Ein Leben an der Heldenstraße

Im Gespräch mit Heinrich Klein, Widerstandskämpfer und Mitarbeiter des
Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes

Heinrich Klein, geboren 1918 in Wien Ottakring und auch dort aufgewachsen, erzählt über Krieg, Faschismus und Widerstand aus der Sicht eines politisch links eingestellten Ottakringers. Die Dokumentation ist in vierAbschnitte gegliedert:

 

1. Im ersten Abschnitt befinden wir uns zum Teil in der ständigen Ausstellung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW). Nach einer kurzen Einführung über seine Kindheit und die Schulzeit erzählt Klein über die politischen Ereignisse der Zwischenkriegszeit und wie er selbst sie erlebt hat: Mai-Demonstration am Ring, Justizpalastbrand, Bürgerkrieg, Austrofaschismus, Rote Falken, Kommunistischer Jugendverband (KJV). Der Einmarsch Hitlers 1938 bildet das Ende des Abschnitts.

2. Kurz nach dem "Anschluß" wird Klein zum Arbeitsdienst eingezogen, eine Art vormilitärische Ausbildung. Schon dort kristallisiert sich die Taktik des Widerstandes heraus: kleine Gruppen bilden, spontan organisieren, nicht kollaborieren. Nach einem kurzen Frontaufenthalt beim Überfall auf Rußland gelingt es Klein, sich von der Front abzusetzen. Die Realität des Krieges ist menschenverachtend. Durch Tricks kann er sich bis 1945 von der Front fernhalten. Er wird in Österreich zum Bergführer und Skilehrer ausgebildet.

3. Der KJV bringt die Zeitung "Die Wahrheit" heraus, bei der er maßgeblich mitwirkt. Der Widerstand ist sehr gefährlich, immer wieder kommt es zu Verhaftungen und Hinrichtungen. Klein hat mehrmals Glück und wird nicht verraten. Ab etwa 1944 breitet sich der Widerstand aus. Die Bevölkerung ist nicht mehr vom Krieg begeistert. Es gibt Selbstverstümmler und sog. Schlurfs. Auch diesen Erscheinungen begegnen die Nazis mit Hinrichtungen. Klein wird verhaftet, gerät aber an einen Offizier, der ihn schützt, und kommt noch einmal davon.

4. Schließlich gerät Klein wieder in Verdacht. Bevor er verhaftet werden kann, desertiert er von seiner Ausbildung am Feuerkogel und kehrt nach Wien zurück, um sich im Ottakringer KJV am Widerstand zu beteiligen. Der Krieg ist längst verloren - die Russen nähern sich Wien -, doch die Nazis sind immer noch da. Vom KJV werden falsche Losungen an die Soldaten ausgegeben ("Der Volkssturm ist aufgelöst!") und Entwaffnungsaktionen durchgeführt. Durch diese Aktivitäten kommt es in Ottakring zu praktisch keinen Kämpfen.
Ein Appell an die Jugend, daß sie nie wieder "eine Zeit von Krieg und Faschismus" erleben möge, bildet den Abschluß.

Idee und Organisation: Elisabeth Klose
Gesprächsleitung: Harald Schume
Kamera und Schnitt: Erwin Brandstetter
Schnittassistenz: Harald Schume
Unter Mitwirkung von: Jürgen Plank, Elisabeth Klose
Musik aus: Friedrich Smetana: "Die Moldau"
Franz Liszt: "Liebestraum"
Antonin Dvorak: "Aus der neuen Welt"
VHS, 44 Min., Wien 1995, Videoarchiv No 322


Ein Videoprojekt im Rahmen der
Lehrveranstaltung "Kommunikationswissenschaftliche Methodenlehre (Oral History)"
Leitung: Univ.-Ass. Dr. Manfred Bobrowsky


Für den Inhalt verantwortlich: Elisabeth Klose