Zu Beginn muss man ein konkretes Thema und das Erkenntnisinteresse (Forschungsinteresse) formulieren. Das nennt man im wissenschaftlichen Forschungsprozess auch Gegenstandsbestimmung.
Das Thema finden
Obwohl Sie im Laufe Ihres Studiums das ein oder andere Thema bereits fix und fertig formuliert zur Bearbeitung bekommen werden, müssen Sie in der Lage sein, ein wissenschaftliches Thema selbst zu formulieren, und zwar so, dass dieses Thema auch unter den gegebenen Rahmenbedingungen (Umfang, Zeit, Möglichkeiten) bearbeitbar ist.
Themenfindung und erste Annäherung
Der erste Schritt besteht darin, sich dem zuvor gefundenen Thema bzw Themenbereich anzunähern. Hier hilft es, sich Fragen wie ‚Was interessiert mich an diesem Thema?‘ oder ‚Welche spezifischen Aspekte möchte ich untersuchen?‘ zu stellen.
Einsatz von Kreativtechniken
Kreativtechniken wie Brainstorming, Clustering oder Mind Mapping können sehr hilfreich sein, um Ideen zu sammeln und eine erste Struktur zu finden. Beim Brainstorming notieren wir alle Begriffe und Ideen, die uns zum Thema einfallen, ohne uns anfangs zu sehr auf einen bestimmten Fokus festzulegen. Clustering und Mind Mapping helfen dann, die Ideen zu ordnen und mögliche Schwerpunkte herauszuarbeiten.
Beispiel: Wir schreiben ‚Kiezdeutsch‘ in die Mitte eines Blattes und notieren darum herum verwandte Themen, wie z.B. ‚Jugendsprache‘, ‚Migration‘, ‚soziale Identität‘ und ‚Einflüsse aus anderen Sprachen‘. So könnte sich ein Schwerpunkt auf soziale und kulturelle Einflüsse entwickeln.
KI Tools zur Unterstützung bei der Themenfindung
An dieser Stelle können generative KI-Tools wie ChatGPT etc helfen. Sie brauchen zu Beginn nur eine grobe Idee, dann können Ihnen KI Tools beim Konkretisieren eines Themas helfen:
beim Brainstormen zu helfen, um ein Thema zu konkretisieren, zu strukturieren und mögliche Forschungsfragen zu finden.
- Brainstorming
- Ideen strukturieren
- Vorschläge für Forschungsfragen
Durch die Interaktion mit ChatGPT können Sie ihre Gedanken verfeinern und ein klareres Verständnis für Ihr Thema entwickeln.
Mögliche Prompts:
"Ich will eine Arbeit schreiben zum Thema XY. Worüber könnte ich schreiben?" "Brainstorme Ideen zum Thema XY."
Beachten Sie aber: Generative KI Tools wie ChatGPT etc sind in der Regel nicht als Wissensmaschinen konzipiert, sondern sie sollen Texte generieren. Daher müssen Sie alle Informationen, die Ihnen die Tools auswerfen, immer überprüfen!
Am besten gefällt uns hier die Idee, Kiezdeutsch mit einer anderen Jugendsprache zu vergleichen. Somit haben wir ein Thema für unsere Arbeit gefunden:
Ergebnis: Vergleich von Kiezdeutsch mit einer anderen Jugendsprache.
Das Thema eingrenzen
Nachdem wir jetzt grob wissen, worüber wir unsere Arbeit schreiben möchten, müssen wir uns überlegen, worüber wir genau schreiben möchten.
Beispiel Thema eingrenzen: Wir wollen in unserer Arbeit Kiezdeutsch mit anderen Jugendsprachen vergleichen und schauen, was ChatGPT uns hier vorschlägt.
Prompt: Ich möchte Kiezdeutsch mit anderen Jugendsprachen vergleichen und zwar mit einer Jugendsprache aus Österreich.
ChatGPT:
Für einen Vergleich von Kiezdeutsch mit einer österreichischen Jugendsprache könnten Sie folgenden Ansatz wählen:
- Auswahl einer spezifischen österreichischen Jugendsprache: Zunächst sollten Sie eine spezifische Jugendsprache oder einen jugendsprachlichen Dialekt aus Österreich identifizieren, der für einen Vergleich geeignet ist. In Österreich gibt es, ähnlich wie in Deutschland, regionale Varietäten, die von Jugendlichen gesprochen werden und die sich in Wortschatz, Aussprache und Grammatik vom Standarddeutschen unterscheiden. Ein Beispiel hierfür könnte der Wiener Jugendslang sein, der in der österreichischen Hauptstadt verbreitet ist.
