Deutsches Museum. Exzerpt 1812/1813
Erstellt von Christian Aspalter und Anton Tantner

Reprint mit Nachwort von Ernst Behler: Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1975.

Standort: Universitätsbibliothek Wien, Signatur I 997.074
Erscheinungsdaten: 1812-1813
Wien, Camesinasche Buchhandlung
Fraktur

Auswahl aus der Literatur
Anders, Hermann: Die Wiener literarischen Zeitschriften von 1800 - 1815 und ihre Auseinandersetzung mit der deutschen Klassik und Romantik. Wien, Dissertation, 1930, S. 159-172.
Behler, Ernst: Die Zeitschriften der Brüder Schlegel. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1983, S.100-140.
Foit, Johann: Die publizistische Tätigkeit Friedrich Schlegels in Wien. Wien, Dissertation, 1956, S. 110-128.
Gaßner, Christoph: Friedrich Schlegel in seinen Zeitschriften. 2 Bände. Innsbruck: Dissertation, 1961, S.223-376.
Part, Franz: Monographie über die Wiener Zeitschrift "Deutsches Museum". Dissertation, Wien 1935.

Seitenzahlen sind kursiviert in runde Klammern gesetzt, Seitenumbrüche durch das Zeichen | gekennzeichnet, ein Abstand von mehr als drei Seiten durch |-|; Anmerkungen sind in geschwungene Klammern gesetzt.

Verwendete Abkürzungen

AWS = August Wilhelm Schlegel
Bio = Biographie
Bsp = Beispiel
CH = Schweiz, schweizerisch
D = Deutschland, deutsch
EU = Europa, europäisch
evt = eventuell
FR = Frankreich, französisch
FS = Friedrich Schlegel
GB = Großbrittanien, britisch
gg = gegen
Ggwart = Gegenwart
HI = Geschichte
IT = Italien, italienisch
Jh = Jahrhundert
JvMüller = Johannes von Müller
Kg = König
kg = königlich
Lit = Literatur
LW = Landwirtschaft
MA = Mittelalter, mittelalterlich
MAE = Mähren, mährisch
MvCollin = Matthäus von Collin
N = Nord(en)
ÖS = Österreich, österreichisch
PR = Preußen, preußisch
Rez = Rezension
SP = Spanien, spanisch
ü = über
ua = unter anderem
Vggheit = Vergangenheit
WIRT = Wirtschaft
WISS = Wissenschaft, wissenschaftlich
ZS = Zeitschrift

Exzerpt: Deutsches Museum 1812, 1.Band


1.Heft
SCHLEGEL, Friedrich: Vorrede. S. 1-4.
"Vorrede.
Geschichte, Philosophie, Litteratur und Kunst sind die Gegenstände, denen diese Zeitschrift sich widmen wird. (1)
{*Geschichte} Die Geschichte nehmen wir in dem umfassendsten Sinne des Worts. Auch im Gebiete der Litteratur, der Philosophie und der Kunst ist die historische Ansicht diejenige, welche alle anderen Ansichten in sich vereinigt. Einen bloß scheinbaren Widerstreit dient sie am besten aufzulösen und auszugleichen. Ist es aber ein wahrer und nicht aufzulösender Zwiespalt, so weiß sie wenigstens jeder streitenden Kraft und Erscheinung ihre Grenzen und angemeßne Stelle anzuweisen, und solchergestalt alles dem Rechten und Wahren Widerstrebende auf die unschädlichste Weise abzulenken.
{*gg Gleichgültigkeit [ggü FR/Napoleon]} Die deutsche Litteratur leidet vorzüglich an zwey entgegengesetzten Uebeln. Das erste dieser Uebel ist eine gewisse ästhetisch philosophische | Gleichgültigkeit, welche nur keine moralischen und religiösen Bande duldet und anerkennt, sonst aber jedwede andern Bande und Fesseln leicht erträgt, so lange es ihr dabey vergönnt bleibt, alles was in des Menschen Gehirn hineingeht und was nicht hineingeht, auf ihre Weise durcheinander zu würfeln und ein wissenschaftlich poetisches Spiel damit zu treiben.
{*gg [ÖS] Provinzgeist} Auf der andern Seite regt sich in der deutschen Litteratur immer noch von neuem jener beschränkte Provinzialgeist, welcher schon so oft an ihr bemerkt und getadelt wurde. Es ist dieß um so mehr zu beklagen, da die Gesinnung welche dabey zum Grunde liegt, meistens sehr lobenswerth und ganz die rechte ist. Nur daß die gute Absicht, wenn der Standpunkt so gar beschränlte genommen wird, nicht vollständig gelingen und allgemein wirksam werden kann.
Jede Literatur muß und soll national seyn; dieß ist ihre Bestimmung und kann ihr allein erst ihren wahren und vollen Werth verleihen. Aber die Idee einer Nation, besonders einer solchen wie die deutsche ist, ist in Raum und Zeit, im gesammten Gebiete der Weltgeschichte etwas zu Umfassendes, als daß die Rücksicht auf die nächsten bürgerlichen Umgebungen und politischen | (3) Verhältnisse hier schon Genüge leisten, und hinreichend gefunden werden könnte, um einem Werke, einem Urtheil, einem Schriftsteller den großen Charakter zu verleihen, weshalb sie national genannt werden dürften. Ein unverhältnißmäßiges ausschließliches Anpreisen der inländischen Schriftsteller oder sogenannten vaterländischen Gegenstände, ist in der Litteratur ein allzu leichter und auf keine Weise vollgültiger Beweis einer patriotischen Denkart.
Doch um diesem Uebel zu begegnen, darf man die Idee der Nation nur in jenem größern und umfassenden historischen Maßstabe aufstellen und immer gegenwärtig erhalten, so wird sich der Gesichtskreis, wo er noch zu beschränkt ist, bald von selbst allmählig erweitern.
Jenem zuerst erwähnten und ungleich gefährlicheren Uebel der moralischen Erschlaffung und Gleichgültigkeit gegen Wahrheit und Recht, kann, weil das Uebel aus einer falschen, sophistisch unverständlichen und spielenden Philosophie entstanden ist, auch nur durch eine bessere, dem ernsten Geiste der Wahrheit und der Gerechtigkeit wiedergegebene Philosophie abgeholfen werden. Daß eine solche bessere Philosophie im Gegensatz der bisherigen sich klar und verständlich darstellen | lasse, daß sie auch wahrhaft ins Leben eingreifen, und praktisch wirksam seyn könne, wird sich durch die Ausführung selbst am besten ergeben.
Was die Kunst betrifft, so werden wir nebst der Poesie unsere Aufmerksamkeit vorzüglich auch der bildenden Kunst widmen, für welche sich gegenwärtig wieder so günstige und hoffnungsvolle Aussichten zu eröffnen anfangen.
Wien, den 1. December 1811.
Friedrich Schlegel."

*Steigentesch: Sprache (Gedicht). ua Geschichte

AWS: Aus einer noch ungedruckten historischen Untersuchung über das Lied der Nibelungen. S.9-36
*{Lob der Romantik} Anfangs über Editions- und Rezeptionsgeschichte; Johann von Müller; |-| (15) "Indessen verstrich noch eine beträchtliche Anzahl Jahre, ohne daß Müllers Wort Eindruck gemacht hätte, oder die Sache gehörig in Anregung gebracht hätte. Dieses Verdienst muß man wohl einer Dichterschule zugestehen, die den oft verkannten und herabgewürdigten Begriff der romantischen Poesie aufgestellt, und es sich zum Lieblingsgeschäft gemacht hat, den Quellen dieser Poesie nachzuspüren. Man las mit Liebe die einfältigen Werke unsrer Altvordern, man theilte sich seine gränzenlose Begeisterung für das ursprünglichste unter allen mit, man berieth sich vielfältig über die Möglichkeit und die Mittel, es den Zeitgenossen zugänglich zu machen." | *vor 8 Jahren hielt AWS Vorlesung in Berlin zurHI D Poesie, dadurch wurde Herr v Hagen angeregt, Nibelungenlied zu edieren.
*{Übersetzung} Mittel der Aneignung (17): Frage, ob Sprache verändert werden soll; gibt Beispiele dafür, | zB Voß Übertragung von Homer; "Johann von Müller hat seinerseits mit grosser Kunst und Gewandthgeit vieles aus der Sprache der alten Gesetze, Urkunden und Chroniken in die geschichtliche Schreibart verschmolzen, und dadurch seinen beredten Gemählden zugleich eine alterthümliche und eine örtliche Farbe ertheilt." | *Öffentlicher Vortrag | *{Erziehung, Schule, Vermischung} Univorlesungen angekündigt, das reicht aber nicht aus, Nibelungenlied muß in allen Schulen "die sich nicht kümmerlich auf den nothdürftigsten Unterreicht enschränken" gelesen und erklärt werden; "Es muß (...) wieder ein Hauptbuch bey der Erziehung der deutschen Jugend werden. Dahin muß und wird es kommen, wenn die Deutschen das Gefühl eines selbständigen, von uralter Zeit unvermischten, glorreichen und unzertrennlichen Volkes nicht ganz einbüßen."; | läppische Kinderschriften unnötig; | (22) "Führt die Jugend ins Freye hinaus, an den halb verwitterten Urfels der Sage, wo der mit Eisen geschwängerte Quell der Heldendichtung noch lebendig hervorsprudelt. Da laßt sie einen frischen Trunk thun. Das Eisen ist nicht nur das nützlichste aller Erze im Kriege und im Frieden, es ist auch dem menschlichen Körper das angemeßenste; und, innerlich gebraucht, wirkt es heilsam, die erschlafften Glieder wieder neu zu stählen."
*{FR-D, Vermischung} Vorrang der Nibelungen (22) ggü anderen MA Helden und Rittergedichte: viele dieser kamen aus FR; | zB die über Karl der Große; der war freilich ein deutscher Fürst, lächliche Unkunde, wenn FR ihn als Franzosen hinstellen; "Franzosen gab es überhaupt damals noch gar nicht, sondern bloß Franken, die Abkömmlinge der Eroberer und der Adel des Landes; das Volk war die vermischte Nachkommenschaft der Gallier und römischen Provinzialen. Den Anfang der französischen Nation kann man nicht früher als in den Zeitpunkt setzen, wo die Verschmelzung der Sprachen zeigte, jener Unterschied des Geblüts sey gewissermaßen erloschen. Indessen ist die fabelhafte Geschichte Karl des Großen in Frankreich erfunden, und ohne Zweifel auf Veranlassung des ersten Kreuzzuges in Umlauf gebracht worden." | D-Heldenlieder waren unter dem Volk verbreitet, "die welschen Dichtungen" an den Höfen "wo das Erb-Uebel der Deutschen, die Vorliebe für das Ausländische, schon damals häufig seinen Sitz hatte" "Indessen war, was uns das Ausland zugeführt, nicht immer von so gutem Gehalte als jene sinnreich erfundenen und mit edlen Gesinnungen angefüllten Ritterromane." wurden nicht so volksmäßig wie "die einheimischen Sagen", "wegen eines gewissen fremden Gepräges, das überall durchscheint."; | diese "aus fremder Hand empfangenen Dichtungen" wurden "wahrscheinlich" "oft beträchlich verschönert und vieles zarter ausgebildet" | "Ein Tadel endlich, von dem die meisten Dichter nicht freygesprochen werden können, ist ihre unnütze Sprachvermengung, indem sie viele französische Wörter, ja ganze Redensarten anbringen, wo sich die Sache eben so gut auf Deutsch hätte ausdrücken lassen. Hier bemerkt man den Einfluß der Hofsitte; schon damals lallte man dem Auslande nach, und wähnte solchergestalt zierlicher und auserlesener zu reden. Ueberhaupt hat sich das Deutsche von je her nur mit äußerster Noth des Eindringens fremder Wörter erwehrt. Die ältesten deutschen Bücherschreiber, die Mönche, brachten viel Latein in die Sprache, hauptsächlich was Ausdrücke für wissenschaftliche und geistliche Dinge betrifft. Im zwölften Jahrhundert fing man an, das Ritterthum nach welschen Sitten zu modeln, und in deren Gefolge wurde ein Haufe französischer Wörter über den Rhein verpflanzt. Des Lateinischen ist aber weit mehr | (27) geblieben, weil es edler und unsrer Sprache angemessener ist. Indessen sind auch von der französischen Einmischung aus jener frühen Zeit noch manche Spuren übrig: z. B. das Wort Abentheuer, welches Viele wohl für recht ursprünglich deutsch halten, ist nichts anders als aventure, wie die alte Schreibart unwidersprechlich ausweist." *Einheimische Dichtungen: "Sie haben insgesammt vor den welschen Romanen den Vorzug eines vaterländischen Ursprungs und wahrhaft deutscher Art." ||
*{Vggheit/Ggwart, Übersetzung, Vermischung} Vorzug des Nibelungenlieds ist auch, daß es eine Katastrophe darstellt (29); "Dem menschlichen | Gemüthe liegt aber die Wehmuth über den Verfall, die Trauer über den Untergang vormaliger Größe und Herrlichkeit näher als heitere Spiele mit der Gegenwart, und vertrauende Aussichten in die Zukunft." -Griechen war Ilias mehr wert als Odysee. bei Nibelungenlied: "Bald verfinstert sich der Schauplatz, gehäßige Leidenschaften mischen sich ein, eine ungeheure Frevelthat wird verübt." *Wesentlich an Nibelungenlied: | "seine Urkundlichkeit", welsche Ritterromane wurden ganz aus Einbildung erschaffen, zB Artus; Sagen von Karl der Große wurden zwar aus HI genommen, aber evt verkleinerte ihn Fabel gg die Geschichte; "Auch ist es gleichsam eine Uebersetzung seiner Thaten in eine fremde Sprache; aus fränkischen Recken sind französische Paladine geworden."; bei Nibelungen: | "Daß der Dichter vieles aus den Sitten und der Lebensweise der späteren Zeit, worin er lebte, eingemischt hat, thut hiebey keinen Eintrag: der Gelehrte wird dieß schon zu unterscheiden wissen;"
*{Schule, Gebrauch der HI} Wesentlicher Vorteil unseres Vorschlags, Nibelungenlied "zu einem Hauptbuche der Erziehung zu machen, es gründlich in den Schulen zu erklären und dem Gedächtnisse der Jugend einzuprägen": "den Geschichten unsers Volkes einen dichterischen Hintergrund zu geben", damit Werk für uns das wird, was Homer den Griechen war;
{MA-Kritik der Neuzeit, Verlangen nach Müller} "Man hat beym öffentlichen Unterricht und in Büchern auf die Geschichte der neueren Zeit den ausführlichsten Fleiß (32) | gewandt; über die Geschichte des Mittelalters, der vermeinten Jahrhunderte der Barbarey und Finsterniß giebt es zwar viele gelehrte Forschungen, in eigentlich darstellenden Werken aber hat man sie nur nothdürftig abgefertigt. Jene war allerdings für den Staatsmann und Rechtsgelehrten wichtiger; nach dem jetzt erlebten Fal oder der Umgestaltung so vieler Staaten und Verfassungen, hat sie einen großen Theil ihrer Bedeutung verloren. In Absicht auf Deutschland bietet sie nun vollends beynahe nichts anders dar, als das traurige Schauspiel, wie das Reich seiner Auflösung allmählich entgegen gegangen: zuerst die unselige Religions-Spaltung, hieraus entsprungene Bürgerkrieg, erst nach mehr als einem Jahrhundert durch einen Frieden beendigt, welcher dem ausländischen Einfluße Thor und Thür öffnete, und seit welchem die Reichsverfassung das Spiel jedes Mächtigen geworden. Die letzten Jahrhunderte der europäischen Geschichte zeigen uns das Aufkpmmen der Finanzkünste, die Vermehrung der stehenden Heere, eine wissenschaftliche Kriegskunst, eine verwickelte und ränkevolle Politik, überhaupt das Wirken der Staaten gegen einander in großen Massen, wo der Einzelne nur als Ziffer gilt. Große Menschen, solche, welche das von Gott ihnen ins Leben mitgegebene Erbtheil persönlicher Kraft mit dem beharrlichsten Nachdruck ihres Willens behaupteten und anbauten, sind im Mittelalter zu Hause; die ausgezeichneten Charakter am Eintritt des sechzehnten Jahrhunderts hat noch das vorhergehende Geschlecht erzogen. Alles verkleinert | sich mehr und mehr, je näher wir unsern Tagen rücken. Die Geschichte jener fernen Jahrhunderte, im ächten Sinne dargestellt, ist ganz dazu gemacht, vaterländische und männliche Gesinnungen zu bilden. Mit der abgeschmackten Verläumdung des Mittelalters muß es nun ein für allemahl ein Ende nehmen, nachdem der Hochmut der sogenannten Aufklärer zu Falle gekommen, und was sie als neu erfundene, noch nie unter dem menschlichen Geschlechte verbreitete Herrlichkeiten priesen, seine Nichtigkeit offenbart hat. Lernen wir nun erst das Mittelalter recht kennen, dringen wir ein in den Geist der Weisheit, Gerechtigkeit und Biederkeit, der sein Wirken bezeichnet. Es ist aber nicht genug, dessen Geschichte aus todten Urkunden diplomatisch genau zu beschreiben. Jene riesenhaften Schatten, die uns wie durch einen Nebel erscheinen, müssen wieder feste Umrisse bekommen, dem Bilde der Vorzeit muß seine eigenthümliche Seele wieder eingehaucht werden. Und dieß ist sehr schwierig zu leisten, weil wir meistens nur aus lateinischen Quellen schöpfen können. Nicht als ob die gleichzeitigen Geschichtsschreiber ohne Verdienst wären: aber es ist unglaublich, wie sehr durch das Werkzeug einer todten und gelehrten Sprache ihre Erzählungen farb- und charakterlos geworden sind. Wie ganz anders würde sich die deutsche Geschichte seit Karl dem Großen bis auf Kaiser Friedrich den Zweyten ausnehmen, wenn wir von Zeitgenossen so ausführliche und lebendige deutsche Darstellungen besäßen, wie etwa die herrliche Geschichte des burgundischen Krieges von Diebold | Schilling! (35) Johann von Müller hat das schwierige Werk angefangen, diesen Mangel zu ersetzen: sein tiefes Gefühl, sein ahnungsvoller Scharfsinn ist in das innere Leben unsrer Altvordern eingedrungen; was er für die Schweiz, einen kleinen Theil der Reichsverbündung geleistet, muß nun für die gesammte deutsche Historie geschehen." "Die uralten Sagen (...) offenbaren, was nicht in todten Schriftzügen aufbewahrt werden kann, die Stammesart und ursprüngliche Eigenthümlichkeit der Völker." -Nibelungenlied | war weit verbreitet; "Von diesem verschollenen Ruhm wollen wir einen Theil herzustellen versuchen."

