SONNTAGSBLATT 1807 - 1808 (1809)
Erstellt von Christian Aspalter und Anton Tantner

Ausführlicher Titel: Das Sonntagsblatt oder Unterhaltungen von Thomas West
Als Herausgeber des Sonntagsblattes fungiert Thomas West im Kreise einer "stillen Gesellschaft" (Vorstellung des Personenkreises in SB Nr. 2), Erscheinungsweise wöchentlich. (Gregorius Palmer)

Standort: UB: 99.893 (Bde. 1-5 (1807-1808), Band 6 (1809) nur auf WSTB, Vermutlich nicht mehr von Thomas West lt. Seidler/Seidler)


Literatur (Auswahl)

*Hilzensauer, Brigitte: Das Sonntagsblatt. Ein Beitrag zur Romantikkritik in Österreich. Diss. Wien 1976.
*König, Arthur Karl: Das Sonntagsblatt von Thomas West (Joseph Schreyvogel). Diss. Wien 1914.
*Nadler, J.: Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften. Bd. 3. Wien, 2. Aufl. 1924.
*Seidler, Herbert: Österreichischer Vormärz und Goethezeit. Wien 1982.

Verwendete Abkürzungen

Abkürzungsverzeichnis



Bd. 1

*(15. Feb. 1807 - 9. Aug. 1807), Wien: Camesina'sche Buchhandlung 1807 [K: Inhaltsverzeichnis]

Nr. 1

interessante, sehr romanhaft konstruierte Exposition der Autorschaft; Gespräch mit Dr. E** (Kulturnihilist od. nur arroganter Norddeutscher?, 3 ff.), Ermutigungen durch freundschaftlichen Besuch (Brink, 7 ff.), Ansprüche des Schreibens bzw. des Wortergreifens (11), das Pathos und der kalkulierte Respekt (Angst vor den Erwartungen, die man im Publikum weckt) des Autors sind nicht zu übersehen

Nr. 2

*Zueignung, der klassische weibliche Genius (Frau Elisa von Norberg, Tochter des Freiherrn von Sorben)
*Vorstellung der "stillen Gesellschaft" (interessant scheint mir dabei, dass die Personen des "Geheimbundes" durchaus als romantische Existenzen durchgehen könnten - allesamt irgendwie verkrachte Aussteiger ins Private - Rückzugsexistenzen), Brink: talentiertes Rentierssöhnchen, aus der Bahn geworfen durch "ernsthafte Herzensangelegenheit", Dandy? (25 f.); Herr Capitän von Solms: großartiger Militär mit selbsteingestandenen "Mangel an Geistesgegenwart", Landwirt (26 f.); Gregor Palmer: religiöser Spinner, äh Utopist (27 f.), Herr Friedrich Ernst: Rhetor, schreibt am liebsten in lat. Sprache; Herr Morfeld: abenteuerreisender Weltkenner

Nr. 3

*über die Erziehung des Autors, sein Untalent etwas darzustellen, die großen Pläne seiner mathematischen Tante, Goethes "Wilhelm Meister" eine Parodie seiner selbst! (36), sein "Julius Cäsar" für die Tante (40), sein künstlerisches Unglück als Berufung zum Kritiker (42 ff.), welche Theaterzeitung S.45?? der Theaterbesuch als Liebesbezeugung zu dieser Kunst zu lesen als captatio benevolentiae (46 ff.)

Nr. 4

*das Familiengemälde der Sorbens (ein sich vorzeitig aus dem öffentlichen Leben zurückgezogener Freiherr von Sorben (51), zwei Söhne im Staatsdienst: August: Militär (sein älterer Sohn wird vom Großvater erzogen, Amalie, seine liebenswürdige Frau und noch zwei Kinder, 66), Ferdinand: Amt, Widerspruchsgeist der jungen Generation, Tochter: nunmehr Elisa von Norberg), der Garten der Karthause in der Pflege und Bewirtschaftung des alten Sorben als Allegorie für eine kluge Politik der bewahrenden Veränderungen (57 ff.), ein romantischer Abendspaziergang durch den Garten (67 f.)

Nr. 5

*grundsätzliches Streitgespräch zw. Vater und Ferdinand um den Begriff "Neuerungen" (romantisch vs. konservativ) -> Kopien

Nr.5 - 15.3.1807

*(Besuch bei Frhr v Sorben in Kartause A..ch - wurde 1782 aufgehoben - bei M..k: Streitgespräch zwischen Vater und Ferdinand (jüngere Sohn, vgl 66) über Begriff "Neuerungen": (71) Vater wird von Erzähler gefragt, ob er alte Stiftungen wieder einrichten will oder die die noch bestehen nicht eingehen lassen will; antwortet: "Das Letztere vielleicht, das Erste niemals. Wo einmahl ein Anfang gemacht, und der gemeine Mann in seiner hergebrachten Denkart irre geworden ist, wird es nicht leicht seyn zu bestimmen, wie weit man fortschreiten, oder wo man stehen bleiben soll. Nur lasse man sich nicht einfallen, rückwärts zu gehen! Ich bin ein Feind von Neuerungen, aber von allen. Es gibt umgekehrte Neuerungen, und das sind die schlimmsten." | derselbe: "Man glaubt doch immer etwas Gewaltsames und Unzeitiges mit dem Worte Neuerung auszudrücken. Veränderungen, die aus der Natur der sache entstehen, und daher weder unvorbereitet noch unerwartet sind, werden nie so genannt. Alle Neuerer habenden Charakter der Willkühr und Eigenmächtigkeit. Es ist aber natürlich, daß in wichtigen Dingen gegen muthwillige Veränderungen sich ein Widerstand erzeugt, und daß die Versuche dieser Art | von der Partey, die sich zum Alten hält, mit gehässigen Nahmen belegt werden." Ferdinand: "Die Mathematik, die gegründetste unsrer Erkenntnisse, hat nut Erweiterungen zu erwarten; die bloße Idee von Neuerung ist hier lächerlich, aber auch die eines Stillstandes. Hingegen sind die Wissenschaften, die ganz in die Luft bauen, und in denen man wenig mehr als Worte hat, voll Neuerungen und Ketzereyen, ohne jemahls einen Schritt weiter zu thun." | Vater: Kopernikus Galilei Harley waren keine Neuerer; | Buchdruckerkunst ist "keine Ketzerey"; | (76) China-Kritik des Sohns (dort Beharrlichkeit, | kann keine selbständige Kraft entstehen); Vater: für Ruhe; | "die Tendenz des Zeitalters, aus aller Form, und durch alle Schranken der Gewohnheit zu brechen, muß uns mit Furcht erfüllen."; || Vater hält Reformen für unvermeidlich, fürchtet aber unreifen "Geist des Reformators"; ||

Nr. 6 - 22.3.1807

*Brief von Amalie, zärtliche Aufregung um den Karthausenartikel und Aufforderung zum literarischen Austausch, positive Antwort Ws.
Brief von Amalie v Sorden: sie sehnt sich nach Büchern, aber es gibt selten Neuigkeiten, als ob Schreiben aus Mode gekommen wäre; "Sogar die Herren Schlegel sind stumm geworden." (87)
*Gespräch mit Brink über das scheinbar großartige Trauerspiel "Der Machtspruch", eine wahre Tragödie ("Bocksspiel", 91), der geheime = mechanische Plan der Handlung (das geniehafte, unbewußte des Autors, der sein Publikum kennt, z.B. Kotzebue -> "Volksdichtung" ?? 92 f.), Herr Ziegler und sein Publikum in Wien (93), lähmendes Wortspiel mit "Pfiff" 94 ff., Ahndung (97 f.) /zweite Erwähnung der glänzenden Schauspielerin Frau Roose (s. Nr. 1)/ und allg. Polemiken um das Trauerspiel in Wien (98 ff.)

Nr.7 - 29.3.1807

*Eingeständnisse autorherrlicher Eitelkeiten (101 f.), Wirkungslosigkeit der Zeitschrift und Brinks Vorschlag eines "Spektakels" (102 ff.) mit selbstironischen Inszenierungsvorschlägen desselben durch die "stille Gesellschaft" (letztendliche Verwerfung desselben - Grund: siehe Name! der Gesellschaft, 104), Konkurrenz von Theater und Kanzelreden (104) "und bis jetzt scheind die Herausgabe meiner Wochenschrift keine wesentliche Veränderung in den Geschäften und Vergnügungen der Haupt- und Residenzstadt Wien verursacht zu haben." (102) Möchte "mehr Eingang in die Welt"
*Brief eines Herrn Bastian Reinhard, der Theater als Arznei verschrieben bekam, geg. die gegenwärtigen "Spektakelstücke" (109)
*Norbert und Elisa, prototypisches Ehepaar der bürgerlichen Gesellschaft

Nr.8 - 5.4.1807

*Medizinische Dramaturgie und Ästhetik
*Brief des bereits erwähnten Arztes (Nr. 7), der von seiner wahnwitzigen empirischen Studie über "medicinische Dramaturgie bzw. Ästhetik" (119 ff.) zu berichten weiß -> Ausrichtung nach der Reizbarkeit des Rezipienten mit Nomwerten und allem was dazugehört (den gesundheitsschädigenden/letalen Werten), z.B. Goethe und Lessing sehr gesund doch Schiller schon Werte über 50! - "Ida" ?? tödlich
*Traum von Brink: Wien ist nun "die östliche Hauptstadt des Reiches." (132)
*Brinks Traum von der veränderten kaiserlichen Residenzstadt (T.1); "Nach dem Tode ist nichts widersinnig." (131)

Nr.9 - 12.4.1807

*Samuel Brink möchte sich mit N-D Dr. E duellieren "um die Ehre des deutschen Südens gegen die Insulten eines Norddeutschen zu retten" ; Brink: (140) "Herr E. verachtet Alles, was südlich unter der Breite von Jena liegt, welches er als den eigentlichen Wendepunct des deutschen Genies und Verstandes betrachtet. Er nimmt für bekannt an, daß der Kopf oder eigentlich das große Gehrn und das Herz Deutschlands im Norden seyen; das kleine Gehirn, dessen Function durch Gall näher bestimmt ist, daß Gebiß und den vierfachen Magen aber sucht er im Süden. Denn anch des Doctors Vorstellung ist Deutschland ein wiederkauendes Thier, von etwas seltsamer Gestalt. *)" Anm: vgl Jg 1806 des Freymüthigen, der Zeitung für die elegante Welt, der preußischen Staatsanzeigen etc; | Beschreibung des Krabbe; | satirisches Gespräch über Krieg Süden gg Norden, va gg Journalisten; |
*Brinks bevorstehendes Duell mit Dr. E** aufgrund einer Auseinandersetzung im Theater um "Bianca della Porta", E** beleidigte den süddeutschen Raume, da er alles jenseits von Jena dem "Kleinhirn" zugehörig beschreibt (140! K.), wunderliche Krabbe (141), der arrogante Journalismus im Norden (Nicolai, Falk, Merkel) und die tapfere Basis im Süden (142f.) ->Schlachtenlärm (Parallelkreise?) und außerdem: "Eine kleine hübsche Bäuerin in der Provence oder in Vlencia hat mehr Witz, als nöthig ist, dem gelehrten deutschen Professor, und allen Studenten zu Halle und Jena die Köpfe zu verrücken." (141), Gregor Palmer und die Physiognomie der Handschriften (145f.) - Verbindung zu Gall (Mordlüsternes und Exotisches), Aprilscherz: Forderung=die einer Dame
*Über "Alphonso der Gerechte" am Theater an der Wien, geflopte Premierenvorstellung und ein Verriss nach der heiligen Dreieinheitslehre (152 ff.), Autor: Herr St. (???)

Nr.10/11

*Schlegel, nun predigen "die Jünger der neuen Lehre" (182)
*Skepsis gegen das "Original", das in "keine Form paßt" (179) : "Der wahrhaft originelle Kopf trotzt den Regeln eben so wenig, als er sich denselben mit Absicht unterwirft: aber die Regel ist in seinen Werken, und wird daraus abgeleitet" (178 f.), scharfe Zurückweisung von Kritik an Lessing (180), Jakob Böhme bliebe als einziges dt. Original übrig (180), unbegründete Geniesucht der Jugend im Gefolge von Lessings "Dramaturgie" und seinen "Literaturbriefen" - umgekehrte Schule (181), ad F. Schlegel, Fichte, der olympische Goethe, Kant und die Folgen -> "die saturnalische Poetik" (188 f.) {man möchte Staaten regieruen und Kranke heilen nach demselben Prinzip wie man Sonet oder Tragödie schreibt} erster wichtiger Brief der Romantikkritik (Kopien!) Naturphilosophische Betrachtung (nach der neuesten Schule eben) über die komische Kraft des Prügelns auf der Bühne, "Das Nicht-Ich zum Ich im Prügeln gesetzt." 194) - gute Polemik gegen Fichte, Kant, Schiller, Leopoldstädter Theater etc., Theater als Erziehungsanstalt (199)

Nr.12

*zu Ehe
*Ehegespräch und Leserbrief
*Über Minna von Barnhelm am Kärntnerthor-Theater und dem Ekel am Volkstheater (220 ff.): "Glauben Sie nicht, daß Lessing sein Trauerspiel [E.G.] lieber verbrannt, als zugegeben hätte, es von einer solchen Emilia, einem solchen Marinelli, einer solchen Claudia bis zum Ekelhaften verunstalten zu lassen?" (223)

Nr. 13

*Über die Eigentümlichkeit des Wiener Witzes und eine Antithese von Kants Def. des Witzes (228f.), Kritikerbrief (230 ff.) an den Hrsg. - Vorschlag zur Herausgabe eines Alltagsblattes (233) vom Schreiber der Theaterzeitung? (235), die beigelegte Probe (236 ff.)
*Brief der Amalie v. Sorben: Ochsenheimer (Schauspieler) als "Dupplicat" bzw. "Nachahmer" von Iffland (239)

Nr. 14

*Friedrich Ernst an A. v. Sorben über Schriftsteller, Schriftstellerey etc. *Herr Ochsenheimer in Wien (Marinelliinterpretation, 255)

Nr. 15

*Über Collins Hinwendung zum "feinen Lustspiel" (261 ff.) um das tragische Theater vor dem Tod zu retten (Schauspielerverkümmerung in der schlechten Komödie)->Replik auf Collins Aufsätze im Morgenblatt 67 u. 68 (1807), "Thalia wird es ihm schwerlich verzeihen, daß er sie zur Zofe seiner Schwester herab würdigen will; und Komus ist zu etwas Anderem gut, als den Tanzmeister der tragischen Muse zu machen." (266), gegen den Reim im LS (267), über Colins seltsame Lessinginterpretation: Öffnung der poetischen Sprache zur "Gemeinheit"! --> Prosa (270 ff.), Lessing als äußerster Punkt der Kunstkritik (257 f.) und etwas zu Collins sprichwörtlicher Bescheidenheit (278 ff.)

Nr. 16

*Platt'sch Ambitionen (Bestienspektakel: "Tippo Saib") und Brink'scher Kommentar zu Melchior Lunas "Nachrichten aus dem Monde"
*Freundschaft ohne feine Sitten
*Die Wünsche
*Buchstaben Räthsel

Nr. 17

*Landpause, gegen die Aufhebung der Sommerpause auf dem Theater, Abgrenzung von den "Klatschgeschichten unseres Theaters im Morgenblatt" (305)
*Erklärung des Dr. Wiederhold über den Traum des Fürchtegott Scheuniemand (Hans Fasel), in der Zeitung für Theater, Musik und Poesie: Verteidigungsschrift der Theater-Zeitung seines Patienten gegen das Sonntagsblatt (310) - Versuch einer plutonischen Heilung (311 f.)
*Brief von J. Schreyvogel [sic] an den Redacteur des Morgenblattes ->Richtigstellungen bezüglich Nachahmungsverdächtigungen das Sonntagsblatt betreffend (313 ff.)

