Das polnische Breslau als europäische Metropole - Erinnerung und Geschichtspolitik aus dem Blickwinkel der Oral History  
 
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Breslau und die architektonische Moderne: Die Jahrhunderthalle

von Olga Tomicka, Sören Urbansky und Bernd Vogenbeck

Prolog

Die Jahrhunderthalle in Breslau ist mehr, als der erste Blick freigibt. Die Kuppel der kühnen Stahlbetonkonstruktion des Architekten Max Berg, 1911 bis 1913 als Versammlungs- und Ausstellungshalle errichtet, umwölbt den zur Bauzeit größten Zentralraum der Welt, dessen Kuppel eine Höhe von 42 Metern und einen Durchmesser von 65 Metern misst. Der Monumentalbau gilt als Faszinosum der Baukunst und als Ort manifestierter politischer Hybris, sie ist unumgehbares Ziel des Tourismus und zentraler Bezugspunkt der Einwohner Breslaus.

Viel wurde über die Jahrhunderthalle geschrieben. Zu jeder Zeit stand das Meisterstück Bergs im Zentrum, beachtet von Architekten, Stadtführern und Historikern. Gegner verspotteten den Bau als „Pappschachtel“ (Anschütz 1939: 157), wohingegen Befürworter ihn mit dem Pantheon oder der Hagia Sophia verglichen (Ilkosz 2002: 15). Bereits frühe Reaktionen, wie die von Zeitgenossen des Erbauers, verdeutlichen, dass die moderne Halle sehr ambivalent wahrgenommen wurde (Vgl. Ilkosz 2000: 392). In jedem Falle ging es dem Architekten bei der Projektierung der Jahrhunderthalle nicht nur um die bloße Realisierung eines Gesellschaftsbaus. Ihm war an der Entwicklung einer andersgearteten räumlichen Form für die Gegenwartsarchitektur gelegen, die einen neuartigen Baustil begründen sollte (Vgl. Ilkosz 2000: 434f). Die Halle markiert mit ihrer sachlichen Konstruktion den Abschied vom Formenreichtum des Historismus. Ein Vergleich mit dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal, das zeitgleich und ebenso anlässlich des einhundertsten Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig 1913 errichtet wurde, macht das revolutionär Neue dieses Baus deutlich (Vgl. Davies 2003: 320 und Ilkosz 1999: 199). In Breslau entstanden neben der Jahrhunderthalle seit dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zahlreiche andere wegweisende Bauten. Unter der Federführung von Hans Poelzig und Max Berg avancierte die Stadt zu einem Zentrum der architektonischen Moderne in Europa. Im heutigen Breslau beginnt man, sich dieses wertvollen Erbes zu besinnen. So wurde jüngst das Hotel- und Wohngebäude, das Hans Scharoun 1929 im Rahmen der Ausstellung Wohnung und Werkraum in einer Musterhaussiedlung östlich des Scheitniger Parks erbaute, renoviert.

Die Jahrhunderthalle hat zudem eine soziale Komponente, da – beeinflusst von den Gesellschaftsutopien des frühen 20. Jahrhunderts – es erklärtes Ziel des Architekten gewesen war, einer möglichst breiten Gesellschaftsschicht Zugang zu Kultur und Sport sowie zu gesellschaftlichen Ereignissen zu verschaffen. Robert Breuer, ein zeitgenössischer Kritiker Bergs rechtfertigte die enorme Größe des Baus, denn „ […] auch die gotischen Dome waren meist viel größer, als die Gemeinden es forderten. Sie waren vor allem Demonstrationen der Gottesidee und zugleich Siegeszeichen eines neuen Konstruktionsprinzips“ (Ilkosz 2002: 20). Im Dritten Reich gab es Bestrebungen, dem Bauwerk ein beseelendes Moment hinzuzufügen, um – ganz dem Zeitgeist verpflichtet – einen „Dom des deutschen Volkstums“ (Schlesische Monatshefte 3/1934: 81) zu schaffen. So begehrte ein anonymes Plädoyer für den Ausbau der Jahrhunderthalle aus dem Jahre 1934 die „künstlerische Ausgestaltung der Halle als nicht zu entbehrende Begleitmusik der gewaltigen Raumkomposition“ (Schlesische Monatshefte 3/1934: 84). Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs firmiert die inzwischen polnische Halle unter neuem Namen: Hala Ludowa – eine Halle des Volkes. Heute ist die Hala Ludowa eine GmbH in Staatsbesitz.

Die Untersuchungen für diese Arbeit gingen von der These aus, dass die Jahrhunderthalle in dem Paradigma einer früher politischem Ge- und Missbrauch unterworfenen, heute jedoch marktwirtschaftlich operierenden Einrichtung gelesen werden kann. Denn es sind politische Bilder, wie jene der „Jahrhundertausstellung“ des Jahres 1913, die am häufigsten in Chroniken und Berichten über die Geschichte des Bergschen Baus auftauchen. Während der Recherchen stellte sich heraus, dass diese These den Ergebnissen nicht vollkommen gerecht wurde beziehungsweise einer notwendigen Differenzierung bedurfte. Denn die Halle war in ihrer über neunzigjährigen Geschichte immer ein plurifunktionales Bauwerk (Vgl. u.a. Ilkosz 1999: 169, 187).

In drei Ansätzen wurde diese Mutmaßung als Ausgangsüberlegung einer kritischen Überprüfung unterzogen. Im ersten Teil des Textes wird der Versuch unternommen, den Spuren nachzugehen, die dieser – in der Geschichte der Halle mehrmals vollzogene – Prozess der Veränderung an der Oberfläche der Jahrhunderthalle hinterlassen hat: es geht um das Sichtbare. Dieser Part der Arbeit verlässt sich, neben einigen mit Architekten und Kunsthistorikern geführten Interviews, also maßgeblich auf ein verstehensorientiertes Rüstzeug, das für gewöhnlich die Stadt als Text zu ergründen sucht (Vgl. Kostof 1992 und 1993), hier jedoch an einem einzelnen architektonischen Objekt beziehungsweise städtebaulichen Ensemble zur Anwendung gelangt. Anschließen wird sich im zweiten Teil der Arbeit eine Beschäftigung mit der Konjunktur und Dynamik der Symbolhaftigkeit des Gebäudes – will heißen: verschiedene Ansätze, die Jahrhunderthalle als Symbol zu begreifen, werden auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft. Es geht also um eine Ergründung dessen, was über die Jahrhunderthalle gedacht wurde, beziehungsweise wie sie „gedacht“ werden kann. Schließlich folgt im dritten Teil eine Einsichtnahme in das „Leben“ der Halle, beruhend auf Gesprächen, die mit langjährigen Angestellten des Hallenbetreibers geführt wurden, auf Beobachtungen des Alltags der Halle und unter Berücksichtigung archivarischen Quellenmaterials.



Erster Teil: Die Macht des Auges

Es gibt historische Spuren der Jahrhunderthalle, die jenseits des offiziellen Gedächtnisses, der Annalen oder Reiseführer existieren. Fragmentarisch, in unzähligen Splittern zerstreut, finden sie sich in Zeitungsnotizen, in Anekdoten, auf Programmplänen, nicht zuletzt in Erinnerungen von Zuschauern, Mitarbeitern, Spezialisten aller Art oder aber im Gebäude selbst (Vgl. dazu Kostof 1992: 10). Bevor der Suchende blindlings den Büchern Glauben schenkt, sollte er diesen Spuren an der Oberfläche nachgehen und sie sichern (Vgl. Schlögel 2000: 38).

Der heutige Passant oder Besucher ist beim Anblick der Hala Ludowa nicht selten enttäuscht. Besonders von Nordosten, der Seite des Teiches und der Pergola aus, wirkt das Gebäude mit dem vorgelagerten Terrasserestaurant verkommen und zugewuchert. Oskar Anschütz schwärmte 1939 über diese Perspektive noch als einem neuen großen Triumph der „Verbindung von Architektur und Landschaft, die im ganzen 19. Jahrhundert so sehr außer Acht gelassen war“ (Anschütz 1939: 158). Etwas weiter, beim Blick aus Nordwesten in Richtung Hauptportal, verstellen oft Buden die zentrale Sichtachse auf die Hala Ludowa. Während des Abschreitens des Rundbaus zeigt sich kaum etwas Auffälliges, das Grau der Fassade und das rankende Grün tun ihr Übriges. Doch der Schein trügt.



Spurensicherung I

Der Besucher muss nur einen Schritt näher treten und hineingehen, genauer nachsehen und sich auf Fassade und Innenräume einlassen. Verblüfft stellt er bald fest, dass jede Zeit hier ihre Spuren hinterlassen hat. Die einzelnen historischen Schichten liegen frei. Mit wenig Mühe lässt sich auf einem Blatt Papier ein knapper Katalog von Zeichen erstellen („Zeichen“ steht in diesem Zusammenhang für ein „profanes“, nicht speziell mit einer symbolischen Absicht installiertes Element, das dennoch einen Hinweis, eine Spur für den heutigen Betrachter liefert und Aufschluss darüber gibt, welche Funktion beziehungsweise welchen Stellenwert das Gebäude zur Zeit der Installation für den jeweiligen Eigentümer hatte), die aus unterschiedlichen Epochen stammen. Das Ergebnis ist eine kleine, aber dennoch aufschlussreiche Biographie der Halle.

Schon bald wird deutlich, dass die Stahlbetonkonstruktion Bergs nur wenig Spielraum zu weitreichenden Rekonstruktionen lässt. Es ist eine Architektur, die „keine Einbauten und Umbauten“ duldet (Anschütz 1939: 159). Veränderungen vollzogen sich stets an der Oberfläche. So stammen aus der deutschen Zeit der Halle, also von Baubeginn 1911 bis zur Einnahme Breslaus durch die Rote Armee 1945, fast alle grundlegenden Baubestandteile. Die unverkleidete Stahlbetonkonstruktion im Inneren, die in ihrer Ausfertigung sehr stark an den Leipziger Hauptbahnhof erinnert, ist bestes Beispiel dafür. Außerdem finden sich noch einige wenige Installationen, wie die Deckenbeleuchtung im Rundgang oder der große Lüster im Foyer.

Die zweite Periode von 1945 bis 1989, die Jahre nach dem Krieg und die Zeit der PRL, ist durch eine Reihe pragmatischer Umbauten gekennzeichnet: Es kam zum Einbau neuer Türen beziehungsweise Flügeltüren im Rundgang und an den Ausgängen, zu diversen Ausbesserungsarbeiten, zum Beispiel dem Einsatz von Milchglasscheiben in den Lichtschachtanlagen, der Auslegung von Linoleum- und Ausgießung von Betonfußböden im Rundgang, zur Erneuerung der Sanitäranlagen und zur Montage einer Lautsprecheranlage, die heute noch im Rundgang erhalten ist. Des Weiteren wurden Heizkörper im Rundgang und den Nebenräumen der zuvor komplett unbeheizten Halle installiert. Vom Parkett im Foyer, das ebenfalls aus dieser Zeit stammt, einmal abgesehen, handelt es sich um Baumaßnahmen, die ausschließlich auf funktionale Aspekte des Gebäudes abzielen und dabei oft die stilistische Sprache des Architekten nicht respektieren. Es sind zumeist Standardkomponenten aus planwirtschaftlicher Massenproduktion, die sich in jedem beliebigen Profanbau des ehemaligen Ostblocks wiederfinden.

