CONCORDIA 1820-1823
Erstellt von Christian Aspalter und Anton Tantner

Ausführlicher Titel: Concordia. Eine Zeitschrift hrsg. v. Friedrich Schlegel. Mit einem Nachwort zur Neuausgabe von Ernst Behler. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1967.
(Heft I-IV 1820-23), [Fraktur]



Standort: UB-Wien: I 904.829


Literatur (Auswahl)

*Behler, Ernst: Nachwort Nachwort zur Neuausgabe der Zeitschrift Concordia. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1967.
*Nadler, J.: Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften. Bd. 3. Wien, 2. Aufl. 1924.
*Seidler, Herbert: Österreichischer Vormärz und Goethezeit. Wien 1982.

Verwendete Abkürzungen

Abkürzungsverzeichnis



1. Heft



Vorrede:

"Der gesamte moralische Zustand unseres Zeitalters, so weit durch wissenschaftliche Belehrung im Gebiete der Philosophie, Geschichte und Literatur darauf eingewirkt werden kann, ist der eigentliche Gegenstand und Zielpunkt dieser Zeitschrift, zu deren Fortführung wir die Mitwirkung einer bedeutenden Anzahl von Gelehrten und wissenschaftlich gebildeten Männern in Österreich und in den übrigen katholischen Deutschlande hoffen und versprechen dürfen." (1)
*der Ernst des gegenwärtigen Augenblicks in der Welt- und Zeitgeschichte erfordere auch einen neuen Ernst in der Behandlung, Abkehr von der Leichtigkeit der lit. Unterhaltung und angenehmen Belehrung "Eine Zeitschrift, in welcher das ganze intellektuelle Leben der deutschen Nation, obwohl in leichter und lebendiger Form umfaßt, und in allem auf jenes ernste und letzte Ziel bezogen, in welcher das gesamte Gebiet der höheren Geisteskultur aus dem Standpunkte des Christenthums betrachtet und bearbeitet würde, ist ein wesentliches Bedürfnis der Zeit geworden." (1)
*Ziel stelle die Zusammenführung aller Gutgesinnten auf dem sicheren Boden des ewig Guten dar, "unerschütterlich feste Anhalts- und Stützpunkte der Wahrheit und Gerechtigkeit [] in dieser chaotischen Flut von Meinungen und Anarchie vorüberschimmernder Ideen" zu geben, "damit alle geistigen Kräfte, die auf das Feste, Gute und Wahre gerichtet sind, sich mehr und mehr um ihren gemeinsamen Mittelpunkt versammeln und daran anschließen mögen." (2)
*auf dieser religiösen Grundhaltung basiere das ganze Unternehmen, wohl möchte man aber dadurch keinesfalls andere positive Kräfte der Zeit anfeinden, insbesondere gelte das für die "wahrhaft christlichen und frommen Protestanten [!]" (2)

Signatur des Zeitalters (I)

--> s. Diskussionspapier unten


2. Heft

Unsere Zeit (F. Schlegel)

*katholisch lyrische (eschatologisch bis tröstend) Rundschau der Heraufdämmerung eines neuen Zeitalters, in der keine abgegriffene Metapher des "Haltgebens" (der Fels, das Schiff, das Licht etc.) ausgelassen wird. (71 ff.)

Über den Einfluß der Zeichen der Gedanken auf dieser ihre Erzeugung und Gestaltung (I) (Franz Baader) (75 ff., K.)

sehr interessanter zeichentheoretiecher Aufsatz [s. Todorov!?], leider nur ein Teil - geht auf Saint-Martin zurück (NW)
*das Verhältnis von Signifikat (Bezeichnetes) und Signifikant (Bezeichnendes) als zwingend organisches Verhältnis, dabei nimmt das "einhüllende Zeichen" eine "organische Unterordnung (Verklärung) unter dem "Bezeichneten" ein (etwa wie der "Mitlauter" unter dem "Selbstlauter"), das ganze gerät dann in der Anm. noch zu einer Allegorie von Geschöpf und Schöpfer (75 f.)
*somit wird alles, "was an den dingen äußerlich ist", [] schon als ein Zeichen des Inneren (Anzeige - Praesagium - Index) des Inneren desselben betrachten []" (76)
*allerdings macht Baader einen Unterschied zwischen den "natürlichen" Signifikanten (z.B. der Saft in der Frucht und den willkürlichen bzw. "conventionellen" (die Sprache der Menschen in Hinblick auf ihr Signifikat, die "Gedanken")
*das Modell geht aber noch einen Schritt weiter, indem die Frage nach dem Ursprung der Gedanken und/oder Empfindungen gestellt wird die das Zeichensystem der Sprache dann hervorbringt --> Zeichensystem erster Ordnung: "Alles Sinnliche (Sensation erregende) kann folglich als Zeichen für uns gelten, weil dieses alles uns Empfindung und Gedanken weckt;" (77) - hoher Stellenwert der "Lust" bzw. w.u. "Begierde" (der Gedanke als "Verlangenszeichen")
*die Möglichkeit der willkürlichen Bezeichnung erhebt den Menschen über den Rest der Natur, macht ihn zum einzigen Geschöpf, das Gemeinschaft herstellen kann (78 f.)
*sollte aber nicht über die Unvollkommenheit der Zeichen als Ausdruck der unvollkommenen Gedanken hinwegtäuschen (80 f.)
*Mensch keine Tabula rasa, sondern "rasirte" Tafel: Metapher des Menschen als "Erde, in der alle Ideen als Samen eingestreut sind, zum Keimen nur des günstigen Klimas bedürfen" (erlangen in ihm die notwendige "Corporation", 82)
*über Tiere und Pflanzen und Zeichen (?)
*dann noch genaueres zum "Verlangen", das den Gedanken hevorbringt (84 ff.) (Beispiel: Kälte - Vorstellung des Kleides und Realisierung desselben):
das Kleid = Gedankenzeichen (bezeichnet den Gedanken)
der Gedanke = Verlangenszeichen (bezeichnet das Verlangen)
*Scheitern des deduktiven Zeichenmodelles (aus den einfachen Zeichenstrukturen der Mineralien, Pflanzen und Tiere auf Menschen anzuwenden, "die sich begehren" und dieses Begehren sich auch einander bezeichnen), daraus resultierend sei dann auch der Versuch der willkürlichen Bezeichnung der Gedanken unter der Prämisse des Natürlichen (ein revolutionäres Vorgehen entgegen der evolutionären Reife) entstanden
*sehr spannende Verbindung (s. Anm.) zwischen dem Bösen und dem Revolutionären in der "generatio aequivoca"
*86: +Verlangen (desir) +generatio aequivoca (S.85f, Anm) darunter verstehen Naturforscher "jede Hervorbringung, welche als vaterlos oder ungeschichtlich und in sofern illegitim, wahrhaft revolutionistisch entsteht, und darum auch nur usurpativ entsteht"; kein Zufall daß durch Kreaturen, die so entstehen (Würmer, Insekten) anorganische zerstörende Mächte am freiesten hereinbrechen; "Alles revolutionistisch Entstandne, hat darum keine Geschichte im eigentlichen Sinn, und dieses gilt par excellence von dem per generationem aequivocam entstandenen Bösen."

Die innere Staatshaushaltung; systematisch dargestellt auf theologischer Grundlage. Erster Versuch. (S. 87-128) (I) (Adam Müller)

"Alle Versuche (87) der Menschen, Systeme der geistigen, sittlichen und bürgerlichen Ordnung auf ihre eigene Hand, und ohne höheren Beystand zu gründen, führen unvermeidlich auf zwey gleich gefährliche Abwege:
entweder dahin, daß man nur von Einem absoluten und einsamen Prinzip der Dinge wissen will, oder daß man zwey solche Prinzipe, welche scheinbar einander bedingen und gegenseitig beschränken, annimmt, und alle Erscheinungen des Weltalls für ewige Wiederholungen und Variationen jener ersten Doppelgestalt ansiehet." || gg eitle Vernunft und falsche Mystik; | für ein System der drei Stände, Dreyfaltigkeit; | es braucht höheres, versöhnendes Prinzip, Einheit dreier Wissenschaften: Theologie, Jurisprudenz, Politik. | (92) Politik wird durch drei Wissenschaften formiert: Wiss des politischen Materiales, des Eigentums, dh des Kapitals; Wiss von der menschlichen Arbeit; Wiss von der Gesetzgebung oder von den Ständen (Staaten); | es folgen: Adam Smith, Kausalität, Poesie |-| (99) "In der wahren Ordnung der Dinge ist jeder Einzelne Haupt eines Staates und Glied eines Staates: jeder Einzelne arbeitet als Glied eines Größern, und ist Capital, als Haupt eines besondern Staates."; "der herrschende Wahn von der Veräußerlichkeit aller Dinge" | *Vgl Revolution - Tod; "Die Revolutionen unsers Jahrhunderts haben uns den politischen Leichnam kennen gelehrt, und dadurch der Wissenschaft unendlich gedient"; niemand hat aber Leib begriffen, weil er Anatomie gelernt hat, oder Staat verstanden, | weil er bei politischen Sektionen unsers Jahrhunderts zugegen war; in GB "zwey getrennte Völker, als ein Volk der Arbeiter und als ein Volk der Rentenirer"; "Das Prinzip der Arbeiter ist das Prinzip des Schaffens, des Fortschreitens, also der Liberalität; das der Rentenirer ist das der Erhaltung, des Bleibens und der Legitimität. Beyde diese Prinzipe sollen im Gleichgewichte stehen, in jedem Hause, ja in jeder Brust (...)", dazu brauchts "Hülfe von oben, von Gott"; Arbeitssystem ist mit Capitalsystem in Einklang zu bringen, durch Religion; | GB "Zerspaltung der Nation in zwey feindliche, ökonomische Völker rührt von dem Grundsatze der Veräußerlichkeit aller Dinge her" {(102,Anm) "*) Wird nach nichts Höherem, als nach dem Staate von heute, dem Eintagsstaate gestrebt, der nach Schlötzer wie die Brandkassen und Handelsgesellschaften entsteht und vergeht, so hat man Recht diesen ganzen Staat auf Arbeit zu gründen, und allen Besitz und alles Capital aus der menschlichen Arbeit, welche alsdann die einzige Quelle und einziger Rechtsgrund alles Vorhandenen ist, herzuleiten. Will man aber den Staat als eine dauerhafte Verbindung der Menschen und um der Dauerhaftigkeit aller übrigen Dinge willen, dann mu0 es ein Capital geben, über welches die menschliche Arbeit und der menschliche Wille nichts vermögen, ein unveräußerliches Capital, (....) | Nur durch kirchliches Grundeigenthum, als dem wahren, ewigen, auf einem unvergänglichen, von der weltlichen Gewalt unabhängigen Prinzipe beruhenden Capitale können die Adels- und Familien-Gesetze, so wie alle Gesetze welche auf Befestigung und Dauer hinwirken sollen, Haltung gewinnen; und nur durch Familiengesetze kann das Capital, der Arbeit gegenpüber, bey Würden erhalten,und somit die Grundfeste des gemeinen Wesens behauptet werden."}. Ohne Kirche zerstören sich Parteien der Kapitalisten und Arbeiter, der Besitzer und Nichtbesitzer im trostlosen Kampfe. || Verweise auf Smith, Lueder, Schmalz |-| (110) *strenges Privateigentum an Grund und Boden ist unmöglich und unrechtlich; | "Geld, Freyheitswahn, Contract social und andre Lügengeister der Revolution" lassen zur "wahnsiniggen Behauptung verleiten" "sey der Landbau ein Geld-Gewerbe wie alle andre."; Die Befreiung, "die sogenannte Mündigwerdung unsers Jahrhunderts" bestehen darin, "daß Arbeit und Geld (...) allein herrschen"; |-| *"Unser Jahrhundert (119) hat eine gewisse Scheu vor den so genannten regressiven Tendenzen, vor der Rückkehr zu den Gesetzen und Sitten früherer Zeiten, und glaubt sich unter diesem Namen z. B. auch der christlichen Institutionen mit Leichtigkeit erwehren zu können." | "Den Vorwitz, der seit drey Jahrhunderten gewaltet und alle Wahrheit verrückt, alle Ordnung verwirrt und alles Lebensglück zerstört, fahren lassen, sich in der Stille seines Herzens und mit Gottes Hülfe zur Unterwerfung unter seinen Willen bekehren, und nun seine Gnade walten lassen: das ist der erste Schritt zur Freyheit und zur Wissenschaft." es braucht "gründliche Kenntniß aller Mittel und Waffen des Bösen"

Correspondenz-Nachrichten. Aus einem Briefe vom westlichen Deutschlande (Windischmann, C. J. H.) (129 ff., K.)

sehr programmatisch für die ZS: die Concordia als Schlachtschiff im Hl. Kreig der kath. Kirche, für den wahren Glauben, das wahre Wissen etc. (ganz guter O-Ton) und über den gottlosen protestantischen Norden, das Auseinandertreten von Wissen und Glauben, Simonie und "Weltgeistlichkeit")
*Aus Brief des westlichen D: zu Verhältnis Glauben-WISS. dazu Anmerkung von FS: Verweis auf Jesus, der Käufer und Verkäufer aus Tempel trieb (132)


3. Heft

Die innere Staatshaushaltung; systematisch dargestellt auf theologischer Grundlage. Erster Versuch. (S. 133-155) (II) (Adam Müller), [K. 153 ff.]

