Autor: Leopold Decloedt


Titel: Die Zeitschrift Litterair Paspoort und ihre Verdienste für die deutsche Literatur im niederländischen Sprachraum.


Quelle: Annäherungen. Wahrnehmung der Nachbarschaft in der deutsch-niederländischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Hg. v. W. Amann et al. Münster u.a.: Waxmann 2004, S. 163-175.
Text:
 

Die Zeitschrift Litterair Paspoort1 und ihre Verdienste für die deutsche Literatur im niederländischen Sprachraum

Misstrauen und Hoffnung

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die niederländischen und flämischen Kritiker nicht gewillt, der deutschen Literatur das Ansehen, das sie im niederländischen Sprachraum in der Zwischenkriegszeit durchaus hatte, ohne weiteres zurück­zugeben. Vor allem in den ersten Nachkriegsjahren wird sowohl in den Nieder­landen als auch (wenn auch in geringerem Maße) in Flandern die Entwicklung der deutschen Literatur mit großem Misstrauen verfolgt. Im Gegensatz zu den 1920er und 1930er Jahren, in denen sich die Kritiker bei der Beurteilung deutschsprachiger Literatur in erster Linie von ästhetischen und konfessionell-weltanschaulichen Prinzipien führen und die politische Überzeugung der rezensierten Autoren weit­gehend unberücksichtigt lassen2, steht nach 1945 in den Kritiken neben dem ästhetischen Können der Autoren auch (und sehr oft in erster Linie) ihre Haltung zu den nationalsozialistischen Machthabern im Mittelpunkt der Überlegungen. Nur jene deutschsprachigen Autoren, die dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen sind, sich gegen Hitler gewehrt oder erst nach dem Krieg zu schreiben angefangen haben und der sozial-politischen Entwicklung im eigenen Land kritisch gegenüber stehen, können mit der Sympathie der niederländischen und flämischen Kritiker rechnen. Deutsche Literatur - so Hans de Leeuwe, der in der zweiten Nummer von Litterair Paspoort die Meinung vieler Kritiker und Leser zum Ausdruck bringt - könne nach 1945 nur noch gelesen werden, sofern es sich um Bücher von „gut gesinnten" Deutschen handle, wie jene, die vor den Nationalsozialisten aus Deutschland und Österreich flüchten mussten:

„Viele empfinden heute instinktiv eine Abneigung gegen das deutsche Buch, die deutsche Kultur. [...] Das literarische Wertschätzungsvermögen ist in vielen Fällen dadurch geschockt, dass während des Krieges anders­gerichtete Gefühle aufs schmerzlichste verletzt wurden. Und auf dem Gebiet der Sprache sind wir am verletzlichsten. Zu Recht wird jeder zeit­genössische deutsche Schriftsteller gefragt, ob er Faschist oder Antifaschist sei. Nur im Falle einer befriedigenden Antwort erhält er ein Visum in seinen literarischen Reisepass hineingestempelt. Es gibt im gegenwärtigen Deutschland tatsächlich Autoren, die heftige Antifaschisten sind, aber es kostet uns große Mühe, ihren schönen, langen Sätzen zu glauben. [...] Auch wenn es schön klingt - wir müssen es zunächst einmal glauben - und es ist schwierig, der Nation des Besatzers zu glauben. Wir müssen Hemmungen überwinden, bevor wir sogar einem gutgesinnten Deutschen wieder direkt in die Augen schauen können." 3

Nach Hans de Leeuwe müsse man - wie schwierig das auch manchmal sein möge - alles daran setzen, besagte Hürden zu überwinden. Ausgehend von der Feststellung, dass in jedem (und somit auch im deutschen) Kunstwerk das Beste der Menschheit weiterlebe, fordert er seine Landsleute dazu auf, der deutschen Literatur genauso viel Respekt entgegenzubringen wie der aus anderen Ländern, wenn auch „mit geschärftem Unterscheidungsvermögen"4 - eine Aufforderung, die sich mit dem Inhalt des 1947 in der flämischen Zeitschrift Dietsche Warande & Belfort ver­öffentlichten Plädoyers gegen die Isolation deutscher Autoren von Hans Reyker deckt. Reyker hofft, dass die jüngeren deutschen Autoren

„den philosophischen Materialismus jetzt endlich hinter sich lassen und zu­rückkehren [werden] zu einem idealen Weltbild, das sich um das Theos, die Quelle des Höheren im Menschen und in der Welt, konzentriert"5.

Damit die jüngere Autorengeneration diesen Schritt setzen kann, sei laut Reyker Hilfe von Außen unbedingt erforderlich.

„Alleine wird sie nicht imstande sein, über die Verwirrung ihrer Ent­täuschungen hinwegzukommen und dem Fahrwasser des Nihilismus fern zu bleiben. Auch im geistigen Bereich müssen Schranken und Grenzen verschwinden und muss die junge deutsche Generation nach all den Jahren der gezwungenen Isolation wieder die Welt beobachten können. Nur guter Wille und das Verständnis von ALLEN kann hier eine Hilfe sein, denn es handelt sich um Menschen, die falsch ausgebildet wurden, es handelt sich um Irregeführte, nicht um wirklich Schuldige."6

Die Bemühungen der niederländischen und flämischen Kritik, die Existenz eines „guten", „anderen" Deutschlands hervorzuheben, zu dessen Vertreter auch Schrift­steller aus Österreich wie Franz Werfel oder Stefan Zweig gezählt werden - nicht der Geburtsort an sich ist wichtig, sondern das Eintreten für Universalität, Europäertum und Toleranz -, stehen in deutlichem Widerspruch zu dem Umgang mit der Exilliteratur und der neuen Schriftstellergeneration im deutschen Sprachraum selber. Während sich Kritiker in den Niederlanden und in Flandern auf die jüngeren deutschen Autoren und auf die Exilautoren konzentrieren, stehen die publizistisch­literarischen Auseinandersetzungen im deutschen Sprachraum - auch was die Werkvielfalt und die Auflagehöhen betrifft - vor allem im Zeichen jener Autoren,