COLLIN, Heinrich von: Zerstreute Blätter aus dessen litterarischen Nachlasse. S. 37-53.

*{Staatstheorie} "Es können Maßregeln, welche den Wohlstand begründen würden, mit den Maßregeln, welche zur Fortdauer des Staatsvereins nothwendig sind, in eine wahre Kollision gerathen, wo sodann für letztern die Ausnahme gemacht werden muß. Dieser Satz wird in der practischen Anwendung sehr wichtig, und muß daher mit einigen Worten erörter werden.
Die ältern Staatsrechtslehrer haben den Staat als einen Verein betrachtet, um sich gegen Mord und Verkürzung des Eigenthums zu sichern. Dieser rohe Begriff ist äußerst herabwürdigend für die Menschheit. (45) | Der Mensch tritt in den Staat, weil er nach dem innersten Rufe seines Herzens nicht sich allein, sondern der Menschheit leben soll, weil er dieses nur im Staate vermag, und nur dadurch, daß er im Staate für andere lebt, Mensch wird, und sich um Thiere unterscheidet.
Er soll sich und das Seine opfern für den Staat, in dem er lebt, weil er die Pflicht hat, den Staat, den er von der Vorwelt erhielt, der Nachwelt zu sichern, und in den Stand, in den er sich gesetzt fand, auch andere zu setzen.
Der Unterschied dieser verschiedenen Ansicht ist folgenreich. Die Pflicht, sein einzelnes Lebem, sein einzelnes Eigenthum dem Staate zu opfern, wurde nach dem ältern Schulbegriffe noch mühsam genug herausgefolgert; die Pflicht, die Existenz Aller, und ihr Eigenthum, und das, was man Wohlfahrt nennt, dem Staatsvereine zu opfern, ergiebt sich nur aus der zweyten Ansicht.
Es ist daher ein Finanzsystem, welches die Bedingungen einer sichern Fortdauer des Staatsvereins, den Bedingungen eines ephemeren Wohlstandes unterordnet, gegen des Zweck des Staatsvereins, und also ohne weiters zu verwerfen. Hiebey muß ich zur Vermeidung alles Mißverstandes bemerken: die Bedingungen der gesicherten Fortdauer umfassen die Anstalten zur Versicherung der Vertheidigung, nicht zur Erweiterung des Staatsgebiethes."

*zu Vertrag (42f)
*zu Bouterwecks Ästhetik (50)

MÜLLER, Adam: Agronomische Briefe. S.54 - 78.
*{Theorie der zwei LW} Adressat befürwortet Fortschritt in LW, Müller ist dagegen: (54) unterscheidet solche Wirtschaften, die in Nähe von Märkten und Städten gelegen sind (wobei selbstverständlich: "das Wort: Nähe, durchaus nicht buchstäblich zu verstehen ist, und daß Wasser und Landstraßen Nachbarschaften stiften, denen die Meßkette und der Meilenzeiger zu widersprechen scheinen.") und solche, die entlegen; | dh eine Gattung, die mehr von sich selbst zehrt, die andere, die von Markt und damit von Geld abhängiger ist; je entfernter WIRT von Markt, umso bleibenderen Charakter wird Grundeigentum annehmen; | "Und so möchten wir dann die isolirte Landwirthschaft mit einem Zirkel vergleichen, worin alle Theile in Beziehung auf den Mittelpunkt und in Wechselwirkung mit demselben stehen müssen; die auf einem Markt begründete dagegen mit einer Ellipse, in deren Einen Brennpunktes, nämlich des Marktes, sehr leicht der Fall ereignet, daß die Ellipse zerreißt, und die ganze Unternehmung unsers merkantilischen Landwirthen zu Schanden wird." | -Beide Gattungen müssen nebeneinander fortdauern; "während die isolirte Landwirthschaft die erste Gewährleisterin der Unabhängigkeit des Vaterlandes, und die merkantilische die gerechteste Vermittlerin zwischen der Production des In- und Auslandes bleibt;" man nährt aber Irrtum, daß erste Ausgeburt der Trägheit usw ist; als | alte und neue Lehre wird bezeichnet, was nur nebeneinander richtig ist; heute oft Ansicht, daß Welt oder Staaten "nur stoßweise durch chocs, durch coups de main zu erhalten seyen"; {ruhendes ÖS} aber: "Den Beweis, daß für die Erhaltung eines Staates in jeder gedenkbaren Krise seine ruhende Kraft, und vor allen die innere Bindung des Volkes mit dem Boden, auf dem es lebt, eben so wesentlich sey, als seine Stoßkraft; überhaupt, daß es vornehmlich die Kraft der Wurzel sey welche dem Sturme widerstrebt, hat Oesterreich practisch geführt." | (59) -"der Markt (...) der Tyrann unserer Production"; "Könnten Sie läugnen, daß auf diesem Wege das heilige Bündniß eines Volkes mit seinem Boden, die Verschlungenheit {Mischung} aller arbeitenden Glieder der Gesellschaft untereinander, und ihr Verwachsenseyn in einen unabhängigen Körper, in jedem Momente wieder aufgelöst wird, (...)"; | möchte also der merkantilen LW durch alte isolirte, oder besser "nationalen Landwirthschaft" Schranken geben; LW soll "zu Gewerbe herabgewürdigt, und dem großen Mechanismus der Industrie einverleibt werden; die letzte Quelle der Freyheit, aus der männliche und eigenthümliche Gefühle in alle Adern der bürgerlichen Gesellschafts strömten, soll | vertrocknen; keine persönliche Wechselverpflichtung auf Leben und Tod in keinem Geschäfte soll mehr gelten; jeden Augenblick soll die ganze Gesellschaft sich lohnweise untereinander abfinden, und - das der freye Staat nichts anders ist; als die freye persönliche Unterwerfung seiner Glieder untereinander um des höheren Beyeinanderseyns willen - so erklärt die gegenwärtige Generation sich zu solcher Staatsverbindung unfähig; servilisirt sich selbst, anerkennt nichts höheres als denselben Eigennutz und Eigenwillen, den das bürgerliche Leben nicht etwa bloß beschränken, sondern veredeln und verbürgen sollte durch die Allgegenwart des Gemeinwillens." "Im Nahmen der Freyheit (...) sollen diese Bande zerrissen werden. Der Landwirth soll seine vornehme, seine erhabne Stellung an der Schwelle der Natur und der bürgerlichen Gesellschaft, wo er in dem Glanze beyder Heiligthümer lebte, wo er durch liebevollen, ich möchte sagen, kindlichen Gehorsam gegen beyde Vermählte, jene Fülle des Herzens bewahrte, aus der das natürliche Gesetz wie die natürliche Vertheidigung der Völker kommt, für immer verlassen, und als Lohnarbeiter eingehn in die Universal-Fabrik des | städtischen Lebens, die blind ihr Gesetz empfängt vom Markt, und ihre endliche Vergeltung im Krankenhause." -will protestieren gg Buchstaben jenes großen Mannes Adam Smith; || LW in GB; || (66) Bedürfnis; || Geldtheorien der Staatswirte: "Das sie nun ferner unter Geld bald die Materie desselben, bald ein fixes Abstractum davon verstehen, und sie die einzig richtige Ansicht des Geldes, vermöge deren es nichts anderes als eine Eigenschaft aller Personen und Dinge ist, zwischen dem Bedürfniß und der Production zu vermitteln, nicht anerkennen wollen, (...)" || "Von dem Verharren aber, von dem Bleiben, ich möchte sagen, von der ausschliessenden und ewigen Ehe eines Volkes mit einem bestimmten Boden, hängt alles Gedeihen und aller Wachsthum, alle innere organische Ausbildung, alle eigentliche Lebenskraft ab:"; Staat bekommt sonst "Nomaden-Charakter"; "Nomadenhorde, ein bloßes Bündel von Individuen, {die} nur wirkt, wenn sie stößt und drängt und treibt"; im Ggsatz dazu "ist in einem bleibenden Staate, außer der Summe individueller Kräfte, noch etwas unendlich Mächtigeres vorhanden, die Gesammtkraft, die accumulirte Kraft vieler aufeinander folgender Geschlechter, die eigentlich politische Macht, die Macht, welche im Stande der Ruhe fortwirkt"; | (71) wenn neue Lehre "etwas weniger Vertrauen zu der Untrüglichkeit des Zahlen-Calculs und der mechanischen Kräfte, dagegen etwas mehr Liebe zur Sache und Gehorsam gegen die Natur mitbrächte", dann könnte "auch der feudalistische Landwirth" in neuen Schule unzähliges lernen; | in D wird neue Lehre von Herrn Thaer verbreitet, | der kluger Kopf ist; || "Trägheit" des Landwirtens ggü Neuerungen ist von der Art, die wir aus physikalischen WISS kennen, und die wichtig ist. ||| (78) Wir beide haben Gemeingut im Auge "nämlich die Freyheit, eine tüchtige, dauerhafte, männliche, und die eins ist mit dem Gesetz."

Rezension: Jacobi: von göttlichen Dingen (79-98) (von F Schlegel) (geht um Theorie der Offenbarung)

2.Heft
*Caroline Pichler: Johann Hunniady Corvin (Gedicht)
*Ridler JW: scandinavische Halbinsel und ihre Bewohner (107-136) beschreibt ua Arbeit der Fischer

Müller, Adam: Agronomische Briefe. Zweyter Brief. S.137 - 159.
*"Unter allem Verlangen nach Reichthum, nach Besitz, nach Lebensgenuß, nach besseren Tagen verbirgt sich ein tieferes Verlangen nach der Dauer, und jener Tausch-Instinkt, woraus Adam Smith die ganze Welt-Oekonomie herleitet, will in allerletzter Instanz doch nur das Unvergängliche eintauschen." (139)

v.St.: Rezept (161)
*{Kritik des Ritterromans} "Ein Fräulein, hinter Schloß und Gitter, / Ein junger, vielliebender Ritter, / Ein Lied, ein Mond, eine Zither, / Begleitet von einem Gewitter, / Ein Held, der nie ruht, / Viel Muth, / Viel Blut, / Viel Schlachten, / Zwey blaue Augen, die schmachten, / Ein treier derber Rittersmann / Der liebt und ficht und nicht schreiben kann, / Bemahlte gothische Fenster, / Ein finsterer Gang voll Gespenster, / Ein Kloster, Angst- und Nonnengeschrey, / Ein Teich von gesammelten Thränen dabey; / Dieß alles wohl zusammengethan, / So giebt es einen Ritterroman."