Nr.18

*Collin gehört nach Sprache seiner Aufsätze zur neuesten Schule. (321f); Spricht S.320 von romantischer Dichtung
*Wieder gegen Collins Lustspieltheorie, pro Gottsched und nat. für Lessing und Goethe, gegen die neue Schule (320), Collin, der allen Schulen irgendwie angehört als Krönung der Mittelmäßigkeiten (Iffland, Kotzebue, Holbein, Ziegler, Treitschke, 322), wider die Parteilichkeit im Morgenblatt (323f) -> gegen die Morgenblattkritik eines Rezensenten der Annalen, der den guten Treitschke nicht sehr sanft angefasst hat ("Orakelsprüche der ästhetischen Fetisch-Diener", 324)
*Lyrischer Einschub (empfindsam-romantisch?) mit Buchstabenrätsel (325 ff.)
*Herr Haide debütiert im Fache Herrn Langes (Liebhaber) -> Wielandempfehlung (331)

Nr.19 - 21.6.1807

*Brief an Hrsg von M.G.: "Vorschlag zu einer literarischen Consumtions-Tabelle" (337-342) (337) (..) | "Was erstickt die echte Literatur? Was verdirbt den guten Geschmack?
Hauptsächlich wohl unstreitig das viele kunterbunte Zeug, welches in unserer neuesten Zeit der allgemeinen Verwirrung, aus Eitelkeit, aus der Sucht originel und neu zu scheinen, Systemen-Erfinder und Schulen-Stifter zu seyn, sohäufig zu Markte gebracht wird, welches dann der Ton des Tages zur Mode-Leserey stempelt, und dem Publicum fast gewaltsam aufdringt. Man werfe einen Blick auf die Kamehl-Ladungen von Ritter- Geister- und Zauber-Romanen, auf die Banditen-Geschichten, auf die drastischen, platischen, nonsensikalischen Schauspiele, auf die poetischen Poesien, tc., woraus sich der Geschmack bilden soll!
Man besehe die Schreibereyen über den transcendentalen Idealismus, den transcendentalen Synthetismus, den transcendentalen Skepticismus, den Empirismus, die Apodiktik, die Archimetrie, das Absolute, tc., tc., auf die sich unsere philosophische Kenntnnise gründen sollen!
Solch lose Speisen dem lesehungrigen Publicum aus den Zähnen zu schaffen; solche geschmackleere Waare jeder Gattung strenge hindan zu halten: dieß wäre allerdings die erste nothwendige Arbeit, | um bessere Kenntnisse zu verbreiten, weil ja bekanntlich geschrieben steht: Sapientia prima est, stultitia caruisse.
Leider vergehen immer kaum ein paar Jahre, wo nicht eine neue Albernheit im Gebiethe der Literatur erscheint, die sogleich Proselyten macht, und of schon weit um sich gegriffen hat, ehe noch rechtliche Männer Zeit und Gelegenheit finden, gegen dieselbe zu warnen und sie zu entlarven.
Um solchen Unheil zu steuern, mache ich ihnen einen Vorschlag. Wie wäre es zum Beyspiele, wenn Ihr Verleger alljährlich zu Ende der Fasten, - weil bis dahin aus Mangel öffentlicher Lustbarkeiten, und wegen der unpractikabeln Spaziergänge noch etwas mehr gelesen wird, - mit den übrigen Buchhändlern, aus den Verkaufsbüchern derselben eine ordentliche Lese-Bilanz zöge, und dann eine Literarische Consumtions-Tabelle über die verkauften Bücher verfertigte, wie man über die jährlich zu Markte gebrachten körperlichen Nahrungsartikel hat?
Vielleicht thäten diese Tabellen für das Reich der Wissenschaften eben so ersprießliche Dienste, wie weiland das Wargentinische Tabellenwerk | (340) für die genaue Kenntniß des Schwedischen Populations-Zustandes gethan hat.
Indessen, bis diese heilsame Anstalt zu Stande kommt, will ich Ihnen mittheilen, was ich - freylich nach sehr unvollkommenen und mangelhaften einzelnen Nachforschungen und Nachrichten - über diesen Gegenstand gesammelt, und nach analogen Datis über die ganze Sache abstrahirt habe.
Ich nehme das Maximum von Lectüre für eine Stadt wie Wien = 100 an; was darüber geht, ist Schwelgerey und Exceß; ein Fall, der in Lectüre-Angelegenheiten bey meinen lieben Landsleuten seit Menschengedenken nur zweymahl eingetreten ist, im neunten Decennio des achtzehnten Jahrhhunderts, mit den damahligen tagesbroschüren, und noch vor kurzem mit den Ritter- und Geister-Romanen.
Was in öffentlichen Lehranstalten, so wie von Männern, die sich ernsthaft mit den Wissenschaften beschäftigen, gelesen wird, kommt hier nicht in Anschlag. Es ist nur von derjenigen Lectüre die Rede, welche sich die eleganten Leute haben zu Schulden kommen lassen; und da sind bekanntlich nur die philosophischen Schriften und die Werke der schönen Litteratur in Gefahr, von | ihnen gelesen zu werden. Von diesen Geschenken der Musen wurden nun, soviel ich in Erfahrung gebracht habe, vom Ostersonntag 1806, bis zum Charsamstage 1807, gelesen:

Classiker 1/100
Romane schlechte 33
do. gute 2
Comödien, Tragödien, Singspiele, Liederspiele, dramatisirte Mährchen, und sogenannte dramatische Gedichte 27
Lyrische Gedichte, Epopöen, Lehrgedichte, Satiren, Sinngedichte, und andere regelmäßige Dichtungsarten 2
Gründliche Kritiken 17/100
Erziehungsschriften 13/100
Länderkunde 3
Geschichte 1 29/100
Politik 1/100
Artistische Schriften 39/100
Alterthümer
Griechische Classiker -
Journale und ungelehrte Zeitungen 30
Summa Summarum 100

| (342) Eingeschärzt sind 19 einzig mögliche Philosophien, die aber ungelesen von Tabackskrämern in Beschlag genommen wurden.

Von diesen 100 waren:
Deutsche Lectüre 64
Französische 28
Englische 6
Italienische 1
Facit 100
Salvo errore calculi

Sie, mein Herr! und ihre Gesellschaft, werden diesen ersten mangelhaften Entwurf leicht berichtigen, ergänzen, und vollständiger ausbilden können. Zu einem größeren Grade von Vollkommenheit gebracht, würde eine solche Tabelle, meines Erachtens, als ein ziemlich richtiger Geschmacksmesser dienen können, und nach den jährlichen Oscillationen desselben, nach dem merkbaren Steigen und Fallen dieser oder jener Leserey, würde es Ihren Verbündeten nicht schwer fallen, der Lectüre überhaupt, und somit auch der Literatur, von Zeit zu Zeit gewisse vortheilhafte Richtungen zu geben. M. G."

Nr.20 - 28.6.1807

*Zeichensprache der Damen in Wien (Shawl-Sprache) (349)

Nr. 20

*Über "Shawl-Sprache" der Damen zu Wien (349 ff.) Über Hrn. Haide als Goethes Beaumarchais (Schule, Schauspiel etc., 354 ff.)
J. Weissenthurn über ihr Ritterstück "Adelheid, Markgräfin von Burgau" (interessantes Selbstverständnis ihres Schreibberufes, 364), stofflich geht es irgendwie um das Stück: "Der Wald bei Herrmannstadt" (362)

Nr. 21

*Der blinde, stumme, taube Glückliche wird durch Heilung unglücklich, weil er seine wahrhaften Eindrücke der Gesellschaft nicht verschweigen will (Allegorie auf das Kritikerdasein - Sonntagsblatt), Sonderbeobachtung! 365ff., durch Kritik jemanden in seiner Existenz auslöschen (369)
*Bitte eines um seine beiden Töchter (Betty, Susanne) besorgten Vaters an den Hrsg. zur Anlage einer nach moralischen Gesichtspunkten bewerteten (á la Wiederhold) Damenbibliothek (371 ff.), Empfehlung "Clarissa", Warnung: gängige Liebesromane, Don Juan, Menschenhaß und Reue
*Allegorisches Gedicht über den Tod der zwölfjährigen Agathe (378 ff.) Nr. 22

*Besuch einer starken Salondame (381 ff.)
*Über Hrn. v. Platts Aufstieg zum Rezensenten (391), seine modische Art (389 ff.), seine neue Begriffsmystik (Kritik der neuen Schule, 392f.) und über Schillers bilanzierende Abhandlung im Morgenblatt ("Poetik und Poesie", 393)
*Eine Herzensangelegenheit eines 13-Jährigen Mädchens moralisch abgehandelt von der ehrwürdigen Elisa v. Norberg (394 ff.)

Nr.23 - 19.7.1807

*M.G.: "Meditation über die Visit-Karten" (S.404-408): "Schwall von buntscheckigen Bildchen"; (404); | viel Karten gibts, manche unentbehrlich: "Wie könnten die Heroen der Weltgeschichte, die Eroberer, ihre Operationsplane entwerfen ohne - Land-Karten? Wie könnte die feine Welt ihre Winterabende hinbringen ohne - Spiel-Karten?" -Verweis auf Holländer Pinto, der diese neben Straßenpflaster und Straßenbeleuchtung zu drei großen Hebeln zählt, die Menschen aus düsteren MA in geselschaftlichen Verbindungen der neuen Welt gebracht hätten; "Wie könnten die Klienten, die Supplikanten, die Liebhaber, die Schmeichler, die Erbschleicher tc. tc. ihrenHof so fleißig machen ohne - Visit-Karten?" | -Kleinstädterei des großen Wien, sich immer und ewig angratulieren zu lassen.
*Anstößiges in Wien Von Landkarten über Spielkarten zu Visit-Karten (404 ff.) *Dr. Wiederhold: Bezug auf A. v. Burgau und "Der Wald v. Herrmanstadt" (Brokmann) - 40, Schauspieler: Hr. Roose, Mdm. u. Hr. Roberwein

Nr.24/25 - 2.8.1807

*H. Frank: Deutsche Journale. Brief an Herrn Friedrich Ernst. (413-435)
*gg "Leute, die nie gedacht, und außer Hunger und Durst, auch kaum etwas gefühlt haben, sich anmaßen, die Menge über die höchsten Anlagen des Menschen. über den Sinn (418) | und die Bedeutung des Lebens, und über die Kunst, die den Menschen und das Leben umfaßt, zu unterrichten? Darf man es dulden, daß unwissende Scribenten unwissende Leser belehren, wie man das Wissen füglich entbehren könne?" -Unwesen, daß neueste Schriftsteller treiben konnte geschehen, da erste Hauptstadt der Deutschen ua größere Städte keinen Einfluß auf Lit nahmen; bessere Köpfe Wien, Berlin ua waren verhindert, Unverstand entggzuarbeten; dadurch konnte in kleinen Städten Sachsens, Franken Schwabens "jeder lebhafte junge Mensch, wie er aus der Schule trat, und oft noch früher, die öffentliche Meinung zu leiten übernahm. Von Wien insbesondere erzeugte sich bey den auswärtigen Bildnern der Glaube, daß wir ihres Unterrichts in einem hohen Grade bedürftig wären. Mancher verließ nun die kleinstädtische Heimath, wo man seine Talente bewunderte, wenn auch nicht bezahlte, und kam nach Wien, um großmüthig und | menschenfreundlich die ungebildeten, aber reichen Österreicher zu polieren. Ja man hat es erlebt, daß Leute, die nicht den ersten gelehrten Unterricht erhalten und sich nur aus Noth und Verzweiflung den Musen geweiht hatten, an die Spitze eines literarischen Geschäftes sich drängten, und sich anmaßten, die Sorge für Angelegenheiten des Geschmacks zu übernehmen, obgleich sie ihrer Muttersprache kaum mächtig waren." -diese haben sich der meisten Journale bemächtigt; so laut, daß Verständigen kaum gehört werden; Horen, Propyläen von kurzer Dauer; Freymüthige, Merkel, Zeitung für die elegante Welt, unter Spazier, erhielten sich nur durch Condescenc gg Plattheit; Morgenblatt konnte schon gebahnten Weg vorfinden; | zufällig, daß einige gute Aufsätze drinnen; | Held des Morgenblatts: Friedrich Treitschke; |
*Briefe an Hrn. Friedrich Ernst 1 gebildete Stände (414) u. Morgenblatt, geg. ausländ. Missionierungseifer in Wien (419 ff.), geg. Treitschke (492 ff.), interessante Verbindung von Gozzi und Treitschke (423 ff.) "Zobies" - wienerische Bearbeitung (Skandal!) Amoureuses (435 ff.) T.1 - Schwärmerkritik?

Nr. 26

*Briefe an Hrn. F. Ernst 2
*geg. Treitschke als Übs. Amoureuses T.2 (verheiratete Charlotte)

2.Bd. (30. Aug. 1807 - 3. Jan. 1808)



Nr. 27

*Brink der Volontär in der Freundschaft und in der Liebe über seinen Plan einer Italienreise und die hinterlassenen Papiere zur Fortsetzung seines Traumes (1 ff.) -> "Der vernünftige Tag"(6) [signifikant? für das SB: Zusammenstellung von Traum und Vernunft!!], polit. Zusammenhang mit den "allgemeinen Friedensunterhaltungen"? (8) *Mad. Bürger als Gräfin Orsina (9 ff.), als Oktavia zusammen mit Mad. Roose (12 f.), über das Zusammenspiel von Autor und Figur (Rolle) und Schauspielerinnen (14 f.): die mittelmäßig Figur in der Hand des göttlichen Schauspielers (Namenliste v. Aut., Fig., Schausp.)

Nr. 28

*Frank über "Seltsame Zumutungen" (17 ff.): Personen, die an ihn herangetreten sind, um ihre Klatschgeschichten in der Form der Satire im SB loszuwerden -> Grundsätzliches über die Satire (22 ff.): geg. die Wiener Lokaldichter (22), moral. Gefährlichkeit des Imaginierten bzw. Ausgesprochenen: "Lycurg wollte kein Gesetz gegen den Vatermord geben, damit die Möglichkeit eines solchen Verbrechens nicht bekannt würde. Mit gleicher Delikatesse muß der Schriftsteller die Abscheulichkeiten der Menschen mit Stillschweigen übergehen." (22), die Notwendigkeit der Satire nur im Falle der anmaßenden, arroganten Torheit, dann wenn "die Torheit des Einzelnen allgemein zu werden [droht]" (23), "Plattköpfe" (24)
*Merkwürdiges Tagebuch einer jungen Dame (25 ff.): Dido's Leben und Meinungen während einer Woche (28 ff.) -> über die Seichtigkeit des Seins

Nr.29 - 30.8.1807

*Gespräch Über Rostorf Hg Dichtergarten: |-| Palmer: einleitende Worte von F Schlegel (FS) sollten Dichter beachten; Frau v Sorben: (37) | in Oden von Uz und Kleist mehr religiöse Empfindung als im Dichtergarten
*Die stille Gesellschaft (inkl. Elisa, Amalie) über Rostorfs "Dichtergarten", der "frömmelnde Aberwitz" (38), das "elende Reimgeklingel", die gottlose Philosophie des Herrn Fichte und Schelling (40 ff., K), über Collins (Morgenblatt 121) und Franz Horns (Übers. Thyestes) kunstphilosophische Anmaßungen (42 ff., K), die redliche Meinung über Gott von Amaliens Kidermagd (45 f.),
*Armida an Th. West Tibetanische Freizügigkeit im Hause der Armida (Morefeld), 46 ff., Weibertratsch (48)

Nr.30 - 6.9.1807

*Bastian Reinhard an Hrsg: 49-58 Vorschlag zu Beförderung des Handels, hätte ursprgl für Sonntagsblatt verfaßt werden sollen; (49) | hält es mit jenem Engländer, der Vergrößerung der innern Kräfte der Nation für wünschenswert hält; | Idee eines allgemeinen Welthandels ist eine der erhabensten, unterscheidet Kaufmann von Krämer; diese Wahrheiten werden noch nicht allgemein anerkannt, manche Menschen sind kindisch genug, den Stand des Kaufmanns zu hassen; "Gegen diese Idioten hatte ich in meiner Abhandlung bewiesen: daß, wie die Agricultur und die Gewerbe, das Fleisch und Blut des Staatskörpers, und wie Wissenschaften, Kenntnisse oder der Verstand überhaupt, die Nerven sind, welche der organisirten Maschine Leben und Empfindung geben: so sey die Handlung das Adersystem, wodurch das Blut circulirt, und an allen Theilen, selbst den Nerven, Nahrung und Lebenssaft zugeführt wird." | Beschäftigung der Müßiggänger: | (53) Fabriksgebäude in Nähe Wiens zu errichten, darin unnütze Frauenzimmer und Männer über 40 Jahren; junge Taugenichts aber nach Triest, auf Schiff und auf wüste Insel zur Anlegung einer Kolonie; || doppelte Buchhaltung für Küchenrechnungen; Bilanz-Conti über wechselseitige Gedulg zwischen Eheleuten; Courszettel für Ehelustige
*Bastian Reinhard an Th. West über eine geplante ökonomische Abhandlung mit Beschäftigungstherapie für Taugenichtse (49 ff.), weitere geplante lit. Unterfangen: doppelte Buchhaltung über Küchenrechnung (55), Bilanzkonti zwischen Eheleuten (55), Courszettel für Ehelustige (55 f.), Mitteilungen übers Theater (57 f.): pos. Opern von Gluck, Iphigenie, neg. Abällino, Klara von Hoheneichen, Fiesko (einfach ungesund), Apologie der Geldkuppler (59 ff.)

