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International Dark-Sky Association (IDA) -- Information Sheet 24 (German)

Sicherheitsbeleuchtung: Wir wollen echte Sicherheit
statt schlechter Beleuchtung.

Eins der Hauptziele von Beleuchtungseinrichtungen ist es, nachts Sicherheit zu gewährleisten, sowohl zu Hause als auch in der Öffentlichkeit, für uns, unsere Familien, unsere Häuser und unser Gelände, und zwar für jegliches. Entscheidend ist dabei aber, sicher zu sein, nicht nur sich sicher zu fühlen. Das heisst, wir brauchen wirksame und effiziente Beleuchtung. Gute Sicht ist der Zweck. Wir möchten gut sehen können, nicht den Weg für den Verbrecher beleuchten. Dieses Ziel haben wir zu Hause, auf den Strassen, in Parkplätzen, bei der Arbeit, überall. Qualitativ hochwertige Beleuchtung kann behilflich sein; schlechte Beleuchtung gefährdet immer die Sicherheit.

Die meisten Verbrechen finden eigentlich tagsüber oder drinnen statt. Trotzdem wollen wir das Gefühl und die Realität gewinnen, dass wir draussen in der Nacht sicher sind. Das muss aber nicht heissen, dass wir das hellste Licht, das wir finden können, benutzen, dass alle in der Gegend geblendet werden, Streulicht entsteht, und der Sternenhimmel aufgehellt wird. Was wir eigentlich brauchen, ist effektive Beleuchtung, Beleuchtung, wo wir sie brauchen (und sonst nirgendwo) und wo sie die Sichtbedingungen verbessert. Das heisst: keine Blendung, kein Streulicht, keine direkte Abstrahlung von Licht nach oben, keine scharfen Schatten, keine steilen Übergang zwischen hellen und dunklen Gegenden, usw. Beleuchtung allein gewährleistet die Sicherheit nicht. Gibt es mehr Verbrechen in den gutbeleuchteten" Großstadtzentren oder in kleineren Städten mit viel weniger Beleuchtung? Ein Zyniker könnte vielleicht eine positive Wechselbe–ziehung zwischen Verbrechen und Beleuchtung sehen: je mehr Beleuchtung, desto mehr Verbrechen. Jetzige und frühere Studien von qualifizierten Autoritäten zum Thema Verbrechen können wie folgt zusammengestellt werden: "Die geringe Menge an Daten schliesst eine definitive Aussage betreffend der Beziehung zwischen Beleuch–tung und Verbrechen aus, aber es gibt einen starken Hinweis, dass die Beleuchtung die Scheu, Vebrechen zu begehen, vermindert".

Im folgenden werden einige Beispiele schlechter Außenbeleuchtung dargestellt – Beleuchtung, die zu oft die Sicherheit gefährdet. Beleuchtungsanlagen von schlechter Qualität wie die unten beschriebenen können den Anscheinder das Gefühl der Sicherheit erwecken, aber in der Wirklichkeit geben sie gar keine Sicherheit; sie verschlechtern oft alles. Sie sind ein Leuchtturm für den Verbrecher, nach dem Motto: "Komm mal mich holen, meine Beleuchtung hilft dir, nicht mir." Eigentlich verbrecherfreundliche Beleuchtung.

