Referat für Motivationspsychologie: Eva Dobler (a9615491)
INTERESSE-ERREGUNG UND INTRINSISCHE MOTIVATION
nach Izard, Carroll E., 1994
Einleitung:
Die Theorien und Modelle, die ich in meinem Referat vorstellen möchte, sollen in erster Linie dazu dienen, „triebfreies", Stimulierung suchendes" Verhalten zu erklären.
Als Quelle dient mir das Buch „Die Emotionen des Menschen" von Carroll Izard. Ihr Anliegen ist es, diese verschiedenen Ansätze auf das Emotionskonzept von Interesse-Erregung (interest-excitement) zu beziehen, wobei unter Interesse-Erregung ein motivationales Konstrukt zu verstehen ist, das von der differentiellen Emotionstheorie als Erklärung für das Erforschen, Abenteuer, Problemlösen, Kreativität und den Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten in Abwesenheit von Trieben und negativen Emotionen eingebracht wurde.
Differentielle Emotionstheorie:
Nach der differentiellen Emotionstheorie gibt es drei Haupttypen stabiler motivationaler Variablen:
Bei diesem Ansatz wird davon Ausgegangen, daß Vieles, das üblicherweise mit intrinsischer Motivation erklärt wird, tatsächlich eine Funktion der Emotion Interesse-Erregung und deren Interaktionen mit perzeptiven und kognitiven Prozessen sei. Eine weitere Emotion zur Erklärung intrinsisch motivierter Verhaltensweisen sei die Emotion Vergnügen-Freude und außerdem die Interaktionen zwischen Interesse und Freude.
Ein wichtiger Vertreter dieser Theorie ist übrigens Silvan Tomkins.
William James (1890): Selektivität von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
James stellte fest, daß unsere Wahrnehmung selektiv ist und wir niemals mehreren Reizen die selbe Aufmerksamkeit zukommen lassen bzw. die Vielzahl von Stimuli, die ständig auf uns einwirkt, niemals als gleich wichtig behandeln.
Der Begriff Interesse wird von James mehrmals verwendet, allerdings unsystematisch und nicht als Erklärungsbegriff. Trotzdem erscheint es Carroll mit James‘ aufgestellter Theorie durchaus vereinbar, Interesse als ein angeborenes Gefühl anzuerkennen, das „die motivationale Unterstützung für den Mechanismus liefert, der Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsselektivität ausübt und sowohl Ordnung als auch Erregung in die Welt des Individuums bringt" (Carroll, 1994, S. 221).
S. Freud (1938): Besetzung/Kathexis – ein triebtheoretischer Ansatz
Freud entwickelte den Begriff Besetzung, mit dem er im Prinzip nichts anderes erklärte, als die Kanalisierung und Verwertung psychischer Energie sowohl in bezug auf Personen und Objekte als auch hinsichtlich Gedanken oder Vorstellungen. Die Entwicklung und Richtung dieser Besetzungsvorgänge soll durch die sogenannten Lust- und Unlustentbindungen reguliert werden. Bei diesen handelt es sich um nichts anderes als die Lust bzw. den Schmerz, die durch die jeweilige Wahrnehmung des besetzten Objektes in unserem psychischen Apparat ausgelöst werden. Bei diesen Vorgängen kommt es nach Freud wieder zu Meinungs-verschiedenheiten zwischen den drei Ebenen des Ichs.
So kommen zu den Besetzungen noch Gegenbesetzungen, die Abwehrmechansismen darstellen, die das Ich zum Beispiel einsetzt, um unannehmbare aggressive Kräfte oder Besetzungen des Es zu unterdrücken. Der Dynamik des Wechselspiels treibender (Besetzungen) und unterdrückender Kräfte (Gegenbesetzung) liegt also das Spannungsfeld zwischen Es, Ich und Überich zu Grunde.