Nr. 31

*Über den Chor im Trauerspiele anläßlich der Vorbereitungen von Schillers Trauerspiel " Die Braut von Messina" (65 ff., K.), sehr grundsätzliche Diskussion zur gegenwärtigen Einschätzung der Funktion des Chores auf der Bühne (Schiller : "Über den Gebrauch des Chores in der Tragödie" - dramaturgisches Allheilmittel -> Kritik: falsche Einschätzung des antiken Chores, nur partielle Funktion (der Theatermaschinerie vergleichbar, z.B. Geist in Hamlet) nicht das allein konstruktive der Tragödie), Kritik an "Messina": der "individuelle Chor" ist paradoxer Unfug (82 f.)

Nr.32

*West noch keine öffentliche Autorität (89)
*Graf von Mücke wider die moralische Tendenz des Wochenblattes (85 ff.),
*Souffleur Puff auf Schauspielereinkauf in Wien (Josephstadt),
*Seitenhieb auf Morgenblatt (94 f.) Bericht an seinen Principalen (96 ff.): Kornhäusel (Kasperldarsteller spielt den Clavigo, 97), Darsteller des Beaumarchais, Rothe als Mimin von Roose; Tierspektakel als ökonomischer Ausweg (100)

Nr.33/34 - 27.9.1807

*Hil. Frank: Gespräch über Shakespeares Heinrich IV: Die Dame: Herz soll im Theater ergriffen werden; wenn während einer Szene Empfindung eindringt, "treibt sie gleich der Wechsel von Spaß und ernst wieder hinaus."
"Herr B. Das ist nun einmahl der Charakter der romantishcen Gattung. (109) |
Herr A. Was habe ich von der Gattung, wenn ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll?
Herr X. Doch ist gerade dieser Wechsel das treue Bild des Lebens selbst" |
"Herr X. (...) Unmittelbar hinter dem ernsten Zuge bey einer Krönungsfeyer, laufen zerlumpte drollige Gassenbuben; und nie fehlt es bey solchen gemishcten Scenen an Zuschauern, die gerade der Verein des Hohen und Niedern, des Feyerlichen und Spaßhaften interessirt. Warum sollte dasselbe nicht durch die Kunst bewirkt werden können? Ohne jedoch die Vermischung des Tragischen mit dem Komischen, oder wie Sie, mein Herr, es nannten, das Romantische, auf dem Theater unbedingt vertheidigen zu wollen", kaum so Schriftsteller behandelte | dies mit soviel Geist wie Shakespeare
*Hil. Frank an West: Gespräch über Heinrich IV am Theater an der Wien (101 ff.): über trägen Witz (102 f.), Aristoteles (Mitleidspoetik), das moderne sentimentale Theater und der unmoderne Shakespeare?, moralische Standesklausel und Einfühlungshürden (104 ff.), romantische Vermischung von Tragischem und Komischem (109 ff.) - Urahn Shakespeare (112), die Zauberflöte als Tragikomödie (112 f.!), ad schauspielerische Leistung (113 ff.), schwere Geschütze gegen das Volksstück: "Der Brautschmuck" (119 ff.) und Rüge für den Rezensenten der "Z. für die gebildete Welt"

Nr.35 - 4.10.1807

*Sendschreiben an die stille Gesellschaft. Von den Connoisseurs. (125-137) (wird von sieben diktiert) "Ist es nicht fatal, daß wir, die alle Arten von Menschen mit Spaß classifiziren, uns selbst nirgend hinzubringen wissen?
*Connoisseurs an West: alltagsphilosophische Spitzel? (125 ff.), Serena über die "Kleinigkeiten" von St*** (137 f.)

Nr. 36

*Merope (141 ff.): Schiller, Lessing, Genie etc. Idas und Marpissa (chin. Stück) am Theater an der Wien (150 ff.), exot. Spektakelstücke

Nr. 37

*"Ostade" von Treitschke (161 ff.),
*Der Klatscher = Applaudierer (Merope) in Allianz mit West mittels tollkühner Erfindung? ("Klatschmaschine" 174)

Nr. 38, 39

*Briefe über die neueste Literatur. Vierter Brief (177 ff. --> K.): wiederum Auseinandersetzung mit den poetologischen Schriften Collins (diesmal: Lustspieltheorie ), Kritik der Terminologie Collins, das Scheingefecht über das sittliche Lachen -> Anstand und Lachen oppositionell? (178 f.), das "feine", das "hohe" und das "poetische" Lustspiel, Kritik an der Collindef: Wenn der Dichter den Gegensatz des Ideellen mit dem Gemeinen, Widersinnigen, Ungereimten, in seiner Dichtung entweder wirklich darstellt, oder durch den Geist einer über das Ganze ausgegossene Ironie in uns erweckt: so nennen wir solche Lustspiele, feinere Lustspiele" (181), --> lt. West: Ironie nur über Prosa möglich (182)!?, ad Possenkritik Collins (183) und seine Bemühungen um das sittliche Lächeln in Opposition zum "rohen, physischen Gelächter" (183) und: "Das Lachen", sagt der Verf., "soll beruhigen. Wie aus dem Trauerspiele, wie aus jedem Werke der Kunst, soll auch aus dem Lustspiele Beruhigung hervor gehen" (184), die Theorien seien lt. West selbst lächerlich (185), Krönung des Ganzen wird das "höchste Lustspiel", das gesungene! sein, Titel: "Die geschlossene Weltgeschichte, ein welthistorisches Lustspiel in beliebig vielen Aufzügen" v. J. Müller!! (185 f.), Don Quichotte, der "allgem. Spiegel der Torheiten" (186)
*Fünfter Brief (187 ff. --> K.): entscheidende Kritik an Collins Auffassung des Trauerspiels --> Kritikpunkte: Handlungsprimat, Titelinterpretation der griech Tragödie, Begriffe wie "Kampf" und "Sieg" als Konstanten der Tragödie -> Zentrum der T. sei vielmehr der Begriff des Schicksals: "Da ist kein Sieg, als der des entsetzlichen Schicksals" (192), Schule der Neuen läßt sich mit Aristoteles nicht vereinbaren (Hermann, Kant, Schiller), Streit um Katharsisthese und um die Vermittlerrolle Lessings (194 f.), Furcht und "Bewunderung" bei Lessing? (195 f.) als Brücke zu Schiller (198 f.)

Nr.40 - 1.11.1807

*Über Critik und ihren Ursprung. Aus dem Englischen.
*Hans Stolidus An den Herausgeber, N. im Oktober 1807: Erwähnung Lucinde (231) | "Im Grunde bin ich dem neuen literarischen Wesen selbst noch nicht lange auf der Spur; und wenn ich's recht bedenke, so ist an der Unordnung, | worin sich meine Bibliothek und ihre Casse befindet, niemand Schuld, als ein Jenenser Student, der sich vor ein paar Jahren in unserer Stadt aufhielt. Dieser junge Mann machte mich und die Abonnenten meines Lese-Instituts zuerst mit einigen Journalen bekannt, durch deren Hülfe wir nach und nach sämmtlich so klug oder so närrisch geworden, als wir zur Zeit noch wirklich sind." | Erwähnung des Morgenblatt und der Jenaer Literatur-Zeitung in einem Atemzug
*"Über die Critik und ihren Ursprung" (aus dem Engl.), 201 ff.: groß angelegte Allegorie über Entstehung, Vollzug und den Verfall der Kritik (und die Gerechtigkeit der Zeit) und ihr problematisches Verhältnis zu den Autoren, Die betrübte Ehefrau (210 ff.)
*Briefe über die neueste Literatur (6. Brief), 217 ff.: Aristoteles Würdigung der didaktischen Möglichkeiten von Dichtung (Telos des Allgemeinen: "Wahrscheinlichkeit und Notwendigkeit" des Handelns, 217) im Vergleich zur Geschichtsschreibung (immer der Blick auf das Besondere: das tatsächliche Handeln), ad Collins verquere Aristotelesrezeption (Begriff der "Sittentragödie", 218) und sein ungerechtfertigter Angriff auf das rezipientenorientierte, am "Leben ausgerichtete Dramenkonzept" (220 f.), Vorwurf der philologischen Nachlässigkeit (bes. 223 ff.),
*Brief eines Bibliothekars (227 ff.) über Verkauf und Anschaffung von alter und neuer Literatur (der ökonomische Ballast der literarischen Qualität) -> ganze Namenliste (Liskow, Rabner, Hagedorn, Uz, ... vs. Görres, Jean Paul, Treitschke, ...), *Nachricht über den Erfinder der Klatschmaschine und "Orpheus" von Kanne (der gesicherte Erfolg), 235 f.

Nr.42 - 15.11.1807

*L_g: Über die Vielleserey der Deutschen. S.237-246.
*Es fängt an, Sprachverwirrung einzureissen, daher wird bald "kleines Handwörterbuch" erscheinen, wo viel gebrauchte Wörter wie Anschauung, Philosophie, plastische Kunst, Ideal ua gereinigt und in alten Rechte gesetzt werden; "Haupträdelsführer dieser Sprachverwirrung" werden begnadigt "ihrer Originalität und anderweitigen Verdienste wegen"; "das Volk der Nachahmer und kleinen Kläffer aber wird hiermit ernstlichst vermahnt, sich zur Ruhe und Ordnung zu begeben, und sich an dem Schicksale des vorwitzigen Prometheus zu spiegeln." (246)
*Über die exzessiv extensive Lektüre der Deutschen (Vielleserei, Vielschreiberei), 237 ff., Warnungen vor Verwechslung von Lektüre und Leben, v.a. bei Jugend und Weibern, 240 ff. --> Politiker und Militärs: "Der Politiker, wenn er im Montesquieu oder in der Augsburger Zeitung liest, zieht er die Stirne in hohe Falten, und wähnt, die Schicksale der Völker in seiner hand zu wägen. Der junge Fähnrich, wenn er auf die Schilderung einer Schlacht stößt, ballt die Faust, zieht vom Leder, und ficht mit der Luft. So sind wir Dichter, Staatsmänner und Helden ohne den geringsten Aufwand von Kraft und Mühe. - "Aber immer könnt Ihr doch nicht lesen; wenn Ihr nun das Buch weglegt?" - Dann reiben wir uns ein wenig die Augen, schütteln die großen Gedanken von uns ab, und versehen unsere kleinen Geschäfte, und sonstigen körperlichen Functionen, so gut als wir können." (243 f.); Ende in der babylonischen Sprachverwirrung (Spiegel: Prometheus, 246, Gegenmaßnahme: Handwörterbuch des Modelexikons (245 f.),
*Theater (247 ff.): Beschwerdebrief der mittlerweile arbeitslosen artistischen Tierdarsteller ("bestialische Artisten", 251) über die Liebe zum natürlichen in der Kunst ("wo bleibt da das Kunstideal?") und ihre Exponenten auf der Bühne der Tierspektakel ( Pferd und Esel), ad "Idas und Marpissa", 252: "Wie viel gemeines Vieh kommt vor, ehe unsere Opernschreiber sich einmahl bis zu einem idealen Hunde erheben."

Nr. 43

*Lob Sorbens für das Theater: Semmingens dt. Hausvater und Engels Lorenz Stark (253 f.), Schauspieler: Brockmann und Koch, der unverzeihliche Fehler eines Dramas: "der Mangel an Interesse" (= die Aufgabe für den Verstand, 255), Qual der unklaren Handlung und der manierierten Schauspielerei (255), Glanz des Wiener Theaters durch Mattausch und Ochsenheimer und durch Ifflandstücke (Der Spieler, Die Jäger, Die Dienstpflicht) -> Tadel einer Dame an der Alltäglichkeit seiner Figuren: "Eine Tragödie, die man mit ein Paar hundert Thalern in der Hand in ein Lustspiel verwandeln kann, worin der Held, statt sich zu erschießen, Hochzeit macht, ist doch eine klägliche Unterhaltung" (257) und die Entgegnung Sorbens: "Nicht die Geringfügigkeit der Beweggründe an sich, sondern ihre Unzulänglichkeit zur Erklärung einer Handlung, oder eines Erfolges, macht sie tadelhaft." (258), das Streitgespräch führt dann über das Bürgerliche Trauerspiel und Rührstück, welche die Dame höchst mittelmäßig findet, zur Verteidigung der Mittleids und "Einfühlungspoetik" [T. cma] der o.a. Stücke (Vorschlag Sorbens eines synthetischen Theaters, 261),
*Briefe über die neueste Literatur (7. Brief: K.) 261 ff.: zentrale Passage der Collinkritik -> West über Cs. "Briefe über die Charakteristik im Trauerspiele" und sein wütender Protest geg. die darin geäußerte Lessingkritik (Rede der Claudia in Emilia Galotti), C. sei nur von einem falschen Verständnis von Kants Theorie des Erhabenen und einem Faible für die franz. Anstandstheorie auf dem Theater bestimmt.

Nr. 44

*Zerstreute Bemerkungen über die Liebe, nebst einigen Liebesbriefen (269 ff,),
*Vervollkommnung der Lichtenberg'schen Methode die Zeitung zu lesen (279 ff.): witzige Invektive geg. das Morgenblatt -> nur im Über-die-Spalten-Lesen ließe sich eine "consequente Zeitschrift" (280) ausmachen; [der Text der dabei entsteht, macht Schwitters alle Ehre] (280 ff.),
*Schauspieler "Mammuth" (Tiertheater) in Wien (282 ff.)

Nr.45 - 6.12.1807

*Hilarius Frank: Der Dichter Schneck. 285-290
-Doctor E in ersten Nummer des Sonntagsblatt, wurde von Th West nicht öfter in ZS in seiner Lächerlichkeit auftreten gelassen "in der Meinung, daß seine soliden Landsleute, der Schaumweisheit, welche von dem nördlichen und westlichen Deutschlande ausgegangen, keinen besonderen Geschmack abgewinnen würden"; (288) | nun Dichter Schneck; "Wenn die forcirte Genialität auch unter uns herrschend würde, wenn die Wiener sich in Schlegelianer verwandeln, und von Weimar oder Tübingen aus das Gesetz ihrer Geschmacksbildung empfangen sollten: so hätte es freylich mit unsern Bemühungen ein Ende; denn diese stützen sich nicht auf die Wissenschaft des Absoluten, sondern höchstens auf den gesunden Verstand, auf einige Kenntniß der Welt und der classischen Literatur."
*Der Dichter Schneck (285 ff.): Wider die "Mißgeburten" der "jüngeren Autorenwelt", deren Werke va. an "Seichtheit" und/oder an "pomphaften Unsinne" leiden (285), spöttischer Vergleich von neuer Ästhetik und einer Gans, "die ihre Brut zum ersten Mahl ins Freye führt", das Geschnatter usw. (287),
*Verstandesfeindlichkeit der neuesten Schule -> Muster: Doctor E. der 1. Nummer ?? (287 f.), der gesunde österreichische Menschenverstand geg. die deutsche Kulturanmaßung (288 f.), Schnecks Brief als "Antidot gegen die Lehre, welche ... [er] unter uns zu verbreiten entschlossen ist" (290 ff.): Ich-Setzung (291), Genialität, Veredelung der österr. Lit. --> "Springblüthen des Geyers" á la "Springbriefe" Jean Pauls im Morgenblatt (295),
*Springblüthen (296 ff.): Probe göttliche Grobheit v. Görres (296 f.), Springlied v. Treitschke (298 f.), der tragische Tod eines heldenhaften Hundes und die anstehende Dramatisierung des Stoffes durch Schneck! (299 ff.), neuere Theorie der Landschaftsmahlerey v. J. Päster (303 f.)

Nr. 46

*sehr beleidigender Angriff eines Sonntagsblattlesers (sehr aggressive Term. --> z.B. Vgl. v. Drehkrankheit der Schafe und Drehbewegung der neueren Autoren um ihre fixen Ideen, 311) auf die zeitgenöss. Lit. (305 ff),
*Springblüthen (312 ff.): Seckendorfs "Stimmen der Völker" (Ländliches, Abenteuerliches, Sinnsprüche, Antisemitisches) incl. Seitenhieb auf den Prometheus (Anm. 316)
*Die verhängnisvolle Wirkung der Klatschmaschine (Orpheus, Der Geizige, Don Ranundo, Das Räthsel, Emerike, Der Maskenball) und Ankündigung eines Anschlages auf die Bühnenpferde!! in "Vladimir" mittels einer neu erfundenen Maschine (Sprengstoff) 319 f.

