Gendermarkierung im Finnougrischen

Typisches

Die fiu. Gendermarkierung ist optional: Movierung ist nicht nötig, außer evtl. bei lexikalem Genus.

Die Agensnomina können problemlos für beide Geschlechter verwendet werden (fi. näyttelijä ‘Schauspieler’ heute für beide Geschlechter, neben näyttelijä+tär ‘Schauspielerin’; fi. kätilö ‘Hebamme; Geburtshelfer’ und sairaanhoitaja ‘Krankenpfleger(In)’).

Die fiu. Gendermarkierung ist sekundär, oft nach fremdem Vorbild (Lehnwörter, Lehnübersetzungen, Lehnsuffixe) und durch bewusste Sprachplanung (v.a. im 19. — frühen 20. Jh.) entstanden, tendiert wieder zu verschwinden:

Die Movierungsfeminina sind oft beweisbar jung: In den zeitgenössischen Dokumenten wird Maria, die erste regierende Königin Ungarns [reg. 1382-1385], király ‘König’ statt király+nő genannt, Königin Christina von Schweden [1626-1689] auf finnisch drotningi (< schwed. drottning ‘Königin’) statt kuninga+tar, auf estnisch kuningas ‘König’ statt kuninga+nna.

Neue Movierungsfeminina sind selten: die meisten fi. Movierungsfeminina bezeichnen typische Frauenberufe des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts (fi. laulaja+tar ‘Sängerin’, opettaja+tar ‘Lehrerin’, sairaanhoitaja+tar ‘Krankenschwester’, konekirjoittaja+tar ‘Stenotypistin’ — aber keine *lääkäri+tär ‘Ärztin’, *professori+tar ‘Professorin’, *insinööri+tär ‘Ingenieurin’, *lavastaja+tar ‘Bühnenarchitektin’, *pianisti+tar ‘Pianistin’, *atk-operaattori+tar ‘EDV-Operatorin’).

Movierungsfeminina sterben aus? Mila Engelberg in Virittäjä 1998: im fi. offiziellen Berufsverzeichnis gab es 1950 noch 84 Femininableitungen, unter diesen 77 auf -tAr; von diesen hat nur myyjä+tär ‘Verkäuferin’ bis 1990 überlebt. Fi. laulaja+tar ‘Sängerin’ assoziiert mit klassischen Lied- oder Opernsängerinnen, Rock- und Popsängerinnen nennen sich laulaja.

Die fiu. Gendermarkierung ist entweder symmetrisch:

X [neutral]X-fem. (optional)X-mask. (optional)
Ung. özvegy ‘Witwe(r)’ özvegy+asszony "Witwe(r)-Dame" özvegy+ember "Witwe(r)-Mensch"
Fi. leski id. leski+vaimo "Witwe(r)-(Ehe)frau"
nais+leski ‘weibliche Witwe’
leski+mies "Witwe(r)-Mann"
mies+leski ‘männlicher Witwer’

oder (oft) asymmetrisch: X [unmarkiert = männlich UND neutral] / X-FEM.

Die fiu. Gendermarkierung ist lexikal bedingt:

Derivation: feminine Suffixe (Suffixoide)

Ungarisch:

Finnisch:

Estnisch:

Komposition mit weiblichen und männlichen Prä- und Suffixoiden

Ungarisch: z.B.

Finnisch: z.B.

Lexikale Ausdrucksweisen

(Symmetrische) Attribute:

z.B. (ung.) nőnemû / férfinemû ~ (fi.) naispuolinen / miespuolinen ~ (estn.) naissoost / meessoost ‘weiblichen/männlichen Geschlechts’.

Ableitungen aus inhärent männlichen oder weiblichen Wortstämmen:

fi. isä+ntä ‘(Haus)herr, (Land)wirt’ (← isä ‘Vater’) — emä+ntä ‘Hausherrin, Hausfrau, Wirtin’ (← emä *‘Mutter’).

Komposita aus inhärent männlichen oder weiblichen Wörtern:

fi. lento+emäntä ["Flug-Wirtin"] ‘Stewardess’ (vgl. auch schwed. flyg+värdinna), koti+äiti "Haus-Mutter", ‘Hausfrau’; estn. pere+mees ‘(Haus)herr, (Land)wirt’ ["Familie/Landgut + Mann"], meditsiini+õde ["Medizin-Schwester"] ‘Krankenschwester’.