*es braucht "hemmende Gegenkraft der Landwirthschaft" zur "Wunderkraft der Industrie" (133) || Wahnsinn unseres Jahrhunderts, dem fabricirenden Landbau Vorrang zu geben; | *Verweis auf Freunde Wilhelm v Schütz und Bayrhammer, die ihm seit agronomischen Briefen 1812 in D Museum zu Seite stehen. Landbau ist ein Amt und eine Pflicht, kein Gewerbe; |-| *HIforschung war verdienstlich, wo sie Aufkommen des Bürgerstands in Städten usw erforschte, verderblich, wenn das städtische Prinzip zum Alleingeltenden gemacht werden sollte; (144) in FR war arbeitender Stand ggü anderen relativ zurückgesetzt, mit Revolution Versuch, das gesamte bürgerliche Leben künstlich und städtisch auszubilden, "den Landmann wie den Geistlichen zum | citoyen d.h. zum Tagelöhner umzugestalten" "Römische Vorbilder und die Herrschaft von Paris über alle Begriffe und Vorstellungen der Franzosen, erklären es, wie ein natürlicher Irrthum in so wenigen Tagen zu einer wahnsinnigen Zerstörung aller Spuren göttlicher und menschlicher Gesetze ausarten konnte. Ein Stand, den man nicht einmal zu definiren oder zu bezeichnen, sondern nur zu numeriren wußte, der tiers état sey der Einzige, sey Alles: dies war die große Entdeckung, der zu Ehren das ganze Capital der französischen Sitte, Verfassung und Geschichte in Rauch aufgehen mußte."

Von der Grundlage des Friedens (H = Haller, Carl Ludwig von) (156 ff.

*Grundlage jeglichen politischen Friedens bildet eine gemeinsame Ansicht vom Wesentlichen des gesellschaftlichen Zustandes (für die Staaten miteinander, für den einzelnen Staat, für die Gemeinheiten, für die Familie) - Leitprinzip: organische Unterordnung (159 ff.)

Signatur des Zeitalters (II), v. Hrsg. (164 ff.)

--> s. Diskussionspapier unten

Revolutionäre Anwendung der evangelischen Lehre (Franz Ritter von Bucholtz) (190 ff.)

*Schreiben gegen eine evangelische Rechtfertigung republikanischer Grundsätze
*zu revolutionären Maßnahmen der ggwärtigen Regierung in Neapel; | beruht "auf einer bloß mathematischen Staatsansicht" |


4. und 5. Heft

Entwicklung des inneren Lebens (F. Schlegel) (197 ff.)

I. Von der Seele
*Sehnsucht des Erfassens außerhalb des kognitiven Bereiches in menschlicher Grundkategorie des "inneren Zwiespalts" begründet (198): Zwiespalt zwischen der "Ichheit in mir und der äußeren Welt" (199) und schließlich: wer ist das Ich und Außenwelt denkende Ich? (199 f.) - [Fichte'sche Solipsismusfalle] -->Zwiespalt zw. Verstand und Willen (202) und Augustinisches zur "freien Wahl": "Möglich ist dieser Zwiespalt allen frey erschaffenen Geistern, wirklich aber wird er nur in denjenigen, die sich selbst verkehrt und von ihrem Ursprunge abgewandt haben;" (203), und Zwiespalt zwischen deutlichen Bewußtsein (Vernunft, Begriff) und dunklem, scheinbar regellosem Bewußtsein, dass aber in Wirklichkeit "einem eigenen Gesetz der bildlichen Aehnlichkeit oder der Wahlverwandschaft des inneren Gefühls" (204), Reich der Einbildungskraft und des Traumes = Zwiespalt zw. Vernunft und Einbildungskraft; beide für sich verharren in ungenügendem Zustande (vernünftiger Solipsismus und produktive Täuschung, 205), kurzzeitige Vereinigungen ("lucida intervalla") - wie aber dauerhafte Befriedigung? ("wie sollen wir unsere "verlohrne Seele wieder finden?", 205), Antwort: "gewiß nicht durch sich selbst und durch die eigene Kraft" denn die Seele sei weiblich (leidend, empfangend); Erlösung also nur durch denjenigen, dessen "Liebes-Spiegel und Abbild sie von Anfang an war, oder ein Geist, der von Gott erfüllt ist" [sic.] (206) [dies beschreibt erneut den poeta vates oder zumindest das, was über den Katholizismus noch formulierbar ist]; Differenzqualität Verstand vs. Vernunft (208 ff.) und die Prämisse der gegenwärtigen Zerrüttung, Gottesrückkehr (harmonischer Ursprungszustand, 211 ff.), Liebe als Verb. von Geist und Seele (213 f): "Der Mensch ist ein Geist, [] der mit der Seele vermählt ist" (214), interessante Anm. in Bezug auf das Unzureichende des Idealismus, wenn es um die Vernichtung des Materialismus geht (214 f.), die beiden gr. Irrtümer der gegenwärtigen Auffassung vom Menschen als unzerrüttete Einheit und als geistige "Einfachheit" (nur Geist und keine Seele) (215 f.), Begriff des lebendigen Denkens (216 f.): "Es ist ein Suchen und Finden Gottes und alles göttlichen im inneren Denken durch die Seele mit dem Geist, ein Nehmen und Geben der Wahrheit und des Lichts zwischen Geist und Seele, zwischen Einem Geist und anderen verwandten. Es ist also ein klar geordnetes Denken, kein willkürlich gesetzloses Dichten [sic.! Hvh. CMA], obwohl beseelt und lebendig; ja vielleicht noch ungleich reicher an Leben, und nicht bloß beseelt, sondern aus der innersten Tiefe der Seele selbst hervorgehend." (217), Frage nach der Zugehörigkeit des Körpers zum menschlichen Wesen(218) betrifft nur den paradiesischen Leib, der aber keinesfalls entsinnlicht ist [vgl. Lucinde], Seele als Vermögen der Liebe im Menschen vs. sittliche Vernunft (219 f.) --> Unterschied liegt in der Bewußtheit des tätigen Wohlwollens, Seele zwischen Einbildungskraft und Vernunft (Verbindung zur Einbildungskraft über äußere Sinnlichkeit) und unter der "irdischen Hülle" des Herzens (Unruhe des H. und Ruhe der S., das gegenständliche Begehren des H. und das unbestimmte Verlangen der Seele = Sehnsucht in Nachbarschaft zu Ahndung und Wehmut) (220ff.), Seligkeit als begriffliches Summenzeichen [vgl. Brain RIW] und Abrechnung mit Fichte (222 f.)
*das Leben entgeht dem Denken; |-| (201) Mischung; Zwiespalt; entggstehende Extreme unsers innern Wesens; ||| Seele steht in Mitte zwischen deutschem Bewußtsein und dem anderen, dunklen, bildlichen Bewußtsein; Vernunft und Einbildungskraft; | Vernunft und Phantasie |-| (215) Mensch ist ursprünglich in seinem wahren Wesen nicht einfach sondern aus Zweien bestehend |-| (221) Sehnsucht

Über den neuesten Grundsatz: "das Vaterland ist der Boden" (Haller, C.L.) (224 ff.)

*der Streit über die Formen (legitim) vs. der Streit über die Dinge ("böse"), histor. vs. räumliche Konstituierung des Volkes; letzteres öffnet die Tür zur Kontingenz, das wahre Vaterland der Völker ist die Geschichte (hier ist eben auch nur ein Kampf "Form geg. Form" zu erwarten)
*Zu allen Zeiten gibts Streit um die Formen, (224) an sich nicht böse, sondern notwendig, nur heute gehts auch um Kampf um den Kern der Dinge; dieser Streit ist böse, denn Dinge sind das Leben selbst. # zu KK!

Ueber Stolbergs letzte Schriften (Bucholtz, Franz Ritter von) (231 ff.)

*ein heroischer Nachruf (231 ff.) inkl. Biographie (236 ff.) und Rezension zweier später Schriften ("Betrachtungen und Beherzigungen der heiligen Schrift" (250 ff.) und "Ein Büchlein von der Liebe" (276 ff.) und Stolbergs Tod im Zuge der Auseinandersetzung mit G. Voß: "Sophronizon"; [reichlich Aufregung - vgl. zahlreiche Stellungnahmen in Textanm.] (Stolbergs Glaube aus adeligem Kastengeist !? (282 ff.)

Der Tempel und sein Baumeister, oder: Das entschleierte Geheimnis der Ewigkeit (Anonym) (296 ff.)

*Allegorie auf die Seele als Tempel Gottes, der urspr. Seligkeitszustand (296 ff.), der hybride Abfall der Engel und das drückende Gefühl, weiterhin von Gott abhängig zu sein --> "dumme Teufel"(298 f.), Verführung des Menschen zum Mißbrauch der Willensfreiheit als Reaktion auf Zuwendung Gottes, Satan: "Der Lügner von Anbeginn" (300), die Lüge: Seele sei menschliches Eigentum, Absinken in die Sphäre der "Sinnlichkeit", die Herrlichkeit des Tempels ist verwüstet jedoch an den Spuren wäre sie für uns noch erkennbar, wenn da nicht ein "böser Genius" ständig seine Ablenkungsmanöver durchführte, Christus als erfolgloser Restaurateur (301), Leugnung des Schöpfergottes (302), [was jetzt kommt, klingt wie F. Schlegel selbst - vielleicht sein anonym abgelegtes Bußbekenntnis??? - überhaupt ist die differenzierende Terminologie zu "Entwicklung des inneren Lebens" sehr ähnlich] "[] aber ungesehen tröstete die Religion sie an den Füßen entweihter Altäre; und G l a u b e n , V e r t r a u e n und L i e b e , diese wahrhaft himmlischen Schwestern - ganz andere Grazien als das blinde, lasterhafte Heidenthum sie aufstellen konnte! - flößten der trauernden Seele Muth, Standhaftigkeit, und ausharrende Geduld ein, bis die Tage des Unglaubens abgelaufen, und das Herz wieder in seine natürlichen Rechte eingesetzt durch befriedigte Sehnsucht nach göttlicher Offenbarung, Sündenvergebung und Willensheiligung, F r i e d e n i m L e b e n , T r o s t i m T o d e , v o l l k o m m e n e G e w i ß h e i t e w i g e r S e l i g k e i t n a c h d e m T o d e erhalten hatte." (302), Vereinigung von Geist, Seele und Gemüth und Absage an "fremde Künste und Sophistereien" (302) verbunden mit Wiedereinzug in den durch Gott erneuerten Tempel

Entwurf einer neuen christlichen Legendensammlung (F. Schlegel) (304 ff.)

*dreifaches Interesse: religiös, historisch, ästhetisch, bisher Vorliegendes: "Acta Sanctorum", Sammlungen v. Pater Kochem u. Pater Vogel, Konzept des Werkes (306 f.) --> Trennung v. Historiographie (wie Herodot) und idealisierter Erzählung + ästhet. Anhang

Über La Martine's religiöse Gedichte (F. Schlegel) (307 ff.)

*Hoffnungen Schlegels durch das Christentum die europ. Nationen wieder zu vereinen (307 f.), La Martine als Dichter, der aus dem neuen Christentum hervorgegangen ist und die poetischen Grenzen der Deutschen und Franzosen gleichermaßen überschreitet, interessant die Differenzierung zw. dt. und fr. Poesie (dt.: tiefes Ahnden der Phantasie, Streben nach Unendlichkeit und der Niederschlag im Fragment, enigmatisch, Dichtung der Vergangenheit, die Gegenwart nur in humoristischer Form; fr.: "nach allen Rücksichten der gesellschaftlichen Convenienz abgemeßner Ausdruck in der Darstellung der Leidenschaft", Dichtung im Hier und Jetzt, selbst wenn sie über Vergangenes sprechen), Zusammenkunft in der "innigen Beseelung" (309): "Diese hohe Begeisterung und Tiefe des Gefühls, oder innige Beseelung ist nun die Region, in welcher wir mit diesem neuen Dichter zusammen treffen, so daß die große Scheidewand seiner und unsrer Sprache verschwindet. Man hört verwandte Töne im Wiederklang der innersten Herzgefühle, und glaubt die eigene Sprache zu vernehmen, weil es die Eine, Ewige ist, die allen zersplitterteten Nationalsprachen zum Grunde liegt, und das innere Leben giebt." (309) [vgl. frühr. Universalpoesiekonzepte] Martine in Einzelstationen: aus der "trostlosen Erhabenheit" Byrons (1. Ausgangspunkt seiner Dichtung) über alle Stufen der Sehnsucht zur neuen "liebevollen Hoffnung" (309 ff.), die Liebe in Verbindung mit der Sehnsucht des Todes als 2. Ausgangspunkt s. D. (311) -->Schmerz über den Verlust der Geliebten wird zur Andacht (311 f.), die durch die Liebe verklärte Naturbetrachtung (von der N.-Beschreibung zum N.-Gefühl) als 3. Ausgangspunkt s. D. (312 f.), Natur als Chiffre der Ahndung Gottes, die religiöse Begeisterung bzw. die Andacht als 4. und höchsten Punkt seiner Dichtung (314 ff.); der Dichter wird mit dem Seher identifiziert, seine Dichtung wird rhapsodisch (315) [F.S. in Flammen, L. M. ev. vergleichbar mit Hölderlin?] *"Mehr als durch alle politischen Abgränzungen (307) und Gegensätze, werden die Nationen von einander getrennt und sich gegenseitig entfremdet durch eine große und wesentliche Verschiedenheit in der Richtung ihrer Geistescultur. Es giebt aber ein anderes, höheres Princip, welches die Nationen, die so lange feindlich oder fremd, eine jede schroff für sich bestanden, einander wieder näher führt, und sie durch ein Geistesband innerlich vereinigt; und so wie es zuerst die Religion gewesen, welche aus den Völkern des neuern Europa eine Familie gebildet hat, so nähern wir uns auch, nachdem jenes alte Familienband schon großentheils erloschen war, jetzt vielleichtder Zeit, wo das Christenthum mit neuer Macht in den bedrängten Herzen erstehend, zusammenführen | und wieder Eins machen wird, was bisher durch eine weite Kluft geschieden war. Die Gewalt des lebendigen Worts dringt durch die materiellen Schranken, und selbst die Scheidewand der Sprache verschwindet, sobald der Geist Eins geworden ist, und die Seele von dem gleichen Gefühl durchdrungen." -Bsp La Martine; Unterschied D-Poesie ("tiefes Ahnden der Fantasie", senkt sich in Vggheit zurück) und FR-Poesie (Ggwartsorientiert) |


6. Heft

Rhapsodische Bemerkungen über die Kunst (Dr. = anonym) (317 ff. K.)

