Lehrveranstaltungen 2018/19

WIEN


SS 19 Universität Wien

For ever young? Gesundheits- und Körpervorstellungen als Manifestation kultureller Identität

Bewerbung für Modul 3.2.5. und 3.3.6.:

Art der LV: VS / SE (2 SStd.) kann bei Bedarf auch als VO konzipiert werden

Inhalt

'Verlorene Welten'? Religion, Ritual und Weltbild im Spannungsfeld von Globalisierung, traditionellen Weltsichten und überliefertem Wissen.

Bewerbung für Modul 3.1. und 3.2.2.:

Art der LV: VS, Modul 3.3.5., 2 SStd., 4 ECTS, SS 2019

Inhalt

 

WS 2018/19 Universität Wien

GrenzgängerInnen: Zur Interdependenz von Migration, Globalisierung und Gewalt

Bewerbung für Modul 3.1. und 3.2.2.:

Art der LV: VO (2 SStd.) kann bei Bedarf auch als VS / SE konzipiert werden

Inhalt


Lehrveranstaltungen 2017/18

WIEN

WS 2016/17 Universität Wien

IM TANZ MIT DEN GOTTHEITEN KOMMUNIZIEREN: Zur(Re)präsentation von Heilritualen im Wissenschaftsfilm

Dancing with the Gods - Analyzing, documenting and framing healing rituals in the context of visual methods

LV-Nummer: 240021

Art der LV: VS, Modul: 3.2.5., 2 SStd., 4 ECTS, WS 2017/18

 

 

Lehrveranstaltungen 2016/17

WIEN

WS 2016/17 Universität Wien

VO Soziale Prozesse dokumentieren – eine theoretische Einführung in die Produktion und Analyse von (audio)visuellen Dokumenten  

 

SS 2016 Universität Wien

VOSE (Physical) embodiment: Gesundheits- Krankheits- und
Körpervorstellungen im Spiegel kultureller Identität

 

Lehrveranstaltungen 2015/16

WIEN

WS 2015/16 Universität Wien

Globalisierte Ökonomien am Beispiel Lateinamerikas:
Weibliches Handeln unter wirtschaftlich prekären
Bedingungen

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SS 2015  LAI / Universität Wien - Institut für Kultur- und Sozialanthropologie:
Kulturelle Diversität in Lateinamerika
– Ein interdisziplinärer Blick auf das vielfältige Spektrum kultureller Praktiken

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SS 2015  LAI: Beziehungen zwischen Geschlecht und Medizin

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WS2017/18

VS IM TANZ MIT DEN GOTTHEITEN KOMMUNIZIEREN: Zur
(Re)präsentation von Heilritualen im Wissenschaftsfilm
Dancing with the Gods (3.2.5) - Analyzing, documenting and framing healing rituals in
the context of visual methods 

Modul: 3.2.5., 2 SStd., 4 ECTS, WS 2017/18

Leiterin: Mag.a Dr.in Evelyne Puchegger-Ebner

4. Stock, Übungsraum oder Seminarraum A
Neues Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7, 1010 Wien

TERMINE:

MI 04.10.2017 11.30-13.00 Ort: Übungsraum (A414) NIG 4. Stock pünktlich.
Nur erster SLOT!
MI 18.10.2017, 11:30 - 13:00, 13:15 - 14:45 Uhr pünktlich. Übungsraum
(A414) NIG 4. Stock.
Mi, 08.11.2017, 11:30 - 13:00, 13:15 - 14:45 Uhr pünktlich. Übungsraum
(A414) NIG 4. Stock.
Mi, 22.11.2017, 11:30 - 13:00, 13:15 - 14:45 Uhr pünktlich. Übungsraum
(A414) NIG 4. Stock.
Mi, 13.12.2017, 11:30 - 13:00, 13:15 - 14:45 Uhr pünktlich. Übungsraum
(A414) NIG 4. Stock.
MI 10.01.2018, 11:30 - 13:00, 13:15 - 14:45 Uhr pünktlich. Seminarraum A,
NIG 4. Stock.
Mi, 24.01.2018, 11:30 - 13:00, 13:15 - 14:45 Uhr pünktlich. Seminarraum A,
NIG 4. Stock.

1. Lehrinhalte

In oralen Kulturen werden kultische Tänze, Heilriten und medizinische
Praktiken in Einklang mit weltbildlichen Konzepten dargestellt. Heilung wird in diesem Sinne als integrativer Prozess des kollektiven Da-Seins erfahren. D.h. der Begriff 'Heilen' ist in vielen Gesellschaften weiter gefasst als im gegenwärtigen US-amerikanischen bzw. westeuropäischen
Wissenschaftsdiskurs - meist beschränkt er sich weder auf die physische
Heilung des Menschen, noch auf die einzelne Person.
Ihre psycho-soziale Bedeutung besteht darin, einen gemeinsamen Entwurf
von Wirklichkeit durch Verkörperung und Verinnerlichung von Erinnerung
erleben zu lassen und bei Bedarf 'abrufbar' zu machen, d.h. Körper stellen im Kontext dieser mimetischen Prozesses noch INHALT dar. Im Laufe der
Entwicklung der Kommunikationsmedien (von Oraltradition über Verschriftlichung bis zur Erfindung von Foto/Film/Video) erfolgt eine Verlagerung vom inhaltlichen zum formalen Aspekt. Vom Methoden- Standpunkt erhebt sich dabei die Frage, ob, mit welchen filmischen /
fotografischen Mitteln, die in (Heil-)Riten, Tänzen und Trancen inkorporierten spirituellen Konzepte, Vorstellungen, Normen und Werte sichtbar gemacht bzw. wie sie visuell umgesetzt werden können.


In der LV werden diese Überlegungen mittels Theorien und Methoden der
visuellen Anthropologie vertieft, schwerpunktmäßig zusammengefasst und
anhand (audio-) visueller Beispiele vorgestellt. Außerdem wird die visuelle Realisierbarkeit in Relation zu den spirituellen Erfahrungs- und Aktionsfeldern (wie Weltbild, Glaubensvorstellungen, Zeichensprache, Medizinsysteme, Ritual, Heilen) und deren psycho-soziale Vernetzung erläutert und hinsichtlich ihrer Ein- und Anpassung in den Komplex ethnomedizinischer / medizinethnologischer Forschung bzw. des Diskurses zur Medical Anthropology überprüft.


2. Lehrziele

Erlangen von theoretischem Wissen auf dem Gebiet der Ethnomedizin /
Medizinethnologie und Medical Anthropology. Es werden des Weiteren
theoretische und praktische Kenntnisse und Umsetzungsmethoden im Bereich Fotographie, Film und Video vermittelt. Die Studierenden sollen so die Befähigung erlangen, im Rahmen einer (audio-)visuell angelegten
Feldforschung Themen der Ethnomedizin / Medizinethnologie / Medical
Anthropology zielführend zu videografieren, filmisch zu gestalten bzw. diese im Rahmen einer bildanalytisch konzipierten Forschung oder Website- Recherche (kritisch) zu untersuchen.

3. Lehrmethoden

Die VS-Struktur setzt sich zusammen aus:
• Theoretischem / methodischem Input der LV-LeiterInnen
• (Re)präsentation von Bildmaterial und visuellen Medien (Film / Videos, Dia- / Foto-
Serien – digital & analog) zum Themenkomplex (Heilriten – medizinische Praktiken –
kultische Tänze)
• PowerPoint-gestütztem Vortrag
• Wahlmöglichkeit zwischen theoretischem oder praktischem Input der Studierenden
• Diskussion von Basistexten (zur visuellen Anthropologie, Ethnomedizin /
Medizinethnologie / Medical Anthropology)
• Diskussion der auftretenden Probleme und Fragestellungen
• Referate der Studierenden


4. Prüfungsmodalitäten und Leistungsnachweis

v Kontinuierliche Anwesenheit
v Aktive Beteiligung an den Diskussionen der LV
v Schwerpunkt Analyse Power Point unterstütztes Referat plus
Verschriftlichung der Analse-Ergebnisse
v Schwerpunkt Praxis: 15-minütige Präsentation mit Ausschnitten aus dem
fotografierten / gefilmten Material (inkl. Hand-outs, Synopsis) plus
(Audio)visueller Abschlussarbeit.
v Lesen, Bearbeiten und Diskutieren der zu einem Reader
zusammengestellten Pflichtliteratur (2-3 Basistexte pro Einheit zu den in der
LV erläuterten Begriffen und Diskursen)
v Schriftliche oder visuelle SE-Arbeit

 

 

WS 2016/17

VO Soziale Prozesse dokumentieren – eine theoretische Einführung in die Produktion und Analyse von (audio)visuellen Dokumenten  

3.2.5 BAC
2 SemStd, 4 ECTS

Leiterin: Mag.a Dr.in Evelyne Puchegger-Ebner

4. Stock, Übungsraum, HS A oder Seminarraum
Neues Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7, 1010 Wien

TERMINE:

MI 19.10.2016, 11.30-13:00, Hörsaal A, NIG 4.Stock
MI 09.11.2016, 11.30-14.45, Hörsaal A, NIG 4.Stock
MI 23.11.2016, 11.30-14.45, Hörsaal A, NIG 4.Stock
MI 07.12.2016, 11.30-14.45, Hörsaal A, NIG 4.Stock;
MI 14.12.2016, 11.30-14.45, Übungsraum (A414) NIG 4. Stock;
MI 11.01.2017, 11.30-14.45, Hörsaal A, NIG 4.Stock
MI 25.01.2017, 11.30-14.45, Hörsaal A, NIG 4.Stoc
k

 

Achtung: Anwesenheitspflicht in der ersten Einheit!!!

