Bericht EXP-UW 98/XII-1

 

 

Untersuchung der Radioaktivität von

Nutzpflanzen in Wien,

zehn Jahre nach Tschernobyl

 

 

Abschlußbericht

EXP-UW 98/XII-1

 

 

 

 

Untersuchung der Radioaktivität von

Nutzpflanzen in Wien,

zehn Jahre nach Tschernobyl

 

 

Projekt H-23/97 der

Hochschuljubiläumsstiftung

der Stadt Wien

 

 

 

M. Drosg, Institut für Experimentalphysik, Universität Wien

 

Untersuchung der Radioaktivität von Nutzpflanzen in Wien,

zehn Jahre nach Tschernobyl

M. Drosg, Institut für Experimentalphysik, Universität Wien

Kurzfassung

Blätterproben von jeweils ca. 0.1 kg sowohl von einem Walnußbaum als auch von Ribiselstauden aus Untersievering im 19. Gemeindebezirk von Wien aus den Jahren 1986 (Tschernobyl-Unglück), 1996, 1997 und 1998 wurden in Hinblick auf ihre Radioaktivität untersucht. Vom Radioisotop 137Cäsium ist nach 10 Jahren wegen der langen Halbwertszeit von 30 Jahren noch 72% vorhanden. In den Blättern beträgt die entsprechende Aktivität nach 10 Jahren nur noch etwa 0.7 % (bzw. 0.2% nach 12 Jahren), und zwar sowohl bei den flachwurzelnden Ribiselstauden als auch beim Walnußbaum. Dieser für uns alle überaus erfreuliche Tatbestand läßt sich darauf zurückführen, daß sich im Jahre 1986 der radioaktive Fall-out an der Oberfläche der Pflanzen festgesetzt hat und zum Großteil nicht in den Saft aufgenommen worden ist, sondern mit dem Laub in den Humus gelangt ist. Die Aufnahme von Cäsium aus dem Humus erfolgt, zumindest bei diesen beiden Pflanzenarten, mit geringer Effizienz, so daß es bei Blättern, die nach 1996 gewachsen sind, schwierig ist, 137Cäsium durch direkte Messung der Strahlung aus den Blättern nachzuweisen. Verglichen mit der unvermeidbaren (natürlichen) Radioaktivität sowohl von 7Beryllium als auch von 40Kalium, der die Menschheit seit eh und je ausgesetzt ist, ist die von 137Cäsium derzeit nur wenige Prozent, also unbedeutend. Durch zusätzliche Messungen an Blättern aus den Jahren 1997 und 1998 konnte gezeigt werden, daß in der Zeit von 1996 bis 1998 die spezifische 137Cs Radioaktivität etwa um 58 % pro Jahr abgenommen hat.

0. Ausgangssituation

            Da Blätter von Nutzpflanzen (Ribisel/Johannisbeere und Walnuß) aus demselben Garten in Wien-Untersievering aus den Jahren 1986, 1996, 1997 und 1998 zur Verfügung standen, war es naheliegend, Vergleichsmessungen der 137Cs Aktivität vorzunehmen, um eine quantitative Aussage über die zeitliche Abnahme der Radioaktivität zu erhalten. Durch parallele Messung der (natürlichen) 40K Aktivität kann diese Information auch dazu verwendet werden, Aussagen über den Alkali-Haushalt dieser Pflanzen bzw. über die Änderung des Verhältnisses 137Cs zu 40K (bzw. Kalium überhaupt) im Humus zu machen.

1. Einführung

            Durch das Reaktorunglück von Tschernobyl (Ukraine) gelangten am 26. April 1986 radioaktive Spaltprodukte in die höhere Atmosphäre. Am 30. April kam es zu einem Fall-out über Österreich. In Wien-Untersievering war er von geringfügigem Regen ("Tröpfeln") begleitet, wodurch es auf dem Boden zu einer ungleichmäßigen Verteilung der Radioaktivität kam, in Form von "hot spots", also von isolierten Punkten, deren Aktivität sogar mit kleinen Geiger-Müller-Zählrohren meßbar war, während in ihrer Umgebung keine Aktivität auf diese Art gemessen werden konnte. Von diesem Fall-out läßt sich das Radioisotop 137Cs auch heute noch relativ leicht nachweisen, da wegen der relativ hohen Halbwertszeit von 30 Jahren seither erst ein Viertel davon zerfallen ist und außerdem die während des Zerfalls emittierte charakteristische Gammastrahlung leicht gemessen werden kann.

