M. Drosg

 

 

 

30 Jahre INFORMATIK

am

Institut für Experimentalphysik

(früher I. Physikalisches Institut)

der Universität Wien

Vorstand O. Prof. Dr. A. Zeilinger

 

 

 

 

 

Dokumentation

und ein Ausblick

 

Herbst 2000

Einleitung:

Im Jahre 1970, also vor 30 Jahren, begann für das Institut für Experimentalphysik der Universität Wien durch die Anschaffung eines Computers das Informationszeitalter. Wir folgen hier einem über die Jahrzehnte unserer Beschäftigung mit der Informatik gepflegten Brauch, markante Vorkommnisse bzw. Zeitpunkte zu einer Bestandsaufnahme zu nutzen, auch wenn seit dem Studienjahr 1993/94 im Jahresbericht des Instituts alljährlich Rechenschaft über die Leistungen auf dem Gebiet der EDV-Lehre abgelegt wird. Somit sei der bisherige Ablauf des Informationszeitalters am Institut durch die hier zusammengefaßten Dokumenten beschrieben.

Inhaltsangabe:

1. Kapitel 8.00 aus dem Vorlesungsverzeichnis SS 2000

2. Kapitel 8.00 aus dem Vorlesungsverzeichnis WS 1999/2000

3. Kapitel V aus dem Jahresbericht 1998/99

4. Kapitel V aus dem Jahresbericht 1997/98

5. Kapitel VI aus dem Jahresbericht 1996/97

6. Kapitel V aus dem Jahresbericht 1995/96

7. Kapitel IV aus dem Jahresbericht 1994/95

8. Kapitel IV aus dem Jahresbericht 1993/94

9. Festschrift anläßlich des 20-Jahr-Jubiläums, Dez.1990.

10. Beitrag in der Zeitschrift INFORMAT, Heft 1, 1990.

11. Bericht anläßlich der Eröffnung des neuen P-Labors, Jan.1988.

12. Denkschrift anläßlich der Inbetriebnahme des PC-Labors, Dez.1985.

Persönlicher Rückblick:

Als im Dezember 1970 eine PDP-15 der Fa. Digital Equipment Corporation mit Hilfe des Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank angeschafft werden konnte, geschah dies ohne mein Dazutun. Ich war damals auf zwei Jahre karenziert, um am Los Alamos National Laboratory, USA zu arbeiten. Meine Erfahrungen auf dem Gebiet der Informatik beschränkten sich damals einerseits auf das Programmieren (am Großcomputer in Los Alamos), andererseits auf fixverdrahtete Computer (Digital Computing Unit der Fa. Technical Measurement Corporation), den ich im Rahmen meiner Dissertation für meine Zwecke adaptiert hatte.

Der Ausbau des Institutsrechners zu einem vom Rechenzentrum der Universität Wien in unseren Räumen betriebenen Mehrplatzrechner (VAX-750) fiel zeitlich mit meiner Ernennung zum A.Univ.Prof. (1. Jänner 1983) zusammen. Zu meinen neuen Dienstpflichten gehörte auch die Koordinierung der elektronischen Datenverarbeitung im Rahmen des Instituts.

Während zuerst der Informatikunterricht nur an der Computer-Konsole erfolgen konnte, wurde im folgenden die Informatikausbildung auf eine breitere Basis gestellt: Schaffung des Terminalraums mit 6 Arbeitsplätzen (1984), Schaffung des ersten PC-Labors an der Naturwissenschaftlichen Fakultät (1985, 6 vernetzte PCs), Übersiedlung und Vergrößerung des PC-Labors (1988, 10 vernetzte Geräte), Aufstockung des Geräteparks auf 14 vernetzte Geräte (1990) und Vergrößerung des Übungsraums im Jahre 1995.

Vom Beginn an wurde versucht, aktuelles Know-how durch den Einsatz (externer) Fachleute anzubieten. So kam es, daß wir schon früh Parallel-Rechnen (1984) , UNIX (1988), Fuzzy Logic (1995), Internetanwendungen (1995) und JAVA (1996) anbieten konnten.

Die Methode, neben dem Stammpersonal des Instituts vor allem Lektoren von auswärts einzu-setzen, war nicht nur kostengünstig, sondern auch flexibel, besonders wenn es darum ging, Lehrveranstaltungen sowohl dem Inhalt nach als auch in der Anzahl dem Bedarf anzupassen.

In den Siebziger-Jahren beschränkte sich die Ausbildung auf das Heranbilden einzelner Spezialisten. In den Achtziger-Jahren begann die "Massen"-Ausbildung, zunächst durch die massive Beteiligung an EDV-Fortbildungskursen für AHS- und BHS-Lehrer, weiters ab 1986 durch engagierte Beteiligung am Universitätslehrgang Informatik für Lehramtskandidaten aller Fakultäten. Diese Massenausbildung hatte dann im WS 1988/89 ihren Höhepunkt, als 170 Studierenden aller Studienrichtungen die Möglichkeit gegeben wurde, an Informatik-Anfänger-übungen teilzunehmen. Da, erfreulicherweise, das Angebot an Informatiklehre an den anderen Instituten im Laufe der Jahre stark zugenommen hat, konnte in den Neunzigerjahren eine gewisse Schwerpunktverschiebung in Richtung Naturwissenschaften und Internetanwendungen erfolgen. Durch die Beteiligung am Universitätslehrgang ist jedoch eine Streuung in den Studienfächern auch heute noch gegeben.

Wie man aus den beiden ersten Dokumenten ersehen kann, profitiert auch heute noch das Institut vom frühen Beginn seines Informationszeitalters: Der Beitrag des Instituts zur Computerorientierten Lehre ist, bezogen auf das Gesamtangebot der Naturwissenschaftlichen Fakultät, die immerhin 29 Institute umfaßt, auch heute noch substantiell.

Persönlicher Ausblick:

Das Lehrprogramm für das laufende Semester wurde durch eine Lehrveranstaltung über das aktuelle Thema Internet-Publishing erweitert. Die Zukunft der Informatiklehre am Institut für Experimentalphysik wird durch zwei markante Ereignisse der letzten Zeit geprägt werden:

Zunächst hat die Studienkommission für das Diplomstudium Physik im Rahmen der Diskussion des neuen Studienplans auf meinen Antrag hin im Frühjahr 1998 mehrheitlich beschlossen, daß Computational Physics ein Schwerpunkt des Physikstudiums an der Universität Wien ist. Dies wirkte sich u.a. dahingehend aus, daß im Entwurf des neuen Studienplans 4 Pflichtstunden an Computerorientierter Physik vorgesehen sind.

Weiters wurde Ende 1999 endlich die Professur "Computational Physics" an unserem Institut eingerichtet, so daß sie ausgeschrieben werden konnte.

Beide Ereignisse werden dazu führen, daß in Zukunft die Informatikausbildung am Institut noch fachspezifischer sein wird. Dazu wird auch beitragen, daß der Universitätslehrgang Informatik auslaufen wird, sobald das Lehramtsstudium Informatik eingerichtet sein wird. Durch diese Konzentration auf das eigene Fach wird es in Zukunft schwieriger werden, aktuelle allgemeine Entwicklungen der Informatik möglichst rasch in entsprechende Lehrveranstaltungen umsetzen zu können.

 

Es ist klar, daß ein solches Programm nur durch den persönlichen Einsatz vieler Experten auf die Beine gestellt werden konnte. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

 

Univ. Prof. Dr. Manfred Drosg

Institutskoordinator für elektronische Datenverarbeitung und

EDV-Beauftragter der Naturwissenschaftlichen Fakultät