Inhärent (lexikal) männliche oder weibliche Wörter (lexikales Genus):

fi. piika, ung. cseléd ‘Dienstmädchen’.

Konventionen, gewohnte Verwendungskontexte, soziales Genus:

ung. liba ‘Gans; dumme Frau’; fi. tipu ‘Küken; schöne, naive junge Frau’; ung. disznó / fi. sika ‘Schwein; ein unhöflicher, unzivilisierter, unanständiger, grober Mann’.

Genderbezogene Asymmetrien

Mask. unmarkiert / Fem. markiert

Fi. opettaja ‘LehrerIn’, laulaja ‘SängerIn’, estn. õpetaja, laulja, ung. tanár, énekes — opettaja+tar, laulaja+tar / õpetaja+nna, laulja+nna / tanár+nő, énekes+nő ‘Lehrerin, Sängerin’.

‘Mann’ = ‘Mensch’: generische Verwendung des Männlichen

Fi. esi+mies ["Vor-Mann"] ‘Vorgesetzte/r, ChefIn, LeiterIn’, koti+mies ["Heim-Mann"] ‘HüterIn des Hauses, jemand, der zu Hause bleibt, während die anderen weg sind’, puhe+mies ["Rede-Mann"] ‘SprecherIn, Vorsitzende/r’, kirkko+herra ["Kirche-Herr"] ‘PfarrerIn’, maa+herra ["Land-Herr"] ‘Landeshauptmann/-frau’ usw. werden alle auch für Frauen verwendet, statt *esi+nainen, *koti+nainen, *puhe+nainen, *kirkko+rouva, *maa+rouva usw. (Lexikalisierte weibliche Pendants gibt es nur wenige, wie liike+nainen ‘Geschäftsfrau’ neben liike+mies ‘Geschäftsmann’.)
Estn. pere+mees ‘(Haus)herr, (Land)wirt’ im figurativen Sinn auch für Frauen (ma ei ole oma aja peremees ‘ich bin nicht Herr über meine Zeit’)...; ung. legény (~ *leány) a talpán "junger Mann auf seinen Fusssohlen", ura (~ *úrnője/*asszonya) a helyzetnek "Herr der Situation"...
Wörter mit (lexikalem) fem. Genus werden nie für Männer verwendet: estn. meditsiini+õde / meditsiini+vend "Medizin-Schwester/-Bruder".

Movierung Fem. → Mask. unregelmässig oder unmöglich (nur lexikale Mittel!)

Ung. óvó+nő ["Beschützerin"] ‘Kindergartenpädagogin’ — ?óvó+bácsi "Beschützer-Onkel" statt ?*óvó, *óvó+férfi; fi. lento+emäntä ["Flug-Wirtin"] ‘Flugbegleiterin, Stewardess’ — stuertti statt *lento+isäntä "Flug-Wirt".

‘Frau’ = ‘sexuelles Wesen’, ‘weniger als Mensch’

[Warum gibt es im Finnischen fast keine Berufsbezeichnungen auf -nainen ‘Frau’, und immer mehr auf -emäntä ‘Wirtin’?] "Beim Denken über die Frau wird ‘Sein’ statt ‘Machen’ hervorgehoben. [...] Die Berufsbezeichnungen sollten jedoch das ‘Machen’ ausdrücken. ‘Frau’ wird leichter als ‘Mann’ mit sexuellen Konnotationen verbunden. [...] Eine wichtige Ursache [...] stellt die Semantik der Opposition nainen ‘Frau’ / mies ‘Mann’ dar. Würden Berufsbezeichnungen auf -nainen mehr regelmässig verwendet, [...] würden die Wörter auf -mies mehr spezifisch männlich werden, und die Generizität wäre schwerer zu erhalten. [...] Emäntä ‘Wirtin’ dagegen beschränkt die Bedeutung von mies weniger als nainen..." (Engelberg 1998)
Als weibl. (oder auch neutr.) Entsprechung von -mies ‘Mann’ in bestimmten Idiomen wird statt nainen ‘Frau’ lieber ihminen ‘Mensch’ verwendet: hyvä mies! ‘mein Lieber, mein Freund’ ("guter Mann", oft im Zusammenhang mit einem milden Vorwurf oder Verbot) / hyvä ihminen! ~ *hyvä nainen!; hän on kova löylymies / löylyihminen ~ *löylynainen ‘er/sie liebt es, richtig heiß zu saunen ("ist ein harter Dampfmann/-mensch/*-frau")’.

