Proseminar Emotion und Motivation II
SS 99 Vera ENGENHART-KLEIN
Matr.Nr. 8300502
Auslöser von Emotionen
Emotionen sind zeitlich begrenzt, davor und danach befinden sich die Personen in einem neutralem oder in einem anderen emotionalen Zustand.
Was ist nun der Anlaß, daß Emotionen wie etwa Freude, Angst etc. ausgelöst werden?
Lerntheoretisch läßt sich das so erklären: Auslöser stellen Reize dar und Emotionen sind die Reaktionen auf diese Reize. Diese Reaktionen können sehr verschieden sein, sie variieren von Mensch zu Mensch. Völlig verschiedene Ereignisse können zu gleichem emotionalen Ausdruck führen, ebenso kann ein und dasselbe Ereignis höchst unterschiedliche
Emotionen auslösen.
Es ist eine Schlüsselfrage der Emotionspsychologie, wie Emotionen entstehen.
Im wesentlichen ergeben sich zwei Varianten zur Feststellung emotionalen Verhaltens:
1. "natürliche" Variationen von Lebensbedingungen:
Ereignisse im Alltag
Grosse Ereignisse
Lebens- und Umweltbedingungen
2. "künstliche" Variationen von Lebensbedingungen:
Versuchsbedingungen
Kenntnisse über Auslöser von Emotionen sind deshalb wichtig, da für viele psychologische Fragestellungen der emotionale Zustand von Versuchspersonen unter kontrollierten Bedingungen verändert wird. Schlüssige Aussagen über kausale Beziehungen von Ereignissen und Emotionen können aber nur im Experiment erbracht werden.
Forschungsergebnisse sollen immer vor dem Hintergrund der Methode gesehen werden, mit der sie erhoben wurden. Die wichtigsten Methoden, um Auslöser von Emotionen im freien Feld zu erforschen sind: Befragung, freie Protokollierung und standardisierter Fragebogen.
Bei der Befragung stellt die befragte Person eine Kausalbeziehung zwischen Ereignissen oder Aktivitäten und Emotionen her, das bedeutet aber auch ein Verlassen auf Erinnerung und subjektive Interpretation der jeweils befragten Person.
CASON (1930) befaßte sich in einer Untersuchung über Ärgernisse, mit den emotionalen Ereignissen im Alltag. Er befragte 659 Personen und erhielt 2581 verschiedene Nennungen von Anlässen in den unterschiedlichsten Bereichen. Die Antworten bezogen sich überwiegend auf soziale, zwischenmenschliche Interaktionen oder Eigenschaften. Beispiele dafür waren: "jemand betrügt beim Spiel", "jemand spricht ständig über Krankheit" oder "der Geruch schmutziger Füsse". Nicht soziale Auslöser für emotionales Verhalten wurden in dieser Studie sehr selten genannt.
Kritik von SCHMIDT-ATZERT dazu: Diese Studie beschränkt sich auf ein Ereignis pro Emotion, wodurch die Versuchspersonen eher besonders typische Ereignisse einbezogen.
Möglicherweise haben die Befragten auch falsche Vorstellungen über die wahren Gründe ihrer Gefühle und veränderte Erinnerungen beeinflussen die Angaben.
In drei anderen Untersuchungen von SCHERER et al. (1983), SHAVER, SCHWARTZ et al. (1987) und WALLBOTT und SCHERER (1986) wurde nach den Ereignissen gefragt, die verschiedene Emotionen auslösen. Die Versuchspersonen wurden aufgefordert, sich an eine Situation zu erinnern, in der ein durch die Untersuchung vorgegebenes Gefühl aufgetreten ist und das Ereignis, durch das dieses Gefühl ausgelöst wurde, zu nennen.
