Lexikon

 

Hier werden die zentralen Begriffe aus der Vorlesung kurz zusammengefasst.

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Agonie / agonal
Todeskampf; kämpferisch (in extremen Sinn)

Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik
(siehe "supply-side economics")


Bandenkrieg
"Bandenkrieg" ist eine Metapher, die für aktuelle Veränderungen von Kriegen steht. "Bandenkriege" sind das (diffuse) Gegenbild zu "Staatenkriegen". Sie bezeichen eine Form des "neuen Krieges", der von nicht-staatlichen (aber durchaus para-staatlichen) Organisationen geführt wird. Diese neuen Kriege sind durch das Verschwimmen der Grenzen zwischen Krieg, organisiertem Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen geprägt.

Bretton Woods
Ort in New Hampshire, USA. 1944 Tagungsort der Währungs- und Finanzkonferenz der UNO (44 Staaten). In den Abkommen von Bretton Woods wurden die Verträge über die Errichtung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) beschlossen; 1946 in Kraft getreten.


Cashcrops
Bezeichnung für in Entwicklungsländern angelegte Monokulturen, deren Produkte ausschließlich exportiert werden, um Devisen zu erwirtschaften. Der Anbau von Cashcrops führt zur Abkehr von traditionellen, ökologisch angepassten Landnutzungsformen und erfordert einen hohen Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln.

Chicago Boys
Als "Chicago Boys" galten zunächst dreißig Chilenen, die zwischen 1955 und 1963 an der University of Chicago als Schüler Milton Friedmans Ökonomie studiert hatten (siehe "Chicago-Schule") und als "indoktrinierte" Freihandelstheoretiker nach Chile zurückgekehrt waren. Unter Pinochet gelangten sie in wirtschaftspolitische Machtpositionen und vermochten die relevanten Agenturen wirtschaftlicher Planung unter ihre Kontrolle zu bringen. Pinochet überließ die Gestaltung der Ökonomie den "Chicago Boys", wie sie von chilenischen Medien tituliert wurden, um sich selbst vor allem der Repression gegen politische Opposition wie Gewerkschaften zu widmen.

Chicago-Schule
Die "Chicago-Schule" ist eine neoliberale Strömung der Nationalökonomie des 20. Jhds., die sich auf Einflüsse der "Österreichischen Schule" (Ludwig von Mises, Friedrich von Hayek u.a.) zurückführen läßt. Hauptvertreter sind Milton Friedman und George J. Stigler. Diese Richtung betont die absolute Überlegenheit des privat-marktwirtschaftlichen Systems gegenüber jeglicher staatlicher Regulierung der Wirtschaft. Privatisierung bewirke rationellere Lösungen. Staatliche Wirtschaftstätigkeit weise Funktionsmängel auf. Staatliche Konjunkturpolitik führe zu Instabilitäten. Die "Chicago-Schule" setzt auf Monetarismus und angebotsorientierte Wirtschaftspolitik ("supply-side economics").


Dirigismus
(siehe Protektionismus)


Eurodollar-Markt
Eurodollars sind Dollarguthaben und -verpflichtungen, die außerhalb der USA bestehen. Diese Transaktionen bilden zusammen den Eurodollarmarkt.Wenn eine Bank beispielsweise in London oder Luxemburg Dollarkonten führt, dann kann die US-Notenbank - obwohl es sich um die US-Währung handelt - fast alle ihre Aufsichts- und Regulationsinstrumente nicht nutzen, da sie außerhalb der Landesgrenzen über diese Mittel nicht verfügt. Andererseits kann - und oft will - auch die jeweils andere betroffene Regierung (etwa Luxemburgs oder Englands) die fraglichen Finanzmittel kaum wirksam regulieren, da es sich ja um Fremdwährung, nämlich US-Dollar handelt. Die Festlegung von Mindestreservesätzen der Banken beispielsweise, oder die Regulierung der Geldmenge (in diesem Fall des Dollars) sind damit kaum mehr wirksam möglich.


