160059 PS Tonsysteme, Skalen und Stimmungen - Universität Wien, WS 2012/13

einige Themen- und Literaturvorschläge

Die im Folgenden angeführten Themen sind Vorschläge, womit sie sich im Rahmen unserer Lehrveranstaltung beschäftigen können. Ebensogut können sie sich andere, eigene Themen für Ihre Arbeiten suchen. Der LV-Leiter legt besonderen Wert darauf, dass sie eine Thematik wählen, an der sie gerne arbeiten, die Ihnen womöglich Freude bereitet - also etwas, das sie wirklich tun wollen!
Die Literaturhinweise sollen Ihnen die Orientierung und den Einstieg erleichtern, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollen auch Ihre eigene Recherche nicht ersetzen. Bei einigen der Titel ist auch die Signatur angeführt, unter der sie das Buch in unserer Institutsbibliothek finden.

 

Musiktheorie in der Philosophie der Antike + deren Rezeption

Klaus Jürgen Sachs: Kosmisches Gesetz und musikalische Regel in: La Motte-Haber, Helga de [Hrsg.]: Handbuch der systematischen Musikwissenschaft, Band 2, S 31-72 [C-16938/2]

Pythagoras und Aristoxenos. Pythagoras: Ordnungsprinzipien der Welt durch Zahlen -> göttliche Herkunft der Musik, Musik als Mathematik. Gegenthesen des Aristoxenos: Musik nicht mathematisch sondern über Wahrnehmung zu erklären. Tonhöhenbereiche statt exakter Proportionen.

Stefan Hagel: Modulation in altgriechischer Musik, Lang, Frankfurt a. M. 2000 [B-13325/38]
(S15-27:  Pythagoreer, Aristoxenos, Skalen. evtl.S.115f: Schlußfolgerungen)

Anderson, Warren D. : Music and Musicians in Ancient Greece. Appendix B Scale System and Notation. (S.198-209) [B-15501]

Wilfried Neumaier: Was ist ein Tonsystem , Verlag Peter Lang , Frankfurt  1986 [B 13325/9]
insbesondere Kapitel 3: die Harmonischen Elemente des Aristoxenos, S 63-86
sowie Kapitel 8 (Historische Entwicklungen in der Tonsystemtheorie, S171-184)
besonders 8.1: Die These der Pythagoräer und die Antithese des Aristoxenos S.171ff
(weiter dann über Mittelalter und Neuzeit, Temperierung und Mitteltönigkeit...)

 

mitteltönige Stimmung und Temperierungsprozesse:

 Auhagen, Wolfgang: Fortschritte und Rückschritte bei der Entwicklung von Stimmungssystemen seit dem 16. Jahrhundert. In: Vom Preis des Fortschritts. - Wien 2008,Universal Ed.,  S. 195-211

Mark Lindley: Stimmung und Temperatur. In: Frieder Zaminer (Hrsg.): Geschichte der Musiktheorie. Bd. 6. Darmstadt 1987 S. 109-332. [B-13298/6]
- insbesondere: Einleitung (S. 111-10) und "Gute Temperaturen" (256-290).

Dagmar Droysen-Reber: Stimtheorien in Renaissance und Barock. Ein Überblick. in: Fleischhauer, Günter:  Stimmungen im 17. und 18. Jahrhundert. Vielfalt oder Konfusion?  S11-16.    B-15642/52

Fritz A. Kuttner and J. Murray Barbour: Meantone Temperament in Theory and Practice. Musurgia Records 1958.

Frosch, Reinhart: Mitteltönig ist schöner! Studien über Stimmungen von Musikinstrumenten  [B 15415]
recht einfach lesbare Erklärung verschiedener Stimmungssysteme: reine- , pythagoreische-, mitteltönige- und gleichschwebende Stimmungen, versch. Temperierungsvarianten, jeweils diatonisch und chromatisch.

Martin Vogel: Wie nahe kann man der reinen Stimmung mit 12 Tönen kommen?. in: Fleischhauer, Günter:  Stimmungen im 17. und 18. Jahrhundert. Vielfalt oder Konfusion? S23-27       B-15642/52

enharmonische Instrumente: [->Link

Tonartencharakteristik :

Auhagen, Wolfgang: Studien zur Tonartencharakteristik in theoretischen Schriften und Kompositionen vom späten 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.  Frankfurt/M., Bern, New York: Peter Lang 1983 (B10913/36.6)- insbesondere: S 399-418.

Stenger, Alfred: Ästhetik der Tonarten.  Charakterisierungen musikalischer Landschaften [B-17766 . Tonbsp:  CS-5167]


"Bach"-stimmungen: [dazu gibt es Folien von Prof Reuter...]