Eine Auflistung der in diesen drei Untersuchungen am häufigsten genannten Ergebnisse und Situationen ist in nachstehender Tabelle zu sehen:
Emotionsauslösende Ereignisse (Befragungsergebnisse)
Emotion Häufig genannte Ergebnisse oder Situationen
Angst
a) Verkehrssituationen; Gewaltverbrechen; Risken eingehen
b) Gefahr von Schaden oder Tod; neue Situationen; Gefahr sozialer Zurückweisung
c) Verkehrssituationen; Interaktion mit Fremden; neue Ereignisse
Traurigkeit
a) Probleme mit Beziehungen; Mißerfolg; Tod eines nahestehenden Lebewesens
b) Tod einer geliebten Person; Abbruch einer Beziehung; unerwünschtes Ergebnis
c) Probleme mit Freunden oder Verwandten; vorübergehende Trennung; Mißerfolg
Ärger
a) Persönl. Beziehungen; Beschädigung von Eigentum; zwischenmensch. Probleme
b) Ungerechtigkeit; realer oder angedrohter Schmerz; Verletzung von Erwartungen
c) Rücksichtsl. Verhalten, das soz. Normen verletzt; ungerecht behandelt werden
Freude
a) Beziehungen zu Freunden; Erfolgserlebnisse; Bedürfnisbefriedigung
b) Bekommen, was man wollte; Erfolg; Achtung, Respekt, Lob erhalten
c) Beziehungen zu Freunden und Verwandten; Begegnungen/Treffen; Erfolg
a) Scherer et al. 1983; N = 636 Studenten aus 7 Ländern
b )Shaver et al. 1987; N = 120 amerikanische Studenten
c) Wallbott und Scherer 1986; N = 779 Studenten aus 9 Ländern
Dabei zeigt sich an den am häufigsten genannten Erlebnisse und Situationen, dass die Interaktion mit anderen Personen für das emotionale Erleben wesentliche Bedeutung zukommt, denn viele Situationen ergeben sich nur durch den Umgang mit anderen Menschen.
Will man über Ereignisse bzw. das Befinden im Alltag Protokoll führen, so ist das mit
freier Protokollierung oder standardisiertem Frageboden möglich.
Bei freiem Protokollführen beschreiben die Personen die Ereignisse des Tages, manchmal werden diese Angaben nachträglich zu Kategorien zusammengefaßt. Allerdings wird das Untersuchungsergebnis ganz wesentlich dadurch bestimmt, was die einzelnen Befragten unter dem Begriff "Ereignis" verstehen.
Bei standardisierten Fragebögen kreuzen Versuchspersonen in eigens konstruierten Listen an, welche Ereignisse sie erlebt haben oder welche Ereignisse aufgetreten sind. Bei der Auswertung der Ereignisse wird im wesentlichen zwischen angenehm/erwünscht bzw. unangenehm /unerwünscht unterschieden, wobei negative Emotionen durch unterschiedlich schlimme Ereignisse und positive Emotionen durch unterschiedlich angenehme Ereignisse dargestellt werden sollen.
Es gibt viele, aber doch sehr unterschiedliche Untersuchungen dazu. Die "Hassles and Uplift Scales" von KANNER,COYNE,SCHAEFFER und LAZARUS (1981) ist eine davon. Mit Hilfe dieser Listen wurden 117 unangenehme und 135 angenehme Erfahrungen erfaßt, mit Itemvorgaben wie: "Lärm", "Geschenk bekommen", "Freundliche Nachbarn", "genug Schlaf bekommen", "einsam sein".
Bei LEWINSOHN und GRAF (1973) bestanden die Listen aus 160 Items und es wurden 32 angenehme Aktivitäten pro Tag ermittelt.
STONE und NEALE (1984) verwendeten eine Liste mit 66 positiven und negativen Ereignissen. Die mittlere Ereignishäufigkeit lag bei 5,3 pro Person und Tag.
REHM (1978) ermittelte mit freier Protokollierung soviele negative Ereignisse pro Tag und Person wie ECKENRODE (1984) in einem Monat. REHM unterschied zusätzlich nach angenehm und unangenehmen Ereignis, anschließend wurde nach Valenz (Wertigkeit) gewichtet: sehr unangenehme Ereignisse erhielten großes Gewicht, weniger unangenehme Ereignisse erhielten kleines Gewicht. Dennoch ergaben sich keine nennensweerten Einflüsse auf die Korrelation zwischen der Anzahl der Ereignisse. Für das Empfinden wesentlich entscheidender war die Anzahl der Ereignisse, als die Tatsache das diese zum Beispiel negativ waren. Das bestätigte sich auch bei LEWINSOHN und LIBET (1972).Bei beiden Untersuchungen bezogen sich die Angaben auf den zurückliegenden Tag.
CSIKSZENTMIHALYI und WONG (1991) erinnerten ihre Versuchspersonen alle zwei Stunden mittels elektronischem Pager (wurde möglicherweise als störend empfunden!) an das Ausfüllen des Fragebogens. Das emotionale Erleben erfaßten sie mit einer siebenstufigen Skala von "traurig" bis "glücklich" relativ großzügig.
