Sommersemester
2002

 

Grundlagentexte der feministischen Philosophie II

[Kurzbeschreibung]
[Stichwörter]
[Seminarlektüre]
[Ort und Zeit]
[Vorbesprechung]
[Programm]
[Zeugniserwerb]
[Sprechstunde]
[Kontakt]


LV-Leitung: Dr. Silvia Stoller
LV-Nummer: 601 638
Kennziffern: 8, 3
Typ: UE, Blockveranstaltung (2-st.)
Ort: Institut für Philosophie,
Universität Wien, Universitätsstraße 7, 3. Stock, 1010 Wien, HS 3F
Vorbesprechung: Mo, 11. 3. 2002, 14-16 Uhr, HS 3F
Zeit: Fr/Sa 14./15. 6., 21./22. 6., 28./29. 6. (Fr: 13-17 Uhr, Sa: 10-14 Uhr)


Kurzbeschreibung

Im Studienjahr 2001/02 werden über 2 Semester hinweg "Klassiker" der feministischen Philosophie des 20. Jahrhunderts gelesen werden. Im Wintersemester 2001/02 stand Simone de Beauvoirs 1949 in Paris erschienene klassische Studie Das andere Geschlecht auf dem Programm,  anhand dessen u. a. die Grundzüge des so genannten "Gleichheitsfeminismus" erarbeitet wurden. Im jetzigen Sommersemester widmen wir uns der Hauptvertreterin des so genannten "Differenzfeminismus": der französischen Philosophin und Psychoanalytikerin Luce Irigaray. Gelesen werden große Teile von Das Geschlecht, das nicht eins ist (frz. 1977, dt. 1979), ein bis heute provozierender Text.
Das Ziel der Lehrveranstaltung besteht in der Klärung folgender Fragen: Worin besteht der Unterschied zwischen Gleichheits- und Differenzfeminismus? Was heißt feministische Philosophie aus differenztheoretischer Perspektive? Aber auch: Was sind die Grenzen des Differenzfeminismus? Welche Rolle spielt der weibliche und der männliche Körper in Irigarays Philosophie? Nicht zuletzt stellt sich mit Irigaray die Frage nach der "Methode" feministischen Philosophierens. Und: Was bleibt angesichts des vorherrschenden poststrukturalistischen Feminismus vom Differenzfeminismus übrig?
In der Lehrveranstaltung wird ein textnahes Vorgehen favorisiert werden. Die als Übung konzipierte Lehrveranstaltung eignet sich für StudienanfängerInnen ebenso sehr wie für fortgeschrittenere Studierende sowie für HörerInnen anderer Studienrichtungen. Grundkenntnisse in der Psychoanalyse sind vorteilhaft, aber nicht Voraussetzung.

Stichwörter

Philosophie des 20. Jahrhunderts, Feministische Philosophie, Geschlechtertheorie, sexuelle Differenz, Geschlechterdifferenz, Körper

Seminarlektüre

Gallop, Jane: "Lip Service", in dies.: Thinking Through the Body. New York: Columbia University Press 1988, S. 92-100.

Giuliani, Regula: "Der übergangene Leib: Simone de Beauvoir, Luce Irigaray und Judith Butler", in: Phänomenologische Forschungen, Neue Folge 2, 1. Halbband 1 (1997), S. 104-125.

Irigaray, Luce: Das Geschlecht, das nicht eins ist. Berlin: Merve 1979.

Dies.: Speculum. Spiegel des anderen Geschlechts. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1980.

Dies.: Ethik der sexuellen Differenz. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1991.

Dies.: Genealogie der Geschlechter. Freiburg: Kore 1989.

Klinger, Cornelia: "Beredtes Schweigen und verschwiegenes Sprechen: Genus im Diskurs der Philosophie", in: Hadumod Bußmann / Renate Hof (Hg.): Genus. Zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften. Stuttgart: Kröner Verlag 1995, S. 34-59.

Kuster, Friederike: "Luce Irigarays Ethik der sexuellen Differenz", in: Phänomenologische Forschungen, Neue Folge 1 (1996), S. 44-66.

Postl, Gertrude: "(Über) den Körper sprechen: Materialität und Diskurs in der gegenwärtigen Gender-Debatte", in: Eva Waniek / Silvia Stoller (Hg.): Verhandlungen des Geschlechts. Zur Konstruktivismusdebatte in der Gender-Theorie. Wien: Turia + Kant 2001, S. 117-135.

Schor, Naomi: "Dieser Essentialismus, der keiner ist - Irigaray begreifen", in: Barbara Vinken (Hg.): Dekonstruktiver Feminismus. Literaturwissenschaft in Amerika. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1992, 219-246.

Young, Iris Marion: "Humanismus, Gynozentrismus und feministische Politik", in: Elisabeth List / Herlinde Pauer-Studer (Hg.): Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1989, S. 37-65.

Die Texte liegen am Montag (Nachmittag), 18. 3., im Handapparat in der Institutsbibliothek in Form von Kopien auf.