1. Lehrinhalte

Im Zentrum der VO stehen das Erlernen der theoretischen Grundlagen der Visual Anthropology sowie die Umsetzung eben dieses theoretischen Wissens in der kultur- und sozialanthropologischen Praxis. Es werden Anleitungen zur Produktion von wissenschaftlich durchgeführten Foto- oder Video-Projekten vermittelt und diverse Methoden zur Analyse von visuellem Datenmaterial vorgestellt.

Folgende Themenblöcke werden angesprochen:

•Historischer Überblick
•Überblick über die Theorien der VA
•Mit der Kamera ins Feld: Möglichkeiten, Probleme und Fallen
•Mehr als ein Handwerkszeug (Dokumentationsinstrument für textliche Analyse oder
•Forschungs- und Erkenntnis-Pro­zess aufgrund visueller Methoden, grounded theory, Einbindung von visuellen Dokumenten)
•Fragen der Ethik (Übergriffe in die Intimsphäre der Gefilmten, Transparenz, Klarstellung der eigenen Subjekt-Position)
•Filmsemantik und Repräsentation: Umsetzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten (Zeit-Räume, Bildsprache, Schnitt-Techniken, Einsatz des Audiellen
•Einführung in die qualitative Bild- und Videointerpretation
•Organisation und Verwaltung eines visuellen Archivs
•Analysemethoden (unter Einbeziehung von Körpersprache, Mimik, & Gestik)
•Vorführmöglichkeiten, international film competitions


2. Lehrziele

In der VO geht es zum einen um das 'Näherbringen' der theoretischen Grundlagen der VA , zum anderen soll die Wechselwirkung von Symbolik, Re-Präsentationen und (Zeit)raum in der filmischen Darstellung aufgezeigt werden. Außerdem werden die einzelnen Phasen und die damit verbundenen Umsetzungsproblematiken einer Video-Produktion (Vorbereitungs-, Aufnahmephase / Drehen, Schnitt- / Montagephase / Nachbearbeitung) erläutert, um den Studierenden den Einstieg in selbstständiges Erstellen einer visuellen Produktion im (Feld)Forschungsprozess zu ermöglichen.
Ferner werden die Möglichkeiten aufgezeigt, wie visuelles Datenmaterial als Grundlage für kultur- und sozialanthropologische Analysen verwendet werden kann. Bei der Analyse von eigenem Material bietet sich Videografie als Forschungsmethode als nützliches Instrumentarium der Feldforschung an: Videografie wird zunehmend zur ethnografischen Datengenerierung angewandt - insbesondere bei der Untersuchung von Interaktionssituationen, da im Zentrum der Videografie die Analyse visuell aufgezeichneter Situationen steht.
Mögliche analytische Parameter sind z.B. die Funktion von Gestik und Blickausrichtung, die Haltung und Distanz zwischen den AkteurInnen, die Koordination der HauptakteurInnen und weiteren Beteiligten oder die Formation der Gruppe und deren Veränderung im Verlauf der Interaktion werden ebenfalls diskutiert.

3. Lehrmethoden

In der Vorlesung werden die oben aufgezeigten Inhalte präsentiert und diskutiert; zur Vertiefung der einzelnen Themen/Theorien/Methoden sind zu jeder Einheit ausgewählte Texte zu lesen. Lernunterlagen werden auf der Lernplattform Moodle zur Verfügung gestellt. 

Die VO-Struktur setzt sich zusammen aus:
• Theoretischem / methodischem Input der LV-Leiterin (PP unterlegt)
• Diskussion der Basistexte (Focus: Theorie der visuellen Anthropologie, Videografie)
•Schwerpunkt Analyse: Präsentation und Repräsentation von Bildmaterial visuellem
•Anschauungsmaterial (Film / Videos, Dia- / Foto-Serien) unter theoretischem Gesichtspunkt
•Schwerpunkt Produktion: Die Vorgangsweisen zur Herstellung einer fotographischen oder Video-Dokumentation werden schrittweise erläutert .
•Diskussion der auftretenden Probleme und Fragestellungen der Studierenden
•Einführung in die qualitative Bild- und Videointerpretation


4. Prüfungsmodalitäten und Leistungsnachweis

Zu erbringende Leistung
• Lesen der 2-3 Basistexte zur jeweiligen Einheit
• Aktive Mitarbeit & Teilnahme an den Diskussionen
• Rezension eines Textes (ca. 3000 Wörter) aus dem virtuellen Reader, der als VO-Unterlage auf MOODLE zur Verfügung gestellt wird. Die Rezension muss 5 Tage VOR Stattfinden der Prüfung als WORD-Dokument an die LV-Leiterin gesandt werden.
• Schriftliche – wahlweise – mündliche Prüfung (offene Fragen zu Vorlesungsstoff und Pflichtliteratur).

 

Prozentuelle Aufschlüsselung der Teilleistungen zur Beurteilung

• Kenntnis der Basistexte (Reader-Literatur) 20%
• Aktive Beteiligung an den Diskussionen zur Pflichtliteratur auf Basis eines Bonus-Systems 10% (wird zu Beginn der VO näher erläutert und auf MOODLE gestellt
• Schriftliche Rezension: 20 %
• (Schriftliche / mündliche) Prüfung: 50%


5. Literatur (Auswahl):

READER-LITERATUR WIRD IN DER ERSTEN LV BEKANNT GEGEBEN & AUF MOODLE
GESTELLT

 

SS 2016

Institut für Kultur-und Sozialanthropologie

VOSE (Physical) embodiment: Gesundheits- Krankheits- und
Körpervorstellungen im Spiegel kultureller Identität

 

3.2.5 BAC
2 SemStd, 4 ECTS

Leiterin: Mag.a Dr.in Evelyne Puchegger-Ebner

4. Stock, Übungsraum, HS A oder Seminarraum
Neues Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7, 1010 Wien

TERMINE:

MI 09.03.2016 um 11.30-13.00 Ort: HS A
MI 16.03.2016 um 11.30-14.45 Ort: ÜR (A414)
MI 13.04.2016 um 11.30-14.45 Ort: SR A
MI 04.05.2016, 18.05.2016, 01.06.2016 +
29.06.2016 um 11.30-14.45 Ort: ÜR (A414)

Achtung: Anwesenheitspflicht in der ersten Einheit!!!

1. Lehrinhalte
Die Medizinethnologie befasst sich mit der sozialen und kulturellen Dimension von
Gesundheit, Krankheit und Medizin – oder anders ausgedrückt – mit der kulturellen
Konstruktion von Krankheit, sowie mit den jeweiligen gesellschaftlichen Reaktionen
darauf. Medizinische Systeme können daher als kulturelle Systeme gesehen werden,
ebenso wie Sprache oder Verwandtschaft: Sie verändern sich entsprechend den
Bedürfnissen ihrer Mitglieder und beugen sich den sozialen Normen. In
Interdependenz mit Gesundheits- und Krankheitskonzepten kommt den jeweiligen
kulturellen Vorstellungen von gender große Bedeutung zu: Diese fließen in
geschlechtlichspezifische Krankheitsbilder ein und sind so Ausdruck und Spiegel von
den sozialen Verhältnissen einer Kultur, sind mit den jeweiligen Wissenssystemen
und Ideologieformen verwoben. D.h. die Wechselwirkung von symbolischer und
konkreter Ordnung ist auch in unseren Körpern 'eingeschrieben' und Teil des
Identitätsbildungsprozesses. In den westlichen Gesellschaften hat die Bedeutung
des Normalen in den letzten hundert Jahren rapide zugenommen - sie werden daher
mit Recht als Normalisierungsgesellschaften angesehen, denn Norm spielt in ihnen
sowohl eine stützende als auch disziplinierende Rolle. Die soziale Normierung
manifestiert sich in den Formen der Ruhe und der Bewegung des Körpers
gleichermaßen und äußert sich in Körperhaltung, Körperpflege, Körperschmuck oder
Ernährungsweise im jeweiligen kulturellen Kontext. Indigene Gesellschaften haben
daher auch andere Vorstellungen von Geschlechtlichkeit, Körper, Gesundheit und
Krankheit als westliche.
Die Lehrveranstaltung beschäftigt sich mit eben diesen Begrifflichkeiten im
Spannungsfeld von emischen Vorstellungen und westlicher Denkweise. Empirische
und theoretische Beiträge zu folgenden Themenfeldern möchten wir aus
verschiedenen Blickwinkeln diskutieren:
• Die verschiedenen Ausprägungen von Körperlichkeit in Wechselwirkung von
Schönheitsidealen, Ernährung, Pflege/Schmuck
• Soziale Konstruktion von Körper und Geschlecht und deren normative
Auswirkungen auf Körper-Verständnis, Sexualität und Rollenverhalten bzw.
den daraus resultierenden oft geschlechts-spezifischen Krankheitsbildern.
• physical embodiment, personales, geschlechtliches und kollektives
Identitätsbewusstsein
• Schönheitsoperationen, Fitness-Programme und zwanghafte Diätschübe als
feminine 'Normierungsfallen' in den westlichen Gesellschaften
• Gesundheits- und Krankheitskonzepte in Relation zu Körperbildern /
Körpermodifikationen


2. Lehrziele

Erlangen von theoretischem Wissen auf dem Gebiet der Ethnomedizin und Medical Anthropology, sowie feministischer Theorie. Im Zusammenspiel von konkreten Lebensbedingungen (sprich: Alltagswelt) und sozialer Konstruktion manifestiert sich der Wandel personaler, geschlechtsspezifischer und kollektiver Körperbilder, Ernährungsgewohnheiten und Gesundheitsbewusstsein. In diesem Sinne will das VS den konstruktivistischen Charakter dieser Begrifflichkeiten aufzeigen. Weiters zielt es darauf ab, den Studierenden ein differenziertes Verständnis hinsichtlich der Interdependenz von Körpervorstellungen, Geschlechteridentitäten und Gesundheits-/ Krankheitskonzepten zu vermitteln.

