Definition und Klassifikation von Emotionen

Eigentlich gibt es keine einheitliche und exakte Definition der Emotionen. Ihre Bestimmung bzw. Klärung gehört noch immer zu den Fragestellungen der emotionspsychologischen Forschung. Eine ungefähre Charakterisierung des Phänomens Emotion (= Arbeitsdefinition) kann jedoch angegeben werden :

Nach Meyer & Schützwohl (1993) handelt es sich bei den Emotionen um

 

Die Aktualität bzw. das episodische Auftreten eines emotionalen Zustands ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium zu emotionalen Dispositionen (= erhöhte Bereitschaft eine emotionale Episode zu erleben; zB. Ängstlichkeit). Von den Stimmungen hingegen unterscheiden sich die Emotionen durch höhere Intensität, kürzere Dauer und die Objektgerichtetheit.

Die Klassifikation von Emotionen nach der Qualität liefert 50 100 unterschiedliche Typen (Bsp. Freude, Ärger, Angst,....), wobei die Grenzen zwischen ihnen und genauso zwischen Typ und Antityp (= Nichtemotion) nicht sehr scharf sind. Innerhalb eines Qualitätstyps unterscheidet man weiters zwischen den Intensitäten. Außerdem werden unter den Emotionen verschiedene Mitglieder als unterschiedlich typisch gewertet.

 

Das die Emotionen veranlassende Objekt oder Ereignis kann, muß aber nicht real existent sein. Entscheidend ist nämlich die Interpretation der Ereignisse ( Vorstellungen über Ursachen und Einschätzung der Bedeutung der Ereignisse oder eine Überzeugung von der möglichen Existenz eines Ereignisses) und nicht sie selbst.

 

Eigene Emotionen sind unmittelbar zugänglich, Emotionen anderer sind allerdings nur aufgrund der beobachtbaren Verhaltenskomponente, des berichteten Erlebens und der Informationen über die Aspekte der Emotionen, den Kontext (= Situation) und die Person im emtionalen Zustand erschließbar und damit "hypothetische Zustände".

 

Die subjektive Komponente (das Erleben) entspricht dem Empfinden eines Gefühls. Physiologische Veränderungen beinhalten vegetative Symptome und Vorgänge im ZNS.

Die Verhaltensweisen beziehen sich auf den expressiven Aspekt von Emotionen wie zB. der motorische Ausdruck (Mimik, Gestik, Körperhaltung, Merkmale der Stimme), Körperbewegungen sowie auf instrumentelle Handlungen ( Bsp. Hilferufe oder Fluchtverhalten beim Empfinden von Angst).

 

Das Empfinden, die physiologischen Veränderungen und die Verhaltenskomponente sind die drei wichtigsten Teilaspekte der Emotionen, nicht unbedingt aber ihre Bestandteile, sondern eher charakteristische Merkmale von Personen, die eine emotionale Episode durchmachen und müssen nicht auftreten, damit man von Emotionen sprechen kann. Nicht eimmal das subjektive Erleben muß gegeben sein, weil man theoretisch auch von unbewußten Emotionen ausgehen muß.

 

 

Emotionen sind also multidimensionale Zustände (= Reaktionssyndrome). Es bleibt aber offen, was die Emotionen eigentlich ausmacht; das Erleben eines Gefühls, die begleitenden physiologischen Reaktionen, das emotionale Verhalten oder eine Kombination aus diesen Elementen. In Bezug auf diesen Punkt unterscheiden sich die Emotionstheorien.

Die Verhaltenstheorien setzen das beobachtbare Verhalten (oder Dispositionen dazu) mit Emotionen gleich.

Die mentalistischen Theorien sehen Emotionen als mentale, meist bewußte Zustände und Syndromtheorien stellen eine Mischung aus den 2 erstgenanten Theorietypen dar.

 

Die mentalistischen Theorien spalten sich weiter auf indem sie unterschiedliche Aspekte des Erlebens für Emotionen als wichtig erachten :

 

Die James-Lange Theorie (1984/85) faßt die Emotion als das Empfinden von körperlichen Erregungssymptomen auf. Frijda (1986) vertritt die Auffassung, daß Emotionen dem Wahrnehmen drängender Handlungsimpulse/ tendenzen entsprechen und Solomon (1988) setzt sie mit der kognitiven Eischätzung der Situation gleich. Nach Weiner sind Emotionen bestimmte lust- oder unlustgetönte Zustände, die durch Einschätzungen der Ereignisse verursacht werden und Handlungstendenzen bewirken.

Kognitive Theorien verbinden körperliche autonome Erregung mit der Bewertung/ Einschätzung der Situation (2 Faktoren-Theorie von Schachter und Singer 1962).

 

Zentralistische Emotionstheorie (Cannon 1927) macht Vorgänge und Mechanismen im Gehirn für Emotionen verantwortlich.

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Literatur :

Meyer & Schützwohl (1993). "Einführung in die Emotionspsychologie", Band 1, S.22-40.

Trimmel, M. (1997). "Motivation", S.79-84.