2. Experimentelles:

2.1 Probenpräparation:

            Acht selbsttragende zylindrische Scheiben mit 9.0 cm Durchmesser und einer Masse von jeweils ca. 0.1 kg wurden aus den sortierten luftgetrockneten Blättern mit Hilfe einer hydraulischen Presse (wirksamer Preßdruck ca. 130 kp/cm2) hergestellt. Bei einer typischen Dicke von ca. 1.6 cm ergab sich eine Dichte von etwa 1 g/cm3. Die gemessenen Massen dieser Scheiben sind in Tab. 1 zusammengestellt.

Tab. 1. Massen der verwendeten Proben - mit Identifizierungscode. (Korrigiert um den Auftrieb in der Luft). Die Unsicherheit ist jeweils ± 0.03%.

 

Gepreßte Ribiselblätter

Gepreßte Walnußblätter

Ernte-

I.D.

Masse

I.D.

Masse

jahr

 

[ kg ]

 

[ kg ]

1986

R86

0.09838

N86

0.08110

1996

R96

0.09802

N96

0.09568

1997

R97

0.09840

N97

0.09675

1998

R98

0.07376

N98

0.08759

2.2 Meßapparaturen

            Messungen der emittierten Gammastrahlung erfolgten sowohl mit einem hocheffizienten NaI(Tl)-Szintillationsdetektor als auch zu Kontrollzwecken mit einem hochauflösenden Ge(Li)-Halbleiterdetektor.

2.2.1 NaI(Tl)-Gammaspektrometer

            Ein Großteil der Messungen wurde mit dem NaI(Tl)-Gammaspektrometer des Instituts für Experimentalphysik der Universität Wien durchgeführt. Die Meßanordnung ist konventionell und besteht aus einem 4"x4"-NaI-Kristall mit integriertem Photomultiplier, einem Vorverstärker, dem Hauptverstärker, einem ADC und einer Impulshöhenanalysenkarte der Fa. Canberra in einem PC. Die Abschirmung des Detektors und des Meßvolumens besteht im Wesentlichen aus etwa 7 cm Blei und erlaubt Messungen an Objekten mit Maximalausmaßen von ca. 10cm x 10cm x 10cm. In Abb. 1 ist ein typisches Netto-Spektrum (Vordergrund minus Hintergrund) dargestellt, aus dem für die 1461 keV-Linie eine Auflösung von etwa 82 keV, also 5.6 %, abgelesen werden kann.

Abb. 1. Gamma-Spektrum der Ribiselblätter des Jahres 1997, gemessen mit dem NaI-Spektrometer.

2.2.2 Ge(Li)-Detektor

            Wegen des durch die viel bessere Auflösung drastisch reduzierten Untergrundes ist ein Ge(Li)-Halbleiter-Detektor auch bei Messungen mit wenigen Linien, so wie wir es hier vorliegen haben, interessant, obwohl die energetische Trennschärfe unter diesen Bedingungen geringe Bedeutung hat. Deshalb wurden Testmessungen in der Bleiburg des Instituts für Radiumforschung und Kernphysik der Universität Wien durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, daß dort wegen der geringeren Gammanachweiswahrscheinlichkeit und auch aus geometrischen Gründen die Messungen etwa dreimal solange dauern würden, weshalb schon allein aus Kostengründen nur drei Vergleichsmessungen mit dem Ge(Li)-Detektor gemacht werden konnten.

            Abb. 2 zeigt das Ge(Li)-Spektrum für dieselbe Probe wie in Abb. 1. Wegen der guten Auflösung (2.7 keV bzw. 0.18 % für die 1461 keV-Linie) war es für eine gute Darstellung dieser Linie notwendig, den unteren Teil des Spektrums abzuschneiden.

Abb. 2. Gamma-Spektrum der Ribiselblätter des Jahres 1997, gemessen mit dem Ge(Li)-Spektrometer. (Beachte den unterdrückten Energienullpunkt.)

2.3 Meßvorgang

            Die geringe spezifische Aktivität der Proben macht ihre Messung zu einem nichttrivialen Unterfangen. Gegen die naheliegende Lösung, eine große Stoffmenge zu verwenden, spricht folgendes:

1) Die Selbstabsorption in der Probe wird so groß, daß eine ausreichend genaue Korrektur, speziell auch wegen der unvermeidbaren Abweichung von einer Punktgeometrie, dafür schwierig wird. (Eine Monte Carlo Simulation wäre erforderlich.)