*[sehr sperrige Schrift, da kaum argumentiert - Rhapsoden argumentieren mal nicht gerne - wird, Reihe von Axiomata] das Zentrum bildet eine Kunstauffassung, die die Darstellung des Idealen über die mimetische Abbildung stellt (z.B. im Vgl. von Rembrandt und Raphael), zusätzlich wird die Art und Weise der idealisierten Darstellung zur religiösen Begründung des Kunstpriesters, der als begünstigtes Geschöpf Gottes (durch seine Sehnsucht nach dem Vollkommenen, dem Ursprünglichem, Paradiesischen etc. hat er die Wahrheit von Angesicht zu Angesicht geschaut) Mittler der Wahrheit durch Schönheit wird.

Zusätze zu Stolbergaufsatz (334 ff.)



Über den Grundvertrag der Gesellschaft (Haller, C. L. v.) (337 ff.)

*Grundvertrag der Gesellschaft ist nicht die vorhistorische Verabredung zwischen Menschen, sondern die Anerkennung "des Bandes des Willens, die Religion" bzw. "Constitution"

Signatur des Zeitalters. Beschluß (F. Schlegel) (343 ff.)



Nachwort v Behler

(s. Exz. AT: Zeitschriften der Gebr. Schlegel v. Behler)




SCHLEGEL, Friedrich: Signatur des Zeitalters. In: Ders.: Studien zur Geschichte und Politik. (=Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd.7. Hrsg. von Ernst BEHLER). München u.a.: Schöningh, 1966. S. 483-596.

