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"Die eigentliche Sehenswürdigkeit ist niemals da, wo man sie vermutet."
Abdelhak Serhane, Royal Flush der Verstossenen (19981)

  Marrakesch - Souk
Marrakesch

Marrakesch   -   مراكش

Marrakesch

Lage: in der Haouz-Ebene, 45 km vom Hohen Atlas entfernt
Seehöhe: 453 m
Einwohner: 844.000 (Volkszählung 2004)
Viertgrößte Stadt des Landes (nach Casablanca, Rabat-Salé und Fes)
Südlichste und heißeste der Königsstädte
Drittälteste Königsstadt (nach Fes und Rabat)
UNESCO-Weltkulturerbe seit 1985 (die Altstadt)

Marrakesch al-Hamra, die Rote, hat ganz den Charakter einer Oasenstadt und wurde mit vielen Beinamen ausgezeichnet:
Rose hinter den Mauern des Hohen Atlas
Tor des Südens
die über den Atlas geworfene Perle des Südens
die größte Oase Marokkos
das Paris der Sahara (Hofmannsthal und Churchill)

Marrakesch ist die Hauptstadt des Südens, Fes die Hauptstadt des Nordens, ökonomisch sind beide von Casablanca überflügelt.
Marrakesch hat nie die politische und kulturelle Bedeutung erlangt wie Fes, strahlte nie auf den ganzen Maghreb aus. Jedoch ist es führende Handelsstadt geblieben. Früher Ausgangspunkt der Karawanenstraße in die Sahara, geht heute noch der größte Teil des Warenverkehrs nach jenseits des Atlas über Marrakesch. Das zeigt auch die Ausdehnung des Souk.

  Marrakesch - Souk

Bis in die fünfziger Jahre war Tanger als internationale Zone für Ausländer der größte Magnet, heute ist Marrakesch die am meisten auf Tourismus eingestellte Stadt.
Es ist die am häufigsten besuchte Königsstadt, wohl wegen ihres Nimbus in Europa, auch wegen der Nähe zum Badezentrum Agadir. Es gibt Kurzausflügler von den Kanarischen Inseln, Tagesausflügler von den Kreuzfahrtschiffen, die in Casablanca anlegen. Marrakesch ist auch die Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil. In der Altstadt sind bereits zwanzig Prozent in ausländischem Besitz.

Marrakesch
Literaten in Marrakesch - Marrakesch in der Literatur

Die Gartenstadt mit ihren roten Häusern, vor der Silhouette des Hohen Atlas, von Palmenhainen und Zitrusbäumen umgeben, hat mit ihrem klangvollen Namen und ihrem milden, sonnigen Winter wie keine andere Stadt Marokkos Träume geweckt und Fremde angelockt. Mehr noch als Schriftsteller, Poeten und Maler waren es Cineasten, Schauspieler, Pop-Musiker, Fotografen, Architekten, Modeschöpfer, Stilisten, Designer und hauptberufliche Erben, die sich in Marrakesch Häuser zulegten oder vorübergehend in einem der luxuriösen Hotels niederließen.
Es gibt keine einheitliche Motivation, die Künstler veranlasste, in die rote Königsstadt zu reisen, es waren persönliche, individuelle Gründe und Zufälle. Der einzige Faktor, der mehreren gemeinsam ist, ist Homosexualität.

André Gide war nur kurz in der Stadt, 1923 im Rahmen einer Rundreise, und in seinem Tagebuch ist ihm Marrakesch keine Zeile wert. Kurzzeitbesucher waren auch Hugo von Hofmannsthal, Colette, Henry de Montherlant, Anaïs Nin, Alec Waugh, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Antoine de Saint-Exupéry, Jane Bowles, Anthony Burgess, Alberto Moravia und Dacia Maraini, William S. Burroughs, Truman Capote, Roland Barthes, Arthur Koestler, Ernst Jünger.

Paul Bowles reiste immer wieder nach Marrakesch, erstmals 1931, jedoch war er Tanger und Fes mehr verbunden, und Marrakesch war ihm literarisch kein großes Anliegen.

George Orwell verbrachte mehr als ein halbes Jahr in der Stadt. Er litt an Tuberkulose und wegen des milden Winterklimas wählte er Marrakesch, das er mit seiner Frau Eileen Mitte September 1938 erreichte. Es entstand der Roman Auftauchen, um Luft zu holen (19391), der jedoch keinen anderen Marokko-Bezug aufweist, als dass er hier geschrieben wurde.

Da Winston Churchill Literaturnobelpreisträger ist, muss er als Literat betrachtet werden, und soll hier nicht fehlen. Gegen Ende der Casablanca-Konferenz in Anfa erinnerte er sich an seinen ersten Urlaub in Marrakesch 1935, den er im Mamounia verbracht hatte, und soll Roosevelt mit den Worten, es sei "der entzückendste Fleck auf der ganzen Welt" zu einer Fahrt dorthin überredet haben. So reisten Churchill und Roosevelt am 24. Jänner 1943 nach Marrakesch, Roosevelt nur für eine Nacht, Churchill für zwei Nächte (Churchill, Jenkins).
Der britische Premierminister kehrte noch des öfteren zurück, und ein Teil seiner sechsbändigen Memoiren Der zweite Weltkrieg (1948-1954) ist hier entstanden.

Im Juli 1961 reiste Allen Ginsberg in Begleitung von Paul Bowles für eine Woche von Tanger nach Marrakesch (Ginsberg, Bowles). Seine Eindrücke sammelte er in Allen Ginsbergs Notizbücher (19771).