Jürgen Grönewald: Mikrotonale Differenzen in den Bach-Stimmungen. Berlin, 2000 
(!! link nur mit gutem Virenschutz öffnen: es wird ein "Trojaner" gemeldet....)

Herbert Anton Keller: Über die Cembalostimmung für "Das Wohltemperierte Clavier" in: Fleischhauer, Günter:  Stimmungen im 17. und 18. Jahrhundert. Vielfalt oder Konfusion? S.35-44  B-15642/52

Bradley Lehman: Bach's Art of Temperament, 2006

Lindley, Mark: "J.S. Bachs Klavierstimmung", in: Alte Musik als ästhetische Gegenwart: Bach, Händel, Schütz: Stuttgart 1985 vol. 1, Kassel, 1987, pp. 409-421. [Hauptbib,  II-1093589] (englische Ausgabe)

Bachstimmungen zum "Vergleichshören": http://yamatohasumi.de/stimmung/midi/midi-main-de.htm

 

Intonationstoleranz:

Peter Cooke: "Report on Pitch perception Experiments carried out in Buganda and Busoga (Uganda)", African Music, vii/2, 1992 S119-125 (Inventarnummer Z-421)

Jobst P. Fricke: Intonation und musikalisches Hören, Osnabrück 2012 (1968) [B-18010/18]

Jobst P. Fricke: Von Theoretikern des 16. bis 18. Jahrhunderts tolerierte Stimmungsunterschiede. in: Fleischhauer, Günter:Stimmungen im 17. und 18. Jahrhundert.Vielfalt oder Konfusion?   S 17-22. [B-15642/52]

Shackford, Charles: Some Aspects of Perception. III Addenda , , in: Journ. of Music Theory 6, 66-90, 295-303. 1962.
Hörgenauigkeit, typische Intervallgrößen und Ranges, aus sehr alter Theorie und Versuchen beim praktischen Musizieren.

 

Klang Ton Obertonreihe, mathematische Theorie und Abweichungen in der Praxis:

Fricke, Jobst:  Die Innenstimmung der Naturtonreihe und der Klänge, In: Festschrift K. G. Fellerer zum 60. Geburtstag, ed. Hüschen, Regensburg, 1962.
Die Obertonreihe entspricht nicht exakt den Überblastönen !

Hbsp: 16 Fagott-Teiltöne
Anregung zu eigenen Obertonexperimenten (z.B. Elektroninstallationsröhren als Obertonflöten)
Hbsp: Elektroinstallationsrohr

Kurt A.Hueber: "Pseudoharmonische Partialtonreihen ..." in: Richter-Herf, Franz, [Hrsg.] Mikrotöne. Innsbruck,1986. (S 29-49) [B13327/3]
Tabellen für die Obertonreihen von Stäben, sowie eine Annäherung mit einer arithmetischen Reihe.

->> Arbeitsthema: Tonhöhen Analyse
Hbsp: Bogenlaute mit 7 Saiten (too), gesungen und gespielt von Dina Pikenien  ("Buschmann-Name": //Uwa) Aufnahme von Gerhard Kubik in Namibia 1991.(Aufnahme aus dem Wiener Phonogrammarchiv 19730926.M003-06-PhArch B19036.)
Einen Ausschnitt der Aufnahme findet sich auch auf der CD zu:
Gruber, Gernot / Schmidhofer, August / Weber, Michael (Hrsg.), Mehrstimmigkeit und Heterophonie. Bericht zur Tagung in Wien, 11. bis 12. Dezember 1999. S 211-231. Frankfurt am Main etc.: Peter Lang; [Institutsbibiliothek, Tonträger mit Inventarnummer SV3769, Track 4 "Solo song with head voice" ]
 

Konsonanz/Dissonanz:

La Motte-Haber, Helga de [Hrsg.]: Lexikon der systematischen Musikwissenschaft (Handbuch der systematischen Musikwissenschaft Band 6,) Stichwort: Konsonanz/Dissonanz.

Jobst P. Fricke: Eine Konsonanztheorie auf der Grundlage von Autokorrelation unter Berücksichtigung der Unschärfe.
Schwebung, Rauigkeit oder deren Abwesenheit nur 1 Aspekt von Konsonanz. 2. Aspekt aus Periodizitätserkennung - zeitlicher Analyse: einfache mathematische Proportionen, Vielfache - Wie in der Obertonreihe. Unsere Wahrnehmung erkennt solche mathematischen Verhältnisse auch, wenn diese nur ungenau vorliegen - unser Nervensystem ermöglicht so eine gewisse Verstimmungstoleranz (Intonationstoleranz) beim Musikhören. 