Fordismus
Terminus zur Bezeichnung der historischen Phase des Nachkriegskapitalismus mit seiner spezifischen Verknüpfung von Massenproduktion und Massenkonsum sowie wirtschaftlichem Wachstum und Vollbeschäftigung, die durch einen weitgehenden sozialen Konsens von Kapital, Gewerkschaften und Staat abgestützt und durch institutionelle Mechanismen (Korporatismus, Wohlfahrtsstaat) zu garantieren versucht wurden. Das keynesianische Akkumulationsregime der 30er bis 70er Jahre ist gekennzeichnet durch eine tayloristisch organisierte Massenproduktion (Fließband, Arbeitsteilung), die den sich ergebenden Kreislauf von Produktion und Massenkonsum national garantiert. Der Staat hat die Binnennachfrage zu stärken und ein soziales Sicherungssystem zu gewährleisten ("Sicherheitsstaat"). Der internationale Rahmen (z.B. das Bretton-Woods-Abkommen) schafft ein stabiles Währungssystem. Die Stagnation der Gewinne und die Sättigung des Konsumbedarfs führten zu einer Krise des Fordismus (Postfordismus). Mit der Aufhebung des Bretton-Woods-Abkommens 1973 wurde der Verkehr für Waren und Kapital liberalisiert.

Fünfte Kolonne
Eine politische Gruppe, die im Krieg oder bei internationalen politischen Konflikten mit dem Gegner des eigenen Landes aus ideologischen Gründen zusammenarbeitet, z.B. eine im Untergrund tätige Spionagegruppe, wird mit dem Ausdruck "fünfte Kolonne" bezeichnet. Er stammt aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs (1936 - 1939) und wurde 1936 von dem spanischen General Emilio Mola, einem der militärischen Führer des Aufstandes gegen die Republik, geprägt. Er sagte, er werde vier Kolonnen gegen Madrid führen, aber die fünfte Kolonne, nämlich die in Madrid tätigen Anhänger des Aufstandes, werde mit der Offensive beginnen. Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway, der sich im spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republikaner engagierte, gab einem (1938 erschienenen) Theaterstück den Titel "The fifth column". Später wurden dann faschistische Gruppen in westeuropäischen Ländern als fünfte Kolonne des nationalsozialistischen Deutschland, noch später die kommunistischen Parteien als fünfte Kolonne der Sowjetunion bezeichnet.


Globalisierung
bedeutet Entgrenzung nationaler Volkswirtschaften; fortschreitende Internationalisierung von Produktion und Distribution über die Güter-, Rohstoff-, Arbeits- und Finanzmärkte; Freihandel von Gütern, Kapital und Dienstleistungen; Neu an der Globalisierung (im Unterschied zum Welthandel) ist ihre Ort- und Zeitlosigkeit, Ubiquität und Beschleunigung. Begünstigt wird die Entgrenzung durch Veränderungen im Wertesystem: Individualisierung, Mobilität, Konkurrenz- und Leistungsdenken. Ulrich BECK unterscheidet Globalisierung, Globalität und Globalismus. (Beck 1997, 26f.) Mit Globalisierung benennt er den Prozess weltweiter Vernetzung. Globalität bezeichnet den erreichten Vernetzungsgrad der Welt. Globalismus verweist auf Ideologie und Praxis des Neoliberalismus, der zwecks weiterer kapitalistisch-ökonomischer Durchdringung der Welt einen von politischer Regulation befreiten Weltmarkt forciert.

GATT
General Agreement on Tariffs and Trade - Welthandelsabkommen


Ideologie
(aus dem Französischen: idéologie = Lehre von den Ideen) Der Begriff bezeichnet zunächst ein weltanschauliches System von Überzeugungen. Dieser neutral gebrauchten Bedeutung steht eine negativ konnotierte gegenüber: Ideologie gilt als dogmatischer Gedankenkomplex, als Weltdeutung mit umfassenden Anspruch und begrenztem Horizont sowie als interessengebundenes, politisch instrumentalisiertes "falsches Bewusstsein". In diesem negativ gebrauchten Sinne gibt es Ideologiekonzepte im Marxismus, in der Wissenssoziologie (Mannheim) und im Neo-Positivismus.

Ideologiekritik
trachtet danach, ideologische Konstrukte durchschaubar und unwirksam zu machen.

