PROMETHEUS 1808
Erstellt von Christian Aspalter und Anton Tantner

Ausführlicher Titel: Prometheus. Eine Zeitschrift.
Hrsg. v. Leo von Seckendorf und Joseph Ludwig Stoll. Wien, in Geistingers Buchhandlung; gedruckt bei Anton Strauß (6 Hfte. --> alle 1808; Seckendorf starb frühzeitig)
Repr.: Nendeln : Kraus.

Standort: Nationalbibliothek Wien: Aug. Lesesaal - Sig.: 5. 269 - B. (alle 6 Hfte. vorhanden)


Literatur (Auswahl)

*Bobeth ZS der Romantik 1911 (140-158) Houben und Walzel, Bibl Repertorium I: ZS Romantik 1904
*Hauser, Rudolf: Die Zeitschrift "Prometheus" Wien 1808. Dissertation an der Universität Wien. Wien, 1925. NB 217.965-C; UB D 682 (in letzten Exp 2mal S.15) Diss bei Arnold und Brecht?, 18.7.1825
*J Kerners BW mit Freunden Hg Theobald Kerner erl v Ernst Müller 1897
*Nadler, J.: Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften. Bd. 3. Wien, 2. Aufl. 1924.
*Obser Briefe an Leo vS (=Neue heidelbergische Jb XVIII 1914;
*Sauer Goethe und ÖS I und II (1902-1904) =Schriften der Goethe-Gesellschaft 17.,18.Bd
*Scheidl: Leo v Seckendorff und seine lit Beziehungen zum Weimarer Dichterkreis 1885
*Seidler, Herbert: Österreichischer Vormärz und Goethezeit. Wien 1982.

Verwendete Abkürzungen

Abkürzungsverzeichnis



Anm.: siehe Sengle/Sengle:
Dok. des zunehmenden Einflusses der Romantiker in Wien [152], vermutlich Anregungen durch Goethe, Zerwürfnisse mit den Hrsg. und Zurückdrängung seines Einflusses durch Gebr. Schlegel. Die Stimme bed. Autoren, wie z.B.: Wieland, Voß, H. J. v. Collin, A. W. Schlegel u. Fr. Schlegel, F.G. Wetzel --> sehr interessante Mixtur von unterschiedlichen Autorpositionen (Aufkl.: Wieland, Voß; Romantik: Gebr. Schlegel; Wr. Klassizismus: H. J. v. Collin), aufschlussreich scheint dabei der spezifische Misserfolg dieser Zeitschrift zu sein, der vermutlich auf die noch zu schwache Position der Romantiker in Wien zurückzuführen sein dürfte [153].



1.Heft


Einleitung: (unpaginiert)
*Das neue fruchtbarste Zeitalter für die "rein menschliche Schönheit" nach der ungestümen Befriedung durch die Lanze Bellonens, Zeitschrift f. Humanität, gegen die Überheblichkeit der Aufklärung und gegen ihr verzehrendes Licht aber für erwärmendes, friedliches Hirtenfeuer.
*"Nach den erschütternden und belehrenden Ereignissen einer gewaltigen Zeit war es bey der Tiefe des deutschen Genius nicht zu wundern, daß in ihren aufgewühlten Furchen Keime einer neuen Schöpfung: die ästhetische Bildung des Menschen bezweckend und seinen über allen Erdenwechsel erhabenen Adel, fast zugleich an mehreren Orten Deutschlands angeregt und in verschiedenen Erziehungs- und Bildungs-Formen angekündiget worden.
Und allerdings scheint der Zeitpunct einer neugepflügten Welt - nicht mit ihrem leise hinwandelnden Friedenspflug, mit der | ungestümen Lanze Bellonen aufgerissen, der fruchtbarste zu seyn, jene herrliche Pflanze des Himmels: rein menschliche Schönheit, auf Erden gedeihen zu machen.
Bey gleicher Veranlassung, vereint zu gleichem Endzweck mit den Würdigsten unserer Litteratur, wagen wir die Herausgabe einer Zeitschrift für Humanität, Prometheus genannt; welche, ein geistiges Vaterland begründend, jeder verschüchterten deutschen Muse eine freundliche Heimath öffnet; fern von dem unwürdig anmaßenden Gedanken, ein sich mit dem Herzen sichrer findendes Volk, wie das | gute, das unsrige ist, im Geiste über das Herz aufklären zu wollen.
Nein, keine Aufklärungsfackel soll die des Prometheus seyn, die mit der Verzehrung des innersten Menschen ganze Länder in Asche legt; ähnlich vielmehr einem friedlichen Hirtenfeuer mag sie nächtlich irre Tritte zu geselliger herzergießender Erheiterung leiten. Und obgleich dem erhabenen Mythus nach die leuchtende Gabe durch ein schuldiges Haupt auf den Menschen gekommen, so | erfreut er sich ihrer doch in aller Unschuld, da jener lieberfüllte königliche Himmelsräuber ihm zugleich den weisen Gebrauch davon gezeigt: daß der Mensch im Feuer den Quell aller Kunst gefunden. Darum hat Jupiter selbst den Raub von den Sterblichen nicht mehr zurückgefordert, und sogar sich nicht selten gefallen lassen, sich an einer irdischen Flamme zu wärmen. Stoll."

Inhalt:

I. Pandora's Wiederkunft, ein Festspiel v. Goethe [1-11]
*Auffällig allenfalls die Landschaftsbeschreibung (Szene), die zwischen Empfindsamkeit und Romantik auch genau jene Schnittstelle belegt, für die der gute Goethe stehen könnte

II. Über Handzeichnungen, von Meyer [12-18]
*Über die Vorzüglichkeiten der Skizzen [14ff]( das Typische, das Unverfälschte, letztendlich das Authentische des fertigen Genies --> etwa das, was der Tiroler Wastl als unvollständiger Typus für den zivilisierten Stadtmenschen) der großen Maler in Florenz (Rafael, da Vinci, Michelangelo)

III. Amors Bild, in einem Akt von Stoll [19-30]
*Ein kurzes und überaus rühriges Bild von einem kunstsinnigen Mädchen, das Amor (das Modell: unbekanntes Kind aus der Nachbarschaft) malend von Amor mit einem Jüngling erstmals (ihr Gesprächspartner über Kunst und bürgerliches Leben "Pinsel vs. Nadel"[22f]) verbunden wird (das Mädchen malt in signifikanter Abweichung den Gesprächspartner). Über die Schönheit des nackten Kindes á la antikem Ideal (das Gewand als der verfälschende Schein) und die puritanischen Deutschen [25].

