EMOTION, TRIEB UND VERHALTEN
1.Geschichtlicher Überblick
Der Triebbegriff hat eine lange Geschichte und er ist bis heute noch immer nicht vollständig geklärt. In den 30 er Jahren wurden Triebe für die Erklärung motivationalen Aspekte allen Verhaltens herangezogen.
Eine damalige Auffassung von Trieb war, daß er aus internen Stimuli bestehe, die von einem Organ herrühren, das Gewebeveränderungen oder Entbehrung durchmache.
Hunger zB.: bestehe aus Kontraktionen des leeren Magens.
Untersuchungen belegten diese Annahme nicht. Denn auch ein entfernter Magen führt zu hungerbezogenem Verhalten.
Dieser und weitere Beweise gegen die lokale Theorie, führten zum Begriff von Trieb als einen zentalen Zustand. Trieb wird als einziger Zustand, zu dem einzelne oder alle der spezifischen Deprivation wie Hunger und Durst beitragen können, definiert.
Hull stellte den Trieb als homöosstatischen Prozeß dar: Triebzustand ist ein Ungleichgewicht, daß durch Deprivation zustandekommt und durch zielgerichtetes Verhalten beseitigt wird.
Für einige Zeit schien die Beziehung zwischen Quantität allgemeiner Aktivität und der Stärke von Deprivation für den besten Beweis eines zentralen Triebzustand zu sein.
Experimente von Sheffield und Campbell zeigten aber das die Aktivitätsmuster Lernprozessen unterliegen und deshalb die Aktivität ebenso mit Umweltreizen in Zusammenhang stehen kann, wie mit einem zentralen Triebzustand.
Die meisten gegen die Triebtheorie sprechenden Ergebnisse galten den primären Trieben
(angeboren, Hunger, Durst) als für erworbene sekundäre Triebe.
In bezug auf letzteres begann die Forschung zu blühen.
Als Miller zeigte das Schmerz und Furcht, ausgelöst durch einen mit einem Ton verbundenen Schock, ein Tier dazu veranlaßten, den Ton zu Fürchten und zB. ein Fluchtverhalten zu zeigen, um diesen Schock zu vermeiden erschien der Erklährungsansatz erworbener Triebe mehr als ausgedehnt.
Cofer kam erst 24 Jahre nach dieser besagten Erkenntnis zu dem Schluß, daß man beim Erwerb sekundärer durch primäre Triebe, wenig Erfolg gehabt hat diese zu beweisen. Der einzige Erfolg war lediglich der Beweiß für den Erwerb von Furcht basierend auf Trieben.
Experimente folgten um diesen Umstand zu rechtfertigen. Wie dieses von Harlow, der zeigte das Affen lernen konnten, Gegenstände auseinanderzunehmen und Zusammensetzspiele zu lösen ohne deutlichen Trieb oder Verstärkung, außer jener die die Gegenstände selbst lieferten oder die Beschäftigung mit ihnen.
Wachsendes Beweismaterial gegen das Konzept der Triebreduktionserklärung führte zu einer Auffassung von Motivation die gewisse Aspekte des Gedankens von einem zentralen Triebzustand mit der These von einem Anreiz kombiniert.
Im Klartext sind das Anreize wie zB: Gegenstände, die entweder Annäherung- oder Vermeidungsreaktionen hervorrufen. Sie bewirken aber nicht in erster Linie Annäherung oder das Gegenteil hervor, sondern zuerst einmal einen Erregungszustand. Dieser motiviert daraufhin vorher genanntes.
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Von Bindra wurde der Zenrale Motivzustand formuliert der als eine Kombination von physiologischer Erregung und Anreizstimulation gesehen werden kann.
Die physiologische Grundlage ist ähnlich dem Zustand der Wachheit. Die Anreizstimulation wird als stärker mit spezifischen Reizen verbunden gesehen. Sie kann positive oder negative Wertigkeit für den Organismus haben.
Nach Bindras Theorie könnte nun der zentrale Motivzustand eine Emotion sein und der Anreiz zB.: eine Situation, die dazu neigt eine Emotion auszulösen.