In zwei Untersuchungen (SCHMIDT-ATZERT,1989; KANNER et al.,1981) führten Studenten zwei Wochen lang Aufzeichnungen über ihre positiven und negativen Tagesereignisse, weiters mussten sie ihr Befinden auf einer bipolaren Valenzskala bewerten. Die Ergebnisse lassen sich sowohl als qualitativer Zusammenhang zwischen Ereignis und Emotion darstellen: positve Gefühle wie Freude wurden vorallem mit Freunden erlebt, negative Gefühle wie Traurigkeit wurden vorallem dann erlebt, wenn die befragten Studenten alleine waren (BRANDSTÄTTER, 1991; CSIKSZENTMIHALYI & WONG, 1991).
Amerikanische und italienische Teenager waren besonders glücklich bei Sport und Spiel, sie waren aber eher traurig bei Tätigkeiten wie Ausruhen, Studieren, Nachdenken und
Fernsehen. Japanische Studenten protokollierten drei mal am Tag ihr Befinden und die Ereignisse. Sie empfanden positives Emotionen in Verbindung mit sozialen Ereignissen wie zum Beispiel Parties, Essen, Trinken und Sport und negative Emotionen etwa zum Beispiel bei Streit, Beziehungsproblemen, Gesundheitsproblemen (CLARK und WATSON, 1988).
Andere Untersuchungen erfaßten die quantitativen Zusammenhänge zwischen positiven und/oder negativen Ereignissen oder Aktivitäten und das Befinden im täglichen Leben, die Häufigkeit positiver bzw. negativer Ereignisse.
Die folgende Tabelle zeigt neben den unterschiedlichen Untersuchungsmethoden den
Zusammenhang zwischen Alltagsereignissen und Befinden:
Methode Korrelation a) mit dem
____________________________________ emotionalen Befinden
Autoren Messung der Anzahl der N
Ereignisse Messungen pos. neg.
___________________________________________________________________________________
De Longis et al. (1988) rev. Hassles Scale 20 150 - .27
Eckenrode (1984) freie Protokollierung 28 83 - .28
Rehm (1978; Unters.1) freie Protokollierung 14 30 .58 .45
Rehm (1978; Unters.2) freie Protokollierung 14 14 .51 .35
Lewinsohn & Libet (1972) b) Pleasant Activities 30 10 - .30
Lewinsohn & Graf (1973) b) Pleasant Activities 30 30 .25 -
Stone & Neale (1984) Daily Experience 86 50 .48 .39
Stone (1987) Daily Life Experience 110 79 .34 .29
Mittlere intraindividuelle Korrelation zwischen der eingestuften Häufigkeit von täglichen Ereignissen und der ebefalls täglich eingestuften Valenz des emotionalen Befindens;
Eckenrode (1984) interindividuelle Korrelation;
STONE (1987) verwendete für diese Messung die Kurzform des Stimmungsfragebogens von NOWLIS und errechnete je eine Gesamtwert für positive und negatives Befinden. Tagesereignisse wurden mit 80 Items erfaßt (Daily Life Experience Invory).
Die durchschnittliche Korrelation lag bei 0.34 für die Häufigkeit gewünschter Ereignisse und damit verbundenen positiven Emotionen, für negative Emotionen errechnete man eine Korrelation von 0.29, somit einen geringen Zusammenhang zwischen dem täglichen Befinden und der Anzahl der positiven bzw. negativen täglichen Ereignisse der befragten Personen.
Die Befragten fühlten sich um so schlechter, wenn sie viele negative Erlebnisse hatten, bei positiven Erlebnissen verhielt sich das emotionale Befinden der Befragten genau umgekehrt:
Die Versuchspersonen fühlten sich deutlich besser mit vermehrt positiven Ereignissen.
Für eine Erklärung des Gefühlszustandes einer Person, reicht die Häufigkeit von positiven bzw. negativen Erlebnissen aber nicht aus. Es gibt keine Garantie dafür, dass Ereignisse, auch wenn sie vor dem Erfassen des Befindens liegen, für das jeweilige Befinden verantwortlich sind, denn die Befragten können sich nur sehr selektiv an die Ereignisse erinnern, möglicherweise abhängig vom Gemütszustand, der habituelle Gemütszustand bestimmt vielleicht auch die Situationen mit, auf die wir uns einlassen oder die wir meiden.