Obwohl es eine Reihe von Parallelen zwischen diesem und dem Konzept von Interesse-Erregung gibt, handelt es sich doch um unterschiedliche Ansätze. Besetzungen können positiv oder negativ sein und sowohl treibend als auch unterdrückend wirken. Interesse hingegen ist positiv und motiviert Annähern, Erforschen und kreatives Bemühen. Es gibt kein globales Konzept negatives Interesse, stattdessen werden unterdrückende Kräfte durch unterschiedliche negative Emotionen erklärt. Außerdem bezieht sich Interesse-Erregung nur auf jenes Wahrnehmen, Denken und Handeln, das nicht durch biologische Triebe, Freude oder negative Emotionen ausgelöst wird.
Freude gilt nämlich als der zweite positive Affekt neben Interesse, der aber bei weitem nicht so stark ist. So stellt Interesse die vorherrschende Emotion dar, die bei normalen gesunden Individuen sowohl vor der Freude als auch vor allen negativen Emotionen zusammen wirkt.
Drei Motivationskonzepte nach G. W. Allport (1937, 1955, 1961):
Allport will Emotionen als Motivationsbegriffe anerkennen und von den primären Triebkonzepten als alleinigen Erklärungskonstrukten für Lernen und Persönlichkeit wegkommen.
In bezug auf intrinsische Motivation diskutiert er drei Motivationskonzepte und führt den Begriff der funktionellen Autonomie ein. Dieses Prinzip soll erklären, wie aus einer beliebigen Aktivität, mit der man aus irgendeinem Grund befaßt ist, ein Ziel an sich werden kann. So kann aus einer Tätigkeit, die man rein zum Nahrungserwerb betreibt, wie zB dem Fischen, ein Ziel werden. Und zwar in dem Sinn ein Ziel, daß man auch dann noch Fischen geht, wenn der Bedarf längst anderweitig gedeckt ist, einfach weil man gerne am Meer sitzt, also eine Art Interesse für das Meer entwickelt hat.
Ein weiteres Konzept Allports ist das Konzept des Eigenstrebens, das im Gegensatz zum Spannungsreduktionsmodell von Motivation steht. So widersetzen sich Aktivitäten, die durch Eigenstreben motiviert werden, einem Gleichgewicht, und Spannung wird eher aufrechterhalten als reduziert. Als Beispiel verwendete Allport gern den „unersättlichen" Drang großer Entdeckungsreisender wie Amundsen.
Bei der Diskussion der Lernprinzipien betont Allport das Konzept der Beteiligung, das er in zwei Ebenen unterteilt:
Im Zusammenhang mit Ichbeteiligung meint Allport: "Wir sprechen nun offensichtlich von Interesse. In diesem Kapitel sind wir mehreren Prinzipien begegnet, die für sich in Anspruch nehmen, ‚das wichtigste‘ Gesetz des Lernens zu sein; aber der Anspruch des Interesses ist der stärkste von allen. Interesse ist Beteiligung mit den höchsten Stufen der Motivation" (Allport, 1916 zitiert nach Izard, 1994, S. 226 (Heraushebungen stammen von der Referentin). Dadurch, meint Izard, erhält der Begriff des Interesses einen motivationalen Status und eine affektive Konnotation.
William McDougall (1908): Neugierinstinkt
McDougall wiederum beschäftigte sich ausführlich mit der Neugierde, die er zusammen mit der damit verbundenen Emotion Verwunderung als einen der wichtigsten instinktiven Prozesse beim Menschen betrachtete.
Er erkannte, daß Neuheit bei der Weckung von Neugierde eine sehr wichtige Rolle spielt. Außerdem kam er zu der Überzeugung, daß zwischen Neugierde und Furcht ein knappes und unstabiles Gleichgewicht besteht und daß sich die Auslöser dieser beiden Zustände sehr ähneln. So wird Neugierde seiner Meinung nach durch geringere Grade von Fremdheit und Ungewohntheit ausgelöst, Furcht hingegen durch stärkere Grade. Damit nimmt er Tomkins‘ Vorstellung vorweg, daß die Auslösung von Interesse und Furcht sich nur in der Steilheit des Gradienten der Stimulierung unterscheidet.