IMF (=IWF)
I
nternational Monetary Fund - Internationaler Währungsfond der UN
Die Gründung des IWF wurde in Bretton Woods 1944 beschlossen. 1947 erhielt der IWF den Status einer Sonderorganisation der UNO. Heute gehören dem IWF 182 Mitgliedsstaaten an. Mit dem Beitritt der Staaten Mittel- und Osteuropas, der Schweiz und Russlands wurde der IWF 1992 zur weltumspannenden Organisation. Mitglied kann jedes Land werden, wenn es bereit ist die, aus dem IWF-Übereinkommen folgenden Pflichten zur Kooperation mit dem IWF zu erfüllen. Die Mittel des IWF stammen zumeist aus den Quoteneinzahlungen seiner Mitglieder für deren Höhe die Wirtschafts- und Finanzkraft eine zentrale Rolle spielen. Das Stimmgewicht jedes Mitgliedslandes hängt von der Höhe der Einzahlungen ab. Der IWF hat eine eigene Recheneinheit, die Sonderziehungsrechte.

Interventionsstaat
Ein Staat, der Staatsintervention betreibt.


Keynesianismus
Zentrale Variante des Staatsinterventionismus. Auf den Ökonomen J. M. Keynes zurückgehende Richtung der Wirtschaftssteuerung in Form von systematisierter Fiskalpolitik (antizyklische Steuerung) bis hin zu Globalsteuerung und politische Planung.

Kondottiere (Condottiere)
Söldner führer der italienischen Renaissance; Kondottiere finanzierten und befehligten Privatarmeen, mit denen sie Krieg als Geschäft, auf eigene Rechnung und nach den Grundsätzen der Gewinnmaximierung betrieben. Ihre Truppen vermieteten sie an den meistbietenden Tyrannen. Das rationalisierte den Krieg und machte ihn zu einem finanziellen Unternehmen.

Konnotation / konnotieren
Konnotation ist die zusätzliche (emotionale, expressive, stilistische) Vorstellung, die die Grundbedeutung eines Wortes begleitet.

Korporatismus
Terminus zur Bezeichnung unterschiedlicher Formen der Beteiligung gesellschaftlicher Gruppen an politischen Entscheidungsprozessen. Es gibt historische Modelle des Korporatismus, aber auch politische Ordnungen wie der autoritäre Korporatismus - z.B. Ständestaat.

Korporativismus
Wirtschaftlich-gesellschaftliche Ideologie des italienischen Faschismus, die in der historischen Entwicklungslinie des Ständestaates steht. Jenseits von egoistischem Liberalismus und klassenkämpferischem Sozialismus sollten Kapital und Arbeit im Rahmen von Korporationen im Sinne eines "dritten Weges" ("terzia via") paritätisch organisiert werden, wobei die Rolle des Staates zwischen Rahmenplanung und Kontrolle des "korporativen Eigentums" angesetzt wurde. Nach der Disziplinierung der faschistischen Gewerkschaften (Streikverbot 1926) wurde von oben her eine korporative Wirtschaftsordnung erreicht, die schließlich 1939 zum "korporativen Staat" führte.

Kulturalismus
gilt quasi als anderes Extrem zum Ökonomismus. Kulturalismus bezeichnet die idealistische Überschätzung von Kultur und Ideologie für die Übernahme und Erhaltung politischer Macht unter Ausblendung ökonomischer Faktoren.


Lend Lease (Act)
Nach dem deutschen Angriff auf Polen hatten sich die USA zunächst für neutral erklärt. Auf Basist des "Cash and Carry Prinzip" (Barzahlung und Transport auf nicht-amerikanischen Schiffen), erlaubten die USA ab 1940 Waffenlieferungen an (alliierte) Nationen insbesondere Großbritannien. Nach seiner Wiederwahl im November 1940 baute Roosevelt diese Art der Unterstützungen aus. Ein Element dieser Politik war der "Lend Lease Act". Dieses Gesetz erlaubte, Waffen und Material an Länder zu "leihen", deren Kriegsanstrengungen im nationalen Interesse der USA liegen. Im Laufe des Jahres errichteten die USA einen Marinestützpunkt in Island und nahmen britische Schiffe in ihre Geleitzüge auf. Nach Zwischenfällen mit deutschen U-Booten, gab Roosevelt im September den Befehl, die Kriegsschiffe der Achsenmächte unter Beschuß zu nehmen. Damit waren die USA im Atlantik vom Status der "Nicht-Kriegsführung" zum "unerklärten Defacto-Kriegszustand" übergegangen.


