Serena Mitzner 9705584

Referat zur Lehrveranstaltung " Motivation und Emotion 2 "

Vorgetragen am 8. Juni 1999

 

 

 

Emotion und Kognition

Vorwort

Auf den ersten Blick vermutet man keinen Zusammenhang von Emotion und Kognition. Denn "Gefühl und Verstand" gelten oft als Widerspruch.. Während Gefühle als schlecht analysier- und beschreibbar gelten und sich durch ihre enge Beziehung zum

"Ich" auszeichnen, wird der Verstand mit unterscheid- und benennbaren Inhalten gleichgesetzt, er ist klar, ich"-fernen und wird als "kalt" charakterisiert.

Doch gerade die gegensätzliche Verbindung von Emotion und Kognition verdient eine genauere Beachtung. Wenn man sie nämlich als Gegensätze anerkennt ist die Frage zu klären hinsichtlich welcher Dimension sie sich unterscheiden. Für das Gegensatzpaar "süß – sauer" ist es "Geschmack", die Dimension die Gefühl und Verstand verbindet, Handlungssteuerung. Mit der Annahme, daß nun zwei handlungssteuernde Systeme vorhanden sind und sie abwechselnd Befehle geben, stellen sich folgende Fragen:

In welchem Verhältnis stehen die beiden Systeme?

Wieso existieren zwei Systeme zur Handlungssteuerung und nicht nur eines?

Um diese Fragen zu beantworten muß man näher auf die Begriffe Emotion und Kognition eingehen und sie einer genaueren Analyse unterziehen

Das Verhältnis von Kognition und Emotion im psychischen Geschehen

Kognition

Bis zur kognitiven Wende wurde der Begriff "Kognition" mit Erkenntnis und Erkenntnistätigkeit verbunden. Nicht nur die Gedächtnismodelle, die sich die Menschen von der Welt machen, sondern auch Denken und Lernen als Entstehungsprozesse dieser Modelle wurden unter "Kognition" zusammengefaßt.

Seit der "kognitiven Wende" wurde der Begriff jedoch so ausgeweitet, daß viele meinen man könne ihn mit "Informationsverarbeitung" gleichsetzen. Um dieses Mißverständnis aufzuklären, sollte man wissen, daß "Informationsverarbeitung" wesentlich allgemeiner ist als "Kognition". Man kann sicherlich fast alle psychischen Phänomene als "Informationsverarbeitungsprozesse" ansehen und damit einen Oberbegriff für "Kognition" schaffen. Nach Bischof (1968) ist jeder Prozeß ein Informationsverarbeitungsprozeß, der abgesehen von seinen materialqualitativen und energetischen Aspekte nur den abstrakten Wirkzusammenhang berücksichtigt.

Kognitive Prozesse hingegen bewirken den Auf- oder Umbau von Realitätskonzepten. Eine wichtige Rolle spielt hier die Realität in der sich das Individuum befindet, denn ein "kognitiver Prozeß" ist immer handlungsleitend und unsere Handlung entspricht einem, wenn auch umgewandelten, Abbild der Realität.

Auch das problemlösende Denken, hängt vom Realitätsmodell ab, da das Planen von Handlungen kognitiv erfolgt. Kognitive Prozesse bieten aber oft eine Vielzahl möglicher Verhaltensweisen aus denen es zu wählen gilt.

Die unterschiedliche Konzeptionierungen von Kognition und Emotion werden in der "Emotions- Kognitionsdebatte" vor allem durch Zajonc und Lazerus verdeutlicht. Die Grundfrage der Debatte war, ob Kognitionen die Voraussetzung für die Entstehung von Emotionen seien oder nicht. Während Zajonc die "primacy of emotions" , ein Affekt kann auch ohne kognitiven System entstehen und der Kognition vorausgehen, nimmt Lazerus an, daß jeder Emotion ein kognitiver Bewertungsprozeß vorausgehen muß ( "primacy of cognition" ). Aber schon in der Kognitions- und Emotionsdefinition sind die beiden unterschiedlicher Ansicht. Zajonc versteht unter Kognition einen internalen Prozeß, der beim Neuerwerb, Umgestalten und Aufbewahren von Informationen beteiligt ist. Diese Aussage deutet auf eine reine Informationsverarbeitung, jedoch mit dem Kriterium, daß die Transformation des sensorischen Inputs subjektiv verfügbar ist. Damit beschränkt er sich auf die höchste Stufe der Kognitionen, den bewußten oder den bewußseinsfähigen. Lazerus hingegen nimmt jeden Informationsverarbeitungsprozeß als Kognition an.