Sethares, William A.: Tuning, timbre, spectrum, scale. Berlin,1998.    (Hauptbibl. : I-1258033)

William A. Sethares: Local consonance and the relationship between timbre and scale. Journal of the Acoustical Society of America 1994 (3): 1218-1228.    

William A. Sethares: Relating Tuning and Timbre. Experimental Musical Instruments IX (2).(September 1992).  (weniger technischer Aufsatz)

 

Schwebungsdiaphonie

-> Konsonanztheorien versuchen Tonsysteme auf Basis der (Maximierung der) Konsonanz zu erklären. Gegenbeispiel: Musik die maximale Rauheit sucht: Schwebungsdiaphonie (Rauigkeitsdiaphonie) Hbsp : Aufnahme aus dem Phonogrammarchiv (19730926.M003-06-PhArch B19036): Gerald Florian Messner. Schwebungsdiaphonie in Bistrica, Bulgarien, 1973.

Messner, Gerald Florian: Die Schwebungsdiaphonie in Bistrica. Untersuchungen der mehrstimmigen Liedformen eines mittelwestbulgarischen Dorfes. Wiener Veröffentlichungen zur Musikwissenschaft; Bd. 12. Schneider (Tutzing), 1980 . (B 10446/12)
S. 60-63: Definition Schwebungsdiaphonie.
S.195: psychoakustisches Phänomen erklärt.
S.205: maximal raues Intervall von ca. 165 cent als schön empfunden.

vergleichbares in Papua Neuguinea:
Messner, Gerald Florian: "The Vanishing Presence of the Past." in: Vergleichende Musikwissenschaft Bd. 4 (2005): Gruber, Gernot / Schmidhofer, August / Weber, Michael (Hrsg.), Mehrstimmigkeit und Heterophonie. Bericht zur Tagung in Wien, 11. bis 12. Dezember 1999. S 211-231. Frankfurt am Main etc.: Peter Lang;

Messner, Gerald Florian: The Two-Part Vocal Style on Baluan Island Manus Province, Papua New Guinea. In: Ethnomusicology Bd. 25, Nr.3, Pacific Issue (Sept. 1981), University of Illinois Press, Chicago 1981, S 433-446

 

Orientalische modale Musiksysteme einführender Text des LV-Leiters über orientalische Musiktraditionen.    

 

Türkische Makammusik:
Hbsp: Evcara Saz Semaisi von Dilhayat Kalfa (Komponistin), (die Partitur dazu) Interpreten: Halil Karaduman (kanun), Necati Celik (oud)
weitere Tonbeispiele, Noten und Bilder, - Text des LV Leiters zur Makammusik.

Aydemir, Murat: "Turkish music makam guide".  Istanbul, 2010.               [B-19276 ]
-> kompakte und gut lesbare Einführung ins Thema Makam + Darstellung einzelner Makamtonarten
dazu: Tonbeispiele auf 2 CDS [SV-4771-4772/CD] 

Signell, Karl : Makam, Modal Practice in Turkish Art Music. [B-8927/ D 4 ]

Feldman, Walter. 1996. Music of the Ottoman Court. Makam, Composition and the Early Ottoman Instrumental Repertoire. Berlin: VWB – Verlag für Wissenschaft und Bildung.  (vor allem Part II)
[besonders interessant: Die Diskussions des Tons Segah und des Makams Ussak]
 Hbsp: Ussak taxim. + Lied(Sarki) im Makam Ussak. (Stimme: Münip Utandi).

Kurt und Ursula Reinhard: Musik der Türkei Band 1: Die Kunstmusik. Heinrichshofen, Wilhelmshafen 1984 (Taschenbücher zur Musikwissenschaft, 95).

Oransay, Gültekin. 1957. "Das Tonsystem der türkei-türkischen Kunstmusik". In: Die Musikforschung, X. Jg., Heft 2, S. 250-264. (Z-137/157).

Oransay, Gültekin: Die traditionelle türkische Kunstmusik B-7693/1

Oransay, Gültekin:Die melodische Linie und der Begriff Makam der traditionellen türkischen Kunstmusik vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. [B-7693/3]

Zannos, Ioannis:Ichos und Makam, vergleichende Untersuchungen zum Tonsystem der griechisch-orthodoxen Kirchenmusik und der türkischen Kunstmusik   [B6959-74 ]
(super aber schwierig) Ton -Interval- tetrachorde -Konsonanz. Makam als Folge von Feldern - wie Melodie entsteht
über wichtige Quellen zu Ichos und Makam. Sichten verschiedener Autoren zu Intervallen
97ff: Tetrachorde, harte und weiche Intonation, "fiktive Tetracorde" (Saba, Segah)"
Modulation, Tonstufensignaturen,
204ff: Melodiemodell, Gerüst- und Kernmelodien, Ornamentierungspraxis, Rolle bestimmter Töne (zB melodische Achse) Pausen, + Taxim, Analyse diverser Stücke und Taximanalysen.

