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International Dark-Sky Association (IDA)  --  Information Sheet 134 (German)

Lichtverschmutzung: Das Problem, die Lösungen

Zusammenfassung: Die Lichtverschmutzung existiert fast überall und nimmt schnell zu. Glücklicherweise gibt es Lösungen. Zum Problem führen ein Mangel an Kenntnis, Gleichgültigkeit und Inaktivität. Doch langsam machen wir Fortschritte. Die Schönheit des Sternenhimmels ist ein Wunder. Wenn man die Lichtglocken über den Städten und Siedlungsgebieten reduziert, wird die Qualität der Nachtbeleuchtung für alle verbessert. Mit guter Beleuchtung verbessern wir die Sichtbarkeit und Sicherheit und minimieren die Energie-verschwendung. Dadurch schaffen wir eine lebenswertere nächtliche Umgebung. Die „International Dark-Sky Association“ bietet viele Informationen zu diesem Thema auf ihrer Website, www.darksky.org.

I. Einführung in das Problem

Für die meisten Leute auf der Erde ist der Nachthimmel, den unsere Vorfahren bestaunten, heute - verschwunden. Das Problem ist die Aufhellung des Sternenhimmels über den Städten und Siedlungsgebieten, hauptsächlich wegen zuviel schlechter Beleuchtung. Leider wird es diesbezüglich fast überall immer schlimmer.

Lösungen für dieses Problem existieren, aber ein Kernpunkt ist, dass wir uns gegen schlechte Beleuchtung anstrengen und nur den Gebrauch qualitativ hochwertiger Aussenbeleuchtung für alle Anwendungen unterstützen.

Mit guter künstlicher Beleuchtung gewinnen wir alle. Wir tragen dazu bei, den Sternenhimmel zu schützen, wir können besser sehen (und sind deswegen sicherer), wir haben eine angenehmere und lebenswertere nächtliche Umgebung, und wir sparen viel Energie und viel Geld. Nirgendwo brauchen die Astronomen oder das allgemeine Publikum diese negativen Umweltfolgen der schlechten künstlichen Beleuchtung in Kauf zu nehmen; sie sollten diese auch nicht einfach stillschweigend hinnehmen. Wir müssen alles tun, was wir können, damit wir die Schönheit des Sternenhimmels für die Astronomiebegeisterten sowie für die Menschheit bewahren.

II. Das Problem

Die nachts eingesetzte künstliche Außenbeleuchtung dient folgenden sinnvollen Zielen: Dem Ziel, daß wir besser sehen können; der Erhöhung des Sicherheitsempfindens; sowie dem Ziel, die Attraktivität unserer Umgebung zu erhöhen (z.B. bei der Beleuchtung von Kulturdenkmälern). Künstliche Beleuchtung in der Nacht wird nicht verschwinden, auch wenn es noch einmal zu einer Energiekrise kommen sollte. Das Problem ist nicht die Beleuchtung als solche, sondern schlechte Beleuchtung. Viel zu viel unserer jetzigen Beleuchtung erreicht ihre Ziele nicht. Die schlechte künstliche Beleuchtung bringt folgende Probleme mit sich:

  1. Die Lichtglocke über den Städten und Siedlungsgebieten, die uns den Blick in die Weiten des Universums verunmöglicht. Wir wohnen nicht im Himmel; wir brauchen daher auch nicht so viel Licht dorthin abzustrahlen. Es ist ein Problem sowohl für Astronomen als auch für Menschen im allgemeinen, von denen die meisten für die Schönheit des Sternenhimmels empfänglich sind. Die Aufhellung des Himmels hat den meisten Menschen, die in Städten wohnen, den Anblick der „oberen Hälfte unserer Umwelt“ geraubt. Es wäre nicht zu verantworten, wenn unsere Kinder und Kindeskinder ihre Sicht der Schönheit des Sternenhimmels verlieren würden.

  2. Die Blendung. Blendung verbessert nie die Sichtbarkeit, kommt aber viel zu häufig vor. Wir sollten nach einer Umgebung ohne Blendung streben und nur diese akzeptieren. Sehr häufig werden wir heute durch nicht blendfreie Beleuchtung irritiert. Dieses Problem sollten wir beheben.