„die an ästhetische Traditionen der Zeit vor 1933 anknüpften, um dem raschen Wandel der Zeit die Dauerhaftigkeit einer vermeintlich überzeit­lichen Dichtung entgegenzuhalten: Hans Carossa, Georg Britting, Stefan Andres, Ernst Penzoldt, Josef Weinheber, Werner Bergengruen, Ernst Wiechert, Reinhold Schneider und andere."7

Die Gruppe 47 und die Autoren um die Zeitschrift Der Ruf sind im literatur­kritischen Diskurs eher marginal und die von De Leeuwe gehegte Hoffnung, dass

„ein erneuter Kontakt mit den seit 1933 aus Deutschland geflüchteten Autoren einen läuternden Einfluss auf die Literatur der Daheimgebliebenen haben könnte",8

bleibt größtenteils unerfüllt. Während sich die neugegründeten Verlage (oft mit Hilfe zurückgekehrter Emigranten) in der DDR schon gleich nach dem Krieg um eine möglichst große Verbreitung der Exilliteratur bemühen, steht das literarische Leben in der Bundesrepublik Deutschland bis in die 1950er Jahren im Zeichen von Autoren, „die sich, meist unbefragt, zur Inneren Generation zählten oder, wie Gottfried Benn oder Ernst Jünger, zu ihr gezählt wurden."9 Erst ab 1967, als sich der Genera­tionswechsel in der Germanistik vollzieht, und vor allem in den 1980er Jahren versuchen Literaturwissenschaftler Autoren wie Arnold Zweig, Anna Seghers, Joseph Roth, Alfred Döblin, Klaus Mann, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky und Alfred Kern in die Literaturgeschichten und Literaturlexika einzubringen und über Neudrucke dem Lesepublikum zugänglich zu machen.10 In Österreich erfreuen sich - wie aus einer Untersuchung von Ursula Seeber-Weyrerl1 hervorgeht - in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in erster Linie Erfolgsautoren aus der Vorkriegszeit, Unter­haltungsschriftsteller wie Vicki Baum, Adrienne Thomas, Franz Werfel und Stefan Zweig, aber auch Heimkehrer` wie Franz Theodor Csokor, Friedrich Torberg und Hans Weigel, die sich in das kulturelle Leben der Wiederaufbauzeit einpassen können, Autoren, die ein bewusstes Österreichertum und eine Verbundenheit mit der literarischen Tradition vertreten und Schriftsteller mit katholischen bzw. christlich­abendländischen Wertvorstellungen eines großen Interesses. Dafür werden aber linke Autoren12, formal schwierige Schriftsteller wie Hermann Broch und Elias Canetti und die literarische Avantgarde fast zur Gänze ignoriert. Die regelmäßig an die Öffent­lichkeit tretende Wiener Gruppe zum Beispiel wird von Kritikern wie Friedrich Tor­berg und Alexander Lernet-Holenia selbstgefällig übersehen und somit von einem breiteren Publikum kaum wahrgenommen. Noch 1957 werden die Texte von Autoren wie Ernst Jandl, Ernst Klein und Gerhard Rühm „in altbewährter - auch 15 Jahre zuvor gängiger - Manier als Schmutz und Schund' diffamiert."13

Litterair Paspoort und die deutsche Literatur

In den Niederlanden setzen sich gleich nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Zeit­schriften für die deutsche Literatur und für bessere Beziehungen zwischen den Deutschen und den Niederländern ein: duitse kroniek und Litterair Paspoort.

Als 1948 die erste Nummer von duitse kroniek erscheint, ist die Zeitschrift noch in erster Linie ein Mitteilungsblatt des Dachverbands CCCD (Coördinatie­commissie voor Culturele Betrekkingen met Duitsland), dessen Hauptaufgabe die Koordination aller kulturellen Kontakte mit Deutschland war. Auf zehn Seiten wird über die aktuellen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignisse im deutschen Sprachraum informiert. 1952 ist aber aus der über Tagesereignisse berichtenden Chronik schon längst eine Kulturzeitschrift und ein Forum zur Erforschung des deutschen Geisteslebens geworden. Auf aktuelle Information wird aber auch dann nicht verzichtet.14

Genauso wie die Gründerväter der Zeitschrift duitse kroniek, die seit 1994 als Jahrbuch erscheint, will auch der am 5. Juni 1912 in Velsen geborene Dichter, Essayist und Kritiker Adriaan Morriën, der sich u.a. mit Übersetzungen von Choderlos de Laclos und Sigmund Freud einen Namen machte, mit der Herausgabe der Zeitschrift Litterair Paspoort ein deutliches Zeichen der Versöhnung setzen.15 In einer Zeit, in der die Zeitungen u.a. durch Papierknappheit gezwungen werden, der Literatur weniger Aufmerksamkeit zu widmen - ein Umstand, unter dem vor allem die ausländische Literatur zu leiden hat - bietet Morriën Literaturinteres­sierten ein Plattform, wo sie sich über die neuesten Entwicklungen der ausländi­schen Literatur informieren können. Als oberstes Ziel der Zeitschrift sieht er,

„das Wecken von Liebe und Interesse für die ausländische Literatur und das Vermitteln von fachmännischen Informationen zu den vielen Schriften, die ohne Zweifel eines Tages aus dem Ausland in unser Land [=die Niederlande] kommen werden."16

Obwohl Adriaan Morriën die deutschsprachige Literatur - im Gegensatz zu der französischen, englischen und amerikanischen - in der programmatischen Ein­leitung der ersten Nummer nicht namentlich erwähnt, ist sie in der Zeitschrift durchaus gut vertreten. Insgesamt erscheinen zwischen 1946 und 1982 über 700 (teilweise auf deutsch verfasste oder aus dem Deutschen übersetzte) Beiträge über das literarische Leben in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Neben chronikartigen Rubriken wie „Duits Nieuws", „Onze correspondent meldt", „Brief uit Duitsland", „Brief uit Stuttgart", „Boekenpaspoort en boekennieuws" und „Signalementen Duits", in denen über Neuerscheinungen, wichtige literarische Ereignisse und Entwicklungen im deutschen Verlagswesen informiert wird, bringt die Zeitschrift auch immer wieder längere Rezensionen und Beiträge, in denen Texte meistens auf ihre gesellschaftliche Relevanz hin geprüft und die politischen Hintergründe von Autoren beleuchtet werden.

