Einsatz von KI beim wissenschaftlichen Schreiben – was darf ich?

Was darf ich?

KI-Einsatz beim wissenschaftlichen Schreiben

Rechtliche und ethische Herausforderungen

Die Higher Order Concerns (HOCs), die die zentralen Lernziele einer universitären Ausbildung wie Eigenständigkeit, kritisches Denken und die Entwicklung einer klaren Argumentation widerspiegeln, bieten eine ideale Grundlage, um den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Tools im akademischen Schreiben zu steuern und gleichzeitig die Qualität sowie die Authentizität der eigenen Arbeit zu bewahren.

Inhaltliche und strukturelle Qualität eines Textes

HOCs legen den Fokus auf die inhaltliche und strukturelle Qualität eines Textes – Aspekte, die eng mit der Eigenleistung, der Fähigkeit zur kritischen Reflexion und der Entwicklung einer eigenen Argumentation verbunden sind. Folgende Grundprinzipien sollten Sie beim Einsatz vom KI im wissenschaftlichen Schreiben beachten:

Die Eigenständigkeit im Vordergrund
HOCs erfordern, dass Sie selbst das Thema Ihres Textes klar eingrenzen, Ihre Argumentation logisch aufbauen und Ihre Gedanken präzise formulieren. Wenn KI-Tools verwendet werden, dürfen diese lediglich als Unterstützung dienen, um Denkanstöße zu geben oder Perspektiven zu erweitern. Ihre eigene kreative und analytische Leistung bleibt jedoch das Herzstück der Arbeit. Dies entspricht dem Prinzip, dass Sie Autor*in Ihrer Arbeit bleiben und die KI nur als Hilfsmittel betrachten.
KI-Output kritisch beurteilen und anpassen
Die Fähigkeit, die Relevanz von Argumenten und die Qualität von Vorschlägen zu beurteilen, ist ein zentraler Bestandteil der HOCs, insbesondere in Bezug auf die Kohärenz und Logik des Textes. Indem Sie KI-generierte Inhalte kritisch prüfen, passen Sie diese an Ihre eigene Argumentation an und verhindern, dass die Authentizität Ihrer Arbeit leidet. Dies reflektiert den Dialog-Ansatz, der dazu ermutigt, KI-Vorschläge zu hinterfragen und zu überprüfen, ob sie wirklich zum eigenen Ansatz passen.
Eigene Sprache und Perspektive bewahren
Die HOCs betonen die Kohärenz und die Abstimmung auf die Zielgruppe, was bedeutet, dass die eigene Sprache und Perspektive im Text erhalten bleiben müssen. Wissenschaftliche Arbeiten sind nicht nur eine Aneinanderreihung von Fakten, sondern ein Ausdruck individueller Überlegungen und Erkenntnisse. Dieses Prinzip unterstreicht die Wichtigkeit, KI-Formulierungen kritisch zu überarbeiten und an den eigenen Stil anzupassen.
„Copy-Paste“-Falle vermeiden
HOCs fordern Originalität und Eigenleistung, insbesondere bei der Themenwahl und Argumentation. Wenn KI lediglich Inspiration liefert und ihre Inhalte transformiert und in eigenen Worten ausgedrückt werden, entspricht dies genau dem Ziel der HOCs: eine authentische, persönliche und durchdachte Arbeit zu schaffen. Das direkte Kopieren hingegen würde den Grundsätzen wissenschaftlicher Integrität widersprechen.

Wenn Sie sich an den Higher Order Concerns und damit an den Lernzielen einer universitären Ausbildung orientieren, können Sie nicht so viel falsch machen. Diese spiegeln sich auch in den Guidelines zum KI-Einsatz der Universität Wien wieder. Allerdings gilt immer: Sie müssen sich auch an die Vorgaben der jeweiligen Lehrveranstaltung halten! Wenn die LV-Leitung den Einsatz von KI nur in restriktiverem Umfang oder gar nicht erlaubt, müssen Sie sich daran halten.

HOCs nicht nur die Grundlage für eine hochwertige akademische Arbeit bilden, sondern auch Orientierung bieten, wie KI sinnvoll und reflektiert eingesetzt werden kann. Indem Studierende die Prinzipien der Eigenständigkeit, Reflexion und Authentizität befolgen, integrieren sie die Stärken der KI in ihren Schreibprozess, ohne die grundlegenden Lernziele einer universitären Ausbildung aus den Augen zu verlieren. Die HOCs bleiben dabei der Kompass, der die Qualität und Eigenständigkeit der Arbeit sicherstellt.

Die rechtlichen Aspekte des KI-Einsatzes: Eine Betrachtung entlang von HOCs und LOCs

Beim Einsatz von KI sind immer auch rechtliche Aspekte zu beachten. Auch hier können die HOCs und LOCs helfen, den Rahmen, in dem Sie KI nutzen können, besser zu verstehen. Während HOCs die inhaltlichen und strukturellen Elemente eines Textes betreffen, beziehen sich LOCs auf sprachliche und formale Details. Jede Ebene birgt eigene rechtliche Fragestellungen.

