Da nahm ich den Revolver...
Ein Interview mit dem Journalisten Otto Horn

Otto Horn wurde am 17. Mai 1923 in Wien geboren.
Er besuchte das Realgymnasium Hernals, wo er 1941 die Matura ablegte. Im selben Jahr wurde er Mitglied der damals illegalen KPÖ und begann im Widerstand gegen das NS-Regime zu arbeiten. Er wurde nicht zur deutschen Wehrmacht eingezogen, da er "jüdischer Mischling 1. Grades" war. Im Rahmen seiner Aktivitäten gegen die Nationalsozialisten gründete er 1943 zusammen mit anderen von den Nürnberger Gesetzen Betroffenen die "Mischlingsliga Wien". Im Februar 1944 wurde Otto Horn von der Gestapo verhaftet und wegen Hochverrats zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Aufgrund des herannahenden Kriegsendes war er jedoch nur bis April 1945 in Haft. Nach seiner Entlassung begann Otto Horn seine journalistische und schriftstellerische Laufbahn als stellvertretender Chefredakteur in der kleinen Redaktion der Monatsschrift „Jugend". Anfang 1946 war er beim Pressedienst der KPÖ tätig, dann ein Jahr Redakteur bei der "Österreichischen Zeitung" und weitere zwei Jahre beim "Österreichischen Tagebuch". Bekannt wurde er in dieser Zeit vor allem durch die Verfassung von Liedtexten. In der Folge war Otto Horn zwei Jahre Pressechef der „Universal-Film" und arbeitete dann in der Funktion eines Ressortchefs für Innenpolitik und Wirtschaft wieder bei der „Österreichischen Zeitung". Von 1955 bis 1970 hatte er Stellungen als Auslandskorrespondent für Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen. Ab 1971 war er als Redakteur der „Volksstimme" tätig, eine Funktion, aus der er 1983 in Pension ging. Danach arbeitete er als freier Journalist und Schriftsteller weiter.
Zahlreiche Veröffentlichungen begleiten das literarische Schaffen von Otto Horn, darunter etwa die beiden autobiographischen Romane „Die Frage des Pilatus", erschienen 1967/68, und „Zeitzünder" 1972. 1990 erschien das Buch „Zeitzeichen – Bilder unserer Welt – Lyrik aus vier Jahrzehnten". Das Werk des Schriftstellers und Journalisten Otto Horn wurde auch mit einer Reihe von Preisen und Auszeichnungen geehrt. So erhielt er beispielsweise 1965 die Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus und 1978 das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs.
Otto Horn starb am 28. Juli 1991 in Wien.

Von Susanne Molnar, Daniela Nikolay, Daniela Rotschädl, Nicole Toman (unter Mitwirkung von Daniel Ebster)
VHS, 56 Min., Wien 1990, Videoarchiv No 146
Ein Videoprojekt im Rahmen der
Lehrveranstaltung "Kommunikationswissenschaftliche Methodenlehre (Oral History)"
Leitung: Ass.-Prof. Dr. Manfred Bobrowsky, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien © .
Für den Inhalt verantwortlich: Daniela Nikolay