IV. Versuch einer Allegorie über den Homer, von Wezel [31-53]
*heutige Welt wendet sich heiligen Altertum zurück; (32): "Alles Leben auf Erden ist aus Entzweyung, aus Streit der Schuld und Strafe entsprossen; aller Streit aber ist um der Liebe willen, in welcher allein Leben ist" *Eine unglaublich universalistische Interpretation der beiden Homerischen Epen, die mitunter alles hat, was einem kräftigen Essay abzuverlangen ist (starke Konturen, Kreativität, Entschlossenheit der Lektüre)
*Ausgangspunkt seiner Homerlektüre ist das Ungenügen an der ausschließlichen "Buchstabenkenntnis" [31] (nur das "Mittel zum Endzweck" [31]) der gegenwärtigen Homerleser. Er weist seine Lektüre denn auch als nicht mehr denn einen "Morgentraum"[32] aus, der aber andererseits aber auch einen Neuanfang darstellen soll. Der zentrale Gedanke der beiden Epen sei die "Liebe". Aus ihr entstehe alles und gehe alles wieder ein.
*Die Ilias sei der Beginn der Manifestation dieses Prinzips. Auch die Grenzen dieses großen Geheimnisses werden respektiert, das Unaussprechliche (das Göttliche -Trojas letzte Tage nur noch Weissagungen[34]) bleibt in der Erzählung ausgespart. Statt dessen werden die Götter selbst auf ein menschliches Maß reduziert (der kleine allegorische Krieg um Troja in menschliche Verse gefasst). Schweigen ist jenseits der Ilias, da dieses Jenseits jene alte Nacht auftut, "wovor auch Götter grauet" [37]. Versöhnung ist mit Hektors Tod bewerkstelligt und "die Sonne des Epos sinket heiter und still in Okeanos Schooß, ‚woher alles Leben stammt', ins Weltmeer ewiger Liebe" [37]. Verklärende Auszeichnung im Tod[40]
*Der neue Gesang ist eine neue Morgenröte, die unablässig mit der verschwiegenen Nacht korrespondiert [41f.]. War die Ilias der Auftritt der menschlichen Götter, so ist die Odyssee der auftritt des menschlichen Gottes oder wesentlich verdichtet, als poetologische Metapher: "Die erlauchten Gestirne, deren heilige Kraft einst vor Troja schien in ihrer Mittagshöhe, sie schimmern nun dort unten durch Abendnebel und Wolken: und gleich wie die Oberwelt der Iias jetzt Unterwelt und Reich der Schatten ist, also ist der Himmel jenes Gedichtes jetzt auf Erden, und Erde worden: der Olymp mit aller seiner Macht und Herrlichkeit, mit seinen Göttern allen ist herabgestiegen in eines einzigen sterblichen Haupt und Herz. Er ist sein eigener Gott!" [43f.]. Odysseus großer Auftritt ist wiederum um das Thema Liebe organisiert, er trotzt aller falschen Verlockungen um seiner Heimkehr (W)illen. Doch auch der endgültige Sieg des Menschengeschlechtes liegt im Außersprachlichen [46].
*Während aber in der Ilias die Begreiflichkeit des Göttlichen in vernünftigen Kategorien (der logischen Zeit der Erzählung) proklamiert wird, löst die Odyssee die Begreiflichkeit des Menschseins im Traumhaften der erzählten Nacht auf [48f.] --> die Erzählfunktion Odysseus': "Die Ilias selbst ist der Tag der Welt, die Odysse ihre Nacht, denn der Tag mit seiner farbenreichen Gegenwart, seiner wachen, festen, lebendigen Nähe duldet keine Wunder noch Zaubereien; (als welche du in der Ilias auch vergeblich suchest.) Der Wunder Heimat ist die Ferne, deren goldene Halle die Nacht allein mit Geisterhand dem Geist, dem inneren Auge öffnet, nur im dämmernden Element des Unermäßlichen mögen jene zarten, geflügelten geisterähnlichen Wesen bestehen, die des Tages furchtbar blendende Klarheit und seine Sucht nach Beränzung vernichten würde!
*Und jene zauberhafte Ferne, der Wunder Vaterland, welche die heilige Nacht der Odyssee geheimnisvoll aufschleußt, rückt wahrhaft göttliche Kunst in noch tiefere heimlichere Ferne. Dadurch, daß sie die wunderbarsten, idealesten Dichtungen gar nicht in den Kreis der Odyssee der Zeit nach fallen läßt: sondern aus der Kette ihrer goldenen Stunden gerissen, den göttlichen Wunderhelden sie bloß in den Mund legt, Odysseus Abentheuer von seiner Abfahrt von Troja bis zu seiner Trennung von Kalypso bilden gleichsam die Odyssee in der Odyssee, das Allerheiligste des wunderbaren Tempels: durch die Verwandlung einer That in Erzählung fällt augenblicklich eine Ewigkeit zwischen beyde: Geschichte wird Fabel: Naturlauf Wunder: das Historische romantisch." [48f]
*Als Antwort (als Korrespondenz von Tag und Nacht veranschaulicht [49ff]) der göttlichen Schöpfungsgeschichte (Ilias) geht die Odyssee in ihren Anfang wieder ein [53].

V. An Olympia, von E. M. Wieland [54f.]
*Eine Geburtstagsaufmerksamkeit an die Herzogin Amalia von Sachsen Weimar (24. 10. 1791!), in der die Jubilarin als Reinkarnation Minervas gefeiert wird.

VI. Die Kraft des Genies, von Erichson [56]
*Das Genie, der Siegreiche im Schlachtengetümmel

VII. An Friedrich Schlegel, von A. W. Schlegel [57-65]
*Im Herbst 1802, A.W. schreibt an seinen verreisten Bruder, der offensichtlich eine große Lücke durch seine Abwesenheit hinterlassen hat, diese Leerstelle charakterisiert der Autor indem er seinen Bruder beschreibt und ihr gemeinsames Werk (die Wissenschaft) vorstellt. Friedrich ist dabei das Exotische, Dunkle, Beständige, Archäologische während A.W. die Lichterkrone und Dienlichkeit darstellt (Allegorie des Baumes gleich Daphne [60] und der Reise [63], romantische Programmatik dann v. a. in der letzten Strophe (Erkundung der Gottheit Signaturen als Lebensinhalt [65])
*{Geschichtsforschung-Metall, Signatur} "O Bruder, mir entzogen / Durch fremder Länder Weiten, / So ungern eingebüßt!" (57) |-| Bezug auf dessen Sanskrit-Studien; will mit Schiff zu Insel fahren: "Du läßt zum Erze nieder / Die Wünschelruthe gehn, / Und kannst der Vorzeit Spuren / Im Steingepräge sehn (63) | (...) Du thust indeß im harten / Gesteine manchen Schlag, / und förderst aus der Erden / Edles Metall zu Tag.
*Das giebst du meinen Händern, / So bild' ich künstlich Schalen / Und Trinkgefäße draus." | "O Lust des edlen Schaffens! /O Wonne, nie zu schätzen, des freyen Geistvereins! / Statt des Zusammenraffens / Von todten ird'schen Schätzen, / Die Gottheit zu erkunden / In Welten und Naturen, / Der Dinge Signaturen, / Wie alles ewig eins. / Dieß Thun zu allen Stunden / Sey meines so wie deins."

VIII. An August Wilhelm Schlegel, von Friedrich Schlegel [66-69]
*1807, eine deutlich ermunternde Geste des Bruders (Durchhalteparolen in romantische Landschaftsbe-schreibungen gegossen), wider die Stürme der Zeit und für die offensichtlich doch nicht mehr so deutliche enge und treue Bindung an den Bruder (folgt aus der Vehemenz der Beschwörung); v.a. die letzte Strophe: "Ein jedes freue sich seiner Stelle,/ Der Zeiten Streit verwirrt uns nicht;/ Ein jeder labe sich an der Quelle,/ Und hell sei jedes Angesicht;/ Dort, wo sich alle Zweifel lösen,/ Trennt sich das Gute von dem Bösen/ In ewig heitrem klaren Licht." [69]
*{Gebrauch der Geschichte, Entwirrung} "Laß denn hervor die Thaten wallen / Der alten und der neuen Zeit, / Und frey den vollen Gesang erschallen, / Zu unsers Volkes Ruhm geweiht! / Die Vorwelt sey der Zukunft Spiegel, / Die Zeit empfängt in diesem Siegel / Die Weihe der Unsterblichkeit. (69)
*Ein jedes freue sich seiner Stelle, / Der Zeiten Streit verwirrst uns nicht; / Ein jeder labe sich an der Quelle, / Und hell sey jedes Angesicht; / Dort, wo sich alle Zweifel lösen, / Trennt sich das Gute von dem Bösen / In ewig heiterm klaren Licht."

IX. Der schlummernde Satyr, von I./(J.)? Erichson [70]
*Völlig ausgezucktes Kurzgedicht; Titel: Der schlummernde Satyr./ Eine Statue von Diodor,/ von Plato in der griechischen Blumenlese.// "Nicht erschuf Diodor, in Schlaf hinsenkt' er den/ Satyr./ Rühr' ihn nicht an, er erwacht; Schlummer beherrscht/ das Metall." [70]

X. Das Ungewitter im Walde. An Heloisen, von Falk [71f.]
*Ein brennendes Liebesgedicht, das mit der Metaphorik von Gewitter (Bedrohung) und dem Liebestrotz der Sterblichen spielt, ganz guter Antrag.

