Auswirkungen von Emotionen

Emotionen werden hauptsächlich entweder als nützlich oder als schädlich angesehen. Die einen betonen, daß Emotionen der Anpassung des Individuums an seine Umwelt dienen, die anderen sehen in der Emotion eher etwas störendes. Ob etwas gut oder schlecht ist, Hängt fast immer von den Umständen ab. z.B.: Wenn man sich etwa an ein schlimmes Lebensereignis nicht mehr erinnern kann, so mag das von Vorteil sein (für das psychische Wohlergehen) oder von Nachteil (weil deshalb ein alter Fehler wiederholt wird).

  1. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

Die Forschung hat sich besonders dafür interessiert, ob sich durch bestimmte Emotionen die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit (die Selbstaufmerksamkeit) verändert. z.B.: Wenn also ein trauriger Zustand mit einer verstärkten Selbstaufmerksamkeit einhergeht, so sollten bei kranken Menschen die Beschwerden zunehmen, wenn sie traurig sind.

Studien haben bewiesen, daß eine erhöhte Depressivität meist mit einer erhöhten Selbstaufmerksamkeit einhergeht – auch Angst und Alkoholismus werden mit erhöhter Selbstaufmerksamkeit in Verbindung gebracht.

Aufmerksamkeitsfokussierung und -abwendung

(Stroop Test)Einfluß von Angst auf das Erkennen von Reizen. Z.B.:Waffeneffekt – Zeugen eines Verbrechens können oft sehr genau ein zentrales Merkmal des Geschehens, etwa eine Waffe beschreiben. Dafür sind die Angaben über periphere Merkmale eher ungenau und lückenhaft. Dies kann man als einen Hinweis auf eine Einengung der Aufmerksamkeit bei Angst verstehen. Es scheint, daß sich die Aufmerksamkeit auf das emotional erregende zentrale Ereignis gerichtet hat und die VP deshalb anschließend relativ genaue Angaben dazu machen konnte. Dafür ging offenbar Aufmerksamkeitskapazität für die Aufnahme von peripherer Information verloren.

2)Beurteilung der eigenen Person und der Umwelt

Die Dinge die wir wahrnehmen, versehen wir meist mit einer Bewertung. Wir begegnen einer fremden Person und finden sie nach wenigen Augenblicken "attraktiv" "lebhaft" oder auch "unfreundlich". In zahlreichen Untersuchungen konnte beobachtet werden, daß sich die momentane Stimmung auf Beurteilung auswirkt

Sechs Erklärungsansätze für einen Einfluß von Emotionen auf Urteile unterschiedlicher Art – die sich gegenseitig nicht ausschließen sondern ergänzen: von Clark+Wlliams

a)Bei manchen Urteilen ist der Urteilende auf Information aus seinem Gedächtnis angewiesen. Die Stimmung kann sich dabei selektiv auf das Erinnern von positiven und negativen Informationen auswirken,

b)- eigene Stimmung dient selbst als Information. Das Beurteilungsobjekt wird für den eigenen zustand mit verantwortlich gemacht. So mag jemand seine gute Laune darauf zurückzuführen, daß sein Gesprächspartner besonders nett zu ihm ist. Ursache und Wirkung werden einfach verwechselt.

c)fehlende Einflüsse einer negativen Stimmung.

Ausgehend von der einfachen Annahme, daß sich die meisten Menschen lieber in einer guten als in einer schlechten Stimmungen befinden, kann man daraus folgen, daß sie darauf hinwirken einen positiven Zustand aufrecht zu erhalten und einen negativen zu beenden.

d)Antwortstile

e)Fehlattributation von emotionaler Erregung

f)Einschränkung der Gedächtniskapazität

 

 

3)Einschätzen von Risiken und Entscheidungsverhalten

Es kommt immer wieder vor, daß Entscheidungen in einem emotionalen Zustand gefällt werden. Das trifft sowohl auf den privaten Lebensbereich zu, als auch auf den beruflichen.

Emotionen im Alltag und subjektiven Ereigniswahrscheinlichkeiten

Zwischen den Valenz des emotionalen Zustands und der Einschätzung von Risiken, zeigt sich ein Zusammenhang. Umgekehrt werden in guter Laune negative Ereignisse als weniger wahrscheinlich angesehen.

Entscheidungsverhalten

Die Frage, ob und wie Emotionen das tatsächliche Entscheidungsverhalten beeinflussen, ist allerdings schwer zu beantworten. Man stelle sich einen Patienten vor, der sich nach langer Krankheit in einer schlechten Stimmungslage befindet und nun zu entscheiden hat, ob er sich einer gefährlichen Operation unterziehen soll oder nicht. Die bisher geschilderten Untersuchungen würden dafür sprechen, daß er das mit der Operation verbundene Risiko aufgrund seiner negativen Befindslage überschätzt wird. Aber wird auch seine Entscheidung davon abhängen? Die Annahme liegt nahe das er sich gegen eine Operation entscheidet, es Wäre aber auch denkbar, daß sich der Patient sagt, daß er sich ohnehin in einer schlechten Lage befindet und eigentlich nur alles besser werden kann und er deshalb das Operationsrisiko eingeht. Zwischen Risikoeinschätzung und tatsächlicher Entscheidung muß keine Beziehung bestehen.

4)Problemlösen

Viele Probleme können nur dann gut gelöst werden, wenn die zur Verfügung stehenden Informationen optimal genutzt werden.

Das positive Stimmung geht mit einer schnelleren oder sparsameren Informationsaufnahme einher.