Seit dem Umbruch von 1989, der den Beginn des letzten Zeitabschnitts markiert, wurden kapitale Umbauten durchgeführt, die jedoch – ähnlich den Rekonstruktionen der sozialistischen Periode – einen oberflächlichen und pragmatischen Charakter aufweisen, der zumeist ebenso wenig auf den modernen Architekturstil Bergs Bezug nimmt. Der große Umbau anlässlich des Papstbesuches im Jahre 1997 betraf hauptsächlich die Zuschauerhalle: Lichtanlage, Beschallungstechnik, Anzeigetafeln, eine multifunktionale Inneneinrichtung bestehend aus Wechselboden für Sport- und Kulturveranstaltungen sowie für Messen, Teleskopzuschauertribünen, elektrische Jalousien vor den Kuppelfenstern, all das wurde komplett neu installiert. Die Jalousien sind letztlich nur dürftige Kosmetik, ein billiger Schutz der über eintausend dringend sanierungsbedürftigen Fenster der Halle, deren Auswechslung etwa 5 Millionen Złoty kosten würde (Vgl. Interview: Wydra und Schlesisches Monatsblatt 10/2003: 4). Außerdem wurden Telefonanlagen montiert und für die Sicherheit eine Videoüberwachungsanlage in Betrieb genommen. Teilweise wurden die Toiletten saniert.

Eine zweite Ebene der jüngsten Umbauten bilden kommerzielle Komponenten, wie diverse Getränke- und Snackautomaten, zwei Bars und eine allerorten penetrante Werbung in Form von Bannern, Tafeln, Ballons oder Infoständen (Abb. 11). Es wird offenbar, dass die Maxime des Marktes derzeit dominiert oder wie György Konrád es sagt: „Zu schützen gilt es das Original, so meinen wir, das Seltene, das Einmalige, denn ihm schreiben wir einen Wert an sich zu. Doch Geschäftsinteressen wittern die Möglichkeit, das Original zu vermarkten. Das einzige Exemplar verfügt nicht nur über einen ideellen, sondern auch einen materiellen Wert. Jedenfalls schwankt die Anerkennung der Werke in Abhängigkeit davon, welche Symbole bei den Menschen ideologisch gerade Mode sind“ (Konrád 2001: 166).

Der Suchende (Sehende) muss sich eingestehen, dass sein Blick sehr wohl selektiv ist. Sein Sammeln von Zeichen folgt dem Wissen, über das er verfügt. Es ist kein zielloses und freies, sondern immer auch ein teilblindes Sehen. Diese Einschränkung in Kauf nehmend, lassen sich dennoch Tendenzen erkennen. Denn die Oberfläche verrät, dass, von den Zuschauertribünen einmal abgesehen, die Umbauten die Substanz des Baus – wenn überhaupt – nur tangieren. Zu allen Zeiten fehlte das Geld, die Fassade oder die Fenster zu sanieren und den an vielen Stellen durch Korrosion brüchig gewordenen Stahlbeton zu erneuern (Vgl. Interview: Konarzewski). Welche Rückschlüsse lassen sich aus dieser Topographie der Umbauten ziehen?

Es liegt die Vermutung nahe, dass der Besucher den politischen Stellenwert der Halle weit überschätzt hat. Der Ge- und Missbrauch des Gebäudes durch die politischen Eliten Nazideutschlands und Volkspolens rückt in den Hintergrund. Die gespeicherten Bilder von politischen Manifestationen, Kongressen und Feiern stimmen nicht mit der Fassade überein. Der Bau scheint heute viel zu schäbig; zu pragmatisch und unsensibel waren die spärlichen Investitionen, als dass die Halle – sei es als Jahrhunderthalle oder als Hala Ludowa – ein so repräsentatives Gebäude hätte sein können. Dem Bauwerk fehlt das edle, bisweilen dekadente Moment eines säkularen und dennoch geweihten Ortes.

Die Annahme, dass der monumentale Bau besonders in totalitären Regimen Freunde fand, trügt. „Hitler hat die Halle nie gefallen“ („[…] Hala się Hitlerowi nigdy nie podobała.“)(Interview: Wydra), zu modern war die Architektur Max Bergs. Das Baumaterial, mit dem das Dritte Reich tausend Jahre währen sollte, war Stein und nicht Stahlbeton, wie Albert Speer in seinen Tagebüchern notierte (Vgl. Ilkosz 1999: 199). Auch in der Volksrepublik Polen war man der Architektur Bergs wenig zugeneigt. Während sich gotische oder barocke Bauten des Stadtzentrums als urpolnisch umdeuten ließen, war die Halle im Scheitniger Park für jeden Laien ganz selbstverständlich ein Meisterstück deutscher Baukunst. So unterschiedlich die Gründe für die ideelle Abneigung beider Systeme gegen die Architektur waren, so eindeutig war der Grund für eine rege Nutzung des Baus zu allen Zeiten. Mit früher ca. 6.000 Sitz- beziehungsweise 10.000 Stehplätzen war die Halle der größte Aufmarsch- und Versammlungsort Schlesiens und später Polens. Włodzimierz Wydra, Architekt und Kenner des Bergschen Monumentalbaus, formuliert es so: „Die Halle war ganz einfach ein vortreffliches Gebäude für jegliche Art von Versammlungen. […] Dagegen denke ich, dass sie nie eine Symbolhaftigkeit ausgestrahlt hat, die eine Assoziation mit einem [bestimmten politischen] System nahelegt“ (Interview: Wydra (1)). Nationalsozialisten und Kommunisten waren auf den Ort angewiesen, nur hier waren wirkliche Massenveranstaltungen, wie Hitlers Wahlkampfauftritt am 18. April 1932 (Vgl. Davies 2003: 336) oder der Weltkongress der Intellektuellen im Dienste des Friedens im August 1948, möglich (Vgl. Ilkosz 2002: 30 und Interview: Ilkosz).

Es scheint fast so, als sei der Bau immer in letzter Minute provisorisch den dringlichen Bedürfnissen angepasst worden. Vielleicht zeigen die spärlichen Umbauten gerade, dass die Halle nur ein Ort auf Abruf und kein Prestigebau war. Eine Halle auf die man zurückgriff, wenn es eng wurde.



Spurensicherung II

Neben dem Katalog der „profanen“ Zeichen finden sich weit „prominentere“ Spuren, die – fast ikonenhaft – ihre Epochen vertreten. Sie sind augenscheinlicher als die eingangs beschriebenen Zeichen, da sie vom jeweiligen Bauherren oder Eigentümer speziell aus repräsentativen Erwägungen angebracht wurden. Jeder zeitliche Abschnitt hat mehrere dieser Symbole hervorgebracht. Es sind Symbole, die teilweise noch bis heute existieren oder aber abmontiert wurden und bei Umbauten verschwanden. Doch auch die in unserer Zeit nicht mehr vorhandenen Zeichen existieren in Form von Fotos, Akten oder Erinnerungen weiter. Nachfolgend werden „prominente“ Spuren aus allen Zeitabschnitten zusammengetragen. Dabei hat die nachstehende Liste nicht den Anspruch der Vollständigkeit.

„Wer für das Vaterland fühlt, denkt nicht an sich. Folgt dem Beispiel eurer Vorfahren, seid ihrer würdig und eurer Nachkommen eingedenk“ (Vgl. Niemczyk 1997: 18). Diese Proklamation Friedrich Wilhelms III vom 17. März 1813 empfing mahnend jeden Besucher der Jahrhunderthalle auf einem Spruchband über dem Hauptportal. Der Schriftzug rahmte eine Plastik ein, die als Symbol für die ursprüngliche Funktion der Halle – die ja hauptsächlich ein Gedenkort der napoleonischen Kriege sein sollte – angesehen werden kann. „1945 wurde […] die über dem Haupteingang befindliche Allegorie der Freiheitskriege des Jahres 1813 – ‚Erzengel Michael mit dem Drachen kämpfend’ – entfernt“ („W 1945 roku usunięto jedynie umieszczoną nad głównym portykiem alegorię wojny 1813 roku – ‚Archanioła Michała walczącego ze smokiem’.) (Gazeta Wyborcza 7.2.2003). Es war die einzige figürliche Plastik der Halle überhaupt. Mit der Übergabe Breslaus in polnische Hände wurde, neben dem Namen Jahrhunderthalle, die Urfunktion der Halle als ein Ort des Gedenkens gelöscht.

Für den zweiten Abschnitt, die Zeit der Weimarer Republik, als Max Berg seine Halle zu einem „Dom der Demokratie“ (Elze 1993: 107) geweiht sehen wollte, ist die Sauer-Orgel ein adäquates Symbol, wenngleich sie bereits im Eröffnungsjahr 1913 eingebaut wurde. Schon während der Entwurfphase schlug Max Berg vor, das Gebäude mit einer Orgel auszustatten, die den gigantischen Dimensionen gerecht wird. Die Jahrhunderthalle sollte unter anderem als repräsentativer Konzertsaal dienen. In nur zehnmonatiger Bauzeit errichtete die Firma Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder in den Jahren 1912/13 die damals größte Orgel der Welt, die 1937 sogar noch einmal auf insgesamt 222 Register vergrößert wurde und zur Verbesserung der Akustik eine Gegenorgel im oberen Kuppelgewölbe erhielt. Das Instrument überlebte den Krieg fast unbeschadet; es wurde 1946 demontiert und die Pfeifen und Register auf mehrere „neue“ Orgeln verteilt. Die größte von ihnen, mit ca. 85 Registern, steht heute im Breslauer Dom (Vgl. Deutsches Rundfunkarchiv, URL: http://www.dra.de/dok_1002.htm, Stand: 20.5.2004). Das Instrument avancierte zu einem Faszinosum für viele europäische Orgelinterpreten, die Sonntagskonzerte während der Sommermonate erreichten einen hohen Beliebtheitsgrad (Vgl. Scheuermann 1994: 668f). Die Orgel steht sinnbildlich für die bürgerliche Gesellschaft der spätwilhelminischen Phase und der Weimarer Republik. Zu dieser Zeit wurde die Jahrhunderthalle häufig als ein weltlicher Konzert- und Theatersaal genutzt. Eine der aufwendigsten Inszenierungen der damaligen Zeit war das bereits 1913 anlässlich der „Jahrhundertausstellung“ aufgeführte „Festspiel in Deutschen Reimen“ von Gerhart Hauptmann, bei dem der Autor eng mit dem Regisseur Max Reinhardt und dem Architekten Max Berg kooperierte. Hier materialisierte sich auch erstmals die Vision Reinhardts des „Theaters der 5000“, eines Kulturbetriebs für breite Bevölkerungsschichten.

