumtes Ländchen (noch) ist.

Was mir weniger gefällt sind die Grundzusammenlegungsgebiete erste Epoche (aus den 50er Jahren) und die Zersiedelung.

Ganz besonders gefällt mir die strukturreiche Landschaft, das Hochland des Mühlviertels.

Was mir nicht gefällt, das ist die starke Nutzung durch die nichtjagende Bevölkerung – vom Wald und der freien Landschaft.

Mir gefällt die Kleinstrukturiertheit des Mühlviertels und die Entwicklung hin zu einer Region, die hochwertige LEBENSmittel produziert.

ad Einstellung und Beitrag zu einer intakten Natur-/Kulturlandschaft

Es fehlen irgendwie langfristige Konzepte. Wo wollen wir hin?

Unser Beitrag ist ein sehr aktiver...

Das ist ganz was wichtiges – und ein äußerst sensibler Bereich. Das ist ein Gefüge, das über Jahrhunderte gewachsen ist.

Meine Einstellung dazu ist eine sehr positive. Unser Beitrag ein sehr aktiver. In der Form von Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung für Wildtiere – Stichwort Hecke.

Ich bin ein Befürworter einer intakten Kultur- und Naturlandschaft. Wobei mir völlig klar ist, daß das Strukturen sind, die in Jahrhunderten gewachsen sind, die sich aber auch verändern.

ad Ziele der Region in Zukunft – was ist wichtig und warum

Ich glaube, daß der Nebenerwerb, wie er jetzt betrieben wird, auch nur eine Übergangsphase ist – es wird größere Einheiten geben müssen. Wobei das nicht ganz konfliktfrei sein wird. Weil wie wir es jetzt haben, regiert letztendlich der Markt... mit dem Markt regiert der Preis!

Es soll eine Wertschöpfung in der Region erfolgen, die im Einklang zu Leuten und Natur steht.

Die Landschaft soll in 30 Jahren immer noch eine offene Landschaft sein.

Es ist auch notwendig Touristen im Mühlviertel zu haben, die auch den Einheimischen gegenüber ihre Wertschätzung bringen.

Daß man sich die kleine Struktur erhält und das man es schafft die Region über Produkte zu vermarkten.

Zusiedelung und Landschaftverbauung sollten nicht mehr forciert werden. Man muß mit dem bestehenden Wegenetz das Auslangen finden. Und man soll die positiven Auswirkungen der EU auf die Landwirtschaft nützen was geht.

Die Zielformulierung muß von den Leuten kommen!

 

ad Einschätzung des Vorkommens, der Verbreitung des Luchses im Mühlviertel

...so zwischen 10 und 15 Luchsen

... kann ich überhaupt nicht sagen!

Das Mühlviertel wird nicht mit Luchsen übersäht sein – sondern es wird ein lockerer Bestand da sein. Das Mühlviertel hat auch eine Brückenfunktion zum Waldviertel und dann Richtung Karparten zum einen und zum anderen über die Donau Richtung Alpen.

Da bin ich jetzt schon überfragt.

Eine Schätzung – momentan kann man annehmen, daß etwa 4 Luchse im ganzen Mühlviertel ihren Lebensraum haben.

Ich weiß, daß es ihn im Böhmerwald gibt. Es sagen auch die unseren Jäger hier, daß man ihn manchesmal spürt.

Schätzung: 5 bis 6 Pärchen in diesem Raum.

Ich habe den Luchs jetzt drei mal gesehen. Ich würde sagen im ganzen Mühlviertel 10 Luchse insgesamt.

ad grundsätzliche Sichtweise/Einstellung zum Luchs (negativ – indifferent – positiv)?

...bei uns werden so viele Rehe von Autos angefahren, die irgendwo "verludern", wenn der Luchs auch dort und da noch eins nimmt – mit dem werden wir leben können.

Der Luchs ist mir sympathisch, er gefällt mir, er ist ein liebes Tier.

Jede Vielfalt ist in jeder Hinsicht positiv.

Ich gehöre leider nicht zu den Leuten, da im Böhmerwald, die das Glück gehabt haben, einen Luchs direkt zu sehen. Ich hoffe, daß der Zeitpunkt einmal kommen wird.

Naja, sehen möchte ich ihn einmal!

Zu Beginn war die Skepsis bestimmt vorhanden – inzwischen habe ich mich natürlich intensiv mit dem Luchs auseinandergesetzt.

Ich bin möglichst für die Erhaltung der Artenvielfalt. Aber wie gesagt, wir haben eine Kulturlandschaft...

Naja, ich will nicht sagen... Ich habe gegen... Das ist eine Sache die aus der Evolution entstanden ist, was die Schöpfung hervorgebracht hat und zu dem muß man stehen – so sehe ich das.

Ich habe bei einer Jagd in Tschechien einmal einen Luchs gesehen. Das war ein schlauer Bursche! Das hat mir gefallen! Das war eine super Sache!

Die ist bei mir positiv – das ist keine Frage. Wiewohl ich natürlich die jagdwirtschaflichen Aspekte auf jeden Fall ins Treffen führen möchte.

Ich habe gegenüber dem Luchs eine sehr positive Einstellung. Er ist eine Bereicherung der Artenvielfalt im Böhmerwald.

Er ist halt kein Selektierer, wäre er ein Selektierer hätte er viel mehr Akzeptanz!

ad Berührungspunkte mit eigenen Interessen? Konflikte (direkt – indirekt)?

Berührungspunkte und Konflikte sehe ich in der Landwirtschaft kaum.

Es hat doch irgendwas mit Naturbelassenheit zu tun, wenn solche Tiere wieder zurückkommen.

Ich sehe da ganz massive Berührungspunkte - positive.

Also wir werben ja damit – das ist zum Beispiel was.

Die Berührungspunkte sind sicherlich der Einfluß auf das Schalenwild, sprich Rehwild.

Ich glaube, daß sich das Rehwild jetzt allmählich auf seinen natürlichen Feind Luchs besser eingestellt hat.

Bei den Schafen und Ziegen vielleicht. Wenn das so gehandhabt wird, wie jetzt beim Habicht, daß man im Behördenweg den Schaden ersetzt bekommt, sehe ich wenig Konfliktfläche.

Berührungspunkte mit dem Luchs gibt es nicht nur aus jagdlicher Sicht, sondern auch aus der Sicht des Naturliebhabers.

Als Jäger habe ich keine Probleme mit dem Luchs. Wenn mir ein Luchs ein Reh reißt, hab ich überhaupt keine Probleme damit.

Wir haben Anträge auf Zwangsabschuß gehabt, auch für den Luchs, das ist schon einige Zeit aus.

ad Soll der Luchs im Mühlviertel (weiter)leben?

Er kann sicher mitleben mit uns – ich glaube schon.

Auf jeden Fall – ganz klar!

Auf jeden Fall – nur meine Hoffnung ist nicht allzu hoch geschraubt.

Freilich! Warum nicht?

Ich persönlich sehe auf jeden Fall im nördlichen Teil vom Mühlviertel – speziell sprich Böhmerwald - sicherlich einen Lebensraum für den Luchs.

Ein uneingeschränktes – Ja!

Ja, sicher!

ad Wer ist zuständig, hat die Verantwortung, soll sich kümmern? Wer soll (mögliche) Konflikte lösen – wie?

... wo man gemeinsame Gespräche findet, und wo man auch nach Möglichkeit einen gemeinsamen Weg findet.

Konflikte gehören grundsätzlich einmal zwischen den zwei Parteien ausgetragen, die den Konflikt haben. Gut ist es dann vielleicht noch, wenn ein kompetenter Neutraler in der Mitte steht.