Ursprünglich geschlechtslose Ausdrücke werden männlich oder weiblich

Ung. ember ‘Mensch’ (< *‘Mutter’ + ‘Sohn’ + ‘Mann’?), auch ‘Mann’ (Nem embernek való munka ez, csinálják az asszonyok! ‘Diese Arbeit passt nicht für einen Mann, die Frauen sollen sie tun!’) und ‘Gatte’ (Hazajött az emberem ‘mein (Ehe)mann kam nach Hause’).
Fi. ihminen ‘Mensch’, dial. auch ‘Frau’: (Volter Kilpi:) Pääseekös ihminen tuonne? — Ihmisellä on hame, mutta miehellä housut... ‘Kann ein Mensch dorthin [zum Masttopp] kommen? [fragt ein unerfahrener Schiffsjunge.] — Eine Frau hat einen Rock an, aber ein Mann eine Hose [und du sollst also jetzt hinaufklettern, sagt der Steuermann]; (Väinö Linna:) oikein rahaihminen "ein echter Geldmensch" = ‘eine richtige Prostituierte’.
Fi. vaimo ‘Ehefrau’ < *‘(arbeitsfähige) Person (im Haushalt)’ < *‘Seele’ (~ estn. vaim ‘Geist’, saam. váipmu ‘Herz’).

Asymmetrische Werte: männlich = positiv, groß, stark, weiblich = negativ, klein, schwach

Fi. miehen (~ *naisen) työ "Mannestat" ‘gute/tapfere/lobenswerte Tat’, se on poikaa (~ *tyttöä)! "das ist Knabe!" ‘das tut gut!’, mieh+uullinen (~ *naisuullinen) ‘mannhaft’, sanasta miestä (~ *naista) ‘ein Mann, ein Wort’; mie+kkonen ‘Männchen; Glückspilz’ / nai+kkonen ‘Schlampe’...; estn. ole meheks (~ *naiseks)! "sei ein Mann!" ‘danke!’... Fi. akka tieltä kääntyköön, mies ei milloinkaan (Sprichwort) ‘eine Alte (= ein Feigling) möge vom (halben) Weg zurückkehren, ein Mann nie’; akanvirta ["Altweiberstrom"] ‘(kleiner) Gegenstrom’, neiti ‘Fräulein; Feigling, ein unmännlicher, weibischer Mann (z.B. im Sport)’... Vgl. emä- (urspr. ‘Mutter’) > Augmentativpräfixoid, v.a. in negativen Zusammenhängen: emä+vale ‘Erzlüge’, emä+munaus ‘Riesenblamage’.

Asymmetrien in Personenbezeichnungen und Verwandtschaftstermini

Finnisch (hochspr.) Kind Erwachsene/r
männlichweiblich männlichweiblich
absolut poika ‘Sohn; Knabe’’ tyttö ‘Mädchen’ mies ‘Mann; Ehemann’ nainen ‘Frau’
relativ tytär ‘Tochter’ vaimo ‘Ehefrau’

fi. anoppi ‘Schwiegermutter’ < ur. *ïna (> Saam.N vuoni) + *ïppï > fi. appi ‘Schwiegervater’
fi. sisarukset Pl. ‘Geschwister ((m. und) w.)’ (← sisar ‘Schwester’) — veljekset ‘Gebrüder (nur m.)’ (← veli ‘Bruder’).

