Abschlussbericht über die Arbeiten am TWF Projekt „Spätantike/Frühmittelalter in Tirol - R. Heuberger (1884 – 1968)“
Roland Steinacher



1. Publikation einer ersten Biographie und wiss. Einordnung Heubergers

Gemeinsam mit Univ.Ass. Dr. Julia Hörmann wurde vom Projektleiter ein vierzigseitiger Beitrag zur Biographie und der wissenschaftlichen Arbeit Richard Heubergers aus althistorischer und mediävistischer Sicht im November und Dezember 2006 fertig gestellt. Dieser Beitrag wird in einem von Karel Hruza vom Institut für Mittelalterforschung der Österr. Akademie der Wissenschaften herauszugebenden Band „Österreichische Historiker/innen 1900–1945“ erscheinen. Das Manuskript wurde nach einer Überarbeitung durch den Projektmitarbeiter Ulrich Lobis eingereicht und wird in ca. vier Wochen zur Drucklegung gegeben. Sehr hilfreich erwies sich dabei das durch die Projektarbeit (siehe 3.) vollständig vorliegende Corpus der Arbeiten Heubergers. Ein Teil dieses Texts wird als Internetpublikation aufgearbeitet den online zugänglichen Texten Heubergers als Kommentar beigestellt sein.
Kooperiert wurde dabei erfolgreich mit dem Universitätsarchiv Innsbruck und dem Österr. Staatsarchiv in Wien. Der Aufsatz enthält eine kritische Biographie Heubergers in der neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit seine Nähe zum Nationalsozialismus von 1934 bis 1945 unter Einbeziehung von Archivmaterial aufgearbeitet wurde. Das Projekt ermöglichte es, die ausführliche kritische Biographie unter Zugrundelegung bisher kaum beachteten Archivmaterials (Österr. Staatsarchiv, Tiroler Landesarchiv, Universitätsarchiv Innsbruck) zu erarbeiten. Der Nachlass Richard Heubergers kann erst im Laufe des Jahres 2007 aufgearbeitet werden. Eine Verzögerung trat hier aus privaten Gründen bei der Familie Heuberger ein. Der Projektleiter, Hörmann und Rollinger stehen in intensivem Kontakt mit em. Univ. Prof. Helmut Heuberger in Salzburg.
Diese geleistete Arbeit stellt nun erstens eine wesentliche Grundlage für den nächsten Schritt einer umfangreicheren Bearbeitung der Thematik durch Hörmann, Steinacher und Rollinger (siehe 4.) dar und ist zweitens eine Diskussionsgrundlage mit Kolleginnen und Kollegen.

