Kriegsfilmer
Drei österreichische Kameramänner filmten für die Deutsche Kriegswochenschau

Drei Österreichische Kameramänner (Ludwig Bayer, Rudolf Melichar und Walther Stoitzner) filmten für die Deutsche Kriegswochenschau.
Die Intention des Projektes war es, den Mythos NS-Propaganda zu untersuchen, die Systemträger zu individualisieren, um quasi "von unten" Einsicht in die Medienpolitik eines totalitären Regimes zu gewinnen. Die befragten Filmberichter erzählen von ihrer Tätigkeit und reflektieren dabei das prinzipielle Problem der Darstellbarkeit von Krieg. Um kinematographische Abbildungsstrategien konkret festzumachen, wurden die Kameramänner mit "ihren" Bildern, den von ihnen gemachten und in der Deutschen Wochenschau veröffentlichten Aufnahmen konfrontiert. Dabei offenbarte sich das Dilemma: Je größer das Verlangen war, den Krieg so realistisch und plastisch, wie man ihn erlebt hatte, darzustellen, desto massiver wurde die Schwierigkeit erkannt, mit einem optischen Medium etwas aufzunehmen, was tendenziell nicht sichtbar ist. Wo man eine potentielle "Motivvielfalt" - Krieg - erwarten würde, stellt sich heraus, daß dieser in visuell kaum darstellbaren Kategorien (Angst, Gefahr, Überraschung, Strategie etc.) passiert. Der Kameramann in dieser Misere wird zum Arrangeur, er dirigiert Flugzeuge und Schiffe, Soldaten und Gewehre. Sein Credo ist nicht die entscheidende Schlacht, sondern das entscheidende Bild. Der Wochenschauoperateur ist nicht mehr Chronist des Krieges, er konstruiert ihn zu einer neuen Realität: Propaganda total.

Regie: Ernst Kieninger, Kamera: Daniel Ebster, Assistenz: Barbara Gruber, Interviews von: Ernst Kieninger, Reinhard Loidl und Wolfgang Pensold
VHS, 90 Min., Wien 1990, Videoarchiv No 188

Folgende Stellen haben das Projekt unterstützt und damit erst in dieser Form ermöglicht: Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Österreichische Hochschülerschaft, Hochschülerschaft an der Universität Wien


Ein Videoprojekt im Rahmen der
Lehrveranstaltung "Kommunikationswissenschaftliche Methodenlehre (Oral History)"
Leitung: Univ.-Ass. Dr. Manfred Bobrowsky
Für den Inhalt verantwortlich: Ernst Kieninger
Webmaster: Manfred Bobrowsky