3. Lehrmethoden
1) Im ersten Slot werden die Inhalte der LV präsentiert und diskutiert; zur Vertiefung
der einzelnen Themen/Fallbeispiele sind zu jeder Einheit Texte zu lesen. Diese und
die Lernunterlagen werden auf der Lernplattform Moodle zur Verfügung gestellt.


2) Die VS-Struktur setzt sich zusammen aus:
• Theoretischem / methodischem Input der LV-LeiterInnen (PP unterlegt)
• Input 1 der Studierenden: Lesen, Bearbeiten und Diskutieren der zu einem
Reader zusammengestellten Pflichtliteratur (3-5 Basistexte pro Einheit zu den
eingangs erläuterten Begriffen und Diskursen)
• Input 2 der Studierenden: Wahlweise individuelle oder Gruppenpräsentationen
zu den jeweiligen Themenfeldern
• Diskussion der auftretenden Probleme und Fragestellungen


4. Prüfungsmodalitäten und Leistungsnachweis

v Kontinuierliche Anwesenheit
v Kenntnis der Basistexte
v Aktive Beteiligung an den Diskussionen
v Mündliche Präsentation
v Schriftliche oder visuelle SE-Arbeit


5. Literatur (Auswahl):

READER-LITERATUR WIRD IN DER ERSTEN LV BEKANNT GEGEBEN & AUF MOODLE
GESTELLT

 

 

WS2015/16 Universität Wien
Institut für Kultur-und Sozialanthropologie

Globalisierte Ökonomien am Beispiel Lateinamerikas:
Weibliches Handeln unter wirtschaftlich prekären Bedingungen

SE 2SS / 5,0 ECTS

Leiterin: Mag.a Dr.in Evelyne Puchegger-Ebner

4. Stock, Übungsraum
Neues Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7, 1010 Wien

TERMINE:

DO 22.10.2015 11:30-14:45
MI 11.11.2015 11:30-14:45
MI 16.12.2015 11:30-14:45
MI 13.01.2016 11:30-14:45
MI 27.01.2016 11:30-14:45

Achtung: Anwesenheitspflicht in der ersten Einheit!!!

1.Lehrinhalte

Weltweit tragen Frauen durch ihre Arbeitskraft zur Existenzsicherung bei. So kommt auch lateinamerikanischen Frauen in vielen Regionen eine große Bedeutung zu (u.a. als landwirtschaftliche Produzentinnen, Arbeiterinnen, Händlerinnen, Betreiberinnen von Kleingewerben / Mikro-Unternehmen). Sie bebauen das Land, gewinnen Rohstoffe, verarbeiten sie weiter, bestimmen meist eigenverantwortlich Herstellung und Vermarktung ihrer Produkte oder verkaufen die Erzeugnisse anderer Frauen – sowohl in ruralen wie urbanen Kontexten - und integrieren sich dabei in das
vorherrschende Marktsystem. Gleichzeitig sind sie diejenigen, welche seit dem Inkrafttreten der Freihandelsverträge besonders stark von Verarmung betroffen sind.
Als Gegenstrategien organisieren sich Frauen zu Selbsthilfe-Gruppen mittels Frauenorganisation und Kleinprojekten. Vorrangiges Ziel dieser Gruppen ist es, mikroökonomische Initiativen für Frauen zu schaffen und zu etablieren - d.h. wirtschaftlichen Aufschwung durch empowerment zu erzielen.
Die LV stellt Frauen als sozio-ökonomisch wichtige / entscheidende Gestalterinnen der lateinamerikanischen Gesellschaften ins Zentrum der Betrachtung: Die vielfältigen Rollen von Frauen als politisch und wirtschaftlich Handelnde (in Geschichte und Gegenwart) werden ebenso diskutiert wie die besonderen Betroffenheiten von Frauen durch die verschiedenen aktuellen sozio-politischen Entwicklungen. Wichtige Themen der ökonomischen Anthropologie werden im lateinamerikanischen Kontext aus der Genderperspektive beleuchtet. Dabei zeigt sich, dass gesellschaftlich-ökonomische Entwicklungen nicht geschlechtsneutral
sind: Diskriminierung und gesellschaftliche Segregationsprozesse in Lateinamerika hängen eng mit der Gestaltung von Geschlechterverhältnissen zusammen und spiegeln die Asymmetrien bzw. Vertiefungen der geschlechtlichen Ungleichheit wider.

Schwerpunktsetzung: Regionaler Fokus sind die ruralen / kleinstädtischen Regionen Mittelamerikas mit ihren spezifischen Wirtschaftsstrukturen (Subsistenzwirtschaft, kleinbäuerliche Produktionsstätten, Kleinstbetriebe, die Dynamik lokaler Märkte) und den ihnen inhärenten Problematiken (Landflucht, Migration, Billigstarbeitskräfte, informelle Wirtschaftsformen, maquiladoras , Sexindustrie, Menschenhandel).

3. Lehrziele

Anhand der angeführten Beispiele und ausgewählten Theorien soll ein Überblick hinsichtlich des aktuellen Wissensstandes der kultur- und sozialanthropologischen Forschung zu Geschlechterbeziehungen und Ökonomie im Kontext Lateinamerikas dargestellt werden, sowie eine Sensibilisierung hinsichtlich feministischer Anliegen und Forderungen in diesem Kontext vermittelt werden. Durch die kultur- und sozialanthropologische Auseinandersetzung lernen die Studierenden Lebenswelten von Frauen differenziert zu betrachten, Stereotypisierungen wahrzunehmen, diese zu dekonstruieren und diskursiv zu bearbeiten.

3. Prüfungsmodalitäten und Leistungsnachweis

 Kontinuierliche Anwesenheit
 Kenntnis der Basistexte
 Aktive Beteiligung an den Diskussionen
 Mündliche Präsentation
 Schriftliche oder visuelle SE-Arbeit

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SS 2015  LAI / Universität Wien
Institut für Kultur- und Sozialanthropologie

Kulturelle Diversität in Lateinamerika

– Ein interdisziplinärer Blick auf
das vielfältige Spektrum kultureller Praktiken

RINGVORLESUNG

im Rahmen des Universitätlehrgangs

Interdisziplinäre Lateinamerika-Srudien (MA)

Kordinatorin Mag.a Dr.in Evelyne Puchegger-Ebner
4. Stock, Hörsaal A
Neues Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7, 1010 Wien

 

1.Lehrinhalte

Kulturelle Diversität in Lateinamerika konstituierte sich in verschiedenen historischen Epochen und brachte unterschiedliche Formen und Bedeutungen kultureller Differenzierung zum Ausdruck: Indigene Gesellschaften der vorkolonialen Zeit stellten oft komplexe interkulturelle Gefüge dar und generierten eine Reihe von Modellen der Interaktionen von Differenzen und Gemeinsamkeiten im Rahmen wechselnder Machtkonstellationen. Kulturelle Vielfalt ist demnach immer mit sozialen, politischen und ökonomischen Prozessen verbunden. Sie ist auch ein wesentliches Element von kultur-politischen Prozessen der Gegenwart und kommt in den verschiedenen kulturellen Gefügen der jeweiligen lokal-spezifischen Praktiken zum Ausdruck. Ihre Bandbreite wird in diesem Semester skizziert und interdisziplinär aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet – vor allem um die Theoriediskussion möglichst breit zu fächern. Die Studierenden erwerben Kenntnisse hinsichtlich der Komplexität kultureller Vielfalt in Lateinamerika und lernen die oft daraus resultierenden Konflikte zu erfassen und unterschiedliche Sichtweisen in Diskussionen reflexiv zu beleuchten.

2. Termine

Mi 18. März 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Einführung in die kulturelle Diversität in Lateinamerika
Evelyne Puchegger-Ebner

Mi 25. März 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Los niños Lobo, an encounter between ethnomedicine and government interventions
Horacia Fajardo Santanas
Abstract: Health depends on many factors related to various domains of social reality, such as family organization, political relations between different groups of people and ambience interactions. In Mexico medical pluralism is a matter of fact with generalised presence in different places and social groups, independently of their economic and cultural background; some of the offers do not have a place in the current legislation but the indigenous medicine is subject to several government interventions that look to integrate it into the regular medical system.  But, despite government, academic and political discourses that dignified, defend and exalt the cultural and social roles of the indigenous medicine, the interventions that looks for the integration had showed that this word means the creation of permanent processes of cultural hybridisation with reinforcement and/or recreation of cultural meanings in the midst of overlapping and contradictory actions.
I will present the case of los niños lobo (the wolf kids) that occurred in an indigenous region of the Sierra Madre Occidental where some school children were affected by an unknown affection consistent in insomnia, disproportionate physical strength and running away by following, they said, to a small wolf who started to speak to them. Several actors from different institutions and professions put their skills and knowledge in the search for a diagnosis and treatment. The proposal of this paper is to argue that the analysis of specific cases can reveal, despite the presence or not of good willing for the integration of different medicines, the practical disputes and rationales behind the notions of the body, welfare, health and illness, as well as the types of power relationships between the actors involved.

