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Referat im Dipl-Seminar Dr. Hartmann, Uni Wien, Wintersemester 2002

Michael Manfé

Für eine Philosophie der Fotografie

Vgl. Vilém Flusser: Für eine Philosophie der Fotografie. Göttingen 1983

Vilém Flusser tritt in diesem Werke für eine neue Betrachtungsweise der Fotografie ein. Die Analyse der Fotografie vor dem Hintergrund ästhetischer, wissenschaftlicher und ökonomischer Aspekte dient ihm als Schlüssel zur Untersuchung der gegenwärtigen Kulturkrise. Flusser zeigt auf, dass sowohl der Umbruch von der Text- zur Bildkultur, als auch der Umbruch von der industriellen in die nachindustrielle Gesellschaft, Hand in Hand geht. Seine Ausgangshypothese lautet, dass in der menschlichen Kultur zwei Einschnitte beobachtbar sind:
Der Autor äußert den Verdacht, dass sich die Struktur unserer Kultur nachhaltig ändert bzw. in Betracht ist sich zu verändern. Nach Flusser verändern sich demzufolge die Grundstrukturen unseres Daseins und dabei handelt es sich nicht um die klassische Form der Entfremdung, sondern um eine existentielle Revolution und mit dieser hat sich eine jede Philosophie der Fotografie zu befassen. Der Fotoapparat illustriert die Robotisierung der Arbeit zur Befreiung des Menschen fürs Spiel und da der Fotoapparat Bilder automatisch erzeugt, wird er als ein intelligentes Werkzeug betrachtet.
Das Bild, der Apparat, das Programm und die Information sind Grundsteine einer jeden Philosophie der Fotografie. Die Grundbausteine bilden die zentralen Elemente einer Definition von Fotografie.
"Sie ist ein automatisch, von programmierten Apparaten im Verlauf eines auf Zufall beruhenden Spiels notwendigerweise erzeugtes und distribuiertes Bild eines magischen Sachverhalts, dessen Symbole ihre Empfänger für ein unwahrscheinliches Verhalten informieren." (Flusser 2000, 69) Diese Definition klammert den Menschen als freien Agenten aus. Insofern ist man herausgefordert zu zeigen, dass diese Definition falsch ist - sie reizt zum Widerspruch.
Flusser äußert die Forderung, dass die Philosophie der Fotografie die Fotografen nach der Freiheit ausfragen und ihre Praxis auf der Suche nach Freiheit durchleuchten muß. Für ihn ist Freiheit gegen den Apparat zu spielen und lediglich die sogenannten experimentellen Fotografen sind sich tatsächlich dessen bewusst, dass Bild, Apparat, Programm und Information Grundprobleme sind, mit denen man sich auseinandersetzen muß.
Insofern ist die Philosophie der Fotografie notwendig, um die fotografische Praxis ins Bewusstsein zu heben. Die Philosophie der Fotografie hat aufzuzeigen, dass Freiheit im Bereich der automatischen, programmatischen und programmierenden Apparate keinen Platz hat und wie es dennoch möglich ist, für Freiheit Raum zu schaffen.
Die Philosophie der Fotografie hat die Aufgabe über Möglichkeiten der Freiheit in einer von Apparaten beherrschten Welt nachzudenken.
Die Philosophie der Fotografie ist notwendig, da sie die einzige Form von Revolution ist, die dem Menschen noch offen steht.