Damit bringt sich Bindra in die Mittelposition einiger kognetiven Emotionstheorien
(Schachters Definition von Emotion als physiologischer Erregung plus Kognition, wobei Kognition aus Einschätzung von Situationsreizen besteht)
Bindras Formulierung unterscheidet sich von der differentiellen Emotionspsychologie darin, daß zweitere Emotion so begreift daß sie einen zentralen Zustand einbezieht ,der einen hohen Grad an Spezifität und daher die Fähigkeit inne hat, seine eigenen Hinweisreize für die Steuerung von Verhalten zu erzeugen. In der Emotionspsychologie werden Umweltreize und periphäre Empfindungen sekundär zum Emotionsprozeß betrachtet, der einen bedeutenden Einfluß auf perziptive-kognetive Einschätzungen der Hinweisreize in der Umwelt hat.
Unterschiede zwischen Emotionen und Trieben
1. Das Emotionssystem hat eine unabhängige motivationale Kraft.
Emotionen sind auch beim Ausbleiben von Trieben kraftvolle Motivatoren.
2. Emotionen können Triebzustände verstärken, dämpfen und sogar hemmen.
In Zeiten intensiver Emotionen (zB. bei einem Konzert) können Triebsignale (in diesem
Fall: Hunger) unbemerkt bleiben.
Der scheinbare Triebdruck ist ein Produkt aus der kombinierten Stärke von Trieb und
Emotion.
3. Trieb-Verhaltens-Sequenzen unterscheiden sich von denen der Emotionssequenzen:
Im Fall der Trieb-Belohnungssequenz gibt es ein festgelegtes Muster:
stärker werdender Trieb -> stärker werdende zielgerichtete Aktivität -> zielgerichtete
Reaktion -> Triebreduktion -> Periode der Einstellung oder Abnahme triebbezogener
Aktivität -> Zykluswiederholung.
In Fall der Emotionsauslösung folgt kein festgelegtes und irreversibles Muster von
Ereignissen es gibt keine zielgerichtete Reaktion, der Emotionsreduktion und
Abnahme von emotionsbezogener Aktivität folgt:
Emotionsauslösung -> motivierendes/produzierendes Erleben -> durch Emotion
hervorgerufene/produzierte Aktivität -> n mögliche Ereignisse
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Funktionen von Trieben
Triebe spielen eine entscheidend wichtige Rolle bei der Erhaltung des Körpers und beim
Überleben eines Individium.
Hauptfunktionen der Triebe ist die Beschaffung besonderer Arten von Information.
1.Er läßt uns wissen wann und wo wir mit einer Aktivität beginnen oder aufhören müssen, die
den Trieb befriedigt. Weiters gibt er uns bescheid worauf wir reagieren sollen.
Im Gegensatz zu Emotionen kennt eine Triebinfo nur zwei Wertigkeiten, zwei Lustklassen:
Schmerz und Lust.
2.Triebe unterscheiden sich von Signalen des homöostatischen Systems.
Emotionen interagieren mit dem homöostatischen Prozessen in einer Notlage, dann
schreitet ein Trieb ein (in den meisten Fällen der Notlage ist das der Schmerztrieb) der
Gefahr signalisiert.
3.Triebsignale unterscheiden sich von Emotionssignalen durch ihre Detailarmut. Sie sind
allgemeiner. Ein Beispiel: der typische Ausdruck der Emotion Kummer ist Weinen.
Weinen kann aber durch eine Vielzahl unterschiedlicher Bedingungen ausgelöst werden.
Ein Baby weint wenn die Windel naß ist, wenn es Hunger hat oder wenn es Schmerzen
verspürt.
4.Triebsignale sind stärker zeitgebunden als Emotionssignale.
Sie können nur solange mit Erfolg motivieren, wie der Trieb stark genug ist.
Auf folgende Triebe gehe ich nun im speziellen ein, da sie komplexer als alle anderen sind und mit einer Anzahl unterschiedlicher Emotionen interagieren.
Es sind dies Schmerz und Sexualität.
Der Schmerztrieb
Schmerz ist einmal immer bewußt und eine völlig persönliche Erfahrung.
Auf der zellularen Ebene ist er definiert als das Freiwerden einer bestimmten Form von Kalium in den Zellen.
Auf neuraler Ebene ist Schmerz die Stimulierung bestimmter Arten von Rezeptoren und Nervenfasern
Auf physiologischer Ebene betrachtet man ihn als Veränderung in den Funktionen der Organe, die durch das vegetative Nervensystem innerviert werden.
Auf der Erlebnisebene wird er unterschiedlich beschrieben was wohl an der emotionalen Beteiligung liegt. Scharf oder schneidend widerspiegelt Schmerz plus Furcht, tief oder dumpf schließt auf eine Mischkulanz von Schmerz und Kummer.