Resumen: En México el pluralismo médico es un hecho presente en todo el territorio mexicano con alcance en diversos grupos independientemente de sus niveles económicos y culturales. Este pluralismo involucra una gran cantidad de ofertas provenientes de diferentes tradiciones no biomédicas; algunas de ellas no reconocidas oficialmente por la legislación en salud actual, aunque ésta no es muy clara en prohibición o aceptación. Por otra parte, los discursos gubernamentales y académicos dignifican, defienden y exaltan el papel social y cultural de la medicina indígena impulsando su “integración” al sistema médico regular. Pero estos esfuerzos, en medio de acciones que se traslapan o contradicen, han resultado en procesos permanentes de hibridación cultural en los que se refuerzan o recrean los significados culturales de las partes involucradas.
Bajo ésta perspectiva presentaré el caso de los niños lobo, el cual ocurrió en una región indígena de la Sierra Madre Occidental, donde algunos escolares fueron afectados por un conjunto de signos y síntomas consistente en insomnio, fuerza física desproporcionada para la edad y tamaño, escape nocturno de la escuela-albergue para corretear sin rumbo por los alrededores; atendiendo, según ellos refirieron posteriormente, al llamado a jugar de un pequeño lobo. Ante el caso, médicos, psiquiatras, antropólogos, funcionarios, maestros, terapeutas locales y otros actores intervinieron con sus conocimientos y habilidades particulares para encontrar un diagnóstico y tratamiento.
El propósito de esta presentación es argumentar que el análisis de los casos específicos puede revelar los procesos de hibridación así como las disputas prácticas y razonamientos detrás de las nociones de cuerpo, bienestar, salud y enfermedad y relaciones de poder involucrados en la “integración”.

 

Mi 15. April 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Ungleichheit und gleichheitsorientierte Politik in Brasilien
Bernhard Leubolt
Abstract: Bernard Leubolt referiert zur historischen und aktuellen Entwicklung sozialer Ungleichheit in Brasilien. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die kulturelle Dimension gelegt: Die Auswirkungen der Sklaverei auf das 20. Jahrhundert werden als Einstieg in die nähere Betrachtung verschiedener Phasen gleichheitsorientierter Politik betrachtet. Die Abschaffung der Sklaverei 1888 leitete eine Phase ‚konservativer Modernisierung‘ ein, die mit dem Staatsstreich von Getulio Vargas im Jahr 1930 radikalisiert und beschleunigt wurde. Es wird nachgezeichnet, wie informelle Herrschaftsstrukturen Ungleichheiten reproduzierten und wie gleichheitsorientierte Politik praktiziert wurde. Die von 1964 bis in die 1980er Jahre dauernde Militärdikatur wird als Mittel der Reproduktion von Ungleichheiten begriffen. Die Demokratisierung in den 1980er Jahren war von progressiver Aufbruchsstimmung begleitetet: die Kultur der Ungleichheit wurde zwar in Frage gestellt und auch ansatzweise bekämpft, aber innerhalb enger Grenzen, die besonders während des Neoliberalismus der 1990er Jahre  deutlich wurden. In der Präsidentschaft des ehemaligen Gewerkschaftsführers Inacío Lula da Silva wurden Ungleichheiten wieder stärker politisch adressiert und auch real bekämpft. Das Modell eines sozialen Entwicklungsstaats wurde etabliert und von Präsidentin Dilma Rousseff fortgesetzt.
Leubolt zeichnet  ein differenziertes Bild der Fortschritte und Widersprüchlichkeiten des brasilianischen Entwicklungsmodels. Vor diesem Hintergrund wird er auf derzeitige Krisenerscheinungen und die gesellschaftliche Protestdynamik eingehen, die während der WM-Generalprobe Confed-Cup besonders deutlich wurden. Seine These: Kulturell tief verwurzelte Ungleichheiten wurden abgebaut. Der soziale Aufstieg der Armen in die ‚neue Mittelschicht‘ gefährdet den sozialen Status der traditionellen Mittelschichten, die sich zusehends von der Regierung abwandten. Die aktuelle politische Dynamik im Land ist polarisiert und konfrontativ und findet auch in kulturellen Praxen Ausdruck, die abschließend beschrieben werden.

Mi 22. April 2015, , 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
VISUALizando LATINOamérica. Construcción y representación de identidades en los procesos culturales de la globalización (espacios transculturales en Viena)
Jesus Nava Rivero
Resumen: La conferencia analiza las representaciones culturales y la producción transnacional de imágenes de Latinoamérica en los procesos culturales de la globalización. El objetivo es analizar que atributos han sido seleccionados y privilegiados en la representación de lo „LATINO-americano”, y la manera en que estos se administran y se reproducen en los pasajes transculturales de ciudades europeas como Berlín, Viena y Basel. Otro objetivo es entender que la globalización al fragmentar y deseminar los trazados identitarios de lo nacional a lo transnacional provoca múltiples redefiniciones de las culturas latinomericanas, modificando las pertenencias de identidad , las representaciones culturales y re-construyendo nuevos imaginarios culturales de identidad

En este contexto la conferencia tiene los siguientes planteamientos:

1) Dónde y en que forma se manifiesta lo „Latino“ (Latinoamericano) en los espacios transculturales de las ciudades de Viena, Basel y Berlín?

2) Cuáles representaciones y arquetípos hay sobre lo „Latino“?

3) Cómo se construyen y se visualizan?

Mi 29. April 2015, , 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Veränderungen und Konstanten im indigenen Gewohnheitsrecht an Hand des Beispiels Sacapulas, Guatemala
Eva Kalny
Abstract: Gewohnheitsrechtliche Normen regeln das Zusammenleben und bieten Richtlinien für die Vermeidung und Lösung von Konflikten. Sie bieten staatlichen rechtlichen Regelungen gegenüber zahlreiche Vorteile – so z.B., dass sie von allen am Verfahren Beteiligten auch tatsächlich verstanden werden, und dass ihre Anwendung fallbezogen und flexibel stattfinden kann. Indigenes Gewohnheitsrecht ist in Guatemala seit Ende des Bürgerkriegs 1996 staatlich anerkannt und erlaubt indigenen Gemeinden nun auch offiziell, zahlreiche rechtliche Angelegenheiten selbständig zu regeln. Gleichzeitig wurden staatliche Gesetze internationalen menschen- und frauenrechtlichen Normen angepasst.
Doch was bedeutet indigenes Gewohnheitsrecht im familiären Bereich, und wie hat es sich seit seiner Anerkennung verändert? Und wie funktioniert dies im Kontext großer ethnischer Heterogenität? – In einem ersten Schritt werden familiäre Normen und Konfliktlösungsstrategien im Munizip Sacapulas vor der staatlichen Anerkennung erläutert. Das ethnisch heterogene Sacapulas ist hierfür ein besonders geeignetes Beispiel, da neben der mestizischen Bevölkerung zwei auch sprachlich unterschiedliche Maya-Gruppen leben. Sacapulas liegt in der vom Bürgerkrieg äußerst stark betroffenen Provinz Quiché, seine Bevölkerung war Opfer von Morden und Massakern durch das Militär. Die Erhebung des indigenen Gewohnheitsrechts fand in ausführlicher Feldforschung in der ersten Hälfte des Jahres 1996 statt und umfasste die Bereiche der Familienschließung, der Trennung und des Erbrechts.
Neue Erhebungen zeigen, dass sich familiäre Normen und Lebensrealitäten in beiden Maya-Gruppen seit damals umfassend verändert haben. Diese nun neu unternommene Re-Study bietet Aufschluss über Veränderungsprozesse im Gewohnheitsrecht im Bereich familiärer Normen und damit in Geschlechter- und Generationsbeziehungen.

Mi 6. Mai 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Indigene Völker, Demokratie und Extraktivismus in Lateinamerika. Die Beispiele Bolivien und Ecuador
Juliana Ströbele Gregor
Abstract: In der stetig  steigenden Nachfrage der globalen Wirtschaft nach Rohstoffen und damit verbunden steigender Preise hat in vielen lateinamerikanischen Staaten seit der Jahrtausendwende ein boom der exportorientierten Ausbeutung ihrer natürlichen Ressourcen und des Ausbaus von Verkehrswegen eingesetzt.
Da diese Ressourcen oftmals in Territorien liegen, die indigene Völker beanspruchen oder ihnen bereits per Gesetz  zugesprochen wurden, führt diese Wirtschaftspolitik zum Disput über Beteiligungsrechte der indigenen lokalen Bevölkerung. Und  Divergenzen zwischen den Positionen von Staat und indigenen Organisationen führen immer häufiger zu manifesten Konflikten.
Insgesamt sind die Einstellungen von indigenen Organisationen gegenüber Megaprojekten und Rohstoffausbeutung und ihr Vorgehen - ob gegenüber dem Staat oder gegenüber internationalen Unternehmen -  keineswegs einheitlich. Indigene Organisationen verfolgen erkennbar unterschiedliche Handlungsstrategien und Legitimierungs-Diskurse. An Beispielen aus Bolivien und Ecuador wird der Versuch unternommen, an Hand empirischer Befunde und Dokumente  indigener Organisationen Kriterien zu entwickeln, die geeignet sind für die Analyse und das Verständnis der unterschiedlichen Handlungsstrategien indigener Organisationen gegenüber Staat und Großunternehmen.