2) Eine voluminöse Probe erschwert eine genaue Eichung, die normalerweise mit einer Punktquelle durchgeführt wird, ungemein.

3) Da die Proben aus dem Jahre 1986 nur etwa 0.1 kg Masse haben, sollten auch die gering aktiven Proben eine vergleichbare Masse haben, damit bei den Vergleichsmessungen nur geringe systematische Unterschiede auftreten. Die Alternativlösung bestünde in einer Einäscherung der Proben, von der wegen der Schwierigkeit, dabei nichts von der Aktivität einzubüsen, abgesehen wurde.

2.3.1 Meßgeometrie

            Da die Eichung mit Hilfe einer (punktförmigen) Eichquelle zu erfolgen hatte, mußte die Eichmessung mit einer Geometrie erfolgen, die eine Punktgeometrie hinreichend annähert, also in möglichst großer Entfernung. Der größte effektive Abstand der Probe vom Detektor war ca. 15.8 cm. In dieser Geometrie konnte zwar sowohl die 137Cs-Aktivität des Jahres 1986 als auch die 40K-Aktivität aller Jahre problemlos gemessen werden, nicht jedoch die 137Cs-Aktivität der späteren Jahre. Selbst bei Meßdauern von einer Woche lag bei diesen die 137Cs-Aktivität unter der Nachweisgrenze.

            Zunächst wurde versucht, durch Verwendung eines hochauflösenden Ge(Li)-Gammaspektrometers den Untergrund zu verringern, um damit die Nachweisschwelle zu senken. Für den günstigsten Fall (R96) ist damit in einer Woche Meßzeit eine Meßgenauigkeit von nur 14 % erreichbar, bei einem Rückgang der Zählrate auf etwa 40%.

            Der Ausweg waren Messungen mit schlechter Geometrie (effektiver Abstand 6.7 cm), die eine 5.5-fache Zählrate lieferte, entsprechend einer Meßdauer von etwa 6 Wochen je Probe in der zuerst diskutierten Geometrie. Durch Vergleich entsprechender Messungen konnte der Anpassungsfaktor zwischen den beiden Geometrien zu 0.1801 ± 0.0017 bestimmt werden.

            In Abb. 3 wurde von der Probe R86 das Nettospektrum, das mit naher Geometrie gemessen worden ist, über das, das mit größerer Entfernung gemessen worden ist, darübergezeichnet. Unterschiede ergeben sich in der statistischen Genauigkeit und bei niedrigen Energien (Rückstreupeak). Bei der nahen Messung ist der Peak bei 796 keV (ca. Kanalnr. 390) von 134Cs unschwer erkennbar.

Abb. 3. Gamma-Spektra der Ribiselblätter des Jahres 1986, gemessen mit dem NaI-Spektrometer. Beim strichlierten Spektrum war die Probe vom Detektor weiter entfernt.

2.3.2 Untergrundsmessungen

            Die ultimative Grenze des Nachweises von Radioaktivität über eine Messung des Gammaspektrums liegt in der Größe des Untergrundes im Bereich der Gammalinie. Dazu ist es notwendig, sowohl den Detektor als auch den Meßraum selbst gut abzuschirmen, um den Raumuntergrund klein zu halten. In der verwendeten Anordnung war die typische Unsicherheit bei einwöchiger Messung unter Verwendung der nahen Geometrie ± 0.02 Bq für 137Cs, also etwa die Hälfte der kleinsten gemessenen Aktivität. Da wesentlich größere Meßzeiten nicht sinnvoll sind, ist dies etwa die Nachweisgrenze des vorliegenden Spektrometers.

2.4 Datenauswertung

2.4.1 Rohdaten

            Die Datenauswertung erfolgte off-line an einer VAXstation der Fa. Digital unter Verwendung des Software-Paketes XSYS der Indiana University Cyclotron Facility. Dieses Paket erlaubt u.a. eine durch Funktionen angepaßte, flexible Untergrundkorrektur, wodurch die Ungenauigkeit des Untergrundabzugs wesentlich verringert wird. Von den Meßdaten wurde der gemessene Leerwert ("Raumuntergrund") abgezogen, und von diesem Nettospektrum der Untergrund unter der Linie (meistens vom Compton-Kontinuum) durch Anpassung an den Untergrund auf beiden Seiten der Linie bestimmt und abgezogen. Ebenso wurde die Gesamtunsicherheit aus den statistischen Unsicherheiten des Vorder- und des Untergrundes sowie aus der (geschätzten) Unsicherheit der Untergrundkorrektur bestimmt. Der Netto-Flächeninhalt der entsprechenden Linien wurde dann auf gleiche Meßzeit normiert und bei den Messungen mit naher Geometrie bzw. mit dem Ge(Li)-Detektor (zur Berücksichtigung des Geometrie- bzw. Efficiencyeffektes gem. 2.3.1) angepaßt. Anschließend wurden die gemessenen Strahlungsintensitäten auf jene, die am 15. Oktober 1998 um 12:00:00 Uhr MEZ zu erwarten wären, umgerechnet.

