AUSDRUCK

VON

EMOTIONEN

Name: Uta Haslinglehner und Sonja Egger

Matrikelnummer: 9702913 und 9702914

Lehrveranstaltung: Motivation und Emotion II

Professor: Ao. Univ. – Prof. M. Trimmel

Datum: 20.04.1999

  1. Einleitung
  2. In der modernen Emotionspsychologie werden Emotionen zumeist als Syndrome bzw. als Bündel verschiedener Komponenten definiert. Während Zahl und Art der Komponenten von Autor zu Autor varieren, fehlt die Komponente des motorischen Ausdrucks in keinem dieser Definitionsversuche. Das zeigt die Bedeutung des Ausdrucks als Indikator emotionaler Zustände. Zwei Ursachen sind dafür verantwortlich, - zum einen die Externalisierung, und mithin die Kommunikation eines internen Zustands, der somit öffentlich und sozial relevant wird, zum anderen die hohe Differenziertheit des Ausdruckswesen, die der Vielfalt der Gefühlszustände entspricht.

    Die Ausdruckspsychologie ist ein wichtiges Teilfach der Disziplin. Die zeitweise aus dem Blickfeld der Aufmerksamkeit der Forscher geriet. Die Beschäftigung mit Ausdrucksphänomenen erlebte eine Renaissance – und zwar unter dem unverfänglichen Titel

    " NONVERBALE KOMMUNIKATION"

    Die Berücksichtigung der Ausdruckskomponente, und insbesondere auch deren Funktion für die soziale Kommunikation, ist für das Verständnis der Emotionsprozesse unverläßlich. Der systematischen Erforschung des Emotionalen Ausdrucks in Gesicht, Stimme und Körperbewegungen kommt daher eine Schlüsselrolle bei der Analyse von Emotionsprozessen zu.

  3. Funktionen des Ausdrucks
  4. Ein psychobiologischer Ansatz zur Analyse des Verhaltens mißt den adaptiven Funktionen einzelner Verhaltensweisen zentrale Bedeutung zu. Dies gilt für proximale Ursachen (Funktionen für unmittelbar wirksame Zielvorgaben, wie auch für ultimate Ursachen).

    1. Historischer Überblick

Bereits HIPPOKRATES ( geb.ca.4600 v. Chr.) beschäftigte sich mit Emotionen. Emotionen sind seiner Ansicht nach auf Störungen des Gleichgewichts zwischen den verschiedenen Elementen des Körpers und der Seele zurückzuführen. Ausdruckserscheinungen werden durch Veränderungen im Fluß der Körpersäfte und der Atemprozesse hervorgerufen, die durch diese Perturbationen verursacht worden sind. Diese Auffassung wurde bis weit in die Neuzeit beibehalten.

Systematische Überlegungen zu den möglichen Funktionen affektiver Erscheinungsformen finden sich in den " Ideen zu einer Mimik " von Engel ( 1785/ 1968 ).

Er unterscheidet malende und ausdrückende Gebärden und unterteilt die ausdrückenden Gebärden in

  1. nicht willentlich zu beinflussende Wirkung physiologischer Veränderungen (ZB. Erraten)
  2. absichtliche Gebärden

HERBERT SPRENGER unterschied zwischen einer allgemeinen diffusen Entladung nervöser Energie (mit entsprechender Ausdrucksveränderungen) und restringierter Entladung.

Diese restringierte Entladung mit ihren spezifischen Ausdrucksmustern werden in gerichtete und ungerichtete Muster unterteilt.

    1. Intraorganismische Funktionen
    2. Optimierung der Informationsaufnahme und – verarbeitung:

      Emotionales Ausdrucksverhalten dienen dazu , die Informationsverarbeitungskapazität des Organismus zu erhöhen. Offensichtlich können bestimmte Ausdrucksbewegungen die Beobachtungen für die Wahrnehmung externer Reize verbessern, - wie zB. Durch die Zuwendung des Blickes, Hochziehen der Augenbrauen sowie die Öffnung des Mundes.

      Modulation der Erregung:

      Die Externalisierung der Emotionen im motorischen Ausdruck kann zur Erregungsregulierung dienen d.h. zum Wiederherstellen des Erregungsgleichgewichts. Große Bedeutung hierbei hat die ABFUHRHYPOTHESE, nach der die motorische Entladung zu einer Reduktion der emotionalen Intensität führt.