Einer anderen Annahme McDougalls zufolge wurzeln im Neugierinstinkt die spekulativen und wissenschaftlichen Tendenzen des Menschen, wodurch er auch die Grundlage für die hervorragendsten menschlichen Leistungen darstellt. Das bedeutet daß, das Niveau einer Zivilisation unter anderem also auch von der Neugierde der Gesellschaft abhängt.
Berlynes Definition von Neugierde unterscheidet sich nur wenig von der McDougalls. Er faßte Neugierde als eine Reaktion auf, schrieb ihr aber gleichzeitig die Eigenschaft zu, Reize zu erzeugen. Somit gab er ihr auch einen motivationalen Status. Weiters nahm er an, daß Neugierde sowohl angeboren sei als auch erworben werden könne. Auch stellte er fest, daß Beobachter der frühen Kindheit wie zB Piaget von intensiver Neugierde und erforschender Betätigung bei Kindern lange vor dem Spracherwerb berichteten. Diese Untersuchungen widerlegten seiner Ansicht nach Freuds Auffassung, daß Neugierde zuerst durch sexuelle Probleme geweckt werde. Berlynes ursprünglicher Theorie zufolge löst erstens ein neuer Stimulus eine Triebreiz erzeugende Reaktion – nämlich Neugierde – aus, die nachläßt, wenn man dem Stimulus fortdauernd ausgesetzt ist. Zweitens handet ein Organismus in bezug auf einen Neugierde erregenden Stimulus so, daß die Stimulierung verstärkt wird.
Intrinsische Motivation:
Später versuchte Berlyne (1960, 1967) zusätzlich den Reizselektionsprozeß bei perzeptiven und intellektuellen Aktivitäten zu erklären, die ohne die offensichtlichen Quellen der Motivation auftreten. Er unterschied beim weiterhin zentralen Begriff der Neuheit drei sich ergänzende Variablen, und zwar Veränderung, überraschendes Auftreten und Inkongruenz. Die wichtigsten organisierenden Variablen sind für ihn – sowohl bei der Erklärung von Stimulusauswahl als auch bei explorierendem Verhalten – Neuheit, Ungewißheit, Komplexität und Konflikt, während Aufmerksamkeit und erforschendes Verhalten die wichtigsten Prozeßvariablen darstellen. Als neurologische Grundlage der Aufmerksamkeit sieht er die Aktivität der Formatio reticularis des Hirnstamms, das würde seiner Ansicht nach bedeuten, daß alles Aufmerksamkeit weckt, was Erregung auslöst. Der Begriff der Erregung gewann für Berlyne in Folge auch immer mehr an Bedeutung.
Drei Formen der Erregung nach Lacey:
Berlyne bezog sich dann auf Laceys drei Erregungsformen: die autonome, die elektrokortikale und die verhaltensbezogene Erregung.
Diese drei unterscheiden sich funktionell und anatomisch. Ermöglicht werden die verschiedenen Formen durch eine beträchtliche Differenzierung in Struktur und Aufbau innerhalb der Formatio reticularis und durch Beiträge zur Erregung von seiten des Hypothalamus, des limbischen Systems und der verschiedenen lemniskalen sensorischen Bahnen. So scheint jede Emotion ein einzigartiges Bewegungsmuster oder eine einzigartige neurophysiologische Basis zu haben.
Berlynes Determinanten von Erregung:
Berlyne unterschied dann weiter drei Arten von Determinanten von Erregung:
Neugierde und explorierend-erforschendes Verhalten betrachtet er als Funktionen von Stimulierungs- (Erregungs-) Anstieg, während motivierende oder verstärkende Zustände im allgemeinen sowohl von einem Anstieg als auch von einem Rückgang der Erregung herrühren können. Laut Berlyne wirken alle Formen von Motivation und Verstärkung durch eine bestimmte Form von neurophysiologischer Erregung.