XI. Die deutschen Mundarten won A. W. S(chlegel) [73-78]
*Sehr interessanter Aufsatz über die deutschen Mundarten, der sich gegen das Bildungsvorurteil richtet und sein Maß nicht zuletzt an der poetischen Nutzbarkeit der Sprache (etwa den klingenden Vokalen [77]; die Qualität der Sprache ist eindeutig an ihrer Unverfälschtheit, d.h. ihrer regionalen Belassenheit festzumachen (Sehnsucht nach dem Authentischen auch in der Sprache --> die große Sehnsucht nach den ländlichen Wurzeln, wo das Leben noch in seinen Urformen wiedererkennbar ist (beinahe ökobraun --> die kleine Sünde: Ver-bildung, die große Sünde: ausländische Einmischung ); vgl. Eipeldauerbriefe
*{Sprache, Grammatisches Reichsgericht, Mischung} CH Deutsch nicht ganz mit Unrecht verrufen (73), aber es gibt auch einiges zu dessen Gunsten anzuführen; gg Ansehen, das nördliche Gegenden Deutschlands sich über Sprache anmaßen wollten; "Die Sprache ist eine National-Angelegenheit, worüber, wie in einem freyen Gemeinwesen, durch Stellvertreter aller Theile des Ganzen verhandelt werden sollte. Es ist nicht dem deutschen Sinne gemäß, im Reden und Schreiben, so wie überhaupt für die Sitte des Tages von einer Hauptstadt die Vorschrift zu empfangen. Ueberdieß haben wir keine." | Adelungs abgeschmackte Einbildungen von meisnischen Mundart sind widerlegt; Schriftsprache ist nur "ein wohlgewählter, allenfalls berichtigter Auszug aus dieser [der des gemeinen Lebens]"; letzte darf nicht unterdrückt werden, da sie die Schriftsprache erneuert; Unsre Alten: "Jeder blieb der angewohnten Weise seines Geburtsortes treu: daher ihre Schreibung, wie das Ohr die Aussprache auffaßte; in Wortformen und Wendungen homerische Fülle. Man verständigte sich dennoch von einem Ende des Reichs bis zum andern. Ist denn dieß so barbarisch?" war doch auch in Griechenland so! | "Soll aber ein grammatisches Reichsgericht bestellt werden, und dabey, wie billig, nicht bloß die Mehrheit, sondern das Gewicht der Stimmen gelten, so würde ich das geringste Ansehen denen Provinzen einräumen, wo das Volk Plattdeutsch redet, und Hochdeutsch eine in den Städten und unter den höheren Ständen erlernte, zum Theil erst kürzlich erlernte Sprache ist: also Niedersachsen, Westphalen und Brandenburg. Das Plattdeutsche ist eine durch Ausschließung von der Schriftsprache verwahrlosete und durch Einmischung des Hochdeutschen ausgeartete Niederdeutsche Mundart *{"Man spricht also nicht genau, wenn man in einigen oberdeutschen Provinzen die Sprechart des gemeinen Volks Plattdeutsch nennt, und dadurch das französische Wort patois auszudrücken meint."}, die, wie diese sämmtlich, vieles grammatisch unbestimmt läßt, weswegen die darin Erzognen nur mit großer Mühe die hochdeutschen Biegungen richtig gebrauchen lernen. Auch ist ihre Aussprache weichlich. Eine Stufe höher stehen die ursprünglich von slawischen Völkerschaften bewohnten, von Deutschen nur colonisirten Länder, weil das Slawische sich nicht unvermerkt dem Deutschen einmengen konnte. Dahin gehört das ganze östliche Deutschland und selbst ein Theil der sächsischen Churlande. Die oberste Stelle nehmen endlich diejenigen Länder ein, wo das Geblüt rein geblieben, und das Hoch- oder Oberdeutsche, wie man es nennen möge, von jeher einheimisch war. Luft und Boden, fremde Nachbarschaft, Anbau oder Vernachlässigung | (76) der redenden Künste können in der Gefälligkeit des Vortrags noch bedeutende Unterschiede begründen: aber immer wird die Mundart dieser Gegenden dem Sprachforscher als Quelle, und dem Dichter für sein Bedürfniß der Bereicherung und Erneuerung besonders wichtig seyn."
*Zurück zur CH Mundart: schon Johannes Müller bemerkte, daß in hohen Bergländern man oft die Minnesänger zu reden hören glaubt; veraltet, aber edel und richtig, kann man nicht "als Ausartung schelten"; | in Städten wirds in CH aber "Widerwärtiger"; CH | Französisch ist noch unter ihrem schlechtesten Deutsch.
*Anmerkung: Dieser Aufsatz aus ungedruckten Schrift: Umrisse auf Reisen durch die Schweiz, Italien und Frankreich gezeichnet; "Der Verfasser hat die meisten deutschredenden Provinzen durchreiset, und gefunden, daß auch in diesem Stücke der Fehler seiner Landsleute ist, sich gegenseitig nicht genug anzuerkennen, und ihre Einheit zu fühlen. Nur Ein {sic!} Fehler scheint in der Sprache wie in den Gesinnungen ganz unverzeyhlich zu seyn: Die Einmischung des Ausländischen."

XII. Vom starken Hans, von Wezel [79-82]
*Ballade vom starken Hans, der den Teufel im Steinewerfen besiegt, König wird und das Land christianisiert.

XIII. Rastlose Liebe, von Gö/oethe, componirt von Reichardt [83]
*Auch hier wieder der romantische Landschaftstopos ("wälderwärts zeihen")


Der ANZEIGER für Litteratur, Kunst und Theater bringt folgende Artikel (ca. 30 Seiten), (extra paginiert)

1. A.W. Schlegel über die K.K. Vermählungsfeier Franz I. mit Maria Ludovica Beatrix von Österreich (3-19), in der eine nicht zu überhörende Untertänigkeit spricht; überdies aber interessant aufgrund der ästhetischen Betrachtung des mehrtägigen "Festes" (romantische Festkultur? [3ff], orientalischer bzw. indischer und materieller (Kleidungsstoffe) Exotismus am Maskenball und ihre hochstehenden Frauen [7ff],
Opernkritik (Armida nach Quinault von Gluck) [12ff], Gedichte [15ff], das Ideal nehmen für den A. Tasso und Ariost ein (Italiener: Bondi, Bangoli, Carpani; die Deutschen: Collin, der Straußflechter; Haschka, der Vaterländische nach Sappho; C. Philipp mit Vertonung von Gyrowetz; eine anakreontische Ode an die Taube der Venus von A. F. Drexler, eine anonyme Idylle - v. A. sehr gelobt.
*{Mischung} "in dem Theil unserer Zeitschrift" (3) | *"Seit hundert und drey Jahren hatte man keine Vermählung eines Kaisers gesehen; seit vielleicht noch längerer Zeit war kein so schönes Band, im Schooße der erlauchtesten Familie selbst, allein durch die Wahl des Herzens geknüpft worden, ohne alle Einmischung der Staatsverhältnisse: wenn es anders nicht die höchste Staatskunst ist, gefühlvollen Völkern eine Monarchinn zu geben, welche Verehrung und Liebe einflößen, (...: insbes UNG)" 1.Obersthofmeister Fst v Trautmannsdorf war zu Werbung um Braut bevollmächtigt; prachtvoller Zug; "und wo die Pracht, wie im österreichischen Staat, nicht ein mit Anstrengung hervorgerufener oberflächlicher | Schimmer ist, sondern von altem wohlverwaltetem Reichthum eines verfassungsmäßigen Adels zeugt, der den Thron verherrlichend umgiebt: da hat auch die Pracht eine tiefere Bedeutung, und kann selbst den Beyfall des nachdenkenden Zuschauers erwerben." 6.1.1808 Vermählung in Augustiner Hofkirche | "das Geläute der Glocken, der Donner der Kanonen, die rauschende kriegerische Musik der Leibwachen bey der Annäherung des Zuges, der Jubel des zuströmenden Volkes" | (7) "Die Ordnung an den Eingängen der Kirche und Hofburg war musterhaft. Nirgends durften unangenehme Mittel gebraucht werden, um ihre Störung zu verhüten, und ungeachtet des Zudringens einer unübersehlichen Bevölkerung, wurde die Freude des Tages nicht durch den geringsten Unfall getrübt."
Maskenball am 10.1.1808: Gesellschaft von Herren und Damen des Hofs überraschten in Aufzug eines Besuchs des Mogols selbst, Indien; "Man kann diese Wahl nicht anders als glücklich nennen. Die idealischen Gebilde des alten Griechenlandes erfodern eine Einfachheit und Strenge des Styls, welche nicht zu dem blendenden Prunk paßte, den man hier zu entfalten die Absicht hatte; das uns nähere Morgenland, die Türkey, ist durch häufige Nachahmung erschöpfr und alltäglich geworden; es blieb also nur Indostan, das Mutterland aller zarten Wundererscheinungen, übrig, um Pracht mit Geschmack, und Anmuth mit Neuheit zu verbinden."; | Sclaven; Damen legten Blume auf Schild zu Blumenstrauß, der mit Gedicht von Collin überreicht wurde; Costume von Herrn Fischer entworfen, tw nach Anleitung der indischen Blätter von Hodges; ||| (11) "Nach geendigtem Tanz der Charakter-Masken mischten sich Ihro kaiserlichen Majestäten auf das herablassendste unter das Gedränge der frohen Zuschauer, und die huldreiche Kaiserinn ließ den Strahl ihres unwiderstehlichen Lächelns sich überall hin verbreiten, und sagte allen Damen ihrer Bekanntschaft, die ihr begegneten, einige verbindliche Worte."
"Der Ball verlängerte sich bis gegen den folgenden Morgen. Die Erleuchtung des Saales war blendend, der große Schenktisch hinter den auf die Tribüne führenden Stiegen war mit frischen Blumen und ausländischen Stauden, die sich in den Spiegeln dahinter wiederhohlten, und mit durchsichtig schimmernden Drapperien zugleich frühlingsmäßig und feenhaft ausgeziert." | *Oper: | Gluck: Armida nach Quinault ||
*Gedichte | (Bondi, Bagnoli, (16) | Caroani, Collin, | Haschka, Carl Philipp, AF Drexler, | nicht genannter Verfasser einer Idyle)

2. Ellmaurer über den Zustand der bildenden Künste in Wien (scheinbar Programmatisches) [20ff.]

3. Falk's Sendschreiben aus dem Elysium an Stoll (durchaus interessant in Hinblick auf die Utopie der Zeitschrift, bes. [29.], durch die Wien ausdrücklich nicht zum zweiten Weimar werden soll, Antiweimar (fremdländisch, nationalistisch), Antiathenäum!! --> Wien als Summenzeichen für das organisch Positive!