Nr.47/48 - 20.12.1807

*Frank, Hilarius: Ueber die Schnellfertigkeit der jungen Welt. Nebst einem Briefe aus Paris. 321-333.
*Beschleunigung; "Ein junger Schwabe, der vor Kurzem nach Wien kam, bemerkte, daß die Oesterreicher in der Cultur noch sehr weit zurück wären. Sogleich machte sich der menschenfreundliche Mann auf die Beine, und eilte nach Sachsen, um mit einigen Freunden in Jena einen Plan zur ästhetischen Bildung der Oesterreichischen Monarchie zu verabreden. Nebenbey besuchte er auch einige große Männer, deren gütige Aufnahme er als einen Beweis seines hohen Berufes, auf allen Gassen, bey seiner Zurückkunft, auszuposaunen bemüht ist." {bezieht sich nach R.Hauser auf Seckendorf!}
*Über die Schnellfertigkeit der jungen Welt in allen Lebensbereichen (Politik, 321; Liebe, 322; Literatur, 322 ff.; Reisebeschreibung 324 ff. -> z.B. ein Schwabe?, der erst kürzlich nach Wien kam und bemerkte, dass die Ösis kulturell sehr rückständig wären, sogleich nach Jena reiste, um einen Plan zur "ästhetischen Bildung der Österr. Monarchie zu verabreden", 325),
*Schreiben der Frau von Schwach an Fräulein v. Subtil aus Paris (327 ff.): Muster des "fliegenden Beobachtungsgeistes" (327), die Wiener Backhendl waren besser (328), der Charme der Pariser Herren ist überwältigend (328 ff.), über die neueste Mode der Leibschneiderei (329 f.), der Start der gelehrten Pariser Frauenwelt Dr. Gall (330), aber leider kein Pferdetheater (331 f.),
*Neuestes ABC der Liebe: Liebe eine Art von Krieg (333)

Nr.49 - 26.12.1807 345-353

*zunächst "leichten Waffen der Ironie und Laune" gg "Thorheit"; diese verwandeln sich in Streit mit plumpen Gegner "in schwere Äxte und Streitkolben"; "Weit entfernt, den Ruf der Friedfertigkeit länger behaupten zu können, sehe ich mich in einen beynahe allgemeinen Krieg verwickelt, der sich mit dem Untergange einer der kämpfenden Parteyen endigen zu müssen scheinet." hat viele Feinde auf dem Hals; (348) || Th West will mit "gesunden Köpfe aller Zeiten und | Nationen" "gegen schwachsinnige Neuerer" kämpgen; Aristoteles und Cicero so "gute Anführer" wie Gebrüder Schlegel; "vor Homer und Shakespeare beugt sogar Göthe das Haupt;" Leibniz und Kant vertreiben Schelling; S.Brink: Strategie: "der Unsinn muß an sich selbst irre werden", "Die Herren sollen erfahren, daß sie bloße Stümper in der Verrücktheit sind"
*Manifest der stillen Gesellschaft 345 ff. -->K. ("Parcere subjectis, et debellare superbos.", 345): Wende in der Grundhaltung des Hrsg.: von tadelnder Ironie zu entschlossener Bekämpfung, die Unterstützung der Gefährten nach der Strategie: "Wir wollen den Teufel der Unsinns, durch den obersten und unsinnigsten der Teufel, austreiben" (352) Schreiben einer kranken Dame an West, die man mit der Erzählung über einen Mord in Triest während der Vorstellung von Schillers (Seitenhieb mittels Kringsteiner) Räuber fast zutodeschwatzt (354 ff.)
*Hieronimus Cynophilus: Schreiben an den Herausgeber. S.370-376. Unterstützt den Kampf gg Torheit und will dabei mit seinen dressierten Hunden zur Hilfe kommen (370); | wurde durch System von Gall auf Idee geleitet, daß geistigen und moralischen Eigenschaften sich am Körper verraten; geht auch anhand von Gerüchen; | somit richtete er Hund Sultan auf Wucherer ab; Zemire | auf eigennützige schöne Damen; Azor auf Verschwender; der Miserable beißt alle niedrigen Schmeichler in Wade Schneckerl erkennt eingebildete Dichter | und Libertins; Leonidas erkennt anmaßende Dummheit und läuft den betreffenden Personen zwischen die Beine, so daß diese auf die Nase fallen ("philosophischen Hund"); Pommerl | bellt alle Leute an, die die Unschuld verloren haben; | "N.S. Meine Wohnung ist No. 10,677. unweit der Hundsthurmer Linie." (376)

Nr. 50

*Ankündigung eines neu erfundenen Spektakels (360 ff.) -> K.: Bestätigendes über die Mechanik des "Volksstückes" (Aktionstheater, Tierspektakel), ironisch gebrochene Einblicke in die Dramaturgie, Ende der Figurenrede im Austausch der menschlichen Akteure durch gelenkige Marionetten! (366 f.),
*Hr. Cynophilon an den Hrsg. über seine auf Dr. Galls Anregung (moral./ästhet. Signatur des Körpers) hin dressierten Spürhunde (370 ff.)

Nr.51/52 (undatiert, genauso wie Nr.50!)

*{(nach Anders,109): S.382: "Anteil von wirklichem Talent und Verdienst .. einigen jener Männer, namentlich den Herren Fichte, Schelling, Jean Paul, Richter und A. W. Schlegel - ungeachtet ihres schweren und vielfältigen Verschuldens .. - unbestritten bleibe"}
*Corn.Verus (Leserbrief) 383-390: kritisch zu Bemühungen der jungen Dichter um Nibelungenlied; Hr v Hagen glaubt mit anderen, daß Wiedergeburt (384) | der deutschen Nation von Auferweckung der alten Volkspoesie und ästhetischen Bemühungen der jungen Schriftstellern kommt; "Wenn dieser fromme Glaube auch nur den Enthusiasmus für die vaterländische Kunst und Sprache zu erhöhen dient, so ist er ohne Zweifel etwas Gutes an sich:"; sind aber "unangemessener Mittel und Zwecke"; | Grundlage des "deutschen Charakters" muß Verstand sein; Hagen spricht von Vertilgungskrieg gg Bildungslosigkeit der Masse; "der Vertilgungskrieg, den das Athenäum, - die Recensenten der | Jenaer Literaturzeitung, die Herren Görres, v. Arnim, Horn u. dgl. gegen Wieland, Engel, Garve, Mendelsohn, Voß tc., gegen Racine, Moliere, Voltaire, Diderot, tc. tc., gegen Pope, Addison, Swift, Richardson, Fielding tc., ferner gegen Virgil, Terenz, Cicero, ja selbst gegen Euripides, Menander und Aristoteles unternommen haben"; "Aneignung alles schon Gebildeten - d.i., wenn wir diesen Ausdruck anders recht verstehen, der alten Schneider- und Wildschützenlieder, der Hans Sachsischen Plattheit, des Jacob Böhme'schen Unsinns, u.s.w."; Hagen lobt Ausbildung der "Übersetzung und Critik" in D; aber: "Unsere jüngeren Schriftsteller übersetzen Alles, und ungefähr Alles mit gleichem Sinn und Geschicke, weil sie - der Unterscheidungskraft und Critik gänzlich ermangeln."; | "Sollen wir die hohlen Orakelsprüche noch immer für Critik halten, womit die Verfasser des Athenäums die gleichzeitige Welt in Erstaunen setzten? Es scheint; denn alle die zuversichtlichen Urtheile der neueren Secte sind beynahe nichts, als die Wiederhohlung der halbreifen Einfälle und verwegenen Behauptungen, denen dieses verrufene Journal das Aufsehen, das es erregte, großen Theils zu verdanken hatte."; | (389) Hagen verwirft Autorität des allgemeinen Publikums, und appeliert an ein höheres unsichtbares Publikum, ein geheimes Tribunal daß aus größten und trefflichsten Männern besteht; | -dies ist nichts als das Bekenntnis des Athenäums, "die orientalische Brüderschaft der Herren Novalis und Friedrich Schlegel"
*LB Siegfried Nebelscheu. 390-399
*Geht um Arnim; Volkslieder verschwanden nach Arnim (396) weil Regierungen Bettel einstellten, Landstreicher verbannten; va ziehende Schauspieler, Zigeuner hielten Volkslieder usw am Leben; letztere sind im Krieg gute Soldaten, im Frieden zutrauliche Ärzte; ihnen verdanken wir meiste Arzneien, denn ihr Lehrling war Paracelsus; Arnim: "'Und diese poetischen und medicinischen Wohlthäter des Menschengeschlechts haben wir verstoßen und verfolgt; durch so viel Liebe konnten sie keine Heimat erwerben!'" | Hoffnung setzt Arnim in Handwerker, Freimaurerei, Studenten, Wachtstuben, Marktschiffe des Reins, Tanzkeller der Wiener Vorstädte, wo Volkslieder noch gesungen werden.
*Rathschluß (399f) | "Die unter dem Titel des Knaben Wunderhorn bekannte Sammlung von Volksliedern sey, als zur Hälfte unecht, abgeschmackt und ganz werthlos, der scharfen Scheere eines der critischen Amputation kundigen Mannes zu übergeben, die angehängte ästhetisch-politische Rhapsodie des Hrn. A. v. Arnim aber, als rein toll und heillos, in der Polterkammer des hiernächst zu errichtenden literarischen Bedlams, wohl versperrt und geknebelt, aufzubewahren." Wien 1.Vollmon 1808, Präsident und zeitigen Secretärs der stillen Geselllschaft; Brink, Solms, Frank.
*durchaus positive Bilanz des Hrsg. über das Sonntagsblatt, 377 ff. (Auflagesteigerung, Leserreaktionen, bescheidene Zurückhaltung unter restaurativen Vorzeichen: "Nur die Grundsätze glaubten wir retten und die Muster wieder aufstellen zu müssen, die der literarische Vandalismus unserer Tage bereits zerstört und vernichtet zu haben sich einbildet." (380), Teilanerkennung der Verdienste v. Fichte, Schelling, J. Paul, A. W. Schlegel (382), als Bestätigung folgen zwei Leserbriefe
a) Corn. Verus an Th. West (383 ff.--> K.): ad Neubearbeitung der Nibelungen durch F.H. van der Hagen ("das vollkommenste Denkmal der dt. Nationalpoesie", 384), van der Hagen als Geburtshelfer der dt. Nation (Zueignung an J. v. Müller, 385) und Zusammenstellung mit (nationalistisch) gesinnter Morgenröte rund um das Athenäum und der Jenaer LZ -> das Heraufdämmern einer neuen dt. Nation wird kurzgeschlossen mit dem Anbruch einer neuen Dichtung, die über die Masse (Volk) funktiniert!! (386 f.), wider die zeitgenöss. Übersetzer, Kritiker, Dichter (387 ff.)
b) Siegfried Nebelscheu über Arnims und Brentanos "Des knaben Wunderhorn" (390 ff. --> K.): Zentrale Frage in diesem Brief ist: kann man Arnims Theorie von Volkspoesie und Nationalgedanke ernst nehmen? (z.B. Ursache der Fr. Rev. wäre nach A. der Verlust der alten Volkslieder gewesen, 394 f.) --> vernichtender "Rathschluß" des Vorstandes der stillen Gesellschaft über Arnims "Wunderhorn" (399 f.), Avant-Coureurs (400 ff.): sie bieten ihre Dienste an, um das Neue im Sonntagsblatt zu befördern (z.B. Mäon, Mode, Wiederherstellung des Gleichgewichtes von Europa)


2.Jg 1.Bd (3. Jan. 1808 - 24. April 1808)



Nr.53 - 3.1.1808

*Familie Dunse *Anonymus: gibt vor, schlechte Gedichte anderen untergeschoben zu haben
*West über die Fam. Dunse als Freymaurerloge (4) der Kritik (5), ihre Orakelsprüche (5), ihr Parteigängertum (6), ihre Anmaßungen ("Dunsen-Stuhl", "Schöppengericht", "Königsstuhl", 7), ihre Nachlässigkeit im schnellen Urteil (z.B. bei Wieland, Kotzebue, Lessing, Jünger, Iffland, 8), Ausbreitung der "Nasenweisheit" unter der Jugend (9), Usurpation der "deutschen Gelehrten-Republik" (9), Wer ist das Jahrhundertgenie, das die Dunses vereinnahmen wollen? (10), West warnt in kruder Art und Weise vor einem offenen Konflikt mit seiner "stillen Gesellschaft" (11f.), bisher "freundnachbarliche Verhältnisse" (12)
*Ein anonymer Verfasser berichtet in einem Brief an West von einer "U-Boot-Aktion" im Umkreis der ins Kraut schießenden poetischen Journalen - "Vexir-Gedichte" (14), "kostbare Denkmale des Alterthums" (15), "Minnelieder" (15), auch Brentanos "Wunderhorn" bereichert [!] (15), Pseudonyme: Isidorus, Orientalis, Crisalin, Federico u.a. (15), sein poetolog. System: der Zufall ("Würfel", 16f. -> Kopie) [interessante pejorative Betrachtung eines auch zu dieser Zeit schon durchaus positiv (s. Novalis) formulierten Schreibverfahrens]
*Kostproben aus Seckendorfs Taschenbuch "Die Stimmen der Völker" (1808), (18 ff.) - einfach tödlich die Stelle in der er berichtet der Hrsg., J. L. von Stoll und Hölderlin [sic.!] hätten ihn nicht nur "auf plumpe Weise" nachgeahmt, sondern regelrecht "geplündert" (22) - und Treitschkes Musen-Almanach ("Der Krieger und das Mägdlein"), (23 ff.) ->aptum!
*ad Theater (27 ff.): von der "stillen Gesellschaft" zum "heimlichen Theatergericht" ? (27), Warum Ziegler ("Genie", 28) ein so schlechtes Stück, wie "Die Schirmmherrn" (28) schreiben konnte:
a. ein Versuch Stegmaier zu übertreffen (28 ff.), b. Satire auf die Kritik des Sonntagsblattes am "pfiffigen" Stück "Der Machtspruch" (30 f.) -> Exempel: ein Drama ohne alle Pfiffe muss notwendiger Weise schlecht ausfallen, c. Widerlegung der dramaturgischen Ambition der Erhebung des Zuschauers durch Erhabenheit der Protagonisten (32)

Nr.54 - 10.1.1808:

*Josuah Scharf: Deutsche Journale (35-44) | Zeitung für elegeante Welt 199, 200 14./15.12.1807 zu J2-Denkmal; || ebf dort Artikel über ZS in Wien, wobei Verfasser an einem interessiert zu sein scheint; || (40) in diesem Artikel werden Annalen und Sonntagsblatt nicht erwähnt; für ihn gibt es drei Klassen ZS: aufkeimende, hinwelkende, blühende (Eipeldauer); aufkeimende ist Prometheus, | davon erwartet er bedeutsames; hinwelkende ZS drohen demnach zu verschwinden; | zu Prometheus schreibt er: "'Möge die Kunst- und Genußliebende | Kaiserstadt in der Fackel dieses Prometheus nie eine andere erblicken, als die der Genius der Freude schwingt, wenn er in der trägen Thronmasse den himmlischen Funken entzündet!'"
*Schreiben Herrn Puff (45ff): viele Bauerndirnen aus Umgebung Wiens wollten Schauspielerinnen werden; er schreckte sie durch Artikel des Hernn Dopler in Zeitung für die gebildete Welt Nr.17 ab, der | verlangte, daß gute Schauspielerin Geographie, Statistik und Metaphysik studiert haben sollte, und zwar bei Madame Leiser oder Mad Koberwein; nun Plan einer Zischelzeitung für Ungebildete
*"In eben dem Maße, als die Teuerung steigt, entziehen sich die Menschen den groben Genüssen des Magens und finden Geschmack an den feineren Freuden des Geistes." (33) Auch im Fasching (34) -> nur die "merkwürdigsten Briefe" (34)
*Josuah Scharf über Deutsche Journale (35 ff.): ad schwäbische und sächsische "Belehrung oder Züchtigung" der "vewahrlosten" (35) Österreicher, z.B. Zeitung für die elegante Welt Nr. 199 u. 200 (36), zynischer Kommentar der Beschreibung der "Feierlichkeiten bey Eröffnung der Statue Josephs des Zweyten", wider Erhabenheitsrhetorik (37) [ich denke es geht wieder Richtung Aptum-argument!], "O Kaiser von Metall, leih mir dein Ohrenpaar." (37), Kommentar eines zweiten Artikels ders. ZS: ad ungerechtfertigte Collinkritik an seinem Gedicht
*"Künstler-Entzückung" (38), ad Werner, Stoll, elegante Welt in Wien? (39 f.), ad Journale in Wien: keine Erwähnung des Sonntagsblattes und der Annalen! Einteilung der ZS in aufkeimende (Prometheus), hinwelkende ("Nahme ist Legion" also auch Sonntagsblatt) u. blühende (Eipeldauer unerreicht, 40), gekränkte Kritik an der neuen Sonne bzw. "Fackel", seinen Protagonisten (Stoll u. Seckendorf) und ihrer prophetischen Philosophie (41 ff.)
*Schreiben des Herrn Puff, der nach fehlgeschlagenen Theaterunternehmen (mit Schauspielerinnen aus der Provinz um Wien) Plan und Kostproben einer neuen Klatschzeitschrift ("Zischelzeitung für Ungebildete") beinhaltet (45 ff.), darin: über Theatersucht junger Frauenzimmer (bes. aus den niedrigen Ständen) u. die Möglichkeit sie Abzuschrecken (Bildungsvoraussetzungen: Geographie, Statistik, Metaphysik), "Über Schwechat und seine Umgebung" (51 f.), über Theater- und Buchrezensionen im Morgenblatt u. Theaterzeitung v. Reinhold, kommentiert von H. Frank (auch gegen Kotzebue wegen Treitschke-Lob, 56 f.), beiläufige und nichtige Notizen (58f.)