Schmerz wird immer von Bemühungen begleitet, sich Erleichterung zu verschaffen. Er wird fast überall gefürchtet dennoch ist er ein wichtiger Teil unseres Lebens und unvermeidlich.
Szasz zeigte das man bei Schmerz auf ähnliche Weise reagiert wie ein Individuum vielleicht auf einen anderen Menschen reagiert. Das bedeutet das er unser Körperbewußtsein steigert
und dazu neigt uns eine schärfere Bewußtheit von der Einheit von Körper und Geist zu verschaffen.
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Die Funktion von Schmerz
Eine wohl parodoxe Aussage wenn man behauptet das Schmerz sowohl nützlich als auch schädlich sein kann. Nützlich ist er wenn er als Signal in Erscheinung tritt. Schmerz dient auch dazu ein Individuum zu warnen, daß dem Gewebe oder Zellen eine Schädigung droht.
Nachteile eines anhaltenden Schmerzes von mäßig hohem Grad sind Beeinträchtigungen des Schlafes, Appetits und der Denkfähigkeit.
Beziehung zwischen Schmerz und Emotion
Die Erfahrung von reinem Schmerz ist ungewöhnlich. Die differnentielle Emotionspsychologie vertritt die Affassung, das Schmerz einige Merkmale von Emotion besitzt. Sie betrachtet ihn als einen speziellen Trieb. Seine Phänomenologie ist Situationsabhängig, weil Schmerz unter unterschiedlichen Bedingungen und bei unterschiedlichen Individuuen unterschiedliche Emotionen oder Emotionskombinationen hervorruft.
Schmerz und Furcht
Unerwarteter heftiger Schmerz löst bei den meisten Menschen wahrscheinlich Furcht oder Erschrecken aus, dem Furcht folgt. Das Erschrecken wird durch die plötzliche Anwesenheit des Stimmulus und seinem steilen Gradienten erklärt.
Evolutionär betrachtet macht es Sinn, daß auf Schmerz Flucht folgt, wird dadurch ein rascheres Fluchtverhalten eingeleitet. Intensität und Auftrittswahrscheinlichkeit von Schmerz verursachter Furcht ist Situationsabhängig. Eine Verletzung im eigenen relativ sicheren Haushalt ist wohl weniger furchterregend als ein Bienenstich im Schwarzwald.
Bakan behauptete, daß jedes Schmerzerlebnis im Bewußtsein des Menschen die Möglichkeit von Vernichtung und Tod wachruft. Schon das alleine ist ein wirksamer Stimmulus für Furcht.
Diese Vorstellung von Vernichtung bildet nach Bakan den Einstellungsfaktor bei Schmerz.
Die Bedeutung dieses Faktors ist abhängig, von dem Ausmaß, in dem ein Individuum eine Sorge vor Vernichtung, vom wirklichen Schmerzempfinden unterschieden hat.
Schmerz und Kummer
Obwohl heftiger Schmerz zuerst Furcht auslöst wird diese wahrscheinlich von Kummer abgelöst, wenn er lange genug anhält.Chronischer Schmerz für den sich wenig oder keine Erleichterung findet, kann bis zur Verzweiflung führen. Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit resultiert durch Kummer und dem Fehlen eines Gefühls von Wohlbefinden, was in weiterer Folge zu einer schweren Depression führt.
Schmerz, Zorn und Aggression
Unvermindeter Schmerz kann, wenn er von Kummer begleitet wird, zu Zorn führen.
Tomkins Hypothese ist hier von Interesse. Sie besagt, daß lang anhaltender Kummer ein angeborener Auslöser von Zorn ist. Er meinte das beide "Dichteniveau"-Emotionen sind, die durch ein anhaltendes Niveau neutraler Stimmulierung ausgelöst worden sind.
Das Niveau von Kummer ist ein wenig höher als das fürīs Individuum charakteristische Niveau und beträchtlich höher im Fall von Zorn.Das durch Zorn herbeigeführte Niveau gepaart mit dem von Kummer, kann das Stimmulierungsniveau leicht bis über die Zornschwelle erhöhen.
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Umweltbedingungen sind ebenfalls an der Wahrscheinlichkeit von Zornerregung beeinflußt:
Wenn der Zorn durch eine unnötige vielleicht noch gedankenlose Tat von jemand anders verursacht worden ist, ist Zorn wahrscheinlicher als im Fall wo Schmerz aufgetreten ist infolge eines Versuches jemand anderen zu helfen.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann Schmerz allein die Schwelle für Aggression senken.