4. Kurze Notizen (n.B.)



2.Heft

I. Pandora's Wiederkunft von Goethe, Fortsetzung [1-14]

II. Montbard v. A.W. Schlegel [15-20]
*Genaue Auseinandersetzung mit dem Landsitze Buffons, seinem geschmacklosem Garten (nat. Eigenschaft!) mit den wollüstigen Damenplastiken [17f], seiner Arbeitsumgebung (das künstliche Licht in der künstlichen Abgeschiedenheit) [15ff], sein Tod und sein außergewöhnliches Werk (eine tendenziöse Naturgeschichte der Tiere), in dem der Naturbeschreibung das romantische Ideal der Wertung im Charakteristischen eingeflochten wurde - gerade die Natur ist nicht einerlei!
*(15)ist Fortsetzung Reisebericht, geht um Buffons Landsitz, ist eher enttäuscht davon| -| (18) "Die Ansicht der Natur als Künstlerinn, welche in einem mehr oder weniger widerstrebenden Stoffe arbeitet, und durch das Bedürfniß ihrer schaffenden Fantasie auf möglichste Mannichfaltigkeit getrieben wird, wobey es denn nicht an unvollkommeneren Abdrücken, ja an mißrathenen Versuchen fehlen kann, die an die Gränze des Unmöglichen streifen; diese Ansicht, sage ich, stellt den Naturforscher weit höher. als der Gesichtspunkt, vermöge dessen er überall auf Zwecke, verständige und wirthschaftliche Zwecke ausgeht. Die Annahme durchgängiger Zweckmäßigkeit, also gleicher Vollkommenheit in allen Werken der Natur, ist ein vorgefaßtes Urtheil, das den Blick für die geheimeren Beziehungen der Wesen abstumpfen muß. Mit der Übereinstimmung der | Mittel und Zwecke geht es freylich nach der Schnur: alles beruht auf dem einfachen Kunstgriffe, das Wirkliche zum Beabsichteten zu machen, und die Wirkung in Gedanken der Ursache voran zu stellen. Wie aber, wenn die Zwecke nun selbst daran kommen sollen, beurtheilt zu werden? Da wird es schlimm aussehen; denn alles läuft am Ende auf ein ins Unendliche fortgesetztes gegenseitiges Aufspeisen der reaturen hinaus, wobey die Pflanzen allein, und auch diese kaum, eine bloß leidende Rolle spielen: ein großes Gastmal, wo die Gäste zugleich die Gerichte sind; wie man es in Bernardins de St. Pierre Naturstudien an unsäglich vielem Gewürme entwickelt lesen kann. Buffon weiß von einer Rangordnung: er erkennt schöne und häßliche, edle und unedle, glückliche und unglückliche Geschöpfe an. Er äußert Geringschätzung gegen die Insekten, selbst die so bewunderten Bienen, er drückt sich kühn aus über die Fehlgriffe der Natur, über die wahrhaft mißgebornen Gattungen, z. B. bey Gelegenheit des Faulthieres und des Toucan. Er ist ein guter Physiognomiker der Thiere, und nähert sich daruch den Alten, einem Aristoteles, einem Plinius.
*Dieses, nebst dem, was daraus herfließt, nehmlich dem Auflehnen gegen die geistlosen Classificationen und der Kritik über die Verschiedenheit oder Einerleyheit der Arten macht sein Hauptverdienst aus. Denn mit seinen idealistischen Ahndungen ist es nicht recht zum Durchbruche gekommen, und zum Begriff des Organismus der Himmels-Körper und Systeme hat er sich nie erhoben: seine Hypothesen | (20) darüber gehen auf lauter zufälliges und mechanisches. Er war einmal in den Kreis des irdischen Lebens festgebannt. Auch fehlt es ihm überall an Übersicht, und sein großes Werk über die Naturgeschichte der Thiere ist nichts weniger als ein Werk."

III. Das Duell, eine dramatische Maske von Stoll [21-36]
*Eine Maske für den Maskenball (scheinbar halblustiges Liebesabenteuer - sehr ins Kraut geschossen --> trivialliterrarisch?)

IV. Über Handzeichnungen, aus der Sammlung in Florenz, von Meyer [37-49]
*Katalogisierende Kurzbeschreibung der "Großen" (Bartolomeo, Rafael, Tizian, Sarto)

V. Lied von Stoll [50]
*Liebe

VI. Kassandra, aus dem Agamemmnon des Aeschylos, von J. H. Voß [51-69]
*Kommentierte Übertragung ins Deutsche; der glänzende Voß

VII. Lied, von A W. Schlegel [70-71]
*Irdische Liebe (Prometheus, Schlamm und heilige Tränen)

VIII. Blumenstrauß, von J. v. Collin [72-75]
*In Heft 1 von AWS kommentierte zur kaiserlichen Hochzeit vorgetragene (Plagiatverdacht -Goethe)

IX. Epigramme aus dem Griechischen Apollonidas, von Erichson [76]
*Verschärft, wie immer (Die liebenden Gatten, Die blinde Mutter)


ANZEIGER

A. Die Dresdner Antikengallerie, mit Fackelbeleuchtung gesehen, von Böttiger [3-9]
Die Fackel trennt gleich dem Lichte des Prometheus das Echte von dem Falschen, sehr eindrucksvolle Schilderung des Bertachtens "in einem anderen Lichte"; Dresdner Antikengallerie (mit Prometheus-Fackel (-Beleuchtung) gesehen ("Weg mit dem Trug der modernisirenden Köpfe!" (5);

B. Über Macbeth, nach Schiller, aufgeführt in dem k.k. Hoftheater im Februar, v. L. v. S. [10-19]
*Heinrich IV Hamlet und Macbeth gespielt, ersteren leider nicht nach Schlegels Übersetzung sondern nach Schöderischer Bearbeitung (10)
*Schiller hat das Ding durch seine Idealisierung völlig entstellt denn M. sei ganz im "antiken Geist" gedacht. Das Schicksal schreite aber nicht im "griechischen Styl" einher, sondern in einer "modernen Maschinerie" - und "die Hexen, deren burleske Bösartigkeit durchaus romantisch" sei. (11), Schillers M. als Gegenwurf zu Bürgers M. (der war noch "gröber" als Shakespeare) 12, S. wollte die Hexen bis zum "Kothurn" veredeln; Kritik des Inhaltes aber auch der Sprache und Sprachform (13), zusätzlich verhunzt durch lokale Dramaturgie (14 ff.), inkl. Schauspielerkritiken

C. Schlegels Vergleichung der Phädra des Racine und Euripides, v. J. v. Collin [20-22]
*A.W. Schlegel durch diese Schrift zum Mitbegründer der franz. Moderne? (20), Sprache und Versifikation bleiben unangetastet, Angriff auf "Plan und Charakterisierung" (20), AWS und seine gelehrte Integrität - ein gutes, herzeigbares Produkt der "Neuen Schule", das alle Unparteilichen davon überzeugen wird, dass nicht alles "Wortschwall, Bombast, und Unsinn" sei, was diese hervorbringt (21 f.)