Nr.55 - 17.1.1808

*Apollosaal
*Über den Apollo-Saal, ein kolossaler, dekorativer neuer Tanzsaal (s. auch Nr. 54, 34), der entzaubert wird (61 ff.) Berichte der Avant-Coureurs über neu aufgeführte Stücke ("Mäon", 76 f., "Künstlerrache", 75 f., "Das Hausgesinde", 76) und Stücke, die nächstens sollen aufgeführt werden ("Die Komödie ohne Inhalt" v. Jean Paul der Jüngere, 77, "Die Schnecken" v. Stoll, 77 f. u. 41, "Das Geschlecht des Ixion" in einer Bearbeitung v. Rapp, 78)

Nr.56 - 24.1.1808

*Philippus Aureolus Bombastus ab Hohenheim: Wöchentliche Anzeigen des literarischen Frag- und Kundschafts-Amtes. S.96-102.
darin: "Ankündigung an das Publicum (101)
Endes-Unterzeichneter macht dem respectiven Publicum hiermit gehorsamst seine Ankunft bekannt, und den Vorsatz, auch hier seine überall mit Beyfall aufgenommene, und von der Jenaer | Literaturzeitung approbirte Universal-Goldtinctur oder sogenanntes mystisch-sophistisches Wunder-Elixir, in unterschiedlichen Dosen, sonst auch Vorlesungen genannt, an die Geistesarmen und Hülfsbedürftigen zum Besten zu geben. Da Unterzeichneter sich schmeichelt, daß sein neu eröffnetes Gedanken-Panorama, oder, mit andern Worten, idealistischer Guckkasten, ein in hiesiger Residenz noch nie gesehenes, und gleichsam unerhörtes Schauspiel ist: so verspricht er sich den zahlreichsten Zuspruch, um so mehr, da er, aus Kunst-Enthusiasmus und Liebe zur Menschheit, für den ganzen Cursus, von jedem Zuhörer nicht mehr als sechs Louisdor in Gold begehrt. Die Damen werden besonders ersucht, sich durch den tiefsinnigen Titel dieser höchst curiosen Vorlesungen keineswegs abschrecken zu lassen, indem Unterzeichneter ihnen sein Ehrenwort gibt, daß sie bey Allem, was er ihnen vorzutragen die Ehre haben wird, nicht mehr zu denken brauchen als dieselben ohnehin Luft haben. Der Anfang dieser Vorlesungen wird unter Trommelschlag ausgerufen, das Locale ist im Reithaus."
*wieder "Mäon" v. Gluck (79), das wesentlich gegen das authentische Freudenfest des Volkes und der Diplomatie um die Fürstenfamilie zurückfällt: "Ein Volksfest, worin das Herz oder auch nur der Sinn der Menge sich lebendig zeigt,, hat mehr anziehendes für mich, als das ganze Gaukelspiel theatralischer Aufzüge und Decurationen" (80) -> Forderung nach "einfacher Darstellung menschlicher Schicksale und Leidenschaften" (83) Der Tempel des Ruhmes, ein allegorischer Traum v. Isidorus Orientalis: versammelt ist die ganze Antike, interessant ist der Weg vorbei an Tod und Neid (83 ff.)
*Wöchentliche Anzeigen des literarischen Frag- und Kundschafts-Amtes (96 ff.), darunter Vorlesungsankündigung "idealistischer Guckkasten" - Philosophie (101 f.- K.) - Schlegel?

Nr.57 - 31.1.1808

*Th West: Deutsche Journale: 10 Neue ZS, ua Prometheus und Phöbus (105); | "Entstehung einer musterhaften, wirklich nationalen Zeitschrift" wäre allerdungs "möglich und sehr wünschenswerth"; allein, es braucht | Redakteur, "der einen wahrhaft großen Geschmack mit einem durch Nachdenken und Welterfahrung gereiften Verstande verbindet; einen Mann, der die Fesseln und engen Ansichten der Schule abgelegt hat, die ihn erzog; der unparteyisch aus Grundsätzen ist, nicht aus Schwäche; dessen Urtheil und Sprache zeigen, daß er, wenn nicht über seiner Zeit, doch über der Mode des Tages steht, die sich außer und über aller Zeit zu seyn einbildet."; bezweifelt, ob unter Adam Müller, Kleist, Stoll, Seckendorf ein solcher zu finden ist
*Verweis auf Prometheus und Phöbus 113, | Licht des Prometheus nicht so grell und gefährlich wie Phöbus;
*Deutsche Journale v. Th. West (103 ff.): darin beklagt der Autor die Flut an neuen Broschüren, die bereits ab Anfang des Jahres auf den Markt gekommen sind (darunter Phöbus, Iason, Teutona, ZS f. Wissenschaft und Kunst, Der Freimüthige?, 105), dabei wäre eine "wirklich nationale ZS" (106) höchst wünschenswert, allein es fehlt der richtige Redakteur (107)
*Zweiter Brief d. Hrn. H. Stolibus an den Hrsg.: "Springblüthen" und "Vexir-Gedichte" hätten seine Frau dazu animiert Neues vom Buchhändler zu besorgen, z.B. "Leontine" des Hrn. v. Kotzebue ->Gemütskrankheit (108 f.), moralische Kritik an den Erzählungen v. Freyherrn v. Steigentesch (109), er selbst machte einen tollen Fang mit J. Görres: "Die deutschen Volksbücher" mit Brentano-Beteiligung (Zueignung, Einleitung und Nachwort, 109 ff.) -> die antichristliche [!] Aufklärug gegen das neue Traditionelle, Symjournalismus (Zischelzeitung + Prometheus, 113), Phöbus v. Kleist und A. Müller schon zu leuchtend, da sie sich auf Goetheempfehlung berufen (113 ff.)
*Theater: "Das Räthsel" (115 f.), "Der Briefwechsel" (116 f.), "Der Stumme" (Kotzebue, 117f.), "Der Buchstabe" u. "Die Probe" (Hutt, 118)

Nr. 58

*Der Bibliothekar der Dunses packt aus, da er schon seinen Rausschmiß ahnt (s. Nr. 56 - wöchentliche Anzeigen, 101): Godofred Dunses Einfluß auf Pantalon und Smelfunga (121 ff.), die Selbstverachtung des österreichischen Geistes und die Anfeindung des österreichrevolutionären Sonntagsblattes (126 f.- K.)
*Proben aus G. Palmers Wörterbuche: Glück (128 ff.), Noth (134 ff.)
*Wöchentliche Anzeigen des literarischen Frag- und Kundschafts-Amtes (138 ff.), Geniespott (138 f.), Kundmachung des literarischen Cassationsgerichtes (gegen den Feldzug der Gebr. Schlegel geg. Wieland, 139 f.), Assecuranz Compagnie für Journale (nur das arme Sonntagsblatt kriegt nichts, 141)

Nr.59 - 14.2.1808

*"Prometheus" (Gespräch der stillen Gesellschaft): (151-166) Herr v R: "Prometheus hat sich durch einen Exceß von Höflichkeit der Herzen unserer Damen und, was beynahe eben so viel ist, der Zutraulichkeit unserer schönen Geister bemächtigt." (151) {nach R.Hauser 178 Anspielung auf Festbericht von AWS} |
*Serena: Beschreibung Vermählungsfest "allerliebst"; -"Ich": "in der That sehr hübsch, und nicht anders, als sie von der gewandten Feder des Herrn A. W. Schlegel zu erwarten war." -Frau v Sorben: Schluß des Aufsatzes hätte sie nicht erwartet, daß einer der Verfasser des Athenäums, ein Verächter Wielands, strenger Krtitiker | an unseren Dichtern so viel zu loben hat (sogar an Carl Philipp), das hätte ich mir nicht träumen lassen; Herr v R: "Zeit und Umstände sind verschieden, gnädige Frau. Hier wäre eine strenge Critik nicht an ihrer Stelle gewesen." || Frage wie Wieland und Göthe in Gesellschaft der Herausgeber des Prometheus gekommen sind; Ich: Wieland ungefähr so Mitarbeiter, wie Luther Mitarbeiter in Musen-Almanach des Frhr v Seckendorf | ist (156) |-| zu Einleitung: Herr v R: (161) | darin weder ein Gedanke noch ein richtiges Bild; Ich: zitiert daraus (nicht ganz wörtlich, sondern paraphrasierend!) | sind schon Gedanken, lächerliche zugegebenermaßen; verrückte Mystik von Wezel neben verständigen Aufsatz v Meyer, abgeschmackte Legende v Hans neben Wieland, Falk neben Gebrüdern Schlegel, Stoll neben Goethe; {dh Schlegels kommen positiv weg!} "in einem solchen Journale sind Widersprüche und Lächerlichkeiten an ihrer Stelle, und ich finde die Einleitung, so poßierlich sie ist, zwar des Nahmens einiger Mitarbeiter, aber des ganzen Unternehmens nicht unwerth."; Herr v R: | "elende Schreibart des Herausgebers", wenn gute Köpfe der Nation solchen Führern folgen, wird Publikum sich seiner guten Köpfe schämen; Ernst: "Man ist es gewohnt, in den deutschen Journalen das Erbärmliche mit dem Trefflichen, den Unsinn mit dem Verstande, die Plattheit mit Witz und Talent abwechseln zu sehen. Unsere besten Köpfe selbst scheinen diese heillose Vermengung des Guten und Schlechten für unschädlich, oder vielleicht für unvermeidlich zu halten." Bsp Jenaer Literaturzeitung, die unter starken Einfluß Goethes geschrieben werden soll: dort lobende Rezension des Dichtergartens neben strengen | Beurteilung der um nichts schlechteren Trauerspiele Werners; | Herr v R: "Aber diese allgemeine Toleranz ist eine Thorheit;"; | (166) hat auch Phöbus gelesen, Kleist könnte unter Curatel eines critischen Redakteurs brauchbarer Mitarbeiter sein; seine Penthesilea ist Unfug; Serena: Prometheus mag noch schlechter sein als Phöbus, "ich behaupte dennoch, daß dieses Journal seinen Weg unter uns machen wird, wenn der Anzeiger immer so klug und artig ist, als er bey Gelegenheit der letzten Feste war."; was man nicht lesen mag, kann man überblättern.
*Novelle zum Valentinstag (Teil 1, 142 ff.)
*Gespräch der stillen Gesellschaft zur Neuigkeit: Prometheus (151 ff. K.), sehr signifikantes Kritikergespräch (Lob der Festschilderung, Kritik an Wezels Homerallegorie und "Der starke Hans", Wieland und Goethe in Gesellschaft von Hrn. Stoll??, vorsichtige Goethekritik, der schamlose Falk mit seinem Sendschreiben aus dem Elysium, Stolls Einleitung - herausgeberischer Freitod -> der unausgeräumte Widerspruch, das verdorbene Publikum und ihre noch verdorbeneren Dichter in der Zeit des Antichristen, PS.: auch Kleist ist über seinen Phöbus gestolpert, vielleicht rettet das Ganze ja doch noch der Anzeiger)

Nr. 60

*Der Valentinstag (Teil 2, 167 ff.), "Literarischer Geistes-Calcul. Dem literarischen Frag- und Kundschaftsamte zur Bekanntmachung mitgetheilt" (186 ff.): Warenbilanz der österreichischen Literatur (von Witz bis Erfindungskraft) - schönes Summenspiel,
*August Kuhn (Red. d. "Freymüthigen") erhält die Stelle des in Nr. 56 ausgeschriebenen Posten eines "witzigen Kopfes", aufgrund seiner Ausfälligkeiten gegen "Die Teutona" und "Das Sonntagsblatt" (190)

Nr.61

*über Freimütigen: dort gibts Verweis auf Vorlesung von Adam Müller in einem Atemzug mit Mordanschlag auf Dienstmagd ("ich bin erstochen") (202)
*Schreiben an den Hrsg. über den "Freymüthigen" (191 ff.), über Kotzebue (den schlitzohrigen Jungfernverführer - vgl. die Geschwisterrollen, bes. 192 f.) hatte man ja noch gestritten, aber Kuhn, der neue Red.(u. Hrsg.?) erledigt sich selbst ( inkl. Kostproben),
*Theater: Macbeth unter Lange, Brockmann, Koch (dickes Lob und Shakespeareverehrung, 205 ff.)
*Erklärung (209 ff.): Ja, offene Kriegserklärung an Kuhn (sehr aggressiv, sehr persönlich bis kränkend gehaltene Antwort auf eine Sonntagsblattpolemik im "Freymüthigen"), Ehestandsangelegenheiten (213 f.)

Nr. 62

*Palmers WB: Credit (215 ff.), Ruhm (221 ff.),
*Theater: 2. Auff. v. Mäon, kontrastive Kritik zu Don Carlos (227 ff.), am "Gipfel der Phantasterei und Immoralität" (231)

Nr. 63

*Th. West belehrend über den guten Ton in der Literatur u. Kritik - ad Freymüthigen, Xenien - (235 ff.),
*Theater: Spektakelstücke am Thater an der Wien (der anspruchslose Spaß vs. Lustspiel mit Entwicklung der Handlung und Lösung des Knotens, 249), wider VS (246 ff.)

Nr. 64

*Doctor Wiederhold über neue Epidemien: a. Theater an der Wien -> "Appetit zu Brutalitäten aller Art, und besonders zu Pferdecapriolen" (253), Roßkur (Spott, 254), Heilung Kranker "alle[r] Stände" !! (255), b. "eingebildete Einbildungskraft" (256 ff.) gepaart mit "Sonntagsfieber" (258), Berufung ihrer Dichterbegeisterung auf dt. Dichter (?? verm. Goethe ??),
*Palmers WB: Lectüre (261 ff.), "Ein böses Buch ist schlimmer, als ein böser Mensch" (263 f.),
*Theater: zwei erfreuliche Neuigkeiten (Wiederauftreten der Mad. Imperatrice Steffi und d. Neue Ballet d. Hrn. Angiolini: Triumph des Maximinus, 266 ff.), Oper v. Bernhard Romberg: "Ulisses und Circe" am Theater an der Wien -> Produkt der neuen, falschen Schule (271), der Text ist erbärmlich (272 f.)

Nr. 65

*Palmers WB: Achtung (275 ff.),
*Kommentierte Rezension (überschwengliches Lob der Jenaer LZ) des Romans "Corinna" ["Corinne ou l'Italie"] von Fr. v.
*Stael-Holstein: Themen am Übergang von Empfindsamkeit zur Romantik: Melancholie, Reflexion, Liebe, Sentimentalität, Italien, ...(282 ff.),
*Theater: Grundsätzliches über Kritik und Witz und die besondere Bedeutung des Theaters in Ö. (289 ff.), "Der Verdacht" v. Verf. d. "Korbes" (294 f.), "Du sollst nicht stehlen" (295), "Die Ehescheuen" v. Mdm. Weissenthurn (295 f.), "Der unterbrochene Schwätzer" v. Verf. d. "Räthsels" (269 f.), "Die Brautwahl" v. Iffland (297 f.)