MAI: Multilaterales Abkommen über Investitionen; Multilateral Agreement on Investment
Ziel des MAI ist der Schutz und die Liberalisierung ausländischer Investitionen. Laut OECD ist das MAI "der erste Versuch, in einem internationalen Abkommen multilaterale Verpflichtungen zu schaffen, welche den Schutz von Investitionen, die Liberalisierung und Investitionstätigkeit und verpflichtende Streitbeilegungsmechanismen kombiniert". Es zielt auf die "Eliminierung von Rahmenbedingungen, welche internationale Investitionsflüsse stören könnten". Investoren soll zumindest "nationale Behandlung" und ein "Meistbegünstigungsstatus" gewährt werden. Multinationale Unternehmen sollen auch das Recht erhalten, Staaten auf die Einhaltung der MAI-Bestimmungen zu klagen und Schadenersatz zu verlangen. Die Staaten verpflichten sich, dem Urteil des MAI-Schiedsgerichtes Folge zu leisten. Da "Investitionen" vom MAI extrem weit definiert werden, (unter anderem fallen auch geistiges Eigentum, Grund und Boden, indirekte Investitionen wie Beteiligungen darunter) wird nahezu die gesamte Ökonomie eines Landes prinzipiell von den MAI-Bestimmungen erfasst. Nach Ansicht von Kritikern stellt das MAI eine neoliberale Verschärfung der NAFTA-Bestimmungen (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko) dar und ist der Versuch ihrer Ausdehnung auf den ganzen Globus. Kritisiert wird vor allem auch, dass die Verhandlungen bisher fernab jeder Öffentlichkeit erfolgten und dass die Machtverschiebung zugunsten multinationaler Unternehmen und ihre Auswirkungen auf die Lebenswelt politisch nicht diskutiert werden. Das angestrebte Abkommen wird auch Nicht-OECD-Mitgliedstaaten und damit insbesondere den Entwicklungsländern zum Beitritt offen stehen. Diese selbst sind jedoch in die laufenden Verhandlungen nicht eingebunden und können daher keinen Einfluss auf den Inhalt des Abkommens nehmen. Es ist zu erwarten, dass auf die Entwicklungsländer gehöriger Druck ausgeübt werden wird, sie nach dem Abschluss der Verhandlungen zum Beitritt zu bewegen.

Manchester-Liberalismus
ist eine wirtschaftspolitiche Freihandelsdoktrin des 19. Jhds., die jede Art staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft ablehnt.

Männerbund / männerbündisch
Männerbünde im klassischen Sinne (z.B. Freimaurer, britische Clubs usw.) sind zu erkennen an ihrer (formellen wie informellen) Schließung gegenüber Frauen wie ihrer Abspaltung weiblicher Existenzweisen überhaupt, sie sind aber auch über eine gemeinsame Ideologie, die Konfiguration ihrer Feindbilder, ihre Tendenz zu Geheimbündelei, ihre absonderlichen Geselligkeitsformen sowie ihre spezielle Form der Kameraderie zu identifizieren. Ein ausgeprägtes Freund-Feind-Denken, "wir" und "die anderen" in einem erkennbaren Verhältnis von Über- und Unterordnung, reguliert die Demarkation gegenüber "außen" und verwaltet die Emotionen der meist männlichen Eliten. Die Mitglieder sind einander "gleich" (Brüder) stehen als Gefolgschaftsgruppe aber in einem hierarchischen Verhältnis zu ihrem "Führer" (ideeller Vater).

Monetarismus
meint eine geldtheoretisch begründete Wirtschaftspolitik wie sie z.B. von der "Chicago-Schule" eingefordert wird. D.h. die Volkswirtschaft ist primär über die Geldmenge zu steuern: Das umfasst eine infaltionsvermeidende Geldpolitik, Senkung des Staatsanteils am Sozialprodukt und Verringerung der staatlichen Neuverschuldung.

