ERFASSUNG VON EMOTIONEN
1. Einleitung
Bevor ein Meßinstrument für Emotionen erstellt werden kann, muß zuerst ein brauchbares Ordnungsmodell für diese vorliegen. Es wurde daher zuerst versucht verschiedene Emotionen zu Gruppen eventuell ähnlicher Emotionen zusammenzufassen. Aus diesem Grund muß man sich erst mit dem Problem der Beschreibung von Emotionen auseinandersetzen.
2. Beschreibung von Emotionen
Die Beschreibung von Emotionen kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen: Auf der Ebene des Erlebens, also auf der Ebene der Gefühle, auf der Ebene des Ausdrucks und auf der Ebene des körperlichen Zustands. Durch Angaben zu ihrer Qualität, ihrer Intensität und ihrem zeitlichen Verlauf können Emotionen näher charakterisiert werden. Die Messung des zeitlichen Verlaufs ist sehr einfach und auch die Intensität läßt sich aufgrund von Selbst- und Fremdbeurteilung leicht ermitteln. Viel schwieriger ist es jedoch herauszufinden, um welche Qualität es sich bei einer Emotion handelt. Versucht man durch freie Beschreibung die Qualität eines emotionalen Zustandes herauszufinden, muß man sich mit Formulierungen der Alltagssprache herumschlagen. Solche Formulierungen können beispielsweise sein: "Ich bin furchtbar sauer", "Ich bin ziemlich verärgert", "Ich bin sehr froh" oder "Ich fühle mich ganz happy". Sauer, verärgert, froh und happy sind hier Angaben zur Qualität von Emotionen. Begriffe wie furchtbar oder ziemlich geben nähere Auskunft über die Intensität der Emotion. Leider sind solche Beschreibungen für wissenschaftliche Zwecke nicht brauchbar, da man nicht weiß ob "sauer" und "verärgert" oder "froh" und "happy" die gleiche Art von Emotion beschreiben.
Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, daß Gefühle private, nur dem Betroffenen zugängliche, "innere" Ereignisse sind und daher nur untersucht werden können, wenn die betroffene Person irgendeine Auskunft darüber gibt. Natürlich kann diese Auskunft nicht nur über die Sprache, sondern auch über die Mimik und Gestik erfolgen. Dennoch hat sich die Sprache als das beste Mittel für diesen Zweck herausgestellt, da sie eine sehr feine Differenzierung zuläßt. Wie oben schon erwähnt ist die Umgangssprache oft sehr vage und mehrdeutig. Aus diesem Grund beschreibt die Versuchsperson in emotionspsychologischen Untersuchungen nicht einfach frei ihren Gefühlszustand, sondern man stützt sich auf standardisierte Beschreibungsmethoden. Wie schon zu Beginn erwähnt muß man zu deren Entwicklung erst ein Ordnungssystem für Emotionen erstellen. Aufgrund einer Vielzahl von Bezeichnungen für Emotionen und Stimmungen und aufgrund unüberschaubar vieler Ähnlichkeiten zwischen ihnen ist es aber nicht ganz leicht solch ein brauchbares Strukturenmodell zu finden. Auch die Grenze zwischen Stimmungen und Emotionen ist verschwommen und für viele Begriffe läßt sich keine klare Zuordnung treffen.
Um ein Ordnungssystem zu erstellen, benötigt man zuerst einen Überblick über das, was zu ordnen ist. Man braucht also in unserem Fall zuerst eine Liste von möglichst allen Emotions- und Stimmungswörtern. Mannhaupt hat 1983 dazu 200 Studenten nach einem "Gefühlszustand" gefragt. Er erhielt 119 verschiedene Antworten , wobei am häufigsten Trauer, Freude, Glück, Liebe und Wut vorkamen. Natürlich hängt die Zusammensetzung so einer Liste erheblich von der Instruktion ab, die gegeben wird. Außerdem stellt sich die Frage, ob nur sehr selten genannte Wörter überhaupt eine Emotion bezeichnen. Es werden daher oft nur die öfter genannten Wörter als Emotionswörter anerkannt oder die Versuchspersonen müssen die Wörter nochmals danach beurteilen, ob sie Emotionen beschreiben oder nicht. Hier zeigte sich, daß Begriffe wie Freude, Angst, Traurigkeit und Ärger mit hoher Übereinstimmung als Emotionsbegriffe eingestuft werden. Einsamkeit und Hoffnung werden schon weniger oft als Emotionswörter empfunden und Wörtern wie Sicherheit, Nervosität oder Geduld werden mit großer Übereinstimmung als Wörter, die keine Emotionen beschreiben, eingestuft.
3. Dimensionen emotionalen Erlebens
Eine mögliche grobe Untergliederung stellt die Unterteilung in verschiedene Dimensionen von emotionalen Erleben dar. Emotionen können durch zwei globale Dimensionen beschrieben werden: Durch die Dimension der Valenz (Lust - Unlust) erhält man ein grundlegende Information über das emotionale Befinden von Personen. Man erfährt also, ob sich die Stimmungslage einer Person im eher positiven oder eher negativen Bereich bewegt. Als zusätzliche Dimension kann die Aktivierung (Ruhe - Erregung) erfaßt werden, sie beschreibt also wie erregt die Person in der jeweiligen Stimmungslage ist. Die dritte Dimension, nämlich die der Dominanz kann vernachlässigt werden, da sich herausstellte, daß sie sehr stark mit den Einstufungen auf den anderen beiden Dimensionen einhergeht.