      Energiebereitstellung und Handlungsvorbereitung:

      Hiebei handelt es sich darum, daß bei unterschiedlichen Emotionen auch unterschiedliche Reaktionsmuster auftreten, die für die jeweilige Verhaltensweise (zB. Kampf oder Flucht) eine optimale Voreinstellung der Körperorgane liefern.

      Beispiel: Ärger > Blutzufuhr in Brust, Hals und Kopf

      Furcht > Blutzufuhr in Extremitäten

      Bahnung adaptiver Verhaltensweisen:

      Bei diesem Bereich handelt es sich um die motorischen Ausführung oder zumindest Andeutung von entsprechenden Verhaltensreaktionen zB. Erheben der geballten Faust bei Wut.

    3. Soziale Funktionen

Schon Darwin hat die KOOMUNIKATIONSFUNKTION des emotionalen Ausdrucks betont, da die Möglichkeit, Emotionszustände Artgenossen mitzuteilen, einen wichtigen selektiven Vorteil darstellt.

Die soziale Kommunikationsfunktionen des Emotionsausdrucks könnte man unterteilen.

In der Interaktion mit einem Artgenossen ist es für die Wahl der eigenen Verhaltensstrategien sehr wichtig, den jeweiligen motivationalen und emotionalen Zustand des anderen zu erkennen oder seine Reaktion auf äußere Ereignisse oder Verhaltensweisen anderer Artgenossen einzuschätzen.

In unmittelbarem Zusammenhang mit der Anzeige von motivationalem Zustand und emotionaler Reaktion steht die Andeutung der nächsten, tatsächlich geplanten Handlung.

In neueren Forschungsarbeiten besonders von Peter Marler , wird darauf hingewiesen, daß emotionaler Ausdruck auch eine symbolische Repräsentationsfunktion haben kann.

zB. Alarmrufe bei Makaken je nach Art des Raubfeindes unterschiedlich ist.

Viele Emotionen sind sozialer Art und der jeweilige Emotionsausdruck kann im erheblichen Maße zur Gestaltung der sozialen Beziehung beitragen.

Man kann davon ausgehen, daß Ausdrucksverhalten soziale Beziehungen etablieren oder verändern kann. Obwohl es bestimmte Arten des emotinalen Ausdrucksverhalten gibt, die auf einzelne Funktionen spezialisiert sind, ist doch festzustellen, daß viele Ausdrucksweisen gleichzeitig mehreren dieser Funktionen dienen können. ZB. Kann die Geste des Wutausdrucks sowohl motorische Vorbereitung für einen Aggressionsakt sein, als auch Kommunikation der Reaktion des Senders auf eine zweideutige Äußerung des Empfängers und der hierdurch hervorgerufenen Verhaltensintention sein.

Diese Multifunktionalität des Ausdruckszeichen läßt sich durch das ORGANON MODELL veranschaulichen.

Das Sprachzeichen SYMBOL ist kraft seiner Zuordnung zu Gegenständen und Sachverhalten.

SYMPTOM kraft seiner Abhängigkeit vom Sender.

SIGNAL kraft seines Appells an den Hörer, dessen äußeres und inneres Verhalten es steuert.

  1. Determinanten des Ausdrucks
  2. Scherer Unterschied zwischen zwei Haupttypen von Determinanten des Ausdrucksverhalten zwischen 1. Internalen "Push" – Faktoren , die das Ausdrucksverhalten aufgrund der als Begleitererscheinung der emotionalen Erregung autetenden pysiologischen Veränderungen in eine bestimmte Richtung "drücken" und 2. Externalen "Pull" – Faktoren, die es etwa aufgrund soziokultureller Kovension in Richtung auf ein bestimmtes Zielmuster "ziehen".

    Definition: PUSH – FAKTOREN

    Push Faktoren werden definiert als Veränderungen im organismischen Subsystemen, die eine direkte Auswirkung auf Art und Intensität des motorischen Ausdrucks haben. Sie wirken meistens unwillkürlich, aber durch zB. Unterdrückung kann man sie in gewissen Maße beeinflussen.

    PULL FAKTOREN:

    Sie sorge dafür, daß solche Ausdrucksmuster (zB Gesichtsausdruck oder Vokalisationsmuster) erzeugt werden, die durch sozial nominierte Situationsanforderungen, Signalübertragungsbedingungen oder auch Selbstdarstellungsabsichten vorgegeben sind.