            Ergebnisse von Mehrfachmessungen derselben Probe (in den verschiedenen Geometrien) wurden anschließend zu einem einzigen Meßwert vereinigt. Die Rohdaten für die 4 ausgewerteten Linien sind in Tab.2 wiedergegeben.

Tab. 2. Kombinierte Rohdaten [Zählereignisse/1000 s] der ausgewerteten Linien aller Proben zum 15. Okt. 1998 12:00:00 MEZ (mit Prozentunsicherheit).

 

Be-7

± %

Cs-134

± %

Cs-137

± %

K-40

± %

 

478 keV

 

796 keV

 

662 keV

 

1461 keV

 

R86

 

 

23.7

11.4

3332.

0.25

204.4

1.07

R96

 

 

 

 

22.2

7.1

176.9

0.61

R97

10.5

24.1

 

 

7.4

24.1

223.8

0.87

R98

170.

1.8

 

 

2.2

62.

115.1

1.1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

N86

 

 

13.3

12.4

1187.

0.56

109.0

1.83

N96

 

 

 

 

10.3

12.3

101.1

0.69

N97

2.7

140.

 

 

5.0

38.

179.0

0.79

N98

101.

3.7

 

 

4.0

32.

121.4

0.9

2.4.2 Korrekturen

2.4.2.1 Totzeit

            Die Totzeitkorrektur erfolgte automatisch durch Verlängerung der tatsächlichen Meßzeit um jene Zeitintervalle, während denen der ADC keine Signale verarbeiten konnte. Infolge der geringen Probenaktivität war die Totzeit bei allen Proben- und Untergrundmessungen < 3.10-5. Die höchste Totzeitkorrektur von 1.3% ergab sich bei der Messung der 137Cs-Eichquelle. Offensichtlich ist die Unsicherheit in der Totzeitkorrektur vernachlässigbar.

2.4.2.2 Selbstabsorption

            Da die Selbstabsorption der Gammastrahlung in allen Proben < 7 % war, wurde auf eine genaue Bestimmung derselben mittels Monte Carlo Simulation verzichtet. Vielmehr wurde sie in erster Näherung dadurch bestimmt, daß die Attenuation der Strahlung von der 137Cs-Eichquelle durch die Probe R96 gemessen wurde, woraus der Exponent in der Selbstabsorptionsgleichung (in Abhängigkeit von der Probenmasse mx) entsprechend

                        I(mx)=I(0).exp(-0.068mx/mR96)

erhalten wurde.

            Für die Berechnung der Selbstabsorption der anderen Gammalinien wurde der Exponent entsprechend den aus der Literatur entnommenen totalen Schwächungskoeffizienten modifiziert.

            Die Unsicherheit in der Selbstabsorptionskorrektur wird als kleiner als 10 % dieser Korrektur abgeschätzt und ist somit kleiner als ± 1%.

2.4.2.3 134Cs Kontamination

            Aus den Spektren N86 und R86 (s. Tab. 2) konnte die Intensität der 796 keV Linie von 134Cs relativ zu der der 662 keV Linie von 137Cs bestimmt werden. Da jedoch die 605 keV Linie von 134Cs nicht (vollständig) von der 662 keV Linie von 137Cs getrennt wird, erzeugt sie einen (nicht erkennbaren) Untergrund. Dieser Beitrag wurde zu 0.6% der Intensität der 662 keV Linie bestimmt und die Intensität dieser Linie entsprechend verringert.

3. Ergebnisse

3.1 Eichung

            Zur Eichung der Meßanlage wurde die Strahlung von einer 137Cs-Eichquelle der IAEA, A-1400 Wien gemessen, die am Stichtag eine Aktivität von 6.55 m C ± 3.7% hatte. Daraus ergab sich für die verwendete Eichgeometrie bei 662 keV (und 100%iger Quantenausbeute in der Quelle) ein Eichfaktor von 16.2 Zählereignisse je kBq ± 3.8%.