Bei Schmerzerregung plus Zornerregung kann die Schwelle für Aggression noch niedriger sein. Das ist besonders dann der Fall, wenn es jemanden gibt auf den man einschlagen kann.
Unter bestimmten Umweltbedingungen ist Zuschlagen ein umweltstabiles Verhaltensmuster, das im Evolutionsprozeß als Verdeitigungsreaktion gewirkt hat.
Schmerz und Schuldgefühl
Schmerz löst nur unter bestimmten Umständen Schuldgefühl aus.
Wenn ein Individuum Schmerz als Folge von Handlungen erleidet, die seinen religiösen, moralischen oder ethischen Kodex verletzt haben, kann das durch seine Handlungen erzeugte Schuldgefühl durch sein Leiden erleichtert werden.
Schmerz-Emotion-Kognition-Interaktion
Schmerz setzt eine Kette perzeptiv-kognetiver Prozesse in Gang und beinflußt sie.
Affektiv-kognetive Strukturen, die Schmerz einbeziehen, haben eine ganz entscheidende Wirkung auf die Schmerztoleranz eines Menschen und seine Tendenz, über Schmerzen zu klagen. Wie im Fall der Sozialisation der Emotion haben elterliche Einstellungen zu Schmerz und ihre Reaktion gegenüber dem Kind, das Schmerzen erleidet, einen starken Einfluß auf die Formung der persönlichen Einstellung des Individuums zu Schmerz.Löst der Schmerzschrei eines Kindes bei den Eltern Panik aus, so wirkt deren Furcht wahrscheinlich ansteckend auf das Kind, worauf das Kind eine Schmerz-Furcht-Bindung entwickelt.
Sternbach stellte die Beziehungen von bestimmten Einstellungen und Persönlichkeits-eigenschaften zu Schmerz fest:
Menschen die Schmerz am besten ertragen können sind eher extrovertiert und feldabhängig.
Neurotiker und sich selbst bestafende Menschen klagen mit größerer Wahrscheinlichkeit über Schmerzen.
Tomkins erörterte mehrere Interaktionsarten von Emotion und Kognition mit Schmerz:
1.Schmerzauslösende Stimulierung , die nicht betrachtet wird und für das Individuum nicht
von Interesse ist, kann völlig schmerzlos sein.
2.Ist Schmerz verbunden mit positver Emotion so wirkt er gedämpft.
3.Weiters kann er durch eine Veränderung in der affektiv-kognetiven Orientierung in Bezug
auf das was sich abspielt, gedämpft werden.
4.Schmerz kann durch eine starke positive oder negativ konkurrierende Emotion
abgeschwächt werden.
5.Schmerz muß durch Furcht nicht verstärkt werden, wenn es sich bei der Furcht nicht um die
Furcht vor Schmerz handelt.
6.Schmerz löst im typischen Fall eine begleitende Eotion aus:
Furcht, Kummer, Zorn oder irgendeine Kombination davon.
Die Schmerz-Emotion-Interaktion neigt dazu, perzeptiv-kognetive Prozesse zu erzeugen.
die mit diesen Affekten und dem Erleben des Individuums übereinstimmen
7.Schmerz kann eine völlig andere Bedeutung erhalten, wenn er in einem insgesamt positiven
Kontext sexueller Lust und Erregung auftritt, wie im Fall des Masochismus
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Der Sexualtrieb
Charakteristika des Sexualtriebes
Wie Hunger und Durst kann auch der Sexualtrieb nicht von periphären Organen aus erklärt werden. Kastration und Eierstockentfernung zerstören nicht notwendigerweise den Sexualtrieb(das gibt zu denken auf, ist doch die gemeine Meinung, daß die Kastration von Sexualstraftätern die Rückfallquote von Sexualverbrechen auf ein Minimum veringert, überall zu vernehmen). Jedoch besteht kein Zweifel, daß die Genitalien und erogenen Zonen eine wichtige Rolle bei sexueller Erregung spielen.Neuere Ergebnisse deuten darauf hin, daß sexuelle Erregung und Aktivität aus einer Interaktion von Gehirnprozessen, hormonellen Bedinungen, externer Stimulierung und Erlebnisphänomenen wie Vorstellung und Gedankenprozessen resultieren.