FS: Über nordische Dichtkunst. (162-194)
*{Kritik als historische Bergmannarbeit}: Kritik nicht passend für leichtere Hervorbringungen der Poesie; (162) || wie selten sind Fälle, wo es Kritik "gelang dem Strome der Mode Einhalt zu thun, die Täuschungen in ihr Nichts aufzulösen"; "Außer jener Poesie des Frühlings und des Augenblicks; dann jener zweyten die der Mode dient und in der Sphäre des höhern gesellschaftlichen Lebens ihr Wesen treibt, giebt es noch eine andere": "Poesie in ihrer ursprünglichen Gestalt", der "Sage und Heldendichtung", die ebenso der HI angehört, ist vglbar einer Felsenquelle; | "Hier ist die Kritik, die aber wie sich versteht, fast durchaus Geschichte seyn muß, ganz an ihrer Stelle und wahrhaft fruchtbar. Nicht um die großen Werke der Natur nach einem willkührlichen Maaß, oder oft allzuleichtem und vergänglichem Gewicht zu würdigen, sondern sie zu deuten, zu erklären, ihnen ihre wahre Stelle anzuweisen, und sie allgemeiner verständlich zu machen. Mit dem Geschäft des Bergmannes ist die Erforschung und Erklärung dieser alten Denkmahle der Sage zu vergleichen; des Bergmannes der die Natur in ihren Tiefen beobachtet und andern deutet. Hier unten wurzeln und schlummern verborgen jene Kräfte und Metalle - das Gold und das Eisen - welche an die Oberfläche hervorgebracht alles in Umlauf und Bewegung setzen, die Fluren mit dem Seegen der Fruchtbarkeit schmücken, oder Felder und Ströme mit Blut färben; hier ruhen verschlossen die erquickendsten Heilkräfte und die tödtlichsten Gifte, unscheinbare Stoffe ferner, aus denen durch geringe Kunst die üppigste Mannigfaltigkeit der glänzendsten Farbenspiele sich entwickeln läßt; manches andere Geheimnißvolle, alles zerstreut und begraben unter den Ruinen einer versunkenen Riesenwelt." |-|
*{MA-Gegenwart} Sage gehört nur zur Hälfte der Dichtkunst, dann aber auch der HI an (168); Ossian |-| (176) diese Sage wie Cid, Ferdusis Sammlung persischer Sagen und Nibelungenlied und Edda ca 9,. 10.Jh: "Alles dieß fällt recht in die Mitte jenes Zeitraums, welchen man gewöhnlich die 'Finsterniß des Mittelalters' zu nennen pflegt. Wohl mag in Rücksicht auf das isolirte Leben der Nationen und der Einzelnen, auf | den in den letzten Römerzeiten so allgemeinen und so lebhaften und jetzt unterbrochenen Verkehr der Völker, und in Rücksicht auf die nicht mehr so allgemein verbreitete Gemeinschaft der Geistesbildung, und weil überhaupt die Gewerbe und Geschäfte des Tages noch bey weitem nicht mit der Geschicklichkeit wie in neuern Zeiten betrieben wurden, jene merkwürdige Periode der Menschheit mit der Nacht verglichen werden; aber eine sternenhelle Nacht war es! Jetzt scheint es, befinden wir uns noch in einem verworrnen und trüben Mittelzustande der Dämmerung. Die Sterne, welche jene Nacht erleuchteten, sind erblaßt, und größtentheils schon verschwunden, aber noch ist der Tag nicht angebrochen. Wohl hat man uns mehr als einmahl die bevorstehende Erscheinung einer neuen Sonne allgemeiner Erkenntniß und Glückseligkeit verkündigt. Der Erfolg indessen hat die übereilte Verheißung keinesweges bestätigt, und wenn irgend ein Grund vorhanden ist, um zu hoffen daß sie bald in Erfüllung gehen soll, so ist es wohl nur die empfindliche Kälte, welche in der Morgenluft dem Aufgang des Lichtes voran zu gehen pflegt."
*Edda (179) || *gg Materialismus der Griechen |-| *Shakespeare (189)

3.Heft
STEIGENTESCH, Frhr A v.: Ein Wort über deutsche Litteratur und deutsche Sprache. S. 197-220.
*{Übersetzung} "die beste Übersetzung gleicht einem gewendeten Kleide, dem das Feine, Glänzende und Weiche der anders Seite fehlt." (197)
*In D erschien "eine Menschenklasse, die, wie die alten Ritter von ihrem Degen, jetzt von ihrer Feder lebten." (206) |
*Problem der deutschen Sprache (im Ggsatz zu FR und GB) (207): schleppt das Zeitwort immer nach; Bspsatz von | Wieland ("der als Dichter immer groß bleiben wird, wenn ihn auch die neuere Schule zu verkleinern suchte")
*Gebiet der Geschichte: (211) "dem deutschen Tacitus" (Johannes v Müller): erster Preis, aber "Schriftsteller, der auf jeder Seite den Genius der Sprache beleidigt, die ihm fremd ist"

PFUEL, E. von: Ueber das Studium der Kriegsgeschichte. S.221 - 237.
*auf ersten Blick (223) scheint es leicht, sich durch Kriegsgeschicht belehren zu lassen; "man häuft Bücher und Karten um sich her" usw; | dann aber: "Länder auf der Karte betrachtet, so klar und begreiflich ihrem Baue, ihrem Wasserzuge nach, werden in der Wirklichkeit dem Auge ganz unverständlich; alle Maximen und Grundsätze gerathen in Verwirrung;" | Kriegführen ist seiner Natur nach eine Kunst, wenn auch wesentliche Unterschiede zu anderen Künsten;

M v Collin: Aus dem Trauerspiele Marius

Aussichten für die Kunst in dem Oesterreichischen Kaiserstaat. S.248 - 287.
*kk Akademie der vereinigten bildenden Künste feierte Geburtstags von Franz am 12.2. durch Publikation der neuen Statuten. (248)
*Rede von Metternich als Kurator der Akademie (248) |-| "Wenn einzelne Künstler bloß durch glückliche Anlagen, oft nur durch mechanische Fertigkeit, ihre Werke bis zu dem Punkte vervollkommen, wo sie der Aufmerksamkeit der Nachwelt würdig bleiben, wie groß, wie lebendig muß das Gefühl der Kunst in dem Manne ausgebildet seyn, welcher diesen seinen Geist den Werken einer ganzen, durch ihn (254) | beseelten Schule mittheilt? Ein Phidias, ein Praxiteles, ein Raphael, ein Rubens, handelten wahrlich nicht bloß nach mechanischen Gesetzen; was sie regierte, war von edleren Ursprung; aus der Tiefe eines begeisterten Gemüthes drang die Kraft hervor, die sich in ihren Werken verewigte."
*Rede Ellmaurer (beständiger Sekretär der Akademie) (260)
*Rede Sonnenfels (Präses der Akademie) (266)
*Allgemeine Betrachtungen von FS (272):
*{Hormayr} zu Raphael Mengs "Von ihm sagt unser Plutarch {wohl Hormayr} am Schlusse der diesem 'philosophischen Mahler' gewidmeten Biographie, in seiner geistreichen feurigen Manier:" || *Talent

4.Heft
AWS: Gedichte auf Rudolf v Habsburg S. 289-323
*{ÖS} "Gar vieles in den Minnesingern hat Beziehung auf Oesterreich. Nicht wenige Dichter lebten in diesen Gegenden, weil ihnen die Babenbergischen Fürsten besondere Gunst angedeihen ließen." (291) | -|
*{EU-Stämme, Mischung} Erläuterung zu Gedicht des Meister Friedrich von Sonnenburg, der von Papst-Brief handelt: (300) "Mit den drey Worten: | Deutsche, Walen, Wenden, sind die drey Hauptstämme Europa's: die deutschen Völkerschaften, die aus einer Mischung römischen Geblüts entsprungenen, und die slawischen in der Kürze treffend bezeichnet."
*Bemerkenswert schnelles Verbreiten der Nachricht zu Zeit, wo es keine Druckereien, Zeitungen, Posten gab (301)

*Über den Glauben
*Matthias Claudius: Osterlied

*Friedrich Müller: Kunstnachrichten aus Rom an den Hrsg
*Friedrich Meinert: Der Adler Juppiters
*Stoll: Jakob Degen

*Preisaufgabe Sr. k.k. Hoheit des Erzherzogs Johann über die Geographie Innerösterreichs im Mittelalter. S. 360 - 367. {auch in Annalen März 1812; Vaterländische Blätter, Nr 20 7.3.1812}
"Um das für die pragmatische Bearbeitung der Geschichte Inner-Oesterreichs schon bey der Gründung des Johannäums öffentlich ausgesprochene Gelübde um so befriedigender zu lösen, finde Ich Mich bewogen, den Gelehrten des In- und Auslandes hiermit eine Preisfrage darzulegen, welche die Geographie jener Provinz im Mittelalter zum Gegenstande hat.
Die chronologische Gränze dieser Preisfrage gehörig zu fixiren, wird bestimmt, daß sie mit Carls des Großen Kaisermacht im Jahre 800 beginne, und nach der Aechtung Heinrichs des Löwen, mit der Uebergabe der Steyermark durch den letzten Ottokar an Leopold den Tugendhaften, Herzog zu Oesterreich, endige.
Welchem Reiche haben unter den Carlowingen, Kärnthen und die Steyermark angehört? unter welcher Benennung und Umgränzung?
Welchen Umfang hatte das erst von sächsischen, dann von einem welfischen und zäringischen Prinzen, | denen sohin die beyden Dynastien von Eppenstein aus dem Mürz- und von Sponheim-Ortenburg aus dem Lavantthale folgten, administrirte Herzogthum Carentanien? - Welche Gauen (pagi) und Grafschaften (Comitatus), welche Grafen, Praesides, Marchiones, welche Ortschaften kommen in Urkunden und Chroniken, als in diesem Herzogthum gelegen vor, mit welchen Nahmen, und wie heißen solche jetzt? - Erklärung der in Urkunden vorkommenden metae bavaricae und der, den Schneidepunkt der Sprachen so deutlich bezeichnenden Nahmen: Bayerisch-Gratz und Windisch-Gratz.
(Die betreffenden Stellen der Documente oder Historiker sind bey dieser und bey den folgenden Aufgaben wörtlich anzuführen, chronologisch aneinander zu reihen, und mit kurzen Noten zu beleuchten. Als Muster sollen dießfalls dienen die Preisfragen von Beda Appel (1771) und Roman Zirngibl (1777) über die Marken, Graffschaften und Gauen des Agilolfingischen und des Karolingischen Bayerns in den Abhandlungen der Münchner Akademie, dann des Freyherrn von Hormayr Beyträge zur Geschichte Tyrols im Mittelalter I. B.)
In welcher Berührung zu dem nach den Ottonen immer schmälern und engern Herzogthum Kärnthen stand die Mark der thüringischen Ulriche, | (362) Popponen und Starkhande, der Günther und Pilgrine von Hohenwart - dann die Mark Styre und der Traungau der Ottokare, die sich im Lande ob der Enns sogar, bis jenseits der Donau ausbreiteten? und in welch staatsrechtlichen Verhältnisse dieser Traungau hinwieder zum Herzogthume Bayern und zu der bis 1156 bayerschen Markgrafschaft ob der Enns? - Istriens Wechselschicksale, die daselbst gewaltigen Engelberte und Mainharde, nachhin Grafen von Görz, Pfalzgrafen in Kärnthen, Vögte von Aquileja. - Großer extensiver und geographischer Unterschied jener Mark Steyer und der heutigen Steyermark. - Chronologische, mit urkundlichen oder doch historischen Stellen belegte Reihe dieser Markgrafen, Orte und Gränzen ihrer Mark.
Von der successiven Vergrößerung und von der Genealogie der Ottokare ist übrigens ein möglichst vollständiges Skelett beyzubringen. Ist vielleicht das Geschlecht der Stifter von Seon (des Grafen Dubuat, origines boicae und die Mon. Seonensia im II. B. der Mon. boica) Eines mit jenem der Ottokare und Aribo der Stifter von Göß, und Graf Aribo in einem Diplom Ludwigs des Kindes vom 26. September 903 unmittelbare Altvordern der in der Vorauer-Chronik | genetisch aufgezeichneten Otacher marchio Styrensis, filius Otachyr marchionis, genuit Ozy Marchionem? - Sippschaft der Ottokare mit den Grafen von Lambach und Wels, dann mit jener von Neuburg und Pütten.
-
Wer sich immer zur Lösung dieser höchst interessanten Fragen berufen fühlt, und ein oder andere, einzelne diplomatische Zweifel und Lücken im Wege findet, mag sich zur Behebung derselben an das geheime Staatsarchiv in Wien, oder an das Johannäum in Gratz wenden, von wo man seinem Begehren nach Möglichkeit entspechen {sic!} wird. - Fröhlichs, Hansitzens, Rubeis, Coroninis, Petzens, Reschs, Meichelbecks, des Archivs für Süddeutschland, des Florianer Chorherrn Franz Kurz, der Iuvavia, der Acta S. Hemmae, Julius Cäsars, Megisers, Valvasors, Puschs, Preuenhubers urkundliche Beyträge zur Erhellung dieses schwierigen Gegenstandes, sind übrigens bekannt genug.
Die Einsendung der Preisfragen hat spätestens bis 1. November 1813 an Mich nach Wien zu geschehen. Jede Abhandlung muß ein Motto oder Devise an ihrer Stirne tragen, um sie bey ihrer Würdigung gehörig zu bezeichnen. Die Nahmen der Herren Verfasser liegen versiegelt bey ihren Dissertationen, und dürfen erst nach bereits geschehener Zuerkennung der Preise und öffentlich verlesener Recension | (364) und Classifizirung sämmtlicher eingelangten Arbeiten, in Meiner und der Curatoren des Johannäums Gegenwart erbrochen, das ausführliche Referat über sämmtliche eingelaufene Beantwortungen, und somit die Classification öffentlich abgelesen, und die Preise zuerkannt werden. Jenes raisonnirte Referat wird sofort in Druck gelegt, damit die volle Partheylosigkeit und die Gründlichkeit desselben allgemein beurtheilt werden möge.
Der auf die Lösung dieser Fragen gesetzte Preis besteht aus sechzig Dukaten in Golde für die vorzüglichste, allen Anforderungen, so weit es die Quellen erlauben, genugthuende und aus einem Accessit von zehn Dukaten in Gold für die der gekrönten nächst kommende Beantwortung. Beyde werden sohin unverzüglich zum Besten der Verfasser gedruckt.
Könnte wider alles Vermuthen keine der einlaufenden Abhandlungen gekrönt werden, so wird den zwey besten derselben jeder ein Accessit von dreyßig Dukaten in Golde zuerkannt, und die Preise neuerdings ausgesetzt werden.
Von dem bewährten Patriotism der Innerösterreicher hoffe Ich für die thätigste Mitwirkung, den größten Stein des Anstosses von den altergrauten Pforten der Historie des Mittelalters wegzuwälzen. Beruf und Subsidien fordern nahmentlich die Stifter hierzu auf, und welche Schätze zur Beleuchtung jener dunkeln Periode besitzen nicht insbesondere Gurk, Seccau, Admont und Vorau? - Die Gelehrten anderer Provinzen können unmöglich bey der Lösung eines Problems gleichgültig | bleiben, das die Geschichte Ungarns und Oesterreichs ob und unter der Enns so nahe berührt. So lange Nahmen, wie: Heeren, Pfister, Zirngibl, Pallhausen, Mannert, Westenrieder, durch Zertrennung ähnlicher gordischer Knoten glänzen, werden auch die Nachbarn gegen eine so vielseitig eingreifende, historische Arbeit nicht gleichgültig seyn!
Wien am 12. Hornung 1812 {12.2.1812}
Erzherzog Johann,
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{FS ü. Johanneum} Eine Preisfrage, welche so wichtige Gegenstände der ältern deutschen Geschichtskunde betrifft, wird die allgemeinere Aufmerksamkeit der thätigen Geschichtsforscher im gesammten Deutschlande unstreitig in vollem Maaße auf sich ziehen.
Es wird unsern Lesern nicht unwillkommen seyn, bey dieser Gelegenheit Nachricht von einem wissenschaftlichen Institute zu erhalten, das sein Daseyn einem Fürsten verdankt, welcher die Wissenschaften, Künste und Gelehrsamkeit, Naturkunde und Geschichte nicht bloß als Beschützer begünstift und befördert, sondern selbst als Freund, Kenner und Forscher sie seines vertrauteeren Umganges würdigt.
Durch eine Schenkungs-Urkunde vom 26. November 1811 {26.11.1811}, überließen Se. kaiserl. Hoheit, der Erzherzog Johann die reiche Ausbeute Ihrer Reisen durch Steyermark den Herren Ständen dieses Herzogthums zur Aufstellung in ein Museum zum Behufe praktischer Wissenschaften, und zur Bildung der Jugend; um, wie es in der Schenkungs-Urkunde heißt, durch dieses Institut Geistesbildung im Vaterlande zu verbreiten und dem Staate brauchbare Diener zu erziehen.
Schon enthält das zu diesem Behufe in Gräz angekaufte Gebäude eine Zeichnungs-Akademie und wird mit einem botanischen Garten versehen. | (366)
Die edeln Gesinnungen, welche bey der Stiftung dieses wissenschaftlichen Instituts zum Grunde lagen, drücken sich in dem Wunsche aus, mit welchen Se. kaiserl. Hoheit die Statuten, über die Art und Weise, wie das Museum benützt, wie es geleitet und verwaltet werden soll, beschlossen haben. 'Möge dieses National-Museum, heißt es daselbst, die Frucht und Freude so vieler meiner Lebensstunden mit demselben Sinne empfangen werden, als es gegeben wird; möge es einem anlagereichen, biedertreuen Volke und dessen kommenden Geschlechtern so nützlich werden, als Ich es wünsche, und so an seiner Stelle mitwirken zum großen Ganzen, dessen zunehmender Flor und feste Dauer unser Aller Hoffnung, Stolz und höchster Endzweck ist.'-
Folgendes sind die Gegenstände, welchen das Johanneum geweiht seyn soll. 1) Geschichte, worunter a. Urkunden, b. bildliche Denkmähler, c. Münzen, d. die Genealogie, e. historische Manuscripte, f. gedruckte Werke über die Geschichte und Statistik Innerösterreichs und seiner Nachbarlande, endlich g. die Porträtsreihe der Landesfürsten und ausgezeichneten Männer begriffen werden. 2) Die Statistik mit allen ihren Unterabteilungen. (Wenn für beyde Fächer die Sammlung möglichst vollständig ist, sollen mit Abfassung eines historischen und das statistischen Werkes ausgezeichnete, schon bekannte Gelehrte beauftragt werden.) 3) Physik und Mathematik. 4) Naturgeschichte. 5) Praktische Chemie. 6) Praktische Landwirthschaft. 7) Technologie. 8) Wird daneben eine Bibliothek bestehen, welche die Hauptwerke, die nöthigen Hülfsbücher, die erforderlichen Zeitschriften, endlich alles nahmenwerthe was über Innerösterreich und von Innerösterreichern geschrieben worden ist, umfassen soll.
{Hormayr} Die nähern Nachrichten von der Errichtung und von dem weitern Fortgange des Johanneums findet man in dem reichhaltigen historischen Archiv des Freyherrn v. Hormayr; ein Archiv welches um so mehr der Bestimmung entspricht, die schon sein Nahme ankündigt, je mehr es unbekannte Denkmahle und merkwürdige Thatsachen der Vergangenheit ans Licht zog und von | (367) vaterländischen Anstalten und Ereignissen der Gegenwart urkundlichen Bericht lieferte.
Wie sehr die Bewohner Steyermarks die Wohlthat eines so umfassenden und vortrefflichen Instituts, wie das Johanneum anerkennen und fühlen, beweist der Antheil den sie daran nehmen, und täglich durch interessante Beyträge aus allen Reichen der Natur aus Innerösterreich, und schriftlicher und bildlicher Denkmähler zu beweisen streben.
Wie wichtig und fruchtbar wissenschaftliche Provinzial-Vereine dieser Art, besonders für Naturkunde und Geschichte seyen, darf wohl nicht erst aus einander gesetzt werden. Nicht bloß für die praktische Brauchbarkeit und unmittelbare Anwendung sind sie von dem größten Nutzen, sondern auch für die Erweiterung und gründliche Ausführung der Wissenschaft selbst. Sie sind das beste, ja das einzige Mittel wichtige Lokal-Untersuchungen ganz zu erschöpfen und zu berichtigen. Sie bieten die günstigste Gelegenheit dar, den Reichthum solcher Specialkenntnisse, die meistens nur an Ort und Stelle vollkommen erworben werden können, ans Licht zu ziehen, für das allgemeine Beste zu benutzen und für die Nachwelt zu erhalten. Nur zu oft geschieht es, aus Mangel einer solchen Pflege und vereinenden Mittelpunktes, daß unschätzbare Denkmahle vaterländischer Geschichtskunde und vaterländischen Fleißes zum unersetzlichen Schaden für die Wissenschaft, nachdem sie schon mühsam ausgearbeitet oder zusammengebracht waren, wieder verlohren gehen, oder unbenützt und verborgen bleiben.
Man dürfte nur suchen und Gelegenheiten darbieten, es würde überall viel Merkwürdiges ans Licht kommen. Es sind noch viele Denkmahle und Hervorbringungen des deutschen Fleißes und Geistes verborgen und unbekannt. -
Möchte daher das ruhmwürdige Beyspiel, welches Sr kaiserl. Hoheit durch die Errichtung eines solchen Instituts für Innerösterreich aufstellte, auch in andern deutschen Ländern immer allgemeinere Nachfolge finden."