Christine Feiner
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4. Ermittlung von ÄHNLICHKEITEN ZWISCHEN EMOTIONEN
Hier gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze:
Beispiel: Bei der Analyse von Emotions- und Stimmungsfragebögen wird oft so vorgegangen, daß Versuchspersonen ihren momentanen Zustand durch Ankreuzen von Items (ängstlich, traurig etc.) beschreiben. Berechnet man Korrelationen zwischen den Items, zeigt sich vielleicht, daß "ängstlich" und "traurig" eng zusammenhängen.
Beide Ansätze können zu völlig verschiedenen Ergebnissen führen. Angst und Traurigkeit beispielsweise haben unterschiedliche Bedeutungen. Das wird sich bei der Erfassung ihrer semantischen Ähnlichkeit klar zeigen. Dennoch könnte es sein, daß Angst oft mit Traurigkeit einhergeht.
Die semantische Ähnlichkeit von Gefühlen bzw. Gefühlswörtern kann mit verschiedenen Methoden ermittelt werden:
4.1 EMOTIONSKATEGORIEN
Mit Hilfe von Clusteranalysen aber auch Faktorenanalysen können Emotionen gruppiert werden. Es gibt kein absolutes Kriterium für die richtige Anzahl der Kategorien.
In einigen Untersuchungen wurde versucht, eine möglichst repräsentative Auswahl von Emotionswörtern zu treffen. Shaver et al. (1987) ließen von amerikanischen Psychologiestudenten insgesamt 135 Wörter nach ihrer Ähnlichkeit sortieren. So erhielten sie eine Matrix, in der für jedes Item eingetragen ist, wie häufig es mit einem anderen Item zusammengelegt wurde. Shaver et al. (1987) bevorzugten eine Lösung mit sechs Clustern, die sie Liebe (oder Zuneigung), Freude, Überraschung, Ärger, Traurigkeit und Angst nannten. Jedes Cluster setzt sich dabei aus unterschiedlich vielen Wörtern zusammen, wobei das kleinste aus nur drei Wörtern besteht (Überraschung, Erstaunen, Verwunderung). Außer dem Überraschungscluster können alle weiter unterteilt werden. So können bis zu sieben Arten von Freude unterschieden werden: Heiterkeit, Lust, Begeisterung, Zufreidenheit, Stolz, Optimismus, Entzücken und Erleichterung. Jedes dieser Subcluster setzt sich wiederum aus einem Wort (Erleichterung) oder bis zu 17 Wörtern (Heiterkeit) zusammen. Auch die 17 Wörter des Subclusters Heiterkeit haben keineswegs die gleiche Bedeutung, sie sind sich nur relativ ähnlich.
Diese Untersuchung wurde mit italienischen und chinesischen Vpn repliziert (Shaver, Wu & Schwartz, 1992). Die Italiener erhielten Übersetzungen der englischen Begriffe, während für die Chinesen 110 Wörter aus ihrer Sprache ausgesucht wurden. In beiden Sprachen fanden sich Freude, Ärger, Traurigkeit und Angstcluster. Liebe, Überraschung und Mitleid waren spezifisch für die italienische Studie und Scham sowie "traurige Liebe" für die chinesiche.
Zusammenfassung: Es wird eine Einteilung in eine bestimmte Anzahl von Kategorien vorgenommen. Diese Einteilung wird jedoch nicht als die einzig "richtige" Lösung angesehen. Die einzelnen Kategorien können sowohl weiter unterteilt als auch mit anderen zusammengefaßt werden.
5. Methoden zur Messung von Emotionen
5.1 Ratingskalen
Die einfachste Methode stellt die Erfassung der beiden vorher genannten Dimensionen von Emotionen dar. Hierzu kann man die sogenannte Ratingskala in Form einer Likert-Skala oder in Form einer visuellen Analogskala verwenden. Auch Gesichterskalen oder Skalen mit gezeichneten menschlichen Gestalten eigenen sich zu Erfassung der globalen Dimensionen. (Alle Skalen Abb. 1 im Anhang)
Die Ratingskalen sind bipolare Skalen, an deren Pole "angenehm" und "unangenehm" steht. Die Likert-Skala ist mehrstufig, die einzelnen Abstufungen können auch benannt sein. So z.B.: sehr, ziemlich, etwas, weder noch, usw. Bei der visuellen Analogskala kreuzt die Versuchsperson auf einer Linie an, wie angenehm oder unangenehm sie sich fühlt. Für die Auswertung wird das Kreuz mit einem Lineal lokalisiert. Bei der zweiten Dimension wird genauso verfahren, die Pole können hier beispielsweise mit "erregt" und "ruhig" gekennzeichnet sein.