 

Arabische Maqammusik:

Touma, H. H.: Die Musik der Araber.   [Signatur: A-8596/37]
(S 44-51): alte arabische Skalentheorie an Beispiel der Theoretiker al-Farabi (10.Jhdt.) und Safi al Din (13. Jhdt.)

SÁNCHEZ GONZÁLEZ, Francisco Javier: Beyond 12-Tone Temperament in Oriental Music. In: Mikrotöne IV, Filmkunst-Musikverlag, München (1993)
Versuch den arabischen Dreiviertelton und mittlere Terzen mit den Intervallverhältnissen 7/8 und  6/7 zu erklären. Plädoyer für Tonbeziehungen höherer Ordnung. Tetrachordtheorie. Statistiken von Intervallgrößen.

 
Indien, Raga:

Joep Bor: The Raga Guide, A Survey of 74 Hindustani Ragas, Nimbus Records 1999. Buch ( B-16476) und 4 CDs (SV3358 - SV3361) !!!
(Bsp: Raga-Kurzeinführung, Erklärung des Raga Marva)

Alain Danielou: Einführung in die indische Musik ( Taschenbücher zur Musikwissenschaft Band 36, Signatur A-8596/36).

Ruckert, George u. Richard Widdess: "Hindustani Raga". In: The Garland Encyclopedia of World Music, Bd. 5, South Asia. The Indian  Subcontinent . New York / London, 2000. S. 64-88. [              C-15585/5]

Kaufmann, Walter: The ragas of South India : a catalogue of scalar material. 1976,[B-10769]

MGG Stichwort "Indien":
Bhatkhande (S688/9), das raga-Konzept, Skalen, Melodietypen (S698ff) Die heutigen Skalen (that System vom Anfang des 20.Jhdt.) sind starke Abstraktion. Ragas sind Klangindividuen, Klangpersönlichkeiten. Beziehung: Tonstruktur - Aufführungszeit.
Nordindien: Hunderte Raga Namen 70-80 wohlbekannt. Südindien: (S.728)  2116 bzw. 400 Raganamen. 70-80 wohlbekannt. Melakartasystem.

MGG Stichwort "Modale Melodiekonzepte" (S369ff: Raga)

Grove Stichwort "India"
(S177f:) 72 melakarta Tetrachordkombinationen + Namen

Themenvorschläge zur indischen Musik:
- aktuelle Nordindische Ragatheorie, evtl. südindisches Melakartasystem,
- konkrete Raga-Beispiele: anhand der Erklärungen aus dem Ragaguide jeweils ein Raga vorstellen und mit Tonbeispielen vorführen:  Skalen, bedeutende Töne, charakteristische Verzierungen und Phrasen, eventuell anhand eines Alap (mit Tonbeispiel und Graphik der Skala) zeigen welche Töne des Ragas gerade verwendet werden. Dazu könnte man neben den kurzen Tonbeispielen des Raga guide auch zusätzliche Aufnahmen heranziehen. Vorschlag: Vermeidung oder Verzögerung des Grundtones im Raga Marva, Aufnahme mit Pannalal Ghosh.
- Aspekte früherer indischer Musiktheorien (Shruti, Verzierungsarten,...)
-Das tonräumliche Prinzip Modaler Musik - harmonische Architektur? (Als Alternativkonzept zu Modi als Melodietypen)
Ausgangspunkt wäre eine Diskussion des folgenden Zitates:"Das modal Wahrnehmungsvermögen ist in der Tat streng vertikal, wir könnten auch sagen: harmonisch. Der Melodiezug, die musikalische Phrase dient ausschließlich dazu, in unserem Bewußtsein ganz allmählich eine Architektur aus übereinandergeschichteten und nebeneinander existierenden Tönen zu errichten, die dem Modus und die von diesem ausgelöste Gefühlsstimmung darstellen. Daß die einzelnen Bausteine des musikalischen Bauwerks uns nacheinander übergeben werden, dient nur dazu, um sie klarer, bestimmter, präziser zu machen". Alain Danielou: Einführung in die indische Musik , Seite 16.
vgl. dazu Artur Simon: "Einleitung" (zum Thema Maqam) in MGG, Stichwort  "Modale Melodiekonzepte": "Interpretationstendenz zur melodischen Gestaltbildung" basiert auf A.Z. Idelsohn (1913/14). "Erst H.H Touma hat zu recht die Tonräumliche Organisation dieser Musik herausgestellt."

