Die mittelalterliche Kirche Maria Himmelfahrt in Winzendorf,
Bezirk Wiener Neustadt, Niederösterreich
Baugeschichte und die kunsthistorische Bedeutung der vorbarocken Anlagen

Rudolf Koch, Wien

Aus: Die mittelalterliche Kirche Maria Himmelfahrt in Winzendorf, VB Wiener Neustadt, Niederösterreich, Archaeologia Austriaca, Bd. 74, 1990, S. 153 - 161. [Gesamtindex]

1. Einleitung

Im Jahre 1377 bestätigt der Erzbischof Pilgrim von Salzburg die Stiftung einer Wochenmesse „in capella beatae virginis Mariae in Winssendarff“ durch Stephan, den Pfarrer zu St. Egyden, und Johann den Teufel zu Winzendorf. Eine weitere Nennung, welche indirekt auf das Alter der Kirche schließen läßt, findet sich auf der Inschriftenplatte zum Epitaph des Erasmus Teufel auf Landsee von 1561, wo es heißt, daß „das Geschlecht der Herrn Teufel über 300 Jahr alhier ihre Stift und Begräbnis haben“. Die Kirche bestand demnach schon vor der Mitte des 14. Jh.s Der archäologisch-kunsthistorisehe Befund zeigt jedoch, daß bereits im letzten Drittel des 13. Jh.s ein heute noch im Aufgehenden erhaltener Sakralbau und Reste eines älteren Profanbaus vorhanden waren. Neben der mittelalterlichen Bautätigkeit kam es zur Reformationszeit unter dem Patronat der Teufel zur Errichtung einer Art Erbbegräbnis, welches wesentlich an der Ausgestaltung der Kirche Anteil hatte und einschneidende Veränderungen für den mittelalterlichen Karner südlich der Kirche erbrachte. Die barocke Umgestaltung der Kirche ist bis auf die Aufrichtung eines mächtigen Westturmes (im 19. Jh. aus statischen Gründen abgetragen und durch den noch bestehenden Westflankenturm ersetzt) und spätere Veränderungen im 19. Jh. und um 1950 nur schwer ohne ausgedehntes Quellenstudium erfaßbar. Da der bedeutungsmäßige Schwerpunkt von Kirche und Karner bzw. Kapelle in die Zeit vor dem 18. Jh. fällt, konnte aus zeitlichen Gründen nur auf die beiden älteren Epochen näher eingegangen werden <1>.

2. Baubefunde und Datierungen der Kirche


Phase I: Chorquadratkirche mit längsrechteckigem Presbyterium (Bau I)

Der erste Kirchenbau in Winzendorf wurde als Chorquadratkirche mit längsrechteckigem, kreuzrippengewölbtem Presbyterium errichtet. Der Schlußstein der Chorwölbung dürfte später abgearbeitet worden sein. Der Umfang des Altbestandes ist am Außenbau an der Gliederung durch einen einfach abgeschrägten Sockel, das einfach gekehlte Traufgesimse, den Ostgiebel und ein schmales, trichterförmiges (Lanzett-)Fenster in der Chorwand zu erkennen. Der obere Abschluß dieses Ostfensters wurde allerdings durch ein nachmittelalterliches Rundfenster zerstört. Das ursprünglich flach gedeckte Langhaus ist von auffallend gedrungener Rechteckform und hatte sein Hauptportal im Westen. An der nordwestlichen Ecke konnte ein rechteckiger Hocheinstieg freigelegt werden, der lagemäßig nicht auf den Dachboden <2>, sondern auf eine Westempore führte. Sie wurde im Zuge der Kirchenerweiterung im 15. Jh. (Phase II) abgetragen. Ihre Ansatzstellen an den Längswänden verschwanden durch den Einbau des Wolfgang Matthias Teufel-Grabmals im Norden bzw. durch das Susanna Teufel-Epitaph im Süden.

Zwei schräg geführte Mauerzungen vor der Westwand von Bau I sind älter als dieser und gehörten vermutlich zu einem Profanbau. Durch Ziegelfunde im Verband des nördlichen Fundamentrestes sind sie ins 13. Jh. zu datieren <3>.

Phase 1 a: Quellenanlage mit Abflußsystem

Unmittelbar an der Ostwand des Presbyteriums beginnt eine Quellfassung mit gemauertem Abflußsystem, welches nach Westen verläuft und eine blind endende Abzweigung in Richtung Sakristeitüre aufweist. Der eigentliche Abfluß setzt sich ins Langhaus fort und biegt dort nach Norden um. Das System zeigt an allen Verbindungsstellen mit den Chor- bzw. Langhausmauern und am Abstieg beim Sakristeiportal Baufugen, nicht jedoch zwischen der Quellfassung und dem Kastenaltar. Der Durchbruch des Abflußsystems im Fundamentbereich der Langhausnordmauer und die Fortsetzung außerhalb des Baus I sind durch Überlager und Steinplatten abgedeckt <4>. Der Durchbruch des Abflußsysterns in der Langhausnordwand wurde daher nicht nachträglich ausgeführt, da die Fundamentgestaltung auf die Quellfassung und das Abflußsystem Rücksicht nimmt. Der Stipes des Kastenaltares und das System wurden in einem Zuge bzw. unmittelbar im Anschluß an das Hochführen der Chorfundamente errichtet. Die Datierung wird durch Ziegelfunde im Steinverband des Kastenaltares (gleiche Formatgruppe wie die Gewölbeziegel des Presbyteriums und des nördlichen Fundamentrests des Profanbaus) gestützt <5>. Die auffallende Hochlage des Presbyteriums bestand bereits bei Bau I. Die Stiegenanlage vor der Sakristeitüre (Ziegelbögen und Steinstufen) ist allerdings durch Baufugen vom System getrennt und gehört der Phase II a an.

