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Moore
 
Moore sind Gebiete mit Torfablagerungen von mindestens 30-40 cm Tiefe. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Hoch- und Niedermooren (was nichts mit deren geographischer Lage zu tun hat). Der Hauptunterschied zwischen Hoch- und Niedermooren liegt in ihrer Wasserversorgung. Niedermoore benötigen reichlich Grundwasser, Hochmoore werden nicht vom Grundwasser gespeist. Wird Regenwasser von Torfmoosen (Sphagnum) aufgefangen, dann hebt deren außergewöhnliches Speichervermögen den Wasserspiegel bis zu wenigen Zentimetern unterhalb ihrer Köpfchen. In Hochmooren ist der vertikale Wasseraustausch sehr langsam. Regenwasser sickert mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 1 Meter pro Tag durch die oberen Torfschichten (Katotelm) und kann mehrere Wochen brauchen um bis zum Moorgrund zu gelangen.
 
 
  Hochmoor
Hochmoor
 
    Hochmoore
 
Hochmoor
Hochmoor mit Bäumen
 
  Hochmoore sind regengespeist (ombrotroph). Sie benötigen Gebiete mit geringem Wasserabfluß, ein Klima, bei dem die Niederschlagsmenge jene der Verdunstung übersteigt, und ein nährstoffarmes Milieu, das Torfmoosen in ihrem ökologischen Wettbewerb mit höheren Pflanzen Vorteile verschafft. Das Wachstum höherer Pflanzen wird aber auch durch die Torfmoose selbst beschränkt, da sie die vorhandenen Nährstoffe binden und das Moorwasser ansäuern (pH=3-4). Hochmoortorf besteht fast ausschließlich aus teilweise abgebautem Sphagnum; sein Kohlenstoffgehalt ist niedrig (ca. 3%). Die Torftiefe von Hochmooren beträgt 2-10 m.
   Da die Wasseroberfläche im dichten Netzwerk der Sphagnumstämmchen und -blätter eingeschlossen ist, fehlen Wasserbewegungen fast vollständig und der Wärmeaustausch zwischen Wasser und Luft ist stark eingeschränkt. Dies führt zu einem extremen Mikroklima, bei dem Temperaturunterschiede von über 30º zwischen Tag und Nacht auftreten. Sogar im Sommer - selbst wenn die Sonne die Pflanzendecke aufheizt - steigt die Wassertemperatur kaum über 10º, und Nachtfröste treten während des ganzen Jahres auf. Im Vergleich zur Umgebung kann die Vegetationsperiode im Hochmoor um 2-3 Monate verkürzt sein.

 
 
Niedermoore
 
Niedermoore sind ein Stadium im Entwicklungsprozeß (Sukzession) von offenen Teichen oder seichten Seen zu ombrotrophen Hochmooren. Sie sind minerotroph, d.h. ihr Wasserkörper ist mit dem mineralhaltigen Grundwasser verbunden. Torfmoose und eine Anzahl andere Pflanzenarten wachsen in leicht saurem, neutralem oder sogar alkalischem (bis zu pH=8) Milieu und bilden Torf mit relativ hohem Kohlenstoffgehalt (ca. 10%). Die Torftiefe von Niedermooren beträgt gewöhnlich weniger als 2 m.
   Hat ein Niedermoor das Stadium erreicht, wo seine Torfmoosdecke den Kontakt zum Grundwasser verliert, dann entscheiden Klima und Umweltbedingungen darüber, ob es sich zu einem Hochmoor oder zu einem verlandeten Waldgebiet weiterentwickelt.

 
 
 
Niedermoor mit Seggen
 
    Die Entstehung von Mooren
 
 
Moorentstehung
 
  Die Moorentwicklung ist ein sehr langsamer Prozeß, der oft schon am Ende der letzten Eiszeit (vor bis zu 10.000 Jahren) begann. Seichte Seen oder Teiche entstanden in Gletscherwannen, die durch Tonablagerungen abgedichtet waren. Unter entsprechenden Bedingungen wurden diese schlecht entwässerten Becken allmählich von Torfmoosen und typischen Niedermoorpflanzen bedeckt und füllten sich schließlich mit Niedermoortorf. Bei besonders nassem Klima bildeten sich anschließend aufgewölbte Hochmoore, die durch das fortgesetzte Wachstum von Torfmoosen - auch ohne Zugang zum Grundwasser - entstanden.
   Da die verschiedenen Torfmoosarten unterschiedliche Wachstumsmerkmale aufweisen, sind Mooroberflächen strukturiert. Vertiefungen (Schlenken) bilden offene Wasserstellen, wenn sie sich mit Regenwasser füllen. Erhöhungen (Bulte) können strangförmig zusammenwachsen (Stränge). Umschließen diese Stränge Vertiefungen, dann werden die dazugehörigen Wasserstellen als "Flarken" bezeichnet. Die relativ trockenen Kuppen der Bulte gestatten das Wachstum von bestimmten höheren Pflanzen und sogar verkrüppelten Bäumen. An den Moorrändern kann sich Torfmoos aufgrund des angehobenen Wasserspiegels lateral ausbreiten und dadurch die Moorfläche ausdehnen. Dieser Prozeß wird "Paludifizierung" genannt. Moorränder können aber auch aus sumpfigen Flächen (Lagge) bestehen, in denen sich das Moorwasser mit mineralhaltigem Grundwasser vermischt. Die bessere Entwässerung dieser Ränder ermöglicht das Wachstum von Bäumen.