In Frage gestellt wurde die Bedeutung der Erregung für intrinsische Motivation von Nunnally und seinen Mitarbeitern aufgrund einer Reihe von Experimenten über die Wirkungen von Neuheit und Komplexität auf visuelles Explorieren. So argumentiert Nunnally dafür, die Reaktion auf Neuheit oder Informationskonflikt nicht als Ergebnis einer Erregungsveränderung zu sehen, sondern als eine Art menschlichen Tropismus in Richtung auf Beachtung von neuen Objekten und Ereignissen und den Versuch, sie zu verstehen (Nunnally, 1972).
Das optimale Erregungsniveau
Berlyne ist der Meinung, daß Oganismen auf die Dauer nach einem optimalen Erregungsniveau streben, wobei dieses je nach Zeitpunkt unterschiedlich zu sein scheint, sich aber meistens zwischen hohen und niedrigen Erregungszuständen bewegt. So ziehen Stimuli je nach ihrem Erregungspotential Aufmerksamkeit an und halten sie aufrecht, und Organismen reagieren auf die Stimuli so, daß sie die Erregung regulieren und nahe dem optimalen Niveau halten. Das Erregungspotential eines Reizes ist nichts anderes als eine Funktion der vorher beschriebenen organisierenden Variablen.
Perzeptive Neugierde wäre nun nichts anders als ein hoher Erregungszustand, der durch spezifisches Explorieren abgeschwächt wird, da Explorieren zu einer Verringerung der Stimulierung und zu Gewöhnung führt. Hingegen kann der Organismus bei einem niedrigen Erregungszustand (Langeweile) auf Stimuli mit hohem Erregungspotential reagieren, um die Erregung wieder auf ein höheres Niveau zu bringen.
Berlyne war nun an und für sich der Ansicht, daß sich die Beziehung zwischen Lernen und Erregung am besten durch eine umgekehrte U-Kurve beschreiben lasse. Allerdings gibt es keine Daten, die darauf hinweisen, daß irgendetwas zu interessant sein kann, um erforscht zu werden. Andererseits besteht natürlich die Möglichkeit, daß die Erregung als intensivste Form von Interesse einen Punkt erreichen kann, an dem Lernen oder Leistung weniger erfolgreich sind.
White (1959): Konzept der Effektivität – Kompetenzmotivation
Ebenfalls hin zu komplexeren Motivationsmodellen bewegte sich White, der 1959 in einem überzeugenden Aufsatz die Mängel der Triebtheorien in der Tradition von Freud und Hull erörterte. Ähnlich wie Allport suchte auch er nach motivationalen Variablen, zuätzlich zu denen, die auf Gewebedefiziten beruhen.
Er gab einen Überblick über Ergebnisse zur Unterstützung der Annahme, daß Organismen selbst ohne Gegenwart neuer Objekte, die zum Explorieren anreizen, Objekte manipulieren. Weiters unterstützte er durch Beweismaterial die These von Woodworth, daß die Tendenz ein bestimmtes Objekt zu explorieren mit zunehmender Vertrautheit nachläßt. Außerdem bezog White die Ergebnisse zum Explorationstrieb auf Untersuchungen,die darauf hindeuten, daß Verstärkung und Belohnung nicht notwendigerweise mit Trieb- oder Bedürfnisbefriedigung gleichzusetzen sind.
White trat dafür ein, die sogenannten „Neo-Triebe" oder Motive – Exploration, Neugierde, Manipulation oder Bewältigung – zu einem einzigen Konzept der Effektivität zu verbinden, einer Kompetenzmotivation.
Er geht davon aus, daß Effektivitätsmotivation neurogen ist, nämlich nichts anderes als die Energie der lebenden Zellen, aus denen das Nervensystem besteht. Außerdem glaubt er, daß sich die Effektivitätsmotivation ab dem Erwachsenenalter in verschiedene Motive wie Erkenntnis, Bewältigung und Leistung differenzieren lasse und zu jenen Gefühlen von Interesse beitrage, die uns oft bei alltäglichen Handlungen unterstützen.