Neural ist der vordere Teil des Hypothalamus ein wichtiger Gehirnmechanismus für die Sexualfunktion. Der Hypothalamus hat zahlreiche wechselseitige Verbindungen zur Hypophyse(Hirnanhangdrüse). Sie beeinflußt wiederum die Geschlechtsdrüsen.
Der Hypothalamus ist somit ein wichtiger Gehirnmechanismus für Emotion und die Hypophyse ein Hilsorgan im Emotionsprozeß.
Die Funktion des Sexualtriebes
Eine Reihe von Wissenschaftlern ist der Meinung, daß eine der wichtigsten Funktionen des Sexualverhaltens darin besteht, den Paarbildungsprozeß durch Aufbau und Aufrechterhaltung von Bindungen zwischen Menschen zu erleichtern.
Die Emotionen, die Trieb-Emotion-Interaktion, die affektive-kognetiven Orientierungen und die einzigartige sinnliche Lust, tragen zu der bindenden Kraft des Geschlechtsverkehrs bei.
Eine weitere mögliche Funktion des Sexualtriebes und insbesondere von sexueller Betätigung ist die Förderung sexueller und persönlicher Identität. Erfolgreiche heterosexuelle
(und meiner Meinung nach auch homosexuelle) Beziehungen, einschließlich befriedigenden Geschlechtsverkehrs können zu Selbstgefühl und Persönlichkeit auf mehrere verschiedene Weisen beitragen.Sie können Maskulinität und Femininität, gegenseitiges Vertrauen und Respekt steigern (der von mir ergänzte Punkt, schließt Maskulinität und Femininität nicht aus, besteht eine homosexuelle Beziehung zu meist aus einem aktiven Teil, der nach heterosexueller Definition den männlichen Part repräsentiert und aus einem passiven Partner der die weibliche Rolle übernimmt bzw. schon immer inne hatte.)
Vertrauen zu haben in das Wissen, daß man wirklich männlich oder weiblich ist und die entsprechenden Geschlechtsfunktionen erfolgreich ausüben kann, hat einigen psychologischen Wert (Nach meiner Meinung ist das wohl auch der Grund warum sich einige Homosexuelle passive Partnerteile einer Geschlechtsumwandlung unterziehen), aber seine Bedeutung steht womöglich im direktem Zusammenhang mit dem Ausmaß an Selbstzweifel, der durch soziokulturelle Einflüsse erzeugt wurde.
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Sexualität und Emotion
Sexualtrieb und Sexualverhalten schließen zwangsläufig Emotionen ein.
Untersuchungen von Bardwick ergaben das einige Beziehungen zwischen Sexualität und Emotion ihre Wurzeln in biologischen Prozessen haben. Bestimmte emotionale Zustände bei Frauen können mit der Veränderung des Östrogen- und Progesteronspiegels zu einem gewissen Grad variieren.Obwohl die Beziehung zwischen Emotion und Hormonspiegel eine biologische Grunglage hat, sind einige Individuuen mehr betroffen als andere. Deren Wirkung
variert von Kultur zu Kultur.
Die Beziehung läßt sich gut am Beispiel des Östrogenspiegels demonstrieren.
In der prämenstruellen Phase ist der Östrogen- und Progesteronspiegel niedrig und durch Gefühle von Kummer und Zorn geprägt. Auf der anderen Seite reagieren Frauen zu einem niedrigen Grad an negativen Emotionen in der Phase der Ovulation, in der der Östrogenspiegel hoch ist.
Der Kummer ist zum Teil durch die Schmerzen und Beschwerden die in der Phase vor der Menstruation auftreten, zu erklären.Die Kummer-Schmerz-Kombination kann Zorn auslösen.
Beim männlichen Geschlecht gibt es einige Hinweise, daß auch sie gewisse zyklische Veränderungen erleben. Obwohl diese weniger ausgeprägt sind als die von Frauen.
Sexualität- Interesse- Interaktionen
Der Sexualtrieb wird oft, in dem Alter indem er am stärksten ist, derart bedrängend, daß er die Kognition beherrscht und Handlungen außerordentlich beeinflußt (Mir scheint es hier wichtig eine geschlechtliche Differenzierung vorzunehmen: Männer sind aufgrund ihrer biologischen Unterschiede viel stärker von diesem Umstand bretroffen als Frauen)Der Sexualtrieb erhält durch Emotionen seine Verstärkungen.Die Empfindung des Drängens wird durch die Interaktion zwischen Interesse und Erregung bewirkt.
