Muslimen reicht’s.

Über eine abendliche Diskussionsrunde in Karls Garten

Das Magazin „biber“, das über die multiethnische und multireligiöse Gesellschaft Österreichs berichtet, zeichnet sich einmal aus durch diverse Durchmischung seiner Redaktion und zudem, weil es pikante transkulturelle Themen aufgreift (Selbstbezeichnung: „biber mit scharf“), die die örtliche Medienlandschaft enorm bereichern, aber keineswegs den niedrigen Instinkten huldigen wie die anderen Gratisblätter.

Unlängst war die Zeitschrift Veranstalterin eines sommerlichen Podiums- und Publikumsgesprächs im Karls Garten: „Muslimen reicht’s“. → →

Das afrikanische Österreich

Der Text erschien (in leicht veränderter Form) in der Wiener Zeitung, 5. 6. 2018.

Bezüglich der Akzeptanz von Schwarzen Menschen im Lande liegt vieles im Argen.

Unlängst fand ein kleines, aber feines Symposium statt – „Afrikaner und Afrikanerinnen in Wien“, veranstaltet am Institut für Österreichkunde, und die Vorträge und Diskussionen zeigten, dass es für Teile der alteingesessenen Bewohner Österreichs keine Selbstverständlichkeit ist, die Präsenz einer starken afrikanischen Diaspora zur Kenntnis zu nehmen. → →

Das islamische Europa

Der Text erschien in der Wiener Zeitung, 4. 4. 2018, S. 2 und auf oetz.org

Im 8. Jahrhundert betraten die ersten Muslime im heutigen Spanien europäischen Boden. Aber ihr Recht des Hierseins müssen sie 1300 Jahre später mehr denn je verteidigen.

In der aufgeheizten Stimmung um Europa und den Islam gilt nicht, was Historiker erforschen, sondern welche Ideologie Politiker und Medien vertreten. Als geschichtsvergessen erweist sich der Wunsch, dass nur die Muslime, aber nicht der Islam ein Teil Europas seien. → →

Wie viel Islam steckt in Europa?

Der Essay ist erschienen in der Taz, 26. 3. 2018, S. 12

Der Okzident hat seine so genannten Werte und Leistungen keineswegs alleine und in genialer Isolation erarbeitet, sondern hat den Orient geistig und kulturell ausgebeutet und aufgesogen, was brauchbar schien.

Ohne die intellektuellen Leistungen von Muslimen würden wir weder bequem wohnen, noch bequem liegen, noch könnten wir effizient rechnen. Im Laufe von 13 Jahrhunderten hinterließen Araber, Perser und Türken in Europa nicht nur ihr Genmaterial, sondern auch ihr Gedankengut. Ein Deutschland ohne Islam ist undenkbar. → →

Wider ein „Kopftuchverbot“ für Schülerinnen

Der Kommentar erschien am 22. 3. 2018 mit anderem Titel und Untertitel in der Presse.

Beratung wäre besser als Zwang und das Instrumentalisieren von Kindern für politische Zwecke.

Längst sind alle des Dauerbrenners Kopftuch überdrüssig, Musliminnen und Nicht-Muslime, und dennoch finden sich immer wieder Politikerinnen und Kommentatoren, die das Thema neu erfinden wollen. Ganzkörperverhüllungsverbote hat man schon hingekriegt, um die rechte Hälfte der Gesellschaft zufriedenzustellen. Jetzt geht es um Bedeckungsverbote in Schulen. Oder es geht fantasievoll nicht um Verbote, sondern um Forderungen nach kopftuchfreien Arealen, was in der gelebten Praxis auf das Gleiche hinausläuft. → →

Erfolgsmodell Oman

Der Text erschien am 30. 1. 2018 in der Wiener Zeitung und am 12. 3. 2018 auf Qantara und wurde ins Englische und Arabische übersetzt.

Selten vereint ein Herrscher so viel Macht auf seiner Person und ist zugleich beim Volk so beliebt: Sultan Qabus gelingt die Synthese von Tradition und Globalisierung.