5.2 Gesichterskalen
Weitgehend ohne Sprache und Schrift kommen die Gesichterskalen und Skalen mit gezeichneten menschlichen Gestalten aus. Nur die Aufgabe und die Dimensionen werden hier verbal erläutert. Dann ist aber keine Sprache mehr nötig. Die Valenzdimension wird durch unterschiedliche Gesichtsausdrücke - vor allem durch eine veränderte Mundform - veranschaulicht. Die unterschiedlichen Grade der Erregung können beispielsweise durch ein unterschiedlich großes, sternförmiges Gebilde in der Bauchregion ausgedrückt. Besonders bei Kindern bietet sich eher eine solche graphische Skala an.
5.3 Das Semantische Differential
Das Semantische Differential stellt eine aufwendigere Form der Meßmethoden von Emotionen dar. Jede der Dimensionen wird hier durch mehrere Items erfaßt, so wird die Valenz beispielsweise durch die Adjektive "glücklich - unglücklich" und "zufrieden - unzufrieden" ausgedrückt. Es sind hier siebenstufige Skalen üblich, an deren Enden die gegensätzlichen Adjektive stehen, dies ist jedoch schon eine Vereinfachung der Originalform. Durch die mittleren Einstufungen auf diesen Valenzskalen erhält man ein globales Maß für die Valenz des Zustandes einer Person.
5.4 Vehrs Hebel-Vorrichtung
Ein Mittel mit dessen Hilfe man sowohl eine kontinuierliche Einstufung des Befindens auf einer Dimension, als auch den zeitlichen Verlauf einer emotionalen Reaktion darstellen kann ist die Hebel-Vorrichtung von Vehrs (1986). Die Versuchsperson hält einen Hebel in der Hand und bewegt diesen - beispielsweise während eines Filmes - in Abhängigkeit seines Befindens vor und zurück. Positive und negative Reaktionen kann man dann einzelnen Filmszenen zuordnen.
5.5 Emotions- und Stimmungsfragebögen
Es handelt sich hierbei um mehrdimensionale Verfahren, es werden also mehrere Dimensionen gleichzeitig erfaßt. Üblicherweise werden bei diesen Fragebögen zunächst verschiedene Skalen festgelegt, wobei jede Skala eine bestimmte Emotionskathegorie - z.B. Angst, Ärger, Traurigkeit, Freude - erfaßt. Jede dieser Skalen setzt sich weiters aus mehreren Items (=Adjektiven) zusammen, die sich auf einen bestimmten Bereich von Gefühlen beziehen. Für eine Ärgerskala könnten dies beispielsweise die Items "ärgerlich", "wütend", "gereizt" und "zornig" sein. Um feststellen zu können, daß die Items auch weitgehend das Gleiche messen, werden sie manchmal einer Faktorenanalyse unterzogen. Gelegentlich wird die Faktorenanalyse auch dazu verwendet, um die Skalen zu suchen bzw. zusammenzustellen, üblicherweise werden aber bereits vorhandene Skalen herangezogen. Es ist jedoch anzumerken, daß das Ergebnis der Faktorenanalyse von vielen Störvariablen verzerrt werden kann und daher ein einzelnes Untersuchungsergebnis keine besondere Aussagekraft hat.
Sind die Skalen festgelegt, werden die Items aller Skalen in gemischter Reihenfolge aufgeführt und mit einer Antwortskala (z.B. Ratingskala, ein Pol mit "trifft zu", der andere Pol mit "trifft nicht zu") versehen. Die Versuchspersonen müssen dann für jedes Item angeben, ob es auf ihren momentanen Zustand zutrifft oder nicht. Die Antworten werden dann für jede Person skalenweise summiert und der Summenwert gibt dann an, wie intensiv die Emotion einer Versuchsperson ist. Besteht eine Ärgerskala also aus den oben genannten Adjektiven (ärgerlich, wütend, gereizt, zornig), würde ein Proband beispielsweise zwei Punkte auf dieser Ärgerskala bekommen wenn er angibt, ärgerlich und gereizt, nicht aber wütend oder zornig zu sein. Die Versuchspersonen kreuzen in den meisten Fällen nicht nur eines der Items, sonder auch ähnliche Adjektive an.
Beispiele für Emotions- und Stimmungsfragebögen sind die Differential Emotions Scale von Izard, Dougherty, Bloxom und Kotsch (1974), sowie die Eigenschaftswörterliste von Janke und Debus (1978).
Für die Differential Emotions Scale (DES) nahm Izard zehn Grundemotionen an, die jeweils durch mehrere Items abgedeckt sind. Diese zehn Grundemotionen lauten übersetzt: Verachtung, Ekel, Ärger, Angst, Traurigkeit, Scham, Schuld, Freude, Überraschung und Interesse. Die Überraschungsskala setzt sich beispielsweise aus den Items "überrascht", "erstaunt", und "verwundert" zusammen. In mehreren Untersuchungen stuften die Probanden entweder ihr momentanes Befinden oder die Häufigkeit dieser Emotionen in einem bestimmten Zeitraum ein. Es wurden dazu fünfstufige Intensitäts- oder Häufigkeitsskalen verwendet. Anschließend wurden die Items durch Faktorenanalyse auf drei Adjektive pro Skala reduziert.