    Mit anderen Worten, bei den Push – Faktoren sind die Erzeugungsmechanismen die unabhängigen Variablen, während die resultierenden Ausdruckserscheinungen die abhängigen Variablen darstellen.

    Bei den Pull – Faktoren ist es umgekehrt: Hier sind die zu erzeugenden Ausdrucksmuster die unabhängigen Variablen und die zu ihrer Erzeugung benötigten Mechanismen die abhängigen Variablen.

    Pull – Faktoren wirken über das somatische NS, also die quergestreifte Muskulatur, da kaum anzunehmen ist, daß das vegetative NS flexibel genug ist.

    Anders die Push – Faktoren, bei denen sowohl das sympathische NS und das vegetative NS mitwirkt.

    1. Push - Faktoren
    2. Einem bei vielen Emotionen auftretende Veränderungen des pysiologischen Zustandes besteht in einer Erhöhung der Aktivität des ergotropen Systems auf Kosten des trophotropen Systems.

      Während normalerweise beide Systeme in einem dynamischen Gleichgewichtszustand sind kann in Situation hoher emotionaler Erregung, die Erregung aus dem einen System in das andere "überschwappen" (=spilling over), oder es können sogar beide Systeme gleichzeitig erregt sein. Andererseits kann hohe emotionale Erregung durch Bewegungsaktivität reduziert werden.

      Die meisten Ausdruckserscheinungen laufen über die quergestreifte Muskulatur ab. Dadurch wird eine generelle Tonuserhöhung der Muskulatur erhebliche Auswirkungen auf das Ausdrucksverhalten haben. So ist insbesondere in der grob Motorik bei vielen Emotionszuständen eine erhöhte Spannung festzustellen, die sich etwa in ruckartigeren, motorischen Verhalten oder auch in stereotypen Bewegungsmustern bemerkbar macht. Solche Tonussteigerungen können dazu führen, daß Bewegungen quantitativ eingeschränkt und qualitativ verändert ( eckig, abgehackt) ausgeführt werden, während in den Phasen des spilling overs durch die resultierende Tonusreduktion Bewegungen "schlaff" oder "müde" erscheinen mögen. Eine eindeutige Wirkung von Push – Effekten zeigt sich auch im Erröten, das durch Blutstrom zur Kopfregion zustande kommt.

    3. Pull – Faktoren

Unter Berücksichtigung der verschiedenen Arten externer Vorgaben für die produzierenden Ausdrucksmuster kann der Versuch einer TYPOLOGIE von Pull – Faktoren unternommen werden.

Eine wichtige Anforderung an die Kommunikation dienende Ausdrucksmuster ist, daß die Signale angesichts der jeweils herrschenden Umweltbedingungen ohne allzu große Verluste vom Sender an den Empfänger übermittelt werden können oder daß der Aufenthaltsort des Senders vom Empfänger relativ präzise geortet werden kann.

Hierbei bestimmen externe Zielvorgaben die zu produzierenden Ausdrucksmuster. Die Produktion von für die Artgenossen angenehmen oder unangenehmen Signalmuster, durch die das Ziel verfolgt wird, andere Individuen anzuziehen oder fernzuhalten.

Ein wichtiger externaler Pull – Faktor ist die Angleichung von Ausdrucksmustern im Rahmen einer Interaktion mit Artgenossen.

Ein Sonderfall von Pull – Faktoren ist das bewußte oder auch unbewußte Bemühen, ein durch entsprechende Push – Effekte Ausdrucksgeschehen vor oder während der motorischen Ausführung zu unterdrücken oder nach dessen Auftreten unmittelbar durch einen anderen Ausdruck zu maskieren. zB Pokerface.

Ekman hat zur Beschreibung solcher sozialen Einflüsse auf den Emotionsausdruck das Konzept der DARBIETUNGSREGEL (display rules) eingeführt, wobei er zwischen Amplifikation, Deamplifikation, Neutralisierung und Maskierung unterscheidet.

Amplifikation bedeutet, daß eine Emotion stärker als eigentlich empfunden ausgedrückt wird.

Deamplifikation dabei wird das Ausdrucksverhalten reduziert.

Neutralisierung hierbei wird versucht eine erlebte Emotion für andere nicht sichtbar werden zu lassen.