Diejenigen, die mit dem Luchs direkt beschäftigt sind, konfrontiert sind – Jäger, Waldbesitzer und Naturschützer.

Konfliktlösung ist natürlich immer am besten in der Form, daß man sich zusammensetzt und sich das anhorcht, was die einzelnen Seiten vorzubringen haben, und zu versuchen einen gemeinsamen Weg zu finden.

Naja, die Jäger auf keinen Fall, weil die schießen alles nieder!

Grundbesitzer, Landwirt, Forstwirt, Jägerschaft und Naturschutz. Eine Zukunft kann nur darin liegen, wenn diese betroffenen Partner sich zusammensetzen und nach Lösungen suchen.

Man kann nicht nur jetzt jubeln: "Hurra, der Luchs ist da", und wenn es dann um echte Probleme geht, dann ziehe ich mich zurück.

Wer kompetent ist, da kann ich nur die Jägerschaft hernehmen.

Ich glaube, daß der Jäger hier eine sehr große Verantwortung zu übernehmen hat – er soll sie auch übernehmen.

Der Luchs ist ein jagdbares Tier. Daher ist meines Erachtens die Jägerschaft aufgerufen sich um den Luchs zu kümmern.

ad Maßnahmen zum Schutz des Luchses Ihrerseits/Ihrer Insitution

Einfach die Lebensweise des Tieres den Menschen nahe zu bringen.

ÖS 1000,-- Entschädigung für ein gerissenes Rehwild. Meiner Meinung nach, ist das immerhin ein Beitrag, den der Landesjagdverband geleistet hat, um dieses Spannungsfeld Luchs-Jäger etwas herabzusetzen.

In dem Sinne sind ja keine Maßnahmen angesetzt gegen ihn. Schießen dürfen sie ihn ja nicht.

Vor allem Aufklärungsmaßnahmen. Und natürlich die Entschädigungszahlungen seitens des Landesjagdverbandes.

ad die Haltung anderer (Bevölkerung, Interessensgruppen) aus eigener Sicht?

Gerade bei den Bauern ist mir aufgefallen, die haben gesagt: "Räumt sie weg!" Da habe ich noch keine andere Meinung gehört.

Ein Großteil der Jäger wird wahrscheinlich dagegen sein.

Wer die Medien entsprechend beeinflußt, so wird auch der allgemeine Ruf vom Luchs in der Region sein.

Den sonstigen Leuten ist das absolut egal, solange er sie nicht beim schwammerlsuchen stört.

Es wird sicher eine ganz große Gruppe von neutralen Leuten geben.

Am schlimmsten sind diese Pressemeldungen, die dann sagen – Luchse fressen die Wälder leer.

Ich denke, daß die normale Bevölkerung sicher ganz gut gegenüber dem Luchs eingestellt ist. Bei den Jägern vielleicht teilweise – teilweise möchten sie ihn gerne schießen.

Auf der einen Seite hört man: "Za wos brauch‘ ma dieses Vich?" Und auf der anderen Seite wieder Stimmen: "Ja es ist doch eh ein so schönes Tier, lassen wir es doch leben."

Die Bauern selbst nehmen das noch nicht wahr, weil es für sie noch keine Relevanz hat. Hauptsächlich betroffen ist ja die Jägerschaft.

Grundsätzlich eigentlich eher Unwissenheit. Bei den Bauern glaube ich, daß die Interessenlosigkeit auf der Tatsache beruht, daß es kein aktuelles Thema ist.

Neutral bis positiv.

ad die Zukunft des Luchses im Mühlviertel/Böhmerwald

Ich glaube schon, daß es ihn gibt in 30 Jahren. Ich hoffe auch, daß es ihn gibt! In einer Populationsdichte, die nicht allzu hoch ist.

Naja, daß er halt dann dort lebt, wo er leben kann und wo er einfach eine Basis findet – ohne daß der Mensch zu sehr eingreift. Das heißt weder im positiven noch im negativen Sinne.

Ja, ich sehe eine stabile Population im Großraum Böhmerwald. Vor allem auch deshalb, weil wir uns das Verschwinden dieses Tieres ein zweites mal nicht leisten können.

Ich denke schon, daß es ihn gibt in Zukunft.

Die Frage ist nicht zu beantworten. Vor allem wie Tschechien mit dem Luchs umgeht, das ist für mich die Kernfrage.

Wir haben da eine schizophrene Entwicklung. Aber wenn die Voraussetzung gegeben ist, daß sich anderes Wild entwickeln und halten kann, dann hat auch der Luchs... verliert er nicht seine Daseinsgrundlage.

Es wird halt dann ein Sache des natürlichen Gleichgewichts sein, wie weit läßt man ihn hochkommen.

Ein dem Lebensraum angepaßtes Vorkommen. Auf jeden Fall glaube ich, daß er Zukunft hat. Er wird da bleiben. Ich glaube auch nicht, daß die Population so steigt, daß irgendwer großen Schaden erleidet.

Ich glaube, daß einfach die Jägerschaft durchaus akzeptiert, daß er eine Daseinsberechtigung hat. Und er wird genauso wie jedes andere Wildtier behandelt werden.

 

5.5. Diskussion der Ergebnisse

Die Interviews waren für mich sehr interessant und aufschlußreich. Ohne Zweifel war das eine sehr gute Methode um mit den Menschen aus der Region ins Gespräch zu kommen und ihre Einstellung zu Landschaft, Natur und Luchs kennenzulernen. Im wesentlichen wurden Leute befragt, die sich schon länger mehr oder weniger intensiv mit dem Thema Luchs auseinandersetzen. Da es sich beim Luchs um ein sehr spezielles Thema handelt, macht es eigentlich nur Sinn solche Leute zu befragen, die mit der Materie vertraut sind – die Erfahrung hat diese These bestätigt.

Die Einstellung/Meinung maßgeblicher Vertreter verschiedener Interessentengrppen liegen nun vor. Die Meinung/Einstellung der breiten Masse der Bevölkerung konnte mit dieser Methode nicht festgestellt werden. Die Aussagen der interviewten "Experten" lassen aber Vermutungen zu bzw. sind in hohem Maße auch meinungsbildend.

Die Auswahl der Befragten brachte es mit sich, daß sehr vernünftige, gemäßigte und kooperative Aussagen gemacht wurden. Hardliner-Meinungen kommen in den Interviews so gut wie überhaupt nicht vor.


Wildtiermanagement


Quelle: www.wildlife-society.de

 

Obige Abbildung zeigt die an einem Wildtiermanagement beteiligten Gruppen und die Lage ihrer Interessensfelder zueinander.

Grundsätzlich ist festzustellen, daß die einzelnen Positionen der Interviewpartner gar nicht so unterschiedlich sind; Ja vielmehr Gemeinsamkeiten als Gegensätzlichkeiten in sich tragen. Auch wird von fast jeder Stelle der Wille zur Kooperation mehrfach unterstrichen.

Generell ist festzustellen, daß eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Luchs eine höhere Akzeptanz mit sich bringt. Je mehr Wissen bei dem Einzelnen von dem Tier vorhanden ist, desto objektiver ist seine Argumentation - ja sogar Faszination ist herauszuhören.

In meinen Interviews lassen sich wesentliche Punkte der Akzeptanzstudie von Hunziker, 1999/2000 aus der Schweiz wiederfinden.

Der Grad der persönlichen Betroffenheit, das Verhältnis der Betroffenen zur Natur sowie die Kommunikation zwischen den Beteiligten sind auch im Mühlviertel wichtige Punkte für die Akzeptanz des Luchses durch den Menschen. Wobei zu beobachten ist, daß die Zusammenhänge zwischen diesen drei Punkten sehr wesentlich sind. Ein einzelner dieser Punkte hat laut meinen Interviews wenig bis keine Aussagekraft bezüglich Akzeptanz des Luchses. Nur die Kombination dieser drei Thesen läßt eine Aussage zu.