*FS: Anzeige für Bernhard Hundeshagens Zeichnung von Barbarossas Palast in Burg zu Gelnhausen S.368-370

5.Heft
*Frhr v Rothkirch; aus Trauerspiel Hannibal. S.373-390. |-| (390): Hannibal: "Dem Leben gleich wird auch mein Sterben seyn, / Furchtlos und frey von Römerhaß erfüllt."
*Herausgabe des alten Reinhart Fuchs durch Brüder Grimm. S.391-415

*RICHTER, Jean Paul Fr: Dämmerungs-Schmetterlinge oder Sphinxe. S. 416-428
-nicht unwitzige Gedankenfragmente über Zukunft, Anspielungen durch selektives Zitieren, deutsche Fürstenliebe und Schnelle Aufklärung und Verfinsterung

*STEIGENTESCH, Frhr v : Ueber die Uebungen der Soldaten. S. 429-438.
*{gg Exerzieren Stil 18.Jh} "Man traut seinen Augen kaum, wenn man diese Mittel, zu siegen, auf unsern Uebungsplätzen kennen lernt. (429) Menschen, in enge Röcke gepreßt, die sich wie Drathpuppen nach dem heisern Tone einer Trommel bewegen; die mit steigender Angst die Brust ihres Nebenmannes betrachten, um ja keinen Zoll weit über sie hervorzuragen; kleine, abgemessene Schritte; zurückgedrückte Körper; gleiche Linien; ein Knall, der aus tausend Gewehren nach einem Worte und in dem nämlichen Augenblicke donnert - man glaubt vor einer großen Marionettenbude zu stehen; aber es sind die Helden und ihre Uebungen, die bestimmet sind, das Vaterland zu vertheidigen und zu erhalten.
Man konnte den menschlichen Geist nicht tiefer herabwürdigen, als es die Meister gethan haben die diese Regeln entwarfen. Wie kann der Mensch, der durch | sie zur willenlosen Maschine erniedrigt wird, auf diesen Uebungsplätzen seine Fähigkeitenentwickeln? Seine Kraft und Anstrengung werden hier an Uebungen verschwendet, die ihn in seinen eignen Augen erniedrigen müssen, wenn er über sie nachdenkt, und der Mißmuth und der Ueberdruß, mit denen der Soldat zu diesen Uebungsplätzen schleicht, beweisen hinlänglich, wie wenig sie den Geist beschäftigen und unterhalten, und wie wenig man bey der Allgemeinheit, mit der sie in Europa eingeführt wurden, gewußt hat, sie dem Geiste eines jeden Volkes besonders anzupassen." -man sagt zwar, daß auch FR-Heere diese Übungen beibehielten, doch dort sind diese "auf den lebhaften Geist dieses Volkes berechnet"; "diese Regeln dem feurigen unruhigen Geiste Fesseln anlegen" ||| *Übungen der Reiterei sind demggü zweckmäßiger (433) | *Geebneten Übungsplätze müssen verschwinden, Kriegsschauplatz beschränkt sich nicht auf Hutweide || *Lob der Schlacht von Aspern: hier gabs Armeebefehl, der Fußvolk vorschrieb, Massen zu bilden. | *Schlägt Belohnungssystem vor für beste Schützen, beste Läufer, beste Schwimmer usw, sollte von dem Kreis oder der Stadt, wo Regiment liegt, ausgeschrieben werden, damit Übungen "eine Art von Volksfest werden, an die sich anfangs die Neugierde der Jugend anschließen, und endlich die Theilnahme folgen würde"

FS: Nachtrag über Shakspeare. S.439-451.
*Parteien in D-Lit (448): die die ins steife Antikische verirrt sind; | die , die neupoetischen Dudelsack überall einführen wollen {dh wohl: Kritik des Volksstücks!}; andere, die das todte Antikische wie das Pöbelhafte vermeiden wollen, und das Romantische als Lebensgeist der Poesie betrachten; Shakespeares Posie ist romantisch; vermeidet gezwungen Antikische und mit der Abneigung wie "das bloß Moderne, der Mode und Gegenwart dienende" |
*{Shakespeare-D} "Für die Bühne ist es fruchtlos, fremde Formen nachahmen zu wollen. (450) Jede Nation muß sich hier selbst die ihr angemessene Regel finden." Shakespeare aber wichtig als "allgemeine Grundlage alles bessern deutschen Kunstgefühls"; "Von einem gründlichen Studium und Verständniß dieses Dichters, der noch gar nicht allgemein verstanden wird, kann die allmählige Ausbildung eines solchen höheren Sinnes für Poesie am besten beginnen, und dann werden auch alle die bezeichneten Partheyen und Abwege in unserer Litteratur mehr und mehr sich verlieren und verschwinden. - In die Kinderstube des ehemaligen französischen Geschmacks, zu der sogenannten Poetik eines Boileau, Batteur oder Gottsched, noch jetzt wieder zurückkehren zu wollen, das ist nun | einmahl nicht ausführbar; obgleich es bey der allgemeinen Anarchie des Geschmacks nicht zu verwundern ist, wenn selbst für diesen Rückweg sich noch einzelne Stimmen hie und da erheben. - Nicht schlechthin rückwärts, sondern, obwohl durch Rückkehr und Vergangenheit bereichert, vorwärts geht der Weg."

*Fr Müller: Kunstnachrichten aus Rom. S.452-458

6.Heft
*FS: Aus den Vorlesungen über die Geschichte der Litteratur. 12.Vorlesung. S. 461-504.
*{Kritik des Romans, Polizey/Paß} Vom Roman: Cervantes Don Quijote zu gefährlichen Beispiel der Nachahmung geworden (461) | "Der Begriff des Romantischen in diesen Romanen, selbst in vielen der bessern und berühmtesten, fällt meistens ganz zusammen mit dem Polizeywidrigen, Ich | erinnere mich hiebey der Aueßerung eines berühmten Denkers, welcher der Meinung war, daß bey einer durchaus vollkommenen Polizey, (wenn der Handelsstaat völlig geschlossen, und selbst der Paß des Reisenden mit einer ausführlichen Biographie und einem getreuen Portraitgemählde versehen seyn wird) ein Roman schlechthin unmöglich seyn würde, weil alsdann gar nichts im wirklichen Leben vorkommen könnte, was dazu irgend Veranlassung oder einen wahrscheinlichen Stoff darbieten würde."
*{Vggheit, Ggwart, Verfremdung} Versuch, (463) "Das wahre und richtige Verhältniß der Poesie zur Gegenwart und zur Vergangenheit zu bestimmen"; | wichtig, "zu erinnern, daß das Wirkliche nicht deswegen als ungünstig, schwierig oder verwerflich für die poetische Darstellung erscheint, weil es an sich immer gemein und schlechter wäre, als das Vergangene. Es ist wahr, das Gemeine und Unpoetische tritt in der Nähe und Gegenwart allerdings stärker und herrschender hervor." Kunst des wahren Dichters zeigt sich aber darin, "das was als das Gewöhnlichste und Alltäglichste gilt, indem er eine höhere Bedeutung und einen tieferen Sinn heraus fühlt oder ahndend hinein legt, durchaus neu und in einem dichterischen Lichte verklärt erscheinen zu lassen."; Beschränkend ist Ggwart aber für "Fantasie"; Ggstand der Poesie sind nicht religiöse, sondern menschliche Ggstände; | Homer war Darsteller der Ggwart; ||
*"Die heroische Poesie aber setzt eine Nation voraus, eine solche die es wahrhaft ist, oder die es war; eine Nation, die eine Erinnerung hat, eine große Vergangenheit, eine Sage, eine ursprünglich poetische Denkart und Ansicht, eine Mythologie." beide, lyrische und epische Poesie gehören noch mehr der Natur als der Kunst an; dramatische Kunst aber dem Staat, braucht daher großen Mittelpunkt; daher Bühnen in Madrid, London, Paris schon ein Jahrhundert früher wichtiger, vor IT und D; {ÖS-Wien} "Denn obwohl Rom (467) | von Alters her die Hauptstadt der Kirche, Wien seit dem funfzehnten Jahrhundert der Sitz des deutschen Kaiserthums, waren doch beyde nicht in dem Maaße Mittelpunkt ihrer Nation, wie die genannten drey Hauptstädte im westlichen Europa." | *Lope de Vega |-| (477) SP Dichtkunst blieb romantisch; | daher hier der Ort, "das Wesen des Romantischen überhaupt zu bestimmen. Es beruht allein auf dem mit dem Christenthum und durch dasselbe auch in der Poesie herrschendem Liebegefühl, in welchem selbst das Leiden nur als Mittel der Verklärung erscheint, der tragische Ernst der alten Götterlehre und heidnischen Vorzeit in ein heiteres Spiel der Fantasie sich auflöst, (...)"; Sage von Troja, Homer durchaus romantisch; | (gg falsches Antikische und sich ganz an Ggwart anschließende Moderne); versteht sich von selbst, "daß zwischen jenen drey Arten von dramatischen Auflösungen und Darstellungen, denen des Untergangs, der Versöhnung und der Verklärung, mancherley Abstufungen und Mischungen Statt finden können." || (481) Fehler an Calderon und Shakespeare |-| es folgen englische Dichter (ua Spenser, Milton); dann FR-Lit

*AWS: Ueber das Nibelungen-Lied. S. 505 - 536

*Fr Müller: Kunstnachrichten aus Rom


Exzerpt: Deutsches Museum 1812, 2.Band


7.Heft
AWS: Ueber das Nibelungen-Lied. S.1-23.
*Autor des Nibelungenlieds (1) | "Namenlosigkeit"; ||| Johannes v Müller vermutete Wolfram v Eschenbach, da Sprache | ähnlich dem Schweizerischen (5) |-| (17) Dichter war aber lange in ÖS einheimisch

Einfälle eines Dilettanten über historische Gegenstände. S.24-38.
*Verweis auf Vaterländisches Museum 1810, H.6 678-701
*Begriff "Verdummung" (26); | *Republiken sind kriegerischer als Monarchien |-|
"26.
Die Geschichte führt uns einen geraden Weg, so lange wir uns begnügen, die Ursachen und Folgen der Begebenheiten aufzusuchen; die Geschichte wird zu einem Labyrinth ohne Ausgang, sobald wir große, das ganze menschliche Geschlecht betreffende Zwecke erforschen wollen, um derentwillen die Begebenheiten in der Ordnung, in welcher wir sie finden, auf einander folgen mußten." (31) |
"28.
Die paradoxe Behauptung, daß Wissenschaften und Künste den Verfall und Untergang der Staaten befördert hätten, - eine Behauptung, die nur durch rhetorische Künste eine Weile Aufsehen erregen konnte, - ist hinlänglich widerlegt. Aber von einer Wissenschaft ist es unläugbar, (32) | daß sie den Verfall und Untergang - nicht der Staaten überhaupt - sondern einiger Staaten nothwendig hat verursachen müssen, und künftig noch verursachen wird. Es ist die Statistik, und sie ist die Ursache vom Untergange mancher Staaten dadurch geworden, daß sie die Streitkräfte so genau berechnen lehrt.
Vormals schätzte man die Macht der Staaten nur nach den Wirkungen, die sie mit ihren Kräften hervorzubringen wußten. Jetzt berechnet man die Kräfte, und so ist nichts evidenter, als daß ein Staat von 24 Millionen Menschen und von 200 Millionen Einkünften, wenn er nur will, am Ende einen Staat von nur 2 Millionen Menschen, und von nur 10 Millionen Einkünften überwältigen muß.
Seitdem die statistischen Berechnungen in die Cabinette eingeführt worden, sind diese Folgen daraus entstanden:
1. Die übermächtigen Staaten entschließen sich viel leichter zum Angriff gegen die schwächern, als in den vorigen Zeiten, wo man mehr Rücksicht auf den Charakter eines Volkes nahm, als auf seine Menschenzahl und auf seinen Geldreichthum.
2. Hingegen die schwächern Staaten, indem sie immer nur ihre geringen Streitkräfte mit den größern ihrer Feinde vergleichen, Willen und Gemüth aber gar nicht mehr mit in Rechnung bringen, sind viel furchtsamer zum Widerstande geworden, als in den vorigen Zeiten.
3. Es geht nun den mächtigen Staaten, wie dem Kaufmann, der immer nur auf Vermehrung der erworbenen | Millionen bedacht ist. Er sagt nie: es ist genug.
4. Kriegskunst und Eroberungssucht waren vormahls nur denjenigen Fürsten eigen, die mit einem feurigen, unruhigem und kühnem Temperamente heftigen Ehrgeitz oder Ruhmsucht verbanden. Solche Fürsten werden selten geboren, weil überhaupt Menschen von diesem Charakter seltner geboren werden als diejenigen, die den Genuß der Freuden und Bequemlichkeiten des Lebens einer rastlosen und gefahrvollen Thätigkeit vorziehen. Wenn jene Fürsten nicht mehr waren, so hatte die Welt wieder Friede. Aber nun ist eine kalte calculierende Vergrößerungssicht selbst in die Cabinette gedrungen, und wird so leicht nicht wieder aus ihnen weichen.
O ihr Achenwalle, ihr Schlözer, welch ein unglücklicher Mißbrauch ist von eurer Wissenschaft gemacht worden!"