Elisabeth Augustin

Die Beiträge zur deutschsprachigen Literatur stammen von über 80 Kritikern und Essayisten, von denen sich viele auch in anderen niederländischen Printmedien immer wieder für die deutsche Literatur einsetzen. Neben Adriaan Morriën, der von 1947 bis 1959 für Litterair Paspoort schreibt, Hans de Leeuwe (1947-1958), Wolf­gang Bächler (1950-1953), Karlheinz Deschner (1959-1968), Klaus Siegel (1964­1982), Tim van der Grijn (1972-1982) und Hans Ester (1978-1982) sei hier vor allem auf Elisabeth Augustin hingewiesen, der 1992 die Goethe-Medaille verliehen wird. Mit dieser Medaille zeichnet das Goethe-Institut München jedes Jahr Leute aus, die sich für internationale und interkulturelle Toleranz einsetzen.

Elisabeth Augustin wird am 13. Juni 1903 als Elisabeth Theresia Glaser in Berlin-Friedenau geboren. Sie sollte 98 Jahre alt werden. Ihr Vater, Eduard Joseph Glaser, ist ein aus Breslau stammender Katholik. Ihre Mutter Ella Glaser, geb. Cohn, ist Jüdin und kommt aus Magdeburg. Elisabeth wird katholisch getauft und als sie alt genug ist um die Firmung zu empfangen, wechselt die ganze Familie zum Protestantismus. 1908 übersiedelt die Familie nach Leipzig, wo Elisabeth die Theaterschule besucht und zeichnen und malen lernt. In den 1920er Jahren ver­öffentlicht sie Kurzgeschichten in u.a. Neue Leipziger Zeitung, Leipziger neueste Nachrichten und in Das Neue Blatt, dessen Hauptredakteur, der am 29. März 1884 in Lausanne geborene Germanist Paul Felix Augustin, sie 1927 heiratet. 1933 emigrieren die beiden in die Niederlande, wo sie ihren Lebensunterhalt mit Unter­richtsstunden, Übersetzungen, literarischen Arbeiten und Rezensionen verdienen. Die Entscheidung, die Niederlande als Zufluchtsort vor den Nazis zu wählen, ist nicht wirklich erstaunlich. Kurz nach der Geburt von Paul zieht die Familie Augustin nämlich in die Niederlande, wo er sofort fließend Niederländisch lernt und später Germanistik studiert. 1909 übersetzt Paul Felix Augustin Die Frauen­kleidung, einen Roman von Theodoor Hendrik van de Velde, ins Deutsche und 1911 veröffentlicht er bei Hartleben in Wien und Leipzig ein Handbuch Deutsch für Niederländer. Seine Begeisterung für die niederländische und flämische Kultur gibt er seiner Frau weiter, die bald genug Niederländisch kann um ihm beim Über­setzen niederländischer literarischer Werke zu helfen. Beide halten in Deutschland Dutzende Vorträge über niederländische Literatur und lesen regelmäßig aus ihren Übersetzungen vor. Ihre Anstrengungen, die niederländische Literatur bei deutschen Verlagshäusern unterzubringen, werfen in den dreißiger Jahren die ersten Früchte ab. 1930 bringt der Leipziger Verlag Hegner Gerard Walschaps Himmelfahrten (ndl. De dood in het dorp,1930) heraus. Ein Jahr später erscheinen Das schöne Jahr des Carolus (ndl. Het schoone jaar van Carolus, 1920) von Antoon Thiry beim Berliner Verlag Transmare und Maria Danneels (ndl. Maria Danneels of het leven dat wij droomden, 1931) von Maurice Roelants beim R. Voigtländers Verlag in Leipzig. Und im Jahre 1933 bringt der Leipziger Inselverlag Antoon Coolens Roman Brabanter Volk (ndl. Kinderen van ons volk, 1928), von dem bis 1951 nicht weniger als 6 Auflagen erscheinen, auf den Markt.17 Auch in den Niederlanden setzen die Augustins ihre Übersetzungsaktivitäten fort. So über­setzt Elisabeth Augustin 1935 A. den Doolaards Roman Orient-Express. Die Über­setzung erscheint beim Amsterdamer Querido-Verlag, der sich wie viele andere niederländische Verlagshäuser18 in den dreißiger Jahren besonders intensiv der deutschen Exilliteratur annimmt.19 Ebenfalls 1935 erscheinen beim Amsterdamer Verlag Van Kampen Elisabeth Augustins erster auf Niederländisch geschriebener Bauernroman De uitgestootene und der Roman Volk zonder jeugd über das aus­sichtslose Leben eines jungen Mädchens in Berlin. Ein Jahr später bringt der Rotterdamer Verlag Nijgh & Van Ditmar Moord en doodslag in Wolhynie, ein Epos über die russische Revolution in der Ukraine, heraus. 1938 schließlich erscheint beim Rotterdamer Verlag W.L. & J. Brusse Mirjam, ein Roman über ein jüdisches Mädchen, dessen Familie in einem zeitgenössischen niederländischen Dorf zugrunde geht. Die Reaktionen der Kritik sind durchaus positiv. Die meisten halten Augustin sogar für eine niederländische Autorin.