Persönliche Betroffenheit zum Thema Luchs gibt es nicht nur aus der Sicht der Konkurrenz (Beutekonkurrent zur Jagd, möglicher Schaden für Haustiere,...), sondern auch im anderen Sinne – aus Richtung einer sehr positiven Einstellung zu Natur/Landschaft und Freude an der Natur und daraus abgeleitete Verantwortung. Hier möchte ich also den Begriff der "persönlichen Betroffenheit" nach Hunziker, 1999/2000 um diesen Aspekt erweitern.

Gerade seitens der Jagd ist der Grad der Betroffenheit nicht alleine auf den Einfluß des Luchses auf den Schalenwildbestand zu reduzieren. Hier sind die Aspekte vielschichtiger (jagdliche Aufwertung durch Artenvielfalt, Möglichkeit der Beobachtung eines Luchses im Revier, ...). Wiewohl die Motivation zu einer Befassung mit dem Thema Luchs durch die Jägerschaft meist von Seiten der Luchs-Reh-Problematik herrührt.

Bei der Landwirtschaft ist weniger eine direkte Betroffenheit festzustellen, als vielmehr eine indirekte – eine Solidarisierung mit vordergründig jagdlichen Interessen.

Meine Interviewpartner haben alle durchwegs ein positives Verhältnis zur Natur, der eine mehr, der andere weniger. Aber für alle spielt Natur und Landschaft eine große Rolle im täglichen Leben. Wobei seitens der Landwirtschaft noch am ehestens eine Tendenz zur These "Die Natur als Gegner" in obigem Sinne festzustellen ist – zwar nicht eindeutig, aber unterschwelig doch. Sehr positiv ist das Verhältnis zur Natur natürlich von Seiten des Naturschutzes und seitens der Jägerschaft, die Jagd als umfassende Aufgabe versteht.

Bei den Kommunikationsprozessen ist die These Hunzikers, 1999/2000 bedingungslos zu unterstreichen. "Großes ökologisches Grundwissen und großes Interesse an der Problematik um den Luchs wirken sich akzeptanzfödernd aus." Das konnte in zahlreichen Interviews bestätigt werden.

Das Wissen um ökologische Zusammenhänge und das wildökologische Wissen um den Luchs ist bei den Interviewpartners sehr unterschiedlich ausgeprägt. Hier besteht sicherlich ein gewisser Nachholbedarf. Wobei ein sehr günstiger Weg der Informationsübermittlung sicherlich der ist, daß objektive Information von den verschiedenen Interessentenvertretern direkt an ihre jeweilige Basis weitergegeben wird. Möglichst objektiv kann die Information jedoch nur dann sein, wenn sie von allen wesentlich am Luchsthema beteiligten Gruppen gemeinsam er- bzw. überarbeitet wurde. Sonst besteht die Gefahr, daß die Information von vornherein als subjektiv abgelehnt wird.

Ein möglichst breiter Einsatz von verschiedenen Medien zur Informationsübermittlung ist hier sicherlich zweckmäßig.

Sehr wichtig ist überdies ein regelmäßiger Kontakt der Luchs-Beteiligten untereinander. Auch das wird in den Interviews immer wieder hervorgehoben. "Nur wo man miteinander redet, kann man sich auch zusammenreden!" Die unterschiedlich artikulierten Sorgen müssen dabei unbedingt ernst genommen werden.

Ein sehr wesentlicher Punkt der Akzeptanzhebung aus jagdlicher Sicht scheint mir die vom OÖ Landesjagdverband eingeführte "Luchsriß-Entschädigung" oder besser "Luchsriß-Auffindungsprämie" (für Reh, Hirsch,...) zu sein. Damit wurde für Oberösterreich erreicht, daß vieles an negativen Emotionen aus dem Thema herausgenommen wurde und eine Beruhigung der zeitweise überhitzten Situation eingetreten ist. Sehr wohl wird diese Maßnahme nicht von allen Seiten bedingungslos gutgeheißen. Es besteht natürlich die Gefahr, daß Wild im Revier immer noch als Eigentum verstanden wird. Das Wild gehört ja solange niemandem, bis es erlegt ist. Diese Argumentation entspricht der gesetzlichen Lage und ist verständlich, geht aber meiner Meinung nach doch etwas an der Realität vorbei. Es ist derzeit nun einmal so, daß die Entscheidung über das Überleben des Luchses in unseren Wäldern maßgeblich von der Entscheidung/Einstellung des Jägers an der Basis, am Hochstand abhängig ist. Alles was dazu beiträgt, die Meinung des "Jägers am Hochstand" wegzubringen von einem Luchs-Feindbild ist zu begrüßen. Sicherlich ist die Luchsriß-Auffindungsprämie nicht der Weisheit letzter Schluß und nicht die optimale entgültige Lösung. In der jetzigen Situation ist sie jedoch sehr zu begrüßen. Ein sehr positiver Nebeneffekt dieser Prämie ist außerdem eine recht gute Dokumentation von Luchshinweisen, was zum Wissen um die Verbreitung der Waldkatze im Mühlviertel wesentlich beiträgt.

Die Interviews haben gezeigt, daß keiner der Beteiligten in der Diskussion unbeweglich ist bzw. sich so deklariert hätte. Einem Luchsbestand im Mühlviertel wird generell positiv gegenübergestanden – in einem Rahmen, der für alle Beteiligten akzeptabel ist. Die Luchs-Diskussion der Zukunft wird diesen Rahmen immer wieder aufs neue diskutieren/definieren müssen.

Im folgenden mögliche Punkte zur positiven Beeinflußung der Situation um den Luchs im Mühlviertel.

  • objektive Öffentlichkeitsarbeit - Zusammenarbeit, Absprache zwischen den Beteiligten, Einsatz unterschiedlicher Medien
  • langfristige Entwicklung der Grundhaltung der Menschen hin zur These: "Natur als Partner" (Schule, Bildung,...) – zwischenzeitlich mit der momentanen Einstellung arrangieren und Lösungsansätze entwickeln
  • Regelung für mögliche Schäden an Haustieren/Gatterwild entwickeln – sollte der Fall eintreten, daß ein Mechanismus vorhanden ist
  • Vermeidung von "reisserischen" Medienberichten – (fördert negative Emotionen)
  • regelmäßige Zusammenarbeit aller Beteiligten


 

SYNTHESE

Vorweg sei hier aus einem Luchsinformationsfolder aus der Schweiz zitiert:

(aus Strahm, 1999)

Die Jägerschaft hat mit dem Gewehr die Macht in der Hand, über die Existenz des Luchses bei uns zu entscheiden. Sobald der Luchs in einem Gebiet vorkommt, wird ihm häufig ganz selbstverständlich die Schuld für jedes fehlende Tier zugeschoben.

Der Luchs nützt nichts! Im traditionellen, vom gnadenlosen Kampf gegen die Natur geprägten Weltbild mancher Menschen hat der Luchs einfach keinen Platz. Wo Natur vor allem nützlich sein muß, hat eine wilde Katze nichts zu suchen. Der Luchs gibt keine Milch, er läßt sich nicht scheren, es gibt für ihn keine Subvention und sehen kann man ihn auch fast nie.

Ob der Jäger Mensch die Anzahl der vom Luchs gerissenen Rehe als untragbaren Schaden betrachtet, oder ob er dem Jäger Luchs seinen Anteil läßt, hängt davon ab, mit welchen Augen er die Natur ansieht. Hat der Luchs in seinem Weltbild Platz, wird der Jäger Mensch tolerieren, daß er im Luchsgebiet nicht immer gleichviele Tiere erlegen kann. Er betrachtet den Luchs als Jäger, dem sein Anteil an der Jagd zusteht.