Asymmetrien in Namen(systemen)

Wahl und Gebrauch von Namen bei verheirateten Frauen in Ungarn (Krisztina Laczkó in Magyar Nyelvőr 1996, Material: 298 Frauen aus Budapest). Beispiel: Éva, geb. Tóth, verheiratet mit László Szabó
1. Szabóné Tóth Éva 41% (122)
2. Szabó Lászlóné (traditionell) 35% (104)
3. Tóth Éva 12,7% (38)
4. Szabó Éva ("unungarisch") 10,5% (31)
5. Szabó-Tóth Éva (nur ausnahmsweise erlaubt) 0,6% (2)
6. Szabó Lászlóné Tóth Éva 0,3% (1)

Vornamen

Bei Mädchen mehr Variation, mehr Toleranz für Innovationen und fremdsprachige Vorbilder.

Auch die einheimischen, neologistischen Vornamen spiegeln die traditionellen Frauen- und Männerrollen wider: z.B.

Bei neologistischen Vornamen Tendenzen zur "indogermanischen" Geschlechtsmarkierung: fi. Usko ‘Glaube’ und Toivo ‘Hoffnung’ sind Männernamen, Lempi ‘Liebe’ dagegen ein Frauenname, Kaino ‘schüchtern, schamhaft’ und Vieno ‘mild, sanft’ waren früher, trotz ihrer "femininen" Semantik, auch als Männernamen gebräuchlich (vgl. die Genuslosigkeit in alten, folkloristischen Namen: Tellervo [Waldgöttin] — Pellervo [Ackergott], Kyllikki [Frauenname] — Nyyrikki [männl. Waldgeist].)

(Neologistische) Frauennamen wurden aus Männernamen abgeleitet (vgl. der westeur. Typ Joseph+ine, Louis+e, Henri+ette): ung. (altertüml.) Szilárd+a, Árpád+ia, István+ka, György+i.

Gender in Grammatiken, Wörter- und Lehrbüchern — Androzentrismus in der Sprache, im Sprachgebrauch oder in der Sprachforschung?

"Ein echt weiblicher Gefühlsausbruch" — Wortwahl in Beispielen und Definitionen in den Wörterbüchern als Widerspiegelung traditioneller Einstellungen