  3. Streulicht. Viele Beleuchtungseinrichtungen stören ebensosehr oder mehr, als sie uns sehen helfen. Das überflüssige Licht scheint in unsere Gärten, in unsere Fenster, auch in unsere Sternwarten. Wie im Falle der Lärmbelästigung müssen wir dagegen etwas unter-nehmen. Solche unangenehm auffallende Beleuchtung erreicht die Ziele gar nicht, zu deren Erleuchtung sie installiert wurde.


  4. Eine nächtliche Landschaft, die irritierend wirkt. Wir sollten alle nach einer attraktiven, angenehmen nächtlichen Landschaft streben, genau wonach wir im Tageslicht streben. Eine unangenehm auffallende Umgebung nachts bedingt einen Teil der Stress-situationen des heutigen Lebens. Wir sollten das Problem beseitigen, nicht unterstützen. Man beachte: Auch die nächtliche Landschaft ist ein Teil der Umwelt.


  5. Negative Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen sowie auf den Menschen. Alle Lebewesen haben sich mit einem Tag-und-Nacht-Zyklus, mit Helligkeit und Dunkelheit (Zirkadian-Rhythmus), entwickelt. Dieser Rhythmus ist ein Teil unserer Natur, und wir brauchen ihn. Ohne ihn entsteht körperlicher und geistiger Stress. Die Forschungsergebnisse über diese Auswirkungen nehmen zu, und wir müssen uns dessen bewusst werden.


  6. Energieverschwendung. Wir verschwenden astronomische Mengen von Energie und Geld für schlechte Beleuchtung, wo wir Gegenstände (auch den Himmel) beleuchten, die wir nicht beleuchten wollen oder brauchen und welche wir für energieineffiziente Lichtquellen und Leuchten verwenden. Allein in den USA wird eine Milliarde Dollar jährlich verschwendet, nur um den Nachthimmel zu beleuchten.

III. Es gibt Lösungen

Wir alle leiden unter diesen Problemen. Glücklicherweise gibt es Lösungen. Der Schlüssel ist qualitativ hochwertige Außenbeleuchtung.

  1. Nur qualitativ hochwertige Beleuchtung sollte verwendet werden. Hochwertige Beleuchtungseinrichtungen sind eigentlich nur eine Art und Weise zu beleuchten, die dem gesunden Menschenverstand entspricht. Wir sollten schlechte Beleuchtung nicht dulden; wir sollten sie nach und nach ersetzen.

  2. Das Licht sollte gezielt nach unten gerichtet werden, wo es gebraucht wird. Die Ausgangs–leistung des Licht soll reguliert werden, damit Orten, welche man sehen muss, beleuchtet sind; das Licht soll nicht verschwendet werden. Eine Qualitätsbeleuchtunganlage ist erforderlich.

  3. Zeitschaltregelungen (Dimmer oder andere Regulierungseinrichtungen) sollten verwendet werden, um sicherzustellen, dass das Licht dorthin gerichtet ist, wo es gebraucht ist.

  4. Die Beleuchtung sollte so geplant und installiert werden, dass jegliche Blendung möglichst minimiert wird. Fast jegliche Blendung stammt von schlechten Beleuchtungskörpern oder von schlechten Beleuchtungsanlagen. Es gibt keine Entschuldigung für Blendung. Wenn nicht durch Blendung beeinträchtigt, ist das Auge ein erstaunliches Organ, das auch bei niedrigeren Beleuchtungsstärken sehr gut sehen kann.

  5. Die jeweils angemessene Lichtmenge sollte eingesetzt werden, nicht zuviel. „Mehr Licht bringt mehr Sicherheit“ ist keine gute Devise. Wenn wir von Gegenden, die zu hell beleuchtet sind, in Gegenden kommen, die dunkler sind, oder umgekehrt, dann können wir eine Weile nicht gut sehen - solange, bis die Augen sich angepasst haben („Dunkeladaption“).

  6. Die Lichtquellen sollten energieeffizient sein. Die Lichtquellen sind in ihrer Effizienz sehr unterschiedlich. Die jeweils energieeffizientesten sollten verwendet werden. In der Nähe von Sternwarten sollte die Verwendung von Natriumdampf-Niederdrucklampen in Betracht gezogen werden; diese sind am effizientesten. Astronomen bevorzugen sie sehr, weil das Licht der Natriumdampf-Niederdrucklampen eigentlich nur eine Farbe hat und sehr gut herausgefiltert werden kann.