Abb. 4. Energieabhängigkeit der Nachweiswahrscheinlichkeit des NaI-Detektors.

3.2 Nachweiswahrscheinlichkeit

            Die Nachweiswahrscheinlichkeit (efficiency) des NaI(Tl)-Detektors wurde mit Hilfe von Eichquellen, die von der IAEA, A-1400 Wien bezogen worden waren, relativ zu der von 137Cs gemessen. Das Ergebnis dieser Messungen ist in Abb. 4 dargestellt. Die relevanten Daten (aller in dieser Untersuchung vorkommenden Radioisotope) sind in Tab. 3 zusammengefaßt.

Tab. 3. Relevante Daten der in dieser Arbeit vorkommenden Radioisotope. Für die Eichquellen ist die (berechnete) Aktivität per 15. Oktober 1998, 12:00 Uhr MEZ angegeben. Die Unsicherheit ist die vom Hersteller angegebene. Die zusätzliche Unsicherheit in der Aktivität von 137Cs von ± 0.05% aufgrund der Unsicherheit in der Halbwertszeit wurde ebenso wie bei den anderen Eichproben vernachlässigt.

Isotop

HWZ

EGamma1

g -Häuf.

EGamma2

g -Häuf.

Aktivität

Unsicherheit

 

 

[ keV ]

[ ± % ]

[ keV ]

[ ± % ]

[ kBq ]

[ ± % ]

7Be

53.29 d

477.61

10.4

 

 

-

 

22Na

2.6019y

1274.53

99.8

 

 

1.44

3.7

40K

1.277Gy

1460.83

10.7

 

 

-

 

60Co

1925.1d

1173.24

99.9

1332.

100.

24.1

1.9

133Ba

10.51 y

356.00

62.2

383.8

8.92

101.

4.8

134Cs

2.0648y

604.71

97.6

795.87

85.4

-

 

137Cs

30.07 y

661.66

85.2

 

 

242.

3.7

3.3 Spezifische Aktivitäten

            Unter Berücksichtigung der Probenmassen, der Selbstabsorption sowie der Nachweiswahrscheinlichkeit, der Photonenhäufigkeit und der Eichung erhält man aus den Daten von Tab. 2 die spezifischen Aktivitäten, wie sie in Tab. 4 angegeben werden.

Tab. 4. Spezifische Aktivitäten in allen Proben in Bq/kg per 15.10.1998 12:00:00 Uhr MEZ. Die (vollständig korrelierte) Eichunsicherheit von ± 3.8 % wurde in der Tabelle nicht berücksichtigt.

 

Be-7

± %

Cs-134

± %

Cs-137

± %

K-40

± %

R86

 

 

3.4

11.4

400.7

0.25

410.

1.07

R96

 

 

 

 

2.7

7.1

356.

0.61

R97

7.7

24.1

 

 

0.9

24.1

449.

0.87

R98

164.

1.8

 

 

0.36

62.

304.

1.1

N86

 

 

2.2

12.5

167.

1.4

260.

2.24

N96

 

 

 

 

1.23

12.3

201.

0.69

N97

2.0

140.

 

 

0.61

38.

365.

0.79

N98

82.5

3.7

 

 

0.54

32.

272.

0.9

4. Diskussion der Ergebnisse

            Die Ergebnisse in Tab. 4 müssen in Hinblick auf die beiden Fragestellungen dieser Untersuchung

- um wieviel ist die Aktivität in 10 Jahren zurückgegangen und

- wie groß ist derzeit die Aktivitätsabnahme im Jahr

interpretiert werden.

4.1 Radioaktivität im Jahre 1996

            Zunächst kann ganz grob festgestellt werden, daß die spezifische Aktivität beider Nutzpflanzen in den 10 Jahren auf weniger als 1 % zurückgegangen ist. Diese Information ist zwar von praktischem Nutzen, aber für eine wissenschaftliche Interpretation ungeeignet. Während es sich nämlich bei den Aktivitäten des Jahres 1986 um Oberflächenaktivitäten im Gefolge des Fall-outs handelt, ist die Aktivität des Jahres 1996 durch die Säfte der Pflanzen in die Blätter gelangt, also eine Aktivität, die primär nicht von der Oberfläche, sondern von der Masse abhängt. Zusätzlich muß festgestellt werden, daß die auf Masse bezogene Aktivität zwar physikalisch sinnvoll ist, aber allem Anschein nach pflanzenphysiologisch für Vergleiche ungeeignet ist, selbst im vorliegenden Fall, in welchem die Eigenschaften individueller Pflanzen (von Pflanzen desselben Grundstücks) verglichen werden. Dies erkennt man an der starken Variation der spezifischen Aktivität von 40K, die sich, physikalisch betrachtet, im Einklang mit den Unsicherheiten bewegen sollte, dies aber überhaupt nicht tut.Dies läßt den Schluß zu, daß der Kalium-Haushalt (und damit der Alkali-Haushalt) von Walnußbaum und Ribiselstaude starken (jährlichen) Schwankungen unterliegt.