D. Über Wächters Gemählde: der schlummernde Sokrates im Gefängnis, von Ellmaurer [23-28]
*vollendete Anwendung der Winkelmann'schen Auffassung der antiken Kunst

E. Kurze Nachrichten
*Aus Dresden: 1.3.1808 wird Adam Müller Vorlesungen über das Schöne und Erhabene schließen; (30) Böttigers Vorlesungen dauern noch an Lüpperts Daktyliothek, Wolf's Museum f. Altertumskunde in Berlin, Mahler Búri, A. Müller Vo über das Schöne und das Erhabene, Böttiger Vo Kunstmythologie, D. Schubert u. Naturwissenschaften, Kunstaustellung mit Kügelchen, Köthe Vo über Ästhetik, Werners "Wanda" in Weimar: "Die am richtigsten und reinsten empfinden, die Frauen, sind ganz für ihn. Wanda stellt den Tod als Geburt zum Leben dar. was soll diese nackte Idee in der unreifen Welt? Sie bedarf eines Schleyers, und das nennen sie Mystik." (32)
*Weimar: Wanda von Werner füllt Schauspielhaus (31) | "einigen strengen Richtern wollte der durchherrschende mystische Ton nicht gefallen; doch hat sich niemand gegen das Ganze erklärt. Die am richtigsten und reinsten empfinden, die Frauen, sind ganz für ihn." auch Attila einstudiert


3.Heft

I. Die Täuschung des Eylse, aus dem Isländischen der jüngern Edda, von F. Majer [1-48]
*vielleicht in Bez. auf die Gewährleistung durch Sonderbeobachtung interessant?

II. Rückkehr des Gefangenen von Meister Eckardt [49-57]
*F. Schlegel? [Handschr. Anm.]- [(=F.Schlegel) (KK)???] Sehnsucht nach dem gr. dt. Geiste *(49) "Väter, Söhne, Brüder, strömt herbey!" Gefangener ist zu Brüdern heimgekehrt; sein Herz fühlt nun, "Was gelitten, was verborchen / Seine deutschen Brüder"; spricht die Worte aus: | ua: "Ein neuer Lenz soll grünen, / Aus der Zerstörung Sieg, / Neu sich der Geist erkühnen / Und jeder Zwist versühnen / Nach langem Bürgerkrieg." "O wollt nicht länger säumen, / Mit wachen Augen träumen / In der Verwirrung noch!" "edle deutsche Geist" kann "sich frey entfalten" "Und wieder groß gestalten" nur wenn die alten Laster aus Herz gerissen werden; |
*"deutscher Adel": hast nur nach Gold getrahctet, nicht nach Recht und Sitte geachtet, was hilft dir "Der eitlen Schwäche Krücken / Und was des Bürgers Raub"; viele blieben aber treu; |
*Denker Lehrer Dichter: "Ihr, die Gott ausersehen / Die Wahrheit zu erspähen, / Begeistert hohen Muths; / Ihr Denker, Lehrer, Dichter, / Wie wart ihr selbst Vernichter / Des anvertrauten Guts! / Nicht ward zum Spiel gegeben / Und nicht zu eitlem Ruhm, / Zum Himmel soll anstreben / Dieß innre Geistes-Leben / Und ist ein Heiligthum. Ihr wolltet alles richten, / Des eignen Volks Geschichten / Nur bleiben unerkannt. / Wie habt ihr noch gestritten / In der Zerstörung Mitten / Um jeden nicht'gen Tand! / Was auch der Sturm zerschlagen, / Der Ichheit kalte Luft / Beraucht' euch, Neides Nagen, / Als ob kein Herz geschlagen / Euch in der hohlen Brust." | (53)
*Fürsten: "Vergaßt des alten Bandes", "Wart selbst ihr fremd in Mitten Des Landes, das euch trug."
"Die ihr das Deutsche hemmtet, / Dem Recht euch widerstemmtet / Um eitlen Wahn und Lohn / Ehrt jetzt die fromme Milde; / Vor Rudolfs, Carles Bilde / Am alten freyen Thron, / Werft euch in Demuth nieder, / Ahmt ihren Enkeln nach! / Seyd ernst wie sie und bieder, / Seyd rechte Fürsten wieder, / Und werdet endlich wach!" | *Volk: "Du Vok, das dankvergessen / Nur tadeltest vermessen, / Was Hohes dir erschien; / In der Verblenung lebtest, / Unwürdig dich bestrebtest, / Was groß, herabzuziehn; / Bis dann die dir gesandten / Zu spät dein Rühmen preist, / So manchen lang verkannten / Unwürdig oft genannten / Von Gott erfüllten Geist. Wann ehrtest du im Stillen / Der Kaiser biedern Willen, / Die es so treu gemeynt? / Di folgtest jedem gerne, / Nur deinem rechten Sterne / War nie dein Sinn vereint. / Gern wüschet diese Flecken / Ihr jetzo von euch ab, / Und möchtet in dem Schrecken / mit eurem Blut erwecken / Die Helden aus dem Grab." | *Niemand von Schuld frei; "Nur laßt uns frey bekennen, / Und endlich das erkennen / Was uns so lang verwirrt."; | aber noch tönen ja die Lieder, "Der Bund ist bald erneut." | "Laßt an der Treu' uns halten, / Die milder Friede lohnt, / Nicht irren Zwist uns spalten, / Den Geist nur in uns walten, / In dem die Wahrheit wohnt." *so sprach er; "Väter, Söhne, Deutsche, strömt herbey, / Ewig fest in eins verschlungen."

III. Ines und Pedro v. Apel [?] 1-5 Romanze [58-73]
*nomen est omen

IV. Andeutungen von Franz Horn [74-80]
*über die uniformierten provinziellen Chorschüler (lies Dichter) der Gegenwart und den Druck von außen, über die oberfl. Mystikbegeisterung v.a. Werners, Jh. der Mystik sind das 16. u. 17., ein Mann dessen Name in jüngster Verg. zu oft genannt wurde und deshalb nicht mehr ausgespr. werden muss - [kann nur J. Böhme sein], dann Schwenkfeld (Luther hasste ihn und sein Werk), Arndt, Scriver, Spener (Kempis, Gouyon), empf. Relifions und Kirchengesch. der christl. Kultur: Arnold
*Erholung sei nicht Zerstreuung, sondern Sammlung --> Aufgabe des Dichters; komplette Künstler (Shakespeare und Mozart) Musik als die intendierte Unbegreiflichkeit, über das Problem, das alles ausgesprochen wird in der Kunst [sic.], Über die Notwendigkeit der Widersacher in der Kunst (z.B. Shakespeare und Ben Johnson) und eine kurze Lebensweisheit: "Die meisten Menschen machen ewige Anstalten zum Leben und kommen nie dazu; sie machen nie Anstalten zum Tode und kommen gewiß dazu. Doch möchte man fast hinzusetzen, es bedürfe ihr Scheinleben des Todes nicht."; ad Nemesis bei den Griechen: das neidische Schicksal und das unmäßige Glück und das Christentum als Religion des Todes: "Sie verschmäht jede Freude am Irdischen, wenn sie nicht Beziehung hat auf das Überirdische, und ein menschlicher Triumph über eine Erde, die vom Himmel nichts weiß, ist ihr Sünde, ich möchte sagen: die Sünde schlechthin." , über moral. erkältete und erkältende Menschen, Stress: "Es ist ein böser Umstand, der manchen wackeren Geschäftsmann begegnet, daß er oft nicht die Zeit hat, sondern die Zeit ihn."; die rastlose und nichtige Tätigkeit der zahllosen Schriftstelle des "Nichts" durch eine gr. Anekdote verdeutlicht: Bockmelken und Sieb darunter halten

V. Die Schnitter, Theokrits zehnte Idylle, Übs. v. Voß
*Gesänge der Liebe (Battos) und der Arbeit (Milon)

VI. Haydn's Jubelfeier v. H. J. v.Collin [87-91]
*Haydnfeier als Abschiedsfeier (hero. Begräbnis einer Muse)


ANZEIGER

A. Statuten der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien [3-10]

B. Über die neuesten Entdeckungen in der Chemie [11-14]
*Analyse von Pottasche und Soda

C. Kunstnachrichten aus Wien. Musik. Von L. v. S. [15-20]
*"Schöpfung" und "Adelasia u. Aleramo" (Mayr)

D. Kunstnachrichten aus Dresden [21-23]
*Kügelchen, Mechau, Friedrich fehlen, deshalb Lücken; ausgestellt u.a.: Kaaz, Vogel, Pochmann, Klengel, Potters, Bause

E. Nachricht, A.W. Schlegels Vorlesung über Dramaturgie betreffend [24]
*nur kurze Ankündigung des Beginnes der Vo und der techn. Umstände
*{Vorlesung AWS Wien 31.3.1808} "Wien (Anzeiger, 24) A.W. Schlegel hat auf erhaltene allerhöchste Erlaubniß am 31. März öffentliche Vorlesungen über Dramaturgie vor einer glänzenden Versammlung von mehr als 200 Personen beiderlei Geschlechts, worunter sich viele vom ersten Range und einige der angesehensten hiesigen Gelehrten befinden, eröffnet. (...) Die Universität, besonders der zeitige Rektor, Hofrath von Zeiller, hat dies Unternehmen mit wahrer Liberalität unterstützt, sich auch zu Überlassung eines schicklichen Lokals im Universitätsgebäude erboten, welches aber zufällige Umstände zu benutzen verhinderten. Über die Vorlesungen selbst werden wir noch künftig Gelegenheit haben zu sprechen."


