Bibliographische Angaben

Josef Pauser:
Der Zwettler Gerichtsdiener in der Frühen Neuzeit.
Zur Rechts- und Sozialgeschichte eines subalternen städtischen Exekutiv- und Justizorgans
(= Zwettler Zeitzeichen 8), Zwettl 2002

Verlag: Stadtgemeinde Zwettl
ISBN: 3-902138-07-6
Seiten/Umfang: 72 Seiten, 43 Abbildung(en) – 20 × 23 cm
Erschienen: 1. Auflage 12.2002
Gewicht: 250 g
Preisinfo: 10,00 Eur[D] / 10,00 Eur[A]

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Klappentext

Gering waren bislang die Kenntnisse über die Tätigkeit der sogenannten Gerichtsdiener. Anhand der Zwettler Quellen versucht die vorliegende Studie nun ein wenig Licht in die Rechts- und Sozialgeschichte dieses in der frühen Neuzeit wenig geachteten und auf der untersten hierarchischen Stufe angesiedelten Amts zu bringen.

Der Zwettler Gerichtsdiener erfüllte als subalternes Hilfspersonal von „Richter und Rat“ eine Fülle von Aufgaben im Bereich der Verwaltung wie auch im nieder- und hochgerichtlichen Strafwesen: Er überwachte und kontrollierte die städtische Ordnung, rief die Kundmachungen des Rats aus, stellte Verfahrensanordnungen und Urteile zu, verhaftete Übeltäter, vollzog die niedergerichtlichen Urteile, führte die Gefängnisaufsicht, stand dem Scharfrichter hilfreich zu Seite und vieles mehr … Er war geradezu der mit funktionaler Allzuständigkeit versehene, verlängerte Arm der städtischen Obrigkeit, durch ihn wurde Herrschaft ausgeübt.
Der Berufstand der Gerichtsdiener hatte aber mit einem besonderen Ehrenmakel zu kämpfen. Er galt ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert als „unehrbar/unehrlich“, wobei damit keine moralisches Unwerturteil gefällt wurde, sondern eine sozialer Status innerhalb der ständisch strukturierten Gesellschaft beschrieben war. Insbesondere die Tätigkeit im Bereich des hochgerichtlichen Strafvollzugs dürfte dafür die Ursache gewesen sein. Der Nimbus der „Unehrbarkeit“ zeichnete sich besonders deutlich im Kontakt mit dem Handwerk ab, das eine starke Abgrenzungsstrategie verfolgte und Söhnen von Gerichtsdienern den Zugang zu den Zünften strikt verwehrte. Die Ausübung eines ehrbaren Berufs war diesen damit verwehrt. Berufschancen gab es nur innerhalb des eigenen unehrlichen Stands; fand man keine Stelle, bestand die Gefahr, dass man als herumvagierender Bettler oder gar Kleinkrimineller das Auskommen finden musste. Reichsgesetzgebung wie landesfürstliche Gesetzgebung des 17. und 18. Jahrhunderts versuchten zwar dieses Problem zu beseitigen, ohne jedoch in der Praxis umfassende Verhaltensänderungen bewirken zu können.

Modern gesprochen könnte man den Gerichtsdiener als ein Exekutiv- wie auch Justizorgan charakterisieren. Seine vielfältigen Funktionen üben heute so angesehene Berufe wie etwa der des Gendarmeriebeamten, Polizisten, Justizwachebeamten, Gerichtsvollziehers, Postboten usw. aus.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Inhaltsübersicht

A. Einleitung

B. Aufgaben des Gerichtsdieners
1. Überwachung und Kontrolle
2. Ausrufen der Verlautbarungen und Kundmachungen des Rates
3. Aufwarten – Ratssitzungen
4. Exekution der Verfahrensanordnungen
5. Exekution der Urteile
6. Landgerichtliche Dienste
7. Gefängnisaufsicht
8. Durchführung und Begleitung von Personentransporten
9. Nebentätigkeit: Hüteraufgaben
10. Exkurs: Ausdifferenzierung und Aufgabenverteilung des städtischen Exekutivpersonals (Türmer, Tor-, Nachtwächter, Wachtmeister, Ratsdiener)

C. Voraussetzungen für das Amt des Gerichtsdieners
1. Herkunft, Empfehlungen
2. Ausbildung und sonstige Voraussetzungen
D. Bestellung und Pflichten des Gerichtsdieners
1. Bestellung
2. Amtsdauer
3. Pflichten

E. Einkommensstruktur und Rechte des Gerichtsdieners
1. Besoldung und Naturaldeputate
2. Gebühren
3. Arrestgeld
4. Standgelder des Wochenmarktes
5. Einnahmen aus den Jahrmärkten
6. Einnahmen aus der Wiesen- und Feldhut
7. Erträgnisse aus der Tätigkeit als Spielunternehmer
8. Nutzungsrechte (Dienstwohnung, landwirtschaftliche Gründstücke)
9. Altersversorgung, Ablösen
10. Witwen- und Waisenversorgung
11. Besoldungsreform durch die Gaisrucksche Instruktion 1746
12. Einkommensvergleich und Kaufkraft

F. Unehrlichkeit als Problem
1. Unehrlichkeit der Gerichtsdiener in Zwettl
2. Gerichtsdiener als Kriminelle
3. Beseitigung der Unehrlichkeit durch Gesetze und Ehrenbriefe

G. Konfliktpotential des Amts
1. Gegen den Gerichtsdiener gerichtete Gewalt
2. Gewalttätige Kompetenzkonflikte
3. Feldhut
4. Gewaltanwendung durch den Gerichtsdiener

H. Schlussbemerkungen

Anhang
1. Supplikation der unterderennsischen Markt-, Stadt- und Landgerichtsdiener an Kaiser Joseph I. als Landesfürst von Österreich unter der Enns wegen Erteilung von Ehrenbriefen, o. O. 1705
2. Gutachten von Bürgermeister, Richter und Rat der Städte Krems und Stein an die Nö. Regierung über die Supplikation der Markt-, Stadt- und Landgerichtsdiener, Krems, s.d. [September 1707]
3. Gutachten der Verordneten der Landstände von Österreich unter der Enns an die Nö. Regierung über die Supplikation der Markt-, Stadt- und Landgerichtsdiener, Wien, 24. September 1707
4. Neuerliche Supplikation der unterderennsischen Gerichtsdiener an den Landesfürsten von Österreich unter der Enns wegen Erteilung von Ehrenbriefen, o. O. o. J. [nach 1705]

Maße, Gewichte und Währungen

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Rezensionen zum Band

  • In: Das Waldviertel 52 (2003), S. 225-226 (Roman Zehetmayer)
  • In: Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich 75 (2004), S. 85-86 (Andrea Pühringer)
  • In: Zeitschrift für Rechtsgeschichte/Germanistische Abteilung 121 (2004), S. 777 (Gerhard Köbler)
  • In: MIÖG 113 (2005), S. 241-242 (Herwig Weigl)