"Nr.29.
Das Materielle der Geschichte (die Masse der Thatsachen) (34) wird in unsern Tagen von einem Schicksale getroffen, das mit dem über die Colonialwaaren ergangenen einige Aehnlichkeit hat.
1. So wie die Colonialwaaren in Magazinen und Vorrathshäusern dergestalt angehäuft liegen, daß man kaum eine Möglichkeit sieht, wie sie alle sollen abgesetzt werden, so haben auch die Thatsachen so sich angehäuft, haben die Zeitschriften, die man mit Magazinen vergleichen kann, so angefült, daß man kaum eine Möglichkeit sieht, wie sie einst zu einem vollständigen, zusammenhängenden, planmäßigen Werke sollen verarbeitet werden. |
2. Wie die Colonialwaaren, seit dem gegen ihre Einfuhr auf dem Continent ergriffenen Maßregeln, durch die sonderbarsten Schleichwege, durch die seltsamsten Maskirungen, (wie allgemein gesagt wird) in einige Länder eingeschwärzt worden, so sind diejenigen, welche sich scheuen, Thatsachen in ihrer nackten und wahren Gestalt, als in welcher sie Contrebande seyn möchten, ins Publikum zu bringen, auf tausend seltsame Wendungen bedacht, die Thatsachen so mit allerley Hüllen zu umkleiden, daß es, dem Scheine nach, ganz andre Thatsachen sind, als diejenigen, die man gern mittheilen wollte. Nur ist dieser Unterschied zwischen jenen kaufmännischen und diesen schriftstellerischen Einschwärzungen: dort werden die trefflichsten Colonialwaaren oft unter den schmutzigsten Dingen verborgen; hier oft die scheußlichsten Thatsachen unter den geschmücktesten Phrasen *)
*) Diesen Einfall hatte der Verfasser, ehe die letzte Verbrennungsmaßregel gegen die Colonialwaaren verfügt war. Diese neue Maaßregel hätte vielleicht Anlaß zur Fortsetzung der Paralelle geben können; aber man hat nicht immer Einfälle zu der Zeit, wo man sie gern haben möchte." |
"31.
Wenn es die eigenthümlichen Ansichten der Geschichtschreiber wären, (36) und nicht die Wahrheit der Begebenheiten, was ihren historischen Arbeiten Werth und Interesse giebt; so wäre den künftigen Geschichtschreibern nichts mehr zu empfehlen, als daß sie, nach dem Beyspiele des Procopius, von jedem Gegenstande, den sie in Arbeit nehmen, zwey verschiedene Werke nach verschiedenen | Ansichte ausarbeiten möchten, gesetzt auch daß sie Gründe hätten, das eine bey ihren Leben sorgfältig zu verbergen, wie Procopius seine berüchtigen Anekdoten verbarg, und es dem Zufall zu überlassen, ob das von ihnen verborgen gehaltene Werk einst unter die Augen des Publikums kommen sollte.
Denn, nach der Natur des menschlichen Verstandes kann es nicht fehlen, daß nicht jeder Geschichtschreiber, wie jeder andere Mensch, in gewissen Stunden ganz andere Ansichten von den Dingen habe, als in andern Stunden. Und sehr oft wird jeder Geschichtschreiber, wie jeder andere Mensch, in seinem innern Bewußtseyn unauflösliche Zweifel finden, welche von beiden entgegengesetzten Ansichten die richtige sey.
Nur dann erst, wenn der Geschichtschreiber beschlossen, wenn er schon Hand angelegt hat, sein Werk auszuarbeiten, nur dann erst hält er die Ansicht, die Idee fest, die seinem Werke das Leben, das Interesse, was die Leser anzieht, ertheilen, die die Seele seines Werkes seyn soll.
Kann aber der Vorsatz, nur aus dieser Idee zu arbeiten, nur diese Ansicht darzustellen, wahre Geschichte geben?"

BÜSCHING: Nachricht von der Breslauer Gemäldesammlung. S.39-59.
Vorerinnerung von FS: Kg v PR (39-41) beschloß, Kloster aufzuheben und Güter einzuziehen; PR Regierung war darauf auf Erhaltung der historischen Denkmale, Altertümerund Kunstwerke bedacht; dazu wurde Büsching erwählt und nach Breslau geschickt; Plan wurde entworfen zu: Hauptbibliothek, Gemäldesammlung und Landesarchiv in Breslau; | -so wie im politischen Gebiet erst Spezialarbeiten von Möser und Pfister Weg bahnten zu Einsicht in das Ganze der allgemeinen deutschen Geschichte, so wird auch dann erst ein deutscher Winckelmann KunstHI von D schreiben können, wenn Bsp eines v Murr in Nürnberg, Wallraff und Boissere in Köln Nachfolger finden

*Werner: aus romantischen Schauspiel Kunegunde
*Philip Otto Runge tot

8. Heft
*Fouqué: Olafs Ausfahrt
*Leben des Dichters Martin Opitz v Boberfeld (lebte im 17.Jh)

SCHÜTZ, Wilhelm v {(192): kg PR Landrat}: Sendschreiben an Herrn Hofrath A. B. Müller, durch seine agronomischen Briefe veranlaßt. S.158-178
25.4.1812
*mit ungemeiner Befriedigung ihre Briefe gelesen (158)

*AWS: Der Abschied *v Thurn {Korrektur: Larisch}: An die Schönheit *Erichson: Das Glück
*F.Müller: Kunstnachrichten aus Rom

9. Heft
*MvCollin: Über das historische Schauspiel

MÜLLER, Adam: Agronomische Briefe: Dritter Brief. 214-234.
*Spricht zu Adressat (214): meine Unterscheidung merkantilische-feudalistische LW finden sie gegründet, sie halten aber an rationellen Theorien der LW fest, weil schon Finanzsysteme der EU-Staaten erfordern, daß LW "ein bloßes Gewerbe" ist; "daß es dabey bloß auf die größtmögliche Masse verkäuflicher Produkte, also auf freyen Handel, Gelderwerb und unmittelbare Besteuerbarkeit des Produkts ankomme." -gilt aber | nicht für ÖS; dies ist "wie kein Europäischer Staat von der Landwirthschaftlichen Gewerbs-Wuth so verschont geblieben", von dort her nahm Müller Unterscheidung merkantilische-feudalistische LW, feudalistische LW ist in ÖS "unüberwunden"; "Das Bestreben einer erleuchteten Regierung den Kunstfleiß zu erwecken, den Handel zu beleben, die Cirkulation zu befördern kann hier eigentlich nur wohlthätig und erfrischend wirken, weil ein gewaltiges Gegengewicht ganz unabhängig von den Systemen der Zeit vorhanden ist, und selbst Creditsysteme und Anglomanie und alle Prahlereyen vorgeblicher Wissenschaftlichkeit und Rationalität über die felsenfesten gegebenen Umstände nichts vermögen würden."; | *es stimmt, daß in Ländern, wo LW merkantilisiert ist, der einzelne Landwirt nicht auf eigene Hand zum "Feudalismus" umkehren kann; "Jahrhunderte gehören dazu, die ganze Gesellschaft, die | Gesetzgebung, und in unsern Tagen der verlornen Unschuld, dann auch die Wissenschaft, müssen mitwirken ihn wieder herzustellen, die mobilisirten Menschen an ihre Scholle wieder zu befestigen, und den Staat wieder auf sein Fundament zu stellen; während nur einzelne Jahre, ein gesunder Calcul, und einige naturwissenschaftliche, mechanische und statistische Kenntnisse erforderlich sind, um die festbegründete feudalistische Landwirthschaft mit so vielem Merkantilismus zu versetzen, als ihm grade zuträglich ist." -kann sich also nur an Gestezgebung und WISS wenden, und den einzelnen Landwirt nur über sein Interesse aufklären; Macht des Gelds nicht so absolut, wie staatswirtschaftliche Systeme annehmen; "Neben den alten Europäischen Dienstverhältnissen, in Verbindung mit dem Personal-Credit - hat das Geld Wunder verrichtet:" || (219) Hauptbedingung des Fortschritts und des dauerhaften Merkantilismus ist das alte agronomischen System!; | merkantilische LW ist nur eine der bedeutendsten Fabriken, die der feudalistische Boden des Vaterlands nähren muß; | wenn gesamte LW merkantilisiert wird, "heben Sie alle persönlichen, unerkauften und unverkäuflichen Dienstverhältnisse auf", stürzen Fabriken, Handel, Maschinen und Freiheit zusammen; daher: "das Alte fest zu halten, weil ich das Neue will;" || solange merkantilische LW allein gelten will, ist dies Raub an bürgerlichen Gesellschaft und ihrem Kapital; "Ob das Recht des Stärkeren allein gilt, wie in einem Jahrhundert des Raubes, oder ob das Recht des Listigern allein gilt, wie in einem Jahrhundert der Industrie, kömmt völlig auf eins hinaus." "die List, die spekulierende Klugheit, das heißt den nach Römischen Rechtsregeln organisirten Raub"; merkantilistische LW darf sich nur nicht in Gesetzgebung des Ackerbaus mischen; | (224) anerkannte Grundsatz jener vorgeblichen Industrie- und Menschenfreunde: | {Verweis auf Adam Smith, Stewart, Lauderdale, Arthur Young, Brougham, Horner} aller Reichtum der Staaten hängt von Privateigentum ab; "Daß der Egoismus produktiver sey als die Liebe, von der doch die Natur alle Produktion abhängig gemacht zu haben scheint; daß der Mensch unfähig sey, mit seinem Nächsten gemeinschaftlich dieselbe Sache zu besitzen, zu genießen, zu bearbeiten; daß der Einzelne viel besser als der Staat, der Gegenwärtige viel besser als alle vergangenen Jahrhunderte verstehe, was ihm und allem diene, daß alle ökonomischen Gesetze ohne Ausnahme überflüssig und schädlich seyen - dies sind die Lieblingsvariationen jenes Hauptthemas." trotzdem gestehen diese Philosophen dem Staat Rechte über Privateigentum zu, räumen | ihm Befugnis ein, dies durch Kriege, usw zu stören; durch Zersetzung des Eigentums wie durch Aufhebung aller persönlichen Dienstverpflichtungen wird "die ganze negative Gewalt des Staates, die stille Kraft des Widerstandes, die vis inertiae des Staatskörpers aufgehoben wird" | (227)
*"die älteren Europäischen Verfassungen waren auf einer Religion der Liebe, der Gemeinschaftlichkeit, also der ächten Nationalität gegründet. Daraus ergab sich ein großes System der gegenseitigen Schranken: unentbehrlich, wenn der ganze Zweck des Beisammenseins und Miteinanderwirkens erreicht werden sollte; wir nennen es Feudalismus. Der Grundsatz des Egoismus, der Grundsatz, daß jeder Einzelne seine Religion, seine Freyheit, sein Eigenthum, sein Interesse, seine Rechte für sich streng abgesondert und isolirt haben und verfolgen müsse, daß Gott und Welt und Staat und Vorzeit nur um des Einzelnen, gegenwärtigen Menschen willen vorhanden, also zu seiner unbedingten Disposition seien, kam in die Welt, und hat zu unsrer Belehrung schon hinreichende Früchte getragen. Wir nennen ihn um Gegensatze des Feudalismus - Revolution, oder mit einem bescheideneren Namen Reform, Reformation."; es folgt Zitat (von Smith?): | "'derselbe heilige Grund und Boden, der gemischt ist mit der Asche von beinahe zweyhundert Geschlechtern, die über diese Erde gewandelt sind - gehört stückweise unbedingt den gegenwärtigen Einzelnen"; "Die natürlichen Bande der Liebe, der freyen Unterwerfung und Gemeinschaft sollen zerschnitten werden; die Menschen sollen auseinandergesetzt, sollen frey seyn. Was erfolgt? (...) die natürlichen Bande der Menschen verwandeln sich in unnatürliche, viel strengere. An die Stelle des Feudalismus treten unermeßliche und unauflösliche Schuldensysteme." "Das ist die große Alternative für die Landwirthschaft überhaupt: entweder Feudalismus oder Schulden. Der Abhängigkeit entgeht sie nicht; nur bleibt ihr die Wahl zwischen der vom Lehnsherrn und der vom Gläubiger." | behauptet damit nichts Neues; "Der Boden der Erde ist seiner Natur nach unbeweglich; nur durch eine Art von Fiktion kann er mobilisirt, veräußerlich gemacht und auf den Markt gebracht werden." || *"Träg ist das Landvolk, auf Gewohnheit, auf das Hergebrachte, Angeerbte erpicht: es gleicht dem Erdreich mit dem es von Jugend an verkehrt. Andrerseits wie die Räder und Trillinge der Maschine, wie Wasser und Feuer, das sie treibt, so eilig, so unruhig, so weiterstrebend ist der Sinn der Fabrikanten; dem Handelsmann sind alle Elemente zu träge, die seine Spekulationen, Waaren und Capitalien unter den Völkern der Erde umhertragen müssen. Diesen Charakter des Geschäfts nehmen in der natürlichen Ordnung der Dinge, nothwendig auch die Gesetzgebungen des Ackerbaues, der Fabriken und des Handels an; Menschen und Gesetzgebungen sollen in allen Lagen des Lebens naturgemäß so und nicht anders seyn, als es der Zweck will: beharrlich wo die Beharrlichkeit, und beweglich wo die Beweglichkeit hingehört." Wenn nun Theorie, die das Ganze umfaßt, | (232) sich nach Eigenheiten eines Teils richtet und unternimmt, das Ganze in Bewegung zu setzen, zu merkantilisieren, "so wäre die Unvernunft, die Irrationalität zur Gesetzgeberin erhoben."; daher ist 1.Problem der Staatswirt nicht Frage "wie ist das Ganze in Bewegung zu setzen, zum Fortschreiten zu bringen?" sondern: "wie sind die Fortschritte des Einen Theils, nämlich der städtischen Industrie, mit dem Beharren des Andern, nämlich des ländlichen Gewerbes zu vereinigen?"; "Welches bodenlose Unheil hat diese Haupt- und Cardinalmetapher unserer Zeitgenossen von dem Laufen, Fortschreiten und Steigern der Cultur angerichtet? - Kein ökonomisches System hat sich lange bey der Frage aufgehalten? - sie wollten nichts als vermehren; erhalten hieße stillstehn; stillstehn wäre Rückschritt, also giebt es nur Fortschritt. Die stillen, unsichtbaren Bedingungen unsers politischen Daseyns mußten wohl abhanden kommen für ein Geschlecht, das sich dergestalt geberdete, abarbeitete, außer Athem setzte.
Wozu diese Bewegung, wohin und worumher?" | das Ganze des Staats bewegt sich freilich um "heiligen Mittelpunkt", um eine Sonne; "es könnte seyn, daß gerade in unserm Jahrhundert und unter den Ausschweifungen unsers Geschlechts diese höhere Bewegung der politischen Weltkörper entdeckt, das heißt wiedergefunden wäre."; dies meinen "unsere Philosophen" aber nicht, für sie gedeiht alles nur "umlaufend um die Sonne des Privategoismus"; diese Bewegung haben sie begriffen, nicht aber die Ruhe; Bezug auf Adam Smith; | auch für ihn gabs "keinen höheren Zweck, als das sinnlose Fortschreiten".