Mont Pèlerin Society
1947 trafen sich in der Schweiz 39 Wirtschaftsliberale und gründeten die nach dem Ort benannte "Mont Pèlerin Society" (MPS). Sie war der Ausgangspunkt zur Gründung weiterer Gesellschaften, sogenannte Think-Tanks, "Denkfabriken", die zu transnationalen Netzwerken ausgebaut wurden. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, "westliche Werte" gegen Keynesianismus und Kommunismus zu verteidigen. Ideologisch entstand die MPS im Kontext der "konservativen Revolution". Ihre Strategie zur Verbreitung der radikalen Marktdoktrin orientierte sich an den "männerbündischen" Paradeinstitutionen Militär und Kirche. Unter den Mitgliedern waren neben Friedrich Hayek auch Ludwig von Mises, Fritz Machlup, Karl Popper, Milton Friedman, George Stigler, Wilhelm Röpke, Walter Eucken und andere, die später entweder als Politiker oder Wissenschafter / Nobelpreisträger berühmt wurden. Derzeit hält die MPS selbst bei 500 Mitgliedern, die großteils zur politischen, ökonomischen und / oder intellektuellen Elite zu zählen sind. Nach dem Wegfall ihres "Erzfeindes" (Sowjetunion) konzentrieren sich die Aktivitäten auf die Förderung der Globalisierung, Privatisierung, Deregulierung, Befreiung der Märkte und ander (klassisch) neo-liberale Anliegen.


Narodniki
("Volkstümler"): revolutionäre Bewegung in Russland seit 1860. Ignorierten die Notwendigkeit der Entwicklung des Kapitalismus in Russland zur Durchführung einer proletarischen Revolution und propagierten die altrussische Dorfgemeinschaft, die sie als Form des Urkommunismus interpretierten.
Hauptvertreter: Lawrow, Tkatschow und Bakunin. Wegen mangelnder Resonanz unter den Bauern und der zaristischen Verfolgung 1876-79 Rückzug in den Untergrund.

Neo-Korporatismus
Der moderne (demokratische) Korporatismus ist ein mit der keynesianischen Wirtschaftspolitik (siehe Keynesianismus) verbundenes Politik- bzw. Interessenvermittlungsmuster. z.B. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen werden an wirtschaftlichen Entscheidungen beteiligt (z. B. "Sozialpartnerschaft").

New Deal
Programm, mit dem die USA unter Präsident Roosevelt die Folgen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre bekämpfte: Kreditfinanzierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (Tennessee Valley Authority), landwirtschaftliche Anbaubeschränkungen zur Preisstabilisierung, Einführung einer Arbeitslosen- und Altersrentenversicherung, Stärkung der Gewerkschaften in der Tarifpolitik usw. Verstärkung staatlicher Eingriffe (siehe Staatsinterventionismus) und Einbau sozialstaatlicher Elemente in das amerikanische Wirtschaftssystem.

New Economy
ist das "neue Konfusionswort", mit dem höchst Unterschiedliches angesprochen wird: Ökonomen benutzen den Begriff, um damit die "neuen ökonomischen Regeln" zu bezeichnen, Betriebswirte meinen dagegen vor allem die "neuen Geschäftsmodelle" und in der Alltagssprache werden darunter die "jungen Internet-Firmen" gefaßt.


OECD
Organisation for Economic Co-operation and Development - Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Ökonomismus
Abwertende Bezeichnung für Theorieansätze, die alle gesellschaftlichen Prozesse und Strukturen unmittelbar aus Wirtschaftsprozessen herleiten. In der marxistischen Debatte wurden damit solche Ansätze bezeichnet, die den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus allein aus Veränderungen der ökonomischen Struktur bestimmen ("ökonomischer Reduktionismus") und dagegen die politisch-bewusste Gestaltung des Übergangs, seine kulturelle Dimension, gering einschätzen. (vgl. Kulturalismus)