{1820-23, in Concordia: I-VI.H: 1820-1823: 3-70, 164-190, 343-398}



{Erster Teil}

*"drohende Anzeichen an dem Horizonte der irdischen Weltentwicklung" (483), Katastrophe welche bevorzustehen scheint soll uns nicht unvorbereitet finden; daher "ganzen Zustand, die herrscchenden Täuschungen, das eigentliche Streben, sowie auch das wesentliche Bedürfnis des Zeitalters" in dem auch "Keime einer wahrhaft geistigen und moralisch gesicherten Lebensentwicklung und Lebensordnung (..) liegen" vor Augen zu stellen; um "den eigentlichen Charakter und die rechte Signatur des Zeitalters vollständig zu erfassen" müssen auch üble Anzeichen vor "Augenstellen"; 1."innere Unfrieden" bei äußerem Frieden; | nach Sieg über allgemeinen Feind, und "Europa aus den Banden alles zerdrückender Militärgewalt (..) wieder erstanden" gabs "Wünsche ohne Maß"; es gab zwar noch unruhige Bewegung, eine an das Revolutionäre grenzende Stimmung, doch dies "als eine zurückgebliebene Nachwirkung des großen chaotischen Kampfs" betrachtet; Übel wurzelte aber viel tiefer; "verborgene Unruhe" durchdrang "innersten Familienverhältnisse", selbst in eignen Brust; "Auch das individuelle und innrere Familienglück | war durch den Umsturz der alten Ordnung in einem so großen Teile von Europa, und hie und da selbst durch den gewaltsamen Umschwung der Rettung auf das heftigste mit erschüttert worden." erhoffte glücklichere Zustand mochte nicht eintreten; "Die innersten Verhältnisse des Eigentums, des Landbaues, aller Gewerbe, des Handels, des Geldes und Kredits waren nicht etwa bloß vorübergehend berührt, hie und da verletzt, bedeutend verändert worden, sondern ganz wie aus ihren Fugen gerückt;" "Die Verwirrung der Meinungen war gewiß nicht minder groß und ebenso verwickelt und schwer zu lösen, als der Kampf der in Unordnung und Zwiespalt geratenen Eigentumsinteressen."; Frucht des Siegs war wie hohl, vom Wurm zerstochen; Zustand nach Frieden war wie der eines Mannes, äußerlich wohlhabend und scheinbar glücklich, heimlich von Schulden geängstet und bösen Gewissen beunruhigt; "Für wen dürfte es noch nötig sein, das einzelne dieses Zustands ausführlich zu schildern; da jeder ihn in sich selbst empfunden hat und leicht die Stelle auffinden kann, wo sein innerstes Privatleiden mit dem allgemeinen Unglück und dem uns tausendfältig umspinnenden und in unzähligen Formen organisch vervielfachten Zwiespalt und Kampf des Zeitalters zusammenhängt?" -Resultat der letzten 5 Jahre: jeder Stand, | (486) jeder Staat, jedes Individuum und jede Klasse der menschlichen Gesellschaft von inneren Unfrieden durchdrungen; "auch die durchdachtesten Versuche, dem Übel zu steuern, die alte Ordnung zu erhalten, oder das gesellschaftliche Leben fester einzurichten" nur tw guten Erfolg, oft ohne Wirkung, da Übel nirgendwo an Wurzel geheilt; -Standpunkt der Religion, evt Vorsehung: Unfrieden, damit auf "viel verkannten Quellen aufmerksam gemacht" aus denen wahre Frieden herausginge; evt wie einzelner Mensch durch Schmerz und Leiden erzogen wird, wäre Menschheit im Großen, Nationen und Staaten, das ganze Zeitalter "nach derselben höheren Erziehungsmethode von der Vorsehung geleitet" zu Erkenntnis des Rechten? -solche Betrachtung geschah selten; | wenig versucht auch "von denen welche am meisten den Beruf und auch die Macht haben, auf seinen [des Zeitalters] Gang leitend, hemmend, oder ordnend einzuwirken"; "nicht bloß von Nachwehen der Revolution"; schwankender Zustand zwischen eigentlichen Unfrieden und scheinbaren Frieden vorbei; "diesen angegebenen Charakter vom höchsten inneren Unfrieden, bei vollkommener, äußrer, politischer Ruhe (...) darin besteht gerade das charakteristisch Eigentümliche, und die richtige Signatur dieser kurzen Epoche, die binnen fünf provisorischen Jahren (1815-1820)" reich an zwecklosen Erwartungen und widersinnigen Forderungen; vorüber ist Epoche, weil Übel nun sichtbar geworden;
*Aus Täuschung geweckt wurde ua durch "das sonderbare Phänomen von uneigennützigen Verbrechen" | die aus verworrenen Ideen hervorgingen; Hauptirrtum des Zeitalters: "daß die Revolution schon abgeschlossen und beendigt sei"; "jener Gewaltmann, in welchem sich die ganze Revolution konzentriert hatte und gewissermaßen persönlich geworden war" sprach diese falsche Behauptung als Grund für seine Despotie aus; sehr kritischer Zustand; Krisen; | (489) als nahe vor Umsturz des "europäischen Feindes" ein Organ sagte, das sei Anfang vom Ende, dachte ich eher: "'es sei das Ende vom Anfang'; der Schluß nämlich des ersten Akts in dem furchtbaren Drama unserer durch große Katastrophen mit beschleunigtem Lauf dahineilenden Weltgeschichte"; Weitere Täuschungen verschwanden: "daß das revolutionäre Übel" nicht auf eine Nation noch eine Person zu beschränken sei; "Die Tatsache von 1789 braucht darum gar nicht als eine, die notwendig hätte erfolgen müssen, betrachtet zu werden"; "Das ganze Faktum der sogenannten französischen Revolution (..) bleibt doch nur ein einzelnes Symptom, ein partieller Ausbruch, eine erste Krisis"; "Stoff und Anlage zum revolutionären Übel" waren "in der gesamten Basis der zivilisierten Staaten von Europa vorhanden"; unbestreitbar, daß FR schon unter Karl8 und Franz1, mehr noch Richelieu und | L14 egoistisch, störend und zerstörend, revolutionär auf christliches Staatensystem, va D gewirkt hat; {(Anm1) zu egoistisch: Lob Englands; "Noch weit inniger und unzertrennlicher aber ist für Österreich die Erhaltung der eignen Würde und Kraft verbunden mit der altkaiserlichen Sorge für die Erhaltung des Ganzen, besonders auch für die Erhaltung des Friedens, aller Elemente der Ruhe, und aller Grundsätze der Gerechtigkeit und rechtlichen alten Ordnung sowohl unter als in den christlichen Staaten; wie dieses hellsehende Politiker aller Parteibeschränkung und dem Nationalvorurteil ungeachtet, auch nie auf die Dauer verkannt haben."} -kein Stand, Partei, Nation ohne Schuld; "dem Ziele einer allgemeinen Versöhnung" stehen wir näher; "Denn wer könnte jetzt wohl noch, überhaupt oder auch nur ganz praktisch genommen, den einseitigen und beschränkten Standpunkt eines, wenn auch nicht ganz ungerechten, wenigstens nicht unmotivierten Nationalhasses festhalten?"; | "der vermeintlich patriotische Nationalhaß ist vorüber" seit EU "eine kollegialisch verflochtene Einheit, um nicht zu sagen, eine in Wohl und Weh solidarisch verschmolzene Masse" ist (491)
*Ebensowenig wie Nation war EU Feind von 1813 das ganze Übel, auch wenn er es in sich konzentrierte; ist es nur "Gewalt des Bösen" allein, | nicht auch "Ohnmacht zum Guten"; nicht einmal in einzelnen Parteien liegt das Übel; "unsichtbare, intellektuelle Gewalten sind es, im Verborgenen schleichende und dann alles durchdringende und verzehrende Prinzipien der Zerstörung; es ist der Kampf, in welchem, seit die Menschheit in ihre Elemente zerfallen will, diese nun frei gewordnen und verwilderten Elemente feindlich gegeneinander auftreten." "noch viel tiefer liegender Grund von großem Übel, liegt in dem merkwürdigen Charakterzuge unsrer Zeit, daß jetzt alles sogleich zur Partei wird" "selbst das Gute und Rechte von "Ultrageiste" ergriffen und so mit seinem Feinde, "der revolutionären Denkart" zusammenwirkt; -damit soll nicht "der neutralen Erschlaffung" das Wort geredet werden; diese "Indifferenz der Gesinnung" ist eine der großen Hauptgefahren;
*Grund des Übels nicht allein in falschen Theorien des 18.Jh, wie das neuerdings FR-Schriftsteller tun; dies ist eine der größten, am weitesten verbreitete | Täuschungen bei "Partei, welche wohl die gutgesinnte genannt werden darf"; steht Wahrheit scheinbar nahe, verfehlt völlig den rechten Gesichtspunkt; Bsp: Werk von Haller; als ob wiss Polemik gg jakobinische Grundsätze der sich selbst liberal nennenden Partei was erwirkt werden könnte; was von Haller bleibt ist nicht Polemische, sondern das Positive; "Zur Polemik aber ist die Zeit ganz vorüber"; wenn "der religiöse, moralische und politische Unglauben des Zeitalters" nicht "Quelle des Übels", doch | (494) dieser Quelle am nächsten; -AW Schlegel: "Die Zeit hat Glauben nicht, noch Liebe: / Wo wäre dann die Hoffnung, die ihr bliebe?"; Unglauben noch nie durch Polemik besiegt; dieser verschwindet von selbst, wenn "die positive Kraft des Glaubens siegreich in den Verstand und in die Gemüter der Menschen eindringt"; Nutzen einer Polemik im intellektuellen Gebiet kann darin liegen, daß beim Anfang verderblicher Systeme der Verbreitung des Irrtums Schranken gesetzt werden können; dies kommt schon zu spät. "für das Praktische muß doch das Böse, nicht bloß mit Worten, sondern mit reellen Waffen bekämpft werden, wo nicht mit dem Schwert, so doch durch organische Einrichtungen und Gesetze, welche in dieser Sphäre die positiven Handlungen sind"; *Warum bleiben vorhandene religiöse Festigkeit, politische Einsicht, moralische Kraft so wirkungslos?; | -"Abwesenheit" oder doch gehemmte "Wirkungskraft der wahren Lehre"; "so finden wir oft dieselben zerstörenden Prinzipien und Elemente der Auflösung bei ganz entgegengesetzten Parteien": "So ist schon oft und von mehreren bemerkt worden, wie eine gewisse rein mathematische Staatsansicht und Staatsbehandlung gar nicht bloß der republikanischen oder liberalen Partei und Sekte eigen ist, sondern ebensosehr bei vielen der legitimsten Regierungen gefunden wird, und sich da in der gleichen Neigung zum Zentralisieren und der systematischen Verschmelzung und Vertilgung alles Lokalen und selbständig Korporativen kundgibt, die man wenigstens als Ziel zu erreichen trachtet." "die sämtlichen falschen Systeme von absoluter Einheit und absoluter Freiheit, sie mögen Namen haben wie sie wollen, es mögen philosophische oder praktische, administrative oder politische sein, sind aus dem schrankenlosen Streben nach absoluter Einheit und Freiheit hervorgegangen"; dieses Streben wurzelt "in den jetzigen Menschen" tief; | "Wie und warum nun jenes Gefahr und Unheil bringende Streben nach absoluter Einheit und absoluter Freiheit (..) gerade in unserm Zeitalter so mächtig und tief in dem Menschen wurzelt, seit wann und woher es seinen Ursprung genommen; das muß genau untersucht und bis auf den innersten und letzten Grund erforscht werden." -Gesagtes als Einleitung zur Untersuchung; "wir selbst zunächst auf einer guten Stelle stehen, die (...) vom festen alten Damme gegen die andringende Meeresflut geschützt ist, oder wie eine starke Burg des Friedens unter den zerfallenden und morschen Gebäuden dasteht" wollen wir nicht Augen verschließen; | (497) würde gerne den Ggstand vollständig und aus Grund erschöpfen "so wie man auch wohl über einen Abschnitt der alten Geschichte die Untersuchung historisch-wissenschaftlich völlig zu Ende bringen und abschließen kann"; jeder sollte unterrichtet sein, und wenn schon nicht einwirken will "wenigstens das Zeitalter von sich abwehren"; | "solche rein welthistorischen Bemerkungen" so zu betrachten, als ob sie entfernte Epoche beträfen, und als außer allen Parteien stehend niemanden im Weg sind evt aber "nützliches Licht" geben können.
*nun, nach Vorwort, zur Untersuchung, letzten 30 Jahre werden betrachtet, dh Zeit vor Ausbruch der Revolution; drei Generationen zu unterscheiden, ebensoviele Stadien des revolutionären Übels;