Das Bedürfnis der Menschen, alles zu ordnen, im Griff zu haben, zu zählen und aufzuräumen läuft den dynamischen Vorgängen in der Natur entgegen. Den von vielen Menschen ersehnten "endgültig richtigen" Zustand gibt es nicht.

Vielen macht der Gedanke Mühe, daß da ein Tier das Wild "bewirtschaftet", das weder Jagdpacht bezahlt noch sich an waidmännische Gepflogenheiten hält. Der Luchs wird nicht als geborener Jäger betrachtet, sondern als Eindringling in Gehegtes und Gepflegtes, wie der Fuchs im Hühnerstall oder die Maus im Küchenschrank.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, daß die lokale Bevölkerung die Anwesenheit des Luchses erlaubt. Um diese Ziele zu erreichen, sind Zugeständnisse von allen Interessensgruppen notwendig.

Der Luchs kann die Natur nicht aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Wir hingegen schon: Die wilde Katze ist von uns und unserer Sicht der Dinge abhängig.

Wir können den Luchs als eine Zumutung betrachten. Er stört die Ordnung in einer Natur, die von uns reguliert, kontrolliert und nach direktem Nutzen sortiert wird. Wir haben aber auch die Möglichkeit den Luchs als Tier zu sehen, das neben uns Platz hat. Indem wir seine Anwesenheit erlauben, setzen wir ein Zeichen für ein gelasseneres Verhältnis zur Natur.

 

Sind diese Feststellungen, Erkenntnisse und Eindrücke aus der Schweiz auch auf mein Untersuchungsgebiet umlegbar? Wie ist da die Lage im Böhmerwald?

Sowohl das Habitatmodell für den Luchs in der 3-Länder-Region Böhmerwald, als auch die Akzeptanzsondierung im Teilraum Mühlviertel/OÖ liefern durchwegs Argumente für den Luchs.

Ein Luchslebensraum in der Großregion Böhmerwald ist über weite Teile gegeben. Die Wald- und Waldrandausstattung ist großteils sehr gut bis gut und mit ihr die Rehwilddichte – das Rehwild, die vorwiegende Nahrungsgrundlage des Luchses im Böhmerwald. Gerade die höher gelegenen Gebiete des Untersuchungsgebietes sind flächendeckend mit Wald bestückt – die Störungsarmut dieser großen Waldgebiete dürfte dem Luchs entgegenkommen. Je tiefer die Höhenlage, desto weniger wird der Wald und desto höher der menschliche Störungseinfluß.

Zahlreiche höherrangige Verkehrswege (Fernverkehrs-, Bundesstraßen,...) zerschneiden jedoch nicht selten diese Lebensräume, was für den Luchs (und ebenso für zahlreiche andere Wildtiere) ohne Zweifel eine Gefahr/Barriere/Hindernis darstellt. Zwar berühren Autobahnen das Untersuchungsgebiet nur randlich – andere verkehrsreiche Straßen gehen aber mitten durch. Hier sollte seitens des Straßenbaues vermehrt auf die lebensraumvernetzende Eigenschaft von Grünbrücken gesetzt werden.

Die Interviews mit unterschiedlichen Interessensvertretern aus dem Mühlviertel/OÖ brachten durchwegs sehr wohlwollende Töne zu Tage. Jedoch nicht ohne auf die Interessen von Jagd und Landwirtschaft hinzuweisen.

Die Tatsache, daß innerhalb nur eines Jahres bekanntermaßen drei Jungluchse alleine im Bereich des Mühlviertels durch menschliche Aktionen zu Tode kamen, gibt aber einer gewissen Besorgnis über die Zukunft des Luchses Raum.

In vielen Gesprächen abseits der gemachten Interviews sind bei Jägerschaft und Landwirtschaft teils massive Vorbehalte gegenüber dem Luchs wahrnehmbar. Diese Haltung ist weniger bei den offiziellen Vertretern dieser Interessengruppen zu finden als vielmehr im Bereich der "Wirtshaustische". Informationsmangel spielt hier fast immer eine prägende Rolle. Ähnlichkeiten zu den eingangs angeführten Ausführungen aus der Schweiz sind gegeben.

Die Situation in Bayern wird nicht allzu positiv eingeschätzt – wiewohl die Luchsthematik dort durch die kürzliche Besendung eines Luchses neue Aktualität im positiven Sinne bekommen haben dürfte. Sehr kooperative und integrative Menschen sind dort mit dem Thema Luchs betraut.

Sehr schade ist, daß die Akzeptanzsituation in Südböhmen nicht bekannt und auch schwer abzuschätzen ist. Der Großteil der Böhmerwaldluchse lebt auf tschechischem Gebiet, weil sie hier auch den größten Lebensraum vorfinden. Nichtsdestotrotz wäre das Wissen um die Einstellung der Menschen dort – dem Luchs gegenüber – überaus wichtig; hängt doch vom Umgang mit dieser Waldkatze in Tschechien die gesamte Population ab. Hochkarätige Wissenschafter beschäftigen sich in der Tschechischen Republik mit dem Luchs und es wurde auch ein Managementplan erstellt. Inwieweit diese Dinge in der dortigen Bevölkerung Fuß fassen bleibt offen.

Immer wieder machen Gerüchte von zahlreichen Luchsabschüssen die Runde. Nicht nur in Tschechien, auch in Bayern und Österreich. Wie so oft bleiben solche Dinge im Dunkeln.

Auf österreichischer Seite ist die gute Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft und Naturschutz (önj Haslach) hervorzuheben. Beide Bereiche bemühen sich um einen sehr sachlichen Umgang mit dem Thema Luchs.

Die Ausstattung von Luchsprojekten mit öffentlichen Mitteln ist in Österreich marginal im Vergleich zu Deutschland und Tschechien.

Um eine genetisch stabile Luchspopulation zu erreichen, ist eine Vernetzung mit Lebensräumen in den Böhmischen Grenzgebirgen, den Karparten und den Alpen immer im Auge zu behalten. Dem Mühlviertel kommt sowohl Richtung Alpen, als auch Richtung Karparten eine Brückenfunktion zu.

Eines haben die Untersuchungen zur Akzeptanz und die Erfahrungen der letzten Jahre noch ganz deutlich gezeigt; Je intensiver die Auseinandersetzung mit dem Thema Luchs ist (ganz gleich welcher Interessensgruppe), desto größer wird das Wissen und desto präziser die Aussagen. Gerade auch was den Luchsbestand betrifft. Uninformiertere Kreise schätzen den Luchsbestand (beispielsweise im Mühlviertel) stets höher als langjährig mit dem Thema vertraute Menschen.

Objektive Informations- und Öffentlichkeitsarbeit wird hier ein ganz wesentlicher Punkt sein müssen. Die beiligende Luchs-Informationsbroschüre der önj Haslach stellt ein gutes Beispiel für Luchs-Öffentlichkeitsarbeit dar. Vergleichbare Broschüren existieren auch im bayerischen und südböhmischen Teil des Untersuchungsgebietes.

Die in den Interviews mehrfach angesprochenen vielfach fehlenden Visionen/Zielvorstellungen für die Region finden eine mögliche Antwort im Leitbild Böhmerwald der Naturfreunde Internationale (NFI). Die NFI haben den Böhmerwald zur Landschaft des Jahres 1999/2000 erklärt und sich 2 Jahre lang sehr umfassend mit diesem Raum auseinandergesetzt. Als Abschluß ihres Projekts erarbeiteten sie gemeinsam mit den Menschen aus dieser 3-Länder-Region ein Leitbild, welches sich im Anhang findet.