LEWINSOHN und GRAF (1973) untersuchten neben den Ereignissen auch die Aktivitäten ihrer Versuchspersonen, siehe voran gegangene Tabelle, möglicherweise würden fröhliche Menschen deshalb Kontakte zu anderen fröhlichen Menschen suchen, dann wäre dieses Ereignis aber nicht Auslöser, sondern eine Folge des Befindens..
Nach CSIKSZENTMIHALYI (1988) kann das emotionale Befinden grundsätzlich durch jede körperliche oder geistigeTätigkeit verändert werden, Voraussetzung dafür ist, dass die Fähigkeiten und Interessen einer Person und die Anforderungen an diese Tätigkeit übereinstimmen. Einige Beispiele dafür sind lernen, lesen und sportliche Aktivitäten. Leichte körperliche Betätigung wie etwa zehn Minuten "walking" (=flottes Gehen) verbessert das Befinden deutlich(OTTO,1991; THAYER, 1989).
Emotionales Befinden kann aber auch durch die Einnahme von verschiedensten Medikamenten, Genußmitteln, Drogen, Nikotin, etc. verändert werden. In diesen Fällen werden Emotionsänderungen wie Angstreduktion, Stimmungsaufhellung, Erhöhung des Wohlbefindens bis hin zu euphorischen Stimmung vom Menschen selbst ausgelöst, zum Unterschied von den bisher besprochenen "Alltagsauslösern".
Davon unterscheiden sich Situationen mit natürlich emotionsauslösendem Charakter. Diese Situationen wie etwa Prüfungen, Zahnarztbesuche, Warten in Staus, Impfungen von Kindern sind zwar im wesentlichen vorhersehbar, dennoch kann man sich ihnen nur schwer entziehen.
SMITH & ELLWORTH (1987) untersuchten Studenten in Prüfungssituationen und ihr emotionales Empfinden. Vor den Prüfungen hatten die Studenten überwiegend Angstgefühle, nach der Prüfung hatte sich diese Angst zwar stark reduziert, andere emotionale Zustände wie Freude oder Ärger wurden nun intensiver wahrgenommen. Nicht nur Prüfungssituationen auch das Abholen oder Entgegennehmen von Leistungsnachweisen, wie Zeugnissen wirkte stark emotionsauslösend.
Von den Ereignissen des Alltags abgesehen, stellen die grossen emotionsauslösenden oder -verändernden Ereignisse eine eigene Gruppe. Beispiele für unerwünschte grosse Ereignisse, die viele Menschen zur gleichen Zeit treffen, sind Katastrophen, Kriege, Verbrechen, der Verlust eines nahen Angehörigen, Krankheit, Unfall, etc., Beispiele für erwünschte grosse Ereignisse, die andeere Menschen zu unterschiedlichen Zeiten treffen, sind die Geburt eines Kindes, Heirat, Beförderung. Viele dieser Ereignisse werden weder vom Befragten nicht willentlich herbeigeführt, noch vom Befinden abhängig ausgelöst.
Diese Auslöser von emotionalen Verhalten wurden bisher kaum untersucht, die psychischen Effekte besonders langfristige Veränderungen und die Entwicklung psychischer Störungen schon eher. Die emotionalen Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Die Folgen von Katastrophen können von menschlichen Verhalten abhängen. Folgende Phasen der Katastrophen können unterschieden werden:
Phase 1: Warnung ( wenn möglich)
Phase 2: Direkte Auswirkung der Katastophe
Phase 3: Hilfeleistung
Phase 4: Indirekte Auswirkungen der Katastrophe
GUTTMAN & LEVY (1983) konnten mit einer israelischen Studie, die im Juni 1967 vor dem 6-Tage Krieg in vier grossen Städten gemacht wurde, feststellen, dass durch Antizipation großer negativer Ereignisse stärkere Veränderungen im Befinden bewirkt werden können als durch die Ereignisse selbst. Nach allen negativen Ereignissen besserte sich die Stimmung sehr rasch bzw. normalisierte sich das Befinden.