Ein weiteres unter vielen englischsprachigen Verfahren ist die MACL (Mood Adjektive Check List). Sie ist das wohl am häufigsten verwendete Verfahren. Andere, ebenfalls oft verwendete englischsprachige Verfahren sind die AD ACL (Activation-Deactivarion Adjective Check List), die 8SQ (Eight State Questionnaire) und das POMS (Profile of Mood States). Oft werden in der Forschung aber nicht die Originalversionen, sondern modifizierte Formen eingesetzt.
Eines der insgesamt 20 deutschsprachigen Verfahren zur Erfassung des Befindens stellt die Eigenschaftswörterliste (EWL) von Janke und Debus dar. Sie besteht aus 15 Skalen die wie folgt lauten (in Klammer ist jeweils ein Itembeispiel angegeben): Aktiviertheit ( tatkräftig), Konzentriertheit (aufmerksam), Desaktiviertheit (energielos), Müdigkeit (schläfrig), Benommenheit (dösig), Extravertiertheit (gesprächig), Introvertiertheit (wortkarg), Selbstsicherheit (unbekümmert), Gehobene Stimmung (heiter), Erregtheit (aufgeregt), Empfindlichkeit (verletzbar), Verträumtheit (gedankenverloren). In der Normalform der EWL sind 161 Items enthalten, welche von den Versuchspersonen mit "trifft zu" oder "trifft nicht zu" bewertet werden. Die Zahl der Items pro Skala variieren zwischen 4 Items bei der Skala Empfindlichkeit und 20 Items bei der Skala Deprimiertheit. Einige der Skalen korrelieren sehr hoch miteinander, weshalb eine Zusammenfassung der Skalen zu sechs Bereichen sinnvoll ist. Von dem Verfahren der EWL liegen inzwischen schon verschiedene kürzere Versionen vor, wobei sich eine Version mit 60 Items, die sog. EWL 60 als besonders repräsentativ herausstellte.
Einige Verfahren dienen explizit zur Erfassung des sog. habituellen Befindens. Unter dem habituellen Befinden versteht man das typische oder "normale" Befinden einer Person. Es wird hier nicht gefragt, wie man sich im Moment fühlt, sondern wie man sich normalerweise fühlt. Ein Beispiel dafür ist die Stimmungs-Skala von Bohner, Hormut und Schwarz (1991). Diese deutsche Version des englischsprachigen Mood-Surveys umfaßt die Stimmungslage und Stimmungsschwankungen der jeweiligen Versuchsperson. Die Skala für die Stimmungslage mißt, ob sich der Proband in einer gehobenen oder gedrückten Stimmung befindet. Ein Itembeispiel für diese Skala lautet: "Ich fühle mich meistens ziemlich fröhlich". Stimmungsschwankungen werden mit Items wie "Manchmal schwankt meine Stimmung sehr schnell hin und her" erfaßt. Es bedarf aber nicht unbedingt solcher speziellen Fragebögen zur Erfassung des habituellen Befindens, denn durch kleine Änderungen von Instruktion und Antwortmodus kann fast jeder Fragebogen zur Erfassung des aktuellen Befindens in einen zum habituellen Befinden umgewandelt werden.
Probleme bei der Anwendung von Emotions- und Stimmungsfragebögen
*Da sich die verschiedenen Verfahren in mehrfacher Hinsicht unterscheiden, ist es oft nicht leicht die richtige Auswahl zu treffen. Es ist daher sehr wichtig sich erst klar zu werden was man genau messen will: Soll das aktuelle oder das habituelle Befinden erfaßt werden oder will man spezifische Emotionen oder andere Befindensaspekte wie Müdigkeit oder Aktiviertheit gemessen werden.
*Ein ebenfalls sehr wichtiger Aspekt sind die Versuchspersonen. Eine Verfahren mit einer zu große Itemzahl oder einem zu differenzierter Antwortmodus kann für alte Menschen oder andere Patientengruppen ungeeignet sein.
*Außerdem ist zu beachten, daß sich Gefühlszustände sehr schnell ändern können, eventuell sogar während der Bearbeitung eines Fragebogens.
6. Physiologische Veränderungen im Zusammenhang mit Emotionen
Im Rahmen der Emotionsforschung wurden periphere Veränderungen, die vom vegetativen Nervensystem vermittelt werden, besondere Beachtung geschenkt. Herzfrequenz, Blutdruck und Hautleitfähigkeit und viele andere Variablen wurden im Zusammenhang mit Emotionen erfaßt. Aber auch hormonelle Veränderungen und Veränderungen im Zentralnervensystem wurden in der Emotionsforschung beachtet. Bislang ist es aber leider noch nicht gelungen unter den physiologischen Variablen einen spezifischen Indikator für Emotionen zu finden. Einzige Ausnahmen sind hier der Schreckreflex und die sexuelle Erregung. Natürlich könnte man die physiologische Erregung mit der bereits bekannten Erregungsdimension (Aktivierung) in Verbindung bringen. Es sprechen aber drei Argumente gegen eine solche Betrachtungsweise. Erstens korrelieren physiologische Variablen sehr stark miteinander und es könnte daher im Grunde jede Variable eine andere Erregung anzeigt. Zweitens sind viele physiologische Veränderungen, welche die Emotionsforschung untersucht hat, auch bei mentaler und körperlicher Anstrengung zu beobachten. Die Veränderungen sind also nicht unbedingt emotionsspezifisch. Drittens ist es fast nicht möglich, einen deutlichen Zusammenhang zwischen physiologischen Veränderungen und anderen Indikatoren von Emotionen festzustellen. Außerdem gibt es kaum Methoden, die speziell zur Messung physiologischer Veränderungen bei Emotionen entwickelt wurden. Viele in der Emotionsforschung verwendete Methoden sind Standardmethoden der medizinischen Diagnostik und der Psychologie.
Wie schon angeführt sind unter den großen Ausnahmen hier der Schreckreflex und die sexuelle Erregung zu nennen.
1990 führten Lang, Bradley und Cuthbert eine interessante Untersuchung zu Modulation des Schreckreflex durch, anhand der bewiesen werden konnte, daß sie ein brauchbarer Indikator zur groben Unterscheidung von positiven und negativen Emotionen sein könnte. Annahme der Untersuchung war, daß durch den Schreckreflex der momentane emotionale Zustand verändert wird. Ein positiver Emotionszustand soll also die Schreckreaktion abschwächen, ein negativer Emotionszustand soll sie verstärken. Zur Auslösung der Schreckreaktion verwendeten Lang, Bradley und Cuthbert einen kurzen akustischen Reiz, das über einen Kopfhörer vermittelt wurde. Untersucht wurde die Stärke des Schreckreflexes aufgrund der Lidschlagreaktion, das ist eine der Komponenten, aus denen er besteht. Der Vorteil besteht hier darin, daß das Ergebnis willentlich kaum verfälscht werden kann. Die Augen können zwar willentlich geschlossen werden, aber nicht mit einer so kurzen Reaktionszeit wie es bei der unwillentlichen Reaktion vorkommt. Es wurde bei dieser Untersuchung direkt die Aktivität des Muskels erfaßt, welche durch Verstärker und Aufzeichnungsgerät die Bestimmung der Stärke der Reaktion zuläßt. In mehreren Untersuchungen konnte gezeigt werden, daß die Stärke der Lidschlußreaktion von der Valenz des emotionalen Zustands der Versuchsperson abhängt. Beim Betrachten angenehmer Bilder fiel die Lidschlußreaktion schwächer aus also beim Betrachten neutraler Bilder und beim Betrachten unangenehmer Bilder war sie am stärksten ausgeprägt. Es ist aber leider noch nicht ganz geklärt, ob dieser Effekt nur allein auf die Valenz des emotionalen Zustandes zurückzuführen ist. Der Lidschlagreflex könnte nämlich auch von physiologischen Randbedingungen abhängen. Der Schreckreflex verändert sich vor allem in Abhängigkeit von Aufmerksamkeit und Interesse. Es sprechen zwar einige Untersuchungen dafür, daß die Größe des Schreckreflexes sich verändert, wenn der emotionale Zustand einer Person verändert wird, es sind aber trotzdem weitere Untersuchungen zur Generalität des Effektes nötig.
Die sexuelle Erregung kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern anhand der Durchblutung der Geschlechtsorgane erfaßt werden. Beim Mann wird hierzu ein dünner, dehnbarer mit Quecksilber gefüllter Schlauch um den Penis gelegt. Der elektrische Widerstand des Quecksilberfadens verändert sich mit der Veränderung des Penisumfanges. Bei der Frau erfolgt die Messung mit Hilfe eines tamponähnlichen Gerätes, das in die Vagina eingeführt wird. Das Gerät enthält eine Miniaturlampe, deren Licht von der Wand der Vagina teilweise resorbiert und teilweise reflektiert wird. Das reflektierte Licht wird mit einer Photozelle gemessen. Mit Verstärkungstechniken können die erhaltenen Signale, aufbereitet und aufgezeichnet werden. Bei den hier erhaltenen Signalen handelt es sich um Pulswellen, da sich die Durchblutung der kleinen Gefäße mit jedem Pulsschlag ändert. Die Amplitude der Pulswellen verändert sich dabei sehr sensibel mit der sexuellen Erregung. Morokoff (1985) zeigte in seinen Untersuchungen dazu Frauen einen Sexfilm oder einen neutralen Film. Die vaginale Pulsamplitude differenzierte gut zwischen den beiden Bedingungen. Die Pulsamplitude trennte sogar besser zwischen der Filmbedingungen als die von den Versuchspersonen selbst eingestufte sexuelle In verschiedenen Untersuchungen haben sich die beiden Methoden als gute Indikatoren für die sexuelle Erregung erwiesen. Extragenitale Maße sind dagegen nur unspezifisch und stehen höchstens in schwachem Zusammenhang mit der sexuellen Erregung.
Christine Feiner
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7. AUSDRUCK UND VERHALTEN
Mit dem Begriff Ausdruck verbinden wir die Vorstellung, daß sich der Zustand einer Person anderen Menschen in irgendeiner Weise zeigt.
Bei der Untersuchung des Ausdrucks bieten sich zwei Strategien an. Die eine besteht darin, sich mit den Schlußfolgerungen zu befassen, die seitens des Empfängers vorgenommen werden. Die zentrale Frage dabei ist, welche Emotionen von Beobachtern überhaupt zuverlässig erkannt werden.
Der andere Ansatz befaßt sich mit den Signalen. Allerdings hat es sich als schwierig erwiesen, die psychologische Bedeutung selbst so einfacher Signale wie dem Hochziehen der Mundwinkel zu klären.
Beide Ansätze werden für die Erfassung des Emotionsausdrucks genutzt.
7.1 Schlußfolgerungen, die seitens des Empfängers anhand des Ausdrucks vorgenommen werden
Es soll eine Antwort auf die Frage gesucht werden, ob und eventuell welche Emotionen anhand des Ausdrucks erkannt werden können. Dabei hat man sich mit einzelnen Ausdruckskomponenten befaßt. Die Mimik wurde am meisten untersucht.
7.1.1 MIMIK
Die wohl größte Untersuchung zur Beurteilungsgenauigkeit stammt von Ekman et al. (1987). Über 500 Vpn aus zehn Ländern sahen 18 Fotografien von Gesichtern. Die Bilder waren sehr sorgfältig danach ausgwählt worden, daß je drei von ihnen nach Ansicht von Ekman und Friesen Glück, Überraschung, Traurigkeit, Angst, Ekel bzw. Ärger ausdrückten.
Deshalb überraschen die hohen Trefferquoten von durchschnittlich 74 (Ekel, Ärger) bis 90 Prozent (Glück) auch nicht. Nicht trivial ist dagegen, daß die Beurteiler aus Japan, Hongkong und Sumatra ähnlich hohe Trefferquoten erzielten wie die aus den westlichen Kulturen. In einer weiteren Publikation (Ekman & Friesen, 1986) wird berichtet, daß auch drei Gesichter beurteilt wurden, die möglicherweise einen Ausdruck der Verachtung zeitgten. Einer dieser Gesichtsausdrücke wurde relativ häufig ( von durchschnittlich 75 Prozent der Beurteiler) als Verachtung interpretiert.
Als Beispiel einer Untersuchung mit unausgelesem Stimulusmaterial sei Osgood (1966) genannt. Psychologiestudenten dienten als Darsteller und auch als Beurteiler. Jede von 40 verschiedenen Emotionen wurde live vor den Beurteilern dargestellt. Die Darsteller befanden sich hinter einer Art Fensterrahmen mit einer Sichtblende. Sie konnten sich auf den angezielten Gesichtsausdruck vorbereiten. Dann wurde der Vorhang für zehn Sekunden hochgezogen. Während dieser Zeit sollten sie den Ausdruck beibehalten. Die Berteiler wußten, daß es sich jeweils nur um eine der 40 Emotionen handeln konnte. Die Trefferquote lag bei 13 Prozent. Selbst als Osgood die 40 Emotionen zu Kategorien zusammenfaßte und Verwechslungen innerhalb einer Kategorie (ZB Verachtung statt Ekel) als richtige Antwort akzeptierte, stieg die durchschnittliche Trefferquote nur auf 30 Prozent. Am besten erkannt wurden Freude (56 %), stilles Vergnügen (55 %) und Ekel (50%).
So unterschiedlich die Ergebnisse beider Studien sind, sie widersprechen sich nicht. Bei Osgood (1966) wurde das richtige Erkennen durch zwei Umstände erschwert. Eine Emotion kann nur gut erkannt werden, wenn sie treffend dargestellt wird. Mangelnde schauspielerische Fähigkeiten der Darsteller verschlechtern notwendigerweise die Trefferquote. Weiterhin werden nicht alle Emotionen gleich gut darstellbar sein. Unter den 40 Emotionen Osgoods befanden sich sogar vermutlich viele, die normalerweise nicht an der Mimik zu erkennen sind.
Die Untersuchung von Ekman demonstriert lediglich, daß man Aufnahmen von Gesichtsausdrücken finden kann, die in verschiedenen Kulturen mit Glück, Überraschung, Angst, Traurigkeit, Ekel, Ärger und Verachtung in Verbindung gebracht werden. Es handelt sich dabei um besonders charakteristische Aufnahmen. Keineswegs wird jeder mimische Ausdruck dieser Emotionen so gut erkannt. Das gilt für gestellte Gesichtsausdrücke, die nicht vorausgelesen wurden, und ganz besonders für spontane mimische Reaktionen.
7.1.2 STIMME
Bei Untersuchungen zum Erkennen von Emotionen anhand der Stimme stellt sich das Problem, daß der Sprachinhalt das Urteil nicht beeinflussen darf. Drei Lösungen bieten sich an:
Wie gut die Zuhörer erkennen, welche Emotion ausgedrückt werden soll, hängt auch hier davon ab, wie gelungen die Darstellungen sind, wieviele Proben zu beurteilen sind und wieviele Antwortmöglichkeiten bestehen.
In einer Studie standen den Beurteilern 12 Emotionen zur Auswahl. Hier lagen die Trefferquoten (gemittelt über 6 Sprecher und 64 Beurteiler) zwischen 66 (Angst) und 88 % (Gleichgültigkeit).
Insgesamt können Emotionen offenbar relativ gut anhand der Stimme erkannt werden. Scherer hat für 28 Beurteilungstudien eine durchschnittlich Trefferquote von 60 Prozent ermittelt.
7.1.3 KÖRPERBEWEGUNGEN
Eine Untersuchung, die sich explizit mit dem Erkennen von Emotionen anhand von Körperbewegungen befaßt, stammt von Sogon und Izard (1987). Je zwei männliche und weibliche japanische Schauspieler stellten Freude, Überraschung, Angst, Traurigkeit, Ekel, Ärger, Verachtung, Zuneigung, Erwartung und Anerkennung durch Körperbewegungen dar. Sie wurden dabei von hinten gefilmt; ihr Gesichtsausdruck wurde damit als Beurteilungsgrundlage ausgeschaltet. Jede Szene begann damit, daß die Person zwei Sekunden in einer neutralen Haltung verharrte. Dann führte sie nur vier Sekunden lang Körperbewegungen aus. Als Beurteiler fungierten amerikanische Psychologiestudenten, die für jede der 114 Szenen angeben sollten, welche von zehn Emotionen dargestellt wird. Die Ratewahrscheinlichkeit liegt also bei 10 Prozent. Tatsächlich erkannten die Beobachter die meisten Emotionen in 50 Prozent der Fälle und mehr. Insbesondere Angst, Ärger und Traurigkeit wurden oft richtig identifiziert. Schwer zu erkennen war Verachtung (ca. 30 % Treffer).
Diese und weitere Untersuchungen sprechen dafür, daß Körperbewegungen dazu benutzt werden, auch bei der Beobachtung natürlichen Verhaltens auf Emotionen zu schließen. Es ist aber dabei zu vermuten, daß die Trefferquote beim spontanen Verhalten sehr niedrig sein wird. In den Untersuchungen wurden störende Informationen ausgeblendet. Reales Verhalten ist sehr komplex, und Bewegungsmuster nur ein Aspekt.
Ein großes Problem für die Wissenschaft in den von Punkt 1.1 bis 1.3 behandelten Untersuchungen ist, daß es sich dabei immer um Eindrucksurteile handelt – d.h. sie verraten lediglich, wie jemand auf andere Menschen wirkt – im Grund wird nicht die Emotion der zu beurteilenden Person erfaßt, sondern ein Eindruck der Beurteiler!
7.2. Methoden zur Erfassung mimischer Reaktionen
Problem: Die beschreibenden Verfahren liefern nur Informationen darüber, ob eine bestimmte Veränderung des Gesichts (zB Hochziehen der Augenbrauen) vorliegt. Insofern können sie mit den meisten physiologischen Meßmethoden verglichen werden, die eine Registrierung bestimmter Veränderungen gestatten, aber zunächst keine Antwort auf die Frage geben können, ob diese Veränderungen spezifisch für eine Emotion sind.
Veränderungen der Mimik können beobachtet und beschrieben werden, ohne dabei auf Emotionen Bezug zu nehmen. Beispielsweise beobachten wir ein Heben der rechten Augenbraue, ein Zusammenpressen der Lippen oder ein Naserümpfen. Was solche mimischen Reaktionen bedeuten, ob sie etwa Ausdruck einer bestimmten Emotion sind, bleibt zunächst dabei offen.
Für die Messung der Veränderung der Mimik wurden standardisierte Verhaltensbeobachtungssysteme erfunden:
Gegenstand der Beschreibung sind 44 "Action Units" (Aktionseinheiten). Das sind mehr oder weniger komplexe Muster von mimischen Veränderungen. Action Unit 1 ist zB das Anheben der inneren Augenbrauen.
Bei der Anwendung des FACS sehen sich der oder die Beobachter jeweils kleine Abschnitte an. Wenn sie eine Veränderung der Mimik entdeckt haben, betrachten sie sich diesen Teil der Aufzeichnung (u.U.in Zeitlupe) näher. Jede Veränderung wird codiert, wobei zur gleichen Zeit auch mehrere Aktionseinheiten vorkommen können.
Daneben kann natürlich auch die Zeit festgehalten werden, indem Beginn, Zeitpunkt der stärksten Ausprägung und Ende einer Aktionseinheit protokolliert werden.
Nachteile:
Die Ursache der Bewegungen der Gesichtshaut, die für den mimischen Ausdruck verantwortlich sind, liegt in der Kontraktion zahlreicher Gesichtsmuskeln, die mit der Haut verbunden sind. Die Kontraktion eines Muskels wird durch Aktionspotentiale ausgelöst, die über die Muskelfasern laufen. Diese elektrische Aktivität kann auch auf der Hautoberfläche registriert werden.
Dazu dienen Oberflächenelektroden, die auf die Haut aufgeklebt werden. Das Signal wird verstärkt, um es überhaupt sichtbar machen zu können. Die Registrierung der elektrischen Aktivität von Muskeln nennt man Elektromyographie, das Ergebnis der Registrierung Elektromyogramm (EMG).
Nachteile:
Vorteile:
Die potentiellen Anwender müssen sich darüber bewußt sein, daß das EMG ebensowenig wie die Beobachtungsmethoden gestattet, spontane und willentliche mimische Reaktionen zu unterscheiden. Die Nervenimpulse für willkürliche und spontane emotionale mimische Reaktionen haben zwar einen anderen Ursprung im Gehirn, der ausführende Muskel, über den abgeleitet wird, verhält sich aber immer gleich.
An bestimmten Stellen im Gesicht (zB neben den Mundwinkeln und über den Augenbrauen) werden kleine Punkte aus lichtreflektierender Folie aufgeklebt. Das Gesicht wird durch vier weitere Leuchtpunkte, die über eine Art Stirnband fest mit dem Kopf verbunden sind, "eingerahmt".
Bei eventuellen Kopfbewegungen bewegt sich dieser "Rahmen" mit. Verändert sich die Position eines Leuchtpunktes im Gesicht zu "Rahmen", muß eine Gesichtsbewegung dafür verantwortlich sein. Das Gesicht wird mit unsichtbarem infrarotem Licht angestrahlt. Eine Videokamera registriert das reflektierte Licht, wobei das Gesicht nun schwarz und die Punkte weiß erscheinen. Die Kamera ist mit einem Computer verbunden. So kann die Information über die Bewegung der Punkte weiterverarbeitet werden.
Nachteil:
Es ist anzumerken, daß es sich um eine Neuentwicklung und (noch) nicht um eine Standardmethode handelt.
Vorteile:
7.3. Methoden zur Erfassung anderer Ausdrucksvariablen
Menschliches Verhalten ist sehr komplex. Für eine Beschreibung können daher sehr verschiedene Ansätze verwendet werden. Die Beschäftigung mit all diesen Verhaltensäußerungen wie Veränderungen der Stimme, Blickbewegungen, Lokomotion (Veränderung der räumlichen Position) etc. ist keine Domäne der Emotionspsychologie. Der Stellenwert von Verhaltensmaßnahmen, die sich auf etwas anderes als die Mimik beziehen, ist in der Emotionsforschung eher gering.
7.3.1 Einstufung von Emotionen anhand des Verhaltens
Die gleichen Verfahren, die zur Einstufung von Emotionen in der Mimik verwendet werden, können auch für eine Verhaltensbeurteilung benutzt werden. Der Unterschied liegt in der Information, die den Beurteilern zur Verfügung steht. Sie sehen hier nicht nur das Gesicht, sondern die ganze Person.
Allerdings ist es bei diesem Vorgehen oftmals nicht möglich, den situativen Hintergrund auszublenden. Die Beurteiler erfahren möglicherweise etwas über die Auslöser eines Verhaltens und nutzen diese Information für die Einstufung der Emotionen.
Die Kontextabhängigkeit kann reduziert oder ganz aufgehoben werden, wenn einzelne Komponenten des Verhaltens isoliert dargeboten werden. Das ist etwa bei der Stimme möglich. Die Sprache kann sogar elektronisch unkenntlich gemacht werden. Die Beurteiler werden dann allein anhand der Stimme den emotionalen Zustand des Sprechers beurteilen.
7.3.2 Beschreibung des nonverbalen Verhaltens
Zur Registrierung verschiedener Verhaltensmerkmale wurden spezielle Methoden entwickelt – u.a. Methoden zur Erfassung von Blickbewegungen, Körperbewegungen, der Stimme oder sprachbegleitender Handbewegungen (Gesten).
Manchmal sind einige wenige, genau spezifizierte Verhaltensweisen von Interesse. Beispiele sind Lachen, Weinen, Erröten, das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung oder das Berühren eines phobischen Objekts. Es ist üblich, den Beobachtern die Verhaltensweisen genau zu beschreiben (soweit sie sich nicht von allein erklären). Die Beobachter registrieren dann ihr Auftreten. So können die Auftretenshäufigkeiten, Dauer oder Latenzen dieser Reaktion bestimmt werden.
7.3.3 Beschreibung des verbalen Verhaltens
Hier ist vor allem der Inhalt des Gesagten (oder Geschriebenen) der Untersuchungsgegenstand. Er kann mit Hilfe einer Sprachinhaltsanalyse untersucht werden. Beispielsweise kann die Länge der Sätze oder die Häufigkeit der Verwendung bestimmter Wörter ermittelt werden. So könnte untersucht werden, wie oft jemand bestimmte Emotionswörter verwendet.
Sollen sprachliche Äußerungen nach zeitlichen Aspekten untersucht werden, stehen verschiedene Apparate zur Verfügung. Eine Vorrichtung, die am Körper getragen wird (Logoport), ermöglicht es, die sprachliche Aktivität einer Person auch außerhalb des Labors zu registrieren. Ein kleines Mikrofon, das über dem Kehlkopf angebracht wird, spricht auf jede sprachliche Aktivität der Person an, ohne daß Umweltschall mit erfaßt wird. So kann etwa über einen ganzen Tag oder auch länger die ständige Abfolge von Sprechen und Nichtsprechen aufgezeichnet werden.
Die Sprech- oder Schreibgeschwindigkeit kann mit geringem Aufwand festgestellt werden. In emotionspsychologischen Untersuchungen wurde verschiedentlich eine einfache Methode verwendet: Sie besteht darin, die Zeit zu messen, die eine Vp zum Zählen von 1 bis 10 benötigt.
Verwendete Literatur:
Schmidt-Atzert, L.; "Lehrbuch der Emotionspsychologie" S. 86 - 123