Ich hoffe, daß es uns Menschen gelingen wird, der geheimnisvollen Waldkatze im Böhmerwald und den angrenzenden Gebieten eine Heimat zuzugestehen.

Die Chance bei der nächsten Wanderung dem Luchs zu begegnen ist sehr klein. Aber der Gedanke, daß die wachsame Katze einen aus sicherer Tarnung mit Luchsaugen beobachtet, läßt den Sonntagsausflug, die Wanderung abenteuerlich werden: Spuren im Schnee,... war da nicht eine Bewegung oben am Hang?

Der Spaziergang im Wohngebiet eines Luchses macht die Ohren größer, die Augen schärfer und das Herz weiter.


 

LITERATUR

AFFENZELLER, Peter, 1997: Bären und Otter; Bericht in den Oberösterreichische Nachrichten (OÖN) vom 02.09.1997, S. 13, Linz

AGER, D. V., 1980: The Geology of Europe; McGraw-Hill Book Company Ltd., London

AHNERT, Frank, 1996: Einführung in die Geomorphologie. UTB für Wissenschaft, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart

AUBRECHT, P.; 1996: Das europäische Landnutzungsprojekt CORINE Landcover und erste Ergebnisse für Österreich; veröffentlicht in: DOLLINGER,F. und J.STROBL (1996): Angewandte Geographische Informationsverarbeitung VIII = Salzburger Geographische Materialien, Heft 24. Selbstverlag des Instituts für Geographie der Universität Salzburg

AUBRECHT, P., 1998: CORINE Landcover Österreich. Vom Satellitenbild zum digitalen Bodenbedeckungsdatensatz; Wien
www.ubavie.gv.at [15.11.1999]

AUSTRIA PRESSEAGENTUR, 1995: Die Naturkatastrophe heißt Mensch; APA-Wissenschaftsdatenbank, Eintrag vom 22.05.1995
univie.wibi.apa.at [ 15.06.1999]

AUSTRIA PRESSEAGENTUR, 1995: Wolf und Luchs ungefährlich für den Menschen; APA-Wissenschaftsdatenbank, Eintrag vom 13.12.1995
univie.wibi.apa.at [ 15.06.1999]

AUSTRIA PRESSEAGENTUR, 1995: Wölfe und Bären flüchten vor dem Kriegslärm in den Westen; APA-Wissenschaftsdatenbank, Eintrag vom 25.09.1995
univie.wibi.apa.at [ 15.06.1999]

BAYRISCHE AKADEMIE FÜR NATURSCHUTZ UND LANDSCHAFTSPFLEGE, 1999: Kommen Elche, Wölfe und Bären wieder nach Bayern? – Bayrische Akademie für Naturschutz diskutiert Chancen und Probleme einer natürlichen Rückkehr von Großsäugern – Ergebnisse der Seminare 1999
www.anl.de/ergebnis/109-99.htm [21.10.2000]

BAYRISCHE AKADEMIE FÜR NATURSCHUTZ UND LANDSCHAFTSPFLEGE, 1999: Verkehrsstraßen als Hindernisse – Ökologiesymposium der Bayer. Akademie für Naturschutz befaßte sich mit dem Problem der Zerschneidung der Landschaft – Ergebnisse der Seminare 1999
www.bestnetz.de/~akademie/ergebnis/94-99.htm [25.10.2000]

BECKEL, L. et. al., 1969: Luftbildatlas Österreich – Eine Landeskunde mit 80 farbigen Luftaufnahmen, herausgegeben von Scheidl Leopold, Freytag und Berndt, Wien

BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT ROHRBACH, 2001: Jagdstatistik 1989 – 2000;

BLANKENHORN, H.-J., 1998: Bewilligter Luchsabschuss im Kanton Freiburg; Medienmitteilung des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern
www.admin.ch/cp/d/35EAC037.A3F2D1EB@mbox.gsuvek.admin.ch.html [ 28.05.1999]

BLANKENHORN, H.-J., 1999: Der Luchs ist noch lange nicht über dem Berg; Bulletin 1/99, Art. 6, S. 1 - Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern www.admin.ch/buwal/bulletin/1999/d1a06s01.htm [ 28.05.1999]

BLASCHKE, Thomas, 1999: Habitatanalyse und Modellierung mit Desktop-GIS; in Umweltmonitoring und Umweltmodellierung, Thomas Blaschke (Hrsg.), S. 259 ff, Heidelberg

BREHME, Chris, ohne Jahr: A GIS analysis and model of suitable gray wolf habitat in the Northern Rockies;
www.soatial.maine.edu/ucgis/testproc/brehme/brehme.html [ 05.11.1999]

BREITENMOSER, Urs, 1996: Der Luchs in der Schweiz; in Naturopa, Nr. 82/1996, S. 15, Centre Naturopa des Europarates, Straßburg

BREITENMOSER, Urs, 1997: Grundzüge eines alpenweiten Schutzkonzeptes für den Luchs; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 7, Deggendorf

BUCHER, M., 1999: Der glaziale Formenschatz im Gebiet um den Kleinen Arbersee (Bayerischer Wald, Deutschland), in: Zeitschrift für Geomorphologie, Neue Folge, Supplementband 113, Vergletscherung in europäischen Mittelgebirgen, ed. by Kostrzewski & Hagedorn, Borntraeger, Berlin, Stuttgard

BUFKA, Ludk,  ERVENÝ, Jaroslav, KOUBEK, Petr, 1997: Entwicklung der Luchspopulation (Lynx lynx L.) im Böhmerwald in den Jahren 1990 – 1997; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 71, Deggendorf

BUNDESAMT FÜR EICH- U. VERMESSUNGSWESEN: Österreichische Karte 1:200.000, Blätter 49/13 Passau und 49/14 Budweis, Wien

BUNDESAMT FÜR EICH- U. VERMESSUNGSWESEN, 1999: AustrianMap; CD-West und CD-Ost; Inhalt: ÖK 1:50.000, ÖK 1:200.000, ÖK 1:500.000, Geographisches Namenverzeichnis (GEONAM); Wien

BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT (BUWAL), 1997: Projekt "Luchs und Schaf in den Nordwestalpen"; in Bulletin 1/97, Art. 12, S. 8 - Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern
www.admin.ch/buwal/bulletin/1997/d1a12s08.htm [ 28.05.1999]

BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT (BUWAL), 1999: Dokumentation Luchs; erstellt von KORA – Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz; Muri, Schweiz http://www.kora.unibe.ch [10.12.2000]

BAYRISCHES LANDESVERMESSUNGSAMT, 1995: Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssystem 500 (ATKIS 500 – CD-Rom) ; München

CERVENÝ, Jaroslav; BUFKA, Ludek, 1996: Lynx (Lynx lynx) in South-Western Bohemia; in: Lynx in the Czech and Slovak Republic; ACTA, scientiarum naturalium academiae scientiarium bohemicae brno, XXX Nova Series, 1996/3, ISSN 0032-8758, S. 16 - 33, Brno/Praha

C ERVENÝ, Jaroslav; KOUBEK, Petr; ANDRA, Miloš, 1996: Population development and recent distribution of the lynx (Lynx lynx) in the Czech Republic; in: Lynx in the Czech and Slovak Republic; ACTA, scientiarum naturalium academiae scientiarium bohemicae brno, XXX Nova Series, 1996/3, ISSN 0032-8758, S. 2 - 15, Brno/Praha

C ERVENÝ, Jaroslav, KOUBEK, Petr, BUFKA, Ludk, 1997: Gegenwärtige Verbreitung und Nahrung des Luchses (Lynx lynx L.) in der Tschechischen Republik; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 82, Deggendorf