-{Epoche 1763-1789/90} Wer dessen Jugenderinnerungen an Zeit vor Revolution heranreichen wird nicht wehmütig? "Reichtum einer großen umfassenden Verstandeskultur" "das Persönliche der hervorragenden Individuen blieb in sich geschlossener, und war noch nicht so aufgelöst und untergegangen in der allgemeinen | Masse, in der chaotischen Flut der alles mit sich fortschwemmenden Begebenheiten, Meinungen und Parteien"; gewiß auch damals Parteien und politische Sekten -Epoche 1763-1789/90 aber schon nicht mehr in rechten Stimmung, war Vorbereitung der Übel; nordamerikanischen Grundsätze schmmerten nach dem "alternden" EU, wo Grundsätze der alten Ordnung durch Egoismus des Augenblicks verletzt wurden; | Luxus und Sittenverderbnis, va in FR "alle Fugen und Adern des gesellschaftlichen Körpers durchdrungende und zerfressende allgemeine moralische Fäulnis"; auch in D zeigten sich "in der sogenannten Aufklärung" Vorboten, wenn auch gemäßigter als in FR; -neue Grundsätze der eine Grund; "der andre, nicht minder wichtige, lag unstreitig darin, daß die alte Maschine nicht mehr ganz passen wollte", da nicht nur Ansichten sondern auch Verhältnisse sich geändert hatten; auf den beiden Systemen des religiösen (1648) und politischen (1700-1800) Gleichgewichts war bloß negative Ordnung und Ruhe gegründet; war "bloß mechanische Gleichgewicht"; | "wenn die Zeit vorüber, das Räderwerk abgenutzt" sinkt es zusammen -erste der Generationen; hellsichtige Männer: Johannes Müller: "Gefühl, daß alles locker und lose" werde, "daß alle Fugen und Bande nachlassen"; "Abendgefühl" "Von der Höhe seines durch jahrhundertelange Neutralität, wie eine Insel, von dem übrigen Europa und seinen Bewegungen isolierten Schweizerfelsen" sah er herab und hatte richtiges Vorgefühl; weitere Täuschung, die wichtig für Charakteristik und Signatur des Ganzen: Prophezeiungen vom nahen Weltuntergange; -sind sehr wohl | von welthistorischer Bedeutung, da sie bei Volk Wirkungskreis haben; in den "für alles Wunderbare so empfänglichen Jahren von 1813" hat der prophetische Bauer Wißbegier geweckt; mystischer Schriftsteller unterm Namen Stilling hatte Einfluß, bestimmte Weltuntergang auf 1836; dieser Meinung stand die Hypothese von der amerikanischen Zukunft ggü, dh jene Ansicht, die annimmt, daß Weltkultur von Asien, über EU nach Amerika geht; | (503) auch Australien müßte an Reihe kommen; Afrika; auch "slawischen Erwartungen" als eine der weit herrschenden Meinungen des Zeitalters: in ersten Epoche der neuern HI germanischen Völker vorherrschend, dann "die Nationen von romanischer Sprache und Abstammung"; "Gern wollen wir zugeben, daß dem slawischen Völkerstamme, welcher den Kern und die Hauptmasse des großen russischen Reichs und mehrere starke Nebenzweige und integrante Hauptteile der österreichischen Monarchie, überhaupt aber wohl den dritten Teil der europäischen Bevölkerung bildet, noch eine vorzüglich starke gesunde und frische Naturkraft einwohne;" -diese Hoffnung steht im ggsatz zu Idee von Verfall EUs; | Ich kann aber an germanischem Völkerstamm keinen Verfall erkennen, höchstens einige Anzeichen bei Schweizervolk und holländischen See und Küstenland; Zu Weltuntergangsannahme von christlichen Standpunkt: "daß die Welt schon lange dem Gerichte entgegenreift"; aber "'Vater sich die Zeiten vorbehalten hat'"; | -Wenn man "nach menschlicher Wahrscheinlichkeit, insofern diese auf historische Wissenschaft anwendbar sein kann" Gedanken faßt, so anzunehmen "daß das Drama der Menschengeschichte schon bedeutend über seine Mitte vorgerückt ist, und in jedem Falle dem Ende um vieles näher stehen mag als dem Anfange"; | {(Anm1) Biblische Weissagung, daß Christenheit als eine Herede wird wieder vereinigt werden; "der unvergängliche Hoffnungsstern"} Weissagung als Schlußstein der göttlichen Schriften des neuen Bundes: sieben Zeitalter der christlichen Geschichte und Kirchenentwicklung; bisher weder katholischerseits dogmatisch entschieden noch wissenschaftliche Exegese der Protestanten, wieviel davon vergangen; | Glaube an die letzte Katastrophe gabs schon öfter: schon um Jahr 1000; am Anfang der Reformation; "wie denn das die gründlichste und eben darum auch furchtbarste revolutionäre Gesinnung ist, welche von diesem religiösen Standpunkte und Irrtum ausgeht"; *zurück zur älteren Generation: diese noch nicht ausgestorben; | va in der höheren Klasse der Gesellschaft wird länger an alten Bildung festgehalten; "das Zerfallen der materiellen Bande ursprünglich allerdings aus der aufgelösten Gesinnung abzuleiten"; aber laxe Gesinnung hinsichtlich der "allgemeinen Weltordnung" kann auch mit Sittenstrenge und intellektuellen Eigenschaften verbunden sein: bei Charakteren, die geboren für Leitung der Weltgeschäfte "genialischen Leichtsinn", bei andern "Gefühl von Ironie"; anderer ist scharfer Beobachter mit fast indifferent scheinenden Gleichmut der Gesinnung; | hat "dieses anorganische Wesen" ganz durchdacht, erblickt es auch dort wo es andere nicht erahnen, wird Zusammensturz ohne Bedauern ansehen; andere sind Liebhaber des Absoluten und versenken sich in "Ultragedanken" "um so im Wechsel des politischen Kampfes den Schein des freien Lebens zu behaupten"; laxe Gesinnung hat in D va auf Kirche und Religion schädlich gewirkt, eigentliche Zerstörung erfolgte durch "'Revolution von oben'" | "jene, soviele alte Institute vernichtende Zerstückelung und Verschleuderung des Reichs von 1803"; "Nach und nach ward mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung seinen alten Herren, allen seinen sittlichen Gewohnheiten und alten rechtlichen Verhältnissen entrissen" "es war, als ob man von allen Seiten eine gründliche Anarchie recht planmäßig organisieren wollte"; "Zusammensturz der germanischen Kirche"; auf intellektueller Seite ist Aussage zuzustimmen, daß sich Deutschen, wenn sie keine Religion haben, sich selbst eine machen; selbst System der Aufklärung war in D nirgends eigentlich atheistisch; | (511) va bei Protestanten verschwand fast alles Positive am Glauben -"Christianismus vagus"; "jenes tote Vernunftchristentum ohne Liebe" grassiert auch bei Katholiken; -"Epoche der moralischen Auflösung und laxen Gesinnung als das erste Stadium des revolutionären Übels in seinen weitern Wirkungen für Deutschland" |
*Zweite Generation oder eigentliche Revolutionszeit: 1789/1792-1814/15 (512) "Hauptcharakter dieser ganzen Epoche kann ich vorzüglich nur in das kriegerisch aufgeregte, und über alle Grenzen wie eine alles daniederreißende Flut, hinauswogende Nationalgefühl" "chaotische Flut", Revolutionsflut 1808/1809 erst hartnäckig gehemmt, 1813/1814 "große Reaktion aller legitimen Regierungen, bewaffnet durch die aufgeregte Nationalkraft von ganz Europa, in ihre Quelle zurückgedrängt"; "mit Rückkehr der Bourbons der alte Thron auf dem frischen Lavaboden wieder aufgerichtet"; republikanischen Ansichten, an die sich "revolutionär gewordene Nationalgefühl" anknüpfte, nicht zwangsläufig damit verbunden; revolutionären Zerstörungsgrundsätze gedeihen besser unter Schirm der Despotie und militärischen Allgewalt; "Auch hat die 'Revolution von oben' viel tiefer noch in das europäische Fleisch eingeschnitten, mehr geschadet und verwüstet, als die erste anarchische Bewegung, weil sie die Anarchie selbst erst in eine gewisse Ordnung gebracht und dauerhaft gemacht | hatte." -"kriegerische Nationalbewegung" kann auch dem Revolutionswesen entggwirkend sein, zB 1808, 1809, 1812; "Will man das, was eigentlich Theorie ist, in den revolutionären Grundsätzen rein auffassen, so muß man von allem Persönlichen, Unrechtmäßigen und Kriminellen in der Anwendung ganz abstrahieren; und dann findet es sich als das Wesentliche dieser Grundsätze, das System einer rein mathematischen, bloß mechanischen und maschinistischen, oder aufs höchste genommen, doch nur dynamischen Staatsansicht, Staatsbehandlung und Staatsverwaltung, die keineswegs" auf 1792-1815 beschränkt, "sondern schon ein oder mehrere Jahrzehnte früher im Gange war, ja auch jetzt noch häufig und mehrenteils herrschend ist; nach welcher selbst die legitimsten Regierungen in den Verwaltungs-Prozeduren der neuen Zeit verfahren haben; wie schon von vielen andern bemerkt, und auch oben vorübergehend erinnert worden ist." Großer Unterschied: "Da nämlich jede legitime Regierung an feste positive Schranken gebunden ist, die nicht übersehen werden dürfen, ohne die eigene Lebenskraft und sichere Fortdauer für die Zukunft zu untergraben; so kann selbst die falsche Theorie, welche auf die Vernichtung des Persönlichen, Lokalen, und aller selbständigen Korporationen, und auf eine mathematische Gleichheit in der Behandlung der ganzen Staatsmasse ausgeht, ohne dabei weder das Heiligtum des christlichen Privat- und Familienlebens, noch die von Gott | (514) verliehenen Freiheitsrechte der Kiche verschonen, doch nie mit der zerstörenden Konsequenz wirken. Es bleibt bei einem systematischen Streben in langsam progressiver Annäherung, wodurch das Übel schon sehr gemindert und gemildert wird. Jenes dynamische Verfahren in Masse, und Experimentieren mit Menschen, Provinzen, einzelnen Ständen und ganzen Nationen und Ländern, wie wir es erlebt haben, konnte nur von Staaten ausgehen, die nicht bloß eine falsche, verderbliche Theorie in sich aufgenommen hatten, sondern selbnst durch und durch revolutionär geworden waren; wenn es gleich wissenschaftlich betrachtet, auch in der historischen Erscheinung vielleicht ein und dasselbe Prinzip ist, was das chronische Übel erzeugt, oder der akuten Erkrankung zum Grunde liegt." *nun Blick auf intellektuelle Seite der Epoche: in D "große wissenschaftliche Revolution"; Suchen nach dem Festen und Gewissen, nach dem göttlichen Glauben; || Leichtsinnige neue Schülerjugend machte sich Zeitvertreib mit dynamischen Denken und Gedankenkonstruieren; zwar weniger gefährlich, Begriffe auf Kopf zu stellen als Völker: diese hatten aber Talent, alte und neue Meisterworte umzudrehen; "Genie | der Unwahrheit" "furchtbar geistige Handhabe an dem zweischneidigen Mordschwert aller Parteigewalt, sie mag despotischer oder anarchischer Art sein"; "unser Zeitalter ein Zeitalter der Phrasen"; "Zustand des dynamischen Gedankenspielens, und schrankenlosen dichterischen und wissenschaftlichen Fantasierens" nahm andere Wendung, wurde abgelöst | durch hohen Ernst und seltene Sittenstrenge; "darin verdanken wir jenem absoluten Manne des Zeitalters nicht wenig"; "Das Absolute" trat ins Leben; | (519) aber alles, was absolut ist, wirkt "anorgisch, die Elemente entbindend und zerstörend"; "das Absolute ist der eigentliche Feind des Menschengeschlechts" -rev.Streben-Ultragesinnung; va zu fürchten, wenn in Religion; sprach vorhin selbst von guter und rechtgesinnter Partei, damit "furchtbaren Redegebrauch bequemend"; "nicht die Partei als Partei (..) gelten lassen (..) kann"; | wir sollten Partei nehmen für das Gute und Göttliche, niemals aber Partei sein, oder Gott uns eine Sache zur Partei machen; | "das Übel selbst, jenes Ultrawesen" bzw "Parteigeist"; Eifer für Religion mit Verachtung der Wissenschaft gepaart; in FR schon sehr stark; | dort droht das "altkatholische Christentums" in Opposition gg Atheismus "leidenschaftlich negativ" in "Art von Buchstabendienst und starrer Gesetzesreligion eines neuen katholischen Judentums überzugehen"; für D nicht so gefährlich; dies "Das böse Prinzip des Zeitalters"; das "gute Prinzip": "das lebendig Positive (...) das innerlich und äußerlich Feste, das dauernd Gewisse, das wirksam Reelle"; | das revolutionäre Übel war "ein Mangel an innerer positiver Festigkeit in der Gesinnung und im Glauben"; ein "Ermatten und Erkranken" der Lebenskraft; "Das flutende Nationalgefühl, als das Hauptphänomen des zweiten Stadiums, ist zwar ein Lebendiges; wenn es aber in kriegerische Ruhmsucht chaotisch aufgereizt, über alle legitimen Schranken hinausgetrieben"; ihm fehlt positive Begrenzung. | "Die Idee des lebendigen Positiven, wenn anders das göttliche Faktum der Offenbarung noch Idee genannt werden kann"; der absolute Sinn steht auch im praktischen Gebiete dem lebendig positiven entgg, er wirkt "anorgisch"; "Aber auch jene rein mathematische und mechanische Staatsansicht und Staatsbehandlung, von welcher wir bemerkten, daß sie nicht bloß den Revolutionären allein eigen sei, sondern auch wohl in manchen neuern administrativen Prozeduren der legitimsten Regierungen derselbe Zeitgeist sich rege, ist im Politischen der feindliche Gegensatz gegen das lebendig Positive; denn dieses geht allemal von einer historischen Begründung aus, und nicht von allgemeinen Theorien und leeren Abstraktionen, durch welche man immer über die legitimen Schranken und die faktische Wahrheit so leicht hinausgerissen wird."; Grundsatz des lebendig Positiven ist keine unbestimmte Idee; vielmehr schließe ich an jene an, "welche in der Erhaltung und Entwicklung der selbständigen Korporationen und der korporativen Grundsätze, die eigentliche Heilkraft und das Rettungsmittel gegen die politischen Gebrechen des Zeitalters finden und suchen"; zB aus Mösers geistigen Nachlaß erstandene Schule westfälischer Landwirtschaft oder altsächsischer Staatseinrichtung; auch "alle diejenigen, welche im Gegensatz der allgemeinen Theorien und abstrakter Begriffe von repräsentativen Verfassungen, den einheimisch lokalen und historisch begründeten ständischen Instituten das Wort reden"; manche Verteidiger dieser korporativen Grundsätze dringen nicht bis auf das innere Wesen dieser Lehre durch; "Was ist das | erste lebendige Positive in der menschlichen Gesellschaft und ihrer praktischen Wirksamkeit? Die kleinste und einfachste, nicht mehr teilbare Korporation ist es, welche allen andern zum Gunde {sic!