Darbietungsregeln entsprechen auf der Ebene der Regulation des Emotionsausdrucks den Normen und Rollenerwartungen in einer gegebenen Situation und können damit kulturell, gruppenspezifisch aber auch individuell variieren. Darbietungsregeln variieren nach Ekman in Abhängigkeit von transienten und stabilen Personen uns Situationsfaktoren (z.B Alter, Geschlecht, Rolle).

Bereits Wundt hat sich mit kulturell und sprachlich determinierten Ausdrucksmustern beschäftigt, so wie "ach" oder "ohweh".

Ähnlich ritualisierte Affektsignale lassen sich im Gesichtsausdruck nachweisen, so wie etwa Ausdrücke des Bedauerns oder des Ekels. Darüber hinaus gibt es für eine Reihe emotional bestimmte Situationstypen wie Begräbnisse, oder Hochzeiten spezifische soziale Vorgaben für gefordertes oder erlaubtes Ausdrucksverhalten.

Im Sinne der Selbstpräsentation will man oft beim Empfänger einen günstigen Eindruck erzielen. Es geht dabei nicht um eine Täuschung, sondern um die Darstellung des Selbst als einen kompetenten Akteur.

    1. Phylogenetische Entwicklung der Beziehung zwischen Ausdruck und Eindruck

Es erscheint denkbar, daß sich im Laufe der Phylogenese durch Veränderung der genetischen Programmierung des Ausdruckspotentials eine Anpassung an die Erfordernisse der Eindrucksbildung ergeben haben kann.

Leyhausen zeigte anhand von Tierbeispielen, daß man durchaus von einer eindrucksbedingten "Züchtung" von Ausdruckserscheinungen ausgehen kann. Die wichtigsten Prinzipien dieses Prozesses nennt er :

  1. Konzentration
  2. Typisierung
  3. Symbolisierung
  4. Variation
  1. Produktion und Formen des Ausdrucks
    1. Neuropsychologische Steuerungsprozesse

Die Mimik wird von den motorischen Zentren des cerebralen Kortex, wo die Steuerungsareale für die Gesichtsmuskulatur neben denen für die Harnmuskulatur den größten Bereich aller motorischen Effektoren einnehmen. Über den Motorneuronen des Hirnstamms durch den siebenten cranialen Nerv, so wie die internen und externen Kaumuskeln innerviert, gesteuert.

Es läßt sich zeigen, daß die Repräsentation des Ober – und des Untergesichts im Motorkortex sehr unterschiedlich sind. Das Obergesicht wir von primitiven Bereichen gesteuert, weil es weniger Muskeln hat und ein geringeres Repertoire möglicher mimischen Bewegungen.

Die cerebrale Organisation der Vokalisation bei Menschen ist außerordentlich Komplex. Für die spezielle menschliche Fähigkeit zur Sprachproduktion haben sich spezielle kortikale Strukturen herausgebildet.

Die wichtigsten Komponenten des ZNS, die für die Bewegungssteuerung und dem Bewegungsablauf verantwortlich sind, sind bekannt. Dies sind der sensomotorische Kortex, die Basalganglien, das Cerebelum, der Thalamus, Hirnstammabschnitte wie der Olivenkern oder die Reticulärkerne und schließlich der Pyrimidaltrakt.

Nach Vanderwolf steuert der Thalamus als Teil des limbischen Systems, Emotions- und Erregungsausdruck im Bewegungsverhalten, während Willkürbewegungen eher von höheren motorischen Zentren im Kortex geregelt werden. Diese können aber zeitweise an das limbische System angekoppelt werden.

5.Spezifische Ausdrucksformen einzelner Emotionen

5.1 Mimik

Schon bei Duchenne (1862), Darwin (1872) oder bei Rudolph (1903) findet man detaillierte Darstellungen der mimischen Ausdrucksmuster, die spezifische Emotionen begleiten.

Freude/Glück:

Der Mund soll geöffnet sein, mit nach hinten und nach oben gezogenen Mundwinkeln.

Trauer/Verzweiflung:

Die inneren Enden der Augenbrauen sind angehoben und die Mundwinkel sind gesenkt.

Furcht/Angst:

Der Mund ist weit geöffnet und die Augen sind weit aufgerissen. Weiters sind die Pupillen zusammengezogen und der Risoriusmuskel ist angespannt.