COP; Janez, 1997: Die Raumverbreitung des Luchses nach der Wiedereinbürgerung 1973 in Koevje, Slowenien, bis 1997; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 47, Deggendorf

DÉSIRÉ-MARCHAND, J. & KLEIN, C., 1987: Fichtelgebirge, Böhmerwald, Bayerischer Wald, Contribution à l’étude du problème des Piedmonttreppen; in: Zeitschrift für Geomorphologie, Supplementband 65, Geomorphology of European Massifs, ed. by Bremer and Godard, Borntraeger, Berlin, Stuttgard

DUNZENDORFER, Wilfried, 1992: Zwischen Böhmerwald und Donau, Naturschutz und Vegetationsökologie des Oberen Mühlviertels; Rohrbach

EGLI, E., 1998: Der Luchs und die Schafhalter - Eine sozialwissenschaftliche Studie zur Akzeptanz von Großraubtieren. Diplomarbeit ETH Zürich

EISL, Wolfgang, 1999: Luchse im Mühlviertel: Jäger klagen über gerissene Rehe; Bericht in den Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) vom 06.03.1999, S. 25, Linz

EISL, Wolfgang, 2000: Luchse fühlen sich auch südlich der Donau sehr wohl; Bericht in den Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) vom 29.01.2000, S. ??, Linz

ENCYCLOPADIA BRITANNICA, 1994-1999: lynx (cat);
search.eb.com/bol/tmap_id=125147000&tmap_typ=ie [ 05.11.1999]

ENGLEDER, T., 1997: Die Trinkwasserversorgung des Oberen Mühlviertels aus naturräumlicher Sicht; Seminar aus Physiogeographie am Inst. f. Geographie der Univ. Wien

ESRI (Enviromental System Research Institut), 1996: Using ArcView GIS;
Readland, California

FESTETICS, ANTAL (Hrsg.), 1980: Der Luchs in Europa – Verbreitung, Wiedereinbürgerung, Räuber-Beute-Beziehung; Kilda Verlag, Münster

FISCHER, H., 1967: Das Mühl- und Waldviertel, Vom Aufbau und Werden einer Landschaft; in: Natur und Land, Jg. 53/4

FREYTAG & BERNDT, ohne Jahr: Autokarte Tschechoslowakei 1:600.000; Wien

FUCHS, G. und MATURA, A., 1976: Zur Geologie des Kristallins der südlichen Böhmischen Masse; Erläuterungen zur geologischen Karte des Kristallins der südlichen Böhmischen Masse 1:200.000; Geolog. Bundesanstalt Wien

FUCHS, G. und THILE, O., 1968: Erläuterungen zur Übersichtskarte des Kristallins im westlichen Mühlviertel und im Sauwald, OÖ; erschienen bei der Geolog. Bundesanstalt, Wien

GEOLOGISCHE BUNDESANSTALT, 1999: Rocky Austria, Eine bunte Erdgeschichte von Österreich; GBA, Wien

GRABER, H. V., 1902: Geomorphologische Studien aus dem oberösterreichischen Mühlviertel, in Petermanns Geographische Mitteilungen, Band 48

HICKER, Oswald und LINHART Andreas, 1999: Heimkehr der wilden Tier; NEWS (Österreichische Wochenzeitschrift) vom 25.03.1999, S. 68-70, Wien

HÖCK, V., 1999: Der geologische Bau des Grundgebirges – Das Kristalline Grundgebirge; in: Erdgeschichte des Waldviertels, 2. Auflage, Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes, Band 38, Horn, Waidhofen/Thaya

HUBER, H.K., 1999: Zum Formenschatz der Granitverwitterung und –abtragung im nordwestlichen Waldviertel; in: Erdgeschichte des Waldviertels, 2. Auflage, Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes, Band 38, Horn, Waidhofen/Thaya

HUBER, Thomas, 1997: Derzeitige Situation und Zukunft der Kärntner Luchse; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 39, Deggendorf

HUEMER, Fritz, 1999: Quo vadis, Luchs?; in "Der OÖ Jäger" - Informationsblatt des OÖ Landesjagdverband, Nr. 82, S. 28ff, Linz
weiter Beiträge vom OÖ Jäger wo genaue Quellenangabe nicht mehr möglich ist

HUNZIKER, Marcel, 1999-2000: Die Raubtiere breiten sich aus! Wie gehen wir damit um?; Sozialwissenschaftliche Untersuchungen der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Abteilung für Landschaft und Gesellschaft, Birmensdorf
www.wsl.ch/land/products/predator [ 28.01.2000]

JANIK, V., 1971: Geologie Oberösterreichs; in Atlas von Oberösterreich, Erläuterungsband zur 4. Lieferung, Wimmer-Druck, Linz

JOBIN, Anja, 1997: Der Einfluß des Luchses auf die Beutepopulation; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 11, Deggendorf

KACZENSKY, Petra, 1997: Schadensaufkommen und Kompensationssysteme für Luchsschäden in Europa; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 41, Deggendorf

KALB, Roland, 1992: Der Luchs - Lebensweise, Geschichte, Wiedereinbürgerung; Naturbuch-Verlag, Augsburg

KOHL, Hermann, 1988: Die leblose Natur, Geologie, Geographische Lagebeziehungen; Beitrag im wissenschaftlichen Begleitband zur OÖ Landesaustellung "Das Mühlviertel", Wimmer-Druck, Linz

KOUBEK, Petr,  ERVENÝ, Jaroslav, MILOŠ, Andra, 1997: Management der Luchs-Populationen in der Tschechischen Republik; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 77, Deggendorf

KRATZ, Reinhold; SUHLING, Frank (Hrsg.), 1997: Geographische Informationssysteme im Naturschutz - Forschung, Planung, Praxis; Westarp Wissenschaften, Magdeburg

KRISAI, Robert, 1988: Mühlviertler Moore; Beitrag im wissenschaftlichen Begleitband zur OÖ Landesaustellung "Das Mühlviertel", Wimmer-Druck, Linz

KRISAI, R. & Schmidt, R., 1983: Die Moore Oberösterreichs; Herausgeber: Land OÖ, Trauner-Verlag, Linz

KÜCK, J., 1999: Seismische Durchleuchtung eines verschwundenen Gebirges. Eine Tomographie der Oberpfalz – ein zweites Experiment; GeoForschungsZentrum Potsdam

http://icdp.gfz-potsdam.de/html/ktbto/news/news5.html [29.11.2000]

KULTURLANDSCHAFTSFORSCHUNG, Modul Böhmerwald: Digitale Datengrundlage bezüglich Corine96, Grenzen, Gewässer, Orte, Topographie; Forschungsschwerpunkt Kulturlandschaftsforschung am Wissenschaftsministerium, Wien

LANDESJAGDVERBAND BAYERN, 1997: Der Luchs in Mitteleuropa – Wissenschaftliches Symposium; Fachtagung des Landesjagdverbandes Bayern (BJV) in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz in Bayern e. V. und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V., Schriftenreihe des BJV, Band 5, Beiträge mehrerer Autoren, Deggendorf

LANDESJAGDVERBAND OÖ, 2000: Luchshinweise aus Oberösterreich

LEONHARDT, Paul, 1997: Die Rückkehr des Luchses aus der Sicht des Jagdrechts; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 17, Deggendorf

LIEBIG, Wolfgang, 1997: Desktop-GIS mit ArcView, Leitfaden für Anwender; Verlag Wichmann, Heidelberg

LIENHARD, A.; Bewertungsmodell zur Beurteilung des Vernetzungsgrades ausgewählter Biotoptypen in einem Landschaftsraum; in Umweltmonitoring und Umweltmodellierung, Thomas Blaschke (Hrsg.), S. 245 ff, Heidelberg

