Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
der Universität Wien
Schopenhauerstraße 32, A-1180 Wien


Wahrheit

Der Durchschnittsmensch Tom verlebt einen normalen Bürotag, an dem sich nichts Besonderes ereignet. Als er jedoch zu Dienstschluß seinen Arbeitsplatz verläßt und nach Hause fahren will, bemerkt er, daß sein Auto nicht mehr an der Stelle steht, an der er es vormittags geparkt hatte. In dem Glauben, daß sein Auto gestohlen worden ist, beginnt er sich nach Hilfe umzusehen und bemerkt dabei eine schwarze Diskette, die an der Stelle liegt, an der sein Wagen gestanden war. Tom nimmt an, daß sich Kollegen von ihm einen Streich erlaubt haben und sieht sich im Büro an, was sich auf der Diskette befindet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, das Paßwort zu finden, entdeckt er ein digitalisiertes Bild seines Autos am Firmenparkplatz.
Plötzlich steht ein Fremder hinter seinem Sessel. Tom kann sich nicht erklären, wie der Mann in sein Arbeitszimmer gekommen ist. Der Fremde gibt an, ein Wissenschaftler zu sein, der ein Computerprogramm erstellt hat, das Toms gesamte Welt simuliert. Der Mann klärt Tom auf, daß er nur in einer fiktiven Welt lebt, die er, der Wissenschaftler, in der Realität erfunden hat. Nach einem Beweis, der die Richtigkeit der Angaben des Fremden bestätigt, offenbart der Wissenschaftler dem schockierten Tom, daß die Simulation fehlgeschlagen ist und daher abgeschaltet wird. Tom kann sich nicht dagegen wehren. Er muß die Wahrheit akzeptieren und wird kurzerhand ausgeschaltet - samt seinem Universum, das er für die Wirklichkeit gehalten hat.
Ein anderer Raum in der "Wirklichkeit": Mehrere Wissenschaftler, darunter auch der Mann, der Tom erschienen ist, feiern den baldigen Start einer neuen, verbesserten Computer-Simulation. Es wird Sekt getrunken, Musik gespielt, und die Menschen freuen sich schon auf die neue Arbeit. Kurze Zeit später erlöschen auch ihre Persönlichkeiten. Auch sie waren nur fiktive Lebewesen in einer Welten-Simulation, die von den wahren "Bewohnern" der Wirklichkeit geschaffen worden ist...

Der Kurzfilm "WAHRHEIT" entstand in der Zeit vom 29. Mai 1991 bis 20. Februar 1992 ausschließlich unter Mitwirkung von Amateuren. Gefilmt wurde in Wien-Floridsdorf. Die Innenaufnahmen wurden in der Dachpappenerzeugung Macalka & Peinlich verwirklicht.
Vertikale Kamerabewegungen wurden von einem Gabelstapler aus durchgeführt. Die Kamera, das Stativ und der Überwachungsmonitor wurden auf die Ladefläche gestellt. Für den Kameraschwenk bei der DISKETTENSZENE (Tom endeckt, statt seines Wagens eine Diskette) lag der Kameramann samt Kamera auf einer Holzplatte, die ihrerseits auf ein Skateboard montiert wurde. Diese Konstruktion wurde von einem Assistenten vorsichtig vorwärtsbewegt. Um dynamische Kameraführungen zu ermöglichen, wurden Schienen gebastelt. Zwei ca. 6 m lange Holzleisten wurden wie Eisenbahnschienen parallel mit Querverstrebungen versehen. Ein alter Kinderwagen, der als "Kamerawagen" diente, wurde mit Pflastersteinen beschwert (um ruhige Fahrten zu ermöglichen) und auf den Schienen vorwärtsbewegt. TOMS AUSCHLÖSCHUNG (man sieht Tom, wie er schreiend auf seinem Bürosessel sitzt, das ganze Zimmer scheint sich dabei zu drehen) beruht auf einem einfachen Trick: Der Schauspieler hält die Kamera mit eigenen Händen ca. 30 cm vor sich; ein Assistent liegt auf dem Boden und dreht den Sessel. Die Schlußszene (DIE FEIER DER WISSENSCHAFTLER) wurde mit zwei Videokameras gleichzeitig gedreht. Dadurch waren bei der Nachbearbeitung völlig nahtlose Schnitte möglich. Die im Film vorkommenden Computerszenen (DAS PASSWORT) wurden mit einem AMIGA 500 erstellt, Vor-und Nachspann mit Hilfe eines AMIGA 2000.
Schnitt und Nachvertonung erfolgten auf den Schnittanlage des Wiener Publizistikinstituts.

Regie: Erich Bruckner
Drehbuch: Martin Pichal
Kamera: Erich Bruckner, Stefan Zenz
Schnitt: Wolfgang Mohl
VHS, 20 Min., Wien 1992, Videoarchiv No 194


Ein Videoprojekt im Rahmen der
Lehrveranstaltung "Audiovisuelle Medien für Publizisten"
Leitung: Univ.-Ass. Dr. Manfred Bobrowsky (gemeinsam mit R. Loidl)
Für den Inhalt verantwortlich: Wolfgang Mohl
Webmaster: Manfred Bobrowsky