Da in der herrschenden Medienkultur nur schlechte Nachrichten überhaupt Nachrichten sind, ist betreffend arabischsprachige und islamische Länder immerfort bloß zu lesen und zu hören von Konflikten und Kriegen, Gewalt und Unterdrückung. Erfreuliche Entwicklungen schaffen es selten an eine mediale Öffentlichkeit, und daher hat der Umkehrschluss durchaus Gültigkeit: Ein Land, über das nicht berichtet wird, ist wohl ein gutes Land. Ein solches Beispiel ist das Sultanat Oman.

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Verhüllte Missverständnisse

Der Kommentar erschien am 21. 2. 2018 in der Wiener Zeitung.

In westlichen Ländern solidarisiert man sich mit den iranischen Frauen aus den falschen Gründen.

Die Kopftuch-Rebellion in Teheran und anderen Städten wird in den Online Foren begeistert begrüßt, aber ziemlich missverstanden. Denn hierzulande wollen viele glauben, dass die Frauen gegen das Kopftuch sind, dass sie also durch die Abnahme desselben oder das bloße Schwenken einer Textilie an einer Stange für eine westliche Lebensweise eintreten. Deswegen wird den Aktivistinnen in den sogenannten sozialen Netzwerken zugejubelt. Eine solche scheinbare Solidarisierung ist aber nichts anderes als der alte westliche Kulturimperialismus, der annimmt, dass die eigene Lebensweise die beste sei, die überallhin exportiert werden müsse. → →

Wer sind hier die Barbaren?

Der Text erschien am 2. 1. 2018 in der Wiener Zeitung.

Die Trophäendebatte – changierend zwischen Kopfjäger-Mythos, voyeuristischem Gruseln und Ausstellungs-Richtlinien – wirft allerhand Fragen auf, auch zum Umgang mit dem Fremden in der Gegenwart.

Museen, Auktionshäuser und Galerien, die auf der moralischen Höhe der Zeit agieren wollen, entfernen präparierte Leichenteile, pietätvoll menschliche Überreste genannt, aus ihren Vitrinen, Verkaufsräumen und Katalogen. Es gilt nunmehr als unethisch, Trophäenschädel in ihrem kulturellen Kontext vorzustellen oder gar durch Handel eine Wertsteigerung anzustreben. Dabei verlangt der Internationale Museumsrat (ICOM) in seinen Ethischen Richtlinien zur "Ausstellung sensibler Objekte" nicht, diese zu unterlassen, sondern nur, sie "mit Taktgefühl und Achtung vor den Gefühlen der Menschwürde, die alle Völker haben, zu präsentieren". → →

Was wir aus der Kopftrophäen-Debatte lernen könnten

Der TMB-Kommentar erschien am 12. 12. 2017 in der Wiener Zeitung.

Nicht nur die Toten verdienen Respekt, sondern auch die Lebenden – und zwar alle, unabhängig von Herkunft und Religion.

Gegenwärtig wird darüber diskutiert, ob man die menschlichen Überreste, die bisher als Kunst und Ethnographica betrachtet wurden, aus den Auktionshäusern und Schaukästen der endlich umbenannten Völkerkunde-Museen entfernen soll oder nicht. Dabei wird argumentiert, dass Leichenteile aus Pietät und aus Respekt dem Tod und dem Verstorbenen gegenüber nicht mehr verkauft und ausgestellt werden sollten, auch um rechtsextremen Umtrieben und Ansichten keinen Vorschub zu leisten.

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Stimmen, Clicks und Likes

Der Kommentar erschien am 12. 10. 2017 in der Wiener Zeitung.

Von rechten Seiten wird die Islamisierung des Abendlandes befürchtet, was man tatsächlich feststellen kann, ist eine Islamisierung der Innenpolitik.

Der Islam ist zur Debatte Nummer eins geworden. Dabei bekennen sich gerade einmal 8 Prozent der Bevölkerung zu dieser Religion. Und 2016 wurden 39.860 Asylwerber registriert. Aber es scheint in diesen Zeiten und in diesem Wahlkampf nur einen relevanten Themenkomplex zu geben: Muslime, Flüchtlinge, Migration, Integration.

Wie kann es sein, dass gerade diejenigen, die alles verloren haben außer dem nackten Leben, die politische Szene beherrschen, Zeitungsspalten füllen und die garstigsten Emotionen der ansässigen Bevölkerung auf sich kanalisieren? → →