WORTMAN & SILVER (1987) interviewten Unfallopfer und Opfer von Gewalttaten in der 1., 3. und 8. Woche nach dem Geschehen. Es waren überwiegend junge Menschen, die eine dauerhafte Lähmung zu erwarten hatten. Dominierte in der ersten Woche noch die Angst, so zeigte sich in der dritten Woche Angst, Wut und Depression waren deutlich reduziert. Als Grund für diese deutlich positive Veränderung des Befindens nannten die Befragten ihre sozialen Kontakte, Briefe, Anrufe, Besuch von Freunden. Es zeigte sich, dass die Schwere der Verletzung keinen Einfluß auf die Zahl der positiven Gefühle hatte. Trotzdem zeigen schweren Verluste langfristig emotionale Folgen. Grosse Ereignisse ziehen oft viele kleinere Ereignisse nach sich, zum Beispiel beim Tod eines Angehörigen: Trauerfeier-Formalitäten-Besuche- Anrufe-Umzug um nur einige zu nennen.
Opfer von Geiselnahmen oder Rettungspersonal nach Katastropheneinsätzen können ohne pysische oder psychische Schäden in ihr Alltagsleben zurückkehren, trotzdem lassen sich in manchen Fällen später starke emotionale Reaktionen beobachten.
Auch Lebens- und Umweltbedingungen beeinflussen die emotionale Befindlichkeit
Um herauszufinden, ob Zusammenhänge zwischen zeitlich stabilen Lebensbedingungen und Emotionen bestehen, befragte MICHALOS (1991) 5116 Studenten und Studentinnen, davon aus 39 Ländern, wie glücklich sie sind.
Die ermittelte Reihung der Lebensbereiche nach Präferenzen
für die Vorhersage von Glück (MICHALOS,1991):
MICHALOS stellte auch einen Vergleich zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten an.
mit einer Skala von 1 für "sehr unglücklich" bis 7 für "sehr glücklich". Für deutsche Studenten lag der Befindlichkeitswert bei 4,97, die Befragten bezeichneten sich somit also durchaus glücklich und lagen über dem Gesamtdurchschnitt von 4,7.
Nicht objektive Gründe wie die Qualität der Partnerwahl, Einkommen sondern subjektive Zufriedenheit mit diesen bestimmten Lebensbereichen standen in der Untersuchung von MICHALOS für Glück und wurden als wichtig und erstrebenswert angesehen. Subjektive Beurteilung von Zufriedenheit hängt somit stärker mit dem Wohlbefinden zusammen als objektive Beurteilung.
Auch klimatische Bedingungen wie etwa das Wetter können emotionale Änderungen bewirken oder auslösen. CLARK & WATSON (1988) konnten in einer Befindlichkeitsstudie mit japanischen Studenten, die drei Monate täglich ihr emotionales Befinden und Wetterangaben aufzeichneten, jedoch keinen Zusammenhang zwischen dem tatsächlichen Wetter und dem subjektiven Befinden der Studenten finden. In anderen Untersuchungen konnte eine Wirkung auf das Wohlbefinden bei hohen oder niedrigen Temperaturen nachgewiesen werden (ANDERSON, 1989). THAYER (1989) fand, dass sich hohe Luftfeuchtigkeit negativ auf die Befindlichkeit von Personen auswirken kann.
Forschungsmethoden
Um Emotionen in Laborexperimenten zu induzieren sind standardisierte Methoden von Bedeutung, dabei sind die Durchführungsbedingungen festzulegen, welche Emotionen damit
ausgelöst werden, wie oft der erwünschte Effekt zu erwarten ist, wie lange er anhält, ob und wie weit der Versuch von Untersuchungsteilnehmer durchschaubar ist. Auch sollten neutrale Kontrollbedingungen nach Möglichkeit realisierbar sein.
Zur Induktion von Emotionen anwendbar sind:
Dias oder Bilder werden zur Induktion bestimmter Emotionen eingesetzt. Es ist relativ einfach negative Gefühle auszulösen. Wesentlich schwieriger ist es positive Gefühle zu induzieren.
Beispiele für die Induktion negativer Emotionen:
z.B. mit medizinischen Aufnahmen.
Beispiele für die Induktion positiver Emotionen:
Aufnahmen von kleinen Kindern oder Tieren
Filme
Es werden keine bestimmten Filme verwendet und finden auch bei Kindern Anwendung.
Filme haben eine grosse emotionale Wirkungsbreite. Durch Filme können relativ starke Gefühle ausgelöst werden, die auch zu länger andauernden emotionalen Veränderungen führen können.
Vorteile von Filmen sind die gute Gruppenanwendbarkeit, aber auch die "handliche" Durchführung pysiologischer Messungen, da die Versuchspersonen im Laufe der Untersuchung sitzend getestet werden können. Auch Kontrollbedingungen sind gut möglich.