Ordo-Liberalismus
ist eine deutsche Variante des Neo-Liberalismus, entwickelt von der "Freiburger Schule" (W. Eucken war auch Mitglied der "Mont Pèlerin Society"). Der Ordo-Liberalismus orientiert sich an der christlichen Moralphilosophie und am mittelalterlichem Ordo-Gedanken (eine gottgewollte, menschenwürdige Naturordnung). Er betont die Bedeutung einer staatlichen Ordnungspolitik zur Setzung von Rahmenbedingungen für die Wirtschaft (Wettbewerb wird als Staatsaufgabe bestimmt). Ordo-Liberale gehen von der Interdependenz von wirtschaftlicher und politischer Ordnung aus. Der Staat gilt als ordnende Potenz und Garant der Wettbewerbsordnung; das Recht ist Instrument der Machtkontrolle; Laissez-fair ist selbstzerstörend, weil sich private Machtgruppen des Staates bemächtigen. Der Ordo-Liberalismus ist außerdem durch ein starkes Vertrauen in Eliten und wissenschaftliche Experten gekennzeichnet. Ordo-liberale Ideen waren für die Nachkreigspolitik in Deutschland (Ludwig Erhard) bestimmend.

Organisiertes Verbrechen
privat motivierte, normalerweise auf finanziellen Gewinn abzielende Gewalttaten privat organisierter Gruppen


Performanz / performativ
Eine mit einer Äußerung beschriebene Handlung zugleich vollziehend.

Postfordismus
Arbeitsbegriff für die These, dass die fordistische Vergesellschaftungsform (Fordismus) sich aufgrund gesellschaftsinterner wie auch weltmarktvermittelter externer Schranken für Wachstumssteigerung in einer strukturellen Krise befinde. Unterschiedliche "Such"-Strategien sind zu erkennen, die eine neue Verbindung von sozioökonomischen, politischen und kulturellen Institutionalisierungsformen für ein neues, stabiles Wachstums- und Gesellschaftsprojekt herstellen sollen. Der Neoliberalismus ist ebenfalls eine solche Strategie (Deregulierungspolitik, Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, Abbau der arbeitsrechtlichen Bedingungen, "Wettbewerbsstaat").

Pejoration / pejorativ
Bedeutungsverschlechterung, - abwertung eines Wortes, das Annehmen eines negativen Sinnes bei einem Wort / bedeutungsverschlechternd; abwertend

Protektionismus
Damit bezeichnet man alle staatlichen Lenkeingriffe in den Außenhandel (Zölle, Devisenbewirtschaftung, Exportsubventionen, technische Vorschriften u.a.m.), die dem Schutz inländischer Produktion oder einzelner Produzenten vor ausländischer Konkurrenz nützen. Protektionismus steht im Gegensatz zu den marktwirtschaftlichen Prinzipien des "Freihandels". (vgl. auch Staatsinterventionismus)


Sonderziehungsrechte (SZR) = Special Drawing Rights (SDR)
von den Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) 1969 geschaffene, der Kontrolle des IWF unterliegende Währungsreserve zur Sicherung der internationalen Liquidität. Die Sonderziehungsrechte stellen den Anspruch eines Mitgliedslandes gegenüber allen IWF-Mitgliedern auf Überlassung konvertierbarer Währungen dar. Das SZR ist die Rechnungseinheit des IWF. Sie dienst außerdem als Grundlage für die Rechnungseinheit mehrerer anderer internationaler Organistionen und als Basis fr private Finanzinstrumente.

Staatsinterventionismus
Theorie oder Praxis globaler oder selektiver Eingriffe des Staates oder einzelner mit Hoheitsgewalt betrauter Institutionen in gesellschaftliche und wirtschaftliche Ordnungen und Abläufe, die mit Anspruch auf gesamtgesellschaftlich verbindliche Geltung erfolgen.

Ständestaat
Die Beteiligung bestimmter Stände durch ihre Vertretungen an den Staatsgeschäften kennzeichnet den Übergang von der feudalen Ordnung des Mittelalters zum modernen Verfassungsstaat. Im 19. und 20. Jh. gab es aus unterschiedlichen ideologischen Positionen (katholische Soziallehre, italienischer Faschismus) Versuche der Erneuerung des Ständestaates auf berufsständischer Grundlage. Der berufsständisch gegliederte Staat sollte die Klassengegensätze überwinden. Verfassungspolitisch sollte er die parlamentarische Regierungsweise ersetzen oder ergänzen. Beispiele: Dollfuss, Österreich / Mussolini, Italien / Salazar, Portugal / Franco, Spanien.