 

Pygmäenmusik

Hbsp: Aka Pygmäen - Music for the dedication of a new encampment (Fragment daraus). Aufnahme Simha Arom.
Hbsp: Lianenbrückenüberquerung (Dibogo) (vgl. Arom/Fürniss 1992, s.o.).

Arom, Simha (1991).  „A Synthesizer in the Central African Bush: A Method of Interactive Exploration of Musical Scales“. In Für György Ligeti. Die Referate des Ligeti-Kongresses, Hamburg 1988. Hamburger Jahrbuch für Musikwissenschaft 11:163-77.

Arom, Simha / Susanne Fürniss (1992) „The Pentatonic System of Aka Pygmies of the Central African Republic“. In European Studies in Ethnomusicology: Historical Developements and Recent Trends. Max Peter Baumann, Arthur Simon & Ulrich Wegner, Hrsg. Wilhelmshaven: Florian Noetzel, 159-73 (= Intercultural Music Studies 4).

 

Lamellophonmusik der Shona aus Zimbabwe:

Hbsp: Shona (Zimbabwe) Mbira Music - Nhemamusasa. Aufnahme Paul Berliner

Klaus-Peter Brenner: Chipendani und Mbira. Musikinstrumente, nicht-begriffliche Mathematik und die Evolution der harmonischen Progressionen in der Musik der Shona in Zimbabwe. Göttingen, 1997.
[mit 2 Audio-CDs. (Hbsp: Fragment aus Track 15 ) ]

 

Xylophonmusik aus (B)uganda: Äquidistante Pentatonik?

Gerhard Kubik: Xylophonspiel im Süden von Uganda. in: Zum Verstehen afrikanischer Musik S.141-179, Wien 2004

Gerhard Kubik: Die Amadinda-Musik von Buganda. In: SIMON, Artur (Hrsg.): Musik in Afrika. 20 Beiträge zur Kenntnis traditioneller afrikanischer Musikkulturen. Berlin, 1983. S. 139-165.

Gerhard Kubik: Theorie, Aufführungspraxis und Kompositionstechniken der Hofmusik von Buganda. Ein Leitfaden zur Komposition in einer ostafrikanischen Musikkultur. In: Für György Ligeti. Die Referate des Ligeti Kongresses Hamburg 1988. S. 23-162.

WEGNER, Ulrich. Xylophonmusik aus Buganda (Ostafrika) (= Musikbogen, Wege zum Verständnis fremder Musikkulturen, Bd. 1, hrsg. von Max Peter BAUMANN, Internationales Institut für vergleichende Musikstudien und Dokumentation Berlin). Wilhelmshaven, 1990. 

Peter Cooke: Report on Pitch perception Experiments carried out in Buganda and Busoga (Uganda), African Music, vii/2, 1992 S119-125 [ Z-421]

 

weitere Literatur zu Tonsystemen in Afrika

Kubik, Gerhard, „Das Khosian-Erbe im Süden von Angola“ in Musikkulturen in Afrika  Hrgs. Erich Stockmann Berlin 1987 (Kapitel 2: Musikbögen und die Khoisan Vergangenheit Südangolas)

Gerhard Kubik: African Tone-Systems: A Reassessment. in: Yearbook for Traditional Music, Vol. 17, 1985. S31-63 

Gerhard Kubik: Mehrstimmigkeit und Tonsysteme in Zentral- und Ostafrika, 1968.

Florian KraglZur Stimmung von Xylophonen in Malawi und Nordmoçambique. Kritischer Forschungsbericht und Untersuchungen. in FZMw 6. Jahrgang (2003)

Knight, Roderic: Vibrato Octaves. Tunings and modes of the Mande balo and kora. In: Progress reports in Ethnomusicology, Bd. 3/4,1991 S. 1-49. 

 

Indonesien:  Gamelan

Henry Spiller: Gamelan: the traditional sounds of Indonesia, Santa Barbara 2004. B-16363, CD: SV-3766/CD
S66f: Java: angestrebt wird beim Gamelan nicht eine einheitliche Stimmung, sondern für jedes Ensemble eine "unique version of slendro or pelog".
S119f: auch in Bali flexible Stimmungssysteme, jedes Ensemble eigener Charakter.
120/121 Bali Ensembles: je Instrument ein Paar, leicht zueinander verstimmt, das gemeinsam geschlagen wird.
Schwebung gewünscht.

