Lebens-Accorde. Zeitschrift vom Freyherrn von Putlitz, Verfasser des dramatischen Gedichts Zoraide. Exzerpt 1808
Erstellt von Christian Aspalter und Anton Tantner

Standort: Österreichische Nationalbibliothek, Signatur 33.Y.10
Erscheinungsdaten: Wien, Geistinger's Buchhandlung, 1808; Fraktur

Auswahl aus der Literatur
Anders, Hermann: Die Wiener literarischen Zeitschriften von 1800 - 1815 und ihre Auseinandersetzung mit der deutschen Klassik und Romantik. Wien, Dissertation, 1930, S. 134-142.
Wagner, Karl: Die Wiener Zeitungen und Zeitschriften der Jahre 1808 und 1809. In: Archiv für Österreichische Geschichte 104, 1915, S. 197-401, hier S. 208 f., Anm. 2.

Seitenzahlen sind kursiviert in runde Klammern gesetzt, Seitenumbrüche durch das Zeichen | gekennzeichnet, ein Abstand von mehr als drei Seiten durch |-|; Anmerkungen sind in geschwungene Klammern gesetzt.


Exzerpt: Lebensaccorde 1808


1.Monat, 2.Heft:
"NB. Ich halte es für meine Pflicht mich zu entschuldigen, wenn das Schweitzer-Papier der ersten Hefte nicht ganz der Ankündigung entspricht.
Herr Geistinger hat schon längst eine schönere Papier-Sorte verschrieben, sie ist noch nicht angekommen, und wird posttäglich erwartet. So wie selbige eingeht, wird die übernommene Verbindlichkeit auf das genaueste erfüllt werden.
Freyherr v. Putlitz." (91)

2.Monat, 6.Heft
*"An Wieland" (49) ua: "Die Zeiten fliehn, des Lebens Farben bleichen, / Die Meinung wandelt, und der Menschensinn, / Das wahre Schöne doch muß stets sich gleichen, / Und seine Farben welken niemahls hin, - / | Systeme werden, neue Schulen sprechen / von reiner Griechheit, Spaniens Hoch-Cultur, / Doch eine Form wird ewig Bahn sich brechen, / Es ist die Form der Wahrheit und Natur."
*Die zwanzigtausend Exemplare (Buchdruck) (51-91): Lettern in Streit zum Gewehrfeuer gebraucht (62) |-| Nachdrucker (81) bekommt Brief, in dem auch "20 blinkende Conventions-Thaler" sind; | "Berühmtester Herr Matz! Spanier, Romantik und Griechheit, Bombast und edle Simplicität vereinigen sich jetzt plastisch, rhythmisch und idealisch in den lichtvollsten Köpfen Deutschlands zu einem erhabnen, vollendeten Ganzen. Unsre Trauerspiele sind schöne Redeübungen, unsre Lustspiele ernsthafte Possen, unser Muth eine Seifenblase, und unser Costum romantische Duldung.
Freuen Sie sich mit mir!
Deutschlands Bürger werden bald die | höchste Stufe der Cultur erreichen; Sie werden - Kosmopoliten (Weltbürger) werden.
Ich und meine Brüder arbeiten mit voller Kraft
{dieser Absatz eingerückt} an dem chemischen Zerstörungs-Prozeß der frühern Dunkelheit der Köpfe; und der Phönix wird bald aufstehn aus seiner Asche.
Doch dazu bedürfen wir Ihrer Hülfe, berühmter Herr Matz, als dem schnellen Verbreiter alles Guten und Schönen.
Philosophische Klarheit, Scheidung nicht zusammen passender Begriffe, bescheidnes Forschen auf dem Gebiethe des Wissens, ernstes Hinabsteigen in die Tiefe der Kunst bevor man ihre Geheimnisse fremden Augen entschleyert; Alles dieß ist weder antik, noch romantisch, mithin nicht zu brauchen; und nur in alten Volksliedern und Erzählungen, in griechisch geformten Dramen und hispanisirten Romanzen ruht die Tiefe und Fülle der Weisheit. - |
Also mit einem Wort, hier müssen wir schöpfen, durch diesen Destillir-Kolben müssen wir die Köpfe treiben, und nur so kann sich rein aussprechen der Stein der Weisheit.
Ich habe sie gefunden die Quint-Essenz alles Guten und Schönen! es ist -
{dieser Absatz eingerückt} die Historie vom gehörnten Siegfried und der schönen Genovefa.
Ihre Hand, edler Mann! Zum Bunde der großen erhabnen Wirkung voll. Ich brauche nähmlich von diesem trefflichen Werk vorläufig 300 Exemplare, die ich jedoch mit imgehender Post erhalten muß. Ihre Genauigkeit und Betriebsahmkeit läßt mir die schnelle Erfüllung meines Wunsches hoffen! die Beylage wird Sie hoffentlich für die Auslagen entschädigen.
Sie haben große Bestellungen in diesem genre noch zu erwarten.
Ihr Freund und Verehrer
Grajo-romantikos." | (85) -druckt Exemplare, schickt sie mit Postwagen ab "und Matz harrte sehnsuchtsvoll der Gelder und Bestellungen, die da kommen sollen; etwas weniger der Wiedergeburt Deutschlands."; nach 3 Wochen kommt Brief, "die Exemplare sind angekommen, gehörig verbreitet, und aus der nächtlichen Dunkelheit chaotischer Unwissenheit ersteht das Licht. Doch die geringe Masse der Exemplare war nur eine geringe Masse zu erleuchten fähig. -", braucht noch 20.000 Exemplare, | beiliegend 50 Conventions-Taler, in 3 Wochen kommt er selbst "zur Abhohlung der köstlichen Geistesspeise" und bringt fehlendes Geld. Matz druckt, Grajo-romantikos kommt aber nicht; | "So vergingen sechs Wochen, romantisch kläglich blickte der gehörnte Siegfried ins sanfte Papier-Auge seiner schönen Genovefa, und Matz ging herum, ein Bild romantischer Verzweiflung; denn Grajo-romantikos ließ sich nicht sehen." nach sieben Wochen kommt | Schaller, der Matzs Tochter Therese heiraten wollte, da Schaller aber nicht Nachdrucker-Gewerbe übernehmen wollte, aber von Matz abgelehnt wird; ||| Schaller bietet ihm nun an, die 20.000 Exemplare anzukaufen, wenn er Therese heiraten kann, Matz einverstanden.
*Epigramm (92) "In Deutschland ward ich geboren, / Hab' Spanien zur Mutter erkohren, / Stets England besonders geheget, / Mit Griechenland Liebe gepfleget, / Nach fremden Ideend da schmacht' ich, / Was deutsch und nicht frech ist, veracht' ich, / Geweiht in den Weltbürger-Orden: / So bin ich Erhabner geworden!-"

2.Monat, 7.Heft
*Adolphs Briefe an Wilhelm (76-124)

2.Monat 8.Heft
*An Moritz Graf v. Fries

3.Monat, 10.Heft
*Der Geschäftsmann und der Dichter (41-67) (48): Jamben, Geklingel

3.Monat, 11.Heft
*Der Geist der Dichtung (75f)

3.Monat, 12.Heft
*Lustspiel der Talisman
*Ankündigung des nächsten Hefts

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