Mi 13. Mai 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Kulturtransfer durch Migration: Zwischen kultureller Offenheit und Distanz
Ursula Prutsch
Abstract: Migranten transferieren oftmals viel mehr kulturelles als materielles Gepäck in die Aufnahmeregionen und -kontexte. Kulturelles Gepäck bedeutet Lebensformen, Traditionen, Bräuche, Symbole ihrer alten regionalen Identität. Es kann auch politisch-ideologisches Gepäck bedeuten, das ein Migrant transportiert, um sein "Scheitern" im alten Leben zu kompensieren, um seine Ängste vor einem neuen Leben zu überwinden, indem er sich als Kulturbringer hochstilisiert und sich ethnisch als überlegen darstellt, gerade gegenüber einer indigen und mestizisch geprägten Umwelt. Das war gerade bei MigrantInnen aus Europa nach Lateinamerika der Fall.
Der Vortrag nimmt zum einen europäische Migranten in den Blick, die Europa aus ökonomischen oder politischen Gründen verlassen haben bzw. verlassen mussten und Lateinamerika in ihrer Ahnungslosigkeit als eine Folie wahrnahmen, in die sie ihre eigenen Kulturmuster einschreiben wollten. Zum anderen werden diese Erfahrungen mit jenen japanischer Einwanderer kontrastiert, um Lateinamerika im Zeitalter der verdichteten Globalisierungsprozesse (ab den 1880er Jahren) in einen globalen Kontext zu stellen. Die Begegnungen mit den "Anderen" konnten konfliktiv sein oder sporadisch, aber auch integrativ.
Einige thematisch, geographisch und chronologisch unterschiedlich gewählte Beispiele sollen das Thema in seiner Komplexität umreißen und besser verständlich machen: Das erste Beispiel beschreibt die Auswanderung von Polen und Ukrainern aus der Habsburgermonarchie nach Südbrasilien, ihre konfliktive Auseinandersetzung mit Indigenen und die nationalen Debatten, die daraus entstanden. Dabei wird auch der gesellschaftlich-kulturelle Kontext beschrieben, in dem die japanische Einwanderung eine Rolle spielte. Diese Migrationsgeschichte soll verdeutlichen, wie eine südbrasilianische Region, ein Mikrokosmos, durch unterschiedliche Einwanderungsströme globalisiert wurde, wer die Verlierer und wer die Gewinner waren. Das zweite Beispiel bezieht sich auf Elitenwanderung. Es nimmt die Karrieren von österreichischen jüdischen Flüchtlingen (in Bolivien, Brasilien) in den Blick. Es zeigt, wie ihre Auseinandersetzung mit dem kulturell "Anderen" ihre eigenen Biographien, aber auch ihr Umfeld prägte.
Im Rahmen dieser Beispiele werden die theoretischen Konzepte des Kulturtransfers und der Kontaktzonen vorgestellt. Ebenso werden anhand der Migration von "kleinen Leuten" und von "Eliten" die Grenzen und Möglichkeiten des Themas Kulturtransfer und Migration erläutert.

Mi 20. Mai 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Am Beispiel Guatemalas: Kulturelle Diversität und „Entwicklung“
Georg Grünberg
Abstract: Kultur und Entwicklung ist ein spannungsreiches Begriffspaar. Gerade weil es keinen begrifflichen Konsens der “scientific community” darüber gibt, ob “Entwicklung” als kulturunabhängiger Begriff überhaupt existiert, und ob eine  durch regionale Autonomien definierte Multikulturalität im modernen postkolonialen Nationalstaat überhaupt möglich ist.
Im Falle von Guatemala, einem Land mit mehrheitlicher Maya-Bevölkerung und der rezenten Vergangenheit eines in seiner zerstörerischen Wut einzigartigen Bürgerkriegs, ist es die politische Verweigerung “in beide Richtungen”, die eine echte, also partizipative Demokratie verhindert: auf der einen Seite empfindet die Mehrheit der Indigenen die auf dem Ritual der Wahlen beruhende Politik als fremd und als Fortschreibung der Hegemonie der Ladinos, und überlässt die Vertretung ihrer Interessen Führungsfiguren, die Parallelstrukturen zu den formaldemokratischen aufbauen. Andererseits herrscht bei der Minderheit auf der Regierungsseite eine Selbstzufriedenheit über die unangefochtene Beibehaltung der traditionellen Machtverhältnisse vor, die dazu führt, daß das Friedensabkommen und die nachfolgenden Demokratisierungsversuche unterlaufen werden, indem dem “indio- permitido” zwar der Eintritt in die politische Klasse erlaubt wird, jedoch ohne ihm Eintritt in die Sphären der wirklichen Macht zu gewähren. Ein paralleles System von schwachem Staat und realer, aber verdeckter Macht, hat das Sicherheitsbedürfnis für den öffentlichen Raum so überwältigend groß gemacht, daß die Mehrheit einer Remilitarisierung und einer Verringerung des demokratischen Spielraumes zustimmt, wie die Wahlen vom November 2011 gezeigt haben, in denen ein General aus dem Bürgerkrieg zum Präsidenten gewählt wurde.
Eine „Kultur der  Sicherheit“ fragmentiert die guatemaltekische Gesellschaft in kleine, lokale, ethnisch und religiös geprägte Einheiten, die im traditionellen Siedlungsgebiet der Maya-Völker ebenso wie im städtischen Bereich versuchen, möglichst homogene „Inseln der Sicherheit“  zu schaffen. Dabei sind die jeweiligen kulturellen Codes für ein kooperatives Zusammenleben entscheidend und nicht die Programmatik der „nachhaltigen Entwicklung“. Eine Re-Ethnisierung der Gesellschaft ist die Folge.

Mi 27. Mai 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Indigene Kulturen und „Modernität“
Elke Mader/Ernst Halbmayer

Abstract: Der Vortrag wird unterschiedliche theoretische Positionen des Verhältnisses indigener Kulturen und der Moderne thematisieren und zeigen wie sich das Verständnis von Modernität innerhalb der Moderne gewandelt hat. An Hand aktueller Beispiele aus Ekuador und Kolumbien werden konkrete Aspekte moderner indigener Lebenswelten empirisch und ethnographisch vermittelt und theoretisch reflektiert. Dabei wird einerseits die interkulturelle schamanische Moderne im Schamanismus der Shuar und andererseits übergreifende Prozesse des „joint becomings“ thematisiert, welche unterschiedliche, den aktuellen Modernitäten zugrundeliegenden, sozio-kosmologische Konzeptionen reproduzieren.   

Mi 3. Juni 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
La Canasta Solidaria: Stadtteilinitiativen im Kontext wirtschaftsanthropologischer Debatten
Maria Dabringer

Mi 10. Juni 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Remix Cultures - Im Spannungsfeld karibischer Musik und globaler Medienlandschaften
Hanna Klien

Mi 17. Juni 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Der „sprachenfrohe“ Kontinent: Gesellschaftliche und individuelle Mehrsprachigkeit in Lateinamerika
Eva Gugenberger

Mi 24. Juni 2015, 18.30 – 21.00 Uhr (s.t.)
Prüfung

 

3. Lehrziele

Auf Basis eines flexiblen und dynamischen Kulturverständnisses soll zum
einen die Bedeutung von kultureller Diversität für die "kulturelle Landschaft" Lateinamerikas aufgezeigt und zum anderen diese Praktiken als Strategien der Selbstermächtigung von indigenen Gemeinschaften in Lateinamerika vermittelt werden. Im Zentrum der Betrachtung stehen dabei transkulturelle Verflechtungen – sowohl prä- als auch postkolonialer Provenienz. Kulturelle Veränderungen werden zwar gerne dem Phänomen der Globalisierung angelastet, reflektieren aber so nur das Klischee einer weltweiten Kulturfusion oder das Szenario einer Fragmentierung sogenannter "intakter" Gesellschaften. Bei vielen indigenen Gesellschaften ist Wandel allerdings kein neues Phänomen, sondern Teil ihrer Tradition. Demgemäß werden Prozesse der Globalisierung als rezente Entwicklung in einem bestimmten Zeit/Raum-Kontext verstanden. In diesem Sinne werden Austauschbeziehungen, Wandel, interkulturelle Kommunikation als historisch gewachsen präsentiert und Stereotypen von kultureller Homogenität, Purismus und Nationalkultur eine Absage erteilt. Die Auffassung von einer früheren sog. Geschlossenheit "lokaler Systeme" ist fragwürdig und obsolet, die Anerkennung von kultureller Diversität wird daher schwerpunktmäßig umgesetzt. Mittels der neueren theoretischen Diskurse, Konzepte und Analyse-Modelle von cultural mixing (Hybridisierung, Parallelisierung, Kreolisierung, Transkulturalität, "dritter
Raum") soll den Studierenden das breit gefächerte Phänomen "kulturelle
Diversität" erläutert werden, ihnen ermöglicht werden, Kenntnisse hinsichtlich der Verschiedenartigkeit kultureller Praktiken in Lateinamerika zu erwerben bzw. bereits vorhandenes Wissen zu vertiefen. Die Fokussierung des interdisziplinären Austausches, welcher Erkenntnisse unterschiedlicher Wissenschaftstraditionen sowohl gegenüberstellt, als auch zusammenführt, gewährleistet ein mannigfaltiges Spektrum wissenschaftlicher Sicht- und Herangehensweisen auf die kulturelle Diversität Lateinamerikas und die hier stattfindenden gegenwärtigen soziokulturellen Prozesse. Die Vielfalt der Beispiele demonstriert das weite Feld der Anwendungsmöglichkeiten der zur Diskussion stehenden theoretischen Ansätze. Im Wechselspiel von Theorie und Praxis bietet sich daher das interdisziplinäre Vorgehen als perfekter Modus Operandi zur Erfassung und Darstellung lateinamerikanischer Realitäten an.