} liegt; das Heiligtum der Familie, das Sakrament der Ehe, das moralisch geordnete, und christlich befestigte Privatleben; und dieses ist auch der unverletzliche und geweihte Boden aller rechtlichen Sitte und des frommen Gefühls, auf dessen uralten Fundament das ganze übrige Korporations- und Staatsgebäude ruht, und ruhen muß. Das höchste lebendige Positive aber ist Christus in seiner Kirche; jene große und göttliche Korporation, welche alle andren gesellschaftlichen Verhältnisse umfaßt, und unter ihrem Gewölbe schirmt, ihnen erst die Krone aufsetzt, und die Kraft der eignen Weihe liebevoll mitteilt. Nicht bloß ein Surrogat zur Ergänzung oder Unterstützung und Ausbesserung der andern gesellschaftlichen Institute und Korporationen ist sie, sondern selbst eine eigentümliche und eigne, durch alle Staaten hindurch und in ihrem Ziel über sie hinausgehende freie Korporation, und positive Verbindung und Gesellschaft mit Gott, welche ihre erhaltende Kraft auch zunächst in ihm, und in sich selbst hat. Weit entfernt bloß ein Werkzeug und eine Anstalt der andern gesellschaftlichen Institute zu sein, würde sie im Notfalle die meisten derselben, die nur auf menschlicher Stiftung beruhen, leicht überdauern können." Dies Punkt, an dem sich unsere Theorie von Hallers System scheidet; mit ihm einverstanden, daß er Privat und Staatsrecht nur als ein positives anerkennt; aber bei ihm fehlt das höchste lebendige Positive, "Christus in seiner allgemeinen Kirche", seinem Werk fehlt "der zusammenhaltende Schlußstein, oder das ordnende ewige Wort des Lebens"; "es bleibt also nach Abzug des göttlichen Geistes nur das roh faktische und grob materielle Positive übrig, welches erst durch jenes höhere, in Wahrheit ein solches, und das rechte wird, und ist das ganze System dieser neuen Staatsansicht, bis jetzt nicht weniger atomistisch, als die Irrtümer, die es widerlegen soll"; "Zwischen diesen beiden Korporationen, jener einfachsten und ersten, der Familie, als dem festen Grunde in der Tiefe, und dieser andern größten weltumfassenden, der Kirche, als dem erhellenden Himmel in der Höhe, steht nun der Staat, alle andern Stände, gesellschaftlichen Institute, alte und neue, wesentliche und ewige, oder bloß zufällige und vorübergehende Korporationen umfassend, belebend und tragend, | (526) leitend, und lenkend, in der Mitte. Sein ganzes Sein und Wirken ist an diese Korporationen, wie an seine natürlichen Organe gebunden, er lebt und webt in ihnen, indem er selbst seinem innern Wesen nach, auch nur eine bewaffnete Korporation, und großes Friedensinstitut ist; und so wie er diese Sphäre, als seine eigentliche Lebensluft verläßt, und sich als absolute Allgewalt, als Militärkraft, Despotismus oder Anarchie aus diesem legitimen Schranken, an die sein Wesen und seine glückkliche Fortdauer gebunden sind, herausreißt, so untergräbt er seine eigne Lebenswurzel und bereitet unvermeidlich sich selbst, früher oder später den Untergang." *als nächstes folgt "Betrachtung über den Kampf dieser erhaltenden Kraft gegen das Streben nach absoluter Freiheit und absoluter Einheit"; besonderer Ultrageist unserer Epoche besteht darin, statt des lebendig Positiven ein leidenschaftlich aufgefaßtes Negatives hinzustellen; das Positive kann durch absolute Behandlungsweise in Negatives verwandelt werden, alles geht in rein polemisches Wesen über, Gut und Böse vermischt und versinkt im gemeinsamen chaotischen Kampf; Zweite politische Hauptpartei: sogenannte Liberale; gut gesinnte Deutsche klagen über politische Zerteilung, "mit welcher | Zerteilung aber doch auch unsere größten und eigentümlichsten intellektuellen Vorzüge, wie wir nicht vergessen dürfen, ganz wesentlich zusammenhängen;" Erinnerung an Kaisertum, "vielleicht nie im ganzen lauf der Weltgeschichte, eine größere, organisch reichhaltigere und so lebendig freie Idee im politischen Leben wirklich geworden ist, als diese Idee des altdeutschen christkatholischen Kaisertums" von Kg Konrad1-Karl5 vor religiösen Teilung; dieser Schmerz gerecht; "Was liegt aber wohl eigentlich in zwei Kammern mit schwarzen und weißen Kugeln, mit Volksrepräsentanten, die immer nur eine Partei, oder im glücklichsten Falle, wenn sie selbst Charakter haben, und eine wahrhaft eigene Meinung, doch nur sich selbst repräsentieren; dann mit erblichen Pairs, mit geheimen Kommittees, öffentlichen Debatten, und einem schließlichen Veto, für ein geheimer magischer Zauber verborgen, daß dieses neue Wesen, diese englische Erfindung oder englische Krankheit, alle Politiker und liberalen Staatsphilosophen schwindeln macht, die Völker wie ein epidemisches Fieber, eines nach dem andern ergreift, und als ein eigentümliches Miasma dieser Zeit, schnell wie ein Lauffeuer, über und durch alle bewohnten und zivilisierten Weltteile dahingeht?" -allerdings: "das eigentliche Volk" nimmt an Konstitutionen wenig Anteil; "denn das Volk hat, solange es nicht von dem Parteigeist der höhern und gebildeten Stände aufgereizt und irregeleitet ist, mehrenteils eine viel gesundere Beurteilung, und verlangt einen reellen Vorteil und | (528) persönliches Wohlsein, was mehr sagen will, als einige abstrakte Freiheitsbestimmungen, wie sie im allgemeinen auf dem Papier geschrieben stehen, wo erst die praktische Anwendung und Ausführung alles entscheiden muß. Eine Konstitution in diesem neuen Sinne des jetzigen Zeitgeistes, weder historisch erwachsen, noch lebendig begründet, noch wahrhaft organisch gegliedert, ist eben, wie es sehr gut heißt, eine Charte; d. h. ein Stück Papier,"; ein jeder könnte sie in müßigen Stunde schreiben; es kommt auf Gebrauch dieser Charte an; hat nur um Partei der Liberalen im Sinne, nicht aber die, die seit jene Partei Ultra geworden, daraus hervortreten und noch nicht öffentlich Republikanisch gesinnt sind; für letztere ist Konstitution nur Stufe des Übergangs; selbst Konstitution der SP Cortes nicht gemeint, diese republikanischer als FR Charte; | "Unter den eigentlichen Liberalen aber verstehe ich zunächst diejenigen, welche nicht eine zukünftige Republik im Sinne haben, sondern die gemäßigte Monarchie aufrichtig und im Ernste wollen, aber nur auf diese eine Weise durch zwei Kammern, mit Volksrepräsentanten und erblichen Pairs, nach englischer Art, für möglich und erreichbar halten." Besserer Begriff als gemäßigte Monarchie: "die Idee einer organisch geordneten und lebendig gegliederten Monarchie"; "Ich will zugeben, daß auch in jenem anderen Auswege eine Garantie für den gemäßigten Gebrauch der absoluten Staatsgewalt erreicht werden kann, besonders wo es einmal dahin gekommen ist, daß diese nicht mehr wie vor alters ganz persönlich verwaltet wird, sondern auf mechanische Weise, durch ein alldirigierendes und eigentlich regierendes Ministerium gehandhabt wird;" gerade in unserer Nähe erlebt, wo übertrieben liberales Ministerium durch monarchischgesinnte Kammern beschränkt wurde; wenn | in neuen Konstitutionen der D-Bundesstaaten System der zwei Kammern ebf angenommen, dann durch Vermischung mit altdeutschen Einrichtungen und ständischen Instituten was ganz anders als in GB FR daraus entstanden; "von Seite der Theorie erwogen, jenes Element doch immer als ein fremdartiges und eigentlich undeutsches", wenn man aber solche Konstitution als "glückliche Ausgleichung nämlich zwischen den Parteien und streitenden Elementen, ja zwischen dem Regenten selbst, und dem allgemeinen Verlangen oder dem Volke" betrachtet, fällt aus Theorie genommene Kritik weg; Friedensschluß zB 1648 kann Inkonsequenzen erhalten; dadurch sollte aber Theorie nicht entstellt werden; in GB entstand System der zwei Kammern natürlich und höchst lokal; USA anders; man glaubt Konstitution als Produkt des engl. Kunstfleiß | in jedes andre Klime verpflanzen zu können, weil bis zur glattesten Abrundung ausgebildet: "dynamische Kunststück": vielfache Teilung der Gewalt, am wichtigsten nicht die zwischen gesetzgebenden und ausübenden Macht, sondern Teilung der ausübenden und obersten Staatsgewalt in ideelen und reellen Bestandteil: Regent ist von Ministern getrennt; Person des Monarchen so heilig, während Minister, die den rohesten Angriffen preisgegeben sind reelle Kraft der Regierung in sich vereinigen; weiters abermalige Spaltung des gesetzgebenden Körpers in zwei Kammern, die hemmende "am Alten haltende Prinzip der Schwere in den erblichen Pairs und der hohen Geistlichkeit" "und dem andern immer beweglichen, zum Neuen geneigten Prinzip der Unruhe in den Volksrepräsentanten, welche ein preußischer Schriftsteller über diesen Gegenstand, um für jene anstößige Benennung doch einen anständigeren Titel zu finden, recht charakteristisch Neuerungsräte zu nennen vorschlägt." "Endlich wird der Akt des Gesetzproduzierens selbst, als die eigentliche Lebensfunktion in dieser allesregierenden Gesetzesmaschine, und Verordnungsfabrik, als welche man den Staat betrachtet, in seine verschiedene Momente zerlegt und unter die schon gesonderten Gewalten von neuem verteilt; zuerst kommt die vorbereitende Erregung, oder Initiative, dann die Diskussion und Debatten, als der eigentliche Gebärungsprozeß der neuen Gesetzesfrucht, und endlich die Geburt selbst, oder die letzte Sanktion, oder falls die Inititative von der andern Seite gekommen und es eine Mißgeburt gewesen, das schließliche Veto." Voraussetzung, | (532) die selbst schon "allerhöchste Erkrankung des gesamten Staatskörpers in sich schließt": daß "die absolut gewordene Staatsgewalt als etwas durchaus Widerwärtiges, überall Drückendes und immer Gefahrvolles, ja beinah als ein reines, obwohl unvermeidliches Übel betrachtet." unbegrenztes Mißtrauen gg jedes Element des Staatskörpers: Regenten, Minister, Magnaten, Unruhe des dritten Standes, daher jedemein hemmendes Gegengewicht angehängt -vgl Physik, Heilkunde; entstand in GB nach Heinrich8 Grausamkeit und Bürgerkriegen "als in jener Epoche, welche die Engländer mit dem eigentlichen Namen, der allein bei ihnen eine gute Nebenbedeutung hat, die Revolution nennen" auch wenn alten Keime zur Anarchie und Bürgerkrieg noch nicht erloschen; "es ist jene so kunstreich dynamisch abgewogene Verfassung selbst nichts anders als eine immerwährend am Ausbruche verhinderte Revolution, eine fixierte Unruhe" so wie einige Physiologen das Gehen als fortgesetztes aber gehemmtes Fallen sehen, das Leben als angehaltenes Sterben | betrachtet haben; Opposition gg Regierung wurde hier aufgenommen und dadurch weniger schädlich gemacht, wie man in Heilkunde epidemisches Übel wenn unvermeidlich, freiwillig in Organisation aufnimmt; "das moderne Konstitutionswesen" "als eine Art von politischer Schutzpocken und freiwilliger Staats- und Völkervaccine", dort wo es nichts nützt, mit Schwert dreinzuschlagen; Wo aber nicht Bedürfnis wie in GB vorhanden, sondern Sehnsucht nach zwei Kammern "aus der Theorie und chimärischer Nachahmungssucht hervorgeht" ist es "das reine Vergnügen an dem frei geäußerten Oppositionsgefühl, wozu der Hang dem Menschen ganz natürlich und eingeboren ist"; dies ist "etwas rein Negatives", beruht "auf lauter Negationen"; Liberale erkennen also das organisch Lebendig und Positive nicht; Ultras gehen zwar vom Positiven aus, verwandeln es aber durch absolute und leidenschaftliche Behandlung | in etwas Negatives.