1938 kommen auch die Eltern von Elisabeth nach Amsterdam. Ihr Vater stirbt 1942 eines natürlichen Todes. Ihr Mutter, die sich - nachdem ihr versprochen wird, dass getaufte Juden bis zum Ende des Krieges im Lager Westerbork bleiben können - freiwillig meldet, wird wegen einer fehlenden Taufurkunde nach Sobibör deportiert, wo sie ums Leben kommt. Elisabeth Augustin und ihre Kinder bleiben dank dem „arischen" Mann/Vater und der christlichen Taufe Elisabeths unbe­helligt. Der Tod ihrer Mutter hat sie so erschüttert, dass sie erst in den fünfziger Jahren wieder die Kraft findet, literarisch aktiv zu werden. Neben dem magisch­realistischen Roman Labyrint (1955) schreibt sie immer wieder Kurzprosa und Gedichte, die fast gleichzeitig auf Niederländisch und Deutsch erscheinen. In den siebziger Jahren kommt es unter dem Einfluss des 1973 veröffentlichten Gedichts „Het onvoltooide leven van Malcolm X" - einer als Autobiographie geschriebenen Ballade über den amerikanischen Schwarzenführer - zu einem erneuten größeren Interesse für ihr Leben und ihr Werk, was sich u.a. in der Neuauflage der Romane Moord en doodslag in Wolhynie (1979) und Labyrint (1982) widerspiegelt.20

Gleich nach dem Kriege beginnt Augustin, Essays und Literaturkritiken zu schreiben, mit denen sie eine Brücke zwischen den Niederlanden und Deutschland schlagen will. Im Mai 1947 erscheint ihr erster Beitrag in Litterair Paspoort. Es handelt sich um eine Bilanz der deutschen Exilliteratur ,21 die kaum über eine bloße Aneinanderreihung von Namen hinausgeht. Neben Wolfgang Cordan, der während des Krieges im niederländischen Widerstand tätig gewesen und dessen Lyrikband Tag und Nachtgleiche gerade bei W.L. Salm & Co in Amsterdam erschienen ist, erwähnt Augustin u.a. auch Thomas, Heinrich und Klaus Mann, Alfred Döblin, Fritz von Unruh, Carl Zuckmayer, Günther Anders, Alfred Polar, Heinz Liepmann, Johannes Urzidil, Anna Seghers, Bertholt Brecht, Georg Kaiser, Stefan Zweig, Andreas Latzko, Felix Salten (Autor von Bambi), Arnold Zweig und Hermann Hesse. Einigen dieser Autoren (Anna Seghers, Thomas Mann, Hermann Hesse) widmet sie dann in späteren Nummern von Litterair Paspoort größere Auf­merksamkeit.

Hermann Hesse

Ihr Beitrag zu Hermann Hesse aus dem Jahre 1949 zum Beispiel ist einer der insge­samt drei Beiträgen in Litterair Paspoort, die sich intensiv mit der Person und dem Werk Hesses auseinandersetzen. In der Januar-Nummer des Jahres 1947 geht E. S. Willartz auf den Nobelpreisverleihung an Hermann Hesse ein und im Jahre 1960 meldet sich Johan Jacob in der Rubrik „Boekenpaspoort en boekennieuws" mit einem längeren Beitrag zu Wort - ein ziemlich mageres Ergebnis, das u.a. darauf zurückzuführen sein dürfte, dass Litterair Paspoort zwischen 1973 und 1978, in der Zeit also, wo das Interesse für Hesse auch in den Niederlanden unter dem Einfluss des großen Erfolgs seiner Werke in den Vereinigten Staaten ständig wächst,22 nicht erscheint. Der allgemeinen Linie von Litterair Paspoort entsprechend interpretieren E.S. Willartz und Elisabeth Augustin die Werke Hesses in erster Linie politisch. Während Augustin Das Glasperlenspiel als Resultat von „psychischem Wider­stand"23 gegen die Nazi-Herrschaft charakterisiert und in Knechts Haltung Hesses Abkehr von autoritärem Denken verkörpert sieht, zählt E.S. Willartz Hesse zu den „guten Europäern", die der Welt beweisen, „dass die teutonische Vernichtungswut auch und immer noch ihre Kehrseite hat".24 Wie Romain Rolland habe Hesse immer wieder die Menschheit über die Parteien gestellt. Hesse sei ein „guter Deutscher, der - trotz seiner Einbürgerung zum Schweizer - das Volk, dem er einst aus der Unhaltbarkeit seines Zustands einen würdigen Weg zur Erholung zeigte, in seinem schrecklichsten Irrtum und seinem tiefsten Fall nicht verleugnen konnte".25 Augustin freut sich darüber, dass Hesse sich mit dem Roman Das Glasperlenspiel zum ersten Mal ausdrücklich von der Romantik abgewandt und er „wie man annehmen darf unter dem Einfluss der politischen Entwicklung in Deutschland, die Notwendigkeit einer strengeren Disziplin und Selbstdisziplin eingesehen"26 habe. Hesse habe mit dem Glasperlenspiel nicht nur den Höhepunkt seines künstlerischen Könnens erreicht sondern auch den bis dahin besten Bildungs- und Ent­wicklungsroman geschrieben.27

Gruppe 47

Die Mitarbeiter von Litterair Paspoort sind besonders gut über die literarischen Entwicklungen im deutschen Sprachraum informiert. Schon lange bevor andere niederländischsprachige Medien auf Autoren wie Heinrich Böll, Thomas Bernhard oder Peter Handke aufmerksam machen, wird in Litterair Paspoort immer wieder über den Werdegang dieser Autoren berichtet. Besonders viel Interesse bringt man den Mitgliedern der Gruppe 47 entgegen - ein Umstand, der nicht nur auf die poli­tische Integrität ihrer Mitglieder zurückzuführen sein dürfte, sondern auch auf die Tatsache, dass Adriaan Morriën selber Mitglied dieser Gruppe war. Die größte Aufmerksamkeit gilt neben den jährlichen Tagungen der Gruppe bis in die 1980er Jahre vor allem Heinrich Böll, der wie kein anderer deutscher Autor der Nach­kriegszeit der deutschen Literatur zu neuem Einfluss im Ausland verholfen hat.28 Sein ständiger Kampf gegen Konformismus, Militarismus und Nationalismus, sein soziales und moralisches Engagement und die Tatsache, dass sein Werk als Auto­biographie einer ganzen Generation betrachtet werden kann, verhalfen ihm nicht nur in England, Schweden und Frankreich, sondern auch in der DDR und vor allem in der Sowjetunion zu großer Anerkennung.29 In den Niederlanden und in Flandern ist es vor allem seine Funktion als zeitgenössischer Hofnarr', als Gewissen der Nation', die ihn zu einem bewundernswerten Autor macht, der nicht davor zurückschreckt, den Deutschen zu sagen, was er von ihnen denkt'. Bis heute ist Böll im niederländischen Sprachraum nicht nur der meistgelesene Schulautor, sondern auch - zusammen mit Franz Kafka, dessen Oeuvre ebenfalls fast komplett auf Niederländisch vorliegt30 - einer jener deutschsprachigen Autoren, deren Oeuvre dank der Bemühungen verschiedener Verleger und Übersetzer.31