Fiedler (1983;Seite 220) kritisierte Zajoncs These, indem er meint, daß kognitionsunabhängige Affekte nichts anderes als unbewußte oder unreflektierte oder unterschwellige Prozesse seien, deren Existenz von keinem kognitiven Psychologen je in Frage gestellt wurden. Die gesamte "Kognitions-Emotions- Debatte" beruht auf der unterschiedlichen Definition der verwendeten Begriffe.

 

Die Funktion von Emotionen:

Nach unsere Beurteilung gibt es kein so "kognitives" Lebewesen wie den Menschen, aber auch kein so emotionales. In der phylogenteischen Reihe ist zu beobachten, daß der Verlust an Intellektualität mit dem Verlust an Emotionalität einhergeht. Vor allem Hebb und Thompson (1968) untersuchten dies im Tierreich. Emotionen fassen bestimmte Merkmale der Situation des Individuums zu einem Lagerbericht zusammen. Dieser Lagebericht steuert innere und äußere Prozesse der Verhaltensregulation und – vorbereitung z.B.: wird bei Ärger das Verhalten auf "schnelle Erledigung" geschalten. Emotionen stellen eine Einheit des Verhaltens und Handelns wieder her, welche durch kognitive Prozesse in Gefahr ist verloren zu gehen.

Das Verhältnis Kognition – Emotion kann folgend definiert werden: Kognition liefert die Fähigkeit eines Individuums sich neuen Situationen anzupassen durch vereinzelte Verhaltensformen. Emotionen integrieren das Handeln des Individuums in das angestrebte Ziel.

 

 

 

 

Emotionen und Handelsreaktionen

Kognition und Emotion haben nun beide mit Handlungsregulationen zu tun.

Was ist Handlungsregulation ? Mit ihr beschreibt man ein System, welches aus den Instanzen der Informationsverarbeitung besteht und handelt. Es muß :

Absicht ist ein Gedächtnisinhalt, welcher ein Ziel verfolgt, darüber hinaus ausreichend Informationen besitzt, um von einer Ausgangssituation ( Startsituation) zum Ziel zu gelangen.

Eine Absicht besitzt :

Absicht ist ein komlpexeres Gebilde als ein Ziel, da sie eine Menge von zielbezogenen Informationen enthält. Zur Erfüllung von Absichten muß ein handlungsregulierendes System aktiv werden.

Architektur eines handlungsregulierneden Systems:

Es enthält sowohl Instanzen der Informationsverarbeitung ( Funktionen des Systems ) als auch Datenstrukturen, die vom Informationsverarbeitungssystem als Input und Output verwendet werden. Instanzen der Informationsverarbeitung sind:

Die Datenstrukturen :

Absichtserzeugung wird durch ein Ungleichgewicht gesteuert z.B:Mangel an Flüssigkeit, zuviel an Schmerz, Mangel an sozialer Zuwendung...

Die Ungleichgewichte werden auch Bedürfnisse genannt und sie zu beseitígen ist der Grundtrieb des menschl. Verhaltens und Handelns. Absichtserzeugung reagiert auf die Bedürfnisse indem es Realitätsmodelle zu Hilfe ruft. Diese geben Informationen über die Zustände und Verhaltensweisen, die geeignet sind, um die Ungleichgewichte zu bereinigen. Eine Möglichkeit dazu wäre das Aktionsschema ( Informationsbündel ) z.B: "wenn man unter Bedingung X das Verhalten Y aktiviert ergibt sich das Ergebnis Z". Dies war eine verbalisierte Form eines Aktionsschemas, tatsächlich liegen sie als sensumotorische Regulationsprogramme vor. Ein sensorischer Input, der in ein Eingangsschema eines Aktionsschemas paßt, kann ein motor. Programm auslösen, um zu einem Ereignis zu kommen.

