Bibliographische Angaben

Josef Pauser:
»
lust on nutz vnd eer / hat kainen bstand« – Studien zu Spiel und Recht am Beginn der Neuzeit,
jur. Diss. Wien 2000, 505 Seiten

Die Dissertation via

Abstract:

Die vorliegende Arbeit untersucht rechtshistorische Aspekte des Spiels in der Frühen Neuzeit. Die Darstellung orientiert sich dabei vornehmlich an österreichischen Quellen. Anhand einer juristischen Disputation des Hofhistoriographen Jakob Mennel (ca. 1460-1526) aus dem Jahr 1498 – die der Autor Maximilian I. gewidmet hatte –, wird zuerst gezeigt, ob das Schachspiel nach dem Römischen und Kanonischen Recht um 1500 als erlaubt angesehen wurde. Nach dem Herrscherhof rückt die Universität in das Blickfeld, wobei der am Beginn des 16. Jahrhunderts von dem bekannten Franziskanermönch Thomas Murner (1457-1537) erstmals im größeren Umfang verwerteten und eingesetzten didaktischen Methode des Lehrkartenspiels das Augenmerk gilt. Murner erfand nämlich ein juristisches Lehrkartenspiel („Chartiludium institute“), welches den Studenten des Römischen Rechts das „Einführungslehrbuch“ – die Institutionen Justinians – spielerisch näherbringen sollte. Hierauf wird im umfangreichsten Teil der Arbeit der Frage nachgegangen, wie das Spiel nun mittels der landesfürstlichen Gesetzgebung bekämpft werden sollte. Nach einer Analyse der Inhalte der landesfürstlichen Spielgesetze, wobei vor allem die österreichischen Policeyordungen des 16. Jahrhunderts herangezogen wurden, wird die Umsetzung der landesfürstlichen Spielgesetzgebung exemplarisch anhand der Praxis zweier landesfürstlicher Städte aus Niederösterreich (Krems-Stein, Zwettl) dargestellt. Als Ergebnis kann festgehalten werden, daß es bei der frühneuzeitlichen Bekämpfung des Spiels vor allem um das Spielen um Geld ging. Spielen um geringen Einsatz blieb aber weitgehend erlaubt, nur höherem Geldeinsatz stand man sehr skeptisch gegenüber. Auch zeigen sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts bereits Ansätze einer Monopolisierung des öffentlichen Glücksspiels in der Hand des Landesfürsten.