Pickvance, Richard: A gamelan manual. London 2005.
S 45-57: Tuning, Scale comparison, Intervals, modi

Hood, Mantle: Balinese Gamelan Semar Pegulingan: The Modal System. in: To the Four Corners: A Festschrift in Honor of Rose Brandel. Ellen C. Leichtman, ed. Warren, Michigan, 1994.

HESSE, Horst-Peter: Zur Oktavteilung im javanischen Sléndro. In: Mikrotöne IV, Filmkunst-Musikverlag, München (1993) .
->Bezweifelt Äquidistanz: Quarten + Quinten. 3 Slendro Typen. 240cent nur Mittelwert. gespreizte Oktave: 1207 cent.

 MGG Stichwort "Indonesien"
(S782): Weder fixe Tonhöhen noch standardisierte Intervalle. Jeder Gamelan hat eigene individuelle Stimmung. Beabsichtigte leichte Verstimmungen auch innerhalb eines Ensembles. Oktavstreckung.

Miller, Terry E. ,Nettl, Bruno [Hrsg.] :Garland Encyclopedia of World Music Volume 4 Southeast Asia. [C-15585/4] (S 656ff Java :Tunings, scalar systems, modes (Slendro))

 

Africa and the Blues

Gerhard Kubik: Africa and the Blues. University Press of Mississippi, Jackson, 1999. ( B-16120 CD:SV3249) (S 118-151)

  

Tonsystementwürfe europäischer Komponisten des 20.Jhdts:

Andreas Holzer: Eigensysteme von Komponisten. in: La Motte-Haber, Helga de [Hrsg.]:  Handbuch der systematischen Musikwissenschaft Band 2, S 461-474 (Messiaen, Hindemith,..) [C-16938/2]

Messiaen, Olivier: Technik meiner musikalischen Sprache (Technique de mon langage musical. 1956 ) Paris: Éd. Musicales, Leduc, 1966. Skalen mit beschränkter Transpositionsmöglichkeit.

Josef Matthias Hauers 12-Ton Tropentechnik. Hbsp: Zwölftonspiel für Violine und Klavier (2.September 1956) ,
Sedivy, Dominik: Die Tropenlehre nach Josef Matthias Hauer , 2004 (Diplomarbeit)
Sedivy, Dominik: Tropentechnik ,ihre Anwendung und ihre Möglichkeiten   2006 (Diss)
Die Klangreihenkompositionslehre nach Othmar Steinbauer (1895 - 1962)  / Helmut Neumann [Hrsg.] . - Frankfurt am Main ; Wien [u.a.]  : Lang , 2001  (Kapitel über Hauers Tropentechnik)

Conen, Hermann [Hrsg.]: Arvo Pärt : die Musik des Tintinnabuli-Stils.Köln, 2006 (B-17725)
Rois, Hannes: Komponierte Stille : analytische Betrachtungen ausgewählter Werke des Komponisten Arvo Pärt 2006. (F-380)

Lendvai, Ernoi: Symmetrien in der Musik : Einführung in die musikalische Semantik.  Kecskemét, Kodály-Inst., 1995 ( B-15191)

 

Gedächtnis und Komplexität

Die berühmte Regel "7 plus/minus 2 sicher identifizierbare Alternativen auf einer Sinnesdimension" (G.Miller 1956, .....) wird häufig in Beziehung zur typischen Tonstufenanzahlen (5-7) in musikalischen Skalen gebracht. Gibt es Ausnahmen davon? Unter welchen Bedingungen kommt unser Gedächtnis mit mehr Einheiten zurecht?

Manfred Spitzer: Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk.
Kapitel 5, S.115-139: Zeitstruktur und Gedächtnis. [Signatur B-17553]

FRICKE, Jobst Peter: Mikrotonale Klangbildungen - Identifikation und Systemfähigkeit. In: Mikrotöne 1, Helbling, Innsbruck, 1986.
- "5-7", mehr mit System. Wahrnehmungskategorien. Eben merkbare und unverkennbare Unterschiedsschwellen. Systemfähigkeit.Melodisches auf Quint Quartgerüst bezogen. System ermöglicht Spiel mit Norm und Abweichung.

RETO_U_SCHNEIDER: Die Puppen an der Bar in : Das neue Buch der verrückten Experimente. S 178-180. Ein kurzer und kurzweiliger Artikel: Wie von H.L. Bennett (1983) gezeigt, können Kellnerinnen sich viel mehr als 7 plus/minus 2 Bestellungen merken!