Datierung und Deutung

Die einfach gekehlten, relativ dünnen und deutlich hochrechtwinkelig entwickelten Rippen des Chorgewölbes, welche ohne Vermittlung von Diensten und Kapitellen unmittelbar aus der Wand anlaufen, die schmale, kaum gekehlte Form des Fenstergewändes und die Dominanz der Wandfläche haben ihre unmittelbare Entsprechung in der Bettelordensarchitektur des ausgehenden 13. Jh.s. Zum Einfluß der Bettelordensarchitektur auf die nichtklösterliche Architektur gehört auch die allgemeine Rücknahme aufwendiger Architekturgestaltung (z. B. Flachdecke statt Langhauswölbung, Wandgliederung durch Strebepfeiler oder Dienste) und die Tendenz zur Bildung von Langchören (längsrechteckiger statt quadratischer Chorraum?). Zur Datierung der Gewölberippen vergleiche z. B. Langenzersdorf (ca. 1280 ff.). Die Ziegelformate entsprechen denen in Wien, Sterngasse 5 (13. Jh. bzw. um 1300).

Der relativ gedrungene und kleine Bau I mit Westempore und Hocheinstieg läßt an den Typus der Burg- und Herrschaftskapellen denken. Im Zusammenhang mit den Mauerresten des 13. Jh.s unmittelbar vor der Westwand von Bau I und weiteren, nicht näher deutbaren Mauerzügen außerhalb der jetzigen Kirche wären Bezüge zu dem von M. A. Becker <7> postulierten „Edelhof“ (jener der frühen Teufel von Winzendorf?) zu überlegen.

Phase II: Erweiterung des Langhauses nach Westen, Wölbung desselben mit Kreuzrippengewölben

In dieser Phase wird das Langhaus um das jetzt noch bestehende Joch nach Westen erweitert und - ursprünglich flach gedeckt <8> - mit dem noch bestehenden Kreuzrippengewölbe über Konsolen gewölbt. Dadurch war es notwendig, die ältere Westwand und die Westempore abzutragen. Der Hocheinstieg auf die erste Empore verlor seine Begehbarkeit, da die Öffnung nun durch die Gewölbeschale beeinträchtigt wird.

Datierung und Deutung

Die doppelt gekehlten Tonrippen des Langhausgewölbes lassen sich mit Beispielen aus den 60er und 70er Jahren des 15. Jh.s vergleichen <9>. Die Erweiterung fällt somit in eine Zeit, als die Marienkirche bereits pfarrliche Rechte besaß und ist aus dem gesteigerten Platzbedarf erklärbar.

Phase II a: Rechteckiger Kapellenanbau nördlich des Chores, bauliche Veränderung des Abflußsystems

Der an die Nordseite des Chorquadrates angebaute Raum mit Kreuzrippengewölbe über Konsolen war ursprünglich nur vom Chor aus durch das verstäbte Schulterbogenportal und über drei in die Sockelmauer gebrochene Stufen zu betreten. Das erste von insgesamt vier Fußbodenniveaus bildete ein in Resten nachgewiesener Mörtelestrich (ohne Belag?), welcher unmittelbar über dem Außenniveau des Friedhofes (Knochenfunde und teilweise Keramik) errichtet wurde. Zu dieser ersten Baustufe gehören auch ein einlagiger, geglätteter Wandverputz mit Weihekreuzen und die Fundamente eines Blockaltares. Im Bereich des Kerns des Stipes fehlte an der Ostwand der Kapelle der Verputz, während der überstehende untere Teil des Stipes ursprünglich mit senkrecht stehenden Platten verkleidet war, welche erst nach Aufbringung und Glättung des Verputzes angebracht worden waren. Eine dieser Plattenverkleidungen, eine gotische Reliefplatte mit Blendmaßwerk, wurde nach Abtragung des Altares als Spolie zur Abstützung des erkerartigen Chörleins am Karner (Umbau des 16. Jh.s) eingebaut. Der Blockaltar wurde jedoch unmittelbar mit der Fertigstellung des daher als Kapelle anzusprechenden Raumes aufgeführt, wie die Reißmarken für die Plattenverkleidung im geglätteten Putz belegen. Im Stipeskern fanden sich die Reste eines Portalgewändes, welches zwar aus dem 15. Jh. stammt, jedoch im Zusammenhang mit dem Abbruch der Langhauswestwand des ersten Kirchenbaus gesehen werden muß. Dieses Gewändefragment dokumentiert bereits eine Modernisierung der Ursprungskirche, wie auch ein im Schutt unter dem Kirchenboden vorgefundenes Fragment eines Schulterbogenportals des 15. Jh. nahelegt.