IV. Fortschritt bei der Umsetzung der Lösungen

Qualitativ hochwertige Beleuchtung wird nun an vielen Orten verwendet. Die Vorteile sind: bessere Beleuchtung, Energieersparnisse, und ein dunklerer Himmel (aber nicht dunklere Strassen). Wir gewinnen alle. Die Kenntnis der Probleme und der Lösungen nimmt ständig zu, in der Öffentlichkeit und besonders unter Lichttechnikern.

Die Internationale Beleuchtungskommission (CIE) und viele nationale Organisationen haben technische Komitees, die diese Fragen behandeln, und Berichte und Empfehlungen erscheinen regelmässig. Die meisten nationalen Organisationen werden auch sehr aktiv. Schliesslich, wer kann gegen gute Beleuchtung stehen, wenn man die Vorteile sieht?

Eine wirksame Methodik wobei die Gemeinden das Problem angreifen können, ist die Ernennung einer Arbeitsgruppe für Aussenbeleuchtung, um diese Fragen zu besprechen und genaue Lösungen zu empfehlen, welche den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen (wie z.B. Verordnungen für Beleuchtungskontrolle, die Gemeindemassstäbe festlegen; Hunderte davon sind nun in Kraft getreten). Solche “Komitees” sind sehr wirksam in den Orten, wo man sie ausgeführt hat. Sie haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie viele Leute über die Fragen informieren.

V. Was ist denn das Problem?

Das Hauptproblem ist ein grosser Mangel an Kenntnis der Fragen, der Probleme, und der Lösungen, welche uns eigentlich der gesunde Menschenverstand nahelegen würde. Das Informieren der Öffentlichkeit ist das Hauptziel der meisten jetzigen Aktivitäten. Das zweite grosse Problem ist die Gleichgültigkeit. Kenntnisse müssen in Handlungen umgesetzt werden. Einige glauben, das Problem sei zu umfangreich, um von Einzelpersonen gelöst werden zu können; andere glauben, es sei nicht wichtig genug. Weder der erste noch der zweite ist ein Grund zur Gleichgültikeit. Astronomen, sowohl Amateure als auch Profis, müssen informiert und involviert werden. Die Mitgliedschaft bei der IDA ist ein hervorragender Ausgangspunkt.

VI. Die Unterstützung ist vorhanden

Die „International Dark-Sky Association“ (IDA), eine nicht-gewinnorientierte Organisation, ist ein mächtiger Verbündeter, um bei der Verbreitung von Informationen zu helfen. Die Organisation hat nun mehr als 10 000 Mitglieder aus 70 Ländern; sie wächst schnell hinsichtlich ihrer Größe und Wirksamkeit. IDA hat mehr als 180 Informationsblätter über Fragen der Himmelsaufhellung und der Lichttechnik verfasst, und diese sind wichtige Ressourcen für diejenigen, die sich informieren und Informationen verbreiten wollen. Die IDA-Webseite (http://www.darksky.org) enthält viele wichtige Informationen (sowie Graphiken usw.) und Links zu vielen anderen interessanten Seiten. Obwohl die Kenntnis der Probleme und der Lösungen ständig zunimmt, ist viel mehr Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung der Informa-tionen in den Schulen nötig. IDA braucht viel mehr einzelne Personen und Organisationen als Mitglieder.

VII. Zusammenfassung

Die Lichtverschmutzung ist ein Problem für die Astronomie und für die allgemeine Öffentlichkeit; dieses Problem nimmt immer mehr zu. Wirksame Lösungen existieren und funktionieren. Sie verbessern auch die Qualität und die Effizienz unserer nächtlichen Aussenbeleuchtung, und sie helfen bei der Einsparung von vieler Energie und von vielem Geld. Das wissen wir mit Bestimmtheit. Der Mangel an Kenntnis und die Gleichgültigkeit sind die Hauptprobleme.

Taten sind nötig. Jetzt. Wir alle können zur Verbesserung der Situation beitragen. Am wichtigsten ist: „Wir alle gewinnen.“

David Crawford

Übersetzung: Diane Taylor und Thomas Posch, Juli 2003


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