2. Aufarbeitung des Corpus, Digitalisierung

Gemeinsam mit den ProjektmitarbeiterInnenn wurden sämtliche Aufsätze, Rezensionen und Miszellen Heubergers mittels bibliographischer Recherche in der Universitätsbibliothek Innsbruck, der Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, der Österr. Nationalbibliothek, der Universitätsbibliothek Wien, der Bibliothek der Österr. Akademie der Wissenschaften und der Bayrischen Staatsbibliothek aufgefunden und verzeichnet. Die im Projekt erstellte Bibliographie wurde mit Siglen versehen, um eine geordnete Digitalisierung zu ermöglichen und in weiterer Folge ein Verweissystem zur Auffindung der digitalisierten Texte zu erstellen. Digitalisiert wurden ca. 1.900 Seiten wissenschaftlicher Literatur in unterschiedlicher Länge und drei Monographien.
Die Digitalisierung wurde in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Digitalisierung und elektronische Archivierung - DEA (Dr. Mühlberger) der Universitätsbibliothek Innsbruck durchgeführt. Die DEA verfügt über leistungsfähige Scanner und eine entsprechende Erfahrung. Nach dem Auffinden der Texte und der Vergabe einer Sigle wurde der Scan in den Räumen der DEA vorgenommen. Die Files konnten auf einen Serverplatz gelegt werden und so ohne Umstände weiter berbeitet werden. Weiters konnte mit dieser Vorgehensweise die Übersicht besser gewährleistet werden. Die eingescannten Texte wurden vom Projektleiter und dem Projektmitarbeiter Ulrich Lobis mittels Fine Reader 7.0. bzw. 8.0. eingelesen und Lesefehler eliminiert, was sich als teilweise sehr arbeitsintensiv erwies. Texte die in Fraktur gedruckt worden waren, was v.a. für Druckwerke bis zu den 1940er Jahren der Fall war, bedurften eines weiteren Arbeitsschrittes und mußten von Mitarbeitern der DEA eingelesen werden.
Das Endergebnis ist jeweils ein volltextdurchsuchbares Pdf, für dessen Korrektheit (v.a. im Bereich von Orts- Personennamen und Quellennennungen) im Projekt gesorgt werden konnte. Anstatt der Erstellung eines Index wurde nach ausführlichen Diskussionen und Überlegungen zugunsten der Volltextdurchsuchbarkeit entschieden, da diese eine noch bessere Erschließung in der beschränkten Bearbeitungszeit erwarten lässt.
Angestrebt wird, das gesamte Corpus durch den Server der Universitätsbibliothek Innsbruck im aleph-opac System kostenlos zugänglich zu machen und zwar sowohl die einzelnen Texte als auch ein komplett durchsuchbares mittels einer Hypertextoberfläche geordnetes „Gesamtfile“. Die Produktion einer CD-Rom mit dem gesamten Corpus ist aber ebenso möglich. Das wäre ein erstes Teilergebnis der Digitalisierung und Korrektur mit dem Effekt, dass international die Forschung zu Fragen der Spätantike und des Frühmittelalters in Tirol wesentlich erleichtert wäre. Ein Orientierungspunkt ist hierbei das amerikanische System JSTOR-The Scholarly Journal Archive (http://www.jstor.org/), wenn auch in nicht vergleichbarem Umfang.
Ein erster Testlauf wurde auf der Homepage des Projektleiters zugänglich gemacht. (http://homepage.uibk.ac.at/~c61705/Heuberger.html)
Die Veröffentlichung des gesamten Corpus liegt im letzten Schritt bei der DEA und der UBI und soll nach Zusage von dieser Seite im Herbst erfolgt sein.

3. Vorbereitung eines Sammelbandes

Ein weiteres Projektziel wären die wesentlichen Vorarbeiten für die Herausgabe eines Sammelbandes (ed. Hörmann, Rollinger, Steinacher unter Mitarbeit von Ulrich Lobis), der das Corpus durch eine forschungsgeschichtliche Einordnung und eine Zusammenfassung des Forschungsstandes zur spätantiken und frühmittelalterlichen Geschichte im Tiroler Raum wie weiterführende Überlegungen ergänzen könnte. Dieser würde ein Verzeichnis aller von Heuberger verwendeten Quellen wie Verweise auf die digitalisierten Texte an der UBI enthalten, insofern einen Clavis für die Ergebnisse der Digitalisierung darstellen. Ob nun eine Drucklegung aller oder ausgewählter Texte ebenso erscheinen oder nur eine digitalisierte Variante angeboten wird ist zur Zeit Gegenstand intensiver Diskussionen im Projektteam. Das Endergebnis der Projektarbeiten würde alle Varianten ermöglichen. Auch eine Kombination der verschiedenen Zugänge ist denkbar.
Der Projektleiter, Hörmann und Rollinger arbeiten an den genannten Texten für diesen Sammelband. Gespräche mit möglichen Verlagen und Geldgebern sind ebenso im Gange wie solche mit gewünschten Autor/innen: Irmtraut Heitmeier, Peter Haider, Herwig Wolfram und Karl-Heinz Dietz wurden bereits angefragt. Das Projekt soll schließlich Wissenschafter/innen aus der mittelalterlichen und Alten Geschichte eine Plattform geben, um sich auf Basis der Vorarbeiten Heubergers, oder diese kommentierend und ergänzend, konzentriert mit der Spätantike und dem frühen Mittelalter im heutigen Tiroler Raum auseinanderzusetzen. Da diese Epoche in der internationalen Forschung in den letzten Jahren verstärkt Beachtung erfährt, scheint es notwendig, sich auch regionalen Fragen zuzuwenden.



Innsbruck, 28.03.2007