Bölls erstes Buch Der Zug war pünktlich (1949) ist wegen seines pessimis­tischen Tones zwar kein literarischer Erfolg (für den Verkauf der ersten Auflage von 3000 Exemplaren braucht der Verlag sieben Jahre)32, der Roman Und sagte kein einziges Wort wird jedoch schon gleich im Jahre seines Erscheinens (1953) ein zweites Mal aufgelegt33. Wie viele seiner Kollegen-Rezensenten spricht auch Wolf­gang Bächler, der in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre in Litterair Paspoort für die Rubrik „Onze correspondent meldt" verantwortlich ist, in seiner Besprechung von Und sagte kein einziges Wort Bölls positives Verhältnis zum Christentum und zur katholischen Kirche an:

„Nur die Armen, Unterdrückten, Schwachen, die nur noch die Folgen der Katastrophe zu tragen haben, sind Gott näher gekommen. Böll predigt das nicht, er gibt dem aus der Erfahrung des Leidens heraus Form; ohne Phrasen, mit einer Echtheit und einer Überzeugungskraft, die der Sozial­roman und der religiöse Roman (das Buch ist beides zugleich) in Deutsch­land nur selten erreicht hat. Sein Roman ist von einer sittlichen Härte und einer dichterischen Kraft, die Ihnen tief in die Seele greifen und Sie aus der Fassung bringen wird."34

Den Ausführungen Bächlers folgt ein Interview von Paul Schallücks mit dem Kölner Schriftsteller. Interessant dabei ist vor allem, dass die in der Einleitung zum Interview gemachten Bemerkungen von der in Deutschland üblichen Kritik an Bölls Stil und Sprache abweichen. Sie decken sich eher mit der Meinung mancher niederländischer Kritiker, die im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen, die Bölls Werken manchmal aus ideologischen Gründen jede ästhetische Qualität ab­sprechen, eher dazu neigen, seine Schriften, trotz ästhetischer Mängel, als wichtige Literatur anzuerkennen. Im Gegensatz zu Deutschland sind Aussagen über Bölls ideologische Zugehörigkeit in der niederländischen und flämischen Kritik nämlich eher die Ausnahme als die Regel. Wichtiger für die Kritiker in den Niederlanden und in Flandern ist sein Bemühen, die deutsche Wirklichkeit so ungeschminkt wie möglich wiederzugeben, „ohne ideologische Missbildung, aber auch ohne Ent­schuldigung.”35

Ab den 1960er Jahren verhalten sich die Rezensenten in Litterair Paspoort immer kritischer und distanzierter zu Heinrich Böll. So bezeichnet zum Beispiel H. Mulder, der Heinrich Böll trotz allem weiterhin wegen seiner einfachen Sprache schätzt, das Fehlen von Nuancen als größtes Manko des Romans Ansichten eines Clowns:

„Die vielen bornierten, heuchlerischen, selbstgefällig herzlosen Snobs, Streber und Opportunisten, denen hier das Wort erteilt wird, sind so deut­liche Personifizierungen von Bölls Meinungen und Ressentiments, dass sie als Menschen unglaubwürdig werden. [...] Der Leser muss leider fest­stellen, dass Bölls Ärgernis über bestimmte deutsche Gruppenerschei­nungen eher ein Hindernis als eine Stimulanz für die komplette Entfaltung seines Schreibevermögens bildet. Seine Wut treibt ihn zu einer Karikatur, die dann dazu führt, dass sich der Leser über so eine Vergeudung von Talent und Energie ärgert."36

Eine ähnliche nicht so schmeichelhafte Reaktion liegt in Litterair Paspoort auch in Bezug auf den Roman Gruppenbild mit Dame vor. Die Komposition (Hunderte von Anekdoten) sei „schlichtweg Ärger erregend", es handle sich um „ein schwer ab­gelagertes Meisterwerk", an dessen protokollartigem Stil vor allem Staatsanwälte ihre Freude haben würden, und Bölls Suche nach objektiver Wahrheit wirke ver­krampft und unwahr.37 Mit dieser negativen Haltung steht Huyswoud übrigens in der niederländischen Kritik ziemlich alleine da. Die meisten seiner Kollegen loben den - wie sich später herausstellen sollte - bedeutendsten und erfolgreichsten Roman Bölls sehr. E. Ottevaere zum Beispiel spricht in De Standaard von einem „fesselenden und breitgespannten Zeitroman mehr als gewöhnlichen Formats"38, C. J. E. Dinaux ist beeindruckt von der „beklemmenden Liebe zum Detail"39 und Ben Bos spricht von einem „schockierenden und atemberaubenden" Buch, das von „sehr großer Intelligenz, aber auch von eisernem fachmännischem Können"40 zeugt.

Stefan Zweig und Franz Kafka

Mit ihren Beiträgen beweisen die Rezensenten von Litterair Paspoort nicht nur, dass sie einen guten Riecher für die Entwicklungen innerhalb der deutsch­sprachigen Literatur haben, sondern sie bestimmen auch in manchen Fällen den weiteren Rezeptionsverlauf einiger Autoren weitgehend mit. So zum Beispiel sollte die in der ersten Nummer von Litterair Paspoort abgedruckte Darstellung Stefan Zweigs als Ästhet und großer Intellektueller, dem es leider nicht gelungen sei, über den eigenen (stilistischen) Schatten zu springen, bis in die 1990er Jahre in der niederländischen Kritik weiter kolportiert werden.41 Und auch den Beiträgen über Franz Kafka - der in Litterair Paspoort konkurrenzlos die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht - können ohne weiteres richtungsweisenden Charakter für den Rezeptionsverlauf seiner Werke im niederländischen Sprachraum zugewiesen werden.