Nr.66 - 3.4.1808

*Th West: Dramaturgische Briefe An Amalie von Sorben (298-311) zu 2.Heft Prometheus: Collins Rezension AWS-Aufsatz Racine-Euripides; Collin wird heftig kritisiert; AWS hat recht, Collin eher nicht, unverständlich, daß Collin sich gleichermaßen auf Lessing, Aristoteles und Schlegel berufen kann, die doch nicht zusammenpassen (302ff); "daß die neue Aesthetik, wie das Judenthum, keine fremden Götter duldet! Man muß entweder nicht an Hrn. Schlegel glauben, oder an ihn allein." (303) ||| "Hr. A.W.Schlegel ist ein Mann von vieler | Geschicklichkeit. Niemand versetzt sich leichter in die Ideen und in den Styl eines Andern. Deutschland hat, Voßen ausgenommen, keinen Uebersetzer aufzuweisen, der sich mit ihm vergleichen dürfte. Das ist ein Verdienst, und ein wichtiges; aber es ist, seiner Natur nach, untergeordnet. Er hat keine eigenen Ideen, und kaum einen eigenen Styl. Das Auffallendste, oder, wenn man will, Originellste in seinen Grundsätzen und Meinungen, ist von Schillern, von Schelling, und vornähmlich von seinem Bruder erborgt, dem er an Deutlichkeit der Begriffe, an Kenntnissen und Gewandtheit des Ausdrucks, doch überlegen ist. Er ist kein Dichter, obwohl Frau von Stael ihn für einen der Ersten unter den Deutschen erklärt; und zum Kunstrichter fehlt ihm die Tiefe, der Ernst, selbst die Wahrheitsliebe. Hr. A.W.S. besitzt alles Talent und Geschick, welches nöthig ist, eine critische Aufgabe, die er sich selbst oder ein Anderer ihm gibt, auf eine, für gewöhnliche Leser befriedigende Weise, aufzulösen; zu loben, was sich irgend loben läßt, zu tadeln, so sehr man nur etwas tadeln kann. Für eine Recensionsanstalt wird man daher schwerlich einen tauglicheren Critiker finden: aber dem eigentlichen Geist der Critik kann nichts mehr entgegen gesetzt seyn, als diese Leichtigkeit und Versatilität, der es nie um die Sache, sondern immer | nur um das zu thun scheint, was man daraus machen will." Vgl Racine-Euripides wurde nur um vorgefaßte Meinung zu bestätigen, unternommen
*Dramaturgische Briefe. An Amalie von Sorben (Teil 1): Besprechung von Collins Schlegelaufsatz ("Comparaison entre la Phedre de Racine et celle d'Euripide") im zweiten Heft des Prometheus (299 ff.), Collin versuche sein eigenes literarisches Versagen durch Schlegels Autorität (d.h. ihre gemeinsame Kritik am franz. Klassizismus) zu rechtfertigen, Schlegel gilt nicht als bedingungsloser Verteidiger der "Neuen Schule",
*Aristotelesrezeption bei Lessing und Schlegel (302 ff.), das dt. Vorurteil gegenüber den Franzosen als Enthymem v. Schlegels Argumentation (306), Schlegelkritik ("Mann von vieler Geschicklichkeit", 306 f.) über die der Kritik unzuträgliche Versatilität (307), Collins maßlose Überschätzung der erwarteten Wirkung des Aufsatzes (308 ff.),
*Die Schöpfung des Haydn (312 ff.): eine bis zur Ironie ehrfürchtige Schilderung einer offiziösen Ehrungsveranstaltung des achtzigjährigen Greises (312 ff.) mit Aufführung seiner Schöpfung, gut zu lesen - vor allem die Stelle, in der beschrieben wird, dass einige Damen sich ihrer Schals entledigten um damit die Füße des großen Meisters vor Zugluft zu schützen!(314),
*Schreiben an den Hrsg. mit der Aufforderung den Einfluss der Avant-Coureurs wieder zu beschneiden (Fehlurteile bez. Macbeth u. Ballet des Hrn. Angiolini)

Nr. 67 - 10.4.1808

*Th West: Dramaturgische Briefe (319-327): zu Charakteristicen von AWS und FS; | Kritik an FS: (323) keiner, der es im Behaupten weiter gebracht hätte; "Seine Urtheile sind Eingebungen, seine Meinungen Orakelsprüche. er durchschaut das Reich der Dichtkunst und Philosophie mit Einem Blicke, und weiset Jedem die Stelle an, die ihm darin gebührt." "er läßt eine ironische Bemerkung fallen, und ganze Jahrhunderte verschwinden aus der Geschichte der Literatur."; || "eigentliche Champion der neuen Aesthetik"; zu seiner Beurteilung sollen AWS dramaturgische Vorlesungen zu Rate gezogen werden, wobei | dieser noch zu sehr von FS beeinflußt ist; von Grundsätzen des FS bzw "von dem historischen Sinne desselben (...) d.i. von seiner Manier, die Geschichte der Kunst all' ingrosso zu behandeln, die Poesie ganzer Völker und Zeitalter durch einen Machtspruch zu annihiliren, und dagegen nur die Gestalten der Heroen aufzustellen, welche - die Schlachten des menschlichen Geistes schlugen."; aber auch die neue Ästhetik enthält einiges Gutes und Wahres, | hofft va auf Vorlesungen von AWS, wenn er nicht mehr in dieses System verwickelt ist, ist viel von ihm zu erwarten; auch von FS, der allerdings längeren Weg zu gehen haben wird.
*Zu Macbeth in Prometheus 2.H
*Dramaturgische Briefe (Teil 2): Empörung über das Lessingurteil der Gebr. Schlegel in ihren "Characteristiken", v.a. F. Schlegel wird heftig attackiert und von seinem doch wesentlich einsichtigeren Bruder unterschieden (326 f.), Versprechen A. W. Schlegels dramaturgische Vorlesungen genau zu beobachten (eine "Art Leitfaden"der Diskussion, 325), die Kritik an F. Schlegel betrifft dessen anmaßende Machtsprüche, seine Pauschalurteile (fehlendes Differenzierungsvermögen), seine unklare Begrifflichkeit und sein damit unkritisch aufgeblasenens Weltbild: "Die Assertionen des Hrn. F. S. sind 'Ergießungen eines mit gedrungenem Witz, verdickter Vernunft und mystischem Cynismus bis zur Sättigung gefüllten Kopfes'" (324), zum Kunstrichter fehle es ihm an "deutlichen Grundsätzen und Begriffen" (325), F. Schlegel als der eigentliche "Champion" (325) der neuen Ästhetik, die "an theoretischen Prinzipien [...]überaus dürftig, und beinahe auf die Ausdrücke: romantisch, pittoresk, und plastisch, beschränkt" (326) sei, im übrigen Worte, "die in dem Verhältnisse als sie deutlicher werden, immer weniger zu bedeuten haben" (326),
*Axiomata und Postulate von F. Schlegel; ein Anhang zu dessen Lessingwerk, zusammengestellt von Th. West (328 ff.)
*Über das Fehlurteil Seckendorfs im Prometheus (2. H., "Macbeth"), dass Theater in Weimar als Vorbild für die Wiener Bühnen auszugeben. Bewies ist der Misserfolg des Weimarer Schauspielers Hrn. Haides in Wien, der eben - Goethe in Ehren - von einer Provinzbühne kommt (333 ff.),
*Theater: Theater an der Wien ("Die Verrückten", "Alle fürchten sich"), Hoftheater ("Die Verwöhnten")

Nr.68 - 17.4.1808

*Jonathan Flowen: Schreiben an den Herausgeber 343-362: zu AWS-Vorlesungen in || Jahnschen Saal; bemerkte dort Gelehrte, die zufrieden zu sein schienen; (345) | "also befürchte ich beynahe, die Herren haben dort, wo ich Dunkelheit und Verwirrung wahrzunehmen glaubte, Licht und Ordnung erblickt." || {Anm Th West: verweist auf Problematik des gemischten Auditorium: "Ein Buch, eine Vorlesung, die für Damen und Herren, für Junge und Alte, für Gelehrte und Ungelehrte, gleich passend und belehrend seyn soll, ist eine Universalmedizin; und wer diese zu Markte bringt, weiß man."} unzusammenhängende Rede, | muß auch Zuhörerinnen unangenehm gewesen sein; |-| (353) (Verweis Th W auf Prometheus) |-| {Anm TH W: Bescheidenheit das letzte, was von Urteil Schlegels zu erwarten ist} (358) |-| (362) -war 1.Vo, hegt von Talenten und Kenntnissen AWS hohe Meinung
*Jonathan Flowen in einem Brief an West über die erste Schlegelvorlesung in Wien (343 ff.): es geht vor allem um die dünne Begrifflichkeit, z.B. das Problem von alter und neuer Dichtung in der Unterscheidung von plastisch und pittoresk bzw. romantisch unter Zuhilfenahme von Rousseau (über Musik) u. Hemsterhuis (über Bildhauerei) oder von antik und gotisch etc. Theater an der Wien: "Adalrich"

Nr.69 - 24.4.1808

*L.D.J.: Bemerkungen über den Ausfall des Herrn Wilhelm August Schlegel wider den Grafen von Büffon, im zweyten Heft des Prometheus (372-376): (375) nimmt Anstoß an unbekleideten Statuen in dessen Garten, die detailliert beschrieben werden, nicht aber an FS Lucinde; | AWS schreibt, das klassische FR-Schriftsteller bildende Künste nicht liebten -was aber ist mit Diderot?
*FS-Zitate aus Athenäum werden zum besten gegeben
*Palmers WB: Ernst (367 ff.)
*Bemerkungen über den Ausfall A.W. Schlegels wider den Grafen Büffon im 2. Teil des Prometheus (372 ff.): Obszönitäten (Statuen Buffons vs. Luzinde des Bruders, 375)
*Offenbarungen eines Eingeweihten, oder Axiomata und Postulate v. F. Schlegel (Teil 2, 377 ff.): witzig ist die Anm. des Hrsg., dass durch die aphoristische Schreibweise F. Schlegels nicht zu befürchten ist, dass die Sätze in der kurzen Zusammenstellung im Sonntagsblatt aus ihrem Zusammenhang gerissen würden (377), Auswahl aus dem Athenäum
*Zeitung für Einsiedler (Heidelberg): ausgezucktes Romatikerprojekt ??? - alles was Rang und Namen hat ist vertreten (Schlegel, Tieck, Arnim, Jean Paul); das ganze Projekt erscheint West als ungeheure Anmaßung, vor allem ihr Vorstoß gegen die Plattheit des Zeitalters (387, 390 f.) und gegen die Kritik (Vorzeichen der Vernunft, 391 f.), aggressiver O-Ton: "Das nichtige Gewebe ihrer Theorie, die luftigen Gebäude ihres schwachen Genius, zerfallen vor einem scharfen Blicke des Verstandes, und die Critik findet es kaum der Mühe werth, ihr gefürchtetes Messer aufzuheben, um in mißgebornen Kinderleichen die Ursache ihres Todes zu suchen." (392 f.), dennoch akute Gefährdung von "Jünglingen" und "Frauen" (393), offene Feindschaftserklärung an die neue Schule, deren eigentliches Gewicht und "Sauve garde" (394) in der Evokation des "Hanges zum Absprechen" (394) unter "Unwissenden" und "Halbgelehrten" bestehe. (393 f.)
*Literarischer Anzeiger zum SB (Nr. 1, 17. Jan. 1808):
-Phöbus. Ein Journal für die Kunst. Hrsg. v. Heinrich v. Kleist u. Adam Müller, Dresden; Originalitätskriterien, romantisches Programm der agonalen Unruhe (besagter Gott nicht in harmonischer Pose mit den Musen, sondern als Sonnenlenker, K 1-3), den Österreichvertrieb übernimmt die "Camesina'ische Buchhandlung"
-Teutona, eine vaterländische Zeitschrift für Politik, Literatur, Kunst und Sitten. Hrsg. v. Friedrich Karl Julius Schütz, Berlin;
*Kulturelles Kompensationsprojekt zur politischen Nichtigkeit Deutschlands, patriotisch - national (4 ff.)

*Literarischer Anzeiger zum SB (Nr. 2, 14. Feb. 1808):
-Anzeige der neuen Einrichtung der Allg. Lit. Zeitung; inhaltliche Gliederung
-Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst. Hrsg. vom Professor Ast, bayrisches Journal aus Landshut für das "Wahre und Gute" (13 f.)
-Verzeichnis der Kupferstiche, welche von dem Kunst- und Industrie-Comptoir zu Wien bis Neujahr 1808 verlegt worden sind (15 ff.)

*Literarischer Anzeiger zum SB (Nr. 3, 6. März 1808):
-Der Kosmopolit. Hrsg. v. Seidler, Jena; Weltbürgerzeitschrift als Orientierung für all jene "die sich in die neue Ordnung der Dinge [sic.] noch nicht finden können" (17 f.)
-Selene v. Rochlitz
-Ankündigung einer Kunst und Industrie-Comptoir zu Berlin (August Friedrich v. Kuhn)
-Fortgesetztes Verzeichnis der Kupferstiche, welche von dem Kunst- und Industrie-Comptoir zu Wien verlegt worden sind (22 ff.)

*Literarischer Anzeiger zum SB (Nr. 4, 3. April 1808):
-Plan einer neuen Zeitschrift unter dem Titel: Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (25 ff.)
-Fortgesetztes Verzeichnis der Kupferstiche, welche von dem Kunst- und Industrie-Comptoir zu Wien verlegt worden sind (30 ff.)


2.Jg. 2.Bd (1. May 1808 - 28. Aug. 1808)



Nr.70 - 1.5.1808

*FS-Zitate
*Flowen: Ueber die Vorlesungen des Herrn A.W. Schlegel. 2. (21-32) -
*"Das befreyte Jerusalem", Erster Gesang: metrische Übers. v. Carl Julius Fridrich (1-17)
*Offenbarungen eines Eingeweihten oder Axiomata und Postulate von F. Schlegel (Teil 2, 18 ff.)
*Über die Vorlesungen des Herrn A. W. Schlegel (Zweites Schreiben an den Hrsg. von Jonathan Flowen, 21-32): das summarische Urteil nach Endigung der VO: keine konsistente Begrifflichkeit (22), nichts Neues (22), keine Ausgewogenheit der Darstellung (22 f.), gehaltlos u. langweilig (23); inhaltlich wird wieder einmal die Schlegel'sche Unterscheidung der alten und neuen Poesie mittels doppelter Gleichung "palstisch = antik und pittoresk = romantisch" kritisiert (23), Garve vs. Schlegels (25), Winkelmann, Lessing und das Laokoonproblem anhand des Niobe-Stoffes (25 ff.), Schlegels spezifische Winkelmannrezeption (30 ff.) -> zwei Mißverständnisse: a. Unterscheidung von Kunstmedien und Einfachheit der antiken Kunst (begrenzte Quelle - Homer), b. Ruhe der Handlung in der antiken Plastik (nur fakultativ) [Schlegel macht möglicherweise ein wichtige Binnendifferenzierung nicht mit, nämlich die der Medialität von Kunst!?]

Nr. 71

*"Das befreyte Jerusalem", Erster Gesang, Fortsetzung: metrische Übers. v. Carl Julius Fridrich (33-46)
*Über die Vorlesungen des Herrn A. W. Schlegel (Drittes Schreiben an den Hrsg. von Jonathan Flowen, K. 47-56): die beschränkte Anzahl an Figuren in der griechischen Bildhauerei und der theatralischen Kunst - fakultativ; Hemsterhuis und die Unterscheidung von plastisch und pittoresk, seine Def. von vollkommener Schönheit über das Plastische vs. Winkelmanns Def. , die über Ausdruck und Gesetzmäßigkeit ("die Anregung der Ideen überhaupt") argumentiert (47 f.) - beschränkende Medialität von Bildhauerei und Entgrenzung der Idee durch Dichtung (48 f.), kein hinreichender Grund für Schlegel die gr. Tragödie mit der Gruppe der Bildhauerkunst zu vergleichen [Unterscheidung nach Lessing argumentiert] (49 f.), interessanter Streit um den Begriff des Idealen (50 ff.): Unterscheidung von Idealem, Idealischem, Allgemeinen - Gemeinsamkeit aus rezeptionsästhetischer Sicht ("movere" der "erhabenen Schönheit", 53 f.) -> die eigenen Thesen: die "heroisch-religiöse Fabel" (54) und der "Chor" (54), Entwicklung von Kunst und Abfolge von Stylen nach Winkelmanns differenzierterer Analyse und über die Möglichkeit willkürlicher Vergleichbarkeit aufgrund universalistischer Prämissen in der Genese von Kunst (54 ff.)

Nr.72 - 8.5.1808

*Flowen: Vorlesungen AWS 3: ua über Lichtmetaphern (62ff)
*Bericht des Doctor Wiederhold über die neuesten, poetischen Krankheitssymptome (66-72): *Hippomanie: Pferdeliebe, | die mit Menschenscheue anfängt; | (68) *Sonntagsfieber, 6 Kranke, ua: | "das schöne Fräulein Smeraldina. Den ersten Anfall bekam sie während einer Vorlesung des Hrn. Schlegel, wo sie ganz ohne Ursache in Entzückung gerieth, und, als ob sie in einer Cmödie wäre, zu applaudiren anfing. Bedenklicher ist es, daß sie seit dieser Zeit auf Schriften, die sie unmöglich verstehen kann, ohne sich auf Gründe einzulassen, schimpft. Doch, da dieß junge Frauenzimmer übrigens wohl organisirt ist, so hoffe ich, sie durch leichte antispasmotische Mittel z.B. Spaziergänge im Prater, Musik, besonders den natürlichen Gesang der Vögel, in kurzem völlig wieder herzustellen." || "Der sechste Patient ist abermahls eine Dame, deren Gemahl sich beklagt, daß sie wider seinen Willen den Schlegelschen Vorlesungen beygewohnt habe, und nun Alles um sich her plastisch einrichten wolle, auch bisweilen gar von Orgien rede, welche zu tiefe Gelehrsamkeit ihr selbst gefährlich werden, ihm aber leicht über den Kopf wachsen könne."