LÜÖND, Karl, ohne Jahr: Jagd in der Schweiz heute; Auszug aus dem "Handbuch für die jagdliche Öffentlichkeitsarbeit"
www.asjv.ch/jagd_ch.html [ 28.05.1999]

LUTZE, G., WIELAND, R., SCHULTZ, A., 1999: Habitatmodelle für Tiere und Pflanzen – Instrumente zur integrativen Abbildung und Analyse von Lebensraumansprüchen mit direktem Bezug zur Landschaftsstruktur und zur Landnutzung; in Umweltmonitoring und Umweltmodellierung, Thomas Blaschke (Hrsg.), S. 223 ff, Heidelberg

MATJUSCHKIN, E. N., 1978: Der Luchs - Lynx lynx; Die Neue Brehm-Bücherei, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt, Moskau

MRLÍK, Vojtch, 1995: Evaluierung der Elchpopulation in der Grenzregion von Österreich und Tschechien. Forschungsinstitut WWF Österreich, Studie 22, Wien

MÜLLER, U., 2000: KORA-GIS, GIS-Seite des Schweizer Raubtierforschungsprogramms;http://www.kora.unibe.ch/mapcenter/index.html [13.11.2000]

NAGL, Hubert, 1982: Zur eiszeitlichen Vergletscherung des Sternsteins, Oberösterreich; in: Jb.OÖ. Mus.-Ver., Bd. 127/I, Linz

NATIONALPARK BAYERISCHER WALD: www-Seite
www.nationalpark-bayerischer –wald.de [23.10.00]

NATIONALPARK BÖHMERWALD/ŠUMAVA: www-Seite
www.npsumava.cz [23.10.00]
www.ckrumlov.cz/de/region/soucas/t_napasu.htm [23.10.00]
www.retour.cz/win/mesta/zel_ruda/np_d.htm [23.10.00]

NATURPARK BAYRISCHER WALD: www-Seite
www.bnv-regen.de/home/naturpark [23.10.00]
www.naturpark.de [23.10.00]

NATURPARK BAYRISCHER WALD, ohne Jahr: Ich der Luchs – geheimnisvolle Waldkatze; Informationsbroschüre, Zwiesel

NEUMEIER, Birgit, ohne Jahr: Der Luchs – Lynx lynx; Artbeschreibung auf der homepage des Landesjagdverbandes Bayern e. V. (BJV)
www.jagd-bayern.de/13e.htm [ 20.01.2000]

OBERÖSTERREICHISCHE LANDESREGIERUNG, BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR LANDESENTWICKLUNG UND UMWELTFRAGEN, TSCHECHISCHES WIRTSCHAFTSMINISTERIUM, 1994: Entwicklungskonzept Bayerischer Wald/Böhmerwald-Šumava/Mühlviertel; Internationales MAB-Pilotprojekt der UNESCO; Linz, München, Prag

Oberösterreichische Nachrichten (OÖN), 1999: Erstmals wurde ein Luchs im Nationalpark gesichtet; Bericht in den OÖN vom 30.10.99, S. 23, Linz

Oberösterreichische Nachrichten (OÖN), 1991: Aufregung um bayrische Luchse; Bericht in den OÖN vom 25.01.91, S. 14, Linz

Oberösterreichische Nachrichten (OÖN), 1997: Harte Zeiten für Luchs & Co; Bericht in den OÖN vom 08.11.97, Magazin, S. 7, Linz

Oberösterreichische Nachrichten (OÖN), 1997: Jäger fühlen sich durch Luchse bedroht; Bericht in den OÖN vom 22.03.97, S. 26, Linz

Oberösterreichische Nachrichten (OÖN), 1995: Pinselohr geht auf Pirsch; Bericht in den OÖN vom 13.05.95, S. 11, Linz

PETZ, E., 1988: Als es im Mühlviertel noch Bär, Wolf, Luchs und Wildkatze gab – Geschichte ihrer Ausrottung. in: Das Mühlviertel. Natur, Kultur, Leben. Amt der OÖ Landesregierung, Abteilung Kultur (Hrg.), S. 169-178, Wimmer Druck, Linz

PFAFFL, F., 1989: Der Bayerische Wald im Tertiär und Quartär, in: Geologische Blätter für Nordost-Bayern und angrenzende Gebiet, Band 39, Heft Nr. 1-2, Seite 1-38

PFAFFL, F., 1992: Die Glazialseen des Hohen Böhmerwaldes, in: Geologische Blätter für Nordost-Bayern und angrenzende Gebiet, Band 42, Heft Nr. 1-2, Seite 143-146

PILS, G., 1988: Vom Bürstlingrasen zum Intensivgründland – ein Streifzug durch drei Jahrhunderte Mühlviertler Wiesengeschichte; Beitrag im wissenschaftlichen Begleitband zur OÖ Landesaustellung "Das Mühlviertel", Wimmer-Druck, Linz

POOST, Wilhelm, 1997: Der Luchs im Bayrischen Wald: gestern, heute, morgen; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 27, Deggendorf

POSTEL, Mark A.; HELB, Hans-Wolfgang; POSTEL, Gerhard; 2000; Chancen für den Luchs (Lynx lynx) im Biospärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen; Projekt: "Der Luchs im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen"; Universität Kaiserslautern;
www.oejv.de/positionen/luchs.htm [23.10.2000]

PROMBERGER, C., 1999: Luchse komplettieren Großräuberforschung; Bericht aus den Rumänischen Karpaten vom dortigen Großsäuger-Projekt;
www.wolfskin.de/ger/test/engageme/wolf/aktuell/b1-30.html [22.10.2000]

REDDEMANN, 1997: Der Luchs in Mitteleuropa – Wissenschaftliches Symposium, Zusammenfassung der Fachtagung des Landesjagdverbandes Bayern in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz in Bayern e. V. und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V., Deggendorf
www.jagd-bayern.de/7b.htm [ 20.01.2000]

REITER, Antonín; HANÁK, Vladimír; BENDA, Petr; OBUCH, Jan; 1997: Lynx - Mammaliologické zprávy (Mammaliologische Berichte), Series Nova, Fasc., ISSN 0024-7774, Praha

RICHTER, D., 1992: Allgemeine Geologie; erschienen bei Walter de Gruyter, 4. Auflage, Berlin – New York

RIEDL, Andreas, 1995: Geographische Informationssysteme (GIS) und Geographische Datenverarbeitunt (GDV) im Blickfeld der Geographie; Begleittext zur Vorlesung; Wien

RIEDL, Leopold et al, 1998: Einführuung in Kartographie, Datenmanagement und Analysen mit ArcView 3; Skriptum zur Lehrveranstaltung " GIS – technische und methodische Grundlagen" am Institut für Stadt- & Regionalforschung der Technischen Universität Wien

RIEDL, Leopold et al, 1997: Angewandte räumliche Analytik – mit dem ArcView-Raster-GIS Spatial Analyst; Skriptum zur Lehrveranstaltung " GIS – technische und methodische Grundlagen" am Institut für Stadt- & Regionalforschung der Technischen Universität Wien

RIGHETTI; KNÖPFEL; 1999: Wildbrücken, Wildkorridore, Biotopvernetzung; Artikel zur 4. Nationalen Ausstellung "Fischen – Jagen – Schiessen" (BEA bern expo) in der Schweiz;
www.beaexpo.ch/fjs/info/wildbruecken.htm

SALLABERGER, G., 1989: Landschafsökologie und Naturraumerkundung am Beispiel des OÖ Mühlviertels, Dipl.Arb. am Inst. f. Geographie der Univ. Wien

SCHADT, Stephanie, 1998: Ein Habitat- und Ausbreitungsmodell für den Luchs; Lehrstuhl für Landschaftsökolgie der TU München-Weihenstephan, München