4.Heft

I. Das Duell, v. Stoll, Beschluß [3-31] s.o.

II. Über die Nachahmung des italiänischen Verses im Deutschen, von Fernow [33-64]
*(hier auf S.53 allerdings Göthe, S.54 "sein Göz und Faust") schreibt va über männliche und weibliche Endungen
*über die Verkennung des künstl. Berufes und die unzweckmäßige Vermischung von Kunstmedien (33), ebenso Verwirrung der neueren Poesie, seit sie ihre Fühler nach dem Süden ausgestreckt hat, v.a. das Problem der Übs.; inwiefern ist es möglich in der deutschen Sprache den ital. Vers nachzuahmen?
*Untersuchungsgegenstand: Endecasillabo (elfsilbriger ital. Vers, von dem sich alle anderen ital. Verse ableiten lassen - prosodische Zählung) über männliche und weibliche Endungen (z.B. die "mißfällige Eintönigkeit des auslautenden E" im Dt.) und die Unübertragbarkeit der Verse, charakteristische Sprachendungen des It. (weibl.), Engl. (männl.), Dt. (gemischt) 60 ff. - [entscheidend scheint mir die überaus hohe Sensibilität in bezug auf den ästhet. Charakter der einzelnen Sprachen (Klang, Rhythmus etc.), siehe F. Schlegel Letternformen!]

III. Proben einer Übs. des Korans [65-71]
*Auch hier hohes Problembewusstsein die Form und die Charakteristika der Sprache betreffend *schließt an an 7. Stück N. deutschen Merkur 1807); Jusuf der Übersetzer (angeblich: Hammer)

IV. Greichische Epigramme, von Erichson [72-74]
*Hölderlinlike


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A. Statuten der bildenden Künste, Beschluß [3-11]

B. An die Herausgeber des Prometheus, über einige theatralische Vorstellungen zu Weimar, von Falk [12-17]
*"Falk": An die Herausgeber des Prometheus. (12-17) (aus Weimar): +über Werners Wanda in Weimar (S.13: Göthe) hat soviel Gutes "daß Sie mir auch schon deßhalb keine kalt zergliedernde Verstands-Kritik über eines von seinen Werken zumuthen müssen." (14) +Kleist zerbrochener Klug hat in Weimar nicht gefallen, obwohl so genial +Tiroler Wastel: positive Bezugnahme auf "Ihren Wiener Tyrolern";
*{ÖS-D, ZS}"Übrigens freue ich mich recht sehr über den guten Fortgang ihrer Zeitschrift, die auch in hiesigen gebildeten Zirkeln genug Leser findet. Sie können nicht glauben, was ich für Wien und Alles, was den Fortschritt der herrlichen Nazion, der dieses Wien angehört, betrifft, für glühende Wünsche, für ein rein gemeintes aufrichtiges Interesse hege! Und nicht ich allein! Rechnen Sie, werthen Freunde, auf Göthens, auf aller deutsch gesinnten hiesigen Männer Beystand, die mit den guten, alten Jahrhunderten vertraut, jetzt mehr als je die lächerliche Verfeindung des Nordens und Südens von Deutschland in ihrem Herzen fühlen; fühlen, was sie, als vereinzeilte Zweige eines alten tausendjährigen Stammes, dem Mittelpunkte deutscher Kultur und Gesetzgebung schuldig sind, und daß sie diese Schuld redlich, durch Fortpflanzung des lebendig-bildenden Werkes abtragen sollen, was auch die Stürme der Zeit Schweres und Verhängnißvolles über sie beschließen möchten." (17)

*Werners "Wanda": W. als großartiger Kolorist, der eben in keine Schule einzuordnen ist und der gute Zerstreuung bringt; Manier ohne Anmaßung
*Kleists "Zerbrochener Krug": Erklärung zu Kleists Flop - Problem der stockenden Handlung (der Prozess gefiel auch noch nie im 4. Akt des "Figaro") unter Berufung auf Aristoteles; nur Charakter u. Handlung machen das Gelingen Schikaneders "Tyroler Wastl": großartiger Erfolg, v.a. die dialektalen Kontraste kommen gut in Weimar, zusätzliche Versicherung des wohlwollenden dt. Nordens für das ZS-Projekt !

C. Kunstnachrichten aus Wien. Bildende Kunst von R-e. [18-26]
*Joseph Abel: Klopstock von der Religion in das Elysium geführt, Antigone vor der Leiche ihres Bruders Polinices, Hektor verläßt Andromache, um in die Schlacht zu gehen, Andromache ohnmächtig hingesunken bey Erblickung ihres von Achill geschleiften Hektors

D. Gallerie szenischer Künstler (vom k. k. Hoftheater zu Wien) [27 ff.]
*"Die Ordnung der Namen ist ganz zufällig." (27): Koch, Brockmann, Weidmann, Roose, Krüger


5./6.Heft

nur von Leo v Seckendorf Herausgegeben!

I. Über das Verhältnis der schönen Kunst zur Natur; über Täuschung und Wahrscheinlichkeit; über Styl und Manier. (Aus Vo., gehalten in Berlin im Jahre 1802), von A. W. Schlegel [1-28]
*AWS geht von der aristot. Mimesisthese als Aufgabe der Kunst aus und stellt fest, dass zwar in der Kunst Nachahmendes anzutreffen sei, doch wäre ihre alleinige Aufgabe keinesfalls Nachahmung. Worin sollte auch der Sinn einer Tätigkeit bestehen, etwas das bereits vorhanden sei, ein zweites Mal (als Kopie) zu schaffen - lediglich das Ausbleiben der unangenehmen Nebeneffekte der Natur (Raupen am Baum, oder Witterung im Gebirge) könnten ein solches Unterfangen rechtfertigen (Ausschluss v. Architektur und Redekunst bei A. aus diesem Grund, Musik?) - Transformation des Satzes in: die Kunst soll die schöne Natur, oder sie soll die Natur ins Schöne nachahmen, jedoch Nachahmung und Idealisierung schließen sich aus! Warum nicht die Natur gleich beiseite lassen? Dies habe auch zu der verqueren Auffassung geführt, dass das eigentliche Ziel der Kunst die Täuschung sei - der größte Schaden sei dadurch in der dramatischen Literatur und in der Schauspielkunst erwachsen (Schweinegruzenbeispiel): "Mit der Täuschung ist die Forderung der W a h r h a f t i g k e i t nahe verwandt, welche hauptsächlich an der Poesie, vor allem an die dramatische gemacht worden, und dahin geführt hat, alles Kühne, Große, Wunderbare und Ausserordentliche daraus zu verbannen, und das Gemeine, Alltägliche für den wahren Gegenstand derselben auszugeben." (6 f.) Hier lehnt er den rationalistischen Wahrscheinlichkeitsbegriff ab: "Die eigentliche Wahrscheinlichkeit beruht auf Berechnungen des Verstandes, die auf ein schönes Kunstwerk nicht anzuwenden sind; in der Poesie kann von keiner anderen [?] die Rede sein, als daß etwas mehr scheine, und wahr scheinen kann sehr wohl auch, was nimmer wahr werden mag. Es kommt nur darauf an, daß der Dichter uns durch den Zauber seiner Darstellung in eine fremde Welt zu versetzen wisse, so kann er alsdann in ihr nach seinen eigenen Gesetzen schalten." (6) Natürlichkeit vs. Künstlichkeit in bezug auf dargestellte Personen und Künstler - das Natürliche als die Aufhebung der Kunst sei fatal, ebenso die bedingungslose Hingabe an die Künstlichkeit --> K. wird zur mechanischen Fertigkeit: Boileau und die Franzosen; dennoch Anspruch auf Natürlichkeit, die aber nicht von nationalen Vorurteilen abhängen dürfe, wie z.B. bei den Fr. - die selbst ihre "vernünftelnde Rhetorik der Leidenschaften in ihren Trauerspielen" noch natürlich finden (9 f.), AWS sieht für den Künstler aber gar keine andere Möglichkeit, als die Nachahmung der Natur denn: "Die Fantasie kann in ihren kühnen Flügen zwar übernatürlich, aber niemals aussernatürlich werden." (10) - erneut Abwandlung des A.-Satzes: "Die Kunst muß Natur bilden" (11) Unterscheidung der empirischen Naturanschauung (die äußeren Dinge) und der philosophischen (das alles im ewigen Werden sei) (12) - Natur als unsichtbare "organisierte Intelligenz" - "das ahnden wir nur, wir gelangen erst durch Spekulation zur klaren Einsicht" (13), der Begriff der Naturnachahmung wird auf den Akt der Schöpfung (Prometheusmetapher) angewandt - Moriz: "Schrift über die bildende Nachahmung des Schönen" (14) das Problem der Philosophie bei Moriz und die Mikro- Makrokosmostheorie - K. als "verklärte", "zusammengedrängte Natur", (14 f.) über den Weg der Reflexion wird dann der Mensch in der Kunst zur Norm der Natur (16), Begriffe: Manier und Styl (16 ff.), das Pejorative Urteil mittels des Manieristischen (darüber gehe die eigentliche Sache verloren) und Styl als das absolute Fehlen etwaiger Manier (16 f.), Unumgänglichkeit der Manier durch die menschliche Existenz als Individuum: "Wir sehen die Dinge durchaus nicht, wie sie an sich sind, sondern nach ihrem Verhältnisse zu uns, welches natürlich durch unsere ganze Persönlichkeit bestimmt wird" (18), Begriff der künstlerischen Tugend (19) als Selbstunterwerfung unter das Werk (das allg. Menschliche und die Gesetze der Schönheit), das Trennende von Kunst und Natur sind Manier und Styl (20 f.), Styl als "Verwandlung der individuellen unvermeidlichen Beschränktheit in freywillige Beschränkung nach dem Kunstprinzip" (21) ad Winkelmann - Styl als System! (21), Styl als System der Kunst, aus einem wahren Grundsatze abgeleitet, Manier eine subjektive Äußerung (22), Problem der Vielheit der Style und er Unteilbarkeit der Wahrheit (22) Antwort: histor. und räuml. Beschränktheit (organ. Pluralität ?) - Abstraktion ins Idealistische, Maniera (=Hand) u. Stylus (=Griffel) ??, die manieristische Natur - Nationalphysiognomien?? (25 f.), organische Naturen sind Ursache und Wirkung von sich selbst (26) und der anorganische Ausgleich; wahnwitzige These der ausgeglichen Himmelsrichtungen und der daraus resultierenden Vervollkommnung von Natur und Kunst - Klimathese (26 f.) - [homo ästheticus!], wo die N. den Menschen schön gestaltet hat, hat sie auch ihren Manierismus abgelegt, hat Styl - die bessere Kunst der Griechen und die Erfindung der Gymnastik (27 f.)

