Frank Hartmann:
Globale Medienkultur
Technik-Geschichte-Theorien
Wien: WUV [UTB] 2006
239 Seiten, € 18,90
Leseprobe


Klappentext: Ab 1800 begann die Ära der Telekommunikation. Die Weltwahrnehmung änderte sich zusehends und inmitten der Industriegesellschaft bante sich das Zeitalter der Information an. Ab 1900 wurde die Medienkultur weltumspannend. Wie dies geschah, diskutiert der Autor anhand dreier medien- technischer Innovationen:
- Kabel. Die Anwendung von Elektrizität für den internationalen Nachrichtenverkehr
- Wireless. Die Nutzung des Elektromagnetismus für die drahtlose Sendung (Funk, Radio, Satelliten)
- Online. Die Konstruktion eines elektronischen Datenraumes mit universellen Interfaces (Iternet).


Globale
Medienkultur



Draht, drahtlos, online - Frank Hartmann rekonstruiert die Entwicklung zur globalen Medienkultur anhand dreier Leittechnologien. Noch ein neues Buch zur Medienkultur. Braucht es das wirklich angesichts der Dutzenden Bände über all die extragescheiten Medientheorien und all der Wälzer zur Geschichte von Buch, Radio, Internet und Co? Ist nicht längst schon alles gesagt, was es theoretisch und historisch zu den Medien zu sagen gibt?

Der Wiener Medienwissenschaftler Frank Hartmann hat sich nicht beirren lassen. In "Globale Medienkultur" zeigt er, wie die Ära der Telekommunikation bereits um 1800 begann und wie sie nach und nach die Wahrnehmung der Welt umkrempelte. Und schon ab 1900 wurde die Medienkultur in Hartmanns origineller Darstellung dann weltumspannend. Wie dies geschah, wird anhand dreier medientechnischer Innovationen diskutiert, die wichtige Grundlagen für eine globale Medienkultur im Speziellen und für eine ökonomische Globalisierung im Allgemeinen darstellen: des Kabels, der drahtlosen Kommunikation und des Internet.

Im ersten Drittel steht die Anwendung von Elektrizität für den internationalen Nachrichtenverkehr über Drähte und Kabel im Zentrum. Diese Drähte und Kabel haben für Hartmann die Rede von den "technischen Nerven der Menschheit" provoziert und bilden gewissermaßen das Rückgrat für die späteren globalen Entwicklungen. Danach folgt die Nutzung des Elektromagnetismus für die drahtlose Sendung wie Funk, Radio und Satelliten - eine neue Form der Übertragung, die den herkömmlichen Raum implodieren lässt. Dem Themenfeld Online ist das Schlussdrittel gewidmet, in dem die Konstruktion eines elektronischen Datenraums mit universellen Interfaces (Internet) besprochen wird. Wer nun glaubt, über diese Themen sei schon alles bekannt, wird mit dieser Publikation eines Besseren belehrt. Zwar würde niemand leugnen, dass Satelliten wichtiger Bestandteil von Medienkultur sind - doch wo wurden sie bisher thematisiert? Und wo steht schon, wie viele dieser künstlichen Trabanten derzeit die Erde umkreisen?

Statt den großen Erfindern nachzuspüren, analysiert Hartmann jene technischen Innovationen, die zur Kommunikationsrevolution der Moderne führten. Dabei macht das Buch en passant auf etliche Lücken in der Medienkulturanalyse aufmerksam - und füllt sie in vielen Fällen profund: etwa durch die erstmalige Besprechung von Paul Otlets Theorie der Dokumentation oder eine spannungsreiche Zeitreise zu den Problematiken der Tiefseekabel. In drei Exkursen wird schließlich noch gezeigt, wo Ressourcen für zukünftige Debatten liegen könnten.

Es ist im Medium Buch also längst noch nicht alles gesagt und geschrieben, was es über die Medien zu sagen und zu schreiben gibt.

rezensiert von Michael Manfé, Jan. 2006
Erstpubliktion als Druckfassung in: FALTER Nr. 11, 2006

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