*{Zweiter Teil} (534)

eigentliche Problem des Zeitalters noch in anderen als politischen Sphäre; Letzte Epoche: nach Revolution von unten, oben nun "Revolution aus der Mitte heraus"; "plötzliche Staatsauflösung" in EU seit Beginn 1820, bedroht EU mit furchtbaren Krisis; | "plötzliche Anarchie und unerwartete Revolution"; Konstitutionswesen, das Mitte zwischen Republik und Monarchie war, zeigt sich auch als gefahrvolles Schwanken zwischen beiden; Zustand von D ist beruhigt; | IT und D "immer noch so viel Verwandschaft"; "Verwerfung und Vernichtung alles historisch Begründeten (..) nichts Bestehendes zu achten wissen, indem sie den ganzen Körper der bürgerlichen Gesellschaft erst in seine einzelnen Staatsatome oder Individuen zerschlagen, und diese Atome dann in Masse bald nach dieser, bald nach jener Richtung in Bewegung setzen"; "Rettung (..) aus dem Revolutionsstrudel" nur, wenn man ans Lokale und Positive, dh Stände und Korporationen anschließt; "Vernachlässigung (..) des historisch Gegebenen" muß schon früher begonnen haben; das wahre Neue kann nur aus wahren Alten kommen; | wenn mal "der Zusammenhang der organischen Entwicklung einmal unterbrochen ward" "zwar wohl, wenn der Lauf der Zeiten so weit gediehen ist, der Grund und Boden für eine neue Ordnung der Dinge vorbereitet werden kann" aber nicht Anfang zu dieser gegeben; "Wenn aber der Faden der Vergangenheit einmal abgerissen ist, so wird die Gegenwart (...) rettungslos dahingegeben."; Wären in SP alten Cortes nicht vernachlässigt worden, dann hätte Versammlung in Cadix sich nicht in halbrepublikanische Neuerungen verirren können; Nun Frage, was geschen wird und geschehen soll: | aber nicht als praktischen Vorschlag für den einzelnen Fall mißdeuten; uns gehts "nur um jenen Zusammenhang des Ganzen und eine rein intellektuelle Erörterung und Erklärung des Zeitalters"; Nähere Betrachtung des Verhältnisses des Staatsmit anderen "durch alle Zeiten hindurchgehenden wesentlichen Korporationen: Familie, Kirche, "dann zur Gilde, wenn es anders erlaubt ist, alle Arten von Gewerbe, Verkehr und Handel, die an dem Faden des Geldes, und durch die Bande des Kredits durch alle Weltteile und einzelne Staaten hindurch zusammenhängen, mit diesem gemeinsamen Ausdrucke zu bezeichnen; endlich auch zur Schule, worunter wir den Inbegriff des gesamten intellektuellen Lebens, und nicht bloß die gegenwärtige Gelehrten-Republik verstehen, sondern auch den Stufengang der wissenschaftlichen Überlieferung von der Vorwelt aus in die Nachwelt hinüber." -"Diese Theorie der ewigen und wesentlichen, ursprünglichen Korporationen, der Kirche und Schule, der Familie und Gilde" wirft beste Licht auf Wesen und Zweck des Staats; | (539) das lebendige Positive ist das gute Prinzip im "Kampf des Zeitalters"; die richtige Verfahrensweise ist die organische: "jene verschiedene Gesellschaftsformen und Arten, oder Abteilungen und Sphären des Menschenvereins, wie die Glieder und Organe des menschlichen Körpers, gegenseitig nicht hemmen und stören, sondern (...) unterstützen (...) sollen"; "Organisch aber ist (...) das lebendig Gegliederte; ein organisches Wirken und Verfahren also ein solches, welches in dem gegliederten Zusammenhange und Einklange des Lebens sich bewegt, entwickelt und fortschreitet; es steht entgegen einesteils dem atomistischen Zustande, und andrerseits allem Wirken und Verfahren in masse." -Wesen des revolutionären Beginnens ist, Staatskörper in Atome zu zerschlagen, und dann "mit diesen einzelnen Atomen in Masse dynamisch, d.h. nach einem bloßen Gegengewicht der Kräfte zu wirken." -unserem Zeitalter fehlts an organischem Verstand; auch in WISS; durch krankhaften | Zustand des Zeitalters gibt es zwei Klassen von selbstberufenen Weltverbesserern: die einen möchten Welt grundsätzlich anders einrichten, sind Anhänger der Revolution; auch unter Gegnern der Revolution, die die Staaten und die Welt fester Gründen möchten auf Religion und Gehorsam gg Autorität in Staat, Kirche, im Haus und in Schule, gibts solche, die Welt nach ihren Sinn entwerfen wollen; es gibt auch das reine Kämpfen gg alles Schlechte; Läßt sich Gehorsam mit Worten machen, | erzwingen? Wissen Kämpfer, wofür sie kämpfen? eigener Boden muß bebaut werden; | "Kampf ins Blaue" ist leere Tätigkeit wie "Gedankenstaaten in die Luft zu bauen"; -hier wieder Ggsatz der Ultras und Liberalen, sehr stark in FR; schwierige Lage einer Regierung, wie in FR, die "bloß passive" Mitte zwischen den beiden ist, "nur eine dritte gemäßigte Partei"; Regierung sollte "aktive Mitte" sein; |
*"Eine Regierung, (543) welche das moralisch geordnete Privatleben auf jede Weise ehrt und schont, welche die Familie und Ehe, das Hausrecht des Bürgers und rechtlichen Eigentümers heilig hält; welche der Kirche in ihrer inneren Verwaltung und Entwicklung, wie dem Gewissen in Glaubenssachen, volle Freiheit gestattet, und alle rechtmäßig bestehenden geistlichen Korporationen in ihrem nützlichen Wirken auf keine Weise hemmt; (...) wenn sie dabei noch Achtung vor der Wissenschaft an den Tag legt, und der Gelehrtenrepublik durch würdige Institute, die dem Staat eigentlich verhältnismäßig so wenig kosten, zu Hilfe kommt; wenn sie Handel und Gewerbe, nach dem alten Sprichworte, nur gewähren läßt, soweit es das Interesse der andern Stände gestattet; eine solche Regierung wird gewiß nie etwas von Revolutionen zu fürchten haben, wenn auch rings um sie her alles in Anarchie zerfiele."; die Parteien | soll der Staat zurückdrücken, sobald sie den Frieden stören; er sollte sie "als bloße Meinungsparteien" ihrer Nichtigkeit überlassen; Parteienstreit zumeist "Kampf zwischen Unverstand und Unverstand", va in FR; in D Parteien anders; hier bilden Liberale eine Partei; zu erkennen an Haß gg alles Positive und Kirchliche in Religion, Unkenntnis der D Geschichte, "ausländischen Oberflächlichkeit ihrer Ideen, die mehrenteils aus französischen Modezeitschriften, oder aus dem englischen Konstitutionswesen entlehnt sind"; "mehrenteils | undeutsche Partei"; Irrtum auch bei Gutgesinnten: "indem sie alles zu zentralisieren streben, und die Korporationen, wenn es anginge, ganz verschmelzen und aufheben möchten"; wenige anerkennen korporative Grundsätze und "wahre ständische Theorie", sollten in welthistorischen Umfang aufgefaßt werden; falsche WISS ist in Staatstheorie und Praxis gedrungen; | "Gegner wie die Anhänger der Revolution (...) haben (...) ganz denselben und gleichen Begriff vom Staat und seinem Zwecke, als sei er eine alles dirigierende, und alles regierende Gesetzesmaschine, deren souveräne Gewalt alles Göttliche und Menschliche unter sich beugen, an sich und in sich ziehen, in ihrem absoluten Mittelpunkt vereinigen und verschmelzen, und von da aus wieder bestimmen, leiten, führen, lenken soll; und die umso vollkommner sei, je mehr alles Leben numerisch verzeichnet, alle Menschenkraft tabellarisch geordnet und eingetragen, nach dem gleichen Takt kunstreicher Zentralverwaltung sich ununterbrochen fortbewege. Daß dieses Ideal einer nie stillstehenden Gesetzesmaschine nun, streng genommen, ganz unerreichbar bleiben muß, mithin schon in dieser Hinsicht ein falsches zu nennen ist, wird kaum zu erörtern nötig sein, da es wohl einleuchtend ist, daß eine allzu künstlich komplizierte Maschine endlich auf den Punkt gelangt, wo sie sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen kan, und das Leben völlig gehemmt wird." dies negativer, falscher Begriff von Staat; "viel einfachere Idee (..) wenn wir das Faktum des Staats und seines Ursprungs rein historisch in der ersten Geschichte auffassen; und nach dieser ist der Staat nichts anders als eine bewaffnete Friedens-Korporation"; auch falsche Meinung, daß Staat nicht von Wunsch und Zweck des Friedens, sondern von Krieg und Gewalt ausgegangen ist; | Staat sei Erfindung von Nimrod; dann wäre Staat reines Übel, Leviathan, der wie böser Dämon durch Drama der WeltHI zieht; der wahre Staat ist aber Gganstalt gg Nimrod; Voltaires glücklicher Soldat oder Staat des Nimrod wäre Anti-Staat zu nennen; Leviathan zieht sich "gleich einem schwarzen Faden (..) durch alle großen Staaten der Weltgeschichte" wie Gift der Krankheit in gesunden Organisation; böses Prinzip im Staat, daß der wahre Staat überwinden soll; wenn dieser nicht dazu geeignet wäre Naturzustand vorzuziehen; Patrimonialherrschaft, von der alles ausging kann noch nicht als Staat | bezeichnet werden (548); "es ist noch ganz Natur, der Staat ist hier noch in seine Grundlage und Basis, die Familie, versenkt, die anfangs zugleich auch Staat ist, bis dieser sich später von jener Basis als ein eigentümliches Institut loswickelt"; Veranlassung dazu ist die erste Gewalttat, der Anti-Staat; von Verteidigung dagg entstehen verschiedene Staatsformen: Monarchie (wenn Patrimonialherr an Spitze der Verteidigung), Republik (wenn mehrere von gleicher Macht), Aristokratie; "Was Gewerbe, Städte und Handel Demokratisches hinzufügen, ist ein viel späteres Element"; *Vgl mit anderen Korporationen: Staat strebt nach Frieden: was für Staat innerer Frieden, gehört für Kirche zum äußeren Frieden; denn innerer Frieden kann nur durch Religion in Gemüter der Menschen kommen; "und die Kirche ist eben die zur Hervorbringung, Aufrechterhaltung und immer höhern Befestigung und Ausbreitung dieses innern Friedens von dem obersten Monarchen eingesetzte und angeordnete Korporation"; beiden Institute daher verschieden, | dürfen nicht vermischt werden; Kirche kann keine bewaffnete Korporation gleich dem Staat sein; hat keine Waffe außer "Entziehung jenes innern Guts und Segens, zu welchem ihr Gott die Kraft und Weihe gegeben hat, oder die Ausschließung davon"; wenn sich Weihe der Religion auch auf Ehe erstreckt, dann ist Familie glztg als "göttlich-menschliches Institut" zu betrachten; muß aber erinnert werden, daß Staat ebf auf Familiengewalt gründet, "damit er (..) jenes Familienband immer heilig halte, welches der Inbegriff und die Blüte von allem, was das Leben köstlich macht und ihm einen Wert gibt, (..) so wie die Schule das intellektuelle Leben der Menschheit enthalten soll, und wie die Gilde alle Mittel zur Bereicherung und | Verschönerung des materiellen Lebens herbeiführt." -diese Güter hätten keinen Wert ohne inneren Frieden durch Religion sowie durch Staat garantierten äußeren Frieden; falschem Staat gehts nur um Steigerung der absoluten Gewalt, Erweiterung der materiellen Kraft; schwer, sich vor Anfängen zu hüten, da in Kriegslust etwas Ansteckendes steckt; eine Macht, die absolut auf Krieg ausgerichtet ist, verfällt aber bald in Meinung der Menschheit; | Bsp L14, der von FR-Ultras als Modell einer legitimen Herrschaft betrachtet wird: war gg Völkerrecht und Religion; | Eroberungssucht der falschen Staaten kann sich auch gg innen richten "und in den Mittelpunkt ihrer absoluten Allgewalt zu zentralisieren sucht, nach dem Ideal jener oben schon hinreichend geschilderten Gesetzesmaschine"; | Stände wichtig