*{Kunst-Natur, Wahrscheinlichkeit, Alltägliches, Verfremdung} gg Begriff von Natur "als das ohne Zuthun menschlicher Kunst Vorhandene"; (2) || wenn es um Nachahmung der Natur geht, wäre in Kunst die Täuschung das Ziel; ||
*Mit Täuschung eng verwandt: Wahrscheinlichkeit | die va von dramatischer Poesie gefordert wird; Forderung "dahin geführt hat, alles Kühne, Große, Wunderbare und Ausserordentliche daraus zu verbannen, und das Gemeine, Alltägliche für den wahren Gegenstand derselben auszugeben. Ganz verkehrter Weise. Die eigentliche Wahrscheinlichkeit beruht auf Berechnungen des Verstandes, die auf ein schönes Kunstwerk nicht anzuwenden sind; in der Poesie kann von keiner andern die Rede seyn, als daß etwas mehr scheine, und wahr scheinen kann sehr wohl auch, was nimmer wahr werden mag. Es kommt nur darauf an, daß ein Dichter uns durch den Zauber seiner Darstellung in eine fremde Welt zu versetzen wisse, so kann er alsdann in ihr nach seinen eignen Gesetzen schalten." (7)
*weitere Auffassung von Natur: das was im Menschen von selbst zum Vorschein kommt, im Ggsatz zu künstlich angebildeten; |||
*Kunst kann ihre Gegenstände nur aus Gebiet der Natur hernehmen, es gibt nichts anderes; "Die Fantasie kann in ihren kühnen Flügen zwar übernatürlich, aber niemals aussernatürlich werden."; | "die Kunst muß Natur bilden" || (13)
*"die Kunst soll die Natur nachahmen. Das heißt nämlich, sie soll wie die Natur selbständig schaffend, organisirt und organisirend, lebendige Werke bilden, die nicht erst durch einen fremden Mechanismus, wie etwa eine Pendeluhr, sondern durch inwohnende Kraft, wie das Sonnensystem, beweglich sind, und vollendet in sich selbst zurückkehren. Auf diese Weise hat Prometheus die Natur nachgeahmt, als er den Menschen aus irdischem Thon formte, und ihn durch einen von der Sonne entwandten Funken belebte." ||
*"Man könnte die Kunst daher auch definiren, als die durch das Medium eines vollendeten Geistes hindurchgegangene, für unsere Betrachtung verklärte und zusammengedrängte Natur. (...) Die Kunst soll die Natur nachahmen, heißt mit andern Worten: die Natur (die einzelnen Naturdinge) ist in der Kunst Norm für den | Menschen. Diesem Satz ist geradezu entgegengesetzt der wahre: der Mensch ist in der Kunst Norm der Natur." *Begriff Manier; | Styl

II. Sonette eines Reisenden von Werner [29-34]
*romantische Motive einer belebten Natur, etc.

III. Über die Tendenz der Wernerschen Schriften [35-50]
*der wirre Dunkelmann, der immer aufs Letzte geht (36 f.), es folgt die Besprechung der einzelnen Werke: Söhne des Thals (39f), Kreuz an der Ostsee (40 f.), Attila (41), Wanda (42), seine disharmonischen Werke als Draperie eines Körpers mit schmerzhaft verrenkten Gliedern (38 u. 42), Liebe und verklärender Schmerz symbol. Ausdeutungen ...

IV. Der Scherz, von Wagner [ K. 51-82]
*genaue Lektüre !!!!????

V. Ines und Pedro, Fortsetzung [83-112]
*s.o.

VI. Über Handzeichnungen, aus der Zeichnungssammlung von Florenz, von Meier, Fortsetzung [113-144]
*s.o., weiter im Rundgang durch die einzelnen Werke der Maler