Higher Order Concerns (HOCs): Rechtliche Herausforderungen

HOCs bilden das Fundament eines jeden Textes. Hier geht es um Themenwahl, Argumentation, Struktur und Kohärenz. Der Einsatz von KI in diesen Bereichen wirft komplexe Fragen rund um Urheberrecht, Plagiat und Originalität auf.

Themenwahl und Recherche

  • Rechtliche Risiken: KI-Tools wie ChatGPT oder Connected Papers nutzen große Datenmengen, die urheberrechtlich geschützt sein könnten. Vorschläge für Themen oder Quellen, die von KI generiert werden, könnten unkritisch übernommen werden, ohne dass diese korrekt zitiert werden. Dies birgt das Risiko von Plagiat oder einer Verletzung des Urheberrechts.
  • Empfehlung: Studierende sollten transparent machen, dass KI-Tools verwendet wurden und die vorgeschlagenen Inhalte durch eigene Überlegungen ergänzen. Quellen sind sorgfältig zu prüfen und korrekt anzugeben.

Argumentation und Logik

  • Rechtliche Risiken: KI generiert Argumente oft auf Basis vorhandener Texte, ohne die Ursprungsquellen anzugeben. Dies kann problematisch sein, wenn die Argumente auf geschützten Werken beruhen.
  • Empfehlung: Es ist wichtig, die von der KI generierten Inhalte kritisch zu hinterfragen und durch eigene, gut belegte Argumente zu stützen.

Strukturierung und Gliederung

  • Rechtliche Risiken: Eine von der KI vorgeschlagene Gliederung könnte als unzureichende Eigenleistung ausgelegt werden, insbesondere in wissenschaftlichen Arbeiten. Originalität ist hier entscheidend.
  • Empfehlung: Studierende sollten KI-gestützte Gliederungsvorschläge lediglich als Inspirationsquelle nutzen und sie eigenständig anpassen.

Later Order Concerns (LOCs): Weniger komplexe rechtliche Fragestellungen

LOCs betreffen sprachliche Korrekturen und formale Details, die meist keine grundlegende Eigenleistung voraussetzen. Dennoch gibt es auch hier rechtliche und datenschutzrechtliche Aspekte zu beachten.

Grammatik und Stilkorrekturen

  • Rechtliche Risiken: Bei der Nutzung von KI-Tools wie Grammarly oder DeepL Write könnten sensible oder personenbezogene Daten unabsichtlich an externe Server gesendet werden.
  • Empfehlung: Achten Sie darauf, keine vertraulichen Inhalte hochzuladen.

Rechtschreibung und Formatierung

  • Rechtliche Risiken: Automatische Korrekturen stellen in der Regel kein rechtliches Problem dar, solange keine inhaltlichen Änderungen vorgenommen werden, die als Eigenleistung gelten könnten.
  • Empfehlung: Solche Tools können bedenkenlos genutzt werden, trotzdem müssen Sie auch hier das Output genau prüfen.

Lesbarkeit und Stilverbesserungen

  • Rechtliche Risiken: Einige Stilvorschläge könnten auf urheberrechtlich geschützten Werken beruhen, die von der KI während des Trainings verarbeitet wurden. Übermäßige Nutzung von KI könnte zudem die Eigenleistung der Studierenden infrage stellen.
  • Empfehlung: Sie sollten den von der KI vorgeschlagenen Stil anpassen und sicherstellen, dass ihr eigener Schreibstil erhalten bleibt.

Vergleich: HOCs und LOCs in Bezug auf rechtliche Fragen

AspektHOCsLOCs
Rechtliche RisikenUrheberrecht, Plagiatrisiko, OriginalitätDatenschutz, stilistische Eigenleistung
RelevanzHöher, da sie die wissenschaftliche Basis betreffenGeringer, da sie meist unterstützend wirken

Praktische Empfehlungen für einen rechtssicheren KI-Einsatz

  1. Transparenz wahren:
    Sie müssen offenlegen, wo und wie KI-Tools im Schreibprozess genutzt wurden, insbesondere bei HOCs wie Recherche oder Strukturierung.
  2. Eigenleistung hervorheben:
    KI-Vorschläge sollten individuell überarbeitet werden, um Originalität sicherzustellen.
  3. Datenschutz beachten:
    Bei der Nutzung von Tools für LOCs sollten keine sensiblen oder personenbezogenen Daten hochgeladen werden.
  4. Grenzen der KI-Nutzung kennen:
    KI sollte unterstützend wirken und niemals die eigene Leistung ersetzen. Der Fokus bei wissenschaftlichen Arbeiten liegt weiterhin auf der Eigenständigkeit.

Fazit: Ein reflektierter Umgang mit KI

Die klare Trennung von HOCs und LOCs ermöglicht es, den Einsatz von KI gezielt zu planen und rechtliche sowie ethische Risiken zu minimieren. Während der Einsatz bei HOCs eine sorgfältige Reflexion erfordert, bieten LOCs oft mehr Spielraum. Studierende sollten stets bewusst und eigenverantwortlich mit KI arbeiten, um sowohl qualitativ hochwertige als auch rechtlich einwandfreie Texte zu erstellen.