{Dritter Teil}

*(553) Kampf des Zeitalters kann nicht durch materielle Mittel allein gelöst werden, es bedarf einer höhern Lösung von oben, Emporsprößling des Tages hat es Alexander gleich vergeblich versucht; "Europa hat dieses trügliche Phantom falscher Größe von sich gestoßen"; es wäre "neuer Gottesfriede" nötig wie im MA; bis ein solcher durch einen der das vermag aufgestellt wird und "Wort dieses Friedens, wie ein Gesetz des Lichts, in der chaotischen Finsternis für ganz Europa wiedergefunden (.) ist" soll sich D "als das Herz von Europa" bewähren; | nach falschem und negativen Begriff vom Staat besteht dessen Zweck "in der Sicherung des Eigentums und der Personen", dies in vielen Lehrbüchern zu finden; richtige Auffassung von Staat, Kirche, Schule | und Gilde nötig; in ihrem Verhältnis untereiander wie zum "christlich begründeten Privatleben, wie es auf dem Heiligtum der Ehe beruht und in der Familie uns den Anfang und gemeinsamen Urgrund aller andern gesellschaftlichen Vereine und Verbindungsformen darbietet." Zusfasg: *Parteienkampf beruht in negativ aufgefaßten Wesen des Staats, nach bloß abstrakten Begriff desselben; "genialischer Schriftsteller" Görres, Kritik an ihm: nach ihm erstes Verhältnis der Parteien: Ggsatz beharrlicher Grundbesitz und beweglicher Geldinteresse (Ultra-Liberale), von beiden | Parteien muß im besten Sinne gedacht werden: Ultras nicht als Feinde des Neuen, sondern als Aufrechterhalter der Grundsätze; Liberale jene, welche die neuen Interessen vertreten und mit alten Rechten vereinbaren möchten; so reduziert sich Ggsatz zwischen Grund und Geldbesitz; Parteienkampf als "politische Krankheit" zu betrachten; wenn Streit aus Sphäre des Raums in Sphäre der Zeit hinaustritt, wie Görres | es nennt, so ist erster Schritt zur Aussöhnung geschehen *Das Positive allein ist einzige Mittel zur friedlichen Ausgleichung der Parteien: Problem, daß Streit nicht ins historische Gebiet geführt wurde, sondern in jene von Görres ungenügend bezeichnete geistige Sphäre bzw Rechtsgebiet; -ist nicht das wahre Recht, sondern das tote Vernunft und Buchstaben-| recht (558) "dieses ist, wie der Buchstabe überall tötet, das eigentlich zerstörende Element des politischen Lebens"; hier keine Besserung mehr möglich, Liberale werden zu umstürzlerischen Radikalen; Servilen zu Durchsetzern der absoluten Gewalt; "Kampf auf Tod und Leben", "das Absolute sei jetzt in die Geschichte eingetreten"; wenn man Fruede Ordnung und Recht erhalten will, muß man zu Quellen zurückführen; oft | dagg Einwand, man müsse zuerst mal mit Anarchie fertig werden, bevor dazu Zeit; "bei jener Maxime der Zögerung eine ganz falsche Zeitberechnung der jetzigen Welthistorie zum Grunde"; historische Begründung der Parteien ist nur Anfang, Mut des Verfassers, daß neuer höherer Religionsfrieden nötig; | getadelt an ihm muß werden, daß er nucht zur Klarheit gelangen kann, daß er den Zwiespalt auch in höhere Religion selbst führen will; der feindliche Gegensatz zwischen Glauben und Wissen ist kein natürlicher, sondern eine protestantische Trennung *Friede und Einheit des Staats läßt sich nur in organischen Zushang zu Kriche und Schule im Einklang mit dem Positiven des Glaubens und des Wissens verstehen: | alte fatale Mischung, die Prophet an Fußzehen seines welthistorischen Traumbilds beschreibt; "rohe Militärgewalt und der trockne repräsentative Schein" sind unerfreulichen Elemente des jetzigen Lebens "nachdem die Weltgeschichte einmal an das Fußgestell des Völker-Riesen angelangt ist"
*Blick auf jene, "welche die Wahrheit gegen den revolutionären Strudel und Andrang der Zeit aufrechterhalten": Burke "starker Damm" gg Rev Irrtümer; Gentz klassisch für 1792-1806; er baut auf das Positive der friedlichen Grundsätze | des diplomatischen Völkerrechts, wie in Friedensschlüssen des 18.Jh; "Abbild" von der "Geisteskultur des achtzehnten Jahrhunderts"; Bonald: Idee des christlichen Staats in monarchischer Verfassung; von Adam Müller "mit glänzendem dialektischen Talent" entfaltet; aber: "besonders in den frühern Schriften dem dynamischen Spiel der Gegensätze und Gegengewichte in der Organisation des Staats noch zu viel Raum gegeben, dagegen dann die historische Grundlegung und das geschichtlich Positive (..) weniger zureichend berücksichtigt worden ist"; Auf dieses geschichtlich Positive ist Hallers Bestreben in seinem Restaurationswerk gerichtet gewesen: es behandelte das Positibe zunächst fest historisch, rein faktisch, völlig gleich; als er zum Institut der Kirche kam, wurde ihm Erkenntnis des göttlich Positiven teil; Görres schwankt zwischen korporativen Grundsätzen und | repräsentativen Schein, dem er zu sehr anhängt; seine Schilderung der Zeit 1810-1820 aber meisterhaft; "geistvollsten unter den Deutschen Doktrinärs"; Maistre wäre unter Wiederherstellern des christlichen Staatsbegriffs der erste, wenn nicht historische Begründung so fehlerhaft behandelt wäre; er erkennt die Idee des D Kaisertums nicht; faß die katholische WISS zu furchtsam an; "unbrauchbare (..) Ultragedanken".
*"eigne Theorie": (563) das abstrakte Recht "nichtige und illusorische Grundlage für den Staat"; | historische Begründung des christlichen Staats muß Kirche und Schule in Betrachtziehen und va "in ihrem gegenseitigen Verhältnis und organischen Zusammenhang" erkennen; darin fehlts in "Staatstheorie"; Ausnahme, wenn in Staatstheorien Gilde "das heißt der Welthandel und das Geldverhältnis" betrachtet werden; wir leiden an "doppelten Zwiespalt": Staat-Gilde sowie Kirche-Schule arbeiten tw feindlich ggeinander: Zwiespalt zwischen "mehr als jemals zu einer selbständigen Macht erwachsenen Gilde" und "dem alten auf Ackerbau und Adel gründenden monarchischen Staat" kann nicht durch Theorie | ausgeglichen werden sondern nur durch welthistorische Entwicklung; daher andere Seite betrachtet ob aus "eigentlich gevierteilten Zustande der Zeit" herauszukommen in "friedliche Lebensordnung, beruhend auf der dreifachen Gewalt und Wirkung einer wohlgeordneten und billigen Staatsgerechtigkeit, eines unerschütterlichen, allgemeinen religiösen Friedens und einer mit diesen harmonisch zusammenwirkenden intellektuellen Bildung": Bei christlichem Staat gehts nicht um Durchsetzung einer Staatsreligion, sondern daß Maximen und Prinzipen des Staats christlich sind; selbst ein weise eingerichteter heidnischer Staat kann christlich genannt werden; andererseits christliche Staaten | die unchristlich; | "I, Der christliche Staat ist ein Staat ohne Sklaven, und wo die Ehe als etwas Heiliges betrachtet und behandelt wird." Dienstpflicht und Hörigkeit keine Sklaverei da das Christentum "das menschliche Gemeinwesen auf Gehorsam gründet"; Negerhandel zumeist schon als Übel erkannt; | (568) plötzliche Abschaffung eines alten Übels kann eigene Gefahren herbeiführen und neues Unrecht veranlassen; aber: Knechtschaft ist streitend mit christlichen Würde des Menschen, Mensch trägt Ebenbild Gottes an sich; Dienstpflichtigkeit streitet nicht damit, aber für Lokalfall zu überlegen wie sie nach christlichen Gerechtigkeit eingerichtet werden kann, nie aber in abstrakter Allgemeinheit; asiatischer Kastenstaat in Indien | ist unabhängig von Sklaven-Staat zu betrachten; erbliche Priesterwürde unvereinbar mit christlicher Freiheit und Berufung zum Priestertum unabhängig von Stand; auch forterbende Verwerfung ganzer Geschlechter bzw Dasein der Parias nicht zu rechtfertigen; "da man in christlichen Staaten vielmehr die wahrscheinlichen Sprößlinge jener Unglücklichen, oder sonst verwilderten Zigeunerhorden, durch alle Mittel in die bürgerliche Ordnung und gesittete Menschengemeinschaft wieder einzuimpfen bemüht war."; Erblichkeit von Krieger und Adelskaste wie von Gewerbe unbedenklich; auch Heilighaltung der Ehe beruht auf selben Grund (Menschenwürde), da Polygamie das andere Geschlecht um gebührende Stelle im Leben, Würde in Gesellschaft bringt und bürgerliches Privatleben vernichtet, das nur auf frei und würdig geordneten Zusammenwirken der Familienglieder | beruhen kann; vergiftet Erziehung, "treibt das despotisch alleinherrschende Männergeschlecht ebenfalls in eine rettungslos moralische Verwilderung"; mahomedanische Staaten tragen am meisten das unchristliche Gepräge und Fluch der Barbarei; selbst in Antike vortreffliche Gesetze über Ehe, wenn auch zB in Rom Leichtigkeit von schnellen Scheidungen; | durch Scheidungsmöglichkeit bei Protestanten wird Heilighaltung der Ehe aber nicht aufgehoben solange sie Ausnahme ist; gg Ultraschriftsteller, die Thron mit Altar verschmelzen wollen: Ehe ist Sakrament, Staat aber nicht; nach Evangelium ist Staat von Gott, Ehe aber heilig; Staat zu Kirche und Schule: | *"II. Der christliche Staat hat vermöge seiner positiven Natur eine entschieden friedliche Tendenz; und die christliche Gerechtigkeit ist jederzeit zugleich auch auf ein System der Billigkeit gegründet.": Unterscheidung Recht-Billigkeit; Billigkeit ist höhere Art von Recht; Zweck heiligt nicht Mittel; Zweck des Staats ist innere und äußere materielle Frieden; Gerechtigkeit istwesentliche Grundlage des Friedens, also Mittel zum Zweck, nicht dieser selbst; geht um menschliche, unvollkommene Gerechtigkeit, nicht göttliche, wäre gefährlichster Mißgriff in Staatstheorie; "der alltägliche Prozeß über das Mein und Dein, der im menschlichen Leben nie ein Ende nimmt, und demselben wie ein alter Familien-Fluch, oder wie ein erblicher Krankheitsstoff, unauflöslich einverwebt zu sein scheint"; abstrakter Begriff von Staat führt auf Idee des strengen und absoluten Rechts, "welches auf dem | (573) Buchstaben des Gesetzes beruht, und welches auf die großen Weltverhältnisse angewandt, nur eine allgemeine Zerstörung, oder einen ewigen Krieg aller gegen alle herbeiführen würde" da jeder Krieg notwendig Krieg auf Tod und Leben sein würde, der nur mit Vernichtung oder Einverleibung des einen Teils enden könnte; übliche Friedensbasis wie Uti possidetis, Status quo oder Normaljahr ist ohne Nachlassen von absoluten Rechtsforderung undenkbar; solche Entscheidungen beruhen nicht auf absolutem Recht, sondern auf Bedürfnis und billigen Ausgleichung; dem von absoluten Geist beseelten Staat gehts nach außen um Eroberung, nach innen um revolutionäre Gleichheit; "Der dynamische Staat ist nichts anders, als der in seinem revolutionären Zerstörungslaufe künstlich angehaltne und durch allerlei Gegengewichte irgendeiner Konstitution gebundne absolute Staat."; | Krieg zuweilen als heilsamer Ableiter für Zwiespalt der inneren Bewegung gesucht; gilt auch für rein negativen Staat, der ebf wie dynamischer eine Art des in Schranken gehaltenen absoluten Staats ist, zuweilen wenn Macht wächst in diesen übergeht; nur christlicher Staat hat friedliche Tendenz; Friede das Ziel, Gerechtigkeit die Grundlage; -aber kein Nachgeben gg Feind und Unrecht; "wahre und gerechte Krieg" notwendig, im Staat gg zerstörendes und antichristliches Beginnen "mit dem Schwerte der Gerechtigkeit" | bekämpfen; "jede im Finstern schleichende, antichristliche Verbündung (..) vernichten"; in unserm Zeitalter fehlt es an rechten Nachgiebigkeit und gerechten Strenge; weder in diesen noch in neutraler Mäßigung liegt Heil; "Nicht an den Enden und Extremen, und nicht in der Mitte liegt die Lösung des großen Problems, sondern einzig und allein in der Tiefe, und in der Höhe:" in Tiefe in positiven Begründung des Staats, in Höhe oder im Licht des Glaubens; Daß christl Staat positiv, folgt aus evangelischen Gesetz des Gehorms gg bestehende Obrigkeit, "als welche überall von Gott angeordnet sei"; Einschränkung; wenn solches nicht dem göttlichen Gebot zuwiderlaufe; | dh Christentum geht in Lehre vom bürgerlichen Leben nicht von selbsterdachten Begriff des Staats aus, sondern von faktisch bestehenden Obrigkeit; egal ob Staat monarchische oder republikanische Verfassung {(Anm1) Republiken sind Ausnahme; aber FR Ultraschriftsteller überschreiten in ihrer Ineinssetzung von christl Staat und und monarchischer Verfassung Grenze; CH und Nordamerika gehört schließlich zu Christentum}; auch keine Ausnahme für den Fall, wo obrigkeitliche Macht mit Härte und Ungerechtigkeit verwaltet wird; auch nicht so zu verstehen, daß erst Untersuchung erfolgen sollte, ob faktisch bestehende Staatsgewalt legitimen Ursprung hat; evangeliche Lehren zu einer Zeit gegeben, als römischer Weltherrschaft, die auf Eroberung gegründet war; "Nur soll gegen die einmal bestehende Staatsgewalt nicht immer | (577) von neuem wieder untersucht werden, inwiefern sie nach dem ganzen Umfang ihres gegenwärtigen Besitzes, ehedem und ursprünglich auch wohl rechtmäßig erworben sein möge, oder nicht;" ähnlich auch im bürgerlichen Privatrecht, daß neues Gesetz keine rückwirkende Kraft haben soll; sonst wäre keine bürgerliche und politische Ordnung denkbar, nur Anarchie; das strenge Recht kennt keine Verjährung, "nach jenem bekannten Weltspruch: Tausend Jahre Unrecht ist keine Stunde Recht;" führt zu Krieg, während das evangelische Gesetz von bürgerlichen Gehorsam gg Obrigkeit zugleich Unterordnung der Obrigkeit unter Gott enthält; | "Gewissen, d.h. den Gehorsam gegen Gott"; ist nicht der Willkür oder Phantasie jedes einzelnen überlassen zu entscheiden, wo Fall eintritt daß man Gott mehr gehorchen müse als den Menschen, würde zu Verwirrung und Anarchie führen; auch Erlöser hat Bsp des Gehorsams bis zum Tod gegeben; erfordert von Gott eingesetzte Kirche; [vermischen]; | Religionskriege können nicht als Einwurf gg friedliche Tendenz des christlichen Staats geltend gemacht werden, wurde historisch so gründlich beleuchtet, "das Christentum desfals von allem Vorwurfe freizusprechen"; Karl der Große gg Sachsen: war Nationalkrieg, in dem Christianisierung der Sachsen als Mittel eingesetzt wurde; Kampf des christlichen Mittelalters gg Sarazenen ist bis zur Belagerung von Wien als Reihe von Begebenheiten zu sehen, da nach älterem christlichen Völkerrecht mit Erbfeinden der Christenheit | kein Frieden zu schließen war; türkische Macht nun friedlicher, in das christliche Staatensystem eingereiht; war "unvermeidlichen Vermeidungskrieg", da bei Arabern zerstörende Eroberungsprinzip in Religion begründet; bei Verteidigung ist auch in Offensive zu gehen; Kreuzzüge und Eroberung Jerusalems also "Charakter eines Verteidigungs-Krieges" "notwendig und gerecht"; neuere Religionskriege entsprangen nicht christlichen Staatsverfassung sondern deren Verfall; 30jg Krieg "ein sehr unchristliches Trauerspiel" aber Westfälischer Friede "ein heller Moment"; | (581) Ggsatz strenges Recht und Recht der Billigkeit wichtigste Problem der WISS von Jurisprudenz: strenge Recht ist das abstrakte, ohne Rücksicht auf Nebenumstände hergeleitete absolute Recht; Recht der Billigkeit nimmt auf Nebenumstände Rücksicht; diese werden nicht "nach einem bloßen Gefühlseindruck menschlicher Teilnahme, oder sonstigen Mitleidens" sondern nach rechtlichen Gesinnung die mehr umfaßt als "der bloß enge Begriff des Rechts, und der starre Buchstabe des Gesetzes"; "es ist das historische, auf dem faktischen Bestand, den eigentümlichen Sitten und Lokalverhältnissen, positiv beruhende, und geschichtlich daraus hervorgegangene Recht;"; die Billigkeit oder wesentliche Liebe ist ewig; Rechte und Gesetze der Menschen sind vergänglich; in Gott ist Gnade wesentlicher als Gerechtigkeit; | Geduld und Milde gg die Schlechten, da sie als Irrende zu betrachten sind; das germanische Recht ist va "ein solches geschichtlich positives und historisches Recht des Herkommens gewesen"; im römischen Recht Geist des strengen Rechts vorwaltend; "mit den Ballen ihrer Spitzfindigkeit und abstrakten Spinnewebe beladenen Kamele des Kaiser Justinian" (byzantinisches Recht) brachten EU kein Heil; | Verwandschaft zwischen germanischem Recht und christlichen Staat! *"III. Der christliche Staat, erkennt das rechtliche Dasein der Korporationen an, und beruht selbst auf ihrem organischen Zusammenwirken." Oberflächlich manchmal bestimmte Institute verwechselt; gilt besonders von "ständischen Einrichtung, | welche auf den ewigen, und wesentlich, oder doch geschichtlich begründeten und rechtlich bestehenden Korporationen beruht, und von der repräsentativen Verfassung, welche nichts ist, als die fixierte Unruhe, die angehaltne Revolution, der gebundne absolute Staat"; Ähnlichkeit darauf beschränkt, daß Versammlungen von Deputierten stattfinden, Petitionen an Thron gelangen; repräsentative Verfassung hat aber nur mit Begriff der exekutiven Macht zu tun, beruht | (585) nicht auf Würde eines wirklichen Königs; sowie gesetzgebende Macht in zwei Hälften (bwegliche und erhaltende Pairskammer) zerlegt ist, wird Prinzip der Teilung auch auf exekutive Macht angewandt (Minister-nur mehr formelle Würde des Souveräns, die "nur ein leerer Zierrat" ist, kann wie in Nordamerika ebensogut gewählter Präsident sein); in wahrer Ständeverfassung "ein König, der es wirklich ist"; ohne diesen würde Adelsaristokratie, im Weltlichen herrschende geistliche Macht oder republikanischen Städteregiment dominant; im Bsp des D-Kaisertums Auflösung in alle drei Richtungen; | wenn man deutsche Stände-Verfassung wiederherstellen möchte, zweierlei zu beachten: 1.Einteilung in zwei Kammern ist dieser fremd; 2.in Ständen soll keineswegs bloß das Steuer bezahlende Eigentum (bewegliche des Gelds oder erblich feste des Grundeigentums) "repräsentiert" werden (dies wäre repr Verfassung), sondern Stände selbst, dh auch geistlicher Stand und gelehrter Stand; "beweglichen und unbeweglichen Eigentums"; Einheit der Versammlung soll aber nicht aufgehoben werden; | Erfahrung lehrt, daß neue organische Staatseinrichtungen fast nie in Buchstaben der ersten Abfassung stehenbleiben; | Merkmal des christlichen Staats nicht "chemisch auflösenden Teilung" in exekutive und gesetzgebende Gewalt, sondern "ewige Scheidung" der weltlichen und geistlichen Macht; Vgl mit Kalifat; | Idee des Papstes; Welfen waren besseren Liberalen des MA; Entartung der jetzigen Liberale; | (590) in protestantischen Staaten ist das kirchliche Element zu schwach entwickelt; kein Einwand dagg, daß furchtbarste Revolutionsausbrüche in letzten Zeit gerade in katholischen Ländern stattgefunden haben: dies geschah, weil dort Institutionen verfallen und entartet waren; "Je höher und reiner die Stufe in der moralischen Ordnung der Dinge gewesen, auf welcher man gestanden war, je tiefer ist der Abfall, je grauenvoller die Entartung." | Erfahrung, daß ein Katholik, der ein schlechter Mensch geworden ist, dies in höheren Grad zu sein pflegt als ein Nichtkatholik; protestantische Staaten können sich aber "an die katholische Gediegenheit und gründliche Lebenseinrichtung" annähern; welthistorisch sowieso Augenblick nahe, wo Einheit wiederhergestellt werden muß; "historische Vermittlung" hat kaum was vermocht, ebenso wie "souveräne Verneinung"; | daher "positiven Verfahren einer religiösen Entscheidung" nötig; In protestantischen Staaten entsteht leichter Adelsaristokratie, die "das verworren demokratische Volkstum" veranlaßt, hier Verstärkung der kirchlichen Institute nötig. Bsp Kalifat: Verschmelzung geistliche und weltliche Macht, führt zu Despotie; | weitere Bsp (nicht "unfruchtbaren Gegensatz des leeren Begriffs"): GB: Staat und Gilde ineinander aufgegangen, Gilde fast souverän, sehr merkwürdig in WeltHI, das Gesellschaft von Kaufleuten von Insel aus ein Reich von 60 Millionen beherrscht; -Verschmelzung Staat und Gilde begründet das Wesen der Republik, genauer "der neuern Geld-Republik unsres auf bloßen Kredit gegründeten Zeitalters"; für Volksrepubliken des Altertums und der CH nicht anwendbar; Merkwürdigkeit wäre zu untersuchen, daß GB nicht vollkommen zu Republik wurde; China: einzig in WeltHI, wo wiss Bildung so allgemein; | (594) ist nicht bloß "geschlossener Handelsstaat" sondern auch als Gelehrtenstaat geschlossen; Ggbild zu EU | wo "unorganische Zustand entwickelt" wo Schule mal unter Kirche, mal unter Staat gestellt, mal selbständig "nirgend aber vollständig konstruiert und organisch gestaltet"; auch Schule sollte Korporation bilden, war Gedanke von Leibniz; | gelehrter Stand wurde abhängig von Geldinteresse, öffentlichen Meinung oder dem demokratischen Einfluß der Moden; alte Streitsuchte der Unis führte zu "lutherischen Schisma"; "Mißbrauch und Einfluß der verwilderten Schriftstellerei und Freimaurerei" zu FR Revolution; wie soll man das intellektuelle Leben organisch ordnen? Schule sollte als eigene Korporation selbständig fundiert werden; dazu wären veraltete Lehrinstitute aufzuheben, rechte Moment in D versäumt; auch Lösung dieses Problem wird von anderen und höhern Punkt ausgehen müssen.

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