Supply-side Economics
(angebotsorientierte Wirtschaftspolitik) wie sie von der "Chicago-Schule" vertreten wird ist sozusagen eine Gegenstrategie zum Keynesiansimus. Wachstumsschwäche und Massenarbeitslosigkeit hochentwickelter Marktwirtschaften sollen durch verbesserte Produktionsbedingungen und erhöhte Anpassungsfähigkeit des privatwirtschaftlichen Sektors bekämpft und überwunden werden. Während der Keynesianismus an der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ansetzt, wird hier am gesamtwirtschaftlichen Angebot, an der Angebotsseite der Güter- und Faktorenmärkte, die sich im Produktionspotential einer Volkswirtschaft konkretisiert, angesetzt. Ziel ist eine beschleunigte Zunahme des Produktionspotentials, was eine Zunahme der Real- und Humankapitalausstattung voraussetzt. Die entsprechenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen zielen daher auf die Förderung von Innovations- und Investitionstätigkeiten (Erhöhung der Investitionsausgaben, Senkung der Steuerbelastung für Unternehmen, Entbürokratisierung, Deregulierung, Flexibilisierung von Arbeitsbedingungen usw.)


Terms of Trade (ToT) = Reale Austauschverhältnisse
Meßgröße für die Entwicklung der Austauschrelationen im Außenhandel. Das Austauschverhältnis gibt an, in welchem Maße der gewogene durchschnittliche Erlös je Mengeneinheit in der Ausfuhr sich günstiger oder ungünstiger entwickelt hat als der gewogene durchschnittliche Aufwand je Mengeneinheit in der Einfuhr.

TINA
"There Is No Alternative" - Slogan von M. Thatcher.


Utilitarismus
ist eine philosophische Lehre, die im Nützlichen die Grundlage des sittlichen Verhaltens sieht und ideale Werte nur anerkennt, sofern sie dem einzelnen oder der Gemeinschaft nützen. Nützlichkeit wird zum Bewertungskriterium der sittlichen Qualität einer Handlung - nach dem Motto: Was nützlich ist, ist auch gut.


Warlord
auch "Kriegsunternehmer" genannt; modernisierte Form des Kondottiere; ursprünglich vor allem in Afrikanischen Staaten; Warlords nutzen gewaltoffene Räume - d.s. Räume, in denen das staatliche Gewaltmonopol fehlt oder nicht wirksam durchgesetzt werden kann. Sie finanzieren und befehligen Privatarmeen und setzen militärische Ziele mit exzessiver Gewalt durch. Sie eignen sich lokale Ressourcen und Rohstoffe und / oder Hilfslieferungen internationaler Organisationen, um ihre Privatarmeen zu finanzieren. Die Ökonomie dieser Banden beruht im wesentlichen auf Plünderungen und Handel mit geraubten Gütern. Sie betreiben eine dezidierte Raubökonomie.

Weltbank (WB)
in Bretton Woods 1944 beschlossen; ursprüngliche Bezeichnung: Internationale Bank für Aufbau und Entwicklung; Ihre ursprüngliche Aufgabe war die Schaffung von Währungsstabilität zur Vermeidung von Finanzkrisen. Diese Aufgabe geriet zunehmend in den Hintergrund und gemeinsam mit dem IWF spielte die WB eine entscheidende Rolle bei der Beschneidung des staatlichen Einflusses auf die Zirkulation des transnationalen Kapitals. Zentrale Aufgabe heute besteht darin, durch ihre Politik Entwicklungsländer für ausländische Investoren und ihre spekulativen Interessen zu öffnen. Wie im IWF sind auch in der WB Stimmenanteile nach den Finanzeinlagen der einzelnen Mitgliedsstaaten berechnet. Die Weltbank ist der größte existierende Kreditgeber an Drittweltländer.

WTO
World Trade Organisation - Welt-Handels-Organisation
gegründet 1994;


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