 

weitere allgemeine Literaturempfehlungen:

Barbour, Murray : Musical Scales and Their Classification, in: J. Acoust. Soc. Am. Volume 21, Issue 6, 1949. pp. 586-589.
Für Jemanden der nur am Temperierten System aber in möglichst vielen Varianten interessiert ist. Wie viele 7-stufige Skalen gibt es?  Wie viele Modi,.....

Schneider, Albrecht: Sound, Pitch, and Scale - From Tone Measurements to Sonological Analysis in Ethnomusicology in: ETHNOMUSICOLOGY VOL45,No3:
Tonhöhe ist etwas Mehrdimensionales. Bei z.B. Gamelan - Instrumenten ist das Empfinden einer musikalische relevanten Tonhöhe eine Hörleistung.

Schneider, Albrecht: Tonhöhe - Skala - Klang (S 311-332) .Bonn 1997 [Signatur: B6959/89]
S 311-332: zentrale Begriffe und Konzepte zur Skalenbildung.

Schneider, Albrecht:   "Tonsystem und Intonation". In: Studien zur Systematischen Musikwissenschaft (= Hamburger Jahrbuch der Musikwissenschaft, Bd. 9). Laaber,1986. S. 152-199.

Bartmann Manfred: Musikalische Systeme im Kulturvergleich , 2005. In: Stoffer, Thomas & Oerter, Rolf (Hrsg.): Allgemeine Musikpsychologie (S. 95-122). Göttingen: Hogrefe (= Enzyklopädie der Psychologie. Musikpsychologie; 1).
- Musik muß nicht natürlich sein.
- Wie man Tonsysteme mit Informanten erforscht
- R. M. Brandl: Model der musikalischen Handlung.
- Universalien?
- Enkulturation: Lernprozess zur Informationsreduktion
- musikalische Organisationsprinzipien und vgl. zur Sprache
- wenig zu Makam, zu Schwebungsdiaphonie

Reinecke, Hans-Peter: "Zum Problem der musikalischen Temperatur in außereuropäischen Tonsystemen". In: Speculum Musicae Artis. Festgabe für Heinrich Husmann zum 60. Geburtstag am 16. Dezember 1968. Hrsg. von Heinz Becker, und Reinhard Gerlach. München,1970. S. 271-276.

Reinhard, Kurt:  "Zur Systematik von Tonsystemen und Gebrauchsleitern". In: Die Musikforschung, 28. Jg. Kassel,1975. S. 173-188.

Hesse, Horst-Peter: Musik und Emotion. Wissenschaftliche Grundlagen des Musikerlebens. Kapitel "Tonhöhe und Tonsysteme" (109-133 und weiter?)
5-7 "sicher identifizierbare Alternativen auf einer Sinnesdimension"
Saitenteilungserkenntnisse: in China Jahrhunderte vor Pythagoras, sowie bei Sumerern (Keilschriftexte).
Obertonreihe: Joseph Sauveur ~1700. Die Obertonreihe als Basis für Durdreiklang: Jean-Philippe Rameau 1722.
Tonhöhenwahrnehmung bei obertonreichen Klängen exakter als bei Sinustönen (S119)
121: Temperierte Akkorde = verschwommen wegen Schwebung.  Bei justierter Stimmung "Geschlossenheit".
Orts versus Zeittheorie der Tonhöhenwahrnehmung.
Zeitintervalle im Nervensystem sehr genau übertragen: beim Richtungshören Zeitdifferenz von 30Mikro(!)sekunden zwischen Ohren erst im Hirnstam vergleichbar. Muss also im Nervensignal repräsentiert sein!
Die Tonhöhenwahrnehmung beruht auf einem Mustererkennungsprozess, der die örtliche und zeitliche Gliederung des Nervenimpulses auswertet. [...] Die Periodizität ist im Nervenimpulsmuster um so deutlicher ausgeprägt, je mehr Komponenten zusammenwirken (S.130)
"Neue" Deutung von Konsonanz: Klangverwandtschaft = auf Grund der Informationsverarbeitung im Nervensystem naturgegeben.