Ärger/Wut/Haß

Man hat senkrechte Falten auf der Stirn. Die Lippen sind entweder zurückgezogen oder zusammengepreßt.

Abscheu

Rümpfen der Nase und sie wird angehoben. Man hat senkrechte Falten auf der Stirn und einen geöffneten Mund.

>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Beschreibung nach Darwin (1873)

Es gibt viele Beschreibungen solcher prototypischer, mimischer Ausdrucksmuster für diskrete Emotion. Einige von Ihnen wurden zur Schulung von Schauspielern und bildenden Künstlern entwickelt, andere entstammen dem Bereich der deutschsprachigen Ausdruckspsychologie.

Experimentelle Untersuchungen für diskrete Emotion fehlen jedoch weitgehend.

Gründe warum sie fehlen

  1. Sind Untersuchungen des emotionalen Ausdrucks im Labor schwierig durchzuführen.
  2. In Feldbeobachtungen ist der Zugang zu wirklich emotional involvierenden Situationen häufig verwehrt.

Daher sind die meisten Untersuchungen nicht als Ausdruck sondern eher als Eindrucksuntersuchungen zu werten. Aus der Tatsache, daß Beurteiler in unterschiedlichen Kulturen Photographien mimischer Ausdrucksmuster jeweils die gleichen Emotionsbegriffe zuordnen, wird beschlossen, daß diese Muster universelle Gültigkeit besitzen müssen.

Bei den meisten Untersuchungen wird nicht mit spontanen, sondern mit gestelltem Emotionsausdruck gearbeitet.

Beispiel:

Ekman und Friesen haben am Beispiel des Lächelns zeigen können, daß sich unechtes vom echten emotionalen Lächeln unter anderem durch die fehlende Beteiligung der Augenpartie, einer größeren Asymmetry des Ausdrucks und einem anderen zeitlichen Verlaufs unterscheidet. Erschwert wird die Identifikation eindeutiger, emotionstypischer Muster außerdem durch das Auftreten von Mischungen (Blends). D.h. durch das Auftreten zweier oder mehrerer emotionaler Gesichtsausdrücke gleichzeitig oder in rascher Folge. Bei solchen Belnds können mehrere verschiedenen Emotionen in jeweils anderen Teilen des Gesichts auftreten oder auch auf die gleichen mimischen Muskeln zugreifen.

Blends erscheinen wenn:

Universelle mimische Ausdrucksmuster lassen sich auch in Beobachtungen von Taub-Blind Geborenen, bei denen lernen durch Beobachtung ausgeschlossen werden kann feststellen.

In einer der winigen Untersuchungen versuchten Ekman, Friesen und Ancoli 1980 positive und negative Emotionen durch die Darbietung angenehmer und unangenehmer Filme zu induzieren. Es gelang ihnen, positive Stimmung und Abscheu nicht aber negative Emotionen eindeutig zu elizitieren.

Ekman, Roger und Hager stellten sechs Grundemotionen dar:

  1. Überraschung : Heben der Augenbrauen, senken des Unterkiefers, heben der oberen Augenlider
  2. Ärger: Zusammenziehen der Augenbrauen, zusammenpressen der Lippen und Spannung der Lider
  3. Abscheu: Rümpfen der Nase, herunterziehen der Unterlippe
  4. Freude/ Glück: Heben der Mundwinkel
  5. Furcht/ Angst: Heben der Oberlippe, Spannung der Lider , Mundwinkel zur Seite gezogen
  6. Trauer: Senken der Mundwinkel, heben des inneren Teils der Augenbrauen, herunterziehen der Unterlippe

Alle bislang berichteten Untersuchungen gehen von der Grundannahme aus, daß es für die unterschiedlichen Emotionen typische, d.h. eindeutige und universelle Gesichtsausdrucksmuster gibt. Viele Theorien gehen dabei von festgelegten Affektprogrammen aus, die von emotional auslösenden Reizen oder Situationen aufgerufen werden und jeweils die unterschiedlichen Ausdrucksmuster hervorrufen.

In verschiedenen Theorien werden verschiedene Mechanismen erklärt, welche diese Programme auslösen.

Tomkins (1962/ 63):

Nach ihm wird das jeweils aufgerufene Affektprogramm von der Dichte der neuronalen Erregungsladung bestimmt.