Interesse verstärkt nicht nur die Kraft des Sexualtriebes sondern trägt auch zur gesamten heterosexuellen (und homosexuellen) Beziehung bei.
Wenn andere Bedingungen gleich sind, ist es der interessante Mensch der sexuelle Atraktivität besitzt. Wenn Interesse mit Freude und gewissen affektiv-kognetiven Strukturen kombiniert ist, so ist das Ergebnis Liebe und der wohl bestmögliche Kontext für sexuelle Beziehungen.
Fehlanpassungen werden durch Abweichungen in Interaktionen zwischen Sexualität und Interesse hervorgerufen.
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Sexualität-Furcht-Interaktion
Furcht und Sexualverhalten sind miteinander unvereinbar und zuminderst beim Mann verhindert diese Kombination sexuelle Erregung. Jeder Anstieg von Furcht während sexueller Intimität kann zu vorzeitiger Ejakulation führen (manch Männer sollten sich einfach öfter fürchten, dann klapts auch mit der Nachbarin).
Wenn sexuelle Erregung der Emotionsauslösung vorausgeht, kann ansteigende Furcht einen sofortigen Kollaps der Erektion verursachen.
Die Auswirkungen von Furcht auf die Frau sind für den Mann nicht so offensichtlich.
Die Furcht einer Frau vor Einführung des Penis, vor Schwangerschaft oder sexueller Unzugänlichkeit kann die Produktion vaginaler Gleitmittel verhindern. Dies macht die Einführung des Penis nicht gerade einfach und führt zu Schmerzen der Frau wodurch sich die Furcht verstärkt und es zu einem Teufelskreis kommt.
Die erlebte Furcht von Männern und Frauen in bezug auf Sexualität ist erlernt und von Faktoren der Erfahrung beeinflußt.
Die Furcht variiert mit Persönlichkeit, Geschlecht und soziokulturellen Werten.
Eine Art von Furcht, die möglicherweise als eine Funktion der vermehrten Sexualinformation und der wachsenden Zahl von Menschen angestiegen ist, heißt Furcht vor dem Versagen in der sexuellen Leistung. Sie basiert auf einer affektiv-kognetiven Orientierung welche hemmend und selbstvernichtend wirken kann.Master und Johnson berichteten, daß die mit sexueller Leistung verbundene Furcht ein Hauptfaktor bei Impotenz ist. Die Furcht, nicht zu einer Erektion zu gelangen und wie ein richtiger Mann zu funktionieren kann zu Impotenz führen.
Frauen die nicht zum Orgasmus kommen haben Selbstzweifel die zu einer Leistungsangst werden können.
Master und Johnson weisen darauf hin, daß der wirksamste Weg zur Vermeidung von Furcht darin besteht, Sexualität aus einem leistungsorientierten und zielorientierten Kontext herauszulösen (das ist wohl bei Männern am schwersten zu erreichen)
Die Furcht einer Frau vor sexuellen Beziehungen mit einem Fremden hatte im Verlauf der Evolution eine adaptive Funktion. Schwangerschaft steigert die unsichere Lage einer Frau
(Überleben, Geburt, Aufzucht)
Beim Mann sind es wohl auch evolutionäre Ursachen, doch diese sind nicht so weitblickend.
Der Mann ist während des Geschlechtverkehrs physisch höchst verwundbar und die Frau welche keine Zuneigung gegenüber ihn empfindet, dürfte im Fall eines Angriffes ihn nicht beschützen wollen.
Sexualität und Schuldgefühl
Die christlich-jüdische Tradition sowie auch eine Reihe anderer Religionen und Weltanschauungen werden im allgemeinen als Quelle negativer Einstellungen der Sexualität gegenüber betrachtet.
Sind sich Mann und Frau über die weitreichenden Folgen von Geschlechtsverkehr bewußt, daß heißt das dieser zu Empfängnis, Geburt und daraus resultierender Verantwortung führen kann, wird der Geschlechtsverkehr mit Schuldgefühlen assoziert.
Schuldgefühl ist wesentlich schwächer als die Furcht und wirkt deshalb nicht unbedingt hemmend. Es reguliert womöglich nur das Maß indem ein Paar intim wird.
Männer werden im allgemeinen stärker von Schuldgefühlen gequält als Frauen. Die Behauptung der Sexualwissenschaftler ist jene, daß sich der Mann als Anstifter und Verführer verantworlich fühlt.