Ort und Zeit

Blocktermine (siehe Programm), Institut für Philosophie, Universität Wien, Universitätsstraße 7, 3. Stock, 1010 Wien, HS 3F, 13-17 Uhr (freitags) und 10-14 Uhr (samstags).

Vorbesprechung

Mo, 11. 3. 2002, Institut für Philosophie, Universität Wien, Universitätsstraße 7, 3. Stock, 1010 Wien, HS 3F, 14-16 Uhr.

Programm (Blocktermine)

1. Sitzung: Fr., 14. 6., 13–17 Uhr (EINFÜHRENDES)

1. Einführung -- Silvia Stoller
2. Gleichheitsfeminismus versus Differenzfeminismus (Young 1989) -- Doris Pfabigan
3. Die eingeschriebene Geschlechterdifferenz (Klinger 1995) -- Daniela Kersic

2. Sitzung: Sa., 15. 6., 10–14 Uhr (GESCHLECHT)

1. Die sexuelle Differenz (Irigaray 1991, 11-28) -- Ruth Benczak
2. Das weibliche Geschlecht (Irigaray 1989, 169-198) -- G. Lang/V.Weidinger

3. Sitzung: Fr., 21. 6., 13–17 Uhr (SCHAMLIPPEN)

1. Wenn unsere Lippen sich sprechen (Irigaray 1979, 211-224) -- Andrea Gipperich
2. Ein Volumen ohne Konturen (Irigaray 1980, 282-299) -- Elisabeth Schäfer
3. Zur Körpermetaphorik I (Kuster 1996) // Zur Körpermetaphorik II (Gallop 1988) --   A. Pieper/I. Maron

4. Sitzung: Sa., 22. 6., 10–14 Uhr (PSYCHOANALYSE)

1. Freuds Auffassung vom weiblichen Geschlecht (Freud 1933) -- Nicole Schwarzbier
2. Irigarays Freud-Interpretation I (Irigaray 1979, 33-48) -- Christine Hadrava
3. Irigarays Freud-Interpretation II (Irigaray 1979, 48-69) -- Ursula Ziegler

5. Sitzung: Fr., 28. 6., 13–17 Uhr (METHODE)

1. Mimesis (Irigaray 1979, 70-88) -- Martin Greiner
2. Frau-Sprechen (Irigaray 1979, 125-154) -- M. Geider / B. Stroj

6. Sitzung: Sa., 29. 6., 10–14 Uhr (DEBATTEN)

1. Essentialismusfrage (Schor 1992) -- Katrin Feichtinger
2. Butler und Irigaray (Postl 2001) -- Cornelia Schadler
3. Körper bei Irigaray (Giuliani 1997) -- Peter

Jeweils HS 3F

Zeugniserwerb

Zeugniserwerb durch Referat und Mitarbeit in der Übung. Mündliche Prüfung oder schriftliche Arbeit nach Absprache.

Sprechstunde

Jeweils nach den Seminaren bzw. nach Übereinkunft.

Kontakt

E-Mail: silvia.stoller@univie.ac.at

"Also, gerade die philosophische Ordnung muß hinterfragt, durcheinandergebracht werden, insofern als sie die sexuelle Differenz zudeckt." (DG 166)

"Weil mein Wunsch gerade nicht der ist, eine Theorie der Frau zu machen, sondern dem Weiblichen seinen Ort in der Differenz zu besorgen." (DG 165)

"Jede bisherige Theorie des Subjekts hat dem »Männlichen« entsprochen. In der Unterwerfung unter eine solche Theorie verzichtet die Frau, ohne es zu wissen, auf die Besonderheit ihrer Beziehung zum Imaginären." (SP 169)

"Die sexuelle Differenz stellt eine der Fragen oder die Frage dar, die in unserer Epoche zu denken ist. Jede Epoche hat - Heidegger zufolge - eine Sache zu »bedenken«. Nur eine. Die sexuelle Differenz ist wahrscheinlich diejenige unserer Zeit." (ESD 11)

"Damit das Werk der sexuellen Differenz Wirklichkeit werden kann, ist in der Tat eine Umwälzung des Denkens und der Ethik notwendig. Alles in der Beziehung zwischen Subjekt und Diskurs, Subjekt und Welt, Subjekt und Kosmischem, zwischen Mikro- und Makrokosmos muß neu gedeutet werden. Alles, und als erstes das Faktum, daß das Subjekt sich immer männlich bestimmt hat, auch wenn es vorgab, universell oder neutral zu sein: der Mensch." (ESD 12 f.)

"Die sexuelle Differenz markiert eine Grenze, aber es handelt sich nicht um ein Mehr oder Weniger. Sie ist nicht quantifizierbar. Sie entzieht sich dem ökonomischen Kalkül, dem totalitären oder absoluten Wissen." (ZGD 72)

"Die Umkehrung der Macht interessiert mich nicht ..." (ZGD 90)

***

SP = Speculum (Frankfurt 1980)

DG = Das Geschlecht, das nicht eins ist (Berlin 1979)

ESD = Ethik der sexuellen Differenz (Frankfurt 1991)

ZGD = Zur Geschlechterdifferenz (Wien 1987)

 

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Zuletzt bearbeitet: 16. 03. 02 (S. Stoller)