Schnell zunehmende, neuronale Erregungsdichte führt nach Tomkins zur Furcht, langsamere Zunahme zu Interesse, während eine gleichbleibende Dichte zu Ärger führt.

(Izard (1977) oder Ekman 1972):

Sie gehen von einer spezifischen Elizitierungsbedingung für die verschiedenen Emotionen aus, die neuronale Programme mit zugehörigem Gesichtsausdruck auslösen soll.

Die Kulturrelativisten nahmen die Gegenposition zu den Vertretern differentieller und universeller Ausdrucksformen ein.

Landis folgerte aus Untersuchungen in denen Versuchspersonen mit einer Vielzahl von emotionsauslösenden Situationen konfrontiert wurden, daß es keine universellen mimischen Ausdrucksmuster gebe. Ähnlich argumentiere Klinebergl, der die unterschiedlichen mimischen Reaktionen von Asiaten und Europäern auf gleich emotionsauslösende Situationen beschrieb, und Birdwhistell, der Mimik und Körperbewegungen als erlernte und kulturabhängiger Verhaltensweisen ansieht.

Die Tatsache, daß nicht alle Personen auf den gleichen Stimulus mit gleichem Gesichtsausdruck reagieren, kann auch dadurch bedingt sein, daß Situationen gleichen Typs Person – und kulturabhängig unterschiedliche Emotionen und mimischen Ausdruck auslösen.

Es dürfte also schwerer nachzuweisen sein, daß echter emotionaler Ausdruck wirklich kulturabhängig ist. Allerdings ist auch die universelle Position bisher kaum empirisch abgesichert. Jedoch lassen die Beobachtungen an Taub – Blind .- Geborenen die Existenz mimischer " Universalien" wahrscheinlicher erscheint.

5.2 Vokalisation

Den empirischen Untersuchungen zur Vokalisation wurde wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Dies mag zum Teil darauf zurückzuführen sein, daß zur Untersuchung des auditiv wahrnembaren Stimmsignals erheblich größer methodische Anstrengungen erforderlich sind , als zur Beobachtung des Gesichtsausdrucks oder, daß den visuellen Ausdruck oft Priorität zugemessen wurde.

Jedoch gab es Untersuchungen wo menschliche Beurteiler in der Lage sind, vokalen Ausdruck präzise zuzuordnen.

Es gibt deshalb Grund zur Annahme, daß der vokale Ausdruck in der Tat eine ausreichende Zahl differenzierter Parametervariationen aufweist, die diese Erkennungsleistungen ermöglichen. Es wurde aber nur eine relativ geringe Zahl der Parameter untersucht. Insbesondere gibt es nur außerordentlich wenige Untersuchungen zur Stimmqualität, die sich akustisch hauptsächlich in der Energieverteilung im Spektrum darstellen.

5.3. Übrige Motorik

Für das übrige Bewegungsverhalten wie etwa Gestik und Körperhaltungen gibt es nur wenige Untersuchungen. Dies mag daran liegen, daß in diesen Verhaltensmodalitäten keine spezifischen Emotionen ausgedrückt werden, sonder eher die Intensität der allgemeinen Erregung.

Die wenigen Untersuchungen die durchgeführt wurden, beschränken sich allerdings auf Ärger, Aggression, Furcht und Submission.

Bei Emotionen wie Ärger ,wo sich der Organismus im Besitz der nötigen Ressourcen zur Bewältigung der Situation sieht, besteht offensichtlich bei vielen Tierarten und auch bei Menschen eine Tendenz sich "größer" erscheinen lassen.

Bei Emotionen wie Furcht, die Submission nahe liegen, weil die Bewältigungsfähigkeit des Organismus nicht ausreicht wird das Erscheinungsbild des Körpers dagegen häufig verkleinert.

6. Beziehungen des Ausdrucks zu den anderen Emotionskomponenten

Zwischen dem Ausdrucksverhalten und den pysiologischen Symtomen von Emotionen stehen zwei Hypothesen mit gegensätzlichen Aussagen gegenüber. Zum einen wird postuliert, daß das Ausdrucksverhalten dazu beitragen kann, emotionale Erregung zu reduzieren (Abfuhr – Hypothese) , zum anderen, daß das Ausdrucksverhalten emotionale Erregung steigert (Verstärkungs – Hypothese).