Zwischen 1945 und 1995 werden in niederländischen und flämischen Zeitun­gen und Zeitschriften nicht weniger als 800 Beiträge und Rezensionen über die Person und das Werk des in Prag geborenen Schriftstellers veröffentlicht.42 Viele dieser Texte erscheinen anlässlich der runden Geburts- und Sterbetage Kafkas in Sondernummern wie Nummer 29 von Litterair Paspoort aus dem Jahre 1949 (August-September).43 Diese Ausgabe ist nicht nur die erste Nummer einer nieder­ländischen Zeitschrift, die (fast) vollständig im Zeichen Kafkas steht, sondern auch die einzige Nummer der Zeitschrift Litterair Paspoort, in der einem einzelnen deutschsprachigen Autor so viel Platz auf einmal eingeräumt wird. Neben Bei­trägen über die Kafka-Rezeption in Frankreich, Deutschland, England und der Sowjetunion finden sich in der Nummer, auf deren Umschlag sechs von Kafka stammende Zeichnungen zu bewundern sind, u.a. noch zwei Beiträge44 von Jan Molitor (eig. Aimé van Santen),45 der als einer der ersten Kafkakenner davon über­zeugt ist, dass ein richtiges Verständnis von Kafkas Werk nur unter Berücksich­tigung des kulturellen Umfelds der Donaumonarchie und der tschechischen Ab­stammung Kafkas möglich sei. Molitors Plädoyer für eine biografische, historisch­kontextuelle Interpretation von Kafkas Werk - eine Interpretationsweise, der später unter anderem auch der Nederlandist und Kafka-Übersetzer Guus Sötemann große Bedeutung beimisst - ist nur eine der neueren Entwicklungen in der nieder­ländischen Kafka-Rezeption, der in Litterair Paspoort Rechnung getragen wird. Auch die immer deutlichere Distanzierung der Kritiker von einer auf Max Brods

Aufsatz Der Dichter Franz Kafka46 zurückgehenden und in der Zwischenkriegszeit in den Niederlanden stark verbreiteten religiös-mythischen Interpretation von Kafkas Werken wird in der Zeitschrift thematisiert.47

Dank Beiträgen zu einzelnen Autoren wie die verschiedenen Texte zu Franz Kafka und den vielen Überblickdarstellungen, in denen das Werk verschiedener Autoren porträtiert wird, ist es der Redaktion von Litterair Paspoort von Anfang an gelungen, die Leser der Zeitschrift über die Neuentwicklungen am deutsch­sprachigen Buchmarkt zu informieren. Neben den Exilautoren, die in Deutschland von der Kritik und der Literaturwissenschaft bis Anfang der siebziger Jahre eher stiefmütterlich behandelt wurden, erhielten auch die jüngeren Autoren immer wieder große Aufmerksamkeit. Es gehört bestimmt zu den Verdiensten der Zeit­schrift, dass Autoren und Autorengruppen wie die Gruppe 47 und die Wiener Gruppe dem niederländischen Kulturinteressenten bereits ein Begriff waren zu einem Zeitpunkt, an dem sie auch im deutschsprachigen Raum erst bekannt und in vielen Fällen ignoriert oder abgewiesen wurden.

1          Von 1946 bis 1973 erschien die Zeitschrift unter dem Namen Litterair Paspoort, von 1978 bis 1982 unter dem Namen Literair Paspoort. Einfachheitshalber wird im vorliegenden Beitrag immer die Bezeichnung Litterair Paspoort verwendet. In den Fußnoten wird der Sigel LP verwendet.

2          Vgl. P. BUURMAN, Duitse literatuur in de Nederlandse dagbladpers 1930-1955. Een histo­risch-documentair receptie-onderzoek, Amsterdam 1996.

3          „Velen gevoelen heden instinctief een afkeer van het Duitse boek, de Duitse cultuur. [...] Het literair waarderingsvermogen is veelal geschokt doordat de oorlog andersgerichte gevoelens smartelijk geraakt heeft. En op het gebied van de taal zijn wij het meest kwetsbaar. Terecht wordt elke Duitse schrijver van thans ondervraagd of hij fascist of antifascist is en alleen als dit onderzoek bevredigend uitvalt, krijgt hij een visum in zijn literair paspoort. Inderdaad zijn er in het tegenwoordige Duitsland literatoren die een vurig antifascisme belijden. Maar het kost ons moeite hun volzinnen te geloven. [...] Al klinkt het mooi - we moeten het vooreerst geloven - en het is moeilijk de natie van den bezetter te geloven. We hebben aarzelingen te overwinnen voor we zelfs een goedgezinden Duitsen auteur van heden weer oprecht kunnen aankijken." (H. DE LEEUWE, Duits lezen -nu?, in: LP, Jg. 1 (1946), Nr. 2 (März), S. 14.)

4          „met gescherpt onderscheidingsvermogen" (Ebd.)

5          „het philosophische materialisme nu uiteindelijk achter zich [zullen] laten en terugkeren naar een ideaal wereldbeeld, gecentreerd rond de Theos, bron van het hogere in de mensch en de

wereld" (H. REYKERS, Brief uit Duitsland. Over de toekomst der Duitse literatuur, in: Diet­sche Warande & Belfort, Jg. 47 (1947), S. 439-443, hier S. 441.)

6          „Alleen zal ze niet in staat zijn, de verwarring van haar ontgoochelingen te boven te komen en uit het vaarwater van het nihilisme te blijven. Ook op geestelijk gebied moeten slagbomen en grenzen worden uitgewist, en moet de jonge Duitse generatie, na al die jaren van gedwongen afzijdigheid, weer kunnen uitkijken over de wereld. Alleen goede wil en begrijpen van ALLEN kan hier helpen, want het gaat om mensen die verkeerd werden opgeleid, het gaat om misleiden, geen eigenlijke schuldigen." (Ebd.)

7          R. SCHNELL, Traditionalistische Konzepte, in: L. FISCHER (Hrsg.), Literatur in der Bundes­republik Deutschland bis 1967, Wien 1986, S. 214-229, hier S. 215.

8          „een hernieuwd contact met de uit Duitsland sedert 1933 uitgeweken schrijvers een louterende invloed op de literatuur der thuisgeblevenen zou kunnen hebben" (H. DE LEEUwE, Duits lezen - nu?, in: LP, Jg. 1 (1946), Nr. 2 (März), S. 14.)