Kein Symbol verkörpert die zwölfeinhalb Jahre nationalsozialistischer Herrschaft in Deutschland mehr als ein Hakenkreuz. So gibt es bis heute einen heftigen Streit darum, an welchen Stellen die Jahrhunderthalle während des Dritten Reiches mit ebendiesem Symbol versehen war. Bis heute hält sich der Mythos, dass ein Hakenkreuz bis zum Umbau während der Jahre 1995/97 in der Kuppel unter einem Tuch verhüllt gewesen sein soll (Vgl. Słowo Polskie 19. Juni 1998). Jerzy Ilkosz, Leiter des Breslauer Architekturmuseums, ist sich jedoch sicher, dass zu keiner Zeit ein fest verankertes Hakenkreuz existierte: „Wenn es irgendein Hakenkreuz gegeben hat, das unter der Kuppel hing, so war dies ein dekoratives Element anlässlich eines Besuchs Hitlers“ („Jeżeli jakakolwiek swastyka wisiała kiedykolwiek pod kopułą, to była to dekoracja powieszona chwilowo z okazyji wizyty Hitlera.“)(Słowo Polskie 19.6.1998). Sicher ist, dass es nationalsozialistische Zeichen gab, die temporär zu politischen Anlässen angebracht wurden. Interessanter ist jedoch die Frage, welche Ideen es in den Jahren 1933 bis 1945 gab, die Jahrhunderthalle in einen nationalsozialistischen Raum umzugestalten. Eine Vorstellung davon vermittelt das schon eingangs zitierte Plädoyer für den Ausbau der Jahrhunderthalle im Sinne eines nationalen Denkmals aus dem Jahre 1934. Dieses sah folgendes vor: „So wie der Konstruktionsgedanke des Kuppelbaus durch die vier geschwungenen Pfeiler und die darauf ruhende Kuppel klar zum Ausdruck kommt, so sollen symbolhaft die vier tragenden Pfeiler des neuen deutschen Volkstums – Pflicht, Freiheit, Heldenmut und Einigkeit – hier auf den riesigen Pfeilerflächen durch neue deutsche Kunst als Monumentalmalerei und Plastik zu eindrucksvoller Darstellung kommen“ (Schlesische Monatshefte 3/1934: 84). Eine Ausgestaltung nach diesen Plänen wäre genau das gewesen, wogegen Max Berg sich immer verwahrte. Der Architekt lehnte jegliche Ornamentik an seinen Bauten ab (Vgl. Ilkosz 1999: 188). „Das Konstruktive ist hier eben so gewaltig, dass es sich auf keinen Fall verdunkeln lassen will“ (Anschütz 1939: 164).

Auf dem sich westlich der Hala Ludowa erstreckenden Platz, wo noch heute die Säulen des früheren Haupteingangs stehen, wurde 1948 das bis dato sichtbarste Symbol – die Stahlnadel (Iglica) (Abb.12) – geschaffen, deren intendierte Aussage und Standort der Leiter der künstlerischen Kommission der „Ausstellung der Wiedergewonnenen (West-)Gebiete“ (Wystawa Ziem Odzyskanych) so treffend beschreibt: „Der Hauptplatz der Ausstellung ist in erster Linie der zentrale Fixpunkt – der Obelisk. Die über 100 Meter hohe Stahlnadel ist sowohl ein Triumph polnischer Technik und Erfindungsgabe als auch der Arbeit, ein Symbol unseres Optimismus, das mit seiner Schlankheit, Leichte und seinem Ganz über dem schweren Zylinder der Hala Ludowa aufsteigt“ (Hryniewiecki 1948: 20 (2)). Die Iglica (siehe auch: Das Symbol der Architektur (unten im Text) sowie „Entdeutschung“ und Polonisierung. Die Umwandlung Breslaus in eine polnische Stadt) avancierte in den Nachkriegsjahren zur Ikone polnischen Selbstbewusstseins, bündelte ihre Herstellung und Montage doch große technische und finanzielle Ressourcen. Das Aufrichten der Nadel mittels Stahltrossen und Winden dauerte fast einen vollen Tag.

An das große Malheur, das wenige Tage vor der Eröffnung der Ausstellung am 22. Juli 1948 geschah, erinnert sich indessen heute kaum noch jemand. Auf der Nadelspitze war eine Aluminiumplatte mit einem Durchmesser von ca. vier Metern montiert, die sich drehen und von großen Bodenscheinwerfern angestrahlt werden sollte. Ein Sturm, der am 20. Juli über das Gelände fegte, zerstörte die Konstruktion und Hauptattraktion der Ausstellung noch vor ihrer feierlichen Eröffnung (Vgl. Tadeusz Binek 1997: Jak zostałem Wrocławiakiem, URL: http://tadeusz.binek.pl/6f11.htm, Stand: 23.6.2004).

Das Kino Gigant, das in der Hala Ludowa, dem größten Kinosaal Polens, seit den 1970er Jahren Filme für bis zu 4.000 Zuschauer ausstrahlte, wurde nicht nur aufgrund der hohen Frequentierung seinem Namen gerecht. Erst im Jahre 1995, als die Halle renoviert wurde, andere Lichtspieltheater ihren Betrieb aufnahmen und nur noch 20 bis 30 Menschen die Vorstellungen besuchten, wurde der Vorführbetrieb eingestellt (Vgl. Interview: Makowski). Die 20 mal 32 Meter große Leinwand (Vgl. Interview: Konarzewski) steht als Sinnbild für die in den 1970er und 1980er Jahren wieder zunehmende Nutzung des Baus als kulturellem Veranstaltungsort. Der benachbarte Vier-Kuppel-Pavillion und das sich an die Halle anschließende Terrassenrestaurant, die beide bis in die 1970er Jahre hinein für Kulturveranstaltungen genutzt worden waren, hatten mittlerweile neue Funktionen (Vgl. Ilkosz 2002: 31).

Es fällt schwer, ein „prominentes“ Zeichen unserer Zeit zu benennen, so wie auch die große Leinwand bereits kein Symbol mehr gewesen ist, das vom Bauherren aus repräsentativ-symbolischen Überlegungen installiert wurde, sondern einfach ein praktischer Gegenstand war, der genutzt wurde. Vielleicht ist seine Zuordnung falsch. An dieser Stelle kommt es zu einer Überschneidung von „profanen“ und „prominenten“ Symbolen, eine Klassifizierung fällt schwer. Warum? Vielleicht gerade weil die Hala Ludowa zu dieser Zeit beginnt, aus ihrem politisch-bedeutungsgeladenen Kontext herauszutreten, sie eine „normale“ Veranstaltungshalle wird.

Wenn jedoch von dieser Annahme der Überlappung ausgegangen wird, so ist es leicht, Symbole unserer Zeit zu aufzuspüren. Zwei stechen besonders hervor: Zum einen ist es die Reklame, die omnipräsent das heutige Bild der Halle bestimmt. Sie ist notwendiger Bestandteil einer marktwirtschaftlich geführten Veranstaltungsarena und Symbol der heutigen „entpolitisierten“ Zeit. Die Ikonen des 21. Jahrhunderts sind nicht Runen, Staatsembleme oder historische Allegorien, sondern Firmenlogos und Werbeslogans. Zum anderen ist die ebenfalls schon genannte Teleskopbühne anzuführen, die seit dem Umbau nach den Plänen von Leszek Konarzewski Mitte der 1990er Jahre die baufällige, etwa 70 Jahre alte Holzbestuhlung ersetzt. Sie gewährleistet eine Maximierung des plurifunktionalen Charakters der Halle, denn die Teleskopfunktion ermöglicht Sitzplatzvarianten von 4.426 bis zu 7.127 Plätzen, und der schnelle Umbau des Innenraums gestattet in kurzen Intervallen verschiedene Sport-, Theater-, Konzert- und Messevarianten (Konarzewski: 1997). Seit dieser Umrüstung ist die Halle mehr denn je für kommerzielle Veranstaltungen aller Art nutzbar. Die neue Bestuhlung hat jedoch den Nachteil, dass das Niveau der Halle während des Umbaus um ca. einen Meter abgesenkt werden musste, was der Architektur- und Kunsthistoriker Ilkosz scharf kritisiert: „Der vom Architekten Berg geplante ‚Goldene Schnitt’ wurde durch diese Änderung zerstört“ (Vgl. Ilkosz 1999: 190).

Unsere Zeit ist, wie die der Weimarer Republik und die der letzten Dekaden Volkspolens, von „prominenten“ Zeichen geprägt, die neben ihrem repräsentativen Charakter auch einen messbaren Nutzwert aufweisen. So sind die Bauherren zu diesen Zeiten meist darauf bedacht gewesen, die intendierte Symbolik mit einem tatsächlichen Mehrwert der Halle zu verknüpfen, wobei heute auf eine „gewollte“ Symbolsprache fast vollständig verzichtet wird, sofern man die Werbung eher als notwendiges Übel marktwirtschaftlicher Zwänge versteht. Die dreißiger, vierziger und vielleicht auch die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren hingegen eine Zeit heftiger „politischer Symbolproduktion“, was durchaus dem jeweiligen Zeitgeist entsprach (Włodzimierz Wydra ist hingegen der Auffassung, dass der Bau zu keiner Zeit als ein politisch symbolträchtiger Ort wahrgenommen wurde.Vgl. Interview: Wydra).Doch auch die Zeichen jener Zeiten waren an der Oberfläche der Halle angebracht und blieben in der Regel nicht haften. Die Iglica (in diesem Fall natürlich vor der Halle und nicht an der Fassade) markiert hier die große Ausnahme.

Die unternommene Auflistung von Zeichen kann nur knapp sein und muss daher mit unerwünschten Verkürzungen vorlieb nehmen. An dieser Stelle nicht genannt sind die zahllosen aufwendigen Bühnenbilder, die aus Anlass von Parteitagen, Kongressen oder anderen politischen Großveranstaltungen errichtet wurden.

Dessen ungeachtet wird bei einem genauen Studium der Oberfläche der Halle und anderer Quellen deutlich, dass der Bau in seiner (vermeintlich rein) politischen Funktion, Ausstrahlung und Symbolik in der Ausgangsthese weit überschätzt wurde. Es zeigt sich einmal mehr, dass es häufig Bilder von politischen Großereignissen sind, die aus der Geschichte transportiert werden. Andere alltägliche und weniger spektakuläre Veranstaltungen fallen aus dem historischen Gedächtnis heraus. Die heutige Wahrnehmung der Geschichte der Jahrhunderthalle geschieht somit oft aus einer tendenziell überpolitisierten Perspektive heraus.