  1. Die 175-Watt "Sicherheitsbeleuchtung" von Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang. Dieser Beleuchtungskörper wurde früher entworfen, als Energie billig war, als es keine gute Beleuchtungskörperentwürfe gab und als die negativen Wirkungen nicht sehr geschätzt waren. Diese kostet etwa 30 Euro oder weniger, braucht aber mehr als 200 Watt Energie. Das bedeutet, dass diese Lampe etwa 70,00 Euro pro Jahr kostet, um in einer Gegend mit durchschnittlichem Strompreis betrieben zu werden – oder viel mehr, in Gegenden, wo die Energiekosten höher sind. Viel von der emittierten Lichtmenge geht verloren, nach oben oder seitwärts, wo das Licht überhaupt nichts nutzt. Diese Art von Beleuchtung verursacht sehr viel Blendung, verblendet oft den Hausbesitzer und andere. Sie führt zur allseitigen Emission von Streulicht; die Nachbarn werden unter Umständen – irritiert. Sie wirft harte Schatten hinter den Bäumen und den Gebäuden; Verbrecher können sich in vielen dunklen Ecken verstecken. Es ist ein ausgezeichnetes Beispiel schlechter Beleuchtung, die von Millionen von Menschen in den USA verwendet wird. Warum? Weil sie billig und hell ist. Wir nehmen eine Menge blendendes Licht wahr und glauben deswegen, dass wir viel Licht haben. Aber es ist eine sehr unwirksame und ineffiziente Beleuchtung. (s. IDA Blätter Nr. 3, 26, und 103 für weitere Informationen.)
  2. Die Kugellampen. Auch in diesem Falle entsteht hauptsächlich Streulicht. Weil diese Art von Beleuchtungsanlage soviel Licht verschwendet, muss man eine Lampe mit hoher Wattzahl installieren, um den Boden zu beleuchten. Das bedeutet, dass sehr viel Blendung erzeugt wird, so viel, dass man den Boden oft nicht gut sehen kann! Warum benutzt man so viele dieser ineffizienten Beleuchtungseinrichtungen ? Hauptsächlich weil sie tagsüber gut aussehen! Falls man dieses Aussehen gern hat, sollte man nur eine Lampe mit sehr niedriger Wattzahl verwenden (wie in den Zeiten der Gasbeleuchtung), dabei bleibt das Aussehen am Tag unverändert und in der Nacht gibt es eine schöne „Atmosphäre“.
  3. Schlecht abgeschirmte Aussenwandbeleuchtung oder ähnliche Beleuchtungskörper. Auch diese streuen das Licht überall; ein Teil des Lichts fällt dorthin, wohin es fallen sollte, aber das meiste Licht wird verschwendet. Gut abgeschirmte Aussenwandbeleuchtung können sehr gute Lichtquellen sein, aber man muss genau überprüfen, was man kauft. Einige sind gut nach oben abgeschirmt, aber viele fast gar nicht.
  4. Schlecht ausgeführte oder schlecht installierte Flutlichtscheinwerfer. Flutlicht-Strahler können gut sein, wenn sie eine gute Beleuchtungskontrolle haben. Aber sie müssen gut entworfen und gut installiert sein, um ihre Vorteile zum Tragen zu bringen. Oft sind sie schlecht installiert, nicht gezielt, oder noch schlimmer, direkt auf die Strasse (mit der resultierenden Blendung von Fahrzeugfahrern) oder auf den Garten oder Schlaf–zimmerfenster des Nachbarn gezielt. Wir alle haben mehrere Beispiele solcher schlechten nächtlichen Beleuchtung gesehen.

Das möge als Liste von Negativ-Beispielen genügen. Nun zu einigen Beispielen qualitativ hochwertiger Sicherheitsbeleuchtung:

