Gala zur Auszeichnung der Hertha Firnberg- und Elise-Richter-Stelleninhaberinnen 2012

Der FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) unterstützt mit diversen Stipendien WissenschafterInnen aus allen Fachdisziplinen. Das Elise-Richter-Programm richtet sich an Senior-Postdoc-Wissenschafterinnen, mit Ziel der Qualifikation zur Bewerbung um eine in- oder ausländische Professur.

Allgemeine Infos zum Hertha Firnberg- und Elise Richter-Programm finden sich hier!

Die Broschüre zur Gala mit allen Stipendiatinnen kann hier gelesen werden!

Die Fotos zur Gala wiederum sind in dieser Galerie aufgeführt.

Unten angeführt ist meine Rede anlässlich der Gala und der Auszeichnungen:

Sehr verehrte Damen und Herren, liebes Publikum,

Mein Forschungsfeld Militär und Sicherheitspolitik gilt wohl als der am stärksten männlich dominierte und auch am stärksten männlich definierte Bereich einer Gesellschaft. Die Figur des Kriegers wird bis heute als universales Symbol für Männlichkeit angesehen. Doch wenn wir die Wissenschaftsgeschichte betrachten, ergeben sich zahlreiche Parallelen zwischen dem militärischen und dem universitären Bereich. Rationalität, Intellekt und Wissenschaftlichkeit wurden in der europäischen Moderne nämlich mindestens genauso mit Männlichkeit assoziiert, wie Kriegertum, Kampfbereitschaft und militärische Ehrvorstellungen. Und auch heute noch ist die Spitzenforschung in allen Disziplinen von männerbündischen Strukturen geprägt. 

Diese historisch gewachsene Assoziation von Wissenschaft und Forschung mit männlichen Tugenden ist der Hintergrund, vor dem Frauenförderungsprogramme wie Herta Firnberg und Elise Richter beurteilt werden müssen: Sie sind nicht dazu da, jene zu fördern, die es aufgrund vermeintlicher Defizite sonst nicht geschafft hätten, sondern sie sollen sicherstellen, dass die beste, innovativste und exzellenteste Forschung nicht durch gängige Stereotype von Männlichkeit und Weiblichkeit erschwert oder gar verhindert wird. 

Der zweite Kontext, in dem die Förderprogramme des FWF betrachtet werden müssen, ist die schwierige Situation von Nachwuchswissenschafterinnen und Nachwuchswissenschaftern an den österreichischen Universitäten. Diese ist geprägt von prekären Anstellungsverhältnissen, bürokratischen Hürden, oftmals unrealistischen Anforderungen an Publikationstätigkeit und Mobilität sowie der generellen Abwesenheit von planbaren Karriereverläufen – Strukturmerkmale, von denen wir aus der Geschlechterforschung wissen, dass sie besonders Frauenkarrieren negativ beeinflussen.

Für viele der Stipendiatinnen, die heute ausgezeichnet werden, war daher vor wenigen Monaten vermutlich noch unklar, ob ein Verbleib in der Wissenschaft überhaupt möglich sein wird – und das an einem Punkt in ihrer Karriere, an dem sie anderswo schon als etabliert gelten würden. 

Die Programme Herta Firnberg und Elise Richter tragen daher wesentlich zur Schaffung lebbarer Karrieremodelle für Frauen in der Wissenschaft bei und die Nachricht über den Erhalt des Stipendiums hat sicherlich bei allen Stipendiatinnen unbeschreibliche Freude, Erleichterung und auch Vorfreude ausgelöst – Vorfreude darauf, die Forschungsprojekte, die bisher in Antragstexte eingezwängt waren, zum Leben zu erwecken.

Und diese Freude und Vorfreude dürfen wir heute mit unseren Familien, Freunden und Freundinnen feiern und dafür danke ich im Namen meiner Mitstipendiatinnen:

Dem Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und seinem Präsidenten Christoph Kratky.

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des FWF, die für unsere Anliegen und Fragen immer ein offenes Ohr haben.

Dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, vertreten durch Bundesminister Karlheinz Töchterle.

Und nicht zuletzt unseren Familien, Freunden und Freundinnen, Kollegen und Kolleginnen, ohne deren Unterstützung eine Karriere in der Wissenschaft nicht nur einsam, sondern gänzlich unmöglich wäre.

Vielen Dank!

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