Eine abschließende Begutachtung der gesammelten Spuren legt die Vermutung nahe, dass sich die „profanen“ Zeichen als das „nicht Intendierte“ oder das „Sein“ und die „prominenten“ Zeichen als das „Intendierte“ beziehungsweise das „Sollen“ verstehen lassen. Lesen wir die Spuren auf diese Weise, so ergibt sich daraus ein Interpretationsmuster, anhand dessen sich nachvollziehen lässt, welchem Zweck und welcher Idee die Hala Ludowa im Laufe der Geschichte diente. Es lohnt sich, den Oberflächen Respekt zu zollen, denn sie zeigen alles, was zu zeigen ist. Doch auch dieses visuelle Bemühen des Verstehens von Geschichte bleibt unbeholfen, wenn es isoliert angewandt wird. Deshalb folgen nun zwei weitere, methodisch andere Annäherungen an Vergangenheit und Gegenwart der Hala Ludowa.



Zweiter Teil: Das Symbol JahrhunderthalleProlog

Eine Annäherung an das „Symbol Jahrhunderthalle“ macht zuallererst eine Trennung erforderlich. Denn das architektonische Monument der Jahrhunderthalle kann nicht gleichgesetzt werden mit dem historisch und mental konjunkturellen Symbol, das es darstellt. Der in solidem Stahlbeton ausgeführte Bau zerfällt also in zwei Teile: einen materiellen und einen immateriellen, ein Bild und ein Urbild. Beide bedingen und beeinflussen einander, und zeigen sich beispielsweise dafür verantwortlich, dass noch heute stilisierte – und historisch nur bedingt so belegbare – Urbilder einer mit politischer Bedeutung aufgeladenen Halle mit den Bildern einer kommerzialisierten Sportarena kollidieren beziehungsweise in Konkurrenz gebracht werden.

Die oben angestrebte Differenzierung verfolgt das Ziel, den Untersuchungsgegenstand von seinem Gegenstand zu trennen und ihn jenem Deutungshorizont zu entrücken, in dem er nur mehr innerhalb der Grenzen eines ehemals politischer Versuchung erlegenen und heute marktwirtschaftlichem Diktat unterlegenen Objekts zu fassen ist. Die in der Einleitung dieses Kapitels formulierte These, die am Beginn der Auseinandersetzung mit der Jahrhunderthalle stand, erweist sich dahingehend als entschieden zu kurz gegriffen. Sie stütz sich auf willkürliche Beobachtungen eines im Heute stehenden Betrachters, die denkbar vorbelastet sind – oder um es mit den Worten Cassirers zu sagen: „In allen unseren Wahrnehmungen findet eine [...] Auslese statt: in allen greifen wir bestimmte Gestaltungen heraus, von denen wir sagen, dass sich uns in ihnen die ,wirkliche’ Form des Gegenstands darstelle, während wir andere nur als periphere und als mehr oder weniger zufällige Erscheinungsweisen desselben gelten lassen“ (Cassirer 1982: 181). Herausforderung dieser Überlegungen ist es also, den Mechanismus einer tendenziös gedeuteten Halle zu ergründen und zu hinterfragen, um dadurch zu einer Aussage über die eigentliche Bedeutung der Jahrhunderthalle zu finden. Welche Zwecke erfüllt die Deutung der Jahrhunderthalle? Welche Interessen wurden dadurch befriedigt beziehungsweise können befriedigt werden, dass dem sichtbaren Gegenstand „Jahrhunderthalle“ Bedeutungen auferlegt wurden und werden, die jenseits ihrer selbst liegen? In der in seinen Überlegungen zu einer „Philosophie als Theorie der Kultur und der Kulturwissenschaften“ gegebenen Definition von Symbolen als „Verweisungsdingen“ berücksichtigt Oswald eben diese jenseits des eigentlichen Gegenstands liegende Bedeutungsebene. Er führt seinen Ansatz weiter: „Dabei sind zwei Dinge hervorzuheben. Einmal macht ihr materieller Dingcharakter die Symbole zu öffentlichen Gegenständen, die jedermann wahrnehmen und benutzen kann und die daher auch immer an einen öffentlichen Gebrauch gebunden sind. Zum anderen macht ihr medialer Dingcharakter die Symbole zu Gegenständen mit einer Eigenstruktur. Sie stehen uns als durchaus eigenständige Dinge gegenüber [...]“ (Schwemmer 2004: 671-681).

Schwemmers Definition ist dahingehend hilfreich, als sie die zwei wichtigsten Eigenschaften des Symbols genauer benennt, die zum einen seinen Gebrauch erlauben (beziehungsweise erzwingen), diesen zum anderen jedoch auch erschweren. Sodann ist durch den Hinweis auf seine „Verweisungsfunktion“ die Eingebundenheit des Symbols in eine – wie der Kultursemiotiker Jurij Lotman sie bezeichnete – Semiosphäre angesprochen, die sowohl das Symbol als auch die Gesellschaft in einer Stellung gegenseitiger Beeinflussung und Abhängigkeit positioniert. Damit wird es notwendig, in der Schaffung von Symbolen engagierte Akteure auszumachen, um sich dem eigentlichen Gegenstand, seiner Funktion und Funktionalität zu nähern. In Bezug auf die Jahrhunderthalle sollen vier solcher Akteure Aufschluss geben gegenüber: dem Symbol der Politik, dem Symbol der Architektur, dem Symbol der Touristen und, schließlich, dem Symbol der Stadt. Obgleich alle Akteure an der Installation und Durchsetzung des symbolischen Gehalts mit beteiligt sind und schließlich, die Kompetenzen überlappend, eine Trennung in der Wirklichkeit nicht vorhanden ist, so erscheint die methodologische Trennung der Akteure die sinnvollste Vorgehensweise, um zu Schlüssen zu gelangen, über die jeweilige Bedeutung des Symbols für die Akteure und also schließlich auch dessen Zukunftsfähigkeit. Dabei werden lediglich Deutungsangebote in Form einer Diskussionsgrundlage skizziert.



Das Symbol der Politik Prolog

Größe und Monumentalität sowie die Position im gesellschaftlichen Interesse und Verkehrsbereich machen die Jahrhunderthalle zu einem Ort des gesellschaftlichen Diskurses, zu einem Ort, an dem der Zeitgeist regiert, dessen Sinn mittelbar erschließbar gemacht beziehungsweise zu erschließen gehofft wird. Darin nähert sich der Bau einem anderen Gebäudetypus in Qualität und Plurifunktionalität an, der in Mitteleuropa über Jahrhunderte hinweg eine Karriere machen sollte, die jener der Jahrhunderthalle im 20. Jahrhundert nicht unähnlich ist. Brüche und Kontinuitäten in der Bedeutung, Entdeutung und Neudeutung ebenso wie die Funktionen der Jahrhunderthalle lassen den Vergleich der Jahrhunderthalle mit einem kirchlichen Großbau in vielerlei Hinsicht als der weiteren Verfolgung würdig erscheinen. Die Halle firmierte im Laufe ihrer Geschichte beziehungsweise firmiert auch heute mitunter noch als Ort des Gedächtnisses und der Jenseitshoffnung, im übertragenen Sinne auch als Ort der Segnung, des Gebets, der Predigt, als Ausgangs- und Endpunkt von Prozessionen, als Stätte geistlicher sowie weltlicher „Freuden“, als Statussymbol, als Festung und Zwingburg, als eine Stätte der Verständigung. Die Vergleichbarkeit von Kathedrale und Jahrhunderthalle beruht auf ähnlicher (relativer) Zweckhaftigkeit und Größe. Noch mehr jedoch beruht sie auf der Position beider im gesellschaftlichen Interessensbereich, ihrer Geprägtheit von Gesellschaft und ihrer gesellschaftsprägenden Kraft.

Darin ist die Halle als bedeutungsgeladener und bedeutungsverleihender Bau der Kathedrale nahe, ebenso wie in ihrer Monumentalität und ursprünglichen politischen Intention. Diese erzwingt schließlich eine Auseinandersetzung: Sofern eine um Selbstbehauptung verlegene politische Macht mit dem Bau und den ihm innewohnenden „Verweisungszusammenhängen“ konfrontiert ist, muss sie versucht sein, sich durch Umwertung seiner Gefügigkeit zu versichern und neue Deutungen assoziativ mit ihm zu verbinden. Die wiederholte und spezifische „Beseelung“ des Baus wurde beispielsweise durch neue Namengebung erreicht.



Das Symbol der Architektur

Die Architektur nimmt als Kunstform in jener weltanschaulichen Epoche, die gemeinhin Moderne genannt wird, die wohl bedeutendste Rolle ein – wie Zygmunt Bauman schreibt: „Tatsächlich offenbarte sich der Geist der Moderne am nachhaltigsten in der Architektur und bezog gerade von ihr die meisten seiner Denkgebäude und entscheidenden Metaphern, die in der Ausbildung moderner Weltanschauungen zusammenwirkten“ (Bauman 1998: 13). Es entspricht diesem Geist, dass die Jahrhunderthalle nicht als bloßes Produkt dieser Weltanschauung erscheint: Sie ist kein Zeichen der Moderne, sie verkörpert diese. Darin ist sie explizit kein „Symbol der Moderne“ – der Terminus „Ausdruck“ trifft den Sachverhalt besser.

Die Jahrhunderthalle kann erst mit Verweis auf den Anspruch der Architektur auf Gestaltung menschlicher Lebenswelten als Symbol, als ein noch im gesellschaftlichen Diskurs verhandelbares Verweisungsding gelten. Sie verweist eben auf jene gestalterische Mitbestimmung des Alltags, die der Architektur im Allgemeinen zugrunde liegt und die sich die Moderne lediglich als Prärogativ zu sichern versuchte. Das bezieht sich vornehmlich auf jenen Topos der „Ordnung“, der als Reaktion auf urbanistische Begebenheiten der Zeit in der Architekturschule der Moderne überaus bedeutsam war und der vor allem für dessen klare, konditionierende, imponierende Wirkung auf den Betrachter oder Nutzer sorgte. Diese Wirkung der Ordnung, mit der laut Simmel „der Verstand am schnellsten fertig wird“ (Vgl. Simmel 1992: 203), hält für die Jahrhunderthalle, und hier insbesondere in der axialsymmetrischen Komposition der Eingangssituation (Abb. 12), bis heute an.