9          Vgl. E. LOEWY, Von der Dauer des Exils, in: J. HOLZNER u.a. (Hrsg.), Eine schwierige Heim­
kehr. Österreichische Literatur im Exil 1938-1945, Innsbruck 1991, S. 35-50, hier S. 44.

10        Ebd., S. 45.

11        U. SEEBER-WEYRER, „Die Zeit im Buch". Österreichische Exilliteratur in Rezensionszeit­schriften nach 1945, in: J. HOLZNER u.a. (Hrsg.), Eine schwierige Heimkehr. Österreichische Literatur im Exil 1938-1945, S. 139-149.

12        Als Höhepunkt der Ausgrenzungspolitik gegenüber linken Autoren kann ohne weiteres den Brecht-Boykott gesehen werden. Vgl. dazu: K. PALM, Vom Boykott zur Anerkennung. Brecht und Österreich, Wien 1983.

13        K. ZEYRINGER, Österreichische Literatur 1945-1998, Innsbruck 1999, S. 71-72.

14        Vgl. zur Geschichte der Zeitschrift G. VAN GEMERT, Von Reeducation zum Wechseltausch. Ein Rückblick auf ein halbes Jahrhundert niederländisch-deutscher Kulturvermittlung aus Anlass des 50. Jahrgangs der Duitse Kroniek, in: J. ENKLAAR und H. ESTER (Hrsg.), Das Jahrhundert Berlins. Eine Stadt in der Literatur, Amsterdam/Atlanta 2000, S. 271-288. (= duitse kroniek; 50).

15        Acht Jahre lang (1946-1954) besteht die Redaktion von Litterair Paspoort nur aus Adriaan Morriën. 1954 wird die Redaktion um Jan Vermeulen und 1964 um Jan Van Geelen erweitert. Wegen finanziellen Problemen kann die Zeitschrift, die nie irgendwelche Subventionen erhalten hat, zwischen 1973 und 1978 nicht erscheinen. 1983 geht sie in die seit 1837 existie­rende Zeitschrift De Gids auf. Vgl. für eine kurze Charakterisierung und bibliografische Be­schreibung der Zeitschrift S. BAKKER, Literaire tijdschriften. Van 1885 tot heden, Amsterdam 1985, S. 302-308.

16        „liefde en belangstelling [te] wekken voor de buitenlandsche literatuur en deskundige voor­lichting [te] verstrekken bij den stroom van geschriften, die ongetwijfeld eenmaal uit den vreemde ons land zal binnenvloeien." (A. MORRIEN, Ter Inleiding, in: LP, Jg. 1 (1946), Nr.1 [Januar], S. 2.)

17        Für einen Überblick der Übersetzungen niederländischer Literatur ins Deutsche vgl. H. VAN UFFELEN, Bibliographie der modernen niederländischen Literatur in deutscher Übersetzung 1830-1990, Münster 1993.

18        Vgl. für mehr Informationen zu den Exilverlagen in den Niederlanden u.a. K. HEMSDORF u.a. (Hrsg.), Exil in den Niederlanden und in Spanien, Leipzig 1981.

19        Vgl. u.a. A.L. SÖTEMANN, Querido von 1915 tot 1990. Een uitgeverij, Amsterdam 1990.

20        Vgl. zur Biographie von Elisabeth Augustin u.a. H. HIPP, Elisabeth Augustin, tussen twee culturen, in: Ons Erfdeel, Jg. 39 (1996), S. 93-104; E. AUGUSTIN, Het patroon. Herinnerin­gen, Amsterdam 1990 und K. VAN WERINGH, Elisabeth Augustin, in: Oog in 't Zeil, Jg. 8 (1990-1991), Nr. 3 (April 1991), 64 S.

21        E. AUGUSTIN, Balans van de Duitse emigranten-literatuur, in: LP, Jg. 2 (1947), Nr. 9 (Mai), S.1-5.

22        Vgl. u.a. L. DECLOEDT, Der flämisch-niederländische Kulturraum, in: M. PFEIFER (Hrsg.), Hermann Hesses Weltweite Wirkung. Internationale Rezeptionsgeschichte, Band 3, Frankfurt am Main 1991, S. 51-64 und M. Ros, Die Niederlande, in: M. PFEIFER (Hrsg.), Hermann Hesses Weltweite Wirkung. Internationale Rezeptionsgeschichte, Band 1, Frankfurt am Main 1979, S. 31-43.

23             „psychisch verzet" (E. AUGUSTIN, Hermann Hesse's ,Glasperlenspiel'. Een protest tegen cadaver-gehoorzaamheid, in: LP, Jg. 4 (1949), S. 121-125, hier S. 121.)

24        „dat de teutoonsche vernietigingswoede ook en nog altijd haar keerzijde heeft" (E.S. WILLARTZ, Gerechtvaardigde bekroning van een Grijsaard, in: LP, Jg. 2 (1947), Nr. 7 (Januar), S. 1-2, hier S. 1.)

25        „goede Duitscher, die - ondanks zijn naturalisatie tot Zwitser - het volk, dat hij eens uit de onhoudbaarheid van zijn toestand een waardige weg naar herstel wees, toch in zijn afschuwelijkste dwaling en diepste val niet heeft kunnen verloochenen" (Ebd.)

26        „naar men mag aannemen ook onder invloed van de politieke ontwikkeling in Duitsland, de noodzaak van een strengere tucht en zelftucht ingezien" (E. AUGUSTIN, Hermann Hesse's , Glasperlenspiel `. Een protest tegen cadaver-gehoorzaamheid, S. 121.)

27        Ebd., S. 122.

28        Vgl. L.DECLOEDT, Der zeitgenössische Hofnarr. Die Rezeption Heinrich Bölls (1917-1985) im niederländischen Sprachraum, in: J. ENKLAAR und H. ESTER (Hrsg.), Ungenaue Grenze. Deutsch-Niederländische Beziehungen in Vergangenheit und Gegenwart, Amsterdam/Atlanta 1994, S. 215-221. (= duitse kroniek; 44)

29        Vgl. B. SOWINSKI, Heinrich Böll, Stuttgart 1993, S. 157-158.

30             Abgesehen vom Englischen und Französischen war das Niederländische 1975 die einzige Sprache, in die alle bis dahin von Böll veröffentlichten Werke übersetzt worden waren. (Vgl.