Nr. 72

*Über die Vorlesungen des Herrn A. W. Schlegel (Vierter Brief an den Hrsg. von Jonathan Flowen, 57-66): die "häßliche Sache um einen Dunklen Begriff" (57) -> "plastisch": "Von welcher Seite ich auch das Verhältniß der Tragödie zur Bildhauerey betrachte: so finde ich zwischen beyden Künsten nur folgende Aehnlichkeiten, die eine allgemeine Uebersicht des Kunstgebiethes zwischen allen Gattungen der Kunst entdeckt, oder solche, die außer dem Kreise der Kunsttechnik liegen, und nur durch die Gleichförmigkeit der Stammbilder und Fabeln, auf welche die Schöpfungen der Kunst gegründet waren, entstanden." (57), Kritik von Hegels Auffassung der modernen Kunst als "pittoresk" - gegen eine ungenaue Terminologie aus dem Bereich der bildenden Künste (K. 58 ff.) Themen: Colorit, Licht und Schatten, Vertiefung des Raums, figurative Komposition, die Kunstmetapher von Licht und Schatten wird übersetzt in eine Kritikermetapher von Klarheit und Dunkelheit [!]
*Dr. Wiederhold über die neuesten poetischen Krankheitssymptome (66-72): Hippomanie (66 f.), Sonntagsfieber (sechs neue Kranke in den letzten vier Wochen): 1. Zwirnhändler aus OÖ (68 f.) [! --> Kringsteiner ! ], 2. Emeraldina, eine A. W. Schlegelgeschädigte (69), 3. ein Neue-Morgenröthesuchender (70), 4. eine Antisatirikerin (Swifts "Vorschlag, die Kinder armer Leute in Irland anstatt der Spanferkel zu essen" als Heilmittel, 70), 5. mystischer Fieberhitzkopf (70 f.), 6. eine A. W. Schlegelgeschädigte, die ihre Krankheit jedoch bereits wie einen "Stockschnupfen" schon lange Zeit in sich trug (71)

Nr.73 - 22.5.1808

*L.D.J.: Etwas über die Mysterien, und ihre Auferweckung in unserer Zeit 73-82
*Gelehrte Mysterien, (74) die sich Staat an Seite stellten, Weise, die Schulen stifteten; || zB Mysterien der Isis, pythagoräischen Geheimnisse, neugriechische Philo; die gehen aber verloren, wiel sie eben geheim bleiben, sind also unnütz, und auch gefährlich, "den Grundsätzen und Zwecken eines wohl eingerichteten Staates gerade zuwider laufend. Jede Lehranstalt sollte unter den Augen Aller seyn, und unter der besondern Obhut des Staates stehen. (...) Jeder besondere Verein Einzelner bildet einen Staat im Staate, und schadet, wenn sein Zweck auch nicht unsittlich oder dem Wohl des Ganzen geradezu widersprechend ist, schon dadurch, daß er das allgemeine Band zwischen Bürger und Bürger lockerer macht. Dieser wesentliche Nachtheil hat bey jeder engeren Verbindung von Privatpersonen Statt, insofern sie auf keinen öffentlichen Zweck hin arbeitet, und Obrere hat; wäre es auch damit nur auf gegenseitige Unterstützung der Mitglieder, oder auf die Beförderung ihres Privatwohls abgesehen." | va wenn einflußreiche Männer dabei; tritt schließlich der Macht der Regierung selbst zu nahe; noch gefährlicher Verbindungen, die sophistischen Schild aushängern und behaupten, noch nie erkannte Weisheit zu besitzen; | in D sollte Kant Nebel der Mystik verbannt haben; warum also "das Auskrähen einer neuen Morgenröthe, da doch der helle Tag des Erkennes und Unetrscheidens bereits herangebrochen ist?"; | "einer der Hauptapostel dieser neuen Volkslehre": "'Sogar von Religion ist schon die Rede. Es ist Zeit, den Schleyer der Isis zu zerreissen, und das Geheime zu offenbaren.'" (s Athenäum, 3 Bd. 1.St 4) -wird uns wohl demnächst mit Religion beschenken; (79) | "neue Schule" tauft dieses hohle Gebilde "Religion der Künstler"; | "Den Präliminarien und allen Anstalten zufolge, werden wir bald die Gaukeleyen und Tausendkünste eines zweyten Apollonius von Thyana oder des berüchtigten Grafen Cagliostro wieder zu sehen bekommen, wenn anders der Plan nicht in's Große gerichtet, und wohl gar eine Secte von Levellers, Anabaptisten, und dergleichen gebildet werden soll. Dieß ist keine gehässige Auslegung, noch eine zu viel befürchtende Vorhersagung! Nach ihren eigenen Worten und Werken mögen die neuen Mystiker beurtheilt werden! Was muß man nicht, nach diesen öffentlich voraus geschickten Grundsätzen und Bekenntnissen, von einer Schule erwarten, die beynahe jedes jetzt lebende Verdienst und Talent geschmähet, die alle Schutzwehren und Grundfesten bürgerlicher Ordnung, häuslicher Tugenden, und humaner Gesinnungen in ihren Schriften angegriffen, und lächerlich zu machen versucht hat? - Wie dem aber auch sey, zu Schimpf oder Ernst, mit allen gerechten Waffen sollte jeder Mann von Verstand und Charakter sich diesen eben so geschmacklosen, als die Vernunft empörenden Neuerungen entgegen setzen, und die alte, erkannte Wahrheit, als die Ausbeute aller Zeiten | und den Stolz des menschlichen Geschlechts, verfechten, so weit es in seinen Kräften steht."
*Theater: nach Vorlesungen AWS wird jetzt von militärischen Exerzitien der Wunder-Vögel, Reithaus des Herrn de Bach, physikalische Experimente Hr Bienvenue und Degens Flugmaschine gesprochen (82)
*Etwas über Mysterien, und ihre Auferweckung in unserer Zeit (v. L. D. F. ???, 73-82): Grundsätzliches über das Mysterium (polit. u. rel.) und M. als geheimes (mündlich tradiertes) Wissen, die dunklen Geheimlehren vs. die öffentliche Wahrheit und die Pflichten des Staates; Kant, der Lichtbringer und Kritik der "Neuen Schule", die wider alle "bürgerliche Ordnung, häusliche Tugend und humane Gesinnung" (81) ist (78 ff.)
*Theater: Duport, Schröck, Roose (82 ff.)

Nr.74 - 29.5.1808

*Eulalia Götzenbild: Damenphilosophie, Verweis auf de Staels Corinna (91); männlicher Grundsatz: "Ich bin ich."; weiblicher: "Ich bin schön."
*Philosophie der schönen Eulalia Götzenbild (89-98): Versuch einer "weiblichen Naturphilosophie" unter der Prämisse: "Ich bin schön" in Analogie zur männlichen Philosophie unter dem ersten Grundsatz: "Ich bin Ich", Seele als Verbindung von Körper und Kleid (92), "Von der Liebe" = "praktische Vernunft" - das Moralische (93), Kapitel über Treue gehört ins politische Fach, "transcendentale Weiber-Politik" (95), Ehe und Liebschaft ("reine Liebe "in Analogie zur "reinen Vernunft", 96), Theorie der Schwachheit - Gebiet der Mystik, Theorie der Strumpfbänder (96 f.) (Z:"Wirklich neigt sich gegenwärtig alles zu den Weibern hin." /90 - Romantik als Frauenbewegung?) Seiten 105-112 fehlen! ZS-Numerierung stimmt aber

Nr.75 - 5.6.1808

*Th. West (kein Titel) 113-122: "Man ist nicht immer unsrer Meinung; aber wir werden gelesen." (113) | "Man nennt uns strenge, ja, die guten Herzen finden uns ungerecht und grausam:" "Die zweifelhafte Autorität der Jenaer Literaturzeitung hat in Wien durch die schaalen Lobsprüche nichts gewonnen, die sie an den schutzverwandten Prometheus verschwendet; so wie dieß Journal in seinem wankenden Zustande dadurch schwerlich gestützt und gehoben werden wird." || Sonntagsblatt hat dann Bestimmung erfüllt: | "wenn Lessing wieder mehr gilt als die Gebrüder Schlegel, Wieland mehr als Jean Paul und Tieck, Kant mehr als Fichte und Schelling;" dann wird es so entbehrlich sein, wie die meisten deutschen Journale jetzt schon; ehe dies geschieht, muß ZS die "an den Grundsätzen einer überlegten und consequenten Opposition fest hält"; "Wir wissen nicht, ob das ernsthafte Schicksal, das über Deutschland waltet, dem Publicum und uns selbst lange genug gestatten wird, einige Aufmerksamkeit auf Gegenstände zu wenden, wie diejenigen sind, womit sich unsere Blätter beschäftigen. Gleichgültig sind diese Gegenstände unter keinerley Umständen. Die Literatur hat zu viel Einfluß auf Denkart und den Charakter eines Volkes, als daß die Verwirrung, welche sie zerrüttet, nicht auch in dem Leben und den politischen | (118) Verhältnissen desselben fühlbar seyn sollte. Derselbe Geist der Träumerey und Unbestimmtheit, der unsere neuere Literatur zu einem lächerlichtraurigen Schauspiel macht, ist auch in den wichtigeren, ja in den ersten und eigensten Angelegenheiten unserer Nation nur allzu sichtbar. (...) Noch jetzt soll der erborgte Enthusiasmus der Poeten die Stelle des Nationalgeistes vertreten, dessen Mangel die eigentliche Ursache des politischen Verfalls von Deutschland ist. Statt auf die Gegenwart zu merken, und den Verstand mit practischen Regeln, die Seele mit starken Entschlüssen zu füllen, vertiefen wir uns in die fabelhafte Vergangenheit und in das phantastische Reich der Ideale. In dem Liede | der Niebelungen, in den alten Volksbpchern und Mysterien meynen die Wiederhersteller Deutschlands dasjenige zu finden, was uns zu einer Nation machen soll, und wahrscheinlich hoffen sie die Feinde des Reichs mit den Waffen der Mystik und Romantik zu schlagen. - Mitleidswerthe Schwärmerey, wenn sie weniger anmaßend und verderblich wäre! Aber in diesen Thorheiten gehen die letzten Reste deutscher Kraft und Selbständigkeit unter; und während unsere Jünglinge von dem starken Friedrich und mannhaften Carel faseln, zieht die hellsehende Gewalt ihr ehernes Netz über unsere Häupter zusammen." Plädoyer für strenge Kritik, | die manchmal auf Ablehnung stößt; "Muß man die Herren Schlegel hassen, wenn man sich ihrer Arroganz, ihrem critischen Fanatismus, und den verwerflichen Kunstgriffen widersetzt, womit sie die Schwachen für ihre Meinungen gewinnen, worauf sie den Ruhm ihres Nahmens zu gründen suchen?" | fähigen Männer in ÖS, die uns durch Beifall ehren, könnten mehr tun; "Wir haben ein Beyspiel gegeben, das Nachfolge verdient."
*"Ueber den Begriff des Romantischen in der Dichtkunst" 122-134 (zu AWS): (126): erst in letzten Vorlesungen wos um Theater SP ging, gab AWS Erklärung des Romantischen
*Grundsatzrede Thomas Wests zur Stellung des Sonntagsblattes (105-122): Bezug zur "Sippschaft der guten Herzen", zum Ausland (z.B. Jenaer LZ u. Prometheus, 114), zur Rangordnung in der deutschen "Gelehrtenrepublik" (117), zum romantischen Enthusiasmus und standhaften, deutschen Nationalgeist, zur lauteren Position des Kritikers,
*Über den Begriff des Romantischen in der Dichtkunst. Fortsetzung der Briefe über die Vorlesungen des Herrn A. W. Schlegel (Fünfter Brief an den Hrsg. von Jonathan Flowen, 122-134): "romantisch" als scheinbar haltbarster Begriff der neuen Schule; poetisches Paradigma: "Morgante maggiore" v. Luigi Pulci und "Orlando inamorato" v. Matteo Bojardo -> der Homer der Neueren sei Ariost (122 f.), aber Verkennung des Begriffes (symptomatisch dafür sind die Fehlurteile der Kritik, 123 ff.), A. W. Schlegels Grundlegung des Romantischen im Mystischen (126 ff., z.B. "Autos Sacramentales"), Quelle des Romantischen ist u.a. Christentum, Rittergeist, Liebe, neue Landschaftserfahrung und Geistersystem des Orients (128 ff.) Abfuhr an Kritikerin (Macbeth) mit viel männlicher Arroganz 135 ff.

Nr.76 - 12.6.1808

*Rezensenten: Schlegel, Romantik; manche loben Prometheus, weil ein paar berühmte Namen drin vorkommen; (147)
*Rezensentenschelte (141 ff): oberflächliche Einteilung der ungelesenen Bücher in "freundliche, feindliche oder neutrale" (142)
*Frauenlieb als Unglücklicher (152 ff.)
*Theater: Ausführliches zu Duport (156 ff.)

Nr.77 - 19.6.1808

*Ueber den Begriff des Romantischen in der Dichtkunst: Begriff romantisch
*Die stille Gesellschaft im Gespräch über Treitschkes "Marie und Fernando" (164 ff.)
*Über den Begriff des Romantischen in der Dichtkunst. Beschluß (Jonathan Flowen, 177-188):grammatikalische Herleitungsversuche (177 f.), West'sche Eigendef. (178 f.) nach romantischen Motiven (inhaltliche Dispositionen), Metaphysik der Liebe (180 f.), romantische Elemente in den europäischen Lit. (181 ff.), das Romantische ist das begrifflich Verlorene (185 f.), über mystische und idealistische Kunst und ihr Verhältnis zu Raum und Zeit (186 ff)

Nr.78 - 26.6.1808

*Augustin Sicher: Deutsche Journale 194-197; | als vorsichter Mann schlug er sich zur Partei, die noch vor kurzem die herrschende war, dh Schelling, Oken, Schlegel Ast Wezel; | nun wird dies aber tw von selben Journalen kritisiert, zb v Fernow im Prometheus;auch im Morgenblatt Späße über Tieck und Schlegel
*Theater: Die Unvermählte v. Kotzebue, inmitten der theatralischen Barbarei und d. romantischen Anmaßung ist das Stück durchaus erfreulich (189 ff.), Mdm. Vohs, Mdm. Eigensatz-Petrillo, Hr. Fischer (191 ff.),
*Deutsche Journale: Brief eines verlorenen Lesers (Augustin Sicher) über die schizophrene Situation der Kritik (z.B. Prometheus) "... so macht man doch eine etwas alberne Figur, wenn man in demselben Augenblicke von einerley Gegenstand zwey widersprechende Meinungen hat, ..."(195), die Unsicherheiten der neuen Schule als System und ihre neuen Kritiker ( z.B. Voß), Bemühungen des Herrn Puff um das deutsche Journalwesen: Plünderung seiner "Zischelzeitung" durch Kuhn im "Freymüthigen" (198 f.), ebenso "Morgenblatt" und "Zeitschrift für die elegante Welt", Plagiate seinerseits -> Def. aus dem "Freymüthigen" (200 ff.) über Philosophie (Chiffren der Natur - Schmetterling und Mensch), Politik (Universalstaat), Länder und Völkerkunde ("uverbrennlicher" Öltrinker und Ehekuriosum)

Nr.79

*zu Oken: Universum als Fortsetzung Sinnensystem
*Ein durch Okens revolutionäre Universumsbroschüre ("Über das Universum als Fortsetzung des Sinnensystems, ein pythagoräisches Fragment von Oken") geschädigter Naturwissenschafter (205-219) ad Theaterkritik: Argwohn und Übereilung, Alle fürchten sich (220 ff.)
*Urtheil des "Freymüthigen" über Treitschkes "Marie und Fernando" (224 ff.)

Nr.80 - 10.7.1808

*JCD: Geist der Deutschen Journale: Prometheus ist viel zu vornehm über uns zu sprechen, wir haben Verdienst, Prometheus im Andenken zu erhalten, denn sonst spräche niemand in Wien davon; in Folge werden Correspindenznachrichten über Prometheus und Sonntagsblatt zitiert; ua aus ZS f eleg Welt 97 1808: Prometheus von Zeit zu Zeit im Sonntagsblatt angegriffen, wird von Prometheus nicht erwidert; auch gg AWS-Vorlesungen, die dieser im April hielt, noch vor Ende dort zu Felde gezogen; Urteile sehr geteilt, AWS äußerte sich über lebende Dichter zumeist günstig (251), | sehr positiv zu Collins Verdiensten um tragische Bühne; Hormayrs Plutarch 1.Jg geschlossen *Theater: König Lear (229-240)-> Auseinandersetzung mit der romantischen Shakespearerezeption (Hamlet und Lear als skeptische Tragödien, Prometheus?)
*Geist der deutschen Journale: u.a. Morgenblatt über Prometheus (245), Sonntagsblatt (245), Phöbus (245), Zieglers "Machtspruch", Jean Paul (247) und Zeitung für die elegante Welt über Prometheus, Sonntagsblatt, Schlegels Urteil über Collin, Treitschke

Nr.81

*Sophie über ihre Damenphilosophie im Anschluß an Eulalien (253 ff.),
*Schrieben eines von Morfeld begleiteten Persers über Wien an seinen Vater (265 ff.) -> [ethnologische Sonderbeobachtung!]schlechte Kost im teuren Wirtshaus (265 f.), Sprachblödheit (266), Steffl als Wegweiser (267),
*Gesellschaftshierarchien, Wohnungsnot, Kartenspiel, Sittenverfall der Geschlechter, Lügenhaftigkeit und Kriecherei

Nr.82,83

*Th West: in N-D kamen "Hohenpriester des neuen Orients" aus Mode, "so hat doch ihr Reich im Süden erst recht angefangen"; nun tummeln sich in BAY und Schwaben philosophische Kalender und Bänkelsänger, wie sonst Bettler und Zigeuner (290)
*Organisches Quodlibet aus der Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst. Hrsg. vom Professor Ast aus Landshut: interessante Zusammenstellung romantischer Ideen zu besagtem Thema mit Autoren wie Ast, F. Schlegel, Rottmanners Alpenlieder (Ironisierung in der Zusammenstellung der Zitate), Konstruktion des alpenländischen, volkstümlichen Ursprungsmythos (J. Görres, 283 f.), Prof. Ast als der erste Leser der Romantik!! --> die große Empörung ("ein verrückter Kopf mit einem tollen Geschmack," 284 ff.),
*Über weibliche Götzen (292 ff.),
*Theater: Franz von Holbein: "Der Vorsatz", "Die wie wir", "Der Marschall Catinat" (300 ff.)