Das Symbol der Touristen

Jeder Tourist lädt den Bau individuell als Symbol mit Bedeutung auf. Sind Symbole Sinn-Bilder, die aus dem menschlichen Bedürfnis heraus gestaltet werden, das Unsichtbare als Anschaubares zu besitzen, und ist das Symbol also immer ein Extrakt, ein Destillat aus einer Fülle von Einzelgedanken, so vermag es ganze Gedankenreihen in einer bedeutsamen Prägnanz zusammenzufassen. Interessant ist dieser Ansatz in jener Hinsicht, als der – geistige – Bau für jeden individuell diese Zusammenfassung bedeutet, und dass damit das Symbol abhängig ist von jenen, die ihm diese Qualität zuschreiben. Ohne geschichtsbeflissene Bildungstouristen ist kein „geschichtliches Symbol“ der Jahrhunderthalle auszumachen, ohne den Parteigänger kein politisches, ohne den Essayisten keines des Zeitgeistes...

Einen lohnenden Überblick über verschiedene touristische Symbolvarianten liefern hierfür Berichte aus Reiseführern. So schreibt Paul Habel kurz vor der pompösen Einweihung des Gebäudes im Jahre 1913 hoffnungsvoll: „Die Jahrhunderthalle, ein mächtiger Kuppelbau in Eisenbeton, wird ein Wahrzeichen der Stadt und ein bleibendes Denkmal der Erinnerungsfeier der Freiheitskriege sein“ (Habel 1913: 130). Karl Baedeker weist am Vorabend des Zweiten Weltkrieges auf den Bedeutungswandel des Gebäudes unter den Nationalsozialisten hin, unter denen das Innere „seit 1936 zu einer Weihestätte ausgestaltet“ wird (Baedeker 1938: 47).

Polnische Reiseführer, die im Nachkriegsjahrzehnt publiziert wurden, berichten vor allem von zwei Dingen: Erstens vom Wiederaufbau des stark zerstörten Areals um die Hala Ludowa, wobei die Halle selbst den Krieg weitgehend unbeschadet überstand (Vgl. Ilkosz 1999: 210). Zweitens und weit mehr jedoch noch berichten sie von der „Ausstellung der Wiedergewonnen (West-)Gebiete“ im Jahre 1948, deren Zentrum die Halle bildete. Diese Schau, die unter „großen organisatorischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Anstrengungen entstanden ist, zeigte die Erträge unserer Arbeit und gleichzeitig den neuen Abschnitt der polnischen Ökonomie, welche die neue sozialistische Struktur bildet“ (Lewański 1953: 100 (3)).



Das Symbol der Stadt

Breslau und seine Jahrhunderthalle leben in Symbiose. Ohne die Stadt, die sich 1908 bereits öffentlich die Frage gestellt hatte „Braucht Breslau eine Veranstaltungshalle?“, bestünde der Bau nicht – ohne den Bau würde die Stadt eines ihrer prominentesten Wahrzeichen missen. Es ist das Interesse einer Stadt von der Größe Breslaus, sich als wichtige Stimme im kulturellen Diskurs des Staates zu präsentieren – dabei fungiert die Jahrhunderthalle als Zeichen der architektonischen Avantgarde der Stadt, ihrer politischen Bedeutung, ihrer touristischen Magnetwirkung, ihrer historischen Rolle. Die Jahrhunderthalle wird zum Kurzzeichen für die Stadt, macht ihre Bedeutung in komprimierter, ikonisierter Form unmittelbar transportier-, vermarkt- und vermittelbar.



Das Symbol als Aussage der Gegenwart und Zukunft

Das Ausstellungsgelände im Osten Breslaus mit seinem architektonischen Mittelpunkt, der Jahrhunderthalle Max Bergs, ist ein Ort, an dem die von Cassirer angesprochene wahrnehmungsspezifische „Auslese“ jedem Besucher eine andere „,wirkliche’ Form“ (Cassirer 1982: 181) präsentiert. Ist es auch notwendig einzuräumen, dass nicht für jeden Betrachter der Bau ein beseeltes Moment trägt – nicht für jeden ist der Ort durchdrungen von einem spezifisch bedeutsamen „genius loci“, nicht ausnahmslos ist er ein „Symbol“ – so erlaubt die als Formprozess untersuchte mehrheitsfähige Wahrnehmung des Gebäudes ein Verständnis seiner sinnerzeugenden Funktion in Anlehnung an das von Claude Lévi-Strauss vorgegebene Motto, dass nicht die Gesellschaft Symbolik hervorbringt, sondern die Symbolik die Gesellschaft (Vgl. Ricoeur 2004: 93). Das macht zuerst einen Rückgriff auf jenen Topos der Kulturwissenschaften notwendig, in dem die „Kultur als Zeichensystem“ zu lesen unternommen wird. Hier spielt gerade jener gebürtige Breslauer eine wegweisende und noch heute maßgebliche Rolle, der mit seiner Philosophie der symbolischen Formen die „Kultur als Prozess der Herausbildung von symbolischen Wahrnehmungs-, Denk- und Lebensformen“ (Krois 2004: 109) beschrieb: eben Ernst Cassirer. Wenn dabei auch zu beachten ist, dass die Deutung menschlicher Lebenswelten gemäß symbolischer Verweisungszusammenhänge vornehmlich zwischenmenschliche Kommunikationsräume untersucht und sich dieser im engsten Sinne anthropologische Ansatz der Kulturwissenschaften also in der Linguistik und Ethnologie der größten Prominenz erfreut (etwa bei Bourdieu oder Geertz), so lassen sich trotzdem die Befunde, die sich in der Auseinandersetzung mit einem eher linguistisch operierenden Symbolismus bewährt haben, auch auf Architektur und also auch auf die Jahrhunderthalle applizieren, wenn diese als Artikulationsleistung, sei es auch mit qualitativ anderem medialen Charakter, anerkannt ist. In Anlehnung an das Wort von Ricoeur, nach dem „eine Erfahrung, der keine Worte gegeben werden, [...] eine blinde, konfuse und nicht mitteilbare Erfahrung [bleibt]“ (Ricoeur 2004: 93), ist die Jahrhunderthalle dabei ein Ort der Aussprache mit sich und – was wohl seine besondere Stellung bis heute festigt – ein Ort, der die Kommunikation mit anderen erlaubt. Darin erreicht der Bau eine prominente und beispielhafte Stellung als Ort, an dem eben das realisiert wird, was sich die Stadt Breslau im Lichte ihrer bewegten Geschichte als Vermächtnis erkoren und als Herausforderung gestellt hat: „Stätte der Begegnung“ zu sein.



Dritter Teil: Das Leben der Halle

Während in den bisherigen Überlegungen der Ansatz verfolgt wurde, erstens die Zeichen der Vergangenheit der Hala Ludowa aufzuspüren und, zweitens sich mit dem „immateriellen“ Gebäude auseinanderzusetzen, jenem, das in der Erinnerung und in den Diskursen über die Hala von Bedeutung ist, so war es dem Autorenkollektiv auch wichtig, das eigentliche Geschehen in der Hala Ludowa zu untersuchen. Gespräche mit langjährigen Angestellten des Hallenbetreibers, ebenso wie mit Architekten und „Liebhabern“ der Halle sollten aufdecken, welche Geschichte der Ort in den letzten 20 bis 30 Jahren durchlebte. Dabei wurden die Gesprächspartner vor allem danach gefragt, inwiefern der „symbolische“ und politische Gehalt der Halle mit dem Ende des sozialistischen Systems an Aktualität einbüßte, ob die Hala Ludowa sich heute also als rein marktwirtschaftlichen Zwängen unterworfene Immobilie zeigt.

Kaum jemand kennt die Hala Ludowa so gut wie die Menschen, die dort arbeiten. Zumeist schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten mit dem Ort verbunden, ist ihnen jeder Winkel des Baus vertraut, jeder, der mit dem Gebäude etwas zu tun hat oder hatte, ist ihnen ein alter Bekannter, sie wissen um jedes Gerücht, das sich um den Bau rankt, sie kennen die Bilder, die man sich von außen macht, und die Realität, wie sie sich „im Inneren“ der Halle präsentiert. Dieses privilegierte Wissen ist vor allem ein sehr komplexes, eines, das bemühte Stereotype sofort mit einem Gegenbeispiel entkräftet, das Vorstellungen von der Rolle und Geschichte der Halle um pikante Details und Anekdoten bereichern kann – es ist letztendlich jedoch ein Wissen, das jeglicher Symbolisierung der Halle zuerst mit Skepsis entgegentritt, ja sich gegen jede Vereinnahmung zur Wehr setzt. Wer als Techniker oder als Bürokraft in der Hala Ludowa arbeitete, hatte für jedes Schauspiel einen Backstage-Pass und von jeder Fassade, die hier aufzubauen oder zu wahren versucht wurde, kennt er die lichtabgewandte Seite. Wer den Techniker Andrzej Kreis - auf seinen Dienstgängen stets von seinem Boxer-Mischling Iki begleitet - in ein Gespräch zieht, wird sehr bald zu der Erkenntnis gelangen, dass hier vieles „nur halb so wild“, anderes wiederum übermäßig reglementiert und peinlich überwacht war (Vgl. Interview: Kreis).

Die Hala Ludowa war zu Zeiten der Volksrepublik Polen ein staatseigener Betrieb. Heute ist sie eine Gesellschaft in staatlichem Besitz – das erlaubt zwar größere Freiheiten, bedeutet jedoch auch, dass sie in finanzieller Hinsicht auf sich allein gestellt ist. Der sozialistische Betrieb war dabei nicht nur mit der Bewirtschaftung der eigentlichen Halle betraut, sondern ebenfalls zuständig für das dazugehörige Messegelände und die sie umgebenden Grünanlagen des japanischen Gartens und des Scheitniger Parks. Zudem zeichnete der Betrieb für die Dekoration und Herrichtung der gesamten Stadt anlässlich politischer Großereignisse wie am 1. Mai oder der Ankunft der Friedensfahrt, aber auch bei der Enthüllung beziehungsweise Einweihung neuer Denkmäler verantwortlich. Damit übernahm die Halle (beziehungsweise der zuständige Betrieb) eine eminent wichtige Aufgabe in der Organisation und Durchführung politischer Kundgebungen und Ereignisse (Vgl. Interview: Makowski).

Ein Blick in das Pressearchiv der Hala Ludowa zeigt, dass politische Veranstaltungen indes nicht das Tagesgeschäft des Betriebes darstellten. Den meisten Raum im Veranstaltungsrepertoire nahm ein facettenreiches kulturelles Programm ein, das Konzerte von Pop bis Rock sowie volkstümliche Trachtenparaden, Singwettbewerbe und Filmvorführungen einschloss. Zwei Dinge erscheinen hier beachtenswert: Zum einen zeichnet sich das Programm durch eine ausgesprochene Naivität aus. Es ist ein Programm, das insofern eine indirekte politische Bedeutung hatte, als es in keinem Fall gegen politische Wertvorstellungen verstieß: Für dem System nicht genehme Inhalte blieb die Halle geschlossen. Zum zweiten, und dieses ist vielleicht noch aufschlussreicher, durfte sowohl eine Woche vor als auch eine Woche nach einer politisch orientierten Veranstaltung kein Programm in der Halle stattfinden. Nicht nur mussten – eventuell sogar mit einem Vorlauf von Monaten geplante – Veranstaltungen kurzfristig „ausgeladen“ werden, auch war darauf zu achten, dass einer Politveranstaltung keine Konkurrenz in der Öffentlichkeitsarbeit, sprich der öffentlichen Wirkung erwuchs: ein Programm von politischer Bedeutung musste innerhalb eines Zeitrahmens von bis zu zwei Wochen als singuläres Großereignis gelten können.