- Charakterisierung beider Sprachvarianten: Beginnen Sie mit einer detaillierten Beschreibung der charakteristischen Merkmale beider Sprachvarianten. Dies umfasst Aspekte wie Syntax, Morphologie, Wortschatz, Aussprache und mögliche Einflüsse anderer Sprachen. Notieren Sie spezifische Ausdrücke, Phrasen oder Konstruktionen, die für jede Varietät typisch sind.
- Soziokultureller Kontext: Untersuchen Sie den soziokulturellen Hintergrund, in dem beide Jugendsprachen entstanden sind und verwendet werden. Betrachten Sie Faktoren wie Migration, Multikulturalität, soziale Zugehörigkeit und Identitätsbildung, die die Entwicklung und Verbreitung dieser Sprachvarianten beeinflussen könnten.
- Funktion und Identität: Analysieren Sie, wie Jugendliche die beiden Sprachvarianten nutzen, um Zugehörigkeit zu einer Gruppe auszudrücken, Identität zu konstruieren oder sich von anderen Generationen oder sozialen Gruppen abzugrenzen. Untersuchen Sie auch, wie diese Sprachen als Mittel der Selbstausdruck und Gruppenzugehörigkeit dienen.
- Einstellungen und Wahrnehmungen: Erforschen Sie, wie die Gesellschaft auf beide Jugendsprachen reagiert. Dies beinhaltet Einstellungen von Außenstehenden, Medienrepräsentationen und die Reaktion des Bildungssystems. Vergleichen Sie, ob und wie diese Einstellungen die Nutzung und Akzeptanz der Sprachvarianten beeinflussen.
- Entwicklungstrends: Untersuchen Sie, wie sich beide Jugendsprachen im Laufe der Zeit entwickelt haben und welche aktuellen Trends erkennbar sind. Betrachten Sie dabei auch den Einfluss von Medien und Technologie auf die Sprachentwicklung und -verbreitung.
- Zukunftsperspektiven: Reflektieren Sie über die mögliche Zukunft beider Jugendsprachen. Überlegen Sie, wie sich gesellschaftliche Veränderungen, technologischer Fortschritt und kulturelle Dynamiken auf ihre Entwicklung und Verbreitung auswirken könnten.
Wir entscheiden uns dafür, Kiezdeutsch mit dem Wiener Jugendslang zu vergleichen und wollen das Thema noch weiter eingrenzen.
Wie wir sehen, ist das eine ganze Reihe von Aspekten, die man zum Thema Kiezdeutsch im Vergleich mit anderen Jugendsprachen im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeiten behandeln könnten. Das ist jedoch ein sehr großes Thema, das wir unbedingt noch weiter eingrenzen müssen, denn:
Das Thema einer wissenschaftlichen Arbeit muss im vorgegebenen Rahmen (= Seitenumfang und Zeit) so bearbeitbar sein, dass eine tiefergehende Auseinandersetzung möglich ist. Man kann nie alle interessanten Aspekte eines Themas untersuchen.
Daher müssen wir unser Thema noch weiter eingrenzen. Wir legen zunächst fest, mit welcher oder welchen andere(n) Jugendsprachen wir Kiezdeutsch vergleichen möchten. Wir entscheiden uns dafür, Kiezdeutsch mit einer anderen österreichischen Jugendsprache zu vergleichen und zwar mit dem Wiener Jugendslang.
Ergebnis: Vergleich von Kiezdeutsch mit dem Wiener Jugendslang.
Das ist prinzipiell ein guter Ausgangspunkt. In den nächsten Schritten geht es jetzt darum zu überlegen, welche Aspekte wir zwischen diesen beiden Jugendsprachen vergleichen möchten, denn alles, was ChatGPT uns vorgeschlagen hat, wäre nicht im vorgegebenen Rahmen bearbeitbar. Zur weiteren Präzisierung des Themas brauchen wir eine oder mehrere konkrete Forschungsfragen, die definieren, was genau wir untersuchen möchten.
Das Finden und Präzisieren eines Themas ist ein Prozess und es ist ganz normal, dass man sich zunächst in verschiedene Richtungen bewegt, bevor man genau weiß, wohin das Thema gehen soll. Dies geht in der Regel damit einher, dass Sie sich zunächst Wissen anlesen müssen, um überhaupt in der Lage zu sein, zu beurteilen, welche Aspekte eines Themas Sie bearbeiten können. Ob und wie viel Sie sich anlesen müssen, hängt davon ab, wie viel Sie über den Bereich, in dem Sie sich bewegen, bereits wissen. Ohne Lesen wird es jedoch nicht gehen.
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