Ein grosser Nachteil von Filmen ist das bei aversiven Filmen die Versuchspersonen sich den Instruktionen bzw. dem Film entziehen können, indem sie die Augen schließen oder wegschauen.
HESSE,SPIES et al.(1992) untersuchten die Wirkung verschiedener Filme und fanden, dass "Otto, der Film" von Otto Waalkes am besten geeignet ist, positive Stimmung zu induzieren. Für negative Emotionen eignete sich besonders der Atomskriegsfilm "The Day after".
Beispiele für die Induktion negativer Emotionen:
Beschneidungsrituale australischer Volksstämme
Studenten mit Schlangenphobie wurden Filme von Schlangen gezeigt.
Rauchern zeigte man Operationen von Lungenkrebspatienten.
Texte und Hörbeispiele
Mit Texten oder Hörbeispielen ist es gut möglich, auch ohne Bilder, allein durch die Sprache Emotionen zu induzieren. Texte sind eine sehr ökonomisches Anwendung der Induktionsmethode. Allerdings ist es nur schwer kontrollierbar, ob die Versuchspersonen den Text aufmerksam lesen bzw. zuhören.
Musik
Musik wird eher selten eingesetzt, hat aber den großen Vorteil, dass die Absicht das Befinden zu ändern nicht gleich erkannt wird. Die Effekte auf das Befinden sind global, es wird bisher nur für positive oder negative Stimmung verwendet.
Imagination von Situationen
Imagining von Situationen ist relativ einfach durchzuführen. Man braucht sich nur eine emotionsauslösende Situation lebhaft vorzustellen. Die Versuchsperson sitzt mit geschlossenen Augen entspannt auf einem Sessel, es sind nur wenige Minuten notwendig.
Ein Vorteil dieser Methode ist, dass jedes beliebige Gefühl einfach herbeigeführt werden kann, ein Nachteil, dass das Ziel erahnt werden kann.
Hypnose
Hypnose ist ein gut geeignetes Verfahren für positive und negative Stimmungsänderungen und findet vielseitige Anwendungen. Gefühle wie Beklemmungen, Angst, Stärke, Freude etc. werden suggeriert. Wirkt aber nicht bei allen Personen.
Velten-Technik
Dieses Verfahren wurde von VELTEN 1968 entwickelt. Versuchspersonen können sich selbst in fröhliche bzw. traurige Stimmung versetzen. Sie lesen zu jeder Bedingung 60 Aussagen, die auf Kärtchen gedruckt sind, zuerst leise, dann laut. Diese Methode erfordert eine aktive Mitarbeit der Versuchspersonen. Beispiele für verwendete Aussagen sind, für positive Stimmung: etwa "ich fühle mich erstaunlich gut", "ich bin voll Energie", für depressive Stimmung: "ich fühle mich ziehmlich träge", "meine Eltern haben nie wirklich versucht mich zu verstehen", für neutrale Stimmung " der Staat Israel wurde 1948 gegründet", "seine Lieblingsfarbe ist ein tiefes Waldgrün".
Die Veltenmethode wird in der Forschung häufig angewandt, Itemanzahl und Art der Darbietungen variieren aber.
Ein Nachteil ist, dass für die Versuchspersonen das Ziel der Untersuchung – eine Stimmungsänderung – durchschaubar ist und ihnen nicht verborgen bleibt. Möglicherweise sind die beobachteten Effekte auch schon durch die Aufforderungen allein entstanden.
Ereignisse im Labor
Viele Emotionseänderungen werden im Labor realisiert mit Hilfe einer Reihe von möglichen Situationen:
Angst kann durch das Vortäuschen von Deffekten und ihre Folgen wie Elektroschocks oder allein die Ankündigung einer freien Rede vor Publikum oder durch Dunkelheit ausgelöst werden, Ärger durch Kritik, Schreck durch einen Schuß, Lärm bevorzugt durch weisses Rauschen.
Auch chemische Substanzen werden unter der Beachtung ethischer Aspekte, zur Veränderung des Ausdrucksverhaltens eingesetzt.
Mit dieser Arbeit sollte versucht werden, die auslösenden Faktoren und die Methoden der Emotionspsychologie dem Betrachter näher zu bringen und das Interesse für diese
Forschungsrichtung etwas zu wecken.
Literaturangabe
SCHMIDT-ATZERT, Lothar (1996). Lehrbuch der Emotionspsychologie
Stuttgart;Berlin;KölnMünchen: W. Kohlhammer