In der Erinnerung der Hallenbediensteten an das kulturelle Programm der Zeit nehmen die Filmvorführungen den meisten Raum ein. Das Kino Gigant lockte zeitweilig bis zu 4.000 Menschen pro Vorführung in die Halle. Gezeigt wurden dabei vor allem solche Filme, die dem Publikumsgeschmack entsprachen, also amerikanische Produktionen. Ein „von oben“ bestimmtes Programm, in dem filmische Werke der sozialistischen Bruderstaaten überwogen hätten, lässt sich nicht erkennen, doch können auch dem gezeigten Hollywood-Kino keine subversiven Tendenzen nachgesagt werden.

Regelmäßig fand die sogenannte „Niederschlesische Messe“ (Targi Dolnośląskie) statt, ein Event, das den Charakter einer mit Jahrmarkttreiben garnierten Handelsmesse hatte. Da die Messe in Zeiten sozialistischer Mangelwirtschaft gesonderte Warenzuweisungen erhielt und zudem „strategisch“ – das heißt von Seiten des Wojewodschaftskomitees – im Vorlauf zu wichtigen Feiertagen wie dem Weihnachtsfest anberaumt wurde, erfreute sie sich so auch besonderer Beliebtheit und wurde zum festen und nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil des jährlichen Programms der Halle. Der Markt hatte über die Messen wieder Eingang in die Halle des Volkes gefunden.

Nachdem der politische Wechsel des Jahres 1990 erfolgt war, erhielt der Betrieb der Hala Ludowa auch die letzte Rate staatlicher Bezuschussung, mit der bis dato der Großteil der Geschäftskosten gedeckt worden war. Sie stand nun also vor nicht unerheblichen finanziellen Problemen. Im Versuch, sich finanziell über Wasser zu halten, wurden die bereits zu Zeiten der Volksrepublik ungemein erfolgreichen und publikumswirksamen Messen unter verändertem Vorzeichen fortgeführt. Der Volksfestcharakter entfiel, es blieben marktorientierte Konsummessen. Mit wachsendem Bedarf an neuen Waren und Gütern sowie einer an Schwung gewinnenden Wirtschaft trafen diese Messen mit ihren medizinischen, baugewerblichen und anderen thematischen Schwerpunkten den Nerv der Zeit. Am besten illustriert dies vielleicht ein pikantes Beispiel: Zu ausgewählten Messen öffnete in einem der Wirtschaftsräume an der Außenseite der Halle einer der ersten Breslauer Sexshops seine Pforten. Bereits das Gerücht, ein Laden des lustorientierten Bedarfs eröffne hier bald, ließ Wochen zuvor schon vereinzelte Neugierige verstohlen um das Haus schleichen und leise Fragen stellen.

Die Vermarktung des Messestandortes Breslau erreichte mit der – gegen Shanghai nicht wirklich als „gescheitert“ zu bezeichnenden, doch jedenfalls nicht erfolgreichen – Bewerbung um die Ausrichtung der EXPO 2010 ihren bisherigen Höhepunkt. Die Etablierung des Messestandortes an der Oder hat dagegen mit Problemen zu kämpfen, denen gegenüber auch ein Marketingstratege machtlos ist: augenfällig ist der schlechte Zustand der Hala Ludowa mitsamt ihres Umfeldes, schwerwiegender jedoch die begrenzte Kapazität an überdachtem Raum und offenem Terrain, in beziehungsweise auf dem Stände und Pavillons errichtet werden können. Nicht zuletzt – und dieser Misstand wurde wiederholt zur Sprache gebracht – ist dieses der Abtretung eines bedeutenden Teils des früheren Messegeländes an den der Strasse gegenüber gelegenen Breslauer Zoo in den 1970er Jahren anzulasten. Ein tragfähiges Konzept, das Abhilfe schaffen könnte, steht bisher aus – und damit ein erklärtes Eintreten für die Entwicklung der Hala und Breslaus zum Messestandort zwischen Leipzig und Krakau, jenseits von Expo-Träumereien.

Als wichtiges wirtschaftliches Standbein nahm auch ein Kulturprogramm wieder eine tragende Rolle in der Hala Ludowa ein: das in den 1970er-Jahren bereits so erfolgreiche Kino Gigant, das infolge des Kriegsrechts geschlossen worden war, stellte über die Wendewirren hinweg und bis hin zur großen Innenraumrenovierung von Mitte der 1990er Jahre einen Publikumsmagneten dar. Eine in frühen Renovierungsplänen noch berücksichtigte, versenkbare Leinwand wurde nicht mehr installiert.

Auch Konzertveranstalter buchten gerne die nun für Veranstalter jeglicher Couleur „offene“ Halle – das Programm changierend zwischen Rockkonzerten und Tanzveranstaltungen, Oper und Disko. Insgesamt blieb das Geschäft mit der Kultur jedoch – wie so oft – ein Verlustgeschäft. Die immensen Unterhaltskosten für Gebäude und Technik ließen und lassen sich einfach nicht auf die zahlende Kundschaft einer Kulturveranstaltung umlegen – wäre dieses der Fall, so wären die Eintrittspreise gleich so hoch, dass die Kundschaft ausbliebe.

Nicht aus dem Veranstaltungskalender der Hala Ludowa ist heute der Basketball wegzudenken. Die erfolgreiche Breslauer Mannschaft zieht Sportenthusiasten aus nah und fern an, und sorgt mit ihren zahlreichen Sponsoren, der prominenteste darunter der Mobilfunkanbieter „Idea“, für ein grundlegend verändertes Bild sowohl innerhalb als auch außerhalb der Halle: der Innenraum ist beherrscht von dem zentral unter der Kuppel liegenden Spielfeld, kaum ein Blick auf die Architektur streift nicht eines der vielen Banner oder sonstigen Werbeträger. Gleichzeitig hat die Hala Ludowa wieder Eingang in die nationalen Abendnachrichten und in die überregionale Presse gefunden – im Sportteil.

Die Hala Ludowa zeigt sich somit heute wie auch früher als Messestandort ebenso wie als Ort der Kultur und des Sports. Insgesamt ist dieses Bild sehr vielschichtig und würde Max Berg in dessen Absicht, eine plurifunktionale Halle zu errichten, sicherlich zur Freude gereichen. Trotz dieser Erfolge der Betreibergesellschaft, den Ort fest im heutigen Veranstaltungskalender der Breslauer und im überregionalen Messeatlas zu verankern, gelingt es ihr nicht, zugleich das Gebäude zu retten. Zu lange hat der Zahn der Zeit an dem Bau genagt, ohne dass fortschreitender Korrosion und Rissbildung Einhalt hätte geboten werden können, ohne dass heute also die Immobilie überschaubar in ihren Wartungs- und Erhaltungskosten wäre. Der Direktor der Halle, Herr Makowski, nennt eine Summe von 12.000 Złoty als laufende Tageskosten für die Bewirtschaftung. Zu dieser Schätzung würden sich alsdann jene Kosten gesellen müssen, die eine dringend notwendige, komplette Außenrenovierung des Gebäudes und die Instandsetzung des umliegenden Geländes verursachen würden. Wenn es der Betreibergesellschaft also auch gelingt, das Gebäude und den „Standort Hala Ludowa“ zu erhalten und für Kultur- und Messeveranstaltung sogar attraktiv zu machen, so kann sein zukünftiger baulicher Erhalt nur von anderer Stelle aus ermöglicht werden. Dabei ist jedoch bis auf Weiteres kein Kostenträger auszumachen.

Bisher wurde lediglich der Innenraum der Halle „renoviert“, wobei marktwirtschaftliche Erwägungen den architektonischen gegenüber stark überwogen (siehe erste Teil dieser Arbeit: Spurensicherung I).

Dass diese Renovierung überhaupt möglich wurde, hängt mit einem Ereignis zusammen, das Fragen aufwirft: der Besuch Papst Johannes Paul II im Jahre 1997. Diese Fragen entstehen, da der Aufenthalt des Papstes in der Odermetropole mitsamt der dieses Ereignis begleitenden religiösen Manifestationen ein gesellschaftspolitisches Event darstellt, das in seiner Tragweite bis dato nur vergleichbar war mit den Parteifeierlichkeiten zu kommunistischen Zeiten. Zum ersten Mal war die nun marktwirtschaftlich operierende Betreibergesellschaft der Halle mit einer Veranstaltung konfrontiert, die politisch-moralisch, hier vielleicht religiös-moralisch, von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung war. Sie sollte in einer Form wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit geraten, wie sie es zuvor nur anläßlich von Maifeierlichkeiten tat und dabei schließlich von bestimmenden Instanzen in ihrem Mitspracherecht beschnitten wurde.

So fanden sich aufgrund des auch in den Riegen der Entscheidungsträger erstarkten Bewusstseins für die Bedeutung der Veranstaltung auf einmal Mittel für eine Innenrenovierung, als der baldige Papstaufenthalt Gewissheit wurde. Wenige Wochen vor dem eigentlichen Termin schalteten sich dann wieder besorgte Politiker auf Ebene der Stadt und der Wojewodschaft ein und sorgten für die Auslagerung eines nur kurze Zeit vor dem kirchlichen Kongress geplanten „Black Sabbath“-Konzertes auf eine andere Spielstätte. Eben dieser Konflikt – „Black Sabbath“ versus Papst – ist vielleicht die aussagekräftigste Situation, um das Paradigma von „politischer, heiliger Halle“ und „marktwirtschaftlicher Immobilie“ nach 1990 auflösen zu können. Die angesprochenen Sachverhalte (Vgl. auch Interview: Makowski) legen dabei nahe, dass bei zunehmender politisch-gesellschaftlicher Tragweite einer Veranstaltung aus der Halle wieder ein geheiligter Ort wird, der keinen Widerspruch dulden kann. Das marktwirtschaftliche Prinzip, nach dem die Betreibergesellschaft das Objekt einem jedem Interessenten gleichberechtigt zu vermieten hat, ist korrumpiert – am deutlichsten durch die Übernahme der Renovierungskosten, für die im Gegenzug Mitsprache in der Hallennutzung eingefordert wurde.