Der Abfuhr – Hypothese zufolge soll das Ausagieren emotionaler Impulse, beispielsweise durch heftige Bewegungen emotionale Erregung reduzieren.

Hinweis auf ein inverses Verhältnis zwischen Emotionsausdruck und pysiologische Erregung finden sich auch i. der Untersu#hung von Buc+ und Miller. Buck zeigte, daß Personen, die auf das Betrac(ten von emot)onsauslösenden Dias 0ysiologisch relativ stark reagieren, eher weniger Ausdrucksverha,ten zeigen, 7ährend ersonen mit deutlichem Ausdrucksverhal4en pysiologi3ch weniger starke Reaktio.en zeigen.

Diesen Vorstellungen steht die A.nahme entgeg%n, daß expressives erhalten das emotionale B%finden nicht etwa reduzie2t, sondern im Gegenteil verstärkt.

Sch/n Darwin merkte an: Der f2eie Ausdruck einer Gem&uu-l;tserregung durch ä5ßere Zeichen macht 3ie intensiver. Auf der an$eren Seite macht das Zur&5uml;ckdrängen aller äußeren Zeichen unserer Seel%nbewegungen mildern.

Über die Mechan)smen die möglicherwe)se eine Vers4ärkung emotionaler Erregung durch die Rückmeldung expressiver Motor)kerzeugung, gibt es unterschiedliche Annahmen.

So könnte der mimische Ausdruck propriozept)v ins limbische System rückgekoppelt werden.

Zentral vom motork/rtex auf and%re kognitive Systeme einw)rken oder ab%r nach neueren theoretischen Vorschlägen über Rüc+meldung der pannung der Gesichtshaut.

&nbs0;

Solch% Überlegungen wer$en m%is4 unter dem Konzep4 FACIAL - FEEDBACK Hypothese zusammengefaßt. Diese Hypothese existiert in zw%i Versionen.

  1. Die starke Version der Hypothese besagt, daß mimisches Verh!lten nötig und hinreichend für das Erleben von Emotionen ist.
  2. Die schwache Form postulie2t, daß Rückmeldungen mimischen Ausdrucks in positiver Beziehung zum emotionalen Erleben stehen, dieses wird aber nicht durch mimisches Verhalten ausgelöst.
    Empathie und Wahrnehmung des Emotionsausdrucks

    Lipps (1907) ging von Nachahmungstrieben !u3. Ein Beobachter ahmt unbewußt das gesehene Aus$rucksverhalten nach; diese Nachahmung induziert im Beobachter ein Gefühl, das dann über hinausverlegen der beobachteten Person zugeschrieben wird. Diese Nachahmungstendenz sind die Wurzeln der Empathie.

    Flarell ( 1977) unterschied drei Arten des Erkennen von Emotionen bei anderen, die nicht empathische Inferenz, bei der ein Beobachter schlußfolgernd aus Informationen über Ausdrucksverhalten und situativen Kontext auf die mögliche Emotion der anderen Person schließt, die inferentielle Empathie, die in Situationen auftritt, in denen eine Person die gleichen Emotionen wie eine andere erlebt und somit aus ihren eigenen erleben auf die Stimmung der anderen Personen schließt und die nicht – inferentielle Empathie, die Lipps Nachahmungskonzept entspricht.

    Inwieweit Emotionen aufgrund von Körperbewegungen, Gesten oder Körperhaltungen erkannt werden können, ist umstritten.

    In Multikanaluntersuchungen der Eindruckswirkung expressiven Verhaltens wird versucht, die Bedeutung der verschiedenen Verhaltensmodalitäten oder Kanäle wie Mimik oder Stimme für die Wahrnehmung von Emotionen zu bestimmen.

    Eine Dominanz des visuellen über den vokalen Verhaltenskanal ist auch fraglich.

    Bugental und Love (1970) fanden, daß den vokalen Kanälen mehr Bedeutung zukam. Rosenthal stellte sich aber auf die andere Seite.

    Auf die Frage, ob es in erster Linie das expressive Verhalten oder situative Kontextinformationen sind, die Emotionseinschätzungen bestimmen, gab es auch mehrere Untersuchungen, die auf kein eindeutiges Ergebnis kamen.

  1. Forschungsprobleme

Die Grundlage eines Forschungsparadigmas muß ein Modell sein, in dem sowohl Ausdruck als auch Eindruck gemeinsam untersucht werden kann. Ein solches Modell ist das BRUNSWIKSCHE LINSENMODELL (1956).