In das Abflußsystem der Quellfassung im Chor wurde im Zwickel zwischen Triumphbogen und Kapellenportal ein mehrstufiger Abgang angelegt, der deutlich vom übrigen Mauerwerk getrennt ist. Als Auflager für die Abdeckung des Einstiegs dienen zwei gedrückte Ziegelbögen der gleichen Formatgruppe wie im Blockaltar <10>. Die Gründe für diese bauliche Veränderung sind nicht konkret faßbar, ein Zusammenhang mit der Befestigung der Kirche wäre denkbar.

Datierung und Deutung

Die relativ schweren Rippen des Steingewölbes und die Rippenform, ein kantiges, kreuzförmig gekehltes Profil, sind als Übergangsformen vom schweren zum eckigen Stil anzusehen. Terminus post quem ist die Erweiterung des Langhauses (Portalspolie im Blockaltar), daher bald nach 1460/70. Die Ziegelformate im Blockaltar, in den Ausflickungen beim Schulterbogenportal (chorseitig) und in den Gurtbögen des Stiegenabganges beim Abflußsystem vor dem Kapellenportal entsprechen ebenfalls Ziegelformaten der 2. Hälfte des 15. Jh.s <11>.

Phase II b: Befestigung der Kirche

Im Dachgeschoß der Kapelle haben sich an der West- und Ostseite knapp über dem Boden Reste von Schießscharten erhalten. Der obere Abschluß dieses Geschosses ist jedoch durch spätere Umbauten bzw. durch den Abbruch in der Dachzone verunklärt. Am Außenbau der Kirche fallen besonders die beiden imposanten Kragsteine im Ostgiebel des Chorquadrats auf, welche zu einem später abgetragenen Gußerker (Schutz des Chorfensters) gehören.

Datierung

Terminus post quem ist die Errichtung der (doppelgeschoßigen?) Kapelle. Ein zeitlicher Zusammenhang mit der 1. Türkeninvasion wäre möglich.

Phase III: Umgestaltung der Kirche zur herrschaftlichen Grablege der Teufel, Umbau der Kapelle zur Sakristei, Renaissance-Epitaphien

Während der Reformationszeit kam es unter dem Patronat der protestantischen Teufel vor allem zur Umgestaltung des Innenraumes. Zubauten und Kirchenerweiterungen sind nicht nachzuweisen. Archäologisch sind eine Absenkung des Kirchenbodens im Langhaus und damit die Kappung des Abflußsystems bis zum Triumphbogen sowie eine Anhebung des Bodenniveaus in der der nördlichen Chorkapelle unter Abtragung des Blockaltares festzustellen. An der Langhaussüdwand wurde die gemauerte Gruft für Susanna Teufel (gest. 1590) eingetieft. Der mächtige Gruftdeckel gibt mit seiner abgetretenen Oberseite das Langhaus-Bodenniveau dieser Umgestaltungsphase an. Vom Kirchenpflaster (quadratische Tonfliesen, teilweise mit Wappenstempeln versehen) haben sich Reste erhalten, in der nun als Sakristei benützten Chorkapelle wurden die Abdrücke des gleichen Fliesenbelages im Mörtelbett festgestellt. Eine Inschriftenplatte mit ausführlicher Biographie des Christoph Teufel (gest. 1570) lag über der nördlichen Erweiterung des Abflußsystems <12> beim Triumphbogen unmittelbar vor seinem Epitaph, welches den Verstorbenen in voller Rüstung zeigt. Die Inschriftenplatte dürfte an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort gelegen sein, die Erweiterung des Abflußsystems könnte daher als Gruft verwendet worden sein. Auch hier ist das Langhausniveau des 16. Jh.s belegt.

Eine weitere bauliche Maßnahme ist das in die Nordwestecke des älteren Langhausteiles in eine Nische eingestellte Grabmonument für den 1587 bei Krakau gefallenen Wolfgang Matthias Teufel. Von diesem Monument haben sich auch die Reste der Fresken erhalten, welche Aufschluß über die malerische Ausgestaltung der Kirche geben. Zuletzt muß noch auf das Wappenepitaph für Herzogin Elisabeth von Sachsen (gest. 1594) hingewiesen werden, hinter dem wahrscheinlich die Urne mit den „Intestina“, also den Eingeweiden, der 1594 in der St. Moritz-Kirche in Coburg Beigesetzten verwahrt wird <13>. Für die Anbringung des Epitaphs der Susanna Teufel mußte das dahinterliegende Langhausfenster abgemauert werden <14>. Im Zuge dieser Umwidmung der Kirche zum Erbbegräbnis der Teufel könnte weiters die Verbreiterung des relativ schmalen mittelalterlichen Triumphbogens zu seiner heutigen Form erfolgt sein <15>.