Und trotzdem kann der Papstbesuch auch als vollkommen unspektakuläre, lediglich „große“ Veranstaltung gedeutet werden. Denn die von höheren Instanzen erbrachten Leistungen und dafür eingeforderten Gegenleistungen waren nicht nur in deren Interesse – sie waren auch im Interesse der Betreibergesellschaft der Halle beziehungsweise diese wusste ihre Interessen mit durchzusetzen. Erstens: Die Renovierung der Halle; auch wenn diese erst im Vorlauf des Papstbesuches ermöglicht wurde, ist sie von der Betreibergesellschaft dergestalt genutzt worden, dass sie einen Ausbau der Technik, Bestuhlung etc. gemäß ihren Vorstellungen und ihrem späteren, dass heißt tagesgeschäftlichem Bedarf erreichte. Zweitens: Auch wenn der Ausfall des „Black Sabbath“-Konzertes den Verlust von Mieteinnahmen bedeutete, so hätte eine blinde Durchsetzung des Konzertes in der Halle unter Umständen zu einem Imageverlust geführt, der in keiner Relation zu den versprochenen Einnahmen gestanden hätte. Marktwirtschaftliche Zwänge, denen auch die Betreibergesellschaft der Hala Ludowa unterworfen ist, bedeuten eben nicht nur ein Addieren und Subtrahieren von Zahlen, in ihnen hat auch die Berücksichtigung der öffentlichen Wirkung getroffener Entscheidungen ihren Anteil.

Es zeigt sich zusammenfassend also folgendes Bild: Die Hala Ludowa hat sich von einem politisch bestimmten zu einem marktwirtschaftlichen Prinzipien unterworfenen Ort gewandelt. Dabei ist jedoch festzuhalten, dass sowohl die früher politische Halle nicht ohne planerische Ökonomie (sei diese auch noch so „sozialistisch korrumpiert“) als auch die heutige, marktwirtschaftlich operierende Betreibergesellschaft nicht ohne politisch-gesellschaftliches Kalkül zu arbeiten vermochten beziehungsweise vermag. Beides ist zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich stark ausgeprägt, beides bedingt einander zu bestimmten Zeiten, beides kann die Halle tragen und von der Halle getragen werden: vielleicht die schönste vermittelnde Aussage, um diese Überlegungen zum „Leben der Halle“ abzuschließen.



Originalzitate:

(1): „Hala była po prostu doskonałym obiektem, nadającym się do rożnego typu zgromadzeń. [...] Natomiast myślę, że hali jakoś nigdy nie nadawano takiej symboliki, żeby od razu kojarzyć ją z systemem...“

(2): „Główny dziedziniec Wystawy to przede wszystkim centralny punkt – obelisk. Igła stalowa przeszło 100 metrowej wysokości, triumf zarówno polskiej techniki i wyznalazczości jak i pracy, symbol naszego optymizmu, górująca nad ciężkim blokiem Hali Ludowej swą smukłością, lekkością i białością.“

(3) „[…] wykonana z ogromnym wysiłkiem organizacyjnym, artystycznym i naukowym zobrazowała dorobek naszej pracy, a jednocześnie nowy etap polskiego życia gospodarczego, kształtującego nową socjalistyczną strukutrę.“



Zeichenkatalog*

(* sofern der Ort nicht in Klammern vermerkt ist, gilt die Aussage für das gesamte Gebäude)

1. Periode: Deutsches Reich, Weimarer Republik, Drittes Reich (1914-1945)

Deckenlampen (im Rundgang/Wandelhalle) Deckenlampe (im Foyer) Steinfussboden (teilw. im Rundgang)

2. Periode. PRL (1945-1989)

Heizkörper (im Rundgang) Sanitäranlagen (nur noch teilweise) Beton- und Linoleumfußboden (teilw. im Rundgang) Parkett (im Foyer) Garderoben (im Rundgang) Flügeltüren Türen (zu den Nebenräumen des Rundgangs) Lichtschachtglas (teilw. im Rundgang – vermutlich Ersetzung nach Kriegsschaden) Lautsprecher (im Rundgang)

3. Periode: RP (seit 1989)

Telefonanlage Werbung, v.a. Banner, Schilder und Ballons (in der Halle) Multifunktionale Inneneinrichtung (Teleskopbestuhlung, Wechselboden für Sport, Messen usf.) (in der Halle) Lichtanlage (in der Halle) Lautsprechanlage (in der Halle) Getränke- und Snackautomaten (in der Halle) Rezeption und Empfangskiosk, Sperrholz-Verschläge (Rundgang und Halle) Videoüberwachungsanlage Sicherungskästen Elektrische Jalousien zur kompletten Abdunkelung (in der Halle) Bars (in Nebenräumen des Rundgangs) Infostand „Idea“ (im Foyer) Werbung (Fassade)


Interview:

Rozmowa z dr inż. Włodzimierzem Wydrą (Politechnika Wrocławska, Instytut Budownictwa, Zakład Konstrukcji Betonowych) przeprowadzona w dniu 27. maja 2004

Jaką Hala Ludowa, wcześniej Hala Stulecia, pełniła funkcję w 1913 roku a jaką pełni dzisiaj?

To zaczęło się od hali po prostu widowiskowej, od takich wielkich przedsięwzięć jak na przykład przedstawienie opery Wagnera. Była to także hala sportowa. Mieścił się tu w środku przez pewien czas drewniany tor wyścigów kolarskich. Odbywały się tu też spotkania polityczne, imprezy artystyczne, właściwie zgromadzenia wszelkiego rodzaju.

Czy sądzi pan, że Max Berg budował ta halę z myślą, że będą tutaj odbywały się zgromadzenia polityczne? Jaki miał on właściwie stosunek do funkcji tego budynku?

Berg zmarł w 1947 roku, a ja się wtedy urodziłem, dlatego trudno mi jest powiedzieć, co rzeczywiście miał na myśli... Natomiast wydaje mi się, że on planował, czytałem gdzieś na temat, że to miała być hala zgromadzeń. Ale nie była ona ogrzewana, co jest bardzo ważne i nie była na to ogrzewanie projektowana.

A kiedy powstały targi? Proszę pana, od samego początku od 1948 roku [sic!] tu już była zorganizowana „Wystawa Ziem Odzyskanych“ i wtedy powstała iglica, którą zaprojektował Stanisław Hempel, wysoka, stalowa iglica jako nowy symbol...

Co ten symbol miał oznaczać?

Wie pan, sama hala jest monumentalnym obiektem, jest obiektem ciężkim, bardzo ciężkim, jednym z najcięższych, ciężar na metr kwadratowy ma dokładnie taki jak Panteon. I w kontraście do hali iglica ta miała symbolizować strzelistość i lekkość, nowe czasy związane z materiałami tak innymi niż beton. Powrót do stali...

...i odwrócenie się od tego, co niemieckie...?

...nie, nie, nie. Chodziło, moim zdaniem, tylko o pewne zaznaczenie nowości...

... nowego początku?

Jako coś nowoczesnego prawdopodobnie. Wie pan, ja na to wszystko patrzę z punktu widzenia budowlanego. Hala - ciężka, monumentalna i taka, wie pan, historyczna – a tutaj iglica – nowoczesna, lekka, strzelista...

A czy mógłby pan wyliczyć z każdego okresu istnienia hali jeden symbol?

Pierwszym na pewno były organy, największe na świecie, zbudowane zresztą przez firmę Sauer z Frankfurtu nad Odrą, przyniesione później do kościoła garnizonowego [sic!], gdzie niestety spaliły się.

A może jakiś symbol z lat trzydziestych, z czasów Trzeciej Rzeszy?

Na górze, na zworniku wisiała swastyka, zostały jeszcze po niej druty. Piękna, ale co to znaczy piękna, jeżeli chodzi o swastykę... No, wie pan, robiona gotykiem swastyka podwieszona do tego zwornika, do tego centralnego punktu zwieńczającego konstrukcję. On jest wyjątkowo ważny. [...]

A czy istnieje tu jakiś symbol III Rzeczpospolitej?

Nie, nie sądzę... Hala w tej chwili jest obiektem historycznym, nie wolno go zmieniać. Ale tutaj powinien wypowiedzieć się historyk sztuki, a nie ja. Ja się dziwię, że pozwolono obniżyć posadzki we wnętrzu hali. Tyle się mówi, że obiekt historyczny. Natomiast nadawanie w tej chwili znaczenia politycznego – co to, to nie, to już nie te czasy.

Ale czy Hala miała kiedyś takie polityczne znaczenie?

Nie, nie sądzę... Z tego co ja wiem, hala się Hitlerowi nigdy nie podobała. Natomiast, gdy w 1948 odbył się tutaj Kongres Intelektualistów, to myślę, że to z tego powodu, że było to jedyne miejsce, które mogło pomieścić tak dużą liczbę osób. Nie było innego. Ale żadnej specjalnej symboliki się nie nadawało.

Czy to oznacza, że systemy polityczne, takie jak Trzecia Rzesza i jak potem PRL nie lubiły tego budynku, ale musiały go używać, bo nie miały innych obiektów?

Hala była po prostu doskonałym obiektem, nadającym się do rożnego typu zgromadzeń. Świetna akustyka, pojemność, to, że duża liczba osób mogła pomieścić się w kuluarach. Natomiast myślę, że hali jakoś nigdy nie nadawano takiej symboliki, żeby od razu kojarzyć ją z systemem... Wie pan, ja sam urodziłem się we Wrocławiu i myślę, że hala była dla Wrocławian zawsze obiektem o znaczeniu kulturowym, architektonicznym, symbolem, wie pan, pewnego stanu wiedzy, nigdy nie była kojarzona, wie pan, z jakimś symbolem władzy.

Może jeszcze krótko porozmawiamy o latach dziewięćdziesiątych. Czy mógłby mi pan powiedzieć, czy rekonstrukcja hali miała tylko taką techniczną funkcję, żeby miasto mogło ja w dalszym ciągu używać jako miejsce publiczne, ponieważ remont przeprowadzono tylko w środku hali, zmieniono nagłośnienie, światło i siedzenia, ale sama hala nie została odnowiona, o ile ja wiem tylko dach był odnowiony?

To był błąd. Wie pan, urzędujące władze nie zastanawiają się nad tym, co jest najważniejsze w takim obiekcie na dłuższą metę, tylko w danej chwili. Nie liczą czasu na setki czy na dziesiątki lat, władza liczy czas na swoją kadencje, na przykład pięć lat. Zastanawia się, czy w najbliższym czasie ma się tu odbyć jakieś znaczące spotkanie, i czy ktoś wybitnie ważny w związku z nim przyjedzie do Wrocławia. I co się wtedy robi? Wymienia się miejsca, siedziska, zmienia się ławki, krzesła drewniane na jakieś plastikowe, ponieważ okna są dziurawe, robi się żaluzje, żeby nie wiał wiatr i żeby nie było, powiedzmy, widać, że tam brakuje szyb albo, że są popękane. Nie wymienia się okien, nie inwestuję się w to. Nie robi się nic konstruktywnego, kompletnie nic i to jest duży błąd.