  1. Eine gut abgeschirmte Natriumdampf-Niederdrucklampe (NAL): Das Licht ist gut kontrolliert; Energie wird gespart; es entsteht keine Blendung. Ein Mangel an der Farbwiedergabe ist in den meisten Fällen kein Nachteil im Hinblick auf die Sicherheit. Die Sicht mit der NAL-Beleuchtung ist ausgezeichnet.
  2. Eine ähnliche voll abgeschirmte Natriumdampf-Hochdrucklampe (NAH) oder Metall-Halogenid-Lampe oder die neuen Leuchtstofflampen, die kompakt und wenige Watt brauchen, die in guten Anlagen verwendet werden: Keine Abstrahlung von Licht nach oben und keine Blendung.
  3. Gut kontrollierte und installierte Flutlicht-Strahler oder Punktstrahler. Diese brauchen Aufmerksamkeit in der Planung und Installierung, um qualitativ hochwertig zu sein.
  4. Die Bewegungsmelder, die mit einem Infrarot-Sensor funktionieren, schalten an, wenn jemand sich vor den Sensor bewegt. Diese Sensoren können auch einen Alarm geben, falls erwünscht. Diese sind sehr wirksame und wirtschaftliche Sicherheitsbeleuchtungen. Eindringlinge werden abgeschreckt, und diese Art Lampen gewährleisten gute Sicht für den Hausbesitzer wenn nötig (z.B. beim Abfallentsorgen oder falls es einen unbekannte Person gibt). Sie müssen so installiert werden, dass das Licht nur dorthin scheintwo es gebraucht wird, nicht nach oben in den Himmel und nicht auf das Haus oder den Garten des Nachbarn. Unter dem Dachgesims des Hauses ist oft ein guter Ort für die Montage.

Um gut sehen zu können, brauchen wir genug Licht, aber nicht zu viel. Zu viel Licht kann die Anpassung unserer Augen zu dunkleren Gegenden nachts verlangsamen, so dass wir blind sind, wenn wir sehen müssen. Wenn wir von einer zu hellen Gegend in eine zu dunkle gehen oder umgekehrt, können wir eine Weile nicht gut sehen. Diese Wirkung heisst „transient adaptation“, und gute Beleuchtungsentwürfe sollten diese negative Wirkung auf die Sichtbarkeit möglichst gering halten.

Um gut sehen zu können, müssen wir jegliche Blendung möglichst gering halten. Die Blendung führt nie zu besseren Sichtbedingungen. Um gut sehen zu können, müssen wir Kontraste zwischen sehr hellen und sehr dunklen Gegenden möglichst gering halten. Das bedeutet, dass eine gute Beleuchtungsplanungskizze erforderlich ist.

Um gut sehen zu können, dürfen wir nicht gestatten, dass das Auge von zu viel Licht überflutet wird, während man nachts Auto fährt oder zu Fuss geht. Zu helle Beleuchtungseinrichtungen (für die auch der Name „Asphaltkocher“ geprägt wurde) können leicht die Sehkraft und die Dunkeladaptation beeinträchtigen.

Denken Sie auch an die Energieersparnisse. Wir sollten weder Licht verschwenden noch ineffiziente Lichtquellen verwenden. Wir verschwenden viel zuviel Energie und Geld (jährlich mehr als eine Milliarde Dollar in den USA, viel mehr in der ganzen Welt) wegen schlechter Beleuchtung.

Was können wir noch tun, um die Sicherheit in der Nacht zu maximieren? Hier noch einige Vorschläge (sie können auch in einer Bibliothek, bei der Polizei, bei auf Sicherheitsanlagen spezialisierten Firmen, und anderen Ratschläge erfragen):

  • Immer gute Schlösser verwenden;
  • Ein „Guckloch“ in der Tür verwenden, damit Besucher identifiziert werden können, bevor die Tür aufgemacht wird;
  • Ein wirksames Alarmsystem oder Bewegungsmelder verwenden;
  • Passen Sie beim Telefonbeantworten auf (was Sie sagen, wenn Sie das Telefon beantworten, wie die Nachricht lautet, die Sie auf Ihrem Beantworter aufgenommen haben);
  • Benutzen Sie einen Timer für die Innenbeleuchtung, wenn Sie abwesend sind;
  • Verwenden Sie gute Identifikationsetiketten auf Ihre Eigentümer.

Schreiben Sie an die IDA und verlangen Sie eine Auflistung der zusätzlichen Informationsblätter zum Thema Aussenbeleuchtung; die IDA hat auch wunderbare Dias und Powerpoint-Präsentationen, die die Unterschiede zwischen hochwertigen und schlechten Beleuchtung genau zeigen.


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