SCHÖNENBERG, J. und NEUGEBAUER, R., 1997: Einführung in die Geologie Europas; 7. Auflage, erschienen bei Rombach Wissenschaft, Freiburg im Breisgau

SCHREINER, H., 1967: Die Hochmoore des Wald- und Mühlviertels; in: Natur und Land, Jg. 53/4

SCHRÖDER, Wolfgang, ohne Jahr: Akzeptanzsicherung von Großschutzgebieten – Erfahrungen eines Beraters; Bericht der Wildbiologischen Gesellschaft München e.V.;
www.wildlife-society.de/pages/akzept.htm [30.11.2000]

SCHWEIZER NATURSCHUTZ SPEZIAL, 1996: Der Luchs und wir; Zeitschrift des Schweizer Bund für Naturschutz; Ausgabe 6/96; Basel

SCHWENK, Sigrid, 1997: Der Luchs aus historischer Sicht; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 67, Deggendorf

SENITZA, Dietrich, 1997: Unsere Erfahrungen mit Luchsen; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 37, Deggendorf

SILLER, Manuela, 1994: Ethologie und Raumnutzung einer Luchsfamilie (Lynx lynx) im Landschaftsgehege des Nationalparks Bayrischer Wald; Salzburg

SLOTTA-BACHMAYER, L., 1999: Ist im Bundesland Salzburg noch Lebensraum für den Luchs vorhanden? Ein Beitrag zur Anwendung von Habitatmodellen im Naturschutz; in Umweltmonitoring und Umweltmodellierung, Thomas Blaschke (Hrsg.), S. 2237 ff, Heidelberg

SONNLEITNER, Alois, 1992: Der Böhmerwald, Seele und Pulsschlag einer Landschaft; 3. Auflage 1992, Landesverlag, Linz

SOTHMANN, Ludwig, 1997: Der Luchs in Mitteleuropa; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 5, Deggendorf

STATISTIK ÖSTERREICH: Volkszählungsergebnisse 1991 – nach Gemeinden

STANIŠA, Cvetko, 1997: Methodenvergleich zur Erhebung der Anwesenheit des Luchses (Lynx lynx L.), in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 57, Deggendorf

STIFT SCHLÄGL: Luchsbeobachtungslisten von 1988 bis 2000, Hr. Traunmüller, Forstamt Stift Schlägl

STRAHM, D., 1999: Luchs; Informationsfolder zur Sonderausstellung Luchs im Schweizer Museum für Wild und Jagd, Schloß Landshut, Utzensdorf, Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern

TOLLMANN, Alexander, 1986: Geologie von Österreich; Band III, Deuticke, Wien

UMWELTBUNDESAMT, 1996: Artenliste der in Österreich vom Austerben bedrohten Wirbeltiere;
http://www.ubavie.gv.at [22.01.2001]

VALENTA, M. & KADOCH, J.: Narodní Park Šumava; herausgegeben von der Nationalparks- und Landschaftsschutzgebietverwaltung Šumava, Vimperk, 1996

VOCKE, Jürgen, 1997: Der Luchs in Deggendorf – Gemeinsames Symposium von Jägern und Naturschützern; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 1, Deggendorf

VÖLKEL, Jörg, 1995: Periglaziale Deckschichten und Böden im Bayerischen Wald und seinen Randgebieten – als geogene Grundlagen landschaftsökologischer Forschung im Bereich naturnaher Waldstandorte; in: Zeitschrift für Geomorphologie, Neue Folge, Supplementband 96, Borntraeger, Berlin, Stuttgard

VOHRYZKA, K., 1973: Hydrogeologie von OÖ, Land OÖ, Linz

WEINZIERL, Hubert, 1997: Der Luchs als Jagdfreund; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 3, Deggendorf

WILD, Florian, 1997: Grünbrücken für Wildtiere müssen genügend breit dimensioniert sein; Artikel im Bulletin 3/97, Artikel 5 des Bundesamts f. Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) – Schweiz, Bern
www.buwal.ch.bulletin/1997/d3a05s01.htm [25.10.2000]

WILHELMY, H., 1994: Geomorphologie in Stichworten, Endogene Kräfte, Vorgänge und Formen; Verlag F. Hirt, 5. Auflage, Druckhaus Grasl, Bad Vöslau

WINTER, Stefanie, 2000: Qualitatives Interview; Leitfaden für qualitative Methoden der Sozialforschung des Instituts für Wirtschafts- und Organisationspsychologie der Universität Mannheim
www.rz.uni-karlsruhe.de/~map/nqualitatives_interview_b.html [30.11.2000]

WOLFBAUER, J., 1996: Erforschung und Bewertung des Grundwasserpotentials im Kristallin der Böhmischen Masse in OÖ, Abschlußbericht im Auftrag der OÖ Landesregierung, Wasserbau; erstellt an der Montanuniversität Leoben, Abt. für Technische Ökosystemanalyse; Leoben

WÖLFL, Manfred, 1997: Luchs wohin? Tierisches und Menschliches aus dem Bayrischen Wald; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 23, Deggendorf

WÖLFL, Manfred, 1999: An- und Einsichten zu Großtierarten im Bayrisch-Böhmischen Grenzgebirge - Meinungsbild zur Akzeptanz gegenüber Großtierarten in der Natur- und Erholungslandschaft des Bayrisch-Böhmischen Grenzgebirges; Studie im Auftrag der Regierung von Niederbayern

WÖLFL, Manfred, 1999: Der Luchs im Böhmerwald – Recherchen zum Status einer bedrohten Tierart; Studie im Auftrag der Regierung von Niederbayern

WORLD LYNX, ohne Jahr: Homepage World lynx – Information zum Luchs, Norwegen
http://lynx.uio.no/jon/lynx/lynxhome.htm [30.01.2001]

WOTSCHIKOWSKY, Ulrich, ohne Jahr: Räuber-Beute-Beziehungen – im Spiegel von Wissenschaft und Zeitgeist; Artikel auf der www-Seite der Wildbiologischen Gesellschaft München;
www.wildlife-society.de/pages/raubbeut.htm [25.10.2000]

WOTSCHIKOWSKY, Ulrich, 1997: Die Angst der Jäger vor dem Luchs; in: Der Luchs in Mitteleuropa; Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern, Band 5, S. 13, Deggendorf

WWF Schweiz, 1998: Der Luchs: Ein bedrängter Jäger; Schweiz
www.wwf.ch/german/campaign/luchs.html [ 28.05.1999]

WWF Schweiz, 1999: Die Zukunft für den Luchs in der Schweiz ist weiterhin ungewiss; Pressetext vom 6. Jänner 1999, Zürich
www.wwf.ch/german/current/presse_34 [ 28.05.1999]

WWF Schweiz, 1999: Makabere Post im WWF-Briefkasten!; Pressetext vom 4. Feber 1999, Zürich
www.wwf.ch/german/current/presse_38 [ 28.05.1999]

WYDEVEN, Adrian P. et al, ohne Jahr: GIS evaluation of wolf habitat and potential populations in the Great Lakes States;
timberwolfinformation.org [ 05.11.1999]

ZIMMERMANN, Fridolin, 1998: Dispersion et survie des Lynx (Lynx lynx) subadultes d’une population réintroduite dans la chaîne du Jura; Université de Lausanne, KORA-Bericht Nr. 4, Muri

ZEDROSSER, Andreas, 1996: Der Wolf (Canis lupus) in Österreich – Historische Entwicklung und Zukunftsaussichten. Forschungsinstitut WWF Österreich, Studie 25, Wien


Diese Seite ist ein Auszug aus oben genannter Arbeit.
© Thomas Engleder, 2001 (tho.mas@gmx.at)


 

links:

Thomas Engleder

önj Haslach