VII. Das Bild des modernen Geschichtschreibers nebst einem Bruchstück aus der Geschichte Karls des Großen, von H. K. Diepold [145-169]
*idealistische Geschichtsschreibung, "Weltgedanke" (147) und was noch Toni?
*H.K. Diepold: Das Bild des modernen Geschichtschreibers. S.145-169 (KK) *{philosophische Konstruktion der Geschichte, Erkenntnis von Gesetzen} "Geschehenes aufzuzeichnen fordert wenig Kunst." (145) -Chronisten taten dies, auch Herodot, fällt in die Kinderjahre des Menschen | wie Poesie von Homer; "Aber die goldnen, leicht beflügelten Kinderjahre der Menschheit sind dahin. Eine andre Zeit gilt, ein andres Geschlecht lebt in ihr, männlicher und reifer, als die, so vor ihm waren, aber auch nicht mehr mit dem ätherischen Hauche der frühen Unschuld bezaubert." "(...) sind auch die Begebenheiten wie ein Baum fortgewachsen, und in den letzten Zweigen, Blättern und Knospen des riesenhaften Gewächses ziehen sich bis ins feinste Geäder noch Richtung und Säfte der tiefverborgenen Urwurzel. Wie möchte beim | ersten Anblick eines einigen Menschen Leben hinreichen, den Ursprung dieses kolossalen Baums zu erforschen und bis in seine letzten Enden zu verfolgen? - Aber eben die Größe der Masse erleichtert die herkulische Arbeit, und wie sich das Gesetz einer Reihe nicht immer in den ersten, oft nur nach anhaltender Folge der Glieder ergibt, so der Geist der Weltgeschichte. Die vielen Alter vor uns offenbaren nun erst das hohe Gesetz, nach welchem sie sich von Anbeginn schon entwickelt. Wir sind es, denen sich, wo nicht der Geist der Weltgeschichte selbst, doch mehr von ihm offenbar, als allen, die vor uns gewesen sind; und wie eines Menschen Leben nur dann vollkommen richtig beurtheilt werden mag, wenn es der Tod geschlossen, richtiger aber schon mit jedem Jahre, das ihm zugesetzt wird, so mag auch unsere Zeit immer mehr von der hohen Idee begreifen, die im Ganzen, wie im Einzelen, im Großen, wie im Kleinen, vor allem Werden ih ihm zum Grunde liegt, der das Leben gegeben wird, wie ein reines Blatt, daß es seinen eigenthümlichen Geist darauf zur Gestalt bringe."
*Dieser Weltgedanke muß gefaßt und dargestellt werden: "Man mag dies, wenns verständlich, philosophische Konstruktion der Geschichte nennen." -heißt aber nicht, daß man "schlechthin eine Hypothese wage und erfüllt von ihr alles Geschehene seinem Lieblingsgedanken unterordne" | (148) "Wir würden dann Gedichte, aber nicht Geschichte haben. Sondern darauf kommt es an, daß jeder Historiker die Ereignisse aller Zeiten wisse, und nachdem er gleichsam ihren Sinn erkannt, nicht diesen selbst, sondern von ihm durchdrungen, das Geschehene darstelle." -erfordert "mehr als rein idealische Konstruktion (...) es will die höchste Vereinigung alles Idealen und Realen."
*dürfen nicht befürchten, daß man an Darstellung tadle "'Es ist der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln'"; Verweis auf Fichtes Anweisung zum seligen Leben; | es braucht "Sinn für innige Aufnahme fremder Individualität"; Historiker soll nicht seine Zeit zum Maßstab aller Zeit nehmen; "nein, jegliches werde in der ihm eigenthümlichen Sphäre beachtet, jegliches nach dem Ideal, das es bewußt oder unbewußt in sich trug, gewürdigt. Mit wahrhafter Selbstverläugnung wisse der Historiker den Geist jedes Zeitalters, jedes großen Menschen sich anzueignen, lebhaft in jeden fremden Ideenkreis sich zu versetzen, ohne deshalb die eignen Ansichten aufzugeben" -auch Erwachsne die mit Kinder spielen werden nicht zu Kindern;
*{Versöhnung} -es braucht "echte Duldung"; "Wer in die Tiefe aller Zeiten hinabgestiegen, wer auf ihren Höhen sich weit und breit umgeschaut, und jeglich Ding im rechten Verhältnisse, im wahren Lichte gesehen, über alles das aber noch ein allwaltendes Schicksal, eine unergründlich weise Vorsehung erkannt hat, in dessen Brust versöhnen sich alle Zeiten, und was andere | (150) mit Haß und Zwiespalt erfüllt, die Geburtsschmerzen, so die Zeit bei einer neuen Schöpfung leidet, alles erklärt sich in seinem Herzen zu göttlich bedingter Nothwendigkeit, seine Brust wird ein Tempel schöner Eintracht und Liebesfeier (...)"
*Weiters gefordert: "große erhabene Seele", "poetischer Sinn"; Sinn "leite ihn im Labyrinthe der Geschichte"; "Seine Denkungsart sey wahrhaft heroisch, er habe alle Tugenden, die den Fürsten zieren", "adeliche Denkungsart"; "Darum sollte der Geschichtsschreiber seiner Zeit nicht in den engen düstern Schranken seines Studierzimmers verbannt leben, er sollte (wenn er es | verdient, und er muß es zu verdienen suchen) mit den Ersten dieser Erde in nähere Verbindung kommen, (...). (...) Die Tugenden des Königs sind groß, die des Geschichtsschreibers dürfen nicht kleiner seyn."
*bisher Seele "des neuern Geschichtsschreibers" angedeutet; nun "den idealischen Leib": alles Dargestellte soll in so lebendiger Schönheit erkannt werden, wie aus Leben selbst; "können wahrhafte Geschichtsschreiber nur die ihrer Zeit und ihres Volks seyn."; | "Wer sollte nicht das, wenn auch nicht vorurtheilsfrei, doch vor allen lebendig zu schildern wissen?"
*"Nicht die Gegenwart allein, auch die Vergangenheit will der Vergänglichkeit entrissen seyn." dazu gehören soviele HilfsWISS, daß ein Menschenleben zu kurz erscheint; aber "deutscher Fleiß" usw; "Darum so gehe auch hieran des Jünglings Geist, der sich zum Geschichtsforscher und Geschichtsschreiber bilden will, mit heiterm Muth, fest, freudig und unerschrocken, als ob er dem Heldentode entgegen ginge." Sprach und Sachkenntnise nötig; va Kriegs und Regierungskünste | alter und neuer Zeiten erkennen; "Von der Geographie mache er Profession, aber nicht von der, welche den Längen- und Breitegrad eines Ortes und andere unwichtige, für andere wohl wissenswürdige Dinge berührt: sondern die eigenthümliche Physiognomie des Landes, die Natur des Bodens, der Gestaltung und Vegetation suche er sich eigen zu machen, damit seine Darstellung die lebendige Anschuung entbehrlich mache". {hier endet dies, ab nächster Seite folgt dann "Bruchstück aus der Geschichte Karls des Großen"}

VIII. Der Dom zu Mailand, von A. W. Schlegel [170]
*Lyrik, romantisch? was daran?
*"Nun lassen sie, des Heiligen Verächter, / in nacktem Wust den Tempel unvollendet, / Und so verstummt die marmorne Geschichte."

IX. Das Wahrzeichen, von Wezel [171-174]
*Die Spur des Teufels am Stadtturm, wegen der Errettung durch Gott, Apokalypsenmetaphorik (Gewitter)

X. Frühlingsgefühl, von J. Erichson [175]
*Idylle, Empfindsamkeit ?

XI. Im Winter, von Wezel [177]
*dito

XII. Macht der Musik, von Wezel [177 f.]
*Natur und Musik und Tod und Traum und Trost, schön apokalyptisch

XIII. Griechische Epigramme, von J. Erichson [178-180]
*hier lassen sich die Gräzismen lernen lieber Hölderlin!

XIV. Adonis [181]
*das ist sicher Romantik, oder?

XV. Die Uhr der Liebe, von A. L. v. Arnim, mit Musikbeilage von Reichardt [182 ff.]
*kleines Liedchen ganz hübsch


ANZEIGER

A. Über F. Schlegels Werk von der Sprache und Weisheit der Inder [3-9]
*überschwängliches Lob des Rez., etwas kath. angehaucht, durchaus Interessantes zum Ursprung der Sprache, der Mythologie und Poesie, (angebl Hammer, sehr positiv, nur wenig, was Rec für unrichtig hält)

B. Über die Darstellung des Trauerspiels König Lear im Theater an der Wien [10-15]
*Shakespeareverehrung: "die erhabene Ruhe seiner Lustspiele" (11) und das Problem der Schröder'schen Bearbeitung; völlige Entstellung durch Weglassen od. Veränderung von Schlüsselszenen *angebl Seckendorf, in Bearbeitung von Schröder, was bedauert wird

C. Was hat die K. K. Hofschaubühne im verflossenen Jahre 1807 geleistet? [16-34]
*die glänzende Zeit unter K. Joseph (Ära Sonnenfels) und die Notwendigkeit finanzieller Unabhängigkeit (16), seit einem Jahr ist es nun so weit, dennoch Klagen - haben sich die theatralischen Mittel erschöpft? (17) die Beleuchtung der Klagen im Einzelnen: a. rezitierendes Schauspiel (fehlerhafte Auswahl der Stücke 17 ff., Mangel an Verb. mit ausl. Dichtern 20 ff., Strenge der Zensur 23, schlechte Rollenbesetzung und ungebührliche Dauer der Stücke 23 ff., Unordnung in den Komparsen 26, unr. Kostüme, unr. od. unsaubere Dekoration u. Theaterrequisiten 27, Musik 28) b. Oper 29 ff. (schlechte Texte, Repertoire, Chor, Verlust der ital. Oper) c. Ballet 31 ff. (Musik, Tänzer, Erfindungsgeist) - (angebl Palffy)

D. Briefe aus Rom [35-47]
*Über das Verschachern der Überreste der Villa Borghese (bürgerl. Kunstkritik) Niedergang der K., versch. Grabungen und andere kurze Kunstnachrichten aus Italien

E. Kurze Nachrichten [48-53]
*Landschaften Mechaus! (K.) (48 f.), Becker Hrsg. d. Augusteums, F. v. d. Hagen u. Büschings Sammlung altdeutscher Gedichte (50 ff.) - die altdeutsche Kulturidentität (K.), Reichardts Vertonungen zu Goethe, Pränumeration auf Ossians Gedichte

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