4. Lehrmethoden

Um den frontalen Charakter der Ringvorlesung aufzubrechen, wird eine aktive Beteiligung der Studierenden eingefordert und die Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden gefördert und in das Beurteilungsschema einbezogen. Im – an die Vorlesung anschließenden - Konversatorium wird mittels der zu einem Reader zusammengestellten Pflichtliteratur und zu erarbeitenden Aufgabenstellungen eine Diskussions-Basis für die in der RV präsentierten Thematiken bereitgestellt.

5. Prüfungsmodalitäten/Leistungsnachweis

Schriftliche / mündliche Prüfung (offene Fragen zu Vorlesungsstoff und Pflichtliteratur)

6. Literatur

wird in Form eines Readers UND PDFs während der VO kommuniziert.

SS 2015  LAI

Beziehungen zwischen Geschlecht und Medizin

 

WAHLFACH

im Rahmen des Universitätlehrgangs

Interdisziplinäre Lateinamerika-Srudien (MA)

Kordinatoren:
Mag.a Dr.in Evelyne Puchegger-Ebner
Mag. a Barbara Kazianka


Unterschiedliche Veranstaltungsorte
siehe Programm

 

1.Lehrinhalte / Contenido

Geschlechterbeziehungen durchdringen fast jeden Winkel unseres sozialen und biologischen Lebens vom Tage unserer Zeugung bis weit nach unserem Tod. Die sozialen Regeln, Werte und Normen, die im Allgemeinen das biologische Geschlecht an das soziale Geschlecht koppeln, bilden den Handlungsspielraum innerhalb dessen wir uns bewegen und bestimmen so, welches Verhalten für wen sozial akzeptierbar ist und welches nicht. Da sich die Medizinanthropologie vor allem mit dem kulturell konstruierten und biologischen Körper, sowie Konzepten wie Gesundheit, Krankheit, Tod, Reproduktion und Geburt beschäftigt, sind theoretische Überlegungen und empirische Beobachtungen zu Geschlechtskonstruktionen und Geschlechterbeziehungen sämtlichen medizinanthropologischen Forschungen und Diskursen immanent. Beide Bereiche, Gender Studies und Medical Anthropology, sind daher auf das Engste miteinander verwoben. Egal ob es sich um „klassische“ medizinanthropologische Themen wie Kosmologie, Schamanismus, traditioneller Medizin etc. oder um Themen jüngeren Ursprungs wie Public Health, Reproduktionstechnologien, Diversity Management, interkultureller Pflege, etc. handelt: Kein Themengebiet kann ohne eine zumindest grundlegende Betrachtung von Geschlecht adäquat untersucht werden.
In diesem Vorlesungszyklus werden die unterschiedlichen Aspekte der Verschränkungen von Geschlecht und Medizin theoretisch beleuchtet und anhand von Beispielen verdeutlicht. Hierbei wird eine größtmögliche Themenbreite bei gleichzeitiger regionaler Fokussierung auf Lateinamerika behandelt. 

Lás relaciones de género penetran cada sector de nuestra vida social y biológica, desde el día de nuestra concepción hasta el día de nuestra muerte. Las reglas sociales, valores y normas, que vinculan en la mayoría de los casos el género biológico con el género social, conforman el lugar de conducta en la que nos movemos y las que dictan que conducta social es aceptada y cual no. Ya que la antropología médica se ocupa del cuerpo biológico y el construido socialmente, así como los conceptos de salud, enfermedad, muerte, reproducción y nacimiento, son inmanentes los razonamientos teoréticos y las observaciones empíricas para la construcción y relaciones de género, y para todas las investigaciones y discursos de la medicina antropológica. Ambos campos, los estudios de género y la medicina antropológica, están entretejidos estrechamente. Sin importar si se trata de los temas “clásicos” de la antropología medica como la cosmología, el chamanismo o la medicina tradicional o temas más jóvenes como la salud pública, las tecnologías reproductivas, asistencia médica intercultural, etc. Ninguno de estos campos puede ser analizado profundamente sin la perspectiva de género.
En este ciclo de lecciones serán presentados de forma teórica los aspectos de concretización del género y la medicina y estos aspectos serán ilustrados con ejemplos. Un ancho espectro de este temas enfocando a la región geográfica de Latinoamérica serán presentados desde un punto de vista antropóloga medica para cumplir este objetivo.

 

2. Termine / Programm
Plazos / Programa

1. Termin: 20.3. 18:00 - 21:00 Uhr Europasaal

18:00 – 19:15
Evelyne Puchegger-Ebner: Medical Anthropology – Eine Einführung aus feministischer Perspektive anhand von Beispielen aus Lateinamerika

15 Minuten Pause / Pausa

19:30 - 21:00
Marlies Möderndorfer:Sensual and bodily ways of knowking:
Theoretische und praktische Konzeptionen einer Sensorischen Anthropologie, Anthropologie der Sinne und Anthropologie des Körpers.

 

2. Termin 8.5. 18:00 - 21:00 Uhr Weltmuseum

18:00 – 19:15
Bernd Brabec de Mori:Sábias und médicos. Indigene Medizin und der Erhalt der Welt in Westamazonien.

15 min. Pause / Pausa

19:30 - 21:00
Claudia Augustat: Zur materiellen Kultur von Heilritualen in Südamerika: Beispiele aus der Sammlung des Weltmuseum Wien.

 

3. Termin 9.5. 10:00 - 16:00 Uhr Europasaal

10:00 -11:15
Silvia Eberl: Apitherapie – Heilung durch Bienen & Bienenprodukte

15 min. Pause / Pausa

11:30 – 13:00
Claus Deimel:Judas Faires Diablo. Vom Teufel und der wilden Lust am Leben

30 min Mittags-Pause / Almuerzo

13:30-14:45
Barbara Kazianka: Jenseits von Eindeutigkeit: Geschlechterbeziehungen der Wayuu aus medizinanthropologischer Perspektive / Mas allá de lo inequívoco: relaciones de género de los wayuu desde la perspectiva medicinal-antropológica

15 min. Pause / Pausa

15:00 – 16:15
Barbara Kühhas & Johanna Glaser: Die Kosmovision der Maya im Spiegel von Geschlechterbeziehungen

3. Abstracts

Evelyne Puchegger-Ebner

Medical Anthropology – Eine Einführung aus feministischer Perspektive anhand von Beispielen aus Lateinamerika

Der Überblick über die für das Fach relevanten Konzepte und Theorien wird schwerpunktmäßig mit dem gesellschaftlichen Verständnis von 'Körper' und Körperpolitiken verwoben. Bereits zu Beginn der sogenannten 'Neuen Frauenbewegung' stand die Befreiung des Frauenkörpers und dessen Wiederaneignung aus patriarchaler Vormundschaft und Kontrolle im Mittelpunkt feministischen Protests. Aktionen zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, die Organisierung von Selbstuntersuchungen und Selbsthilfegruppen  sowie die Errichtung von Frauengesundheitszentren waren Ausdruck dieses Auf/Begehrens. Wenn auch während der nach folgenden Dekaden dieses Wissen um das 'Einschreiben' von Macht- und Herrschaftsverhältnisse mittels Gender-Mainstreaming verdrängt wurde, so kam es auch aufgrund der Körper-Diskurse der Medical Anthropology zur 'Wiedergewinnung des (weiblichen) Körpers'. D.h. Gesundheit, Krankheit und Sexualität von Frauen werden wieder im Zusammenhang mit den ganz bestimmten sozialen Verhältnissen und gesellschafts-politischen Ideologien korreliert. In diesem Sinne steht auch der (weibliche) Körper als gelebter Körper im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtung. Mittels Beispielen aus Lateinamerika werden u.a. folgende Problemfelder thematisiert:

Der Körper als politischer Ort
Der menschliche Körper als ein Ort des Politischen, ein Ort, an dem sich Macht- und Herrschaftsstrukturen manifestieren und der als Projektionsfläche für Ideologien fungiert. Der Körper als Schnittstelle zwischen Innen und Außen, zwischen Individuum und Gesellschaft.

Der Idealkörper
Ist ein Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse. Er ist ein politisches Konstrukt und steht in unserer Gesellschaft immer in Abgrenzung und als Gegensatz zum abzulehnenden 'Anderen', zum kranken, angeblich hässlichen, 'abnormalen' Körper; dem Körper der VerliererInnen, der 'Asozialen', Arbeitslosen, der AuflenseiterInnen. Das Konstrukt des idealen Körper ist eng mit der derzeitigen gesellschaftliche Ideologien von Leistung und Disziplin verbunden.

Sexistische Bilder
Das Bild der Frau als Prostituierte oder a-sexualisierte Mutter/Heilige ist noch immer im kollektiven Denken präsent und wird nach wie vor medial kolportiert. So werden Frauenkörper in der Werbung sexualisiert überzeichnet. Frauen sind so dem psychologischen Druck ausgesetzt, diesen Bildern zu entsprechen.