Dlaczego?

Dlatego, że, wie pan, zawsze zaczyna się od tego, co jest ważne dla obiektu. Nie zaczyna się od kosmetyki, żeby były niebieskie krzesełka i żeby były, powiedzmy, jakieś nowe głośniki.

A jak pan widzi przyszłość tego budynku?

Ja uważam, że zrobimy z niego świetny obiekt, który będzie wzorcem, jeśli chodzi o sztukę budowlaną. Trzeba też podkreślić to, że przed już ponad 90 lat, gdy hala była budowana, zrealizowano coś, co do dzisiaj budzi podziw, nie tylko takich ludzi, którzy tu przyjeżdżają zwiedzać, ale również specjalistów, którzy uczą przyszłych konstruktorów, jak obliczać tego typu konstrukcje. Te rozwiązania konstrukcyjne, które zastosowano tu kiedyś intuicyjnie, w tej chwili potrafimy potwierdzić obliczeniowo i tak jak Leonardo da Vinci podziwiamy za jego dzieło, i z to, że wyprzedził swoją epokę, tak w tej chwili podziwiamy też Trauera, konstruktora, który obliczał tą halę, oraz Berga za pewne wyprzedzenie epoki, jeżeli chodzi o konstrukcję budowlaną hali.

Jak pan sądzi, czy hala ma szansę dostać miejsce na liście UNESCO?

Musi je dostać, to jest, wie pan, jedyny obiekt tej klasy, które pod względem konstrukcji na to zasługuje. Ale tu są, pan na pewno wie, problemy własności, tam gdzieś miasto, tu jakaś spółka... W związku z tym, ponoć muszą być najpierw ustalone prawa do własności [...].

Bardzo dziękuję Panu za rozmowę.

Rozmowę przeprowadził Sören Urbansky.

Gespräch mit dem Ingenieur Dr. Włodzimierz Wydra (Technische Hochschule Wrocław, Institut für Bauwesen, Lehrstuhl für Betonkonstruktionen) am 27. Mai 2004

Welche Funktion erfüllte die Hala Ludowa, die frühere Jahrhunderthalle, 1913, welche Funktion erfüllt sie heute?

Seit ihrer Gründung war sie eine Zuschauerhalle mit so großen Unternehmungen wie der Wagner-Oper. Sie war gleichzeitig auch eine Sportarena. Einige Zeit gab es im Inneren eine hölzerne Radrennbahn. Ausserdem fanden politische Versammlungen und kulturelle, kurzum alle Arten von Veranstaltungen statt.

Was meinen Sie, hat Max Berg die Halle mit der Intention gebaut, dass hier politische Veranstaltungen stattfinden werden? Welche Einstellung hatte er zur Funktion des Gebäudes?

Berg starb im Jahr meiner Geburt, 1947, weshalb es mir schwer fällt zu sagen, was Berg dachte... Hingegen glaube ich, dass er plante – irgendwo habe ich gelesen, dass der Bau eine Versammlungshalle sein sollte. Aber sie war nicht beheizt, was ein sehr wichtiger Punkt ist, eine Heizungsanlage tauchte in den Entwürfen nicht auf.

Und seit wann finden Messen statt?

Von Anfang an, seit 1948 [sic!], als hier bereits die „Ausstellung der Wiedergewonnen (West-)Gebiete“ organisiert und die hohe, stählerne Nadel, die Stanisław Hempel entworfen hatte, als neues Symbol errichtet wurde.

Was sollte dieses Symbol bedeuten?

Wissen sie, die Halle selbst ist ein wuchtiger, sehr schwerer, ja einer der schwersten Monumentalbauten; ihr Gewicht pro Quadratmeter entspricht genau dem des Pantheon. Im Kontrast zur Halle sollte die Nadel Schlankheit und Leichtigkeit verkörpern; die neuen Zeiten waren mit völlig anderen Materialien als Beton verbunden. Es war eine Wiederbesinnung auf Stahl...

...und eine Abwendung von dem, was als deutsch galt...?

...nein, nein, nein. Es ging, meines Erachtens, nur um eine Betonung des Neuen...

...des Neubeginns?

Wahrscheinlich um etwas Neuartiges. Wissen sie, ich betrachte dieses Problemfeld aus einer bautechnischen Perspektive. Die Halle als das Schwere, Monumentale und als das Historische – und hier die Nadel, neu, leicht, schlank...

Können sie aus jeder Epoche der Halle ein derartiges Symbol benennen?

Das erste war sicherlich die Orgel, die größte der Welt, die von der Firma Sauer in Frankfurt an der Oder erbaut und später in die Garnisonskirche [sic!] verbracht worden war, wo sie leider durch einen Brand verlorenging.

Und ein Symbol der 1930er Jahre, aus der Zeit des Dritten Reichs?

Oben, genauer am Schlussstein hing ein Hakenkreuz, von dem später noch Drähte übrigblieben. Ein schönes, aber was heißt schon schön, wenn man von einem Hakenkreuz spricht... Wissen sie, das Hakenkreuz war mit einer Fraktur versehen an den Schlussstein, diesen zentralen Punkt, der die Konstruktion krönt, gehängt worden. Er ist unglaublich wichtig.[...]

Und findet sich hier auch ein Symbol des heutigen Polen?

Nein, ich glaube nicht... Die Halle ist nun ein historisches Objekt, an dem keinerlei Änderungen vorgenommen werden dürfen. Doch hierzu sollte sich ein Kunsthistoriker äußern und nicht ich. Es wundert mich, dass man der Absenkung des Fußbodens im Inneren der Halle zugestimmt hat. So viel wird doch darüber erzählt, dass dies ein historischer Bau sei. Eine politische Bedeutung heute hingegen – das sind einfach nicht mehr die Zeiten dafür.

Aber gab es den jemals eine politische Bedeutung der Halle?

Nein, ich vermute nicht. So weit ich weiß, hat Hitler die Halle nie gefallen. Als hingegen 1948 hier der Kongress der Intellektuellen stattfand, so geschah es denke ich aus dem Grund, dass sie einfach der einzige Ort war, in dem eine so große Zahl von Menschen untergebracht werden konnte. Es gab keine Alternative. Aber sie strahlte keine besondere Symbolik aus.

Bedeutet das, dass politische Systeme, wie das Dritte Reich und später die Volksrepublik Polen, den Bau nicht mochten aber dennoch auf ihn zurückgriffen, da sie keine anderen Orte hatten?

Die Halle war ganz einfach ein vortreffliches Gebäude für jegliche Art von Versammlungen. Sie hat eine wunderbare Akustik und ihr Volumen, auch der Fakt, dass eine große Anzahl von Menschen in der Wandelhalle Platz findet, ist für sie charakteristisch. Dagegen denke ich, dass sie nie eine besondere Symbolhaftigkeit ausgestrahlt hat, die eine Assoziation mit einem System nahelegt. Wissen sie, ich bin selbst in Breslau geboren und denke, dass für die Breslauer die Halle immer ein Objekt von kultureller und architektonischer Bedeutung gewesen ist, ein Bau, der einen bestimmen Wissenstand verkörpert und nicht den Gedanken an ein Machtsymbol [Symbol eines Regimes] hervorruft.

Lassen sie uns noch kurz über die 1990er Jahre sprechen. War die Rekonstruktion der Halle ihrer Meinung nach ein Vorgang rein technischer Natur, der es der Stadt ermöglichen sollte, den Bau auch weiterhin als Veranstaltungsort zu nutzen? Die Umbauten betrafen ja nur das Innere der Halle: die Lautsprecher- und Lichtanlage sowie die Bestuhlung, wohingegen die Halle selbst nicht saniert wurde, denn soweit ich weiß, wurde nur das Dach überholt.

Das war ein Fehler. Wissen sie, der jeweilige Machthaber denkt nicht darüber nach, was auf lange Sicht für ein solches Objekt von Belang ist, er richtet sein Handeln vielmehr auf den Moment aus. Regierungen denken nicht in Jahrhunderten oder Dekaden, sie denken in Legislaturperioden, zum Beispiel in einem Zeitraum von fünf Jahren. Eine Regierung überlegt sich, ob in näherer Zukunft an diesem Ort eine bedeutende Veranstaltung stattfinden soll und ob aus diesem Anlass eine wichtige Person Breslau besucht. Und was passiert, wenn dieser Fall eintritt? Es werden die Sitzreihen ausgetauscht, man wechselt die Holzsitze gegen irgendwelche Plastiksitze aus, und weil die Fenster undicht sind, bringt man Jalousien an, damit der Wind nicht hineinweht und man nicht sieht, dass Scheiben fehlen oder geborsten sind. Die Fenster werden nicht ausgewechselt, derartige Investitionen finden nicht statt. Es gibt keine konstruktiven Entscheidungen, es gibt sie gar nicht und das ist ein großer Fehler.

Warum?

Na weil man immer mit dem für das Objekt Wesentlichen beginnt. Man fängt nicht mit der Kosmetik an, also nicht mit blauen Stühlen und der Lautsprecheranlage.

Wie sehen sie die Zukunft des Gebäudes?

Ich denke, dass wir aus der Halle ein wunderbares Objekt machen werden, das ein Muster der Baukunst sein wird. Es muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass vor nunmehr über 90 Jahren, als die Halle gebaut wurde, etwas realisiert wurde, das bis heute Bewunderung nicht nur bei Besuchern und Touristen sondern auch bei Spezialisten hervorruft, die späteren Konstrukteuren beibringen, wie man einen solchen Bautyp berechnet. Die Konstruktionslösungen, die hier intuitiv angewandt wurden, können wir heute mittels Berechnungen bestätigen und so wie wir Leonardo da Vinci für sein Werk und dafür, dass er seiner Zeit voraus war, bewundern, so bewundern wir heute auch Trauer, den Konstrukteur, der diese Halle berechnete, und Berg, der ebenfalls seiner Epoche in gewissen Punkten, zumindest was die Konstruktion der Halle anbetrifft, vorausgeeilt ist.

Was denken Sie, wird die Halle eine Chance haben, auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eingetragen zu werden?

Sie muss in die Liste aufgenommen werden, denn sie ist das einzige Objekt ihrer Klasse, das es unter dem Gesichtspunkt der Konstruktion verdient. Aber es gibt, wie sie sicher wissen, ungeklärte Eigentumsfragen, auf der einen Seite die Stadt, auf der anderen Seite eine Handelsgesellschaft... Deshalb müssen wie es scheint erst die Eigentumsverhältnisse geklärt sein [...].

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Sören Urbansky (Übersetzung: Sören Urbansky).


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Abbildungen


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Kontakt-Mail: hotzan@euv-frankfurt-o.de | Zuletzt geändert am 28.12.2008
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