°kreatives Problemlösen

Manche Aufgaben lassen sich durch Einfallsreichtum und ungewöhnlichen Ideen eher lösen als durch systematisches vorgehen und logischen denken z.B.: Dunkersche Kerzenaufgabe

Die gute Stimmung scheint zu ungewöhnlichen und innovativen Gedanken anzuregen.

Auswirkungen von Emotionen auf das Gedächtnis

Rapaport behauptete unangenehme Erfahrungen werden eher gestrichen als angenehme. In früheren Untersuchungen wurde das auch bestätigt, man sprach von Gedächtnisoptimisten, bei der Aufforderung angenehme und unangenehme Ereignisse aufzuzählen wurden immer mehr angenehme aufgezählt.

Erinnern von dramatischen Ereignissen

Man findet bei Einzelereignissen sowohl Belege für extremes Vergessen, z. B. Frau wurde vergewaltigt und hatte einen Monat lang eine komplette Amnesie oder Mörder geben oft an, sich an nichts erinnern zu können – manchmal Schutzbehauptung, manchmal echte Amnesie. Anders ist es bei Opfern, die verletzt wurden – konnten sich schlechter an Details erinnern als Unverletzte, man weiß aber nicht ob sie die gleichen Möglichkeiten zur genauen Beobachtung hatten oder die Verteidigung im Vordergrund stand.

Erklärungsversuche:

Man erkennt deutlich Widersprüche in den verschiedenen Studien. An alltäglichen positiven Ereignisse erinnert man sich besser als an negative, wobei man das nicht nur auf "Verdrängung" zurückführen kann. Dazu paßt aber nicht, daß traumatische Ereignisse nach längerer Zeit noch detailgetreu wiedergegeben werden können, man aber bei anderen Menschen Amnesien beobachten konnte.

Revelle und Loftus (1992) versuchten zu erklären warum es zu Verbesserung oder Verschlechterung des Gedächtnisses kommen kann und untersuchten die subjektive Erregung der Versuchspersonen. Sowohl bei starken positiven wie auch starken negativen Emotionen kann das Individuum erregt sein.

In Experimenten, bei denen durch Medikamente verschiedenen starke Erregungszustände ausgelöst wurden, zeigte sich daß es zu gedächtnisfördernden Effekten kann – wenn die Befragung nach 2 und mehr Wochen war und gedächtnishemmenden Effekten bei Befragungen nach weniger als einer Stunde. Auch Mc Gaugh geht davon aus, daß die subjektive Erregung eine zentrale rolle spielt, so wurde in Tierversuchen nachgewiesen, daß Adrenalin die Lehrleistung fördern kann (wenn sie kurz nach dem Lernen verabsäumt wurde) aber zu hoch dosiert auch hemmen kann. Die enge Zeit und Dosisabhängigkeit kann man auf den Menschen umlegen, da es ja auch bei natürlicher Erregung zur Ausschüttung von Katecholaminen kommt und daher gedächtnisfördernd wirken. Wenn jedoch die Erregung ein gewisses Niveau übersteigt, kann eine Amnesie auftreten. Christianson führte auch noch an, daß man sich mit emotional erregenden Ereignissen noch öfters auseinandersetzt und darüber nachdenkt – und erklärt damit, warum man sich nach langer Zeit noch an Details erinnern kann. Vermeidet man die Auseinandersetzung (aus unterschiedlichen Gründen) nimmt das Erinnerungsvermögen ab.

Abruf

Der emotionale Zustand beim Abruf gespeicherter Informationen:

  1. Stimmungskongruenz
  2. Informationen, die zur momentanen Stimmung passen, werden besser abgerufen als unpassende.

  3. zustandsabhängiges Erinnern

Im traurigen Zustand gelernte Wörter werden besonders gut behalten, wenn der Gedächtnistest im traurigen Zustand gemacht wurde und umgekehrt.

Emotionen und Ereignisse werden in unserem als Knoten in unserem Wissen angesehen und damit leicht abrufbar gemacht.

Auswirkungen von Emotionen auf das Verhalten gegenüber anderen Menschen

Hilfreiches Verhalten – Einfluß es emotionalen Zustandes auf die Gewährung von Hilfe. Studien belegen, daß eine positive Stimmung die Hilfsbereitschaft erhöht. Negative Stimmung für die Versuchsperson verantwortlich gemacht wurde (Versuchsperson hätte Hörgerät kaputt gemacht) führt aber auch zu erhöhter Hilfsbereitschaft.

Man versucht dies damit zu erklären, daß positiv gestimmte VP ihre gute Stimmung mit einer guten Tat aufrechterhalten wollen, andere sehen den Nutzen für sich selbst (soziale Anerkennung) und helfen eher. Auswirkungen negativer Emotionen – wenn jemand hilft, verbessert sich die negative Stimmung, wenn jemand traurig ist, ist er mehr mit sich selbst beschäftigt und es bedarf stärkeren Hilfsappellen um diesen Aufmerksamkeitsfokus zu verändern.

AGGRESSIVES VERHALTEN

Die Frage ist, ob aggressives Verhalten durch Emotionen ausgelöst oder verändert werden können.

Berhowitz sagt, daß die Neigung sich aggressiv zu verhalten mit der Stärke der Emotionen zunimmt. Nicht nur Ärger und Wut sondern Traurigkeit und Frustration und die Aggressionstendenzen des einzelnen Individuums sind dafür verantwortlich.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, daß es zahlreiche Studien gibt die die Auswirkungen von Emotionen auf Verhalten, Problemlösen und Gedächtnis beschreiben, aber keine einheitlichen Ergebnisse erzielt wurden.

Das wesentliche Ziel in der zukünftigen Forschung muß es sein, umfassende Erklärungsansätze zu finden, in denen auch die Ausreißer entsprechend berücksichtigt werden können.