            Glücklicherweise handelt es sich bei Cäsium auch um ein Alkali-Metall. Daher kann angenommen werden, daß die (jährlichen) Schwankungen gleichlaufend und von ähnlicher Größe sind wie bei 40K. Daher erscheint es sinnvoll, die 137Cs-Aktivitäten auf jene von 40K zu beziehen, wie es in Tab. 5 durchgeführt wurde. Das Erstaunliche dabei ist, daß für jedes der drei Jahre innerhalb der Meßgenauigkeit kein Unterschied in diesem Verhältnis zwischen so verschiedenen Pflanzen wie einem Walnußbaum und einer Ribiselstaude feststellbar ist.

Tab. 5. 137Cs Aktivität in Prozent der 40K Aktivität, geordnet nach Jahren.

 

137Cs/40K

Unsicherheit

 

 

[± % ]

R96

12.73

0.90

N96

10.36

1.27

R97

3.37

0.81

N97

2.81

1.07

R98

1.96

1.22

N98

3.36

1.08

4.2 Entwicklung seit 1996

            Um trotz der schwer meßbaren (weil kleinen) Aktivitäten einen Einblick in die jährliche Abnahme der spezifischen Aktivität zu bekommen, wurden, erst während des Experimentes, auch frische Blätter (1998) in das Meßprogramm aufgenommen. Die in Tab. 5 festgehaltenen Aktivitätenverhältnisse sind in Abb. 5 graphisch dargestellt. Die Kurve zeigt, daß die Daten mit einem exponentiellen Abfall der 137Cs Aktivität vereinbar sind, entsprechend einer Abnahme der Aktivität um 58% pro Jahr.

Abb. 5. Zeitliche Abhängigkeit der 137Cs-Aktivität normiert auf die 40K-Aktivität. ( Offene Punkte: Ribiselblätter, volle Punkte: Nußbaumblätter.)

5. Schlußfolgerungen

            Verglichen mit den unvermeidbaren natürlichen Aktivitäten (7Be und 40K) ist jene von 137Cs inzwischen absolut vernachlässigbar geworden. Dies wird in Abb. 6 treffend gezeigt, in der das Spektrum der Probe R98 (strichliert) dem der Probe R96 (volle Linie) überlagert worden ist. Während im Jahre 1998 die beiden prominenten Peaks den Radioisotopen 7Be und 40K zuzuordnen sind und der von 137Cs nicht erkennbar ist, sind es im Jahre 1996 der 137Cs und der 40K Peak. Infolge der kurzen Halbwertszeit von 53 Tagen ist in den Blättern des Jahres 1996 kein 7Be mehr nachweisbar. Andererseits erkennt man im "1998" Spektrum keinen 137Cs Peak. Dieser Umstand ist darauf zurückzuführen, daß die effektive Halbwertszeit bei den untersuchten Blättern (derzeit) weniger als ein Jahr ist, während die physikalische Halbwertszeit 30 Jahre beträgt, d.h. im Zeitraum vom 1996 bis 1998 hat die 137Cs-Aktivität statt nur 2.3 % ganze 58 % pro Jahr abgenommen. Sie ist derzeit bereits so klein, daß sie in den Blättern des nächsten Jahres auf einfachem Wege kaum mehr verläßlich gemessen werden kann.

Abb. 6. Vergleich des Spektrums von Ribiselblättern des Jahres 1996 (volle Linie) mit dem des Jahres 1998 (strichlierte Linie).

Danksagung

Dieses Projekt wurde durch die Unterstützung der Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien (Projekt-Nr. H-23/97) ermöglicht. Dieser sei an dieser Stelle gebührender Dank gesagt. Weiters danke ich Herrn Mag. Anton Wallner am Institut für Radiumforschung und Kernphysik für die Betreuung der Ge(Li)-Messungen.