W. MARTIN, Heinrich Böll: Eine Bibliographie seiner Werke, Hildesheim/New York 1975, S. 231.) Aber auch nach 1975 vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht ein neues Werk von Böll übersetzt oder eine frühere Übersetzung neu aufgelegt wird.

31        Zu den Böll-Übersetzern gehören u.a. Michel van der Plas, W. Wielek-Berg, J.W.F. Werumeus Bunning, Adriaan Morrien und Jan Blokker. 1964 erscheint A. Morriëns Über­setzung von Bölls Theaterstück Ein Schluck Erde beim Verlag Elsevier unter dem Titel Een slok aarde. Een toneelstuk in drie bedrijven. Böll selber hat 1955 zusammen mit G. Goyert und W. Bächler Morriëns Erzählungsband Een slordig mens als Ein unordentlicher Mensch beim Biederstein-Verlag (München) herausgegeben.

­32        Vgl. B. SOWINSKI, Heinrich Böll, S. 10.

33        Im selben Jahr erscheint beim Amsterdamer Verlag Allert de Lange die niederländische Über­setzung Eng is de poort von Michel van der Plas.

34             „Slechts de armen, vertrapten, zwakken, die alleen nog de gevolgen van de catastrophe te dragen hebben, zijn nader tot God gekomen. Böll predikt dat niet: hij geeft het vorm, uit de ervaring van het lijden; zonder phrasen, met een echtheid en een overtuigingskracht als de sociale en religieuze roman (het boek is beide tegelijk) in Duitsland slechts zelden bereikt heeft. Zijn roman is van een zedelijke hardheid en een dichterlijke kracht, die u diep in de ziel grijpen en ontstellen." (W. BÄCHLER, Tussen hoop en wanhoop, in: LP, Jg. 8 (1953), S. 185­186, hier S. 185.)

35        „zonder ideologische misvorming, maar ook zonder verontschuldiging." (A. MORRIËN, De Duitse werkelijkheid, in: LP, Jg. 10 (1955), S. 2-4, hier S. 3.)

36        „De reeks bekrompen, huichelachtige, zelfingenomen harteloze snobs, strevers en opportunis­ten die hier aan het woord komen zijn zo duidelijk de personfiikaties van Bölls opinies en res­sentimenten dat ze als mensen ongeloofwaardig worden. [...] De lezer moet helaas constateren, dat Bölls ergernis over bepaalde duitse groepsverschijnselen eerder een beletsel vormdt dan een stimulands voor de volledige ontplooiing van zijn schrijfvermogen. Zijn woede drijft hem tot een karikatuur die op haar beurt ergernis wekt bij de elzer over zo's verspilling van talent en energie." (H. MULDER, „De christen in een narrenpak". In: LP, 1962, S. 102-103, hier S. 103.)

37        „ronduit ergerniswekkend"; „een zwaar belegen meesterwerk" (S. HUYSWOUD, „Heinrich Böll's ,Meesterwerk`," LP, 1972, 121-122, hier 122.)

38             „boeiende en breedgespannen tijdsroman van meer dan gewoon formaat" (E. OTrEVAERE,

„De nieuwe Böll is complexer," De Standaard, 27.03.1971.)

39             „beklemmend detaillisme" (C.J.E. Dinaux, „Heinrich Böll presenteert haar," Vrij Nederland,

21.08.1971.)

40             „schokkend en adembenemend"; „zeer grote intelligentie maar ook van ijzersterk vakman­
schap" (B. Bos, „Hoogtepunt in Werk van Heinrich Böll," De Nieuwe Linie, 07.10.1971.)

41        F.W. VAN HEERIKHUIZEN, In Memoriam Stefan Zweig, in: LP, Jg. 1 (1946), Nr.l (Januar), S. 4-5, hier S. 4. Vgl. u.a. auch C. VAN ESTERIK, Laten we Dostojevski inkorten. Roze herin­neringen aan Stefan Zweig, in: NRC, 22.03.1991 und W. BOESTEN, Stefan Zweig. Een Euro­peaan van gisteren, in: De Groene Amsterdammer, 01.05.1991.

42        Diese Zählung beruht auf den vorläufigen Ergebnissen des am Wiener Institut für Germanis­tik/Nederlandistik durchgeführten und vom österreichischen Bundesministerium für Wissen­schaft, Forschung und Kunst, vom Niederländischen Ministerium für Forschung und Wissen­schaft und vom Kultusministerium der Flämischen Gemeinschaft unterstützten Projekts „Rezeption der deutschsprachigen Literatur im niederländischen Sprachraum".

43        Über die Hintergründe der Entstehung dieser Sondernummer vgl. K. HILBERDINK, Dans le gout de Kafka`. Paul rodenko en Franz Kafka, in: Kafka-Katern, Jg. 5 (1997), Nr. 4 (November), S. 82-85.

44        J. MOLITOR, Kafka en de Tsjechen, in: LP, Jg. 4 (1949), Nr. 29 (August-September), S. 101­107 und DERS., Biografische aantekeningen, in: Ebd., S. 116-118.

45        N. Bokhove, Reiziger in scheerapparaten. Kafka in Nederland en Vlaanderen. Overzicht, bloemlezing en bibliografie van de receptie van Franz Kafka's werk in het Nederlandse taal­gebied, Amsterdam 1984 und DERS., „Dat hopeloze stadje hier". Olomouc als bakermat van Aimé van Santens Kafka-Visie, in: L. DECLOEDT u.a. (Hrsg.), 50 jaar neerlandistiek in Marovië - 50 let nederlandistiky na moravë, Brno/Olomouc 1999, S. 245-267.

46        M. BROS, Der Dichter Franz Kafka, in: Die neue Rundschau, Jg. 32 (1921), Nr. 11. 47 A. MORRIËN, Ter Inleiding, in: LP, Jg. 3 (1949), S. 97-98, hier S. 98.