Hesse, Horst-Peter:   Psychoakustik des musikalischen Hörens (Kapitel 6,S 203-250), in: Thomas H. Stoffer und Rolf Oerter (hrsg.): Allgemeine Musikpsychologie. Hogrefe. Verlag für Psychologie, Göttingen 2005.
"Das Gehör vermag minimale Tonhöhenunterschiede zu erkennen, wenn die Töne nacheinander erklingen. Erklingen dieselben Töne jedoch gleichzeitig, so kann das Ohr sie nicht mehr trennen, da die Bereiche der Basilarmembran des Innenohres, die den beteiligten Frequenzen zugeordnet sind, einander überschneiden"(S.227)"Die kritische Bandbreite ist die Breite jenes Frequenzbandes, innerhalb dessen zwei oder mehrere gleichzeitig auftretende Schallfrequenzen physiologische Wechselwirkungen erzeugen und dadurch die Wahrnehmung der einzelnen Schallvorgänge gegenseitig beeinflussen. Bei engen musikalischen Intervallen, bei denen der Abstand der Frequenzen die kritische Bandbreite unterschreitet, entstehen daher Schwebungen, die eine Rauigkeit des Klanges erzeugen."(S.228)"Helmholtz hatte die Klangrauigkeit, die bei gemeinsamem Erklingen mehrerer Töne durch Schwebungen zwischen den Partialtönen entsteht, als Ursache der musikalischen Dissonanz identifiziert. Er bezeichnete Konsonanz als kontinuierliche, Dissonanz dagegen als intermittierende Tonempfindung (Helmholtz, 1913,S. 369). Bereits Stumpf (1890) betonte jedoch, dass Konsonanz nicht nur durch das Fehlen von Rauigkeit zu erklären sei sondern auch eine positive Ursache habe, die als Verschmelzung wahrgenommen werde. Oktaven, Quinten, Quarten, Terzen verschmelzen in abnehmendem Grade zu einheitlichen Empfindungsganzheiten."(S.232)

Fricke, Jobst Peter: Hörerfahrungen mit mikrotonaler Musik , In: Mikrotöne IV, Filmkunst-Musikverlag, München ,1993 .
Klangfarbe = Obertongehalt+Modulation+Intervallfarbe+Intonationsfarbe+Reibungen etc.
Grund und Formanttonempfindung: Kontinuum bei kleiner Änderung (Sekundgang).
Abreißen bei Sprüngen.  Ähnlichkeit (z.B. von Tönen durch Nachbarschaft) = Voraussetzung für assoziationsstiftende Prozesse. Erinnerbarkeit.  Melodische Linien auch nach Stauchung erkennbar (trotz Verlust der Intervallqualitäten).
Tongedächtnis (= Anknüpfbarkeit) = 15 Sekunden.
Sprachwissenschaft: Nominalität <-> Prädikativität -> vgl.: Setzung und Veränderung.
"organisierende Prinzipien" des Seelischen: Gliedern , ordnen, anknüpfen.
Musik aus fremden Ländern = "lernbare, auswendig reproduzierbare Musik, die man nachsingen kann"-> Verstehbarkeit.
Microintervalle: tonräumlich (eigenständige Tonhöhenwerte) oder Klangfarblich. Dominanz von Klangfarbe oder Schritt.

Fricke, Jobst Peter: Die Bedeutung der Mikrointervalle im Wandel der Zeiten und Kulturen. In: Mikrotöne III, Helbling, Innsbruck (1990).
melodische und harmonische Mikrotöne. Ziel der Musik kann auch schriller (dissonanter) Klang sein.
Beispiele: Slendro, indische Raga, griechische Antike, Terz gilt seit Franco von Köln (13 Jhdt.) als Konsonanz.
Intonation in Europäischer Klassik (Tendenz: große Terz größer, kleine Terz kleiner zu nehmen)
Tabelle(!) mit Kommentaren historischer Autoren zu Intervallabweichungen von "reinen" Verhältnisse.

Jobst Fricke & Christoph Louven: Psychoakustische Grundlagen des Musikhörens , in: Musikpsychologie – Das neue Handbuch, hrsg. Von Herbert Bruhn, Reinhard Kopiez u. Andreas C. Lehmann. Hamburg: Rowohlt 2007, S. 413-436.
Residualtöne sind reines Hörphänomen, unterliegen weder Schwebung noch Verdeckung. Melodische Schrittgrößen basieren auf Frequenzgruppenbreiten: Verkettung der Töne durch Berührungswirkung der Erregungsgebiete auf der Basilarmembran.

Fricke, Jobst:  Über Fremdheit und Aneignung in der Musik, In: Lux Oriente. Festschrift Robert Günther zum 65. Geburtstag. Gustav Bosse-Verlag, Kassel, 1995.

KUBIK, Gerhard. 1996. ›Emics and Etics: Theoretical Considerations‹. In: African Music, Bd. 7/3, S. 3-10. Kubik hinterfragt Möglichkeit eines "etic standpoint": Kann man  eine neutral wissenschaftliche Perspektive einnehmen? Ist die dann nicht immer laut eigenem Hintergrund (idiocultural). Auch Leute von außerhalb der Kultur können den internen Standpunkt erlernen. Kulturzugehörigkeit nicht durch Geburt vorgegeben oder statisch. insider/outsider Dichotomie ist stark vereinfachend bis rassistisch.