Leon Zelman – Ein Zeuge der gnadenlosen Zeit

Einer, der der Hölle von Auschwitz entronnen ist, einer der wenigen Überlebenden der vielen Vernichtungslager der NS-Zeit.
Leon Zelman wurde am 12. Juni 1928 in Lodz in Polen geboren und verbrachte bis zu seinem 12. Lebensjahr eine sehr schöne Kindheit. Die erste Konfrontation mit der Wahrheit des NS-Regimes hatte Leon Zelman, als die Deutschen 1939 in Polen einmarschierten.

Mit 12 Jahren mußte er mit seinem jüngeren Bruder und seinen Eltern in das Lodzer Ghetto. Dort verlor er 1940 seine Eltern.
Am 1. September 1944 erfolgte – gemeinsam mit seinem Bruder – die Überstellung in das Vernichtungslager Auschwitz. In Auschwitz verlor er auch den Bruder. Leon Zelman's Leidensweg führte weiter in das Lager Ebensee. Hier wurde er am 6. Mai 1945 durch die Amerikaner befreit. Er war damit einer der wenigen, die der Hölle von Auschwitz entkommen konnten.
Auf 37 Kilo abgemagert, rettete Zelman seine Kraftlosigkeit: Er widerstand dadurch den verlockenden Lebensmitteln der Befreier, und dies bedeutete Leben. Danach verbrachte Leon Zelman drei Jahre in diversen Spitälern. Schließlich holte er die Matura in Wien nach, besuchte die Universität und schloß das Publizistik-Studium mit dem Doktorat ab.
Dr. Leon Zelman sieht es als Aufgabe und setzt dafür seine ganze Kraft ein, über die Erlebnisse dieser schrecklichen Zeit zu berichten. Besonders mit jungen Menschen tritt er in Kontakt, redet mit ihnen über die Geschehnisse, um eine Wiederholung des Holocaust zu verhindern. Jahrelang referierte er – gemeinsam mit Rosa Jochmann, Franz Danimann und einigen anderen – in den österreichischen Schulen über die NS-Vergangenheit.
Heute leitet Dr. Leon Zelman am Stephansplatz in Wien die Israel-Abteilung eines Reisebüros und ist Geschäftsführer des Jewish Welcome Service; durch diese Tätigkeit ist es ihm möglich, viele Begegnungen zwischen Juden und Nichtjuden herbeizuführen. Der Zeitschrift "Das jüdische Echo", die sich mit der historisch-kritischen Aufarbeitung des österreichisch-jüdischen Geistesleben sowie der Darstellung aktueller politischer Tendenzen in Österreich und in Israel befaßt, steht er als Chefredakteur vor.

Leon Zelman konnte dem "Warteraum des Todes" entrinnen, seine Maxime war Toleranz und Kommunikation.

Leon Zelman ist am  11. Juli 2007  in Wien gestorben.

Regie, Gestaltung: Gabriele Strasser und Gertrude Unger
VHS, 30 Min., Wien 1992, Videoarchiv No 274


Ein Videoprojekt im Rahmen der
Lehrveranstaltung "Kommunikationswissenschaftliche Methodenlehre (Oral History)"
Leitung: Univ.-Ass. Dr. Manfred Bobrowsky
Für den Inhalt verantwortlich: Gabriele Strasser und Gertrude Unger