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Thomas Posch
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Walter Nowotny

Quelle:

"Der Sonntag" vom 10. Januar 2016, S. 9

ZITAT ANFANG


Lichtverschmutzung und ihre spirituelle Dimension.
Auszug aus einem Interview mit Thomas Posch


Passen Naturwissenschaft und Gott zusammen?

Man muss das Wort 'zusammenpassen' noch einmal hinterfragen. Da kommen wir zu dem in der Philosophiegeschichte ganz wichtigen Begriff der Gottesbeweise. Denn es gibt einen Unterschied zwischen zusammenpassen, kompatibel sein, und einem zwingenden Schluss oder einem Beweis. Da muss man sagen, dass die naturwissenschaftliche Sicht der Welt, so wie ich sie verstehe, bestenfalls hinführen kann, auf diese - ich drücke es etwas blasphemisch aus - eine Hälfte Gottes, nämlich die geistige Struktur der Welt. Die Naturwissenschaften zeigen: Ja, es ist vernünftig, von der Welt als einem geordneten Ganzen zu sprechen. Es ist vernünftig, von der Welt als einem Strukturierten, durch mathematische Gesetze Beherrschten zu sprechen. Aber es ist eben nicht zwingend, von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auf einen personalen Gott zu schließen. Es ist im Gegenteil sogar dieser zweite Schritt, nälich von der Naturerfahrung hin zu einem personalen Gott, relativ schwierig. Deswegen ist es so, dass viele Menschen sich als Naturwissenschaftler schwer tun, einen transzendenten personalen Gott anzuerkennen.

Sie beschäftigen sich intensiv mit der Problematik der Lichtverschmutzung, was versteht man darunter?

Wir schätzen Licht sehr und können gar nicht genug davon bekommen. Wo soll also Licht zugleich so etwas wie Verschmutzung sein? Das hängt mit dem zeitlichen Rhythmus zusammen. Der Mensch braucht nicht nur das Licht, tagsüber oder in den Abendstunden, wenn er aktiv sein will - er braucht für seine Erholung und seine Ruhephasen auch die Dunkelheit. Darüber hinaus hat die Dunkelheit auch spirituelle Bedeutung im Sinne der Innerlichkeit, des Zurückgeworfenseins auf sich selbst, wo nicht so viele äußerliche Reize auf den Menschen einströmen, wie es alleine schon durch das Auge, den stärksten Sinn, gegeben ist. Wenn also die Dunkelheit wegfällt als Phase der Erholung, des Ausruhens, auch physiologisch gesehen, dann kommt einiges durcheinander. Man könnte auch sprechen von der Zerstörung der Nacht und der Ruhephasen des Menschen. Das heißt zwar nicht, die Nacht stockdunkel zu lassen, aber zumindest dezenter zu erhellen. Da gibt es Lichtdesigner, Stadtplaner, die das schon machen. Der Mainstream ist immer noch, auch in Ländern, die Europa nacheifern, wie Asien oder manche Länder Afrikas, ein Immer mehr an Beleuchtung, denn Licht wird immer billiger. Es gibt nur mehr Refugien auf der Erde, die nicht dauerbeleuchtet sind. So wird die Nacht zum Tag gemacht.


ZITAT ENDE