Nr. 84

*Über vier neue Geheimbünde in Wien (Geckenorden, 306 ff., Brüder vom Rad, 308 f., Schmarotzer oder Krötenschlucker, 309 f., Compagnie der Frechen 310 ff.,
*Über die Familien "Süß und Sauer" (315 ff.), ihr Geschmack (Schlegel und Beethoven),
*Theater: Kabale und Liebe am k. u. k. Hoftheater (321 ff.), kritische Auseinandersetzung mit Schillers unrundem Frühwerk

Nr.85 - 14.8.1808

*P.: Ueber die Erziehung 329-335 "Fragt man die neueren Schriftsteller, (333) welche insgesammt laute Klagen führen über die Verderbniß des Zeitaltrs, so weiß jeder von ihnen ein unfehlbares Mittelchen anzugeben, wodurch wir uns schützen können, gegen das moralisch-politische Chaos, das, wie sie meinen, unsern Nachkommen droht. Der eine heilt den Riß der Wel mit dem Zeigefinger zusammen, indem er uns die alten deutschen Volkslieder vorleiert; ein anderer sieht in der Mystik die Universalmedicin für | die erkrankte Menschheit; ein dritter hält die Soldaten für die trefflichsten Pädagogen im Großen {vgl S.203}; ein vierter will uns zu Griechen, ein fünfter zu Waldbewohnern machen; ein sechster glaubt, wenn wir nur geschickte Oeconomen oder Feldhauern würden, so müßten die moralischen Uebel von selbst aufhören - und dieser hat vielleicht am wenisgten Unrecht; ein siebenter endlich ist der Meinung, wir sollten nicht so offenherzig unsere Schwächen eingestehen, und lieber so thun, als ob wir noch die biedern und kräftigen Menschen der Vorzeit wären, dann würde Alles beser stehen. Ohnmächtige Versuch, den Krebsschaden, der sich bis in das innerste Mark des geschwächten Körpers eingesogen hat, durch Sprüchelchen beschwören zu wollen!" genaue Erforschung des Übels ist nötig.
*Erziehung (329 ff.)
*Brief einer Unglücklichen über ein mißglücktes Trauerspiel (335 ff.) und Antwort (338 ff.)
*Theater: Hamlet im Theater an der Wien (342 ff.), die "neue Morgenröthe" auf den Vorstadtbühnen (242-245), ansonsten fast ausschließlich Schauspielerkritik

Nr.86 - 21.8.1808

*Th West: 349-356: "mehrere kleine Talente, gleichsam eine ganze Hecke literarischer Gelbschnäbel" nun in Wien; wissen von Büchern nichts schlimmeres zu sagen, als daß sie alt sind, bzw "Lieblingsausdruck" "veraltet"; (349) | diese jungen Herren sind vorlaut, "Vorsicht und Politik" kann ihnen nicht abgesprochen werden; zeigen sich "selten anders als bandenweise, und immer auf sorgfältigste vermummt"; erheben Stimme nur, wenn sie glauben nicht gesehen zu werden; schließen sich auswärtigen Journalen an, wo sie Schlegel Tieck Schelling huldigen; seit 1 Jahren verkündet im Morgenblatt "ein ganzes Heer solcher Gelbschnäbel, pippend und krähend, eine neue | Morgenröthe der österreichischen Literatur"; in Nr 155 dort zu Schlegel: AWS-Volesungen fanden nur kleine Gegenpartei, die "'einzig aus ein paar veralteten Literatoren des ehemaligen Wiener-Parnasses (..) | bestand'"; -ist falsch; es gibt in Wien, wie auch in D Leute, die Gebrüder Schlegel für große Geister halten; | Glaube in Wien aber nie sehr ausgebreitet und fest; vor einigen Monaten vielleicht Dame oder gelehrter Stutzer aus höheren Classen mit Frau v Stael von Schlegel beeindruckt; aber tiefe Eindruck der Vorlesungen schon wieder verwicht; auch Madame de Stael; außer "einem Dutzend schwärmerischer Knabenköpfe" hält hier niemand Ankunft "des Verfassers der Lucinde" für ein glückliches Ereignis; nur für ein paar ältere Wiener Schriftsteller gilt Schilderung des ehemaligen Wiener Parnasses: | Ayrenhoff zB besuchte Vorlesungen nicht; Sonnenfels mißbilligte sie; nur einige Herren und Damen klatschten; wenn es eine kleine Partei gab, dann die für Schlegel (354) |
*West über das falsche Urteil von A. W. Schlegels Vo. in Wien (ungeteilt positive Rezeption) im Morgenblattartikel Nr. 155 (349 ff.), er erwähnt darin Sonnenfels (534) als Schlegelkritiker,
*Ein unglücklicher, weil witziger Kopf (357 ff.)
*Iffland in Wien (364 ff.)

Nr. 87

*Grundsätzliches über das Verhältnis von Einbildungskraft und Verstand in bezug auf den Einzelnen wie auf das Kollektiv ("Volk") -> für die positiv gelenkte Phantasie (369 ff.)
*Iffland als Lear (380 ff.)

Literarischer Anzeiger zum Sonntagsblatt der Augustausgaben (1-32)
*Freyherr v. Putlitz: Lebens-Accorde
*H. A. Goeden: Ideen des Lebens
*Preisfragen
*Miscellen
*Theaterchronik
*Neuere Schriften


3.Jg. 3.Bd (4. Sept. 1808 - 25. Dez. 1808)



Nr. 88

*Beilage: lit. Anzeiger (1 ff.): Iffland über Benefizspiel für Schillers Witwe (1 f.), Theaterchronik: durchgängig Ifflandlob und Volksstückkritik, Schillers "Räuber" sehr präsent

Nr. 89

*gesellschaftliche Anleitungen für den Städter zum Glücklichsein auf dem sommerlichen Landsitze (17 ff.), Verteidigung der Sommerlandsitztradition mittels Kritik des idealisierten Schäferbildes (bes. 17 f.),
*Beilage: Theaterchronik und Kupferstiche

Nr.90 - 18.9.1808

*Der Staat (Aus Palmers Wörterbuch) {nach Anders,107: "Der Staat ist die gesellschaftliche Einrichtung unter Zwangsgeesetzen, durch welche allein die Sicherheit der Rechte .. möglich ist"}

Nr. 90

Beilage: Theaterchronik

Nr.91

*Lüge (Palmer)

Nr. 91

die Geschwätzigkeit der Ehefrau in Sachen Kunst als Invektive geg. Perinet, Treitschke und Hafner (55), Beilage: Theaterchronik

Nr.92

*Jean Paul: aus Friedenspredigt
*Mittelmäßigkeit (Palmer)
*2.Schreiben Augustin Sicher an Hrsg (84-88)
*neu erschienen sind Faust, Fischtes Reden an deutsche Nation, über Sprache und Weisheit Indier von FS (85), weiß nicht was er davon halten soll; | vorschneller Mann behauptet, daß Faust kein Werk sei, "noch viel weniger als Buffons Naturgeschichte, von der Herr Schlegel dieß behauptet hat."
*Hoffnungen und Aussichten aus J. Pauls Friedens-Predigt 89 ff., Augustin Sicher über Goethes "Faust" -> nahe an der romant.-myst. Poesie (84 ff.)

Nr.93

*Staatsverfassung (Palmer)
*Frag und Kundschaftsamt für gebildete Stände (107-112) "Portier im literarischen Bedlam" gibt Auskunft, wo man sich um Posten eines Hofmeisters bewerben kann, der alles können und fast nichts verdienen soll (112)

Nr.94 - 16.10.1808

*Über angebliche Charakterlosigkeit des Zeitalters
*Kaffeehaus der Hagestolzen
*Beilage: Theaterchronik

Nr.95 - 23.10.1808

*Palmer: Das Gemeinnützliche. (133-139)
"Die Philosophie (134), die überall nach Einheit der Principien trachtet, hat es vielfältig versucht, die widerstreitenden Triebe unserer Natur aus Einer Quelle abzuleiten. So ist nach einer Philosophie, die noch vor einigen Jahrzehenden Mode war, der Eigennutz als die oberste und einzige Triebfeder der menschlichen Handlungen dargestellt worden; ein System, welches allen edleren Gefühlen unserer Natur Hohn spricht, und die Vernunft zu einer bloßen Dienerinn der Sinnlichkeit macht. In der Erfahrung finden wir glücklicher Weise, daß ein consequenter Egoismus keine gewöhnliche Erscheinung ist, und daß, wenn das Gute und Gemeinnützige selten aus Vernunftgründen geschieht, es doch überhaupt öfters angetroffen wird, als die Geckerey der Schule uns glauben machen will. Das menschlische Herz, eine ältere Instanz als Rochefoucault | und Kant, eilt in hindert Fällen den Berechnungen der Selbstsucht sowohl, als den Beschlüßen der praktischen Vernunft, voraus;"
*Typologie der Praterbesucher

Nr. 95

Beilage: über Görres Ausfälle gegen die Comedia divina und den Konkurs der "Einsiedlerzeitung"(s. aggressiv), ad Neubeteiligung an "Phöbus" (F. Schlegel, Tieck, Stael), Theaterchronik mit einer Kritik der wiederaufgeführten "Pumphia"

Nr.96 - 30.10.1808

Abenteuerliche Reisen des Herrn Hilarius Frank 149-168 *Ist in Utopien, wo die reine Vernunft durchgehend herrschend ist (153), wenn Mann heiraten möchte, geht er zur ersten ledigen Jungfrau, die er nach den öffentlichen Stadtregistern in der Reihe trifft, und sagt "Die Natur hat gewollt, daß das Menschengeschlecht nicht aussterbe; laß uns vernünftig seyn, und ihren Willen gehorchen!", Jungfrau antwortet: "Es sey also!"; es gibt nichts Gutes zum Essen, | "das Daseyn ist von allen fröhlichen Bildern entblößt, die Empfindung, ihrer Rechte beraubt, wird in logische Formeln eingezwängt, und so vergeht das Leben freuden- und thatenlos, und gleicht dem Geklapper einer Mühle, in der das Vernunftthier sich umtreibt."; dann in Kleinutopien; |-| (167) dann Neu-Abdera (Fortsetzung in Nr 97)
*Abenteuerliche Reisen des Hrn. Hilarius Frank (149 ff.): die aufklärerische Lichtbringermaschine (149 f.), Armutskritik (150), die magere Kost der "reinen Vernunft" im Lande "Utopia" (153 ff.) -> Aufklärungskritik?, die "Affen der Vernunft" (157) auf der Kolonie "Klein-Utopien" (156 ff.), wer ist der beschriebene Dichter auf S. 159?, Stück: "Der weise Steinbock" -> Frank schläft ein -> Skandal (161 ff.) Schulbesuch (164 f.), Landung auf der Insel "Neu-Abdera" (167 f.),

Nr. 97

Fragmente aus den Bekenntnissen eines Autors (168 ff.): Über das Übel der Autorsucht unter der gegenwärtigen Jugend, Ursachen ("freies, ungehägtes Feld", 170 f.; der "leichte Mechanismus der Schriftstllerey", 171 f.), schädl. Einflüsse (Berufsschriftstellerei! 172 f; Buchdruck, 173; --> Forderung nach Kanon bzw. Evaluation von Dichtung, 174 f.), über die verzweifelte Stellung der gegenwärtigen Dichter (175 f.), 3 Gattungen von Dichtern: a. Genie (betrachtend od. empfindend, 176 ff.), b. Talente (schön od. humoristisch, 179 ff.), lit. Handlanger und Tagelöhner (gute Köpfe, mittelmäßige Köpfe und Tröpfe 181 f.),
Abenteuerliche Reisen des Hrn. Hilarius Frank (Fortsetzung, 186 ff.): Verkehrte Welt in Neu-Abderiten und die spaßhafte Gesellschaft der zweideutigen Wortwitzigkeit

Nr.98 - 13.11.1808

"Das literarische Bedlam, ein tragisches Possenspiel" 193-208 ua eine arme leidende Creatur, die daran leidet, daß es keine Zigeuner mehr gibt (202) und immer weniger Bettler, weil nur unter diesen wahre Volkspoesie sich erhalten kann; Fußnote: S Vorrede zu des Knaben Wunderhorn; || Auftritt eines Bekränzten, der orientalisch geschmückt ist und mit Mohn und Sonnenblumen bekränzt und gibt Zitate zum besten; ||| (207) Portier: Novalis starb rechtzeitig, | spukt hier aber herum
*Das literarische Bedlam (193 ff.): Einakter über einen verzückten Reisenden am poetischen Narrenturm - die Insassen sind sämtlich Romantiker, ihr Bekränzter F. Schlegel (Zitiergehässigkeit),
Lit. Beilage: Theaterchronik (Todesanzeige v. Mdm. Betty R(o)?ose)

Nr. 99/100

"Luftbaumeister" Prahlendorf (209 ff.), Aufforderung an Wiederhold einen Weg zu ersinnen, der durch Veränderung des Körpers auch die charakteristische
*Seelenschwäche des Zeitalters zu heilen vermag (217 ff.) -> Fortsetzung Nr. 100 (225 ff.)
*Lit. Beilage: Theaterchronik (Beschluß), Wörterbuch zu J. Pauls Schriften
*Theater: Haß allen Weibern v. Castelly (235 ff.), Das Intermezzo v. Kotzebue (239 ff.)

Nr. 101

Theater: Die Großmama v. Ziegler (260 ff.)

Nr.102 - 11.12.1808

*Auflösung stille Gesellschaft, nun von Hilarius Frank Hrsg (266)
*H. Frank über die Auflösung der stillen Gesellschaft und die Zukunft des Blattes (265 ff.)
Theater: Fanchon, das Lehrmädchen (268 ff.)
Übersetzter mit Beitrag zum göttlichen Vestris (Tänzer)

Nr.103/104 - 25.12.1808

Comedia Divina. 278-286.
*neue Schule findet immer noch ihre Gegner (278); "Die Herren Friedrich Schlegel, Ludwig Tiek, Görres, Ast, Oken, Rotmanner, Isidorus, Sylvester, Roßtrof, der Verfasser des Lacrymas" | Comedia Divina von anonymen Verfasser; dort in der ersten Vorrede, die aus Görres: Schriftproben von Peter Hammer genommen ist: "'Alle Tollhäuser sollten aufgeschlossen werden; es ist lauter Neid von dem Bettelvolke, daß es die Reichsten einsperrt; dann sollt ihr Wunder sehen, wie Alles so verstandig wird und klug."
*Wiederhold über "Neue Klagen über Seelenschwäche" Lustspiele des Freiherrn von Steigentesch (2 Bde.), 372 ff.
*ad "Comedia Divina" (278 ff.) -> Wests Rezension über den nicht sehr geglückten Versuch einer Parodie auf die Neue Schule ("Das beste in seinem Büchlein sind Auszüge aus den Schriften seiner Gegner, die bewußtlos, wie alle wahren Dichter, und ohne es zu wollen, die lächerlichen Dinge in ihrer Begeisterung zu Markte tragen" (286),
*wider den "Freymüthigen" (286 ff.)
*Miscellen, ad Goethes "Er" - Gedicht (295),
*lit. Anzeiger: Neuere Schriften (Seitenhieb auf G. H. Schubert)
*Literarischer Anzeiger

Heft Nr.6

*Miszellen: zu Intelligenzblatt zum Morgenblatt 1808 Nr.21: dort Görres gg Comedia Divina; Ende Einsiedlerzeitung (37-39)
*zu Phöbus: Neu dazu Madame v Stael, FS, Tieck, 6.Heft erscheint nun (39f)

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