Murphy (1958
): Der „Drang nach Entdeckung"Für Murphy ist die affektive Tendenz zum Explorieren ein „Drang nach Entdeckung", den er als lebendige Neugierde beschrieb. Ausgehend von einer evolutionär-biosozialen Perspektive erklärte Murphy sein Konzept im Zusammenhang mit langfristigen Veränderungen in der biosozialen Natur des Menschen. Er beschrieb drei Formen menschlicher Natur, die mit biosozialer Evolution korrelieren:
Für das Verlangen nach Entdeckung postulierte er eine dreifache Basis: die viszeralen Triebe, die Liebe zur Ordnung und die Resonanz auf die Natur und Struktur dessen, was uns umgibt. Diese drei Komponenten seien bereits in der ersten menschlichen Natur vorhanden, würden in der zweiten Form überarbeitet und durch die Kultur bereichert und würden dann schließlich beginnen, die ersten beiden Formen in die dritte zu transformieren.
Erwartung und Hoffnung
Zwischen der Emotion Interesse und den Konzepten Erwartung und Hoffnung besteht ein Zusammenhang, aber das Konzept der Erwartung genießt bisher noch keine allgemeine Anerkennung als theoretisches Konstrukt.
Vom Standpunkt der differentiellen Emotionstheorie aus, kann Erwartung als eine Form der Interesse-Kognition-Interaktion definiert werden. Ist diese ihrer Natur nach negativ, so kann sie Furcht erzeugen, ist sie positiv, kann sie zu Hoffnung führen. Nach Epstein (1972) ist Erwartung ein Parameter der Erregung, ihre Nichterfüllung eine hinreichende, wenn auch nicht notwendige Bedingung für einen Erregungsanstieg.
Auch der Begriff der Hoffnung ist schwer in eine Definition zu fassen. Nach Stotland (1969) hat man Hoffnung, wenn man eine Erwartung größer als Null in bezug auf die Erreichung eines Ziels hat.
Für Mowrer (1960) ist Hoffnung eine Art affektiv-kognitive Interaktion und eine der vier grundlegenden Emotionen, die Verhalten auslösen und steuern.
J. McV. Hunt: kognitive Betrachtung intrinsischer Motivation
Einer der ersten, der das Konzept der intrinsischen Motivation in systematischer und detaillierter Weise bearbeitete, war J. McV. Hunt. Er definierte sie als die Motivation, die der Informationsverarbeitung inhärent ist.
Seiner Ansicht nach wird Verhalten durch Inkongruenz zwischen Input (sensorischen Daten, Information) und einer internen Norm oder einem internen Maßstab bestimmt. Letzterer kann genetisch oder durch Erfahrung festgelegt sein. Aus der Inkongruenz resultiert Erregung, durch die Verhalten seine Energie erhält. Je nach dem hedonistischen Wert der emotionalen Erregung wird Verhalten auf ein Objekt oder eine Situation zu oder davon weggelenkt. Die Reaktionswahl ist im Prinzip nichts anderes als die Funktion von Faktoren wie Aufmerksamkeitswert und Erregungspotential des Stimulus.
Hunt wies das Konzept des optimalen Erregungsniveaus zurück, seine Auffassung von intrinsischer Motivation ist unmittelbar kognitiv. Nicht physiologische Zustände wie Aktivierung oder Erregung motivieren das Verhalten, sondern kognitive Inkongruenz oder Ungewißheit. So basieren nach seiner Definition Wahlen auf der Informationsinteraktion des Organismus mit seiner Umgebung, und Verhaltensänderungen und Lernen werden durch „ein optimales Maß an Inkongruenz" motiviert.
Deci (1975): ein (affektiv-)kognitiver Ansatz:
Eine allgemeine Theorie der Motivation kommt von Deci, der für seine Theorie zwar die Bezeichnung kognitiver Ansatz wählt, laut Carroll aber eigentlich stärker affektiv als kognitiv argumentiert.