Auch das Situationsbild spielt eine wichtige Rolle. Wir wollen dies an Hand eines Beispiels erklären :

Eine Bäckerei bietet viele Möglichkeiten um den Mangel an Blutzucker zu beseitigen. Sitze ich in der Universitätsbiliothek und spüre Hungergefühl, so wird sie mir zur Stättigung des Hungers einfallen. Es wird eine Absicht gebildet mit einem Augangszustand (dem Zielzustand) und einem Plan, nämlich der Sequenz von Aktionsschemata, die mich zur Bäckerei führt. In einer anderen Situation, in meiner Wohnung, würde ich eher in den Kühlschrank sehen.

Denn zum Auffinden des optimalen Zielzustandes, muß man über die augenblickliche Situation informiert sein. Anhand der gegebenen Situation werden Wege zur Zielsituation gesucht. Dies ergibt den Plan zur Verwirklichung der Absicht. Aus dem Plan ergibt dich die "Kompetenz - und Aufwandsschätzung" für die Durchführung. Kompetenzschätzung ist das Vertrauen des Individuums auf Erfolg z.B: durch Äußerungen wie "Das kann ich nie erreichen", "Ich werde es schaffen". Auch der Zeitaufwand zur Verwirklichung der Absicht stellt die Summe der Verwirklichungszeiten der Teilsysteme dar. Außerdem wird aus der Größe des herrschenden Ungleichgewichts die Wichtigkeit der Absicht geschlossen.

Die es entstehen nun aufgrund immer neuerer Ungleichgewichte andauernd neue Absichten, sie werden alle im Absichtsgedächtnis gespeichert. Zu einem Zeitpunkt ist jedoch nur eine Absicht durchführbar. Die Absichtsauswahl entscheidet nun, welche durchgeführt wird. Am einfachsten ist es, wenn jene ausgeführt wird, die die höchst Erfolgserwartung besitzt und am wichtigsten ist. Für die Motivationspsychologie ist dies ein springender Punkt, denn es kommt zu einem "Erwartungs- Wert – Prinzip": diejenige Handlungstendenz setzt sich durch, für die das Produkt an Erfolgserwartung und Wichtigkeit maximal ist. Die Executive beeinflußt sowohl die Absichtsauswahl als auch das Realitätsmodell. Sie setzt das geplante Verhalten in Gang und konstruiert fehlende Verhaltensweisen. Denn die ausgewählte Absicht wird nun auch noch behandelt. Die erste Ebene der Absichtbehandlung sind die "Automatismen" :

Ein Routineplan eines bereits durchgeführten Verhaltens wird sofern er besteht angewandt. Existiert er noch nicht, so muß die zweite Stufe angewandt werden. Neue Verhaltensweisen werden konstruiert z.B: durch Heurismen, ein Verfahren zum Auffinden neuer Verhaltensweisen, angewendet werden Absichts- Irrtums- Verhaltensweisen oder Problemlösemethoden. Die Absichtsbehandlung hat die Absicht nun verändert, der Zielzustand ist eingestroffen und die Absicht verschwinde aus dem Absichtsgedächtnis.

Die Wahrnehmung erzeugt Situationsbilder, mit der Zeit werden sie aneinandergereiht und er entsteht eine Datenstruktur das Protokoll. Dieses enthält die Geschichte des Systems, welche wichtig ist, da es sich immer wieder zurückorientiert wenn ein erprobter Lösungsansatz nicht zum Erfolg führt. Ein anderes Produkt der Wahrnehmung ist der Erwartungshorizont. Er wird aus den geg. Situationen und den Realtitätsmodellen gebildet und enthält Informationen über die nähere und fernere Zukunft.

All diese Einheiten arbeiten simultan: Es werden ständig neue Absichten erzeugt, auf einen neuen Stand gebracht, auch die Absichtsauswahl lauft ständig ( es kommt zu einer Unterbrechung, wenn eine neue Absicht plötzlich die Stellung der Alten übernimmt ) auch entstehen dauernd neue Situationsbilder und ein neuer Erwartungshorizont. Das ganze System handelt ständig, Absichten entstehen, kämpfen um ihre Zulassung, werden ausgebaut oder verschwinden. Das geschilderte System ist nur eine Möglichkeit für die Handlungsregulierung.

Theoretische Konzeptionen zur Interaktion von Emotion und Kognition

Oatley (1986) : Emotionen sind für ein Lebewesen ein Integrationssystem, damit verschiedene Verhaltensmodule unterschiedliche Ziele zugleich verfolgen können.