DOCEN BJ: Kaiser Karl der Große. Abschnitt einer altdeutschen poetischen Chronik. S.235-251.
"Wenn wir in dem Zeitalter Karls des Großen den ersten hellen Punkt in der deutschen Geschichte erblicken, (235) (weil er, der erste, Gelehrsamkeit und Litteratur unter seinen Franken sowohl als den überwundenen Sachsen aufblühen machte) so sehen wir, in umgekehrter Richtung, ihn selbst und seine Thaten in den nachfolgenden Jahrhunderten, weil noch ein frischer Quell der Poesie sich unter den Nationen bewegte, aus der historischen Wirklichkeit in eine Welt von Sagen und Fictionen hinübergezogen. Geblieben sind nur die größeren Umrisse; was in der Geschichte nothwendige Ausfüllung ist, als wär' es nie da gewesen, in der Erinnerung erloschen, und dafür supplirte nun, allen Chroniken zum Spott, die Imagination durch ganz neue Erfindungen oder durch die willkührlichsten Aenderungen des in der Historie niedergelegten Stoffes."
||| (238) in Quelle zeigt sich unverdorben der Stamm der Sprache und die Gesinnung des Dichters; "Was den Inhalt unserer Chronik betrifft: so ist diese von Julius Cäsar bis zu Ende des hier folgenden Abschnitts, mit fabelhaftem Stoff so durchwebt, wie grade jene Zeit es mit sich bringen mochte, in welcher bey der Vernachläßigung und Ausartung der durch Karl den Großen errichteten Unterrichtsanstalten, nun alle Elemente der historischen Kenntniß der Vergangenheit zu einem abentheuerlichen Chaos sich mischten; wobey ich in Beziehung auf unsere Chronik mir | nicht zu sagen getraue, wie vielen Antheil hier die Willkühr der Fiction an solchen Extravaganzen haben mochte." (Abschnitt über Karl den Großen ist in Aretin'schen Beyträge Bd IX erschienen |-| (244 Anm) hätte Adelung von Begriff "also blinden" gewußt, wäre "seine verderbliche Lehre von dem deutschen Adjectiv ganz anders ausgefallen" || *Schlacht in SP vor Kaisers Burg Arel, viele Tote: "man konnte Christen und Heiden nicht unterscheiden. Auf Karls Gebet eräugnet sich das Wunder, daß man darauf die Christen alle in wohlgezierten Särgen begraben fand." || (Anm) Verweis auf FS-Gedicht (Nekrophilie Karl des Großen)

CG Körner an FS: Über die deutsche Litteratur. S.252-260
*Gg Steigentesch-Aufsatz im 3.Heft (252); | Gelehrter in D "schreibt aus reinem Eifer für den Fortschritt der Wissenschaft", ihm gehts nicht um "vollendetes Buch"; vernachlässigt Form um Inhalt willen. ||| "Das Verdienst, einen geschichtlichen Stoff durch Anordnung, Gruppirung, Beleuchtung, Haltung des Tons und würdige Sprache zu einem Werke der Kunst zu bilden, wird selten hinlänglich geschätzt, und erregt bey Vielen den Verdacht der Ungründlichkeit." aber viele D-Historiker haben hie Vorzügliches geleistert; JvMüllers Stil hielt Körner anfänglich auch für abschreckend, durch Inhalt aber ausgesöhnt, schließlich hielt er altertümelnden Stil tw für angemessen; || (258) Einsamkeit des D-Schriftstellers führt oft zu ergreifenden Stimme aus höheren ätherischen Region; im D-Parnaß: "Wir finden hier allerdings ein buntes Gewühl, ein wildes Treiben, und einen gänzlichen Mangel einer Polizey, wie sie der Wohlstand zu erfodern scheint." aber Kräfte sind vorhanden, mannichfaltige Talente werden entwickelt; |

FS: Antwort des Herausgebers. S.260-283.

"Es ist überhaupt nicht die Meinung gewesen, daß unser Museum wie eine enge enge Schulstube seyn sollte, wo Einer (263) | allein auf dem Thron sitzt und von oben herab docirt, ohne daß man ihm drein reden darf. Ich wünschte vielmehr es gliche einer freyen Gesellschaft und Versammlung von Männern, die wenn auch in einigen Hauptpunkten nicht unähnlich gesinnt, doch über vieles Aeußere sehr verschiedner Meinung seyn könnten.
Man redet oft von einer Gelehrten-Republik, ohne sich recht deutlich zu sagen, was in diesem Ausdrucke eigentlich liegt, und was man alles damit zugiebt und fodert. Es sey uns vergönnt, für diesen kleinen geistigen Staat, von dem großen bürgerlichen ein Bild zu entlehnen. - Müssen nicht auch in einem Parlamente Stimmen von ganz verschiedenen Sinn und Geist gehört werden, damit aus dem Streit eine gemeinsame und wahrhaft öffentliche Meinung hervorgehe, oder der bleibende Zwiespalt wenigstens klar ans Licht trete? - Sollte jemals auch für Litteratur und Kunst ein ähnlicher freyer Verein sich bilden können, so wäre eine Zeitschrift wie die unsrige vielleicht der schicklichste Ort dazu. Da müßten denn freylich verschiedene Stimmen und selbst Partheyen vernommen werden, und auch die Opposition dürfte nicht ausgeschlossen bleiben." |
Aufsatz wurde als undeutsch, unpatriotisch getadelt; | es gibt aber bei uns Vernachlässigung der Sprache; | evt wird Deutsch in halbem Jahrhundert wiss Sprache von EU sein; würde aber nur von Gewalt des Geists bewirkt sein, denn Schriftsteller haben Anteil "an dieser furchtbaren Sprachverwilderung"; nimmt Dichter aus; "Das Ding oder Wesen, wie man es sonst nennen will, was viele unserer Schriftsteller schreiben, ich meyne auch solche die ich selbst an Geist und Gehalt zu den Bessern und Besten zähle; das kann ich wenigstens für Deutsch gar nicht anerkennen. Ein unnatürliches Zwitterwesen ist es, ein widerartiger Mischling, aus dem Abfall aller andern Sprachen, besonders der | (268) französischen, durch einander gerührt. Andere haben wohl den guten Willen, rein Deutsch zu reden und zu schreiben. Aber jene schon in der Geburt verunglückten Wortungeheuer, welche sie uns zu Tage fördern, will ich auch nicht in Schutz nehmen." Bis vor kurzem noch gaben Philosophen ihr Weisheit "in einer eigenthümlichen Art von Roth- und Kauderwelsch, welches man in tieffster Ehrfurcht Terminologie nannte" von sich; die Besten haben jetzt "diesen buntscheckichten, aus den Lappen aller andern Wissenschaften zusammengeflickten Philosophen-Mantel" endlich beiseite gelegt, fruchtet aber wenig, viele wollen sich "philosophische Zigeunerdeutsch" nicht nehmen lassen; | auch Dichter nicht frei von Tadel; daß dies zu tadeln unpatriotisch wäre, ist sonderbar; Vgl mit Volksredner, der Mitbürgern Überlegenheit des feindlichen Heers, Reichtum des Feinds an Waffen Geld usw vor Augen stellte; | Noch dazu ist Frage des Vergleichs zweier Literaturen schwierig; | ist für Vergleich. Öffentliche Anstalten und Eingreifen in | Erziehung sind für Verbesserung der Sprache nötig; ratsam wäre es, die Schätze unserer alten Sprache nicht nur für Gelehrte und Liebhaber zu Tage zu fördern, sondern zugänglich für alle; | dies ist einer der vornehmsten Zwecke des Museums; (273) literarisch können wir noch weit eher gg | Engländer (GB) bestehen; "Wenn man aber nun den hohen Begriff des Vaterlandes im Auge dieses unser Chaos von allen möglichen Gedanken und Gefühlen vergleichen wollte mit der nationalen Einheit und Kraft, der nationalen Bürde und Wirksamkeit"? || *manches geht in D nicht, zB "Du conseil de Madrid l'autorite supreme" (Voltaire) -Wallenstein koennte nicht anfangen "Der Hofkriegsrath zu Wien, Kraft seiner Vollgewalt?" || (278) *JvMüllers tatsächlich für jedes Ohr "mörderlichen Periodenbau"; leicht lesbare historische Darstellungen, "Mittelgattung zwischen der Geschichte und dem Roman" -hier haben FR Vorrang; wo's aber nicht auf Darstellung der Tatsachen, sondern auf allgemeine Gedanken und Betrachtungen ankommt, sind D | am besten; Bsp Spittler. *Lob des Hemsterhuys; | aber: St Martin und Bonald schreiben so schlecht wie Malebranche; Bonald bekennt dies selbst; steht weit hinter "den eiteln Chateaubriand, der doch eigentlich nur ein Redner und Phrasenmacher ist"; St Martin und Bonald sind nicht nur trocken, auch bisweilen verworren; || was Nation betrifft, gibts keine außer SP keine bessere als die GB, am wenigsten die unsere; aber: "Die Nation aber ist nicht das Höchste, noch ist sie um ihrer selbst willen da. Dieß zu glauben, wäre patriotische Abgötterey und nur eine andere Art von | Egoismus. (283) Der innere Mensch und die Entwickelung des Menschengeistes ist das, worauf alles andre abzweckt und sich beziehen soll. Dieser große Kampf der innern geistigen Entwickelung, dieses Ringen und Streben nach Wahrheit, das ist die eigentliche Seele und Triebfeder der deutschen Litteratur." FR-Lit ist als ausgestorben zu betrachten, GB im Sinken, D wohl nicht im Steigen, sondern im Zustand der Gärung; sie lebt wenigstens.

10.Heft
*Leben Dichter Martin Opitz v Boberfeld
*Doctor Faust (312ff) zu Volksbüchern
*Ridler JW: Berichtigung einer Stelle in Dampmartins HI v FR, S.171 (ü.J2)

*K. {Kopitar}: Ueber ein österreichisches Idiotikon (342f): S.6 des Julihefts hat meinen schon woanders geäußerten Wunsch, daß jemand ÖS Idiotikon nach Vorbild des CH von Stalder unternehme, aufgeregt; unlängst in Vaterländischen Blättern von L.K. Prolegomena dazu; auch Popowitsch Sammlung blieb Manuskript; dort {Bezug unklar} aufgestellte Satz, daß CH-Sprache bis auf wenige Eigenheiten allgemeine S-Deutsche sei, wird dann wohl bestätigt werden; | Verstehen des Nibelungenlieds würde gewinnen; Wunsch an Hrsg, daß sie uns Abfassung eines solchen Idiotikons ans Herz legen.
*FS: Anmerkung des Herausgebers (343-347): Schmeichelhaft, aber wohl kaum nötig, daß dies noch ausdrücklich zu empfehlen ist; "Allgemein verbreitet ist in Oesterreich die Liebe zu dem Vaterländischen, und wird ein Unternehmen dieser Art nur zweckmäßig eingeleitet, so findet es gewiß Gedeihen." | ÖS Idiotikon sollte am besten nicht durch einzelnen, sondern durch Gesellschaft von Freunden und Kennern der allg D, und Beobachtern der besondern ÖS Sprache; hoffnungsvolle Johanneum in Graz könnte mitwirken; "gemeinschaftlichen Centralpunct müßte die | Gesellschaft der vaterländischen Sprachforscher" aber haben, Redaktion des Ganzen müßte von einem Gelehrten unternommen werden, da kommt wohl Einsender in Frage; es bräuchte gute Instruktion; ein Fehler dürfte nicht gemacht werden: Wörter, die nur abweichend ausgesprochen werden, aufzunehmen, da könnte man gleich den ganzen Adelung aufnehmen; | fraglich, ob ein Wörterbuch reicht, oder ob mehrere alphabetische Verzeichnisse nach hauptsächlichen Verzweigungen der Mundart; Mitteilung wie die des | Einsenders sind genau die, "welche ich von Oesterreich und von Deutschland aus unserm Museum recht häufig wünsche", damit dies ein "allgemeiner Verein" wird.

*DOCEN B.J.: Ueber ein neues deutsches Sprachwerk, das 1813 erscheinen soll. Ein Vorbeugungs-Versuch. S. 348-356.
Bezieht sich auf Ankündigung Th. Heinsius: Grammatisch-Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache für das gemeine Leben und die Geschäftsführung, Berlin bei Braunes; (348) ||| möchte ua "alle??" deutsche Wörter aufnehmen; "Möge doch H. jedes bey Campe noch fehlende gute Wort, wenn er deren viele geben kann, mit einem Sternchen bezeichnen, und mit einem | alle jene Fremdlinge, die wir (wenn wir wollten) recht gut entbehren könnten *). In Jahn's deutschem Volksthum liegt der Versuch einer edlen, nicht pedantischen Sprachreinigkeit uns vor Augen, aber so entartet sind die Meisten, daß sie nicht einmal inne werden, daß es eben jene gehegten Fremdlinge sind, an deren Statt Jahn oder Radlof ihnen ein edles, aus reiner Quelle des heimischen Bodens entnommenes Gebilde darbieten. Je öfter wir dergleichen deutsche Wörter gebrauchen, desto schneller erhalten sie die Kraft der Bedeutung jener fremden, desto mehr grünt unsre Hoffnung, in den jetzigen Zeiten nicht unvermerkt immer mehr unsre Sprache durch die Mischlingsbrut verkebst (adulterirt) zu sehen. Ein solcher Mischling ist z.B. ungenirt;" Goethe ersetzte dies vor kurzem durch "unbewunden" (Ital disinvolto)

*FS: Schloß Karlstein bey Prag. S.357-365.
geht va um Bilder von Meister Theodericus; (363) "So wie jede Zeit ihre eigene Art von Barbarey hat, so zeichnete sich | unsere neueste besonders durch die aus, daß sie, obwohl sonst in jedem noch so entfernten Weltalter bewandert, nur ihre eigne nächste Vorzeit und das vaterländische Alterthum ganz verkannt, und unter dem Nahmen des finstern Mittelalters diese wichtige Epoche der Menschheit unverständig zu schmähen gewohnt war, worüber denn manche merkwürdige Denkmahle der einheimischen Kunst und Geschichte bis jetzt unbeachtet, und der Vergessenheit oder gar der Zerstörung überlassen geblieben sind."