Zusammengefaßt schaffen in seinem Modell Stimulusinputs eine „Bewußtheit von möglicher Befriedigung, die eine zielgerichtete Sequenz auslöst und mit Energie versorgt" (Deci, 1975, zitiert nach Izard, 1994, S. 237). Die grundlegende Bedingung ist also die „Bewußtheit möglicher Befriedigung", die durch Stimulusinputs (Hinweisreize, Information aus der Umgebung), Triebe (Gewebedefizite), Affekte (von Deci mit Emotion gleichgesetzt) oder „das intrinsische Bedürfnis nach Gefühlen der Kompetenz und Selbstbestimmung" ausgelöst werden kann.
Die Bewußtheit möglicher Befriedigung veranlaßt das Individuum, Ziele aufzustellen, die die Richtung für das Verhalten, das mit der Erreichung des Zieles endet, liefern. Diesem Verhalten können Belohnungen folgen: extrinsische Belohnungen im Fall von Trieben, affektive Belohnungen im Fall von zugrundeliegender Emotion oder intrinsische Belohnungen im Fall von Verlangen nach Kompetenz und Selbstbestimmung. Diese Belohnungen führen dann zur angestrebten Befriedigung.
Decis kognitive Bewertungstheorie:
Eine Erweiterung seiner Theorie liefert Deci durch drei Thesen:
Laut der ersten These nimmt intrinsische Motivation ab, wenn ein Individuum feststellt, daß sich der Ort der Verursachung von intern nach extern verlagert hat.
Der zweiten These zufolge steigt die intrinsische Motivation mit dem Gefühl von Kompetenz und Selbstbestimmung.
Die dritte These schlußendlich besagt, daß jede Belohnung sowohl einen kontrollierenden als auch einen informierenden Aspekt hat. Je mehr der kontrollierende Aspekt hervorragt, desto eher ändert das Individuum seine Wahrnehmung vom Ort der Verursachung. Je mehr der Informationsaspekt hervorragt, desto wahrscheinlicher kommt es zu Veränderungen im Gefühl von Kompetenz und Selbstbestimmung. Beides beeinflußt die intrinsische Motivation. Hinsichtlich der letzten These zeigten sich bei Untersuchungen Decis Geschlechts-unterschiede.
So steigert positives Feedback (verbale Ermutigung, Lob) die intrinsische Motivation bei Männern, verringert sie aber bei Frauen. Deci erklärt diesen Unterschied weitgehend mit der größeren Feldabhängigkeit von Frauen, die er dem Sozialisationsprozeß zuschrieb. So stand bei Frauen seiner Meinung nach der kontrollierende Aspekt stärker im Vordergrund und verschob den wahrgenommenen Ort der Verursachung vom internen zum externen Bereich.
Affektiv oder kognitiv?
Deci räumt dem Affekt Vorrang vor der Kognition ein, wenn er intrinsische Motivation als Bedürfnis nach einem Gefühl von Kompetenz und Selbstbestimmung definiert, denn der Begriff Bedürfnis wird normalerweise zumindest mit einer affektiven Komponente versehen, wenn nicht überhaupt zur Gänze als affektiv betrachtet. Außerdem räumt er den Emotionen in seiner Motivationstheorie einen bedeutenden Platz ein, indem er ihnen einen motivationalen Status zuweist und die Interaktion zwischen Emotion, Kognition und Handeln anerkennt.
Aber obwohl sich nach Deci die Bewußtheit möglicher Befriedigung auf Triebe, Empfindungen und Emotionen zurückführen läßt, die ihrer Natur nach ebenfalls alle drei affektiv sind, meint er doch auch, daß ihre kognitive Repräsentation der bedeutendste Aspekt der Motivation sei. Auch seine Betonung des Zukunftsaspekts von Motivation trägt dazu bei, seine Theorie näher beim kognitiven Lager anzusiedeln.
Primärquelle:
Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen, 2. Auflage, Weinheim, Psychologie Verlags Union, 1994.