Medicina antropológica- una introducción desde a perspectiva feminista con ejemplos de Latinoamérica

Una perspectiva será entretejida entre los conceptos y teorías que son relevantes para esta materia y el entendimiento del “cuerpo” y las políticas del cuerpo conocidas en la sociedad.
Ya en el comienzo del llamado „Nuevo movimiento femenino“ estaba la liberación del cuerpo y su recuperación de la tutela y control patriarcal en el centro de las protestas feministas. Acciones como la legalización del aborto y la organización de centros de salud para la mujer y grupos de ayuda son la expresión de este afán. Aún cuando después de décadas este aporte de recuperación de poder ha sido debilitado por las corrientes de Mainstreaming de políticas de género, así también a cobrado importancia gracias a los discursos de cuerpo de la Medicina Antropológica y la recuperación del cuerpo femenino, eso quiere decir en aspectos que están relacionados con las ideologías social-políticas y de relaciones sociales especiales como los son la sexualidad, salud y la enfermedad. En este sentido el cuerpo (femenino) está en el centro de la observación científica. Por medio de ejemplos de Latinoamérica van a ser tematizados los siguientes problemas y campos:

El cuerpo como lugar político
El cuerpo humano como un lugar de política, un lugar en el que manifiestan las estructuras de poder y dominación y que funciona como área de proyección de ideologías. El cuerpo como punto de encuentro entre el dentro y fuera, entre la sociedad y el individuo.

El cuerpo ideal
El cuerpo es un espejo de las relaciones en la sociedad. Es una construcción política y se encuentra en nuestra sociedad siempre en confrontación con el cuerpo anormal, el cuerpo enfermo, el cuerpo de los perdedores, de los desempleados, de los marginados. La construcción del cuerpo está siempre ligada a ideologías sociales como disciplina y rendimiento.

Cuadros sexistas
El cuadro de la mujer como prostituta o como madre o santa asexual todavía está presente en la memoria colectiva y es publicada de ese modo en los medios de comunicación. Así es exagerada la presencia sexual del cuerpo femenino en la publicidad. De este modo las mujeres están bajo la presión sicológica de presentarse siempre de esa manera.

 

Marlies Möderndorfer

‚Sensual and bodily ways of knowking’
Theoretische und praktische Konzeptionen einer ‚Sensorischen Anthropologie’, Anthropologie der Sinne’ und ‚Anthropologie des Körpers’

Das menschliche Sensorium ermöglicht die Umwelt wahrzunehmen und auf Basis der Sinneswahrnehmungen mit der Umwelt zu kommunizieren. An der Schnittstelle zwischen dem Menschen und seiner Umwelt und ermöglicht dies die kontinuierliche Korrespondenz des menschlichen Organismus mit der belebten und unbelebten Umwelt (vgl. Ingold 2000, 2013). Die einzelnen Wahrnehmungen werden anhand von bisher gemachten Erfahrungen körperlich und/oder intellektuell interpretiert und reflektiert. Die subjektive Wahrnehmung ist somit ein multisensorischer, intellektueller und körperlicher Prozess, welcher durch die jeweilige soziale Eingebundenheit einer Person geprägt ist. Gleichzeitig gestaltet die Art der Wahrnehmung wiederum das soziale Leben grundlegend, indem die Erfahrungen kommuniziert bzw. veräußert werden (vgl. Pink 2009). Der Körper wird anhand der sinnlichen Erfahrungen im sozialen und kulturellen Kontext eingesetzt. Auf materieller Ebene, stellt er die Voraussetzung für die Wahrnehmung, Interaktion und Kommunikation dar. Mithilfe des Körpers werden soziale und kulturelle Werte kommuniziert (vgl. Bourdieu 1987). Theoretisch wird dies aktueller als ‚sensual knowledge’ (vgl. Hahn 2002), oder verkörpertes Wissen - ‚Embodiment’ konzeptualisiert (vgl. Csordas 1992, Okely 2008). Verkörpertes Wissen und Erfahrung ist eine zentrale Ressource des Menschen, sich in einer sozialen Welt zu bewegen, sowie zu veräußern. Das Erleben über die Sinne ermöglicht in weiterer Folge nicht nur grundlegende, verbale und nonverbale Kommunikation, sondern auch ‚intersubjektives Erleben’ (Jackson 1998).
In der Geschichte wurden die einzelnen Kanäle über welche die Wahrnehmungen geleitet werden unterschiedlich klassifiziert. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts beispielsweise wird in der westlichen Welt von einem 5 Sinnes-Modell (sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen) ausgegangen, das auf Aristoteles zurückzuführen ist. Im Laufe der Geschichte haben sich die Ansichten diesbezüglich immer wieder geändert (vgl. Geurts 2002:3-10). Heute ist die Forschung zur sensorischen Wahrnehmung trans- bzw. interdisziplinär (vgl. Pink 2010:2-5).
Die sensorische Anthropologie setzt sich mit der sozialen Dimension des sinnlichen Potentials eines Menschen innerhalb einer materiellen und immateriellen Umwelt auseinander. Der Vortrag wird sich mit ausgewählten theoretischen Ansätzen zur ‚Anthropologie der Sinne’ und der ‚Anthropologie des Körpers’ beschäftigen und mithilfe ethnographischer Beispiele die Relevanz dieses Themenfeldes verdeutlichen.

 

Bernd Brabec de Mori

Sábias und médicos. Indigene Medizin und der Erhalt der Welt in Westamazonien. 

Wer von “traditioneller” oder “indigener” Medizin in amerindischen Gesellschaften spricht, lässt sich auf einen Themenbereich ein, der weit über das westliche Verständnis von Medizin hinausgeht. Der Umgang mit pflanzlichen (selten auch mit tierischen oder anorganischen) Stoffen, die als medizinische Mittel Verwendung finden, impliziert ein Verständnis der Belebtheit jener Wesen, aus denen die Mittel gewonnen werden. Die Mobilisierung der gewünschten Kräfte funktioniert über den sozialen Kontakt zu besagten Entitäten. Weiters beinhaltet solch “medizinische” Behandlung auch Symptome und Situationen, die im Westen anderen Domänen zugeordnet werden, zum Beispiel Liebeszauber, negocio (Geschäftliches), Schadenszauber oder Hexerei, sowie “kulturelle” oder “soziale” Problemstellungen (etwa ein besserer Fußballer zu werden, schönere Kunst schaffen zu können).
Der direkte Umgang mit solchen Wesenheiten über Rituale und die darin zentralen Gesänge ist traditionell eine männliche Domäne (was sich in manchen Kontexten heute vor allem wegen ökonomischer Interessen ändert), während die praktische Zubereitung und Verabreichung von Präparaten oftmals den Frauen obliegt.
Jede Anwendung indigener Medizin impliziert damit die (Re)Konstruktion einer animistischen Welt, in der der Platz der Menschen zwischen mannigfaltigen nichtmenschlichen Akteuren stets verhandelt und der entsprechende Kosmos aktiv aufrechterhalten wird. Kreativer Umgang mit neuen Konzepten (Spital, Injektionen, Kampfflugzeuge, Internet, die Wissenschaft usw. usf.) spielt hierbei eine entscheidende Rolle, was anhand von Beispielen insbesondere medizinischer Gesänge aus dem peruanischen Tiefland erarbeitet wird.

 

Dr.in Claudia Augustat
Kuratorin, Sammlung Südamerika

Zur materiellen Kultur von Heilritualen in Südamerika: Beispiele aus der Sammlung des Weltmuseum Wien.

Im indigenen Kontext bezieht sich der Begriff der Heilung ebenso wie der der Krankheit in gleichen Massen auf die physische und psychische Existenz des Menschen. Die materielle Kultur von Heilritualen besteht daher weniger aus medizinischen Substanzen als viel mehr aus Objekten, die den spirituellen Teil der Heilung visualisieren. Dazu gehören z.B. die Paraphernalia von SchamanInen als auch Darstellungen von Krankheit bringenden Geistwesen. In der Sammlung des Weltmuseum Wien finden sich hierzu einige eindrückliche Beispiele wie die Mesa des peruanischen Schamanen Eduardo Calderon und die Schnupfutensilien der Sateré-Mawé aus dem frühen 19. Jahrhundert. Da Heilung aber auch die Reintegration der PatientInnen in eine spirituelle und soziale Ordnung bedeutet, stellt sich die Frage, in wie weit Rituale, die dem Wohl der Gemeinschaft dienen, zu den Heilritualen zu rechnen sind? Können sie zu den therapeutischen Ritualen zählen, deren Ziel eine prophylaktische Immunisierung ist? In welcher Beziehung stehen Begriffe wie Individuum, Gemeinschaft, Krankheit und Heilung zueinander?

 

Silvia Eberl

Apitherapie – Heilung durch Bienen & Bienenprodukte

Bienen und Bienenprodukte spielen weltweit eine wichtige Rolle. Vor allem als Bestäuber von Blütenpflanzen sind sie in jüngster Zeit in aller Munde. Aber nicht nur die Bienen selbst, sondern auch ihre Produkte haben weltumspannend eine besondere Bedeutung. Das zeigt sich in Mythen, Sprichworten, Ritualen, Liedern, Kunst und Spiritualität. Apitherapie ist die Verwendung von Bienenprodukten (verarbeitet oder als Rohprodukt) und Bienen (in allen Entwicklungsstadien) zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit. Honig, Propolis, Pollen, Gelee Royal und Bienengift sind dabei als Heilmittel am bekanntesten. Apitherapie ist als eigenständige Methode vor allem unter Imkern bekannt. Bienen und Bienenprodukte spielen aber auch innerhalb anderer Medizinsysteme eine Rolle. Beispiele dafür finden sich in der TCM, Ayurveda, Biomedizin, Homöopathie usw. Die Bienenprodukte werden dabei jeweils nach den Gesichtspunkten der jeweiligen Heilmethode verwendet. Arthur Kleinmanns Modell der Gesundheitssysteme (1980:50) bietet einen spannenden Blickwinkel auf die Mechanismen der Interaktion und Interdependenz von Gesundheitswissen innerhalb eines soziokulturellen Umfeldes. Er unterscheidet dabei zwischen popular sector, professional sector und folk sector. Die Sektoren gehen ineinander über, wobei der popular sector den größten Teil einnimmt, denn gerade im engeren sozialen Umkreis (z.B. Familie) werden die zahlenmäßig meisten Krankheitsepisoden bewältig. In genau diesem, meist unterschätzten Bereich, findet auch ein großer Teil der Apitherapie statt. Im Fokus des Vortrages liegt die Einbettung von apitherapeutischer Praxis und apitherapeutischem Heilwissen von Imkern und ihren Familienmitgliedern im Wiesenwienerwald. Die Beispiele aus der eigenen Forschung sollen als Inspiration dienen, den eigenen Blick für das Thema Apitherapie und ihre Anwendung in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten zu schärfen und die Einbettung von Apitherapie im lateinamerikanischen Raum anregen.