"Äitiys on naisen luonnollisin ja kallisarvoisin tehtävä", mutta "isyyden toteamisessa verikoe on suurena apuna." ‘Die Mutterschaft ist die natürlichste und wertvollste Aufgabe einer Frau’, aber ‘beim Feststellen der Vaterschaft stellt die Blutprobe ein wichtiges Hilfsmittel dar’. [...] "Im Gegenteil zu nainen ‘Frau’ [deren Wortartikel viel kürzer ist als der des Wortes mies ‘Mann’], ist der Wortartikel zu vaimo ‘Ehefrau’ viel länger als die von aviomies ‘Ehemann’ und mies im Sinn ‘Ehemann, Gatte’. Die Rolle der Ehefrau ist also besonders annehmbar und wichtig für eine Frau." (Mari Siiroinen in Laitinen (Hg.) 1988)
"Ein Blick ins — noch nicht abgeschlossene — estnische einsprachige Wörterbuch (EKSS) führt schnell zu der Erkenntnis, dass die Lage bei der Beschreibung des estnischen Wortschatzes nicht anders ist: dem mees ‘Mann’ werden 45 cm gewidmet, der naine ‘Frau’ gerade mal knapp 20 cm." (Hasselblatt 1998)
"Das Wörterbuch (das große Ungarisch-Finnische Wörterbuch von István Papp und László Jakab [1985]) zeigt den Mann im positiven Licht. Die Attribute, die zu ‘Mann’ hinzugefügt werden, haben fast immer eine positive Nuance: Der Mann wird als tapfer, würdevoll, unerschrocken vor Schwierigkeiten, weise usw. dargestellt. Deutlich negative Charakteristika sind nur die Gemeinheit [cudar ember] und Gefühlslosigkeit oder Unempfindsamkeit [érzéketlen apa ‘gefühlsloser Vater’]. Gute Eigenschaften sind fast immer von geistiger Art. Ein großer, gutaussehender Mann zeigt sich in [szép szál férfi], sonst ist es der Charakter, der den Mann so vorbildlich macht. Manchmal wird darauf hingedeutet, dass die Tätigkeit des Mannes oder einfach seine Existenz an sich etwas Positives sind: [...] [az apa a család erőssége ‘der Vater ist die Stärke der Familie’, férfi a javából ‘ein Mann vom Besten’] usw. Auch, wenn etwas Verdächtiges erwähnt wird, ist die Positionierung des Mannes nicht streng schwarz-oder-weiß. Wenn jemand seine Chancen in der Politik verloren hat [politikailag elveszett ember], wird dadurch gleichzeitig auf eine Karriere hingedeutet. Der Mann im Wörterbuch hat keine verdächtigen Freizeitbeschäftigungen. Alkohol, vor allem, scheint im Leben des ungarischen Mannes keine Rolle zu spielen — dies entspricht kaum der Wirklichkeit. [...] Die Frau wird 71mal im Wörterbuch erwähnt [vgl. 105 für ‘Mann’]. Die meisten Beispiele beschreiben ihr Aussehen: [...] bájos ifjú hölgy ‘eine bezaubernde junge Dame’, pikáns szépség ‘eine pikante Schönheit’, a lány termetének lágyan hajló vonalai ‘die sanft sich wölbenden Linien der Figur des Mädchens’ [...] Man könnte sagen, dass das Aussehen das einzig mögliche Gute bei einer Frau ist. Falls andere Eigenschaften oder Tätigkeiten der Frau erwähnt werden, ist das Bild weniger günstig: [a lánnyal baj történt ‘dem Mädchen geschah ein "Betriebsunfall"’, csalja a férjét ‘sie betrügt ihren Mann’, a háziasszony elkésett az ebéddel ‘die Hausfrau wurde zu spät mit dem Mittagessen fertig’, nem esetem ez a lány ‘dieses Mädchen ist nicht mein Geschmack’, pletykás vénasszony ‘Tratschtante’, férjre vadászik ‘sie will sich einen Ehemann angeln’, vén boszorkány ‘alte Hexe’...] [...] In vielen Beispielen kommt die Frau nur als Objekt vor [átfogja a lány derekát ‘er packt das Mädchen an ihrer Taille’, magáévá teszi a lányt ‘er nimmt sich das Mädchen zu eigen’, megmérgezte feleségét ‘er vergiftete seine Frau’...] Interessanterweise gibt es nur zwei Fälle im Wörterbuch, wo der Mann als Objekt [der (sexuellen) Tätigkeit der Frau] dargestellt wird. [...] Der Platz der Frau wird am kompaktesten ausgedrückt in [az asszony az úr a házban ‘die Frau ist der Herr im Haus’]. Die beste Position, die eine Frau erringen kann, ist ein Mann zu werden." (Juha Leskinen in Heikkinen &al. 1998)

Gender in den Lehrbüchern: Weitergabe von nationalen Gender-Stereotypen?

"According to Hungarian course books, in an average Hungarian family it is the females who do the shopping while males are responsible for more important matters e.g. go to a bank, change money, etc. Doing housework and raising the children are almost exclusively the tasks of the females. Free time activities also show a marked difference between the two sexes: men tend to pursue more intellectual activities such as reading or doing arts. The only exception is the Hungarian male’s attribute: watching football on TV. In Hungarolingua, females go to a café, buy cosmetics and new clothes but they do not spend their spare time with any more intellectual activities." (Csire & Ilves 2003)

Generisches Maskulinum als Erwartungshorizont

"[...] in meiner Grammatik (Hasselblatt 1992) [... bin ich] bei der deutschen Übersetzung der estnischen Sätze, die entweder das Personalpronomen der 3. Person Singular (tema bzw. ta) oder ein nomen agentis (arst ‘Arzt’ oder ‘Ärztin’ [...]) enthielten, bewusst zwischen beiden Geschlechtern hin- und hergesprungen. Im Endergebnis gab es ein Verhältnis von 43 Frauen zu 49 Männern [...] Diese gleichmässige Verteilung auf die Geschlechter ist aber offenbar immer noch so ungewöhnlich, dass sie einem lesenden Mann als auffällig im Gedächtnis hängen bleibt: Paul Alvre (1994, 56) kommt in seiner Rezension zu dem Fazit: ‘In den deutschsprachigen Entsprechungen der Beispielsätze ist zu beobachten, dass man dem Femininum gegenüber dem Maskulinum den Vorzug gibt.’" (Hasselblatt 1998)

 

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Aktualisiert 30.10.2003.

johanna.laakso@univie.ac.at