*AWS: Ankündigung (366)
Datiert Wien, Juni 1812: tritt Reise ins Ausland an, dies soll aber nicht Eindruck erwecken, er würde sich nicht mehr weiter mit Nibelungenlied beschäftigen; "Wir wollen der Nachkommenschaft beweisen, daß wir in diesem Zeitalter allgemeinen Verfalls und hoffnungslosen Unglaubens die erhabene Vorzeit mit tiefer Verehrung erkannt haben, und mit Ernst bemüht gewesen sind, ihr heilbringenden Andenken zu erneuern."

11.Heft

*Beschreibung altdeutscher Gemählde
*Abendunterhaltung der Wiedergekehrten

AWS: Ueber das Mittelalter. Eine Vorlesung, gehalten 1803. S.432-462.
*unhistorische Deklamatoren bezeichnen Religionskriege als widersinnig; "Mir scheinen sie, ich scheue mich nicht es zu sagen, gerade die rechten Kriege zu seyn, und die der Menschheit am meisten Ehre machen." Verweis auf manches Fürwort, daß Philosophen für Krieg einlegten; (441) Unmöglichkeit des Kriegs würde "eine höchst feige und knechtische Gesinnung voraussetzen"; "Sehen wir doch, daß selbst Thiere derselben Gattung sich auf Tod und Leben bekämpfen, und zwar um ein Vergnügen, das nur unter der Bedingung des Lebens genossen werden kann. Allein gewöhnliche Kriege um irdische Besitzthümer setzen doch eine ungerechte Handlung von einer Seite voraus. Wenn aber beyde Partheyen für ihre Ueberzeugungen streiten, wenn diese von der Art sind, daß sie auf etwas Unsichtbares, Geistiges, ganz über alle irdische Triebfedern hinausfliegendes sich beziehen, wovon in der Wirklichkeit niemals eine unmittelbare Erfahrung gegeben werden kann, und dennoch so fest, und von solch einem Gefühle ihres überschwenglichen Werthes begleitet, daß jeder mit Freuden dafür stirbt: so ist dieß der stärkste Beweis von der | Gewalt der Ideen, ein glorreicher Sieg der Freyheit über den thierischen Naturtrieb, die Besieglung des übersinnlichen himmlischen Berufs des Menschen, gleichsam die Ahnenprobe seiner Unsterblichkeit." möchte nicht unter religiösen Eifer verlarve Politik noch Verwilderung usw in Schutz nehmen, sondern die Rede ist "von der Erscheinung überhaupt, in ihrer Reinheit gedacht"
*{Entstehung des Feudalsystems} (445): meisten waren Leibeigene; "Das ist der natürliche Lauf der Dinge: der Schwache und Feige ist ein geborner Knecht, dem Tapfern gehört die Welt." sie arbeiten und werden beschützt; | -so entstehen Begriffe von Adel; Eroberer waren den Unterjochten "durch Muth, wackere Gesinnungen, Stärke, ja selbst an edler schöner Gestalt und Leibesgröße weit überlegen"; Ritterrüstungen bezeugen, daß Ritter groß waren; | Lob des Kriegs im MA; | Zweikampf; ||| (451) Turniere als olympische Spiele des Rittertums; | Wappen auf Schildern; Heraldik hat sich zwar überlebt, aber er | will doch poetische Fürbitte für sie einlegen.

FS: Ankündigung des 2.Jg 1813 (463): in Zukunft mehr kürzere historische Abhandlungen und Beurteilungen historischer Werke

12.Heft

*Wert der positiven Offenbarung (ü. Vernunft und Verstand, Bezug auf FS)
*Humboldt W Frhr v: Ankündigung einer Schrift über die Baskische Sprache und Nation
-interessante Reflektionen über Sprache S.494-501 und deren Vermischung (496)
*Bemerkungen auf einer Reise durch Deutschland. Aus einer französischen Handschrift. S.503-514.
"Die Deutschen nehmen in der Litteratur wie in der Politik zu viel Rücksicht auf das Ausland, und haben zu wenig nationale Vorurtheile." "Die Deutschen sind getheilt in Sachsen, Preußen, Bayern, Oesterreicher; der Charakter der Deutschheit aber, auf welchen die Kraft Aller sich gründen sollte, ist zerstückelt wie der Boden selbst." (505) |-|
Feudalismus hat viele ritterliche Grundsätze bei D erhalten (509) |||
"Im Ganzen sind die Oesterreicher zu treuherzig um das Wesen des Auslandes nachzuahmen. Sie sind aber auch wieder nicht genug deutsch; sie kennen die deutsche Litteratur nicht genug; es wird in Wien zu sehr für guten Ton gehalten, nichts als französisch zu sprechen, da doch der Ruhm und sogar das Angenehme jedes Landes nur in seinem eigenthümlichen Geist und Charakter besteht."

*Theodor Körner: Szenen aus Trauerspiel Zrini
*Mynart: Szenen aus Rudolf v Habsburg
*J.: Ueber die unmusikalische Beschaffenheit der deutschen Sprache. S.533-535.
D Sprache ist schwer singbar, dabei ist Volkssprache nicht so unmusikalisch (535); "Der Tyroler Bastl ist viel singbarer als die Zauberflöte."
*FS: Antwort des Herausgebers: S.536-545 -ist nicht dieser Ansicht
*Timotheus oder die Gewalt der Musik von Händel. S.546-553.
*am 29.11.1811 und 3.12.1811 fand in Hofreitschule von Gesellschaft der adelichen Frauen organisierte musikalische Kunstdarstellung statt, 640 Musikfreunde traten auf, 5000 hörten zu, 30.000 fl WW für wohltätige Zwecke; (546)


Exzerpt: Deutsches Museum 1813, 3.Band


1. Heft

FS: Vorrede. S.3-14 Wien 1.1.1813
*Anfang wird mit Philososophie gemacht (3) "denn hier ist der eigentliche Sitz der Verwirrung und des Irrthums", hier muß "der feste Grund gelegt werden" für das "Gebäude einer neuen deutschen Geistesbildung"; | "gegen den Despotismus der Vernunftsysteme"; es braucht Philosophie des Lebens, | die "in die innersten Fugen und Triebfedern des einzelnen wie des öffentlichen Lebens eingreifen" muß, daher wurden Gedanken über Ackerbau mitgeteilt; | germanisches Recht; | Geschichte: hier im 1.Jg der ZS noch zuwenig |-| (12) Plan des Museums umfaßt "Mannichfaltigkeit"; | "wissenschaftliche Zeitschrift", die für ganz D sein soll, darf Boden, auf dem sie hervorgeht nicht ganz verleugnen, daher auch lokale Aufsätze über Wien oder ÖS, die in D gern gesehen wurden; "Dagegen hofft der Herausgeber, daß seine österreichischen Leser auch solchen Aufsätzen, welche in Geist | und Ton ihren norddeutschen Ursprung nicht verläugnen, nach ihrem Werthe volle Gerechtigkeit werden widerfahren lassen. Es wäre wohl überhaupt Zeit, daß dieser Unterschied in der Literatur allmählig ganz aufhörte, und wir in der Geistesbildung ungetrennt, mehr und mehr eine Nation wären und würden, wozu nach allen Kräften beyzutragen der vornehmste Zweck des Museums ist."

*Über die Erkenntnisquellen
*Stolberg: Ode an meinen Bruder

*FS: Der Philosoph Hamann. S.33-52.
"tiefe Streben nach Wahrheit", "innere Suchen Gottes" "ist das eigentliche Wesen der Philosophie"; "Mitten unter einer zweyten Sündfluth von Irrthum und einem Labyrinth von hochmüthigen Vorutheilen hat das achtzehnte Jahrhundert doch mehrere merkwürdige und vortreffliche Suchende dieser Art besonders auch in Deutschland hervorgebracht, wie einzelne wegweisende (33) | Sterne in der Nacht des Wahns. Ich nenne statt aller andern nur Lessing, Lavater, und Hamann."; ||| es folgen Texte von Hamann, |-| (46) wurden mitgeteilt von Jacobi; Jean Paul schlug FS Anthologie von Hamann-Texten vor

*Jacob Grimm: Gedanken über Mythos, Epos und Geschichte. S. 53-75.
Frage wie sich Sagenwahrheit zur historischen Wahrheit verhält (53); | "Oder aber haben sie {die Sagen} sich, wie Gebirgsduft über Fernen tritt, an die vergangene Menschenzeit gesetzt, gehören sie zu unserer Geschichte mit, und sind sie gleich dieser ewig hin etwas neues, verschiedenes, höchstens ähnliches?
Zu der letzten Meinung führt und gewöhnt die Geschichte selbst, die überall aus dem Schoos der Fabel aufgetaucht ist, und sich weder früher so rein von diesem mütterlichen Element losreißen will, noch späterhin es kann, wenn sie gleich wollte, ohne daß dort ein Stück des Mythus, hier ein Stück der Geschichte preisgegeben werden müßte." Es folgt Abhandlung zu Wilhelm Tell und Frau Holle;

*Brief an FS über D-Theater

2.Heft

*Wert der positiven Offenbarung (Über Wahrheit)
*Schwarzott G.: Ein teutsches Wort gegen die unteutschen, widersinnigen, oder willkührlich neugeschaffenen sinn- und gehaltlosen Kunstausdrücke in heuttagigen Schriftverhandlungen; besonders nach philosophischer und heilkundiger Beziehung. S.109-128.
-FS: Zusätze des Herausgebers. S.128-139: Über deutsche und lateinische Lettern (129): "Der Gebrauch der lateinischen Lettern streitet mit einem unabänderlichen Grundgesetze unsrer Rechtschreibung." nämlich Großschreibung der Substantive; | deutsches Buch mit gradlinigen Kapitalbuchstaben in lateinischen Lettern ist "häßlich" und "widerwärtig"; wenn den Lettern zu Liebe unsere Rechtschreibung geändert wird, wie einige dies gemacht haben, wäre dies "Verstümmelung unsrer Sprache"; | Ziel der neuern lateinischen oder französischen Lettern scheint Vereinfachung zu sein; deutsche Lettern haben mehr "kleine Ecken, die ganze Form ist schärfer, aber auch mannichfaltiger"; | auch in Lettern herrscht "deutscher Styl und Kunstgeist"; Verzierungsgeschmack va in Großbuchstaben hat Ähnlichkeit mit "altdeutschen oder sogenannten gothischen Baukunst" || *Teutsch oder Deutsch?
*Caroline Pichler: Szenen aus Germanicus
*Oberst v Rühl: Apologie des Krieges. Besonders gegen Kant. 158-173.
*Wielands Begräbnis

3.Heft
*Oberst v Rühl: Apologie des Krieges. Besonders gegen Kant. 177-192.
gg Annahme eines Naturzustandes: "es giebt keinen Naturzustand der Menschen ohne geselligen Verein, und keine andere Art der Gesellschaft, als die, welche von der Natur im Wesen der Familie vorbildlich geschaffen worden. Beyde existiren unaufhörlich zugleich, und durch alle Zeiten offenbart sich ein gleichmäßiges Streben nach beyderley Richtung, nach thätiger Erweiterung der Freyheit, und nach gelassener Unterwerfung unter das Gesetz. Bloß die Sucht, nach Maßgabe einseitiger Begriffe, ohne weitere Berücksichtigung der wirklich vorhandenen und Statt gefundenen Verhältnisse, zu systematisiren und zu klassifiziren, hat jenen Irrwahn herbeygeführt. - Eben so zeigt die weiteste Verfolgung der Geschichte bis ins mythische Zeitalter hinauf, ewigen Wechsel von Frieden und Krieg; erst ursprüngliche Eintracht, dann vielfältige Entzweyung und Versöhnung in buntem Gemisch. Das eine Grundverlangen des menschlichen Gemüths nach Freyheit wird Ursach des Krieges, das andere nach ruhigem Besitze veranlaßt den Frieden. Beyde zusammen erzeugen das Recht." (180) | Auch Kant gesteht zu, daß Natur will, daß Menschheit nicht zusammenschmilzt, sondern daß mehrere Staaten nebeneinanderbestehen; || selbst wenn "durch wunderbare politische Conjuncturen, durch allmählige Verwischung der Nationalitäten (...) alle Staaten in einen einzigen kolossalen Verein zusammenschmölzen, so würden die entlegenern Ländergruppen schon wegen der übergroßen Entfernung von jedem möglichen gemeinsamen Centralpunkte, und überhaupt alle wegen der zu großen Zahl und Mannichfaltigkeit der geselligen Angelegenheiten, so wenig ihre Rechnung dabey finden, daß diese widernatürliche Verbindung, die durch keine Gewaltsmaßregel zusammengehalten werden könnte, sehr bald von selbst zerfallen müßte."

*M.: Betrachtungen über die Geschichte. S.193-223.
*Rumohr: Fragmente einer Geschichte der Baukunst im Mittelalter. S.224-246.
*Steigentesch: Ueber das deutsche Lustspiel. S.247-257.
*Bitte des Herausgebers an die Herren Mitarbeiter. S.263
FS bittet um leserliche Abschrift der eingesandten Aufsätze, sollen auf nicht zu feinem Papier geschickt werden, am besten im Quartformat mit schmalen Rand auf beiden Seiten.

4.Heft
*Amalia v Hellwig geb v Imhoff: Beschreibung altdeutscher Gemählde (Fortsetzung). 265-295.
"Es ist eine erfreuliche Bemerkung, daß in einer Zeit die sowohl durch ungeheure und gedrängte Ereignisse, als auch durch Umwandlung aller bestehenden Verhältnisse jedes Denkmahl voriger Zeit zu zerstören, und mehr noch im Gedächtniß der Menschen zu verwischen droht, daß gerade zu dieser Zeit die Neigung und Ehrfurcht für jene große Vergangenheit allgemein aufwacht; daß gleichsam an dem rauchenden Schutte, welcher die ruhmvollen Ueberreste alter Herrlichkeit verzehrend bedecket, sich die innere Liebe zu diesen, als ein Phönix in erneuerter Jugendkraft entzündet, und so, indeß Stoff und Form sich wandeln, das Unsterbliche, der Geist jenes Vergangenen, auf frisch bewegten Schwingen dem ewigen Sonnenstrahl entgegen steigt.
Dieß ist der einzige, aber auch der herrlichste Trost für das treue Gemüth, wenn es mit Wehmuth so vieles (265) | verschwinden sieht, was ihm von jeher leuchtend, wie der Stern des Pols, und unverrückbar, wie dieser erschienen; wenn uns die Vaterstadt fremd wird, und wir die Thürme nicht mehr sehen, deren feyerlich tönendes Geläute so oft einen festlichen Tag verkündet, die mit blinkenden Kuppeln und Fahnen im vergoldenden Abendrothe so heiter dem spielenden Kinde zum Vesperbrote winkten! Glücklich achtet sich daher ein jeder, der von den sinkenden Burgen etwa eine alte Waffe, einen Pokal oder sonst ein buntes Deckelglas erbeuten kann, das ihn an die Eindrücke frühester Kindheit heiter erinnert. - Glücklicher, wer von den umgestürzten Altären ein frommes Bild gerettet, das vor Jahren, im Schimmer hoher Kerzen ihn von heiliger Stelle angestrahlt und das kindische Herz zur Andacht entzündet hatte. Wie sorgsam wird er daran die Spuren der Vernachlässigung zu verwischen bemüht seyn, um das verehrte Kunstgebilde in erneueter Schönheit an würdiger Stelle, sich und andern zu erfreulicher Anschauung, aufzurichten.
So darf man hoffen, daß manches Treffliche neu entdeckt, und von edler Liebe gepflegt, dem langsam nagenden Zahn der Zeit für eine lange Reihe von Jahren entzogen werde; zum sprechenden Denkmahl alter, unsern Enkeln vielleicht mährchenhaft scheinender Kunst und Herrlichkeit." -Umwandlung Kölns unterstützt die Sammler.