 
 
Moore in Österreich
 
Ungefähr 220 km2 - das sind 0,3% der Landesfläche von Österreich - sind mit Hochmooren bedeckt. Die Landkarte, deren Vollständigkeit allerdings nicht gesichert ist, zeigt Gebiete, in denen Hochmoore relativ häufig zu finden sind. Die meisten österreichischen Hochmoore sind kleinflächig und liegen an entlegenen Stellen in den Bergen, wo sie vor landwirtschaftlicher Überdüngung und Luftverschmutzung geschützt sind. Der Großteil des ursprünglichen Moorbestandes in Österreich wurde bereits durch Entwässerung vernichtet.
   Im Osten des Landes, der vom warmen, trockenen pannonischen Kontinentalklima beeinflußt ist, konnten sich praktisch keine Hochmoore entwickeln.

 
 
  Österreichkarte
Gebiete in Österreich, in denen Hochmoore vorkommen
 
    Moorpflanzen: Torfmoos
 
Sphagnum
S. girgensohnii
 
  Verschiedene Sphagnumarten bevorzugen unterschiedliche Standorte. Z.B. ist S. imbricatum eine typische Hochmoorart, während S. subnitens und S. squarrosum nur in Niedermooren vorkommen. In Österreich kann man S. girgensohnii und S. quinquefarium an nassen Waldstellen finden. Eine andere Pionierart ist S. tenellum, das auch für ebene Hochmoorstellen typisch ist. Es bildet Matten, die oft den bultbildenden Arten (z.B. S. magellanicum, S. capillifolium, und S. fuscum, die Torfmoosart mit dem höchsten Wasserhebevermögen) als Untergrund dienen. Bultbildende Sphagnumarten sind im allgemeinen hochwüchsig und beschleunigen die Torfproduktion. Für Schlenken typische Arten sind S. flexuosum, S. fallax und S. majus. S. cuspidatum und S. denticulatum wachsen sogar unter Wasser und können in wassergefüllten Schlenken oder gefluteten Torfstichen gefunden werden. S. palustre, S. fimbriatum und S. angustifolium bevorzugen Moorränder.
 
 
Andere Moorpflanzen
 
Nur eine begrenzte Anzahl hochspezialisierter höherer Pflanzen kann im Hochmoor überleben. Sie müssen säurebeständig sein und in einem schwammigen, extrem nassen, sauerstoffarmen Milieu wurzeln können. Nährstoffe sind knapp, und in ihrem Wettkampf um Licht müssen sich die Pflanzen dem Wachstumsmuster von Torfmoosen anpassen (Zickzack-Bänderung durch kräftiges Höhenwachstum im Sommer, das von enormem Zusammendrücken der Moosstrukturen im Winter gefolgt wird). Allgemein bekannte Beispiele höherer Moorpflanzen sind die Besenheide (Calluna vulgaris) und der fleischfressende Sonnentau (Drosera rotundifolia). Im ersten Fall findet die Stickstoffaufnahme in Symbiose mit Pilzen statt (Mycorrhiza), im zweiten Fall wird der Stickstoffbedarf durch Fangen und Verdauen von Insekten gedeckt. Zu diesem Zweck produziert der Sonnentau eine der klebrigsten bekannten biologischen Substanzen.
   Andere typische Pflanzen in österreichischen Mooren sind Sumpfporst (Ledum palustre), Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Glockenheide (Erica tetralix), Moosbeere (Vaccinium oxycoccos), Moor-Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Krähenbeere (Empetrum nigrum), Seggen (Carex spp.), Wollgras (Eriophorum spp.), Rasenbinse (Trichophorum cespitosum) und verkrüppelte Latschen (Pinus mugo). Zieralgen (Desmidiales) und Fadenjochalgen (Zygnematales) können im Moorwasser reichlich auftreten. Sie leben sogar in Torfmooszellen (Hyalozyten).
   Die Vegetation der Niedermoore ist viel artenreicher. Schwimmende mattenbildende Seggenarten leiten manchmal das erste Stadium der Moorsukzession ein.

 
 
  Sonnentau
Sonnentau
(Drosera rotundifolia)

 
    Tiere im Moor
 
Moorfrosch
Moorfrosch
(Rana arvalis)

 
  Nur wenige Tierarten leben ständig im Hochmoor. Es gibt weder Fische im sauren Wasser, noch gibt es Schnecken, Muscheln, Krebse oder andere Tiere, die reichliche Kalziumzufuhr benötigen. Allerdings beherbergen Hochmoore eine Artenvielfalt an Insekten, darunter zahlreiche Libellen. Auf Moorpflanzen kann man spezialisierte Käfer und Schmetterlinge, sowie deren Raupen, und etliche Spinnenarten finden. Einzellige Tiere leben im Moorwasser oder innerhalb von Hyalozyten des Torfmooses. Amphibien, insbesondere der Moorfrosch (Rana arvalis), leben und/oder laichen im Hochmoor; Schlangen suchen Hochmoore auf um sie zu jagen. In Österreich sollten sich Moorbesucher vor der giftigen Kreuzotter (Vipera berus) in Acht nehmen.
   Niedermoore sind die Heimat einer großen Artenvielfalt an Tieren. Heutzutage sind sie wichtige Rückzugsgebiete für vom Aussterben bedrohte Vogelarten, die ihren ursprünglichen ungestörten Lebensraum verloren haben.

 
 
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