 

Claus Deimel

Judas Fariseo Diablo
Über den Teufel und die wilde Lust am Leben
About the devil and the wild gaiety
Del diablo y de las ganas fuertes de vivir

Wir schreiben die Jahre 2012–2014
In der Sierra Tarahumara, México

Die Pharisäer schleppten ihn lange mit sich herum, sie opferten ihm sogar ihre Nahrung, schlugen ihn dann aber tot: Da liegt der Teufel verdreckt in seiner Militärhose, mit seinem Hut und seinem lächerlichen Phallus und brennt. Große Trommeln werden geschlagen. Sechs tausend Liter Maisbier sind für das finale Ritual gebraut worden. Die Gemeinde zeigt jetzt, wie wohlhabend sie ist und füllt dreihundert Frauen und Männer mit dem Maisbier ab. Während vier Tagen finden aus Sicht des Teufels unglaublich friedliche Besäufnisse statt. Die Leute sind wirklich gut drauf. Es kommt bloß zu einer einzigen, gleichwohl harmlosen Schlägerei. Die Spießermoral der so genannten Zivilisation gerät für einen Moment durcheinander, das Lügengeschwätz ihrer Propaganda wird in unerträglichen Werbeclipps deutlich hörbar. Doch erst am nächsten Tag kehrt die Welt zum Warenkonsum zurück: Das beste Softdrinkkonzept der Erde übernimmt die Herrschaft und mit ihm verbreiten sich, immer fröhlich, schrill und superschnell, die großen Wahrheiten eines erfolgreichen Marketings. Die Menschen geben ihr letztes Geld für eine Flasche braune Brause aus, getreu den Ansagen in den Medien.

Die Jungen tanzen Hip-Hop und führen in die rituellen Kämpfe der Matachine-Tänzer Gottes ein. Und jede Zeremonie endet wieder im Suff unter dem Wummern der Basstuba und mit unglaublich realistischen Liebesliedern. Am Morgen werden die Ereignisse von Handy zu Handy kopiert. Oben auf dem gefrorenen Tafelberg sammeln zwei Jungen das Eis aus den verschmutzten Zisternen und Frauen betrachten historische Fotographien und machen sich fertig für ein neues Shooting. Die Landschaft scheint still zu stehen, nichts ist zu hören, alles ist zu Eis und Stein erstarrt. Ein doppelter Regenbogen hält die Welt an. Unten am Fluss glaubt eine Gruppe noch, sie mit einem rührend traditionellen Kreistanz retten zu können. Und die Matachines schreien sich die Seele aus dem Leib und drehen sich wie besinnungslos im Kreis. Vom Hinterkopf des Tänzers aber starrt Judas Diablo als Januskopf des Menschen auf die zu fröhlichem Konsum verdammte Welt. In der Stadt fiedelt ein fein gekleideter Häuptling für etwas Geld auf seiner Geige. Almosen und rosa Luftballons werden verteilt. Der Teufel liegt in seinem Müll auf dem Altar. Große Trommeln werden geschlagen.

 

Barbara Kazianka

Jenseits von Eindeutigkeit: Geschlechterbeziehungen der Wayuu aus medizinanthropologischer Perspektive

Die Wayuu, die mehrheitlich im Gebiet von La Guajira im Norden Kolumbiens und Venezuelas leben, gelten seit den 1960er Jahren bei vielen AnthropologInnen als von Assimilierung bedrohte Ethnie. Innerhalb ihrer Gemeinschaft wird vor allem das Vergessen der „Bräuche der Ahnen“ diskutiert. Durch eine verbesserte Infrastruktur im Transport-, Bildungs- und Medizinbereich, neue Technologien der Kommunikation und Energiegewinnung sowie erhöhte Mobilität verändert sich ihre Welt ständig und erfordert eine bewusste Beschäftigung mit den neu entstandenen Lebensbedingungen. Traditionelle Ordnungssysteme wie matrilineare und matrilokale soziale Organisationsstruktur, Rechtssystem, Glaubensvorstellungen etc. werden durch neue Lebensentwürfe herausgefordert. Da die Beschäftigung mit unserem Körper, Gesundheit und Krankheit tatsächlich über Tod und Leben entscheidet, vollzieht sich gerade in diesem Bereich eine intensive Auseinandersetzung mit teils fremdkulturellen Konzepten und Praktiken. Im Falle der Wayuu zeigen sich die daraus resultierenden Veränderungen im Bereich der Medizin besonders deutlich, da die schamanische Praxis durch die Beziehung zwischen dem weiblichen und männlichen Prinzip bestimmt wird. Aus diesem Grund ist der Fokus dieses Vortrags auf die Transformation der Geschlechterbeziehungen und dessen Auswirkungen auf den Alltag und die medizinische Praxis der Wayuu gerichtet.

Mas allá de lo inequívoco: relaciones de género de los wayuu desde la perspectiva medicinal-antropológica

Los wayuu, pueblo que habita en su mayoría en la Guajira, en el norte de Colombia y Venezuela, son considerados por muchos antropólogos como una etnia en peligro de asimilación del cultura occidental. Dentro de sus comunidades se discute como el mayor problema el olvido de las costumbres en relación con sus ancestros. A causa de la modernización en el transporte, infraestructura, educación, medicina y nuevas formas de comunicación la movilidad ha crecido de tal forma que su mundo ha cambiado constantemente y sus nuevas condiciones de vida deben ser analizadas desde un nuevo punto de vista. Los sistemas de orden tradicionales como las estructuras matrilineales y matrilocales en la estructura de organización social, el sistema de derecho, creencias, etc. son desafiadas por nuevos planes de vida. Ya que la ocupación con el cuerpo, así como la salud y la enfermedad deciden de hecho sobre la vida o la muerte, éstas se ven influenciada por prácticas y conceptos de culturas extranjeras.  En el caso de los wayuu se muestran cambios en el campo de la medicina, especialmente en las prácticas chamanísticas que son determinadas por la relación entre los principios masculinos y femeninos. Por esta razón el enfoque de esta presentación es el cambio en las relaciones de género y sus concecuencias en el día a día y en la práctica de la medicina.

 

Barbara Kühhas & Johanna Glaser

Die Kosmovision der Maya im Spiegel von Geschlechterbeziehungen

Dieser Vortrag geht auf die historischen Wurzeln und die Gegenwart spiritueller Praktiken der Mayatradition in Zentralamerika ein. Das indigene Weltbild, die „Kosmovision“, die Rolle des Mayakalenders und die besondere Beziehung zur „Mutter Erde“ stehen im Mittelpunkt der Betrachtung.
Dabei soll einerseits auf die Initiation und Rolle von Mayapriestern und –priesterinnen (Ajq´ijab´), wie auch auf ihre verschiedenen Aufgaben und Funktionen (speziell als HeilerInnen), eingegangen werden. Einen grundlegender Teil der spirituellen Praxis bildet die Arbeit der Ajq´ijab´mit dem heiligen Kalender Cholqíj (K´iche´), der als Grundlage von Harmonie im Kosmos gesehen wird. Im Mayakalender wird jedem Tag eine gewisse Qualität zugeschrieben, die eine zentrale Grundlage des Verständnisses um die Zusammenhänge des Kosmos bedeutet. Das Prinzip der Reziprozität, also der wechselseitigen Abhängigkeit der Menschen und der übernatürlichen Welt, lässt sich an den Ritualen, den Ritualplätzen und dem Umgang mit der Erde erklären, die für die Maya eine spirituelle Geographie besitzt. Die Natur wird als „Mutter Erde“ verehrt, und an den „heiligen Plätzen“ durch Rituale in den spirituellen Dialog aktiv miteinbezogen.
Thema sind auch die Veränderungen der heute so genannten „Mayaspiritualität“, die in den vergangenen Jahren – vor allem im Zusammenhang mit der Mayabewegung – stattgefunden haben.
Ausschnitte aus dem Film „Corazon del Cielo, Corazon de la Tierra“ sollen das Bild abrunden und einen aktuellen Einblick in die Gegenwart der indigenen Gesellschaften Guatemalas bieten. Dabei wird der Zusammenhang von Spiritualität mit so aktuellen Themen, wie Landrechten, Position der Frauen und der Ausbeutung von Bodenschätzen, interdependent dargestellt.

5. Prüfungsmodalitäten/Leistungsnachweis

Schriftliche / mündliche Prüfung (offene Fragen zu Vorlesungsstoff und Pflichtliteratur) - Termin noch nicht bekannt

6. Literatur

wird in Form eines Readers UND PDFs während der VO kommuniziert.