*Wilhelm v Schütz: Betrachtungen über das Trauerspiel Hamlet. S.296-318.
*Görres: Hunibalds Chronik. 319-345.
*Heinsius: zu Docens Beurteilung des noch nicht erschienenen Wörterbuch

5.Heft
*Rumohr, Karl Friedrich: Vom Ursprunge gotischer Baukunst. 361-385.
"Eine achteckige Taufkapelle bestand noch bis zum Herbste 1809 zu Worms; (365) damals wurde sie aus dem Vorurtheile, daß alt häßlich sey, zerstört. Als wir genauere Beschreibungen und Abbildungen zu erhalten wünschten, kamen wir um | einige Monathe zu spät."

*Koller, Joseph: Ueber die Kleidung der alten Deutschen. 386-416.
-nach Paul Hachenbergs Germania media diss XI: vom Kopfputze: (386) Haare der | Franken, || Sachsen, Langobarden; | Bart || (392) Kleidung |-| (401) Hüte; |-| (411) Schwert | Fußbedeckung; |-| (416) "Und somit hätten wir die alten Deutschen vom Kopfe bis zu den Füßen durchgemustert. Ob wir auf den Dank der Leser, wenigstens der Künstler, besonders aber der Schauspieler dabey rechnen dürfen, steht dahin."

*Briefe von Wieland, Ramler, Lessing u.a. Von den Jahren 1770 - 1786. 417-449.
-alle gerichtet an kk österr geh Rat und Vizekanzler Frhr v Gebler, starb 1786, uns von Franz Gräffer mitgeteilt (417) -geht va ums Theater

6.Heft
*E-r: Wert der positiven Offenbarung. 451-467.
*Rumohr: gotische Baukunst.
*Görres: Hunibalds Chronik.
*Heeren: Verhältnis Heyne-Winkelmann.
*Briefe von Wieland, Ramler, Lessing u.a.
*Über Herausgabe Werk Gerstenbergs


Exzerpt: Deutsches Museum 1813, 4.Band


7.Heft
*Böttiger: Klopstock und Wieland
*P.: Schick
*Kopitar: Handschrift alt-D gedicht Gottfried v Boullion, angeblich Wolfram v Eschilbach
*Büsching: Versuch der Erklärung einer an mehreren Orten Deutschlands zu findenden Alterthümlichkeit, mit einigen darauf bezüglichen Nachrichten. S. 77-83
-geht um an Toren mancher D-Städte hängenden Keulen mit "Unterschrift": "Wer den Kindern gibt das Brod / Und selber dabey leidet Noth, / Den soll man schlagen mit dieser Keule todt."
*Frhr v Rothkirch: Sonnette

8.Heft
*E-R: Wert der positiven Offenbarung. gg Jacobi
*de la Motte Fouqué: Grablegung auf Island, nach Egills Sage
*Professor {JG} Meinert: Fee Gig. 116-136.
-Verweis auf ÖS Idioticon und Vorschlag eine "Gesellschaft vaterländischer Sprachforscher" zu gründen, bei Beiträgern auch Meinert genannt (116) | Muse in Person Fee Gig in N-MAE Kuhländchen |-| (121) ÖS Idiotikon soll durch eigene Lehrer erklärt werden, von ihnen "in alle Mundarten des deutschredenden Oesterreichs übersetzt" werden, soll "Schule der Volkspoesie" begründen; |-| (127) es folgen Gedichte
*Briefe von Wieland Ramler Lessing 1770-1786
*Caroline Pichler: Gedicht (175f)
*FS: Rez.Heeren: Heyne (Bio) 177-185: Das "Zufällige und Irrige" der Epoche 1750-1800 scheint verschwunden bzw unschädlich, nun lernen wir das Gute daran zu schätzten; |-| zu D-Philologie; |-| (184) "Soll aber die Philologie und Alterthumskunde nicht bloß Kunst bleiben, sondern Wissenschaft werden" so ist nötig, Studium der Griechen mit orientalischen zu verbinden

9.Heft
*Wallenberg: Gemäldesammlung v. Massias
*E-R: positive Offenbarung. gg Fries
*Das Banner. altnordische Geschichte
*zu Maler Müller

10.Heft
*SCHÜTZ, Wilhelm v: Zweytes Sendschreiben über den Ackerbau. S.269-297.
Zushang Ackerbau-Religion (270)
*Görres: Reynold v Montalban (298-320) |-| (301) "Zum besseren Verständniß für die gemischten Leser dieser Zeitschrift haben wir die Rechtschreibung der neuern genähert."
*Görres: Hunibalds Chronik
*Briefe dänischer Reisende Brönstedt
*Maler Müller: Kunstnachrichten aus Rom

11.Heft
*Görres: Hunibalds Chronik
*Lauer: Hertha. Deutsche Mythe. 376-384.
"Von keinem milden Himmel des schönen Griechenlands, dem Mutterlande der Künste umweht; von keinem Augustischen Zeitalter umblüht; von keinem ägyptischen Weisen genährt, gedieh in Teutona's Eichenhainen eine Mythe, welche an erhabener, religiöser Würde und höherm poetischem Sinne keiner Mythe Aegyptens, Roms und Griechenlands nachsteht; wenn sie vielleicht nicht unter allen den ersten Rang behaupten darf. Wir wollen, indem wir die schöne Blüthe deutscher Phantasie zur allgemeinen Ansicht darstellen, uns zugleich auf die Mythen der oben erwähnten Länder beziehen, welche mit der unsrigen einige Aehnlichkeit haben." (376) Hertha war keine Isis, || keine Ceres, keine Rhea, | Concordia oder Irene usw, sondern "ihr Begriff ist, um mich so auszudrücken, das Aggregat aller dieser Begriffe und Personificationen." |-| (383) "O pflegen wir diese köstliche Blüthe unsrer alterthümlichen, deutschen Phantasie, die sich an Zartheit und | Würde, an philosophischem und poetischen Sinne mit jedem fremden Götterbilde vergleichen darf, und von welchem wir stolz sagen können, daß sie unser Eigenthum sey!
'Warum soll ich nun zum Griechen sagen:
Nachbar, borge mir dein Feyerkleid!
Wenn es mir von seinem Strahlenwagen
Schon so reich der hohe Norden beut?'
v. Münchhausen.
O möchten unsre altdeutschen Mythen am Busen unsrer Bardenenkel genährt, erwärmt, gebildet, und unsrer eigenthümlichen, vaterländischen Poesie mehr gehuldigt werden."
*Probst Hofstätter: Wien, eine Festung. 385-401.
Wien einzige unter größten Städten von EU, die ordentlich Widerstand leisten kann (385) (Überblick von Römern bis zur Ggwart) |-| (397) Wenn Vorstädte mit Stadt in Häusermasse zusammenschmölzen, fiele Raum weg, der Einwohnern frei zu atmen erlaubt, Luft wäre noch mehr mit faulen Dünsten geschwängert; nur Hauptstraßen der Vorstädte sollten mit Stadt durch Gebäude vereinigt werden; dann könnten Einwohner sich auch ohne gepulverte Erde der Bollwerke bewegen; ||| Bei Abtragung der Bollwerke wäre auch zu sehen, daß noch an Burg eine sichere Veste wäre, wohin sich Monarch zurückziehen kann.
*MG Kovachich: Nachricht von altdeutschen Manuscripten in Ungarn: Beschreibung Handschrift Gesamtabenteuer Konrad v Würzburg (402-440) |-| ein Gedicht von einem übermütigen Weltbeherrscher zur Probe (428)
*Theodor Körner (441-447): Gedichte: ua "Sonett. Beym Anblick des Grenzadlers im Frühjahr 1813" (443)

12.Heft
*Enzenberg: Moskaus Brand. Ode 1812
*K. Fischer: Von dem Purismus der österreichischen Mundart. Aus einer ungedruckten Dialektologie. 454-478.
"Der Dialekt, selbst im Munde des gemeinen Mannes, ist mit einer Menge ausländischer Wörter überfüllt; nicht stärker als die nördlicheren Dialekte mit lateinischen und französischen, aber wohl stärker, als jene mit italienischen. (454) Dagegen aber hat er auch eine sehr merkliche und erfreuliche Hinneigung zum Purismus; und die Sprachreiniger können aus ihm eine reiche Ausbeute von echtdeutschen Ausdrücken gewinnen, die sie gebietherisch an die Stelle der in Norddeutschland üblichen ausländischen setzen können. - Von beydem wollen wir Proben geben. Zuerst von Sprachmengerey und Nichtreinheit.
Die allgemeine Herrschaft, welche seit einigen Jahrhunderten französische Courtoisie und Weltbildung über deutsche Zungen überhaupt ausübt, hat dem Dialekt die französischen, die Nähe und die politische Verbindung Oesterreichs mit Italien, die italienischen, der enge Zusammenhang mit Ungarn, die ungarischen und zum Theil auch verbunden mit den Einwirkungen der Gelehrsamkeit, die lateinischen Ausdrücke gegeben. Unter ihnen stehen allein die ungarischen unverändert und als bloße Ausrufungen, vorzüglich in den | Volkskomödien da; alle übrigen sind nach deutscher Art und Kunst so germanisirt und obendrein dialektisirt, daß sie, nach ihrem Klange, geradezu für eingebohrne gelten können. Nicht nur werden sie häufig nach deutscher buchstäblicher Art, nicht nach fremder Pronunciation, ausgesprochen, sondern sie sind auch sämmtlich mit deutschen und provinziellen Endungen versehen, oder schmelzen sogar durch Zusammensetzungen mit einheimischen Wörtern zu Zwittern zusammen.
Unter diesen fremden Gästen, die sich im Dialekt eingebürgert haben, müssen wir vor allen die französischen beachten. So wie es nähmlich höheren Ständen feiner und vornehmer klingt, mit möglichster Vermeidung der Muttersprache, ganze französische Redensarten zu einer sogenannten Conversation zusammen zu reihen: so liebt es die Volkssprache, etwa eines volleren Klanges wegen, oder um der fremden Sache auch die mitgebrachte Bezeichnung zu lassen, oder um ebenfalls, wenigstens im Kleinen, Proben feinerer Bildung zu geben, meist aber in gänzlicher Unwissenheit des fremden Ursprungs, sich mit einzelnen französischen Wörtern zu vermischen, und sie in Landestracht gekleidet, mit den Landeskindern in Reih und Glied zu stellen." (es folgen Bsp) |-| (458) italienische Wörter |-| (462) "*) Der Nummero, ein Livreebedienter in Theatern oder Restaurationen, oder mit einer Nummer am Rock oder Hute bezeichnet ist."; | "Aus zwey Sprachen zusammengesetzte Wörter (voces hybridae) gibt es hier, wie überall, mehrere; z. E. Moditracht, Paradidegen u. a. Manche davon, wie Muschkulanz oder Mischkulanz (ein schlechtes Durcheinander), sind deutsch, mit fremdartiger Endung."
"Wir betrachten nun den Dialekt von seiner glänzenderen Seite, seiner Neigung zur Deutschheit im | Ausdrucke. In der That hat er eine so bewunderswürdige Menge echtdeutscher Ausdrücke, wofür andere Gegenden unsers gemeinsamen Vaterlandes nur ausländische haben, daß es ein großer Gewinn für die Schriftsprache wäre, sie vollständig zu sammeln. Man vermuthet mit Recht schon im voraus, daß viele von ihnen auf volles deutsches Bürgerrecht und allgemeinen Gebrauch Anspruch machen können, wenn man bedenkt, daß Süddeutschland seine frühere Periode der Sprachkultur hatte, und daß von dem nördlichen bey weitem nicht alle Quellen gekannt und erschöpft sind, die auf dem benachbarten Boden fließen. Es ist aber etwas ganz anders um ein Wort, das sich im Munde einer Nation, durch den Sprachgeist selbst gebildet hat, und seit Jahrhunderten unter einem ganzen Volke lebt, als was von irgend einem gelehrten Sprachfeger zur Luft ersonnen oder nach irgend einer Analogie zusammengehämmert wird. Unsere norddeutschen Puristen scheinen die süddeutschen Dialekte viel zu wenig zu kennen; und sie würden, hätten sie mehr in der Nachbarschaft herumgehört, sich nicht selten die Mühe erspart haben, schlechte Erfindungen zu machen, und uns statt natürlicher saftiger Frühte, ungenießbare Wachsgebilde oder geschmacklose Treibhausbirnen vorzusetzen. - Wir wollen den ersten Versuch machen, diese süddeutschen Schätze für die Gesammtsprache zu Tage fördern zu helfen, und geben unsere kleine Sammlung ohne Ordnung wie sie uns erwachsen ist." zB: anstelle Meubeln: | Fahrnisse; | (466) "Für kritisiren, schelten u. dgl. hat man das ganz bewunderswürdige Wort: zerlegen. Wie treffend würde manche Recension durch Zerlegung übersetzt werden! Ja, man könnte manche Kritik eines Kunstwerks, die nur an Einzelnem mäkelt und das Ganze unbeachtet läßt, durch diese Bezeichnung ganz vortrefflich - zerlegen." |-| (472) alle kennen hier Adelung
*Rumohr KF: Einige Nachrichten von Alterthümern des transalbingischen Sachsens. (Verweis auf abgebrochene Kirchen)
J.: Die deutsche Orthographie. Von einem Kosaken, an den Herausgeber. 517-540. macht sich lustig über komplizierte Aussprache des französischen; schlägt (525) vor, neue Lettern zu gießen, die manchen deutschen Lauten angemessener wären; Schreibmaschine (531)

*FS: An die Leser (541-543): 1812 gute Aufnahme des D-Museums, "nicht auf eine flüchtige Unterhaltung, sondern auf eine strengere Auswahl berechnet, und nicht bloß für eine einzelne Provinz, sondern für ganz Deutschland bestimmt"; seit Ende 1812, und 1813 Aufmerksamkeit auf andere Gegenstände "Es lag dieser Zeitschrift der Gedanke und das Bestreben zum Grunde, die Geschichte und Philosophie, die Kunst und Literatur in einem vaterländischen und durchaus deutschen Geiste zu betrachten und weiter zu fördern. Eine eigentlich politische Zeitschrift sollte und konnte das Museum auf keine Weise seyn." (541) | kriegerische Begebenheiten schnitten uns von macnhen entfernteren Gegenden ab, literarische Mitteilung wurde unterbrochen, Verbreitung der ZS erschwert; daher Fortsetzung wenigstens für 1814 suspendiert, ganz aufgegeben werden soll "dieses vaterländische Unternehmen gewiß nicht", evt 1815 in anderer Form fortgesetzt. Wien 31.12.1813.

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