Es wird ein bestimmter Senderzustand unter Vermittlung einer Reihe pysiologischer und motorischer Prozesse externalisiert. Hierdurch werden objektiv beobachtbare distale Hinweisreize erzeugt. Diese distalen Hinweisreize werden in den visuellen und auditorischen Kommunikationskanälen übertragen und im Sensorium des Beobachters als proximale Perzepte abgebildet (zB. Zusammengekniffene Augen, laute Stimme).

Auf der Grundlage dieser proximalen Perzepte wird mit Hilfe probalistischer Inverenzmodelle eine Attributation des wahrscheinlichen Senderzustandes vorgenommen

In der Sozialpsychologie beschäftigt man sich mit der Frage, der Fähigkeit von Beobachtern zur Erkennung von Emotionen aufgrund des Ausdrucks. Im Mittelpunkt steht die Frage, unterschiedlicher Erkennungsfähigkeit oder das Problem der relativen Leistungsfähigkeit einzelner Kommunikationskanäle zur Übermittlung der Identifizierung der erlaubenden Hinweisreize.

Ob schon Forschungsansätze möglich sind, in denen alle Konsituenten des Linsenmodells und damit der gesamte Prozeß untersucht werden, so ist dies sicher ein sehr aufwendiges Verfahren.

Zum Schluß sollen einige Überlegungen dargestellt werden, in welcher Form klassische Forschungsparadigmen durch Berücksichtigung des Linsenmodells ergänzt werden können.

Ein schwerwiegender Mangel der bisherigen Forschungsanstrengungen und einer der Gründe für unseren geringen Wissensstand in diesem Bereich ist, das Fehlen systematischer Untersuchungen aller Einzelemotionen.

Die Experimente stoßen schnell auf praktische und ethische Grenzen.

Für nahezu alle Ausdrucksbereiche existieren abgesicherte Erhebungsinstrumente und Kodierungsverfahren. Diese Verfahren brauchen einen höheren personellen und apparativen Einsatz, doch wenn die Qualität der Daten gesichert sein soll, dann lassen sich solche Anforderungen nicht entgehen.

Eine detallierte Untersuchung dieser Teilkonsistuenten der Eindrucksbildung ist von großer Bedeutung. Da die proximalen Perzepte den Input für die Inferenzprozesse bilden, die zur Emotionsattribution führen. Ein Verständnis dieser Prozesse ist nur dann möglich, wenn wir die Perzepte getrennt messen können.

Im Rahmen des Linsenmodells wird damit in erster Linie der Aspekt der Funktionalen Validität erfaßt, der detalierte Ablauf des Ausdrucks – und Eindrucksprozesses bleibt unberücksichtigt. Nachteil der Zentrierung auf die globale Erkennungsgenauigkeit ist insbesondere, daß die Ursachen für Fehler in der Emotionserkennung nicht identifiziert werden können.

  1. Ausblick

Nachdem erheblich verbesserte Analyseverfahren zur Verfügung stehen, bedarf es nunmehr systematischer theoriengeleiteter Forschungsanstrengungen, um den Erkenntnisstand bezüglich des Ausdrucks von Emotionen voranzutreiben.

Statt wie bisher isolierte Einzelfragestellungen zu behandeln, gilt es die Ausdrucksforschung in zentralen Ansätzen der Emotionspsychologie zu integrieren.

In folgenden werden einige Möglichkeiten angeführt:

INHALTSANGABE:

  1. Einführung
  2. Funktionen des Ausdrucks
    1. Historischer Überblick
    2. Intraorganismische Funktionen
    3. Soziale Funktionen
  3. Determinanten des Ausdrucks
  4. 3.1. Push – Faktoren

    3.2. Pull – Faktoren

    3.3. Phylogenetische Entwicklung der Beziehung zwischen Ausdruck und Eindruck

  5. Produktion und Formen des Ausdrucks
    1. Neuropsychologische Steuerungsprozesse
  6. Spezifische Ausdrucksformen einzelner Emotionen
    1. Mimik
    2. Vokalisation
    3. Übrige Motorik
  7. Beziehungen des Ausdrucks zu den anderen Emotionskomponenten
  8. Empathie und Wahrnehmung des Emotionsausdrucks
  9. Forschungsprobleme
  10. Ausblick