PA110317-1.JPGDie Kultkammer des Kaninisut

Einleitung

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Einleitung

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Eingang

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Westwand

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Südwand

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Ostwand

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Nordwand 

 

Das Kunsthistorische Musuem in Wien besitzt eine ebenso umfangreiche wie bedeutsame Sammlung an ägyptischen und orientalischen Denkmälern. Einen besonderen Schwerpunkt der Ägyptisch-orientalischen Sammlung bilden die Werke aus dem Alten Reich (ca. 2687 - 2191 v. Cr.), darunter neben Statuen, Reliefs, Schmuck und Gegenständen aus Keramik die Kultkammer des aus der 4. oder 5. Dynastie stammenden hohen Beamten Ka-ni-nisut.

Modell der Mastaba für Kaninisut I. - III.
Modell der Mastaba des Kaninisut. Links: aufgeschnittener Teil mit Vorraum und Kultkammer für Kaninisut I.
Mitte: Vorbau und Kultkammer für Kaninisut II. Rechts: niedriger Anbau der Grabstätte für Kaninisut III.

Diese Kultkammer wurde 1913 von Hermann Junker im Westfriedhof von Giza entdeckt, ausgegraben und 1914 ins Kunsthistorische Museum gebracht. Die Wiederaufstellung - zunächst noch im Saal VI A - verzögerte sich allerdings bis 1925. Im Zuge der Neuaufstellung der Ägyptisch-orientalischen Sammlung restaurierte man die Kultkammer und verlegte sie in den ersten Saal II links vom Eingang, wo sie seit 2001 wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Modell der Mastaba Kaninisut I. - III.Grundriß der Mastaba Kaninisut I. - III. Rot: KultkammerHolzmodell und Grundriß der Mastaba Kaninisuts I. - III.

Nur der rote Teil stellt die Kultkammer dar. Davor der Lehmvorbau. Rechts davon die Kultkammer Kaninisuts II. Ganz rechts, in Breite der Mastaba, Anbau Kaninisuts III.

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Im Saal II wurde ein Holzmodell der Mastaba des Kaninisut aufgestellt, das eine gewisse Vorstellung davon gibt, daß die Kultkammer nur einen sehr kleinen Teil der oberirdischen Anlage bildete. Die eigentliche Grablege liegt rund 17 Meter unter der Erdoberfläche und ist nur durch einen senkrechten Grabschacht erreichbar.

Modell des Pyramidenplateaus mit Westfriedhof Westfriedhof
Modell des Pyramiden-Plateaus von Giza mit dem Westfriedhof. Roter Punkt: Mastaba Kaninisut I. - III. Die Mastaba schräg
nach oben links gehört zu Kaninisuts Urenkel Iren-en-re und dessen Sohn Anch-ma-re.

Einer der vier Kanopenkrüge in Saal IIScheintüre des IhaDie Mastaba für Kaninisut wurde durch seine Nachfolger Kaninisut II. und III., die sich hier ebenfalls ihre Grabstätten errichteten, an drei Seiten erweitert. Über die Lage der Mastaba innerhalb des Westfriedhofes gibt ein weiteres Modell mit der Darstellung des Pyramidenplateaus von Giza Auskunft. Eine Videoistallation, die schon 2004 auf der Pyramiden-Ausstellung (Schallaburg, Niederösterreich) gezeigt wurde, hat. ebenfalls das Giza-Plateau zum Thema. In einer Ecke stehen außerdem 4 Kanopenkrüge (ohne Angabe der Zeitstellung) mit Erklärung ihrer Funktion. Solche Kanopenkrüge stammen allerdings nicht aus der Kultkammer, sondern aus der unterirdischen Grabanlage.

Rechts neben der Kultkammer wurde die Scheintüre des Iha (Altes Reich, 6. Dynastie, um 2300 v. Chr.) aufgestellt, die ebenfalls aus einer Junker-Grabung stammt und völlig zertrümmert in der Mastaba des Nefer, Vater des Iha, 1912 gefunden wurde. Im Zusammenhang mit der Kultkammer des Kaninisut wäre es natürlich interessanter, hier die ebenfalls im Besitz des Kunsthistorischen Museums befindliche Scheintüre (Inv. Nr.: ÄS 8013) des Iri-en-re zu sehen. Man muß sich hier leider mit der SW-Aufnahme in der jüngsten Monographie der Kultkammer (Regina Hölzl, Die Kultkammer des Ka-ni-nisut im Kunsthistorischen Museum, Wien 2005, Abb. 11, Quelle: Archiv. d. Inst. f. Ägyptologie d. Univ. Wien) bescheiden, welche die Scheintüre noch in situ an der Mastaba zeigt. Nach Hermann Junker war Iri-en-re nämlich der "Vorsteher der Totenpriester der Stiftung des Ka-ni-nisut" und vermutlich dessen Urenkel. Derzeit dürfte die Scheintüre des Iri-en-re nicht in der Sammlung ausgestellt sein.

Aus den zahlreichen Inschriften und Reliefs in der Kultkammer geht hervor, daß Kaninisut ein hoher Beamter war. Junker bezeichnete ihn hingegen in seinem ausgezeichneten, 1955 in 4. Auflage erschienenen Führer, als "Prinz Kanjnjswt". Erst 2005 wurde wieder ein Führer zur Kultkammer herausgegeben, der einerseits auf Junker zurück greift, andererseits neben zahlreichen Farbabbildungen und einer ausführlichen Forschungs- und Entdeckungsgeschichte der Mastaba einen wesentlichen und erweiterten Beitrag zur allgemeinen Geschichte der Reliefkunst, der Grabarchitektur und des Grabkultes im Alten Reich darstellt. Dieser großformatige Katalog bringt außerdem einen genealogischen Überblick über 5 Generationen, der erst durch die Auswertung der Inschriften in den unmittelbar nebeneinanderliegenden Grabanlagen der Verwandten Kaninisuts möglich wurde. Offen blieb hingegen die Frage, wann Kaninisut lebte, denn schon Junker diskutierte den Zeitraum von der Mitte der 4. Dynastie (um 2520 v. Chr.) bis in die 5. Dynastie (um 2450 v. Chr.) Nach jüngerer Ansicht datiert man, vor allem aus Gründen des Reliefstils, wieder in die Zeit der 4. Dynastie.

Die Reliefs der Kultkammer verteilen sich auf die obere Hälfte des ca. 3,6 x 1,5 Meter großen, Nord-Süd ausgerichteten Raumes, dessen einzige Lichtquelle ursprünglich nur eine kleine quadratische Öffnung in der linken oberen Ecke der Südwand bildete. Die Kultkammer selbst war von einem Vorbau aus Lehmziegeln, der an die heute aufgestellte schräge Fassade anschloß, durch einen kurzen Korridor erreichbar.

Die Dekorationen und Inschriften haben folgende Themenkreise zum Inhalt:

Plan der KultkammerEingangskorridor
 + Speisetischszenen
 + Bringen eines Opfertieres
Westwand
 + links und rechts die beiden Scheintüren
 + dazwischen die Familie im privaten Bereich
Südwand
 + die zur Hauptkultstelle vor der linken Scheintüre gehörige Opferliste
Ostwand
 + eine Schlachtungsszene, die noch zur Opferliste an der Südwand gehört
 + in mehreren Registern übereinander der zur Nordwand gehörige Zug der Abgabenbringer
 + über dem Eingang Darstellung der symbolischen Bootsfahrten nach Ober- und Unterägypten