Arthur West

Arthur West wurde 1922 in Wien als Arthur Rosenthal in jüdischer Familie geboren, durfte 1938 sein Mittelschulstudium nicht fortsetzen; erhielt, kaum 16jährig, als einziger der Familie die Ausreisemöglichkeit nach England. Dort war er Hilfsarbeiter in der Lederbranche, bis er 1940, da mit deutschem Reisepaß gekommen, als ,,feind­licher Ausländer" interniert und nach Australien de­portiert wurde.
Im Lager war er Herausgeber der Wandzeitung ,,Lager­spiegel", mitinternierte Schauspieler lasen erstmals aus seinen Gedichten.
Ende 1941 rehabilitiert und nach England zurückge­bracht, wurde er Metallarbeiter in der Kriegsindustrie sowie engagiert tätiger Funktionär der Jugendorgani­sation „Young Austria" im Rahmen des sich entfalten­ den antifaschistischen „Free Austrian Movement", heiratete die Wienerin Edith West. Mit vielen seiner jungen Landsleute meldete er sich 1943, als dies erstmals möglich wurde, als österreichischer Freiwilliger zur ,,British Liberation Army'', landete 1944 in der Nor­mandie, gelangte bis Deutschland, fungierte unter an­derem auch als Herausgeber der Regimentszeitung „Daily Dragon".
Zu Kriegsende nach Italien transferiert, errang er Anfang 1946 mit dem Einakter „Warum die Glocken von St. Johannis läuten" den Ersten Preis des „Kunstfestivals der alliierten Streitkräfte im Mittelmeerraum"; das Stück wurde in Rom uraufgeführt.
Ende 1946 erfolgte die ersehnte Heimkehr nach Wien: mit Frau und unterdessen geborenem erstem Kind, doch nach wie vor ohne Schulabschluß und Berufs­ausbildung. Einzige Qualifikation blieb die enge Be­ziehung zur Sprache. Er wurde Verlagslektor, als sol­cher Betreuer unter anderem der ersten Nachkriegs­ausgabe von Nestroy‘s Werken. Schriftstellerische Tätigkeit (und gelegentliche Veröffentlichungen) er­folgte(n) nur „nebenher". 1961 gewann sein Schau­spiel ,,Frühling" den Ersten Preis des Wiener Theaters der Courage.
1967 wurde West in die Kulturredaktion des KPÖ­ Zentralorgans „Volksstimme" berufen, die er bald dar­auf und bis zum Erreichen des Pensionsalters (Ende 1982) leitete. Neben zahlreichen kulturpolitischen Essays und Rezensionen erschienen West's Lyrik­sammlungen „Israel-Sprüche", ,,Männlicher Akt" und ,,Linkes Rechten ­­– Gedichte an und für Österreich"; er zeichnet auch als Herausgeber der Anthologie ,,Linkes Wort für Österreich“. 1986 wurde ihm der Berufstitel Professor zuerkannt.
Arthur West war Vorstandsmitglied der Interes­sengemeinschaft österreichischer Autoren sowie der Grazer Autorenversammlung.

Arthur West verstarb am 16. August 2000 in Wien

Das Interview fand 1988 in Wien statt.


Regie, Gestaltung: Eleonore Flor, Othmar Kolar, Reinhard Loidl, Irmgard Melicha
VHS, 72 Min., Wien 1998 Videoarchiv No 106


Ein Videoprojekt im Rahmen der
Lehrveranstaltung "Kommunikationswissenschaftliche Methodenlehre (Oral History)"
Leitung: Univ.-Ass. Dr. Manfred Bobrowsky
Für den Inhalt verantwortlich: Eleonore Flor, Othmar Kolar, Irmgard Melicha