Von den ebenfalls im 16. Jh. durchgeführten Veränderungen des Chorraumes sind zwei rechteckige Balkenlöcher in der Ostwand hinter dem Kastenaltar zu erwähnen, welche mit dem nicht näher bestimmbaren Altaraufbau zusammenhängen. Aus dem relativ großen Balkenformat kann auf eine massive Holzkonstruktion geschlossen werden, welche vielleicht zu einem protestantischen Kanzelaltar gehörte <16>.

Datierung und Deutung

Als Terminus post quem für die einheitliche Umgestaltung kann der Hinweis im Visitationsprotokoll von 1544 herangezogen werden, in welchem von der Einziehung der Kirchengüter und der Verlagerung des kirchlichen Lebens nach Emmerberg berichtet wird <17>. Das älteste Renaissance-Monument ist in dem von seinen Brüdern Georg, Christoph und Andreas für Erasmus nach 1552 errichteten Denkmal erhalten. Spätestens mit der Aufrichtung des Epitaphs für Christoph Teufel um 1570 dürften die Umgestaltungen abgeschlossen worden sein <18>. Dies wird durch den Umstand gestützt, daß das größte Wappen der Bodenfliesen (Abb. 1) vom ungarischen Staatswappen abgeleitet ist und mit Erasmus bzw. Christophs politischer Tätigkeit in Ungarn in Zusammenhang gebracht werden kann <19>.

 
Weitere Bauphasen: Barocker Westturm und Westempore, Turmbau des 19. Jh.s, Sakristeianbau und Oratorium, neugotische Innenausstattung

Das umfangreichste Bauprojekt des 18. Jh.s war die Errichtung eines mächtigen Westturmes (1776) über der spätgotischen Erweiterung des Langhauses und der Einbau einer Orgelempore (um 1950 abgetragen). Aus statischen Gründen wurden die Mauern am Außenbau und im Bereich der alten Westmauer verstärkt, allerdings unzureichend, was 1882 die Abtragung und Errichtung des noch bestehenden Turmes an der Nordwestecke bedingte. Desgleich bestand eine kleine westliche Vorhalle, welche beim letzten Turmbau wieder entfernt wurde. Das Innere wurde mit einer neugotischen Einrichtung (Kanzel, Altar und Oratorium) versehen. Vor Verlegung des letzten Kirchenbodens aus Kehlheimerplatten um 1900 fand man mehrere Bestattungen und „untersuchte“ den Sarg der Susanne Teufel, indem man die Gruft seitlich aufbrach. Im Anschluß daran erweiterte man die Gruft um ein gemauertes Beindepot mit den Knochen der vorgefundenen Teufel-Bestattungen. Teile der dem neugotischen Altar zum Opfer gefallenen Mensenplatte des Kastenaltäres wurden neben anderen Architekturspolien zerbrochen im Mauerwerk des Verbindungstraktes zwischen Karner-Kapelle und Kirche verbaut <20>.


3. Baubefunde und Datierungen des Karners bzw. der Gruftkapelle

Phase I: Freistehender Karner

Durch den zweigeschoßigen Typus wird dieses Gebäude in seiner ursprünglichen Widmung eindeutig als Karner identifiziert. Vom Urbau haben sich das rechteckige Kapellen-Obergeschoß einschließlich der Giebelschrägen und das Ossuarium mit einem rechteckigen Fenstergewände <21> an der Ostseite erhalten. Auch die Kredenznische im Inneren stammt noch aus der Erbauungszeit. Zahlreiche spolierte Ziegel der ehemaligen Wölbung des Obergeschoßes sind in einem später (16. Jh.?, siehe Phase II) an die Ostseite des Karners angebauten Mauerzug erhalten. Die Wölbung, das Eingangsportal und die Fenster der Kapelle sowie die Innenraumgestaltung des Ossuariums wurden durch den Umbau des Karners zur Gruftkapelle um 1613 (vgl. das Epitaph der Euphrosina Teufel) verunklärt. Ein spätgotisches Relief (Kopie) aus der 2. Hälfte des 15. Jh.s im Westgiebel, das erste Thomaswunder darstellend, wurde erst später eingefügt und dürfte mit dem ursprünglichen Patrozinium nichts zu tun haben.

Datierung und Deutung

Kunsthistorisch-stilistische Anhaltspunkte für eine Datierung sind kaum vorhanden. Der Rechtecktypus ist zweifellos nicht mehr romanisch <22>, die Fensterform (Ossuarium) gotisch. Auffallend ist die aus der Kirchenachse gedrehte Orientierung des Baues, welche mit den ältesten Mauerzügen unter und vor dem westlichen Langhausjoch zusammenfällt. Die von der Wölbung des Karners stammenden Ziegelformate gehören der ältesten Formatgruppe (Chorgewölbe usw.) des 13. Jh.s bzw. frühen 14. Jh.s an. Da sich der einheitliche Bau in seiner Mauertechnik und in seiner Bauqualität deutlich vom ersten Kirchenbau unterscheidet, ist für seine Errichtung ein anderer Bautrupp verantwortlich. Vom allgemeinen Gesamteindruck her ist eine Datierung ins 14. Jh. evident. Dies legen auch die Untersuchungen H. Wolf's <23> zur Entwicklung des Pfarrnetzes und damit zur Verleihung des Sepulturrechts für Winzendorf nahe, welche die Entstehung der herrschaftlichen Pfarre Winzendorf für das 13. Jh., spätestens aber für das 14. Jh. annehmen. Die Bezeichnung „capella“ (normalerweise der Terminus für eine Kapelle oder Filialkirche im Gegensatz zu „ecclesia“) in der Urkunde von 1377 stellt dazu nicht unbedingt einen Widerspruch dar <24>. Stellt man den relativ kleinen Friedhofsbereich, der sich aus den bei Grabungsarbeiten vorgefundenen Mauerzügen erschließen läßt, in Rechnung, so spricht einiges für die Errichtung des Karners noch in der ersten Hälfte des 14. Jh.s. Die eigenartige Orientierung des Baus mit älteren Baufluchten könnte ohne Einschränkung mit dem Fortbestehen von Umfassungsmauern (des Edelhofes?) erklärt werden.