Der österreichisch-britische Maler, Grafiker und Dichter Oskar Kokoschka war 1965 im Alter von neunundsiebzig Jahren in Marrakesch. Aus diesem Besuch resultiert eine Serie von Lithografien. Das American Legation Museum in Tanger beherbergt eine Kohlezeichnung von Kokoschka.

1967 befanden sich die Rolling Stones auf einer Marokko-Reise, auf der Suche nach Musik und Drogen, und Brion Gysin reiste mit ihnen von Tanger nach Marrakesch. An der Jahreswende 1967/68 berauschten sich die Beatles auf einer Silvesterparty bei Paul Getty in dessen Altstadt-Haus. Und Graham Nash nahm die Eisenbahn von Casablanca nach Süden und schrieb für Crosby, Stills & Nash den Hit Marrakesh Express (1969).

Als John Hopkins in Tanger lebte, reiste er zwischen 1966 und 1976 häufig nach Marrakesch, wo er 1968 seinen Roman Tangier Buzzless Flies (1972) zu schreiben begann (Hopkins).

Der marokkanische Maler und Schriftsteller Mahi Binebine, Autor mehrerer Romane, der Paris als Wohnsitz gewählt hat, wurde in Marrakesch geboren.

Schauplatz Marrakesch

Was nun das Thema Marrakesch in der Literatur betrifft, so zeigt sich im Vergleich mit Fes, dass Fes von durchreisenden oder kurz dort verweilenden Schriftstellern in ihrem Werk nebenbei mitbedacht wurde. Bei Marrakesch hingegen gewinnt man den Eindruck, dass in den Augen von Literaten wenige Sätze oder kurze Kapitel der Stadt nicht gerecht werden können. Marrakesch wurde entweder gar nicht literarisch behandelt oder es wurde an sich zum literarischen Thema. So ist der Name von vier der großen Schriftsteller mit der Stadt verbunden, Canetti, Goytisolo, Ben Jelloun, Fichte. Canetti widmete ein ganzes Buch allein der Stadt, Fichte den Großteil eines Romans, und im Werk von Ben Jelloun und Goytisolo nimmt Marrakesch breiten Raum ein.

Elias Canettis Die Stimmen von Marrakesch (19671) ist gewiss eines der schönsten Reisebücher, das je geschrieben wurde. Für Juan Goytisolo wurde Marrakesch, was für Paul Bowles Tanger war, nämlich zum Mittelpunkt seiner Lebensbeziehungen und zum Angelpunkt seines literarischen Anliegens. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert wohnt er in der Altstadt. Tahar Ben Jelloun, der Marokkaner, der in Frankreich lebt, aber dessen Werk von Marokko lebt, hat auch Marrakesch literarisch verwertet.

Seiner persönlichen Befindlichkeit und seinem literarischen Anliegen entsprechend, musste Hubert Fichte früher oder später nach Marrakesch gelangen. Das war 1970. Der Freund und Maler Peter Hinrik Boll, der lange in Marrakesch lebte, hatte Fichte, auf dessen Anfragen hin, in langen Briefen Marrakesch als ein Homosexuellen-Mekka geschildert. Fichte kam im Februar 1970 nach Marrakesch und blieb sechs Wochen (Böhme). Frucht dieses Aufenthaltes ist der Roman Der Platz der Gehenkten (1989).

Ein weiterer Meister der Sprache, William S. Burroughs, machte Marrakesch zur Basis des utopischen Romans Die wilden Boys (19711), George Orwell widmete der Stadt den Essay Marrakesch (19391), Arthur Koestler schrieb den Bericht Marrakech (1971). In Henry de Montherlants Roman Die Aussätzigen (19391) ist teilweise Marrakesch Handlungsort, und in Jean Paul Sartres Der Aufschub (19451) ist Marrakesch Schauplatz von Szenen um Maud und Pierre. Peter Mayne machte aus seinem Marrakesch-Jahr den autobiografischen Roman Ein Jahr in Marrakesch (19531). In Anthony Burgess' Enderby-Roman Die Muse (19681) hält sich der Anti-Held zehn Seiten lang in Marrakesch auf und verkauft seinen Pass, um nach Tanger zu gelangen. Kapitel 63 von Burgess' Der Fürst der Phantome (19801) spielt in Marrakesch, ebenso ein Abschnitt in Bodo Kirchhoffs Roman Parlando (2001).

Einige Schriftsteller schrieben kurze Absätze über Marrakesch, so Hugo von Hofmannsthal, in Briefen, Paul Bowles, Alec Waugh und Simone de Beauvoir in ihren Autobiografien, Ernst Jünger in seinem Tagebuch Siebzig verweht II, Alberto Moravia in einem Artikel für den Corriere della Sera, der erschienen ist auch in Viaggi, Tennessee Willims in seinem Theaterstück Die Katze auf dem heißen Blechdach, Allen Ginsbergs Notizbücher enthalten ein Gedicht, Roland Barthes notierte kurze Begebenheiten.

Weitere Autoren mit Marrakesch-Bezug sind im deutschsprachigen Raum wenig bekannt - Claude Ollier, von dessen Marokko-Büchern Marrakch Médine (1979) das bekannteste ist, der kanadische Schriftsteller Christopher Wanklyn, der in Tanger und dann in Marrakesch lebte, Rom Landau, der 1974 in Marrakesch gestorben und dort bestattet ist. Esther Freuds autobiografischer Roman Marrakesch (19921) verdankte kurzfristigen Ruhm seiner Verfilmung.

Marrakesch
  Marrakesch - Gräber der Saadier