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Sexualität und Distreß
Anders als Furcht und Schuldgefühl kann Distreß sexuelle Erregung und Empfänglichkeit für sexuelle Stimulierung sowohl verstärken als auch verringern.
Die prototypische Distreßreaktion ist Weinen und Weinen ist ein soziales Signal, das nach tröstenden beruhigenden Gesten verlangt. Die sexuelle Umarmung hat große Kraft, zu beruhigen und zu trösten.
In der Phase des mittleren Alters des Mannes, wenn seine sexuellen Kräfte schwinden und er sich diesem Umstand bewußt wird, kommt es zu Phasen von Distreß und Depression. Der Distreß kann sich vergrößern wenn der Mann von der relativ größeren Orgasmusfähigkeit seiner Frau bescheid weiß.
Sexualität in Interaktion mit Zorn, Ekel und Geringschätzung
Es besteht eine offensichtliche Korrelation zwischen sexueller und aggresiver Aktivität.
Bei Primaten ist die rezeptive Phase des weiblichen Zyklus oft von einem allgemeinen Aktivitätsanstieg in der sozialen Kolonie und einer Zunahme von streitsüchtigem Verhalten begleitet. Bei niedrigeren Tieren ist es schwierig zwischen Paarungsverhalten und agressiven Verhalten zu unterscheiden. Dieser agressive Aspekt bedeutet nicht zwangsläufig das dieses Verhalten von Zorn oder anderen negativen Emotionen begleitet ist. Evolutionär betrachtet mag der Widerstand des Weibchens gegen die Paarung herrührende Aggression dazu gedient haben, eine Auswahl der Paarungspartner zu treffen und eine Paarung vor, der für die Empfängnis günstige Zeit zu verhindern.
Beim Männchen steht dieses aggresive Verhalten im Dienste des Sexualtriebes(als Teil des Versuches die Paarung zu vollziehen).
Vielleicht aus Überresten unser primitiven Vorfahren enden hitzige Auseinandersetzungen unter jungen Pärchen nicht selten in einem leidenschaftlichen Liebesspiel.
Ist der Ekel stark genug kann er zur völligen Meidung von sexuellem Kontakt führen. Bei geringer Intensität verringert er das Vergnügen an der Sexualität.
Der wichtigste Faktor bei der Interaktion zwischen Sexualität und Ekel ist die Einstellung das Sexualität schmutzig sei, vermutlich eine Variante der "Sex ist Sünde"-Vorstellung.
Geringschätzung ist das kalte und subtile Gefühl in der Feindseligkeitstriade(Zorn,Ekel und Geringschätzung). Sein Vorhandensein im Bewußtsein wird von keiner der beiden Parteien bemerkt. Wenn ein Sexualpartner den anderen in irgendeiner Weise minderwertig betrachtet, so kann dies zu allgemeiner Geringschätzung führen.
Sexualverbrechen einschließlich Vergewaltigung sind wahrscheinlich zum Teil durch Interaktionen des Sexualtriebes mit irgendeiner Kombination von Zorn, Ekel und Geringschätzung motiviert.
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Sexualtrieb betreffend affektiv-kognitiver Strukturen
Sexuelle Einstellungen sind einer ständigen Veränderung durch das Alter der Person unterworfen. Wahrscheinlich in gleicher Weise wie der Sexualtrieb. Sie spielen eine wichtige Rolle in unserem Sexualleben.
Sexuelle Einstellungen sind in hohem Maße ein Produkt der Sozialisation und des Verhaltens und Einstellungen die durch unsere Eltern geformt worden sind. Sexuelle Einstellung ändert sich durch den Einfluß von Gleichaltrigen, Ratgebern und sachlichen Informationen.
Einstellungen zu Sexualtrieb und Sexualverhalten ist auch eine Funktion des Geschlechts.
Untersuchungen haben Unterschiede zwischen Männern und Frauen in emotionaler Reaktion auf erotische Literatur und auf die Vorstellung der Vergegenwärtigung von Geschlechtsverkehr, aufgezeigt.
Die Vorstellung intimer Beziehungen wurden durch Faktoren wie moralisch-ethische Normen und sexuelle Vorerfahrung deutlich beeinflußt.
Literatur:
1994, Cerol; Izad, Die Emotion des Menschen, Weinheim: PVU, Seite 187-214
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