Phase II: Umbau des Karners in eine Gruftkapelle, Errichtung des erkerartigen Chörleins

In dieser Phase wurde in das Untergeschoß des Karners eine gemauerte Gruft mit segmentbogiger Längstonne und Ziegelboden eingebaut, gleichzeitig im Obergeschoß ein neues Gewölbe eingezogen. An der Ostseite wurde eine nach außen erkerartig vorgezogene Altarnische aufgeführt <25>, bei deren Errichtung neben den Abbruchziegeln des mittelalterlichen Kapellengewölbes auch Architekturteile (polygonale Wandvorlagen) und die Seitenplatte des Blockaltares in der Chorkapelle Verwendung fanden.

Das mittelalterliche Bodenniveau des Ossuariums wurde dabei erheblich angehoben, teilweise unter Einplanierung des Inhalts <26>, weitere Reste (Knochendepot) dürften unterhalb des Chörleins eingebracht worden sein. Damit in Zusammenhang steht wahrscheinlich auch der mit Baufuge angebaute, rechtwinkelig nach Süden abbiegende Mauerzug im Bereich des nun abgemauerten Ossuarium-Fensters (Abgang?). Ein Fensterdurchbruch mit Stichbogen, während der Anlage der Bauteile zwischen Kirche und Kapelle um 1950 zum Durchgang erweitert und jetzt wieder geschlossen, wurde ebenfalls aus mittelalterlichen Gewölbeziegeln errichtet <27>.

Datierung und Deutung

Wie das Epitaph für Euphrosina Teufel (gest. 1613) nahelegt, wurde der Karner zur Gruftkapelle der Teufel umgestaltet. Dies kann aus dem Vertrag von 1609 geschlossen werden, woraus nach T. Wiedemann hervorgeht, daß Hans Christoph Teufel „die von den Türken zerstörte St. Thomas-Kapelle auf dem Gottesacker aufbauen“ ließ <28>. Seine Bedeutung als sekundäre Grablege hatte der Karner schon um 1529 durch die bis heute sichtbaren intensiven Brandzerstörungen verloren, spätestens jedoch um 1544, als der protestantische Lehensherr die noch katholische Pfarre nicht wieder besetzte und die Einwohner an den Prädikanten nach Emmerberg verwies. Damit endet die rechtliche Stellung der Kirche als Pfarre bis zur Wiedererrichtung um 1835 <29> und die erste Belegungsphase des Ortsfriedhofes.


4. Die kunstgeschichtliche Bedeutung der Bauten im Mittelalter

Anläßlich der jüngsten Restaurierung möglich gewordene baugeschichtliche Befunde zeigen, daß die historische und kunstgeschichtliche Stellung des Kirchenbaus und des Karners bzw. der späteren Grabkapelle wesentlich anders verlief, als dies bisher gesehen wurde. Die Annahme, die Pfarrkirche von Winzendorf wäre eine im Kern romanische Anlage mit dem ursprünglichen Triumphbogen, muß als überholt betrachtet werden <30>. Wesentlich näher an die tatsächliche Bauabfolge kam A. Klaar in seinem Baualterplan von 1958 <31>, in dem der Erstbau als ältere gotische Anlage mit spätgotischen Zubauten erkannt wurde.

Der Erstbau von Winzendorf wurde zunächst als Kapelle vom Chorquadrattypus errichtet. Erst in einer zweiten Phase erhielt die Kapelle den Rang einer herrschaftlichen Patronatspfarre mit Begräbnisrecht. Dies belegt der zeitlich später anzusetzende Karner. Die kleine und gedrungene Grundrißdisposition der Kirche, vor allem aber die Westempore mit Hocheinstieg, welcher sicher nicht zu Wehrzwecken angelegt wurde, und die enge bauliche Nähe zu dem noch nicht bestimmbaren Profanbau haben ihre Entsprechungen im Burg- und Schloßkirchenbau, wie die romanischen Burgkapellen des nahe gelegenen Emmerberg und Saubersdorf zeigen <32>. Aus diesem Ambiente scheint auch die ursprünglich relativ schmale Öffnung des Triumphbogens in Winzendorf übernommen worden zu sein.

Vorbild für die stilistische Ausprägung der Detailformen (Rippenprofile, Fensterformen, Rücknahme aufwendiger Werk- und Schmuckformen) ist die gleichzeitige Bettelordensarchitektur. Die Übernahme dieser neuen Stilformen in die nichtklösterliche Sakralarchitektur hat schon R. K. Donin erkannt <33>. A. Klaar stellte an zahlreichen Kirchenbauten in Niederösterreich fest, daß diese Stilformen seit dem letzten Drittel des 13. Jh.s, vor allem aber im 14. Jh., für den hochgotischen Landkirchenbau bestimmend wurden <34>. Für die an Pfarrkirchen angebauten sogenannten Grabkapellen konnte ebenfalls der Nachweis der stilistischen Abhängigkeit von der Bettelordensarchitektur erbracht werden. Der erste Bau von Winzendorf steht stellvertretend für die Übernahme dieses Stils bei selbständigen herrschaftlichen Patronatskirchen.

Die Quellfassung mit Abflußsystem gehörte, den Befunden nach zu schließen, nicht zum ursprünglichen Plankonzept und entstand erst im Zuge der Errichtung von Bau I. Eine Interpretation der Kirche als „Quellheiligtum“ entbehrt somit jeder Grundlage. Die Verbindung von Altar und Quellsystem ergab sich aus der baulichen Situation und wurde zwangsläufig als sakrosankt angesehen. Anhaltspunkte für die Art der kultischen Einbeziehung, wie z. B. Nachrichten über eine Wallfahrt, fehlen in Winzendorf leider gänzlich <35>. Das Abflußsystem läßt zwar an die von G. Binding beschriebenen Quellen und Brunnensysteme aus dem frühen und hohen Mittelalter denken, jedoch weicht die verzweigte Form des Abflußsystems in Winzendorf deutlich von den meist kreuzförmig und dreigeteilt angeordneten Kanälen (bedingt durch die symbolische Bezugnahme auf die drei Paradiesesströme) dieser Anlagen ab <36>. Auffallend ist die Größe des Systems und seine Begehbarkeit, sowie in diesem Zusammenhang die Wahl eines Kastenaltares, der nach J. Braun im 13. Jh. aufkommt und normalerweise zur Aufnahme des Altargerätes und der Reliquien dient <37>, für die im Erstbau von Winzendorf schon die Sakraments- und Kredenznische eingerichtet waren. Eine Klärung dieser Fragen wäre vielleicht durch eine Untersuchung des mittelalterlichen Brauchtums möglich.

In der spätmittelalterlichen Kirchenerweiterung wurde der Bedeutung der angewachsenen Kirchengemeinde Rechnung getragen. Der Anbau der Chorkapelle dokumentiert ein typisches Phänomen der Volksfrömmigkeit dieser Epoche, das sich in einer Vermehrung der Benefizien, Altar- und Meßstiftungen manifestiert. Nach den Forschungen R. Wagner-Riegers <38> sind in jenen, seitlich an den Chor angefügten gotischen Kapellen, welche, wie in Winzendorf, später oft als Sakristeien verwendet wurden, herrschaftliche Begräbniskapellen und Privatkapellen im Sinne von Seelgerätstiftungen der Patronatsherren zu sehen. Das beobachtete Längsprofil in einer Künette innerhalb der Kapelle belegt, daß der Bauhorizont unterhalb des ersten Estrichs nicht gestört war und die Chorkapelle allem Anschein nach nicht für Begräbnisse diente <39>. Dies spricht dafür, daß die Patronatsherren, zu diesem Zeitpunkt schon rund 200 Jahre die Teufel, vom Patronatsrecht auf eine bevorzugte Begräbnisstätte beim (Haupt-)Altar Gebrauch machten, das heißt, in Winzendorf wegen des Abflußsystems im älteren Teil des Langhauses. Zukünftige Forschungen über diesen Chorkapellentypus werden daher differenzierter auf die Patronatsverhältnisse Rücksicht nehmen müssen und auf archäologische Befunde angewiesen sein.

5. Die kunstgeschichtliche Bedeutung der Bauten und der Epitaphien während der Reformationszeit

Die wohl einschneidendsten Veränderungen und die künstlerisch eindrucksvollste Aufwertung erhielten Kirche und Karner durch die Umwidmung der Pfarrkirche von Winzendorf zum Erbbegräbnis der Herren von Teufel im 16. und frühen 17. Jh. <40>. Nachdem die kirchliche Funktion, wie aufgrund des Visitationsprotokolls von 1544 angenommen werden darf, in der ersten Hälfte des 16. Jh.s zunächst stagnierte, beginnt mit der Errichtung der Epitaphien für Erasmus und Christoph Teufel die kunsthistorisch bedeutsamste Epoche der herrschaftlichen Patronatskirche. Für die Durchführung dieses bis 1613 gewachsenen Ensembles protestantischen Begräbniskultes wurde der Kirchenraum neu gestaltet, indem das Nischenepitaph für Wolfgang Matthias Teufel an der Nordseite des Langhauses eingebaut, ein neuer, mit Wappen versehener Fußbodenbelag eingerichtet und der Triumphbogen auf Chorbreite geöffnet wurde. Mit der Ausweitung der stark durch den Memorialcharakter bestimmten Grabdenkmäler auf den seit 1529 devastierten

Karner und seinen Umbau zur Gruftkapelle durch Hans Christoph Teufel für seine erste Frau Maria Euphrosina endet diese Entwicklung <41>. Die Gründe dafür sind nicht allein in der Gütertrennung der Patronatsherren und der damit verbundenen Abwanderungen in andere Gebiete zu suchen, sondern insbesondere in der neuen geistigen und religionspolitischen Einstellung der voll einsetzenden Gegenreformation. Durch sie verliert Winzendorf seine Eigenständigkeit als herrschaftliehe Patronatspfarre, wird Filialkirche von St. Egyden.

Charakteristisch für die protestantischen Grabdenkmäler sind die gehäuft auftretenden, ausführlich auf biographische Details eingehenden Inschriftentafeln, die Dokumentation der Genealogie des Verewigten mit Familienwappen und die dominierende Vergegenwärtigung des Verstorbenen innerhalb der Kirchengemeinde durch figürliche Darstellungen <42>. Diese Merkmale haben sich mit verschiedenem Schwerpunkt in einigen ehemals protestantischen Pfarrkirchen erhalten, in Winzendorf werden sie auf relativ kleinem Raum zusammengefaßt.

Der als Spolie neben dem Kircheneingang vermauerte Inschriftenstein und der Hinweis auf das seit 300 Jahren bestehende Patronat der Herren von Teufel am Epitaph des Erasmus sind als Beleg für die „uralte“ Tradition des „Eigenkirchen-Rechts“ aufzufassen. Die Epitaphien der Susanna und Maria Euphrosina legen besonderen Wert auf die Wiedergabe des Kinderreichtums und der Tugendhaftigkeit der Bestatteten. Das Epitaph der Euphrosina geht sogar auf die genaue Todesstunde ein. Der Heldenmut und die kriegerischen Leistungen des Mannesstamms kommen in den Inschriften für Erasmus und Wolfgang Matthias zum Ausdruck. Ein besonderes Gewicht wird bei Erasmus und Christoph auf die Vorbildhaftigkeit in der Verteidigung des wahren Glaubens gelegt. Das Zitat aus dem Alten Testament auf dem Schriftband neben dem in voller Rüstung stehenden Christoph Teufel „... ein guter Name bleibet ewiglich“ verdeutlicht eindringlich die über den Tod hinaus in die Zukunft währende Ehre des Geschlechts.

Der genealogische Aspekt und damit der Blick auf die Wurzeln der eigenen Herkunft zeigt sich vor allem bei den Wappenschilden an den Epitaphien der weiblichen Familienmitglieder. Jeweils über den Familienwappen der Eltern sind die der Großelterngeneration angebracht. Das „ius inscriptionis“ der Patronatsherren, das Recht auf Anbringung von Wappen und Inschriften, nahmen die Herren von Teufel auch außerhalb der Grabdenkmäler in Anspruch, wie die vermutlich auf ihre politische Stellung Bezug nehmenden Wappen in den Bodenfliesen verdeutlichen.

Das eindrucksvollste Beispiel für die „ewige Präsenz in der Gemeinschaft der Gläubigen“ und die raumgreifende Einbeziehung eines Grabmales in die Kirche stellt die in der „adoratio perpetua“, der „Ewigen Anbetung“ zum Hauptaltar knieende Figur des Wolfgang Matthias Teufel dar. Die Errichtung dieses Monuments dürfte der Grund für die Verbreiterung des Triumphbogens gewesen sein. Der Typus hat seine Vorläufer unter den prominentesten Monumenten seiner Zeit, im Maximiliansgrabmal in Innsbruck und insbesondere im knieenden Harnisch Erzherzog Ferdinands II. in der um 1577 erbauten Silbernen Kapelle der Innsbrucker Hofkirche. Mit letzterem hat der knieende Wolfgang Matthias die hohe Aufstellung an der linken Kirchenwand gemeinsam. In Niederösterreich ist vom Typus der Kniefigur her das Hochgrab des Hans Georg von Kuefstein in Maria Laach (1607) vergleichbar. Allerdings hätte dafür in Winzendorf der Platz gefehlt. Mit Maria Laach verbindet Winzendorf ebenso die Bezugnahme auf die ruhmreichen Kriegstaten des Verstorbenen, welche dort aufwendig in Reliefdarstellungen, hier inschriftlich geschildert werden.

Nicht zuletzt muß auf die besondere Verehrung des „Stammvaters“ der protestantischen Herren von Teufel, Christoph, hingewiesen werden, dem mehrere Epitaphien gewidmet wurden: ein heute im Haus Winzendorf Nr. 14 vermauertes Bogenrelief, welches ihn und seine Frau Susanna betend zu seiten des Gekreuzigten zeigt, die Rotmarmorplatte mit dem Geharnischten neben dem Triumphbogen und die auf den Namenspatron Christophorus bezogene Inschriftenplatte sowie eine um 1840 zerstörte Holztafel mit einer Grabinschrift Hans Christophs für seinen Vater.


6. Grabdenkmäler der von Teufel <43>


Erasmus Teufel auf Landsee
Gest. 1554 in Konstantinopel. Epitaph mit Wappen der Teufel und ausführlicher Inschrift: Niederlage bei Pallascht und Gefangennahme durch die Türken. Auf Befehl Sultan Solimans aus Glaubensgründen durch die Janitscharen hingerichtet. Hinweis auf das seit 300 Jahren hier bestehende Stift und Begräbnis der Teufel. Epitaph durch seine Brüder Georg, Christoph und Andreas 1561 errichtet.

Christoph Teufel auf Frohsdorf, Pfandinhaber der Herrschaft Güns
Gest. 1. IV. 1570 im Alter von 55 Jahren. Kleine quadratische Inschriftentafel mit Wappen der Teufel: „Hie In der grufft ligt begraben Herr Cristoff Teuffl Freiher“.

Epitaph mit dem stehenden Verstorbenen in voller Rüstung, zu seinen Füßen das Wappen der Teufel. Umschrift mit Nennung der Titel und Sterbedaten. Inschrift mit Zitat nach Jesus Sirach, Kap. 41, Vers 16 (Ecclesias 41), auf die Unvergänglichkeit des Geschlechternamens hinweisend (Abb. 2).


Inschriftenplatte, zuletzt vor dem Epitaph über dem Abflußsystem liegend.

Lobpreisung Christophs unter Bezugnahme auf seinen Namenspatron Christophorus, dessen Taten als Vorbild für die Standhaftigkeit des Verstorbenen im wahren Glauben gegenübergestellt werden. Gestiftet von seiner Witwe Susanna, Erbtochter des Johann von Weisspriach.

Halbkreisförmiges Bogenrelief mit knieendem Ehepaar, den Gekreuzigten anbetend, Wappen der Teufel und der Weisspriach.

Dieses dislozierte, heute an der Außenwand des Hauses Winzendorf Nr. 14 angebrachte Relief bildete wahrscheinlich den oberen Teil eines älteren Epitaphs für Christoph und Susanna in der Kirche.

Eine Holztafel mit Grabinschrift für Christoph Teufel, von seinem Sohn Johann Christoph verfaßt und gestiftet, befand sich ursprünglich neben dessen Marmorepitaph und wurde um 1840 aus Platzgründen zugunsten der Kanzel entfernt und vom damaligen Pfarrer an einen Winzendorfer Bauern verkauft, der das Epitaph zu einem Türstock verarbeitete.

Wolfgang Matthias Teufel, erzherzöglicher Fähnrich (Abb. 3).


Gefallen 24. IX. 1587 vor Krakau im Alter von 18 Jahren. Vollplastisches Nischendenkmal mit dem gerüsteten Verstorbenen, in „ewiger Anbetung“ knieend. Inschriftentafel mit lateinischem Text, welcher die Todesursache ausführlich beschreibt, eine kleinere Inschriftentafel nennt als Stifter die Brüder Georg und Christoph.

Susanna Teufel, Erbtochter des Johann von Weisspriach und der Barbara Lonyay von NagyLonya und Vasaros-Nameny (Abb. 4).

Gest. 23. IX. 1590. Das Epitaph zeigt die halbfigurige Darstellung der Verstorbenen in einem Rundmedaillon. Darüber ein Relief mit der Gefangennahme Christi. Die Inschrift nennt ausführlich die Stellung des Gatten Christoph, die Anzahl der Kinder und den keuschen tugendhaften Lebenswandel der 20 Jahre dauernden Witwenschaft. Das Medaillon wird von vier Wappenschilden mit Umschriften umgeben, welche als Weispriach, Logney (!), Hohenwarth und Lengelin (!) gelesen werden. Johann von Weissbriach war der Sohn des Ulrich von Weisspriach und seiner zweiten Gattin Gertraud von Hohenwart. Barbara Lonyay war die Tochter des Albrecht Lonyay von NagyLonya und Vasaros-Nameny und der Elisabeth Lengyel von Lengyel-Toth.

Maria Euphrosina, Freiin von Thannhausen, Gemahlin Johann Christoph Teufels (Abb. 5).

Gest. 1613. Wappenepitaph mit Inschrift. Das Epitaph zeigt 5 Wappen: die vier Wappen der Geschlechter von Apfental, Windischgrätz, Thannhausen und Tieffenbach in den Ecken und als großes zentrales Motiv ein weiteres Wappen der Thannhausen. Die beiden unteren Wappen sind die der Eltern Euphrosinas, Johann Konrad Reichsfreiherrn von Thannhausen auf Neukirchen und Barbara Dorothea Freiin von Teuffenbach zu Maierhofen auf Oberfladnitz. Die oberen Wappen erklären sich aus der weiblichen Großelterngeneration beider. Johann Konrad von Thannhausen war der Sohn Balthasar Thannhausens und der Erbtochter des Johann Apfenthaler, Euphrosina. Barbara Dorothea von Teuffenbach war die Erbtochter des Johann Freiherrn von Teuffenbach auf Maierhofen, Oberfladnitz und Auen und der Martha von Windischgrätz. Die Inschrift des Epitaphs hebt neben den auf die Stunde genauen Sterbedaten die Anzahl der Kinder und Tugendhaftigkeit der Verstorbenen hervor.


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