" Emotions as conscious, intentional states, occure when there are conflicts among our multiple goals, and when resources for resolving these conflicts and continuing with a plan, are not available"

Ohne Emotionen würde ein kognitives System nicht integriert arbeiten. Oatleys Verhaltensmodule entsprechen den von uns bezeichneten Absichten, es schildert jedoch nicht wie sie miteinander interagieren. Jedoch deutet er an, sie würden parallel arbeiten. Hier setzt die Kritik ein : Absichten können nur sequentiell verarbeitet werden, sie kämpfen um den Zugang zum handlungsleitenden System. Beeinflußt wird dieser Kampf durch Emotionen.

Simon (1967) : Er geht auch von der sequentillen Verarbeitung der kognitiven Funktionen aus. Meint aber, daß laufende Handlungen unterbrochen werden, wenn neue notwendiger erscheinende Emotionen erscheinen. Emotionen haben Unterbrechungsfunktion.

Mandler (1979) : "Unterbrechungen finden statt, wenn eine bestehende Struktur im Umgang mit vorhandenem Input oder verfügbarer Handlung versagt." Unterbrechungen entstehen wenn der Input nicht durch die kognitive Struktur assimiliert werden kann oder eine Handlung nicht zu Ende gebracht wird. Findet man keinen neuen Weg, entsteht Hilflosigkeit und Angst.

Durch die 3 Theorien wird die Steuerungsrolle der Emotionen hinsichtlich der Handlunsregulation verdeutlicht. Jedoch kann nach der Meinung der Autoren nur eine Absicht handlungsfähig sein, also seriell bearbeitet werden. Die untergeordneten Instanzen arbeiten hingegen parallel zueinander.

Scherers SEC – Theorie : Sie stellt einen Zusammenhang zwischen emotionalen Zuständen und Prüfprozessen für Reize fest. Jeder Reiz wird hinsichtlich einer Reihe von Aspekten geprüft : Neuheit und Unerwartetheit, Angenehmheit/Unangenehmheit, Zielrelevanz, Bewältigbarkeit und Übereinstimmung mit den Normen der Bezugsgruppen. Ein Lagebericht wird erstellt, um den Bezug des Organismus zu seiner spezifischen Umwelt zu erstellen. Jeder Prüfprozeß löst automatisch eine Emotion aus. Emotionen werden von Scherer als Prozeßbeschreibung angesehen, welche eine komplexere Interaktion von den Komponenten der kognitiven Bewertung, der physiolog. Aktivität, des motor. Ausdrucks und motivationaler Tendenzen ist. Durch diese Funktion der Emotionen als Mediator zw. Organismus und Umwelt sollen die Überlebenschancen verlängert werden.

SEC – Stimulus Evaluation Check :

Neuheit und Unerwartetheit werden über basale Hirnfunktionen überprüft. Dies geht schnell vor sich und führt zu einer Orientierungsreaktion. Ergebnisß des Checks : Überraschung oder Langeweile. Angenehm/Unangenehmheit eines Reizes, unabhängig von seiner Zielrelevanz ergibt Eustress und Distress. Die Zielrelevanz eines Reizes ist abhängig von den augenblicklichen Bedürfnissen des Organismus. Ist der Reiz eine Behinderung, so ergibt sich Ärger und Furcht, überschreitet er die Erwartung, resultiert Freude. Die Bewältigbarkeit ist ein differenziertes Modell von Lazarus. Es wird die Verursachung des Ergebnisses, die Kontrollierbarkeit seiner Konsequenz, die Bewältigbarkeit und die Anpassungsmöglichkeit des Organismus überprüft. Trauer entsteht bei unkontrollierbar negativen Ereignissen, Furcht bei der nicht Bewältigung und bei Bewältigbarkeit Angst. Der 5. Prozeß gilt nur für den Menschen. Er bringt das selbst in Übereinstimmung mit den Normen der Gruppe. Kritik:

1987 kombinierte Scherer seine Theorie mit der Leventhals, Prüfprozesse arbeiten mit Gedächtnisstrukturen und Verarbeitungsprozessen.

Leventhal unterschied in seiner " perceptual – motor- theorie " drei hirarchisch geordneten Ebenen der Informationsverarbeitung und Handlungskontrolle, die getrennt aber parallel interagierend arbeiten.

  1. expressiv-motor system: Je nach Art des Stimulus entstehen differenzierte Emotionen, sowohl im erleben als auch im Ausdruck. Diese basalen Reiz- Reaktionsketten werden durch Lernen modifiziert.
  2. schematic processing: Ist ein automatisches Verarbeitungssystem ,welches auf ein Schemagedächtnis basiert. Emotionale Erfahrung wird erweitert und generalisiert, es kommt zur Kombination vorhandener Reaktionen und Emotionsauslösung durch allgem. Charakteristika von Situationen. Die Schemata stabilisiert die Objektbeziehung des Individuums und damit das Annäherungs- und Vermeidungsverhalten.
  3. Die begriffliche Verarbeitung abstrakter Propositionen und Regeln, die in emotional eingefärbten Situationen verpackt sind. Informationen sind verbal und abstrakt, es wird bewußtes Denken, Verhaltenskontrolle und Selbstreflexion ermöglicht.

Leventhals System kann auf jeder Ebene aktiviert werden, je mehr Ebenen gleichzeitig beteiligt sind, desto schneller und klarer wird die Emotion erlebt. Kritik:

Kognition, Emotion und Handlungsregulation

Nun gehen wir auf die spezif. Aspekte des Zusammenwirkens von Emotion und Kognition bei Handlungssteuerung ein.

  1. Prozeß: Zielelaboration: Unklare, globale Ziele werden konkretisiert und Widersprüche bei Teilzielen beseitigt. Dazu benötigt man kognitive Detailarbeit z.B: Globales Ziel ist es, das Rechenzentrum der Universität benutzerfreundlich zu machen, es müssen Bedürfnisse und Wünsche der Benützer, augenblickliche Organisationsabläufe im Rechenzentrum und die Passung der beiden Aspekte berücksichtigt werden. Tut man dies nicht, wird das Gesamtziel nicht erreicht. Auch emotionale Zustände, welche zum Handeln drängen provozieren, daß nur ein Teilziel verfolgt wird, während ein anderes vernachlässigt. Dies führt zu einer Verschlechterung des Gesamtzustandes.

2. Prozeß: Suche und Umgang mit Informationen:

Die Suche nach Informationen über den Realitätsausschnitt birgt folgende Probleme:

Bei informeller Überlastung kommt es erschwerend hinzu, daß man oft keine Vorstellung darüber hat, was in einem Realitätsbereich eine wichtige Rolle spielt. Es besteht die Gefahr in der Informationsflut unterzugehen. Der Aufbau eines Realitätsmodells ist ein langwieriger kogn. Prozeß. Unter Zeitdruck/Streß kommt es zu einer verringerten Informationsnutzung, da nur noch die wichtigsten Aspekt beachtet werden. Relevante Informationen werden weggefiltert, es kommt zu einer Leistungssenkung. Wird durch Zeitdruck/Streß induziert, wird die Aufgabenanalyse zu früh abgebrochen. Als Gegenmaßnahmen wird die Informationsflut gefiltert, oder ein vorgefertigtes Realitätsmodell übernommen. Werden die existierenden Modelle gegen falsifizierende Erfahrungen abgeschottet, um weitere Überlastungen zu vermeiden, wird das Handeln an einem falschen Realitätsmodell abgestimmt.

Das Erschließen von Information wird von kognitiven Prozessen wie logische Schlußfolgerung, induktiver und adduktiver Schluß bestritten. Der Einsatz und die Abfolge dieser Schlußfolgerungsprozesse ist von emotionalen Zuständen abhängig. Auch die Speicherung und Integration der Information wirkt sich auf die Emotionen aus z.B: situativ induzierte Angst stört tiefe Verarbeitungsprozesse außerdem kann dieser Einfluß der Emotionen beim Lernen und Wiedererinnern beobachtet werden. Bei positiver Stimmung (Stimmung ist länger andauernd aber weniger intensiv ) ist der Wiederabruf leicht. Solche Ergebnisse sind nicht symmetrisch.

  1. Prozeß: Prognose: Noch existieren erst wenige Befunde über den Zusammenhang von kogn. Prozessen, die eine Prognose bearbeiten und emotionalen Prozessen. Man kann jedoch annehmen, daß unter starker emotionaler Belastung Prognoseprozesse wegfallen. Außerdem werden unter positiver. Stimmung höhere subjektive Werte gewonnen als unter negativer. Eine andrer Fehlerform der Prognostik wäre die strukturielle Extrapolation, welche Sachverhalte der Zukunft in gleicher Relation stellt wie die der Vergangenheit z.B: Momentanextrapolation : Im Mai dieses Jahres war es sehr heiß es kommt zur Schlußfolgerung, daß eine globale Klimaerwärmung zu erwarten ist. Diese Überbewertung der Gegenwart nimmt unter emotionaler Belastung zu.
  2. Prozeß: Handlungsplanung: Für die Handlungsplanung müssen zunächst Operationen gefunden werden, welche gegebene Situationen so beeinflussen, daß man sich dem Ziel nähert. Damit Neben- und Langzeitwirkungen vermieden werden, benötigt man differenzierte Prozesse der Prognose. Unter emotionaler Belastung entfallen diese häufig. Die Handlungspläne entstehen aus einer Synthese von Teiloperationen. Ein häufiger Fehler ist es, eine bereits erfolgreich durchgeführte Operation zu verallgemeinern z.B: Schachzug war erfolgreich, wird nun andauernd eingesetzt. Der Vorteil dieses Methodismus ist die Entlastung der kognitiven Systeme, Handlungspläne werden nur noch abgerufen. Unter Zeitdruck und starken Emotionen wird dieses System noch verstärkt. In der Ängstlichkeitsforschung der 50er Jahre, zeigt sich, daß Aufgaben, die durch gutgelernte Verhaltensweisen zu lösen sind, von Ängstlichen am Besten bewältigt werden. Wird allerdings eine kogn. Problemlösung verlangt, sind die Nichtängstlichen besser. Auch fortgeschrittener Mißerfolg verändert die Handlungsplanung, es werden basale und universell einsetzbare Verhaltensweisen angewandt. Man spricht von basalen Notfallsreaktionen wie z.B: Flucht bei Angst. Diese Verhaltensweisen sind die letzte Auswege aus nicht mehr kontrollierbaren Situationen. Dembo beschrieb 1931 den Versuch eine Vpn ständigen Mißerfolg auszusetzen: Die Vpn wurde anfangs unruhiger, dann ärgerlich, wütend und resigniert. Sie versuchte zu flüchten, zeigte irreale Lösungsversuche und letztlich sogar Aggression
  3. Prozeß: Selbstorganisation und Selbstreflektion

In einer Arbeit von Sträudel (1987) wurde gezeigt, daß in emotional belasteten Situationen die selben Themen immer wieder aufgegriffen werden, ohne daß man sie abschließt. Solch eine Zirkularität kann durch eine Überprüfung des Protokolls vermieden werden, diese entfällt jedoch in Belastungssituationen. Außerdem kommt es signifikant seltener zu "Vornahmen", die die Organisation des eigenen Vorgehens betreffen. Auch strukturieren Vpns weniger klar als unter normalen Bedingungen. Die Handlungssteuerung zu überprüfen steht im Gegensatz zur menschl. Tendenz die Kompetenzeinschätzung hochzuhalten. Die wenigsten sind bereit, ihre eigene Kompetenz anzuzweifeln. Eine erhöhte Kompetenzeigenschaft einer Handlung fordert die Handlungsbereitschaft auf diese auszuführen. So wird die eigene Kompetenz lieber etwas zu hoch angenommen. Sinkt die Kompetenz in einem für das Individuum relevantem Bereich, finden selbstwertsichernde Maßnahmen statt z.B: Mißerfolge werden nicht wahrgenommen. Die Tendenz zur Sebstwertsicherung steht aber im Gegensatz zur Selbstkontrolle und –organisation, welche die eigenen Handlungsstrategien immer wieder überprüft und modifiziert.

 

Emotionen mögen als Störvariablen in einer Handlungsplanung erscheinen, bei komplexen Gebilden von kogn. Prozessen mag dies auch so sein. Allerdings beleben sie das System der Handlungsregulierung und sind auch eine ädequate Funktion des Systems als integrative Tendenz notwendig.