Projekt: “Antisemitismus und Judentum im österreichischen Parlament 1861 bis 1938”

Sept. 2008 bis Sept. 2010: Projektmitarbeit (IPW), Leitung: Prof. Eva Kreisky
(Fördergeber: Zukunftsfonds der Republik Österreich; Nationalfonds der Republik Österreich für die Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus)

In dieser Studie wurde die Partizipation jüdischer ParlamentarierInnen an Debatten des Abgeordnetenhauses und des Nationalrats des Parlaments sowie Manifestationen und Wandel von Antisemitismus im parlamentarischen Kontext analysiert. Dazu wurden Fallstudien zu Debatten aus zentralen Politikbereichen (Gewerbepolitik, Migrationspolitik, Nationalitäten- und Sprachenkonflikte, Presse- und Kulturpolitik, Wahlrechtsdebatten sowie Wissenschafts- und Universitätspolitik) durchgeführt und dafür Reden, Interpellationen/Anfragen und Gesetzesanträge in einem diskursanalytischen Verfahren vergleichend bearbeitet. In diesen Fallstudien wurden antisemitische Stereotype und Argumentationsmuster sowie Positionen jüdischer Abgeordneter und ihre Verteidigungsstrategien gegen Antisemitismus herausgearbeitet. Die Ergebnisse zeigten, dass das österreichische Parlament einen zentralen Ort der Transformation von ‚traditionellem‘ Anti-Judaismus zu modernem Rassenantisemitismus als wirkmächtige anti-liberale, anti-sozialistische, anti-kapitalistische, anti-urbane, anti-intellektuelle und nationalistische Politikstrategie darstellte. Aber auch Widerstand von Seiten der jüdischen ParlamentarierInnen sowie Konflikte um jüdische Identität zwischen liberalem Universalismus, nationalem Assimilationismus oder nationaljüdischem Zionismus prägten den